| ZynNihil | Wie leise sie nun ist, diese hektische, stinkende Welt. Der Schnee liegt nun auf mir. Lange hat es gedauert, bis die Temperatur meiner von meinem Körper erwärmten Kleider sich zu senken und schließlich auf der des Schnees zu stagnieren begann. Wie lange sitze ich hier wohl schon? Zehn Minuten? Dreißig? Zwei Stunden? Ich vermag es nicht zu sagen. Vielleicht wäre es ob einer Rechnung möglich. Denn würde ich mir überlegen, den wievielten Song meiner CD ich nun höre und diese Zahl mit 4,5 multiplizierte, könnte ich eine ungefähre Angabe dieser Zeit erhalten. Doch was kümmert es mich? Bringt es mir irgendwelche Vorteile gegenüber anderen und der Welt an sich, wenn ich diese so nichtige Frage für mich geklärt habe? Ich glaube die Antwort zu wissen, doch wenn ich mir allein über die möglichen Auswirkungen dieses Umstandes Gedanken mache, ist die Frage dann tatsächlich nichtig? Nun, es ist wohl an der Zeit eine Entscheidung zu treffen. Die Grundfragen dieses Spielchens sind "Will ich es wirklich wissen, oder ist es mir nicht einfach völlig scheißegal?" und "Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, wird sich die Spirale aufhören zu drehen?". Und alleine bei diesen Fragen könnte man wieder minuten-, vielleicht sogar stundenlang weiterdenken ohne ein Ziel zu finden, sich weiter im wabernden Nebel seiner wirren Selbst, des verzerrten, wirklichen Ich, dem mentalen Sein des Individuums, verirren und sich doch geborgen fühlen. Und schon ist mir diese ursprüngliche Frage wieder egal, habe ich doch eine andere entdeckt, die mein Interesse mehr geweckt hat und fesselt. Grübele ich um Antworten zu erhalten oder nur um des Denkens Willen? Und diesmal weiß ich die Antwort sicher, denn die Analyse meiner kleinen, gartsigen Selbst konnte für mich selbst kaum schwer sein. Ich grübele um des Denkens Willen. Denn auf solche Fragen eine Antwort zu finden ist absolut müßig. Es gibt keine zufriedenstellende Antwort auf diese und jene Fragen. So wie es sie auf keine Frage gibt. Denn bei jeder Antwort gibt es wieder mindestens zwei Gegenfragen. Und wer nun behaupten, ich sei fehl, der halte die Schnauze, denn ich bin das Argument und gegen mich ist kein Ankommen. Die Zigarette glüht langsam ab. Mit jedem zug verkürze ich ihre Beschaffenheit, so wie ich mit jedem Zug mein Leben verkürze. Nun ja, manche Leute sterben ja bei einem einzigen Zug - und der ist rot und hat 180 drauf. Tihihihi, ich zynisches Miststück :> Auf diesem alten, ausgedienten Fabrikdach also habe ich beschlossen, die nächsten Momente und Gedanken meines Lebens zu verbringen. Zehn Meter unter mir ist es still, wo einst das Leben starb unter den Füßen tausender Arbeiter. Der Schnee liegt dort dick und unberührt. Unschuldig, fast seelig. Hier auf meinem Dach ist er indes etwas unregelmäßiger. Zum Beispiel dort, wo Löcher in dem alten Wellblechdach sind. Kleine Löcher sind es, die die Oberfläche durchziehen. Aber auch hier, wo ich jetzt sitze, ist eine tiefe Mulde entstanden, die noch einige Stunden nach meinem Abgang zu sehen sein wird. Die Spuren meines Kommens wurden schon verwischt, der Schnee ist auf meiner Seite und entfernt lautlos die sichtbaren Spuren meiner Füße. Auf meinem Kopf liegt bestimmt eine zwei Zentimeter dicke Schicht des weißen Freundes, der auf lautlosen Schwingen den Nachthimmel bevölkert. Ich schaue hinauf zu ihm, sehe durch die in meine Haare hängenden Augen und lache. Ich lache laut auf, denn hier bin ich Mensch - hier darf ich's sein! Und es bricht aus mir heraus, zügellos und ungehemmt: "Nein! Ich werde nicht schweigend in der Nacht untergeht, bis mein Kampf ausgefochten ist!". Stramm stehe ich auf dem morschen alten Dach, die Hände zu Fäusten geballt und schreie hinaus in die Nacht. Der Schnee fällt von meinem Kopf und ich bin erstanden. Ich bin der Phönix, der aus der weißen Asche der Versöhnung wiedererstand und Kraft geschöpft hatte, tief in seinem inneren Selbst. Und mit einem letzten Schrei der Fehde mache ich auf dem Absatz kehrt, schlendere zur Feuerleiter und verlasse das Dach. Vorsichtig gehe ich an den unbeschneiten Stellen unter den Vordächern entlang, um meinen weißen Freund nicht zu verletzen und verlasse die heilige Stätte der mentalen Lebensquelle meiner Selbst. Und es wird weitergehen. |
| Pelloquin | [size=1]Ein schöner Text. Möge Deine Quelle nicht versiegen. Willkommen.[/size] |
| SchattenWandler | Ergreifender Text der mich zum nachdenken bringt Danke für den Anstoß mal sehen wo er mich hingeleiten lässt. |