| Panikplätzchen | Es war der besinnliche erste Weihnachtstag. Wir lehnten es ab, unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen und kommerzielle Geschenke mit großen Kulleraugen zu bestaunen. Die 'mittelalterliche Weynacht' im Hamburger Metalpalast erschien uns als eine exorbitant wohltuende Alternative. Etwas verschnupft machten wir uns auf den Weg. Der Abend fing gut an. Wir konnten entlang des wunderbar illuminierten Hafens flanieren. Im Tempel angekommen suchten wir uns ein gemütliches Plätzchen und frönten unserer Zuneigung, während wir den Klängen von Schandmaul lauschten. Nach einigen Stunden beschlich uns die Müdigkeit. Außerdem wurden an einem Fuß hübsche Blasen dank neuer Stiefel sichtbar. Wir traten umgehend die Heimreise an. Der Zug trug uns wohlbehalten bis zu unserem Nachbardorf, wo wir feststellen mußten, dass die Zugverbindung obsolet war und uns nicht in unsere Dömäne führen konnte. Verzweifelt suchten wir nach Nachtbussen, welche wir nicht fanden. Panikartig richteten wir unser Wort an einen Taxifahrer, der uns ins weitere Nachbardorf sandte, welches das Vorhandensein von Nachtbussen aufweisen sollte. Wir machten uns auf den Weg und durchquerten den mit Glasscherben übersäten Bahnhof. Unsere Schritte wurden stetig von einem sanften 'Klirr' begleitet. Wegen der vorherrschenden Müdigkeit beschlichen uns höchst seltsame Lachenfälle über die Schönheitswirkung von türkischen Fladenbroten, da neben dem Bahnhof ein Fladenbroterwerbgeschäft situiert war. Im Dorf angekommen sahen wir einen müden Busfahrer, welcher auf unsere brav vorgetragene Frage mit einem gequälten: 'Hier gibts keine Nachtbusse' antwortete. Er schien äußerst erschöpft zu sein. Munter lachend machten wir uns auf den Rückweg zum Glasscherbenbahnhof, wo wir dank unseres letzten Geldes eine Fahrkutsche ergattern konnten. Der Kutscher war äußerst nett und bot uns eine vergünstigte Fahrt an, sodass wir erschöpft aber doch zufrieden unser Heim betreten konnten um uns einem wahrhaft mundenden Mikrowellenmahl zu widmen. In diesem Sinne danken wir dem geschätzten Auditorium der Welten der Nacht für die Aufmerksamkeit und wünschen ein ruhiges Restweihnachtsfest. Pax nobiscum! ~V+T~ |
| ZynNihil | Prägnant, ironisch und bissig. Schöner Text, gefällt mir gut. Außerdem erinnert die beschriebene Lokalität an einen Ort mit NATO-Flughafen :> Nja, schönes Leben noch. |