| Nebeltaenzerin | Dass ich mich traue das hier alles zu schreiben hab ich wohl wirklich Julya und Jester zu verdanken. Danke dass ihr mir den Mut gegeben habt mal wieder dahin zu schauen, wo alles das ist, was ich gerne vergessen würde. Vielleicht muss man sich wirklich damit auseinander setzen. Ich kann nicht mehr, als manche Situation zu beschreiben die meine Verdrängungswut noch nicht vertilgt hat. Wenn ich an das denke was war, spüre ich den schmerz nicht mehr an meinem Körper, sondern es schnürt sich mein herz zusammen, ich wies noch immer was ich dabei fühlte… nur bin ich kaum im Stande das auszudrücken. Ich habe für Gefühle keine Worte… das hindert mich oft zu sagen was ich denke, denn denken tue ich in Gefühlen und Bilder. Einfach so dass man es nicht ausdrücken kann.. ich es nicht kann. Naja.. wie dem auch sei… es ist mehr geworden als ich dachte, aber es hat mir jetzt schon geholfen es allein zu schreiben.da ich es persönlcih keinem sagen kann, bilde ich mir einfach mal ein, dass es jemand lesen würde, so dass es wäre, als hätte ich es erzählt... Mein Aufräumen Ich bin vielleicht 4 vielleicht auch 5. grade will ich Fahrradfahren lernen. Ich kann es kaum und sie wollen schon spazieren fahren. Ich schaffe 100Meter vielleicht 200. Langsam aber sicher fange ich an zu schwanken ich kann mich nicht mehr selber halten, grade habe ich mich damit abgefunden zu fallen. Es wäre nicht das erste mal, es wäre auch nicht schlimm. Auf einmal schnürt es mir den Hals zu . Er hat mich von hinten gepackt, hält mich an meiner Kapuze fest. Sie schnürt mir den Hals ab, aber er zieht mich weiter… ich soll fahren. Ich schreie und weine aber er lässt nicht los. Das ich kaum noch Luft bekomme interessiert nicht, ich soll nur fahren. Ich durchfahre diese Kurve jeden Tag...aber ich habe immer noch Angst hinzufallen. Ich bin vielleicht 7, diesen Zeitraum kann ich nicht mehr einschätzen. Ich kann auch älter oder jünger sein, weis es nicht mehr. Ich sitze mit meinen 2 Geschwistern im Spielzimmer. Auf einmal schreit jemand aus der Küche. Wir laufen hin. Meine Geschwister lachen und zeigen auf mich. Sie war’s , sie hat den Grill angemacht. Alles was auf dem eingebauten grill in der Küche stand war geschmolzen. Dann die große Hand die mich hinter meinen Geschwistern hervorzieht. Er kennt die stelle ganz genau wo einem der Arm plötzlich wie gelähmt wird wenn man in den Oberarm kneift. Und er hat Kraft. Er hält mich am rechten Arm, er hat mich immer am Rechten Arm gehalten, und schüttelt mich. Er schreit, sie auch. Ich weis nicht worum es geht, ich habe den Grill nicht angemacht. Bis heute weis ich nicht wie das passieren konnte. Ich habe Angst, werde fast Panisch, mache mir aus lauter Angst in die Hose. Sie hätten es verstehen können… ich war ein Kind. Doch sie sind nicht so… ich will weglaufen, damit er es nicht merkt, doch er packt mich wieder. Ich weis nicht wie lange es so ging, ich weis nur das alles um mich dunkel wurde, irgendwann war ich wieder in meiner anderen Welt und habe ihn schreien lassen. Ich wurde nicht mehr davon erreicht. Die blauen Flecken haben auch keinen interessiert… wer hat mich damals schon angesehen? Ich muss etwa 9 sein. Bin grade im Wechsel von Grundschule zur Orientierungsstufe. Ich hatte keine Freunde, in den Pausen von der 1-4 klasse saß ich auf einem Baum und sah den Kindern zu wie sie lästerten… über mich. Ich bin es gewohnt. Ich hab meine Traumwelt, meine kleine Welt und in der ist das Leben schön. Warum sollte ich mit irgendwem reden? Solange ich träumen kann, und essen. Wir sitzen abends am Esstisch. Ich schmiere mir ein Brot, wie immer mit etwas mehr Butter. Ich weis dass er gleich wieder etwas sagen wird, bin froh dass ich nie neben ihm sitzen musste, ich kann das bis heute nicht ohne mich an den äußersten Rand zu drängen. Und was ich erwartet habe kommt, er wird laut. „iss nicht so viel zu fettes Kind. Du stirbst bald an Herzverfettung. Nimm endlich mal ab“ bis heut bekomm ich den Satz nicht aus dem Kopf. Bei der Magersucht, als ich 14 war sagte er nur „wie dumm bist du dass du nicht mal isst. Wenn du nicht wieder isst dann kannste gleich vor der Tür bleiben“ beide bestreiten bis heute dass ich jemals zu dünn war. Was ich mit 38kg vielleicht wirklich war. Das erste mal in meinem Leben habe ich eine Freundin auch wenn diese Freundschaft recht bald wieder vorbei ist. Ich muss etwa9 sein.. aller höchstens. Meine Freundin schläft bei mir. Eigentlich mag ich das nicht aber sie hatte halt drum gebeten. Wir wollen im Backhaus schlafen, dem Gästehaus. Ich frage meine Mutter, sie will es nicht. Also klettern wir nachts aus dem Fenster, mit Kissen und Decken bepackt. Wir schleichen in das Gästehaus und legen uns schlafen. Irgendwann nachts muss ich auf Toilette. Ich stehe auf und mache das Licht an, ein fataler Fehler. Grade will ich wieder ins Bett als die Tür auf geht. Ich höre ihn unten, mache das Licht aus. Wir halten die Luft an. Doch er kommt in das Zimmer. Als er uns sieht rastet er aus. Er packt mich, schüttelt mich, wie oft ich dabei mit dem Kopf gegen die ecke des Schrankes geknallt bin weis ich nicht. Auch meine Freundin kommt nicht ungeschoren davon. Sofort müssen wir wieder rüber ins Haus. Und ich habe mich so geschämt vor meiner Freundin, da war es egal was er tat. Er hätte mich totschlagen können… vielleicht wäre mir das in dem Moment lieber gewesen, denn ich hatte nie gewollt dass andere wissen wie es bei uns zugeht. Es ist kurz vor dem ersten Advent. Ich muss etwa 14 oder 15 sein. Es ist noch nicht lange her wenn ich es jetzt bedenke. Ich muss in die Stadt zu einer Freundin weil wir ein Referat fertig machen müssen von dem unsere Note abhängt. Ich will los, sage bescheid. Will einfach nur schnell weg, denke mir dabei nichts schlimmes. „hat dein Fahrrad denn auch Licht?“ ich weis es nicht, denke wie immer nicht. Das Licht ist seit langem kaputt. „ohne Licht fährst du nicht“ aber ich muss los. Sonst komme ich zu spät. Sie sagt ich solle erst mein Rad reparieren. Ich kann das nicht, habe keine Ahnung wie das geht. Ich gehe raus und steige auf mein Rad, dann fahre ich eben ohne, es ist mir egal. Das Referat ist wichtiger. Grade steigen auch meine Eltern ins Auto um Tannenzweige für den Adventskranz zu holen. Meine Mutter will verbieten dass ich fahre. Ich schreie sie an, weil ich los muss. Ich bekomme Panik wenn ich Verspätung habe. Ich gehe nur noch kurz in die Werkstatt und hole mein Fahrrad schloss, als ich wieder heraus komme geht der Streit weiter. Ich soll nicht fahren. „aber ich muss los. Wirklich, ich muss los“ „schrei deine Mutter nicht so an“ wieder dieser altbekannte Griff an meinem Oberarm. Nein dieses Mal werde ich nicht anfangen zu weinen und nachgeben, dieses Mal schaue ich ihm in die Augen. Ausdruckslos. Wie hasserfüllt und kalt sie sind. Er drückt immer stärker zu. Ich rege mich nicht. Bin im Geiste schon wieder weg. Auf einmal ein schlag in den Bauch, einer in die Seite. Ich werde durchgeschüttelt. Warum ich denn nicht nachgeben wolle. Und nun traue ich mich das erste Mal; erfüllt von so viel schmerz kann ich nicht anders, ich trete zu und lande kurz darauf an dem Türrahmen der Werkstatt. Er geht, weil meine Mutter ihn anfleht von mir zu lassen. Mein Bruder steht in unserer Haustür und lacht. Er lacht über mich, es sei doch berechtigt. (Mein Bruder, du weißt nicht wie es ist… und du weißt nicht was DU mir angetan hast… warum konnte ich dir nur je verzeihen? In diesem Moment weis ich es nicht mehr, aber es muss wohl so recht gewesen sein.) Ich fahre im Endeffekt einfach mit dem rad meiner Schwester los, auch dafür würde ich von ihr noch einiges drauf bekommen. Als ich nach hause komme sitzt mein Vater im Wohnzimmer und bindet den Kranz. Ich habe es früher geliebt doch sehr bald gehasst wenn er das getan hat. Er war dabei immer sehr gereizt, warum auch immer. Wie erwartet höre ich das, was ich falsch gemacht habe, In ihren Augen. Meine Mutter ist erst still. Als es schlimmer wird und ich es nicht alleine schaffe sagt sie, er solle mich in Ruhe lassen. „warum? Das ist meine Tochter, mit der kann ich tun und lassen was ich will!“ Auch den Satz werde ich so schnell nicht vergessen. Als ich mit Rad nach hause gefahren bin war es schon lange dunkel, ich fuhr trotzdem ohne licht. Ich bin nie mit Licht gefahren, es war viel sicherer und friedlicher im Dunkeln zu fahren. Dann sieht mich jedenfalls niemand. |
| Nebeltaenzerin | Es sind Ausschnitte, kleine Dinge die mir im Gedächtnis geblieben sind. ich weis kaum noch etwas, weil ich es verdrängt habe. Erst langsam kommen die Erinnerungen zurück. Ich weis nicht wie oft ich gelaufen bin um ihm zu entkommen. Ich weis nicht wie oft ich mich in meinem Zimmer einschloss oder wild um mich tretend auf meinem Bett lag damit er nicht an mich heran kam. Es war normal… und es ist heute noch normal, dass ich kaum mit ihm rede, wenn dann sehr förmlich. Ich mache ihn aggressiv, das gab er selber zu. Meine Geschwister waren vielleicht etwas besser dran. Meine Schwester, der Liebling. Ich durfte nie am mich glauben, ich durfte nicht sicher sein etwas zu schaffen. Vielleicht erst dann wenn meine Schwester 3schritte weiter war. Ich kann nicht anders, ich trage bis heute einen unterschwelligen hass in mir, gegen sie. Wenn ich sehe wie sie sich in der Liebe sonnt die ich so gerne gehabt hätte, wenn ich sehe wie sie vor mir damit prahlt. Wenn sie mir tag täglich wieder zeigt wie wenig ich doch wert bin. Liebe wurde durch Geld ersetzt… bei ihr, wenn er sich entschuldigen wollte, weil er nicht so nett zu ihr war. Ich hab mir oft gewünscht dass er sich jedenfalls irgendwie mal bei mir entschuldigt… und sei es nur dadurch, dass er, weil er unfähig war sich mit Worten zu entschuldigen, es mit materiellem täte. So wie bei ihr, dass ich wüsste er hätte sich Gedanken gemacht, es täte ihm leid. Es tat ihm nie leid. Und meine Mutter? Wenn ich daran denke wird mir kalt. so kalt wie sie auf mich wirkt. Sie hat mich kein Mal in den Arm genommen. Gut, sie hat mich verteidigt, hin und wieder. Aber warum hat sie mir nicht einmal gesagt dass sie bei mir ist, dass sie stolz auf mich ist, dass sie mich liebt. Liebe muss man sich eben verdienen. Man muss immer den Ansprüchen genügen, sonst hat man sie nicht verdient. Wie kann ich jemals denken ich sei etwas wert? Man sagt mir ich solle einfach vergessen können. Damit klarkommen … oftmals sagt man gar nichts. Aber wie kann ich? Das bin ich. Das alles ist ein Teil von mir, es bestimmt mein Denken in fast jeder Situation. Das und… unwichtig. Ich hab Angst zu vergessen, denn ich klammere mich daran. Der Teil ist immer da gewesen. Ich bin nun einfach immer die kleine gewesen, die der nie etwas erzählt werden musste. Die die aus allem heraus gehalten wurde, weil sie es nicht vertragen würde. Die die 6Jahre später erfuhr dass der Vater fremdging und meine Eltern sich fast trennten. Die ganze Stadt hat es gewusst nur ICH nicht. Ich war es nicht wert dass man es mir erzählt. Und ich muss ihnen Recht geben. Vielleicht hätte ich es nicht vertragen, aber sie wissen nicht wie es ist in jahrelanger Ungewissheit zu leben. Es ist mir nicht schwer gefallen das alles aufzuschreiben, aber es läuft mir immer wieder kalt den rücken hinunter. Je mehr ich an das alles denke umso mehr hasse ich mich selber. Ich kann sie nicht hassen, ich kann ihn nicht hassen. Sondern nur mich. Warum war ich nicht gut genug, warum hab ich ihren Ansprüchen nicht genügen können? Das ist das was ich grade denke… ich weis nicht ob es mal besser wird, dass ich einfach auch vom ganzen herzen erstmal anfangen kann sie zu hassen, um ihnen dann verzeihen zu können. Denn jetzt gibt es nichts zu verzeihen… es ist ja meine Schuld. Ich kann den Gedanken annehmen, in meinem verstand, dass ich nicht schuld bin… doch das Gefühl bleibt, genauso wie vorher. Und jeder Angriff auf mich, lässt man Selbstvertrauen von jetzt auf gleich verschwinden. Und schon wieder bin ich schuld. Immer wieder der Gedanke; denke dran, du bist anders, du gehörst hier nicht hin…! und ich weis dass ich ihn mir einrede. Naja… vielleicht kann ich es einmal irgendwann schaffen. Das ganze irgendwie überwinden… nicht nur das, sondern auch anderes… Ich finde unwichtig was ich geschrieben habe.. ich finde es .. naja… banal. Es sind kleine Auszüge aus meiner Erinnerung… trotzdem vielleicht gut es geschrieben zu haben. Um ehrlich zu sein geht’s mir besser dabei, weil ich nie drüber geredet habe… nur immer gesagt habe dass ich meinen Vater nicht mag, aber warum das wusste ich irgendwann selber kaum noch. |
| Jester | Banalitäten...? Nein...! Es sind bei weitem keine Banalitäten, und du solltest sie auch niemals als solche ansehen! Es sind typische seelische Grausamkeiten die immer wieder in der Versenkung verschwinden, und ich denke schon das sie dich ziemlich beschäftigen, kann es mir zumindest gut denken... Ich freue mich aber das du dich dazu durchgerungen hast es zu "Papier" zu bringen, und ich hoffe zutiefst das es dir ein wenig hilft,... Fühl dich gedrückt das Jesterchen! |
| Sternenstaub | Es sind keine Banalitäten, liebe K. Die Flucht ist keine Banalität. Das Einschließen. Die Angst. Es sind Wunden, die zugefügt werden. Wunden, die zu Narben werden. Verdrängtes setzt sich fest. Schreiben hilft - wenn es in Silberbuchstaben hier steht - ist es aufgeschrieben und nicht verdrängt. ...vielleicht sollte ich auch aufräumen. - vielleicht... Alles Gute Dir! V. |