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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Unverständnis und Selbstzweifel
dark loneliness24.09.04 nachmittags im Büro:

In der Firma ist es am Freitag um diese Zeit recht ruhig, da viele Mitarbeiter bereits in das Wochenende geflohen sind. Ich unterhalte mich während der Arbeit mit einer Kollegin. Wir sprechen über viele Dinge und langen irgendwann bei meinem Lieblingsthema: Musik. Ich höre mir sehr viel über ihren Musikgeschmack an, bin selbst aber mit Informationen über meinen Geschmack recht zurückhaltend. Irgendwann lasse ich mich dazu überreden, ihr eine CD zu zeigen, die ich in meiner Tasche dabei habe. Eine kleine Zusammenstellung von Titeln, ein Querschnitt meiner CD-Sammlung. Sie schaut sich die Titelnamen auf der Rückseite an und fragt mich, ob ich sie ihr für das Wochenende zum Anhören mitgeben würde. Ich willige ein. Später, kurz bevor ich mich auf dem Heimweg mache sagt sie mir noch, dass sie mir eine SMS mit ihrer Meinung dazu schickt.

Das Wochenende vergeht ohne eine Nachricht, aber ich mache mir keine Gedanken darüber.

27.09.04 morgens im Büro:

Ich sitze an PC und versuche die Müdigkeit mit einer Tasse Kaffee zu vertreiben. Mein Kollegin kommt herein, stellt ihr Tasche ab und hängt ihre Jacke an den Kleiderbügel im Schrank. Sie holt meine CD aus der Tasche und legt sie mir auf den Tisch. "Darüber müssen wir nachher mal sprechen" sagt sie zu mir und geht aus dem Büro, um sich selbst eine Tasse Kaffee zu holen. Etwa 10 Minuten später kommt sie herein und setzt sich an ihren Schreibtisch und schaut mich 2 oder 3 Minuten wortlos an. Ich frage sie, ob etwas nicht stimmt. Sie sagt mir, sie wäre total erschüttert und schockiert darünber, was sie dort auf dieser CD gehört hat. Das alles würde sich für sie total düster, depressiv, teilweise bösartig anhören. Sie fragt mich, wie ich mir nur soetwas anhören könne. Sie würde solche Musik nur von "anderen" Mensche kennen. Anschließend redete sie in den nächsten 4 Tagen sogut wie kein Wort mit mir.

Was sagt diese Musik ihrer Meinung nach über mich aus? Wie kann etwas das Verhältnis zwischen zwei Menschen plötzlich so beeinflussen, obwohl es ja schon viel länger da war und nur der andere nichts davon wusste? Bin ich jetzt in ihren Augen einer dieser "anderen" Menschen? Was auch immer das bedeutet.

Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf. Zweifel nagen an mir. Zweifel an mir selbst. Gedanken darüber, wie mich andere Menschen sehen und weshalb sie mich so sehen wie sie es tun. Ich hasse diese Zweifel. Ich will das sie aufhören, doch ich kann nichts dagegen tun. Ich will das es mir egal ist, wie mich andere Menschen sehen. Ich beneide Menschen, die solche Zweifel nicht haben und deren Unbeschwertheit gegenüber solchen Zweifeln diese abprallen lassen wie eine Kugel an einer Betonmauer.
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01.10.04 später Nachmittag

Mein Handy piept. "Wie stehts heut abend mit (Club xyz)?" steht in der Nachricht. Ich sage innerlich zu mir selbst "Warum nicht, das letzte Mal ist ja schon länger her". Meine Zusage geht per Nachricht raus.

später Abend

Wir nehmen noch 2 andere Leute mit. Ca. 20 min Fahrt. Eine meiner neuen CDs läuft im Radio und gefällt allen. Während ich fahre gehen mir Gedanken durch den Kopf. Ich gehöre zu denen, die ein schlichtes, etwas zurückhaltendes Outfit bevorzugen. Ganz im Gegensatz zu meinen Begleitern. Ich denke darüber nach, wie sie mich sehen und ob dies ihre Meinung über mich beeinflusst. Ich wünsche mir ich könnte Gedanken lesen und fange an mich über mich selbst und diese Gedanken zu ärgern, schaffe es jedoch, sie irgendwie zu verdrängen.

Ca. 20 min. später

Wir sind da. Ich stelle das Auto auf dem Parkplatz ab und packe meine Jacke in den Kofferraum. Wir gehen hinein.
Das Abend vergeht. Ich trinke etwas (alkoholfrei), genieße die Musik und die Atmosphäre, die mir so gut gefallen. Von meinen Begleitern sehe ich den größten Teil des Abends nichts. Sie tanzen, sind irgendwo in den Räumen unterwegs oder unterhalten sich mit Freunden und Bekannten. Die meiste Zeit ist es mir egal und ich denke nicht darüber nach, ich genieße einfach. Doch immer wieder kommen sie zurück. Diese Gedanken und Zweifel. Dieses Gefühl fehl am Platze zu sein, außerhalb des Kreises zu stehen. Ich hasse diese Zweifel, die mich anfressen wie Holzwürmer einen alten Kleiderschrank, irgendwo auf einem Dachboden. Ich will, dass es mir egal ist, dass diese Zweifel und Gedanken verschwinden. Doch das tun sich nicht. Sie kommen wie ein treuer Hund immer wieder zu mir zurück und ich kann nichts dagegen tun.
xandieIch glaube, diese Musik können nur Menschen erfühlen, die es auch wollen .. Die eine Verbindung zu solchen Themen und Gefühlen haben.

Und .. diese Zweifel .. Versuche dir nicht zu viele Gedanken zu machen. Ich weiß, leicht gesagt .. Ein gewisses Maß an (Selbst-)Zweifeln ist förderlich, aber alles was darüber hinaus geht ist selbstzerstörerisch.

Du bist ein Individum, mach dich nicht von den Meinungen andrer Menschen abhängig. So wirst du nicht glücklich ..

Mir gefällt deine Art zu schreiben, zu beschreiben .. Ich kann mir vorstellen dass du sehr tiefsinnig und gerecht veranlagt bist ..
Lilliane...

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