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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Medea
DespinaRückblick über eine verflossene Freundschaft


Als wir uns zum ersten Mal begegnet sind, war ich glücklich.
Endlich jemand gefunden, jemand, der auch nur darauf gewartet hat. Fast sieben Jahre her.
Dass du so sehr auf jemanden gewartet hast, habe ich nicht gedacht. Mir war es nicht geheuer.
Es war schön, eine so enge Freundschaft zu haben. Alles, wirklich alles haben wir zusammen gemacht. Wir waren unzertrennlich und ich fand es wunderschön.
"Ich liebe dich" hast du gesagt.
"Ich liebe dich" hab ich gesagt.

Ich habe alles gewusst. Vielleicht auch zuviel. Damals hat es mich noch interessiert. Damals hat es dich noch interessiert, was um uns herum passiert.
So oft, zu oft habe ich rote Ornamente sich um deine Hand winden sehen.
Irgendwann habe ich gesagt "Es reicht".
Ich habe gedacht "Was willst du mir damit beweisen? Was dir?"
Armes Kind. Dummes Kind, bals ertrinkst du in Selbstmitleid!
Du hast nie bemerkt, dass mich das abstößt.
Du hast nie bemerkt, was um dich herum passiert. Wie Leute aussehen. Dass sie wunderschöne Augen haben, denn du hattest nur Augen für dich.
Ich war nicht deine Freundin. Ich war dein Kummerskasten, dein Sündenbock und dein Sandsack.
Du hast das nie bemerkt.
In deinen Augen bin ich dumm, ich lerne nichts, ich habe auch am Nachmittag Zeit. Aber war das nicht immer zu deinem Vorteil?
Wann lernst du endlich zu denken, bevor du etwas sagst?
Du hast es in den ganzen Jahren nicht gelernt.
Du hast geweint, weil dir auf einmal niemand mehr gesagt hat, dass wir weggehen. Warum nur?
Du hast geweint, weil wir uns kaum noch sehen.
Ich habe dir nicht gesagt, dass ich dich nicht mehr sehen mag.
Dass ich unter Freundschaft etwas anderes verstehe als Wichtigtuerei. Unsere "Liebe" ist schon lange dahin, doch du willst mich zwingen, sie aufrecht zu erhalten.

Du hast mich schockiert.
Nie hätte ich geglaubt, dass jemand mit einer solchen Ignoranz und Aroganz durch die Welt gehen und an ein Ziel kommen kann-
du hast es mir bewiesen.
Die anderen haben miteleidig gekuckt als ich sagte, wir sind nicht mehr so eng befreundet.
Auch sie haben es nicht gemerkt.
Doch als ich sage, es ist mir recht so, können sie es verstehen.
Du hörst dich gerne reden. Du hast gesagt, du merkst es den Leuten an, wenns ihnen nicht gut geht.
Ich hänge heulend am Telefon und du sagst, du musst die Küche sauber machen und hast keine Zeit. Du hast nichts bemerkt.

Wunderst du dich wirklich noch, warum sich langsam alle von dir abwenden?
Wunderst du dich, dass du regelmäßig gesagt bekommst "Jetzt halt mal endlich die Klappe!"?
Wunderst du dich nicht, dass ich dir nichts erzähle?
Wunder dich nicht, wenn dein Mann es nicht bis in alle Ewigkeit mit dir aushält.
Du bist egoistisch. Du hast immer recht, sagst du. Du bist stark.
Du hast unrecht, du tust Leuten Unrecht.
Und du merkst es nicht.
Du bist so klein, so schwach.
Du bist nichts.
Genau wie alle anderen.
Sieh ein, dass du dich auch fügen musst. So wie wir alle.
Die Arme aufschneiden oder die Arroganz in Person sein ändert das nicht.

Würdest du das lesen, wärest du entsetzt über solche Hinterhältigkeit und Lüge.
Doch eigentlich interessiert es dich nicht.

Leugne nicht, das bist du. Sieh es ein.


Ich wünschte, du würdest das lesen.
Black ReaperLiebe [SIZE=1](?)[/SIZE] Despina, ich glaube, ich kann deine Gedanken recht gut nachvollziehen. Auch ich sehe so eine Freundschaft in meinem Leben... Vielleicht nicht ganz in diesem Ausmaß, aber doch sind die Parallelen überdeutlich. Und doch ist sie nicht vorbei...

Was du beschreibst, stimmt mich traurig, weil es mir bewusst macht, wie wenig viele Leute wahrnehmen, was sie mit ihrem Verhalten anrichten... So kann ich dir nur raten, froh zu sein, diese Bindung beendet zu haben, denn ein jeder auch nur halbwegs einfühlsame Mensch geht daran kaputt, sollte er es sich zu lange zumuten... Ich vermute, du hattest bereits Angst, als es mit dieser Freundschaft abwärts ging, dass es enden würde, wie es nun auch geschah. Und ich hoffe, dass es dir jetzt besser geht, nun, wo du losgelassen hast. Ich habe (vielleicht zu oft) erst nicht loslassen können (vielleicht sollte ich genau jetzt einmal loslassen), doch deine Worte können Mut machen. Mir zumindest haben sie die Augen ein wenig weiter geöffnet und meinen Mut wenigstens ein kleines Bisschen gestärkt... Ich danke dir dafür...

Viel Glück auf deinem weiteren Weg...

Black Reaper

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