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  Forum: Nebelpfade
    Thema: wochenende
mirccafreitag abend

es ist warm und gemütlich, ich trinke rotwein und höre musik,
es geht mir gut.
dann kommt eine sms, ich antworte. so geht das eine zeitlang.
ich traue mich aus meinem turm heraus, und merke viel zu spät,
dass ich beschossen werde. mit mir wird gespielt.
schleunigst beende ich das ganze. ich zittere am ganzen körper,
gegen 5 uhr hab ich mich soweit beruhigt, dass ich schlafen kann.

samstag

viel zu spät wache ich auf, mit einem tiefen, kalten, mörderischen,
nie gespürten zorn.auf mich, auf diese person, auf die gesamte menschheit. ich gehe in die küche, frühstücke wortlos.
meine, an diesem wochenende 3, mitbewohner sagen kein wort, gut so.
ich gehe in mein zimmer, lege rammstein auf, laut. ich räume auf, trage etwas in die küche. kannst du das nicht leiser machen?
türknallend geh ich zurück, mache die musik aus, setze mich hin und starre aus dem fenster. tochter nr 1 klopft, du musst noch einkaufen.
ich gehe ins bad, schaue in den spiegel. kalter zorn starrt zurück.
die augen so dunkel schminken, dass es gerade noch gut aussieht. oder doch nicht? egal. dunkle augen zur finstersten seele, passt.
mit geldbeutel, 2 körben und mordgedanken gehe ich zum auto. der kofferraum von dieser elenden schrottkiste lässt sich immer noch nicht öffnen, mist.
ich fahre viel zu schnell ins einkaufszentrum. los, raus aus dem parkplatz, beeilung, sonst fahr ich dir in die seite, meinem auto ist es egal, wie es aussieht.
an der kasse rammt mir jemand den einkaufswagen in die ferse, ich fahre herum,mein tierischer zorn scheint in meinem gesicht zu stehen, dem mann bleibt die entschuldigung im hals stecken.
nachdem ich alles im auto verstaut habe, beschliesse ich, ein buch zu kaufen. dummerweise ist der buchladen auf der anderen seite des zentrums. wutentbrannt marschiere ich durch den laden. eine horde jugendlicher knaben kommt mir entgegen, machen keine anstalten, auszuweichen. jawohl, ihr kommt mir grade recht, denke ich. ich hab grosse lust, einen rechten haken anzubringen, und zwar mehrfach. ich funkle die knaben an, erschrocken machen sie platz. was ist denn mit der los, höre ich noch. ich bin wütend, gefährlich wütend, wehe dem, der mich heute anrempelt.
im buchladen fällt mir ein etwa 3jähriges mädchen vor die füsse, die mutter zerrt es am arm in die höhe, schüttelt es, brüllt es an.
ich möchte sie am hals packen und schütteln, schnell gehe ich weiter. ich finde ein buch, das mir gefällt, wieviele farben hat die sehnsucht, märchen für erwachsene.
der mann an der kasse lächelt mich mit warmen, braunen augen an, mein zorn wird ein bisschen weniger. braune augen haben was besonderes, hab selber welche, ich schau gern in braune augen.
zurück durch die einkaufsstrasse, eine grosse menschenmenge steht vor einer bühne, eine vorher-nachher-show, was für ein schrott. mein zorn flackert wieder auf, menschen sind sowas von bescheuert.
zuhause koche ich wortlos abendessen.
später sitze ich in meinem zimmer, habe nur ein paar kerzen an, rauche zuviel, denke bis tief in die nacht hinein nach.
wie konnte ich so blöd sein, zu vergessen, wie verletzlich ich bin?
wie konnte dieser mensch das so ausnutzen?
ich denke viele böse sachen, mein zorn wird schwächer.

sonntag

ich wache auf, mache die augen auf, das ganze zimmer dreht sich.
wie ich das hasse. irgendwann steht das zimmer wenigstens halbwegs still, ich stehe auf, meine beine sind aus gummi.
ich fühle mich schwach, zittrig, elend.
nach dem frühstück sitze ich auf meiner couch, zu nichts fähig.
ich wollte heute jemanden anrufen, der mir wichtig ist, geht nicht.
ich habe angst, ablehnung am telefon zu spüren, damit kann ich heute nicht umgehen. den rest des tages sitz ich nur da, denke, denke, denke.
ich denke über mich nach, über vergangenes, über zukünftiges, über diesen jemand, ob er mich überhaupt noch mag?
so geht das nicht weiter. ich beschliesse, nicht mehr nach etwas zu suchen, was es nicht gibt.
menschen, die hinter einer wand aus stahlbeton sitzen, scharf schiessen und höllisch aufpassen, dass sie selbst nicht getroffen werden, brauche ich nicht.

wehr dich in zukunft, frau, wenn dir was nicht passt.
mach den mund auf.
ich glaube, das war der zorn von 20 jahren, der an die oberfläche gekommen ist. irgendetwas ist dabei, sich in mir zu ändern.

später am abend schreibe ich diese unterhaltung auf und lasse sie meine tochter lesen, ohne etwas dazu zu sagen, und frage sie nach ihrer meinung. er hat dich manipuliert und benutzt, das ist ziemlich mies.
das ist es.
PothicIch kann dich voll verstehen, ich hasse manchmal auch die ganze Welt...aber von meinen Problemen will ja keiner was wissen...:(

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