| Wind | Es klingelt zur 7. Stunde: Religion. In diesem Kurs sind keine engeren Freunde. Alles bekannte oder weniger bekannte Leute, zum Teil aus meiner Klasse, zum Teil aus anderen... Eigentlich macht mir das nichts aus: allein zu sein, das bin ich irgendwie gewohnt. Ich sitze auf meinem Stuhl und warte, warte darauf dass der Lehrer kommt und die Stunde schnell vergeht, denn ich will nach Hause. Doch der Lehrer kommt nicht. Einige toben wie kleine Kinder im Klassenzimmer herum, viele unterhalten sich angeregt. Ich sitze einfach nur da, still. Vielleicht sollte ich mein Buch herausholen und etwas lesen? Vielleicht sollte ich Musik hören? Abtauchen in eine andere Welt: die Welt, in die mich das Buch entführen würde oder die Welt in die mich die Musik hinfort trägt. Jah, das liebe ich. andere Welten... doch ich entscheide mich dagegen. Der Lehrer kommt bestimmt gleich. Also beobachte ich meine Mitschüler. Es ist schon eigenartig. Niemand hier kennt mich auch nur ansatzweise (will ich das denn?), niemand kommt auf mich zu und redet ein Wort mit mir. Kann man das mit mir an diesem Ort überhaupt? Aber das habe ich mir wahrscheinlich alles selbst zu zuschreiben. Schließlich gehe ich auch auf niemanden zu und fange einfach an zu reden. Wieso sollten sie es also tun? Ich spühre an mir selbst, wie unnahbar ich in der Schule bin und wohl auch für andere erscheine. Da ist eine Glasscheibe zwischen mir und all diesen Schülern. Ich bin nicht belieb und auch nicht unbeliebt. Ich bin gar nichts. Ist das gut so? Ein paar Tische weiter sehe ich 2 Schüler meiner Klasse. Sie reden gerade über die anstehende Kurswahl. Vorgestern war ich noch mit den beiden und einigen anderen (2 wirkliche Freunde und mehrere andere Bekannte) auf einer RocK/Alternativ-Veranstaltung, wir haben uns sehr gut verstanden, gelacht, alle zusammen getrunken, geredet, getanzt, umarmt... und jetzt? Ich war offen, freundlich, interessiert, wie ich es in meiner Freizeit normalerweise bin. Der Lehrer kommt nicht mehr in diese Stunde. Es klingelt erneut. Schule aus. Endlich nach Hause. Endlich kann ich anfangen wieder zu atmen. Die Beiden werden den selben Weg zur Bahnstation nehmen, wie ich. Doch wir gehen auf verschiedenen Straßenseiten und tuen so, als würden wir einander nicht sehen/kennen. Nächste Woche bin ich vielleicht wieder mit der selben Gruppe abends weg und ich weiß, nächste Woche werden wir uns alle wieder sehr gut verstehen, wieder lachen, wieder reden, wieder tanzen ... Aber in der Schule? Da bin ich ein anderer Mensch. Unnahbar, kalt und auf eine gewisse Art verloren. komme mir selbst so fremd vor... Niemand, der mich hauptsächlich/ausschließlich in der Schule kennen lernt, wird mich auch nur ansatzweise wirklich kennen lernen. Will ich das denn? Anmerkung: Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll, so wie es ist. Ich weiß auch nicht ob es anderen auch so geht, ich weiß nicht was ich als Antwort erwarte und ich weiß auch nicht genau ob Nebelpfade der richtige Ort ist... wenn nicht, löscht diesen Thread bitte einfach ;) sollte sich jemand mit diesem Beitrag identifizieren können, würde ich mich über eine Antwort oder ein pn freuen. :) ~ |
| Amy | Ich sitze in einem Auto, dicht neben einem Jungen aus meinem Englisch-Lk, plaudere mit den anderen im Wagen. Man merkt, man versteht sich gut, kann Spaß zusammen haben. Doch in der schule haben wir wenig miteinander zu tun. Nicht, dass wir uns ewig anschweigen würden, wir reden auch ab und zu miteinander, doch es sind die alltäglichen Dinge wie "was hatten wir eigentlich auf?". ich weiß, es liegt nicht an mir. Ich bin offen, bin ehrlich, ich lache viel. Unnahbar bin ich bestimmt nicht. Aber was haben wir miteinander zu tun? Wind, das was du beschreibst kenne ich aus früheren Jahren sehr sehr gut. Manchmal ist es schwer, an den anderen vorbeizugehn und so zu tun, als sei nie was geschehn, aber noch schwerer ist es oft, auf andere zuzugehn. Doch genau das ist das, was man tun sollte. Hinsetzten und zuhörn, zeigen, dass man da ist. Niemand ist in der Schule er selbst, zumindest die meisten. Und wahrscheinlich denken die anderen genauso wie du darüber nach, warum man sich anschweigt. Wir haben einmal in einer Gruppe von Schülern mit einer Frau ein Projekt gemacht: Nach der Reihe war ein Schüler dran, über den die anderen etwas sagen durften, kritik, Lob, alles, nur nicht verletzend. und was sie mir sagtn, war höchst erstaunlich: Sie sagten, sie fänden es schade, dass ich mich so sehr zurückziehe, sie hätten mich gern dabei. Wenn ihr euch also anschweigt, vielleicht liegt es wirklich an deiner verschlossenen Art, die allen signalisiert: Halt. ich will nicht. Vielleicht solltest du es mal mit einem Lächeln versuchen. Liebe grüße, Amy |
| Sven.x | Vor allem dieses wechselnde Verhältnis kannte ich aus meiner Schulzeit (die noch nicht wirklich lang zurück liegt) auch recht gut...ich habe es nie vollständig durchschaut, und mir fällt auch jetzt keine sinnvolle Erklärung ein. Jedoch bin ich sicher, dass es hauptsächlich an mir lag/liegt und mit dieser Erkenntnis weiß ich, dass ich es ändern könnte, wenn mir soviel daran läge, dass ich über meinen eigenen Schatten springen könnte und selbst auf sie zu ginge. Dieser Gedanke hat sich bei mir irgendwie festgesetzt und ein Stück der Zweifel gegenüber solchen "Nicht-Verhältnissen" genommen. Allerdings hat es mich sowieso selten wirklich gestört, es gibt bei mir glücklicherweise Menschen bei denen das anders ist und so habe ich es hingenommen, bereue es nicht und hatte mit den meisten auch Spaß, wenn der Zeitpunkt gestimmt hat. |