| Sylpha | [I]Stromausfall im Herzspital[/I] Ausgelassene Stimmung, ein wenig Wehmut, wegen L.s Abwesenheit, Sorge um sie. Ein Blick auf die Uhr. Erst 23 Uhr. Skat? Nur zwei Spieler, einer zu wenig. Wer kann noch Skat? Ich überlege.. Mir fällt keiner ein. Mir fällt ein wer fehlt, P. Man kann einen halben Liter Blut trinken bis man sich übergibt. Und jetzt? Ein Blick auf die Uhr. Kurz nach 11. Nervös und automatisch mische ich die Karten. Das beruhigt nicht. Nervös und automatisch zünde ich eine Zigarette an. Das beruhigt nicht. Ich frage mich, warum P. nicht da ist. Sicher weiß er, dass ich da bin. Gorillas können nicht schwimmen. Deshalb ist er sicher nicht hier. Morgen muss er. Morgen gibt es Freibier. Morgen komme ich erst spät. Morgen will L. ihren Geburtstag hier feiern. Morgen will sie aber auch nicht. Morgen ist P. sicher schon voll, wenn ich ankomme. Ankunft: 23 Uhr. Ein Blick auf die Uhr. Eine Cornflakespackung enthält mehr Nährstoffe als ihr Inhalt. Kurz nach 11. Mir wird kalt. Ich setzte mich an die Heizung. Ich streichele einen der Hunde. Etwas lebendige Wärme. Etwas lebendige Nähe. Ich frage mich, ob P. wirklich wegen mir nicht hier ist. Hatte er doch gesagt, er wolle sich meinen Geburtstag nicht entgehen lassen. Mein Geburtstag ist doch erst in zwei Monaten. Tabak ist zwar gesundheitsschädlich, aber sehr nährstoffreich. Hatte er doch gesagt, dass es schade wäre, wenn zwischen uns keine Beziehung möglich wäre. Das war doch nur ein Scherz. Hatte er doch mich ganz nah zu sich herangezogen. Das war doch nur im Spaß. Ein Blick auf die Uhr. 23:15. Die Zeit steht still. P. ist immer noch nicht da, er wird nicht kommen. Heute nicht, morgen nicht. Haie bekommen keinen Krebs. Die Herztransplantation beginnt. Ein Blick auf die Uhr. 23:17. Immer wieder löse ich die Fäden der Hoffnung von meinem Herzen. Jeder Schnitt schmerzt, dennoch operiere ich weiter. Jede Hoffnung wird mit der Schere des Zweifels zerschnitten. Manchmal bäumt der Patient sich in letzter Verzweiflung auf, klammert sich an das harte, verkohlte Stück Fleisch in seiner Brust. Ich. In der Bibel werden Katzen nicht erwähnt. Eine neue Hoffnung entsteht und wird im ersten Augenblick ihrer Existenz zerstört. Immer tiefer stürze ich in meinen mentalen Abgrund und lasse mich fallen, während mein Herz zu rasen beginnt. Ein Wettrennen im Kreise, hinter Hoffnung, vor Zweifel und Resignation. Jeder Pulsschlag scheint mich zur Explosion zu bringen. Ich kann keinen ruhigen Gedanken fassen, weiß nicht, wo der nächste Schnitt angesetzt werden soll. Ich könnte den falschen abschneiden, Zweifel oder Resignation. Mein Griff geht zu der weiß-roten Schachtel meiner Luckies, dann zum Feuer, zum Mund, ein Zug, während ich meine innere Stimme und das, was sie mir sagt, ignoriere, schließe die Augen, atme tief durch, setzte an und schneide. Ein Blick auf die Uhr. 23: 30. Im alten China verübte man Selbstmord unter anderem, indem man ein Pfund Salz aß. Operation geglückt. Patient tot. |
| ombre | Ein großartiger Text. Und: Manchmal glückt eine Wiederbelebung des Patienten. |
| Haevion | Da kann ich mich nur anschließen. |
| Sylpha | Vielen Dank, dass ihr mir sowas nettes sagt. Es tut gut soetwas zu hören. Da werde ich ja gleich richtig rot. @ ombre Das Krankenhaus hat am Mittwoch wieder geöffnet... Vielleicht kann man ja noch etwas machen! |
| ombre | Dann wünsche ich Dir heute viel Glück, im Krankenhaus. :) |