| Obscuratranox | Da bin ich nun. Bei Dir. Du und Ich. Mensch, wie viel wir schon erlebt haben! Erinnerst Du dich noch daran, wie wir in der Schule auf der Toilette heimlich geraucht haben und dort sogar halbe Schultage zugebracht haben? Das war eine Zeit... wir hatten wirklich jede Menge Spaß, waren bestrebt, das Beste aus der Zeit zu machen, die wir gemeinsam hatten. Es war ja abzusehen das wir uns nicht lang halten, unsere Leistungen waren zu schlecht. Aber das hat uns natürlich nicht abgehalten. Eher bestärkt in dem Denken das wir anders sind als all die anderen fleißigen, bemühten Schüler denen wir uns einfach nicht angehörig fühlten. Dann bin ich gegangen... musste gehen. Neu anfangen, auf einer anderen Schule. Du bist ja noch eine Weile dageblieben, hast versucht noch was rauszureissen. Ein Jahr später bist Du dann auch geflogen und deinen Neubeginn genutzt. Woltest doch dein Abi nachmachen und dein Leben in den Griff bekommen. Ich habe dich dafür wirklich bewundert, Du warst so stark. Wir haben uns ja noch oft getroffen und haben Nächte lang zusammen geredet. Über alles was uns bewegt oder egal war. Über Liebe und Hass und über Gott und die Welt. Langsam haben wir uns auseinander gelebt. Unsere Vorstellungen wurden immer unterschiedlicher und unsere Ziele führten uns in ganz unterschiedliche Richtungen. Aber der Andere war immer da wenns mal brenzlig wurde. Das Wissen hat uns beiden geholfen... eine ungewöhnliche Freundschaft Wir haben uns lang nicht mehr gesehen. Das Letzte Mal war ja eigentlich weniger schön, wir waren sturzbetrunken, weisst Du noch? Wir haben beide erst viel zu viel gelacht, dann geschimpft und geschrien und dann geweint. Wir sind dann nebeneinander eingeschlafen, erinnerst Du dich daran? Wir haben gedacht das wir nur noch uns hätten und wer weiss, vielleicht stimmte es in dem Moment? Die Welt war ja nicht mehr wirklich existent, sie war da draussen und wir waren weit weg von ihr. Heute erinnere ich mich nur noch an dieses Gefühl, richtig verstehen kann ich es nicht mehr, aber ich lächle wenn ich dran denk. Wie ist mein Leben heute? Ich bin mit der Schule fertig, werde mir demnächst eine Ausbildung suchen... da ist nichts mehr mit Musik, mit Studium, Gesangskarriere oder Singen in der Fußgängerzone, wie wir immer gesagt haben^^. Jetzt bin ich "vernünftig", hab große Verantwortung übernommen. Habe eine Tochter und werde bald eine eigene Wohnung beziehen. Das alles ohne Dich. Du bist ja nicht mehr da. Bist ja weggegangen. Ich hoffe natürlich sehr das Du glücklich wirst. Du warst schließlich mal ein Teil meines Lebens und echten Freunden wünscht man sowas ;), das weisst Du doch. Wenn ich jetzt an Dich denk, an den ganzen Mist den wir gebaut haben, an die tolle Zeit mit Dir, dann bin ich nicht traurig. Ich weiss, Du hast das Beste aus deinem Leben gemacht, hast deine Zeit voll genutzt, hast alles getan was Du tun wolltest. Darum weine ich nicht wenn ich hier steh, an deinem Grab, ich lächle und denk an dich. Das habe ich ihr erzählt. Einer guten Freundin von mir, die leider vor ein paar Tagen gestorben ist. Es war ein harter Schlag für mich, zuerst. Doch nachdem ich lang an sie gedacht hatte entschloss ich mich zu tun, worum sie mich immer gebeten hat : Sei doch einfach nicht mehr traurig! Du lebst doch nur einmal und wenn du jeden Tag einmal traurig bist, dann heisst das doch am Ende das du niemals in deinem Leben auch nur einen ganzen Tag glücklich gewesen bist! Erschreckender Gedanke, oder? Sie war in meinen Augen ein bewundernswerter Mensch. Sie hat den Freitod gewählt. Ereignisse ihrer Vergangenheit hatten sie eingeholt... Ich wünsche Ihr viel Glück und hoffe das es ihr da, wo sie jetzt ist, wirklich gut geht. Wir waren Freunde, wir sind Freunde! Noch immer. Das Gefühl das sie immer für mich da ist, ist nicht mit ihr gestorben |
| Obscuratranox | Ich danke Dir sehr für deine Worte. Es tut gut in meinem Denken bestärkt zu werden, es ist wirklich nicht einfach das so beizubehalten. Die Trauer um den Verlust ist doch sehr hart. Vor allem weil ich dies nun zum zweiten mal erfahren muss... Aber ihr einen Vorwurf machen wegen ihrer Wahl? Nein. Sie war stark und intelligent. Sie wusste sicherlich einfach nur keine Lösung mehr. Wäre sie nicht wirklich völlig am Ende gewesen und hätte einen aderen Ausweg gesehen, hätte sie das nicht getan. Ich bin kein Befürworter des Selbstmordes, aber der Gedanke das jemand bewusst aus diesem Leben geschieden ist hilft mir persönlich sehr. Ich könnte die Vorstellung schlecht ertragen das ein Unfall sie aus dem Leben gerissen hätte. Die Vorstellung das sie noch weitergewollt hätte... So kann ich an sie denken und weiss genau, sie hat es so gewollt. Und obwohl sie mir fehlt weiss ich das ich nicht ohne sie bin, die erinnerung an sie hält sie lebendig |
| Pelloquin | Hallo Obscuratranox! Üblicherweise ist das Geschrei nach Freitoden ziemlich groß; "wie konnten sie nur..." Ich finde es schön, dass Du Deiner Freundin Respekt zollst. Für die Weise, wie sie war, und für den Weg, den sie gewählt hat. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen, dass sie es nun besser hat. |