| Demira | Dies soll eine kleine Geschichte sein, wie sie das Leben - mein Leben - vor kurzem geschrieben hat (es sei angemerkt, dass die nachfolgenden Geschehnisse das Beste war, was mir je passiert ist). Ich war depressiv. Höchst depressiv und leider habe ich mich auch immer wieder selbst verletzt. Mein damaliger Freund hatte gut ein halbes Jahr vor diesen Ereignissen mit mir Schluss gemacht, ein herber Schlag für mich, den ich nicht im Stande war, zu verdauen. Dann kam er: Lars (alle Namen geändert). Seine Augen waren der Hammer und im Nachhinein denke ich, dass ich mich eigentlich sofort in ihn verliebt hatte, als ich das erste mal in seine Augen sah. Auch ein Grund war, dass er sich für Pferde genauso begeisterte, wie ich. Es war schön, meine Familie kam mit ihm zurecht und ich wäre heute wahrscheinlich noch mit ihm zusammen, wenn da nicht ominöse Gespräche gewesen wären, die ich und er immer öfter führten, die meist in Tränen endeten. Es fing ganz normal an, doch plötzlich begann ich ihn mitten in den Gesprächen zu beschimpfen und mit Gewalt zu drohen - was das seltsame daran ist: ich kann mich selbst heute an keines dieser "Zwischenstationen" in den Gesprächen erinnern. Es ist, als hätte ich ihn nie beschimpft und nein, es ist keine Verdrängung, davon haftet tatsächlich nichts in meiner Erinnerung, nicht einmal im Unterbewusstsein. Das jemand es nicht lange aushält, wenn man von dem Menschen, den man liebt immer wieder bechimpft wird - und der Mensch davon auch nichts mitbekommt - ist wohl für jeden verständlich. Es kam, wie es kommen musste: er konnte es einfach nicht mehr ertragen und machte Schluss. Ich war natürlich wie vor den Kopf gestoßen, zumal ich den Beweggrund für diesen Schritt damals noch nicht verstand. Es folgten endlose Gespräche, die doch zu keinem Ergebnis führten. Irgendwann dann einmal kitzelte ich doch die Wahrheit aus ihm heraus. Dieses Telefonat möchte ich nun wiedergeben, so gut ich mich noch daran erinner. Er: "Steinsdörfer (Name ebenfalls geändert)" Ich: kurze Pause "Hi Lars, ich bins" Pause Er: "Hi Große, na wie gehts?" Ich: "Wie solls mir schon gehen, ich vermisse dich." Pause Ich: "Ich versteh's einfach nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du nur aus so einem Banalen Grund unsere Beziehung einfach so hinschmeisst!" Pause Er: "Es ist aber so" Ich: "Das glaube ich dir aber nicht! Mensch Lars, ich kenne dich schon lang genug, ich weiß, dass da noch etwas anderes ist!" Pause. Ich spühre, wie er mit sich kämpft Er: "Ich kann es dir nicht sagen" Ich: "Warum nicht?" Er: "Weil ich dir nicht wehtun will" Ich lache verächtlich Ich: "Als ob das jetzt noch eine Rolle spielt, wehgetan hast du mir so oder so schon, also kommt es jetzt darauf auch nicht mehr drauf an!" Lange Pause Ich: "Bist du noch dran?" Er: "Ja." Ich: "Jetzt sag mir doch endlich, was los ist." Wieder lange Pause Er: "Ich kann einfach nicht mehr mit zwei Personen gleichzeitig eine Beziehung führen. Ich: "Wie meinst du das?!" Er: "Merkst du das nicht? Immer, wenn ich zärtlich zu dir sein will, dann veränderst du dich, stößt mich von dir und schreist mich an, ich soll dich nicht anfassen, du würdest mich umbringen, wenn ich "Euch" nicht endlich in Ruhe lasse" Sehr lange Pause; mir ist wortwörtlich die Sprache weggeblieben. Ich: "Du meinst ich habe zu dir gesagt, ich würde dich umbringen?! Ich?! Bist du dir sicher?" Er: "Nein, nicht du, sondern die Person, die noch da irgendwo in deinem Hirnstübchen mit drinhockt. Verstehst du jetzt? Ich konnte einfach nicht mehr anders!" . . . . . Was noch weiter folgte in diesem Gespräch ist nicht so wichtig. Wichtig war für mich, das dieser Schlag ins Gesicht mich endlich mal zum Nachdenken brachte. Ich hatte tatsächlich bis zu jenen Moment in meiner eigenen geschaffenen Traumwelt gelebt. Ich hatte mir selbst ein Gefängnis geschaffen und da ich da so einsam war, versuchte ich immer wieder gewaltsam, Leute in diese Traumwelt hinein zu ziehen, damit ich nicht mehr so allein war. Das konnte nur nach hinten losgehen. Ich war wütend auf mich selbst. Wütend, auf das, was ich durch diese Traumwelt alles versaut hatte. Es kochte und in dieser Wut auf mich selbst entschloss ich mich zu drastischen Schritten: Ich räumte auf, geistig wie auch weltlich. Einige meiner liebsten Stücke, die fest zu meiner Welt - die Traumwelt - gehörten, landeten gnadenlos im Apfall. Als ich diese "Reinigungsaktion" beendet hatte, fühlte ich mich erleichtert. Ich begann, meine Traumwelt Stück für Stück einzureißen. Ging erstaunlich schnell, wenn man bedenkt, dass ich diese Welt über Jahre hinweg aufgebaut hatte. Ich fühlte mich wie neu geboren. Endlich hatte ich wieder Kraft im Leben, ich merkte von Tag zu Tag, wie es mir besser geht: Ich habe keine Depressionen mehr, jeder Tag ist schön, ob Regen oder Sonne. Es ist einfach herrlich, zu spühren, dass man lebt und zu erleben, dass das Leben etwas wunderbares ist. Es hat sich innerhalb von zwei Monaten mein ganzes Leben verändert. Und das alles nur, weil sich endlich mal jemand getraut hat, mir die Wahrheit zu sagen. Heute genieße ich es sogar, wenn ich ab und an mal traurig bin, weil die Traurigkeit ja kein Dauerzustand mehr bei mir ist. Ich bin meinem damaligen Freund sehr dankbar dafür - auch wenn es mir damals sehr weh getan hat. Aber wenn ich heute so darüber nachdenke, ist es doch das Beste, was mir je passieren konnte, denn dadurch habe ich mein Leben zurück erhalten. |