| Silbermantel | Ich muß 12 gewesen sein, als mich die Melancholie das erste mal zu dem Baum trieb. Ein schöner Baum. Eine Zeder, direkt am Fluß, am Wasserfall gleich links an der Brücke. Und insgeheim vertraute ich dem Baum eine Menge meiner Sorgen an. Und er stand einfach nur da und beruhigte mich. Immer wieder, wenn es mir schlecht ging und meine Gedanken so wirr waren, daß ich sie auch nicht mit Freunden teilen konnte, trieb es mich zu "meinem" Baum. Und so wurde er wie ein Freund. Von diesem Baum und seiner Bedeutung wissen nur wenige Menschen - Menschen die mir sehr viel bedeuten. Letzten Herbst hab ich mein Geheimnis wieder mit einer lieben Freundin geteilt. Extra mit dem Auto eine kleine Fahrt gemacht um den Baum zu besuchen. Nach 15 Jahren - immer noch ist er da. Heute trieb es mich in der Nacht aus dem Haus. Zufälligerweise wieder bei meinem Vater gewesen und prompt trieb mich meine Melancholie wieder zum Baum. Er ist weg. Einfach weg. Ich stand sprachlos vor dem Platz und betrachtete den mickrigen Ahorn, den die Stadtverwaltung seiner statt dort eingepflanzt hat. Kämpfte mit den Tränen. Es ist, als hätte jemand mit einem Schnitt ein großes Stück von mir getrennt. Silbermantel |
| Moonfeary | Das ist echt traurig... Ich muß sagen ich kann dich gut verstehn, ich flüchte mir auch gern bei aufkommender Melanchonie und allerlei Sorgen die eh kein Mensch in meiner Nähe verstehen würde ins Nahe Wäldchen. Zwar habe noch keinen meiner Baumfreunde verlieren müssen, dennoch weiß ich daß es mir da ganz genauso wie dir gehen würde... |