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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Momente des Daseins
GhostwriterHerbsthimbeeren ernten ist etwas ganz Besonderes. Wir haben eine Sorte, die den ganzen Sommer hindurch bis in den November hinein Früchte trägt.

Ich stehe im Garten. Meine Mutter hat mich rausgeschickt, um Himbeeren zu ernten. Der Wind reißt an meinen Haaren. Über mir sind schwere, dunkelgraue Wolken. Es ist den ganzen Tag noch nicht richtig hell geworden. Die Luft schmeckt nach Nebel, ab und zu spüre ich einen Tropfen im Gesicht. Ich liebe den Herbst, er gibt einem ein Gefühl von Dramatik. Als ich vor den Dornensträuchern stehe, fühle ich mich wie eine Heldin vor einer wichtigen Aufgabe. Im nächsten Moment muss ich lächeln. Don Quijote hat sich sicher ähnlich gefühlt, bevor er die Windmühlen angegriffen hat...
Im Sommer stand ich hier im leichten Kleid. Ein heißer Wind wehte leicht und machte die Sonne nicht besser. Meist waren noch Freunde dabei. Entweder eine größere Gruppe und wir unterhielten uns fröhlich, machten Späße, Pläne für den Abend, was auch immer. Oder aber es war eine einzelne, enge Freundin. Himbeeren ernten eignet sich gut als Grundlage für vertraute Gespräche. Man muss sich nicht die ganze Zeit über ansehen, und außer meiner dabeisitzenden Katze hört niemand zu. Wenn man einmal einen Moment überlegen muss, kann man eine der dicken roten Früchte essen, ohne in Verlegenheit zu kommen...

Jetzt bin ich alleine draußen, dick eingepackt in alle möglichen Kleidungsschichten. Herbsthimbeeren wirken nochmal ganz besonders dramatisch. Das Symbol des Sommers schlechthin, jetzt teilweise erfroren, die letzten Früchte, bevor der Winter mit eisiger Umarmung kommt. Ich atme tief ein und genieße die kalte Luft. An dieser Tätigkeit hängen so viele Erinnerungen. Manchen mag das bedeutungslos vorkommen, nicht einen Gedanken wert. Ich finde es trotzdem schön hier draußen. Mir gefällt dieser Kontrast. Gleicher Ort, doch so anders als noch vor wenigen Monaten.
Eine Himbeerranke bleibt an meiner Hand hängen. Ein kleiner Kratzer. Langsam wird mir kalt. Immer mehr Tropfen landen auf der feuchten Erde. Es ist noch dunkler geworden. Mein Vater erscheint in der Fenstertür mit meinem kleinen Bruder. "Schau mal, ein Fuchs in den Himbeeren!" ruft er und meint damit meine Haare. Mein kleiner Bruder lacht und winkt.
Ich bin fertig. Ich mag es, alleine zu sein, auch die Herbstkälte und den Nebel und das alles mag ich.
Trotzdem freue ich mich über die vertraute Wärme des Hauses und das Lächeln meiner Familie, als sie mich drinnen begrüßen und die letzten Himbeeren für dieses Jahr in Empfang nehmen.

[[SIZE=1][Dies soll kein Tagebuch werden, eher kleine Momente, zu denen mir etwas einfällt, die ich für mich schön oder wichtig finde.... ich freue mich über Kommentare. Aber bitte tut einen solchen Moment wie das Himbeeren pflücken nicht als banal ab - das empfindet jeder unterschiedlich. Mir war es diesen Text wert ...:)][/SIZE]
end_raumder text ist nicht banal.schon allein deshalb nicht, weil beim lesen bilder vor meinem geistigen auge erschienen sind. manchmal wünschte ich, das ich wieder schöne dinge des lebens beschreiben würde, so wie du.
danke schön.
Nebeltaenzerines sind die kleinen tätigkeiten die eine seltsame schönheit entwickeln... die einfach nicht banal sind, weil sie anders empfunden werden... so wie ich unheimlich gerne.. tag für tag, die strecke zum Bus und zurück laufe. auch wenn es regnet, wenn es kalt ist... ich liebe diese 300meter... und sehe immer wieder jeden Baum und die verfallene Scheune neu... sie sind immer anders...
wie gesagt... es sind die kleinen Momente.

und... du hast das wundervoll geschrieben... du hast Bilder vor meinen Augen lebendig werden lassen. danke
Ghostwriter[SIZE=1]Danke für eure Antworten. end_raum, dir wünsche ich alle schönen Dinge des Lebens. Hör bitte trotzdem nicht auf, die Dinge so zu beschreiben, wie du sie siehst... ich würde es sonst vermissen.[/SIZE]

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Ich hatte dem Wochenende entgegengefiebert. Dich endlich zu sehen, nach einem Jahr. Nachdem wir uns dennoch immer näher gekommen sind in den letzten Monaten und du mit mir über Dinge sprachst, die du noch mit niemandem beredet hast.

Dann war sie bei dir, unsere schöne gemeinsame Freundin.
Ich hatte es geahnt, schon vorher, dass etwas zwischen euch passieren würde, bin ich ihr doch selbst erlegen, in Zeiten, in denen ich das nie für möglich gehalten hätte. Doch als sie mir dann davon erzählte, war ich selber überrascht davon, was für einen Sturm der Eifersucht das in mir auslöste... du.. und sie... unmöglich.

Ich musste akzeptieren. Ich hatte keine Ansprüche auf dich. Als wir darüber sprachen, hieß es, dass du etwas für mich empfinden würdest, was auch immer das sein soll. Liebe gibt es nicht, sagst du...

Am Bahnhof. Du hast meinen leichten Kuss auf die Wange nicht erwidert, die Umarmung nicht gehalten - wir stiegen in den Zug und unterhielten uns wie zwei zufällig ins Gespräch gekommene.

Während wir auf unsere Freunde warteten, die uns am Bahnhof holen sollten, hast du dich mit deinem Handy beschäftigt. Ich hätte es dir am liebsten aus der Hand gerissen und dich wütend angefunkelt. Statt dessen stand ich still und mit gesenktem Kopf an eine Säule gelehnt.

Die Gegenwart der anderen zwang mich zu anderen Gedanken. Wir unterhielten uns zu viert und wünschten uns irgendwann eine gute Nacht. Du und ich im selben Zimmer. Du auf dem Sofa, ich auf der niedrigen Matratze...
Ich hatte nichts gegen deine Verteilung der Plätze gesagt, und nun lag ich frierend alleine unten und verzehrte mich nach deiner Nähe.

Wir begannen zu reden. Wieder über alles Mögliche, harmlos. Ich habe kaum etwas davon mitbekommen...
Nach einiger Zeit fing ich an, das zu sagen, was ich die ganze Zeit über sagen wollte. Leise zuerst und vage. Vorsichtig.
Irgendwann war Reden überflüssig geworden...

Es war unbeschreiblich, in deinen Armen zu liegen. Dich zu spüren. Dich an mich zu lassen, ohne Angst. Nicht wegrennen zu wollen, sondern deine Nähe - die Nähe eines anderen! - zu genießen.

Du sagst, es gibt keine Liebe. Wenn du meinst....

...trotzdem danke für alles. Bis bald.
GhostwriterEs ist schon seltsam, dass immer alle glauben, ich würde das Leben lieben. Weil es mir gut geht, weil ich viel Glück gehabt habe, vor allem im letzten Jahr. Weil ich vieles genieße und für andere eine unverbesserliche Optimistin bin, gerne helfe und tröste. Ich will ja niemanden entmutigen...

Zur Zeit geht es mir eigentlich besser als in den ganzen letzten zehn Jahren. Das weiß ich. Ich bin froh, dass ich mein Leben habe, und kein anderes. Und dennoch... gar keines wäre mir am Liebsten.

Wenn es nicht solche Folgen für die Menschen hätte, die mich lieben, würde ich es sofort beenden, und ich weiß selber nicht warum. Aber gemocht zu werden bringt Verpflichtungen mit sich. Würde ich mich umbringen, würde ich einigen Menschen das Leben für eine mehr oder weniger lange Zeit kaputt machen. Dazu habe ich keine Berechtigung, vielleicht leben manche von ihnen gerne und ich würde es nicht wollen, dass sie traurig sind, dazu mag ich sie im Gegenzug doch auch zu gerne.

Ich frage mich, warum ich in so einem Alter schon so überhaupt keine Lust mehr auf das Leben habe. Mir stehen alle Möglichkeiten offen, mehr, als viele andere haben. Darum bekomme ich oft Gewissensbisse, weil ich es trotz allem nicht haben will. Ich bin undankbar...

Dass ich diese Einstellung mit mir herumtrage, weiß inzwischen nur noch eine Person, die auch dieser Ansicht ist. Denn ich habe gelernt, dass die Leute in den seltensten Fällen Verständnis dafür haben. Die meisten würden es mir ja nicht einmal glauben. "Du bist doch so fröhlich." Darum haben diejenigen, denen ich einmal davon erzählt habe, das auch schnell wieder vergessen.

Wenn jemand zu mir sagt: "Das Leben ist schön!" dann lächele ich freundlich, nicke und versuche schnell das Thema zu wechseln, weil ich nicht gerne lüge.

Also sind es eigentlich nur die Anderen Leute Die Mich Mögen, welche mich am Leben halten.
Will heißen, wenn es einmal keine mehr von ihnen gibt, laufe ich schutzlos in die Berge und erfriere oder lasse mich von wilden Tieren jagen.

Wenn ich ganz ehrlich bin...
bin ich doch ein kleines bisschen froh darüber, dass es immer jemanden geben wird, dem ich etwas bedeute.
St.Melancholieghostwriter das is wunderschön.Es stimmt mich irgendwie Melancholisch wenn ich daran denke aber im nächsten moment kommt ein warmer kalter schauer über mich.............
Dasein is ein moment wo man das leben spürt wo man seine seele frei machen kann...

Ich zb wenn ich morgens zur schule lauf ist es um diese jahreszeit am schönsten es is kalt draussen doch wenn ich zum himmel schaue und ich den Mond sehe wird mir warm,ich laufe weiter und meine gedanken werden frei,so frei ja sie scheinen fast zu schweben...wist ihr was das für ein gefühl is??

Genau an diesen moment hast du mich gerade erinnert danke für deinen wertvollen text ghostwriter. *dankesag

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