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  Forum: Nebelpfade
    Thema: ~°°°~
JulyaWie extrem manche Tage doch sein können....

Letzte Woche war ich auf Klassenfahrt.
Als ich nach viel zu vielen Schuljahren damals meinen Abschluß in der Tasche hatte, hätte ich niemals gedacht, nochmal eine Klassenfahrt mitzumachen. Nicht nochmal in viel zu engen Bussen mit viel zu vielen (überwiegend weiblichen) Schülern viel zu viele Stunden in eine viel zu dreckige und schmuddelige Jugendherberge zu fahren, wo dort in viel zu kleinen Zimmern viel zu viele Betten warteten mit viel zu dünnen Matratzen und und und...

Ich habe noch nie einen Busfahrer kennengelernt, der sich trotz Navigationssystem und langjähriger Berufserfahrung so oft verfahren hat, wie unser dies tat.
Als wir nach langer und anstrengender Fahrt endlich in Salzburg ankamen, fing es prombt an zu regnen, womit es auch die nächsten drei kompletten Tage nicht mehr aufhören sollte. Da von knapp 60 Leuten nur ungefähr zehn einen Schirm dabei hatten, sank die Laune gen Null.
Nachdem wir irgendwie die Nacht rumbekommen hatten, sind wir zur Besichtigung einer Lodenfabrik gefahren, was sehr interessant war. Danach kam die [url=http://www.urlaub-anbieter.com/bilder/0/62-1-8-1-gr.jpg]'Hundertwasser-Kirche' [/url]in Bärnbach dran. Da unser Zeitrahmen aber viel zu eng gesteckt war, hatten wir für nichts genug Zeit. Und dann war da ja auch immer noch dieser Regen...

Endlich in Graz angekommen, bezogen wir unser Zimmer, das deutlich schöner war, als das in Salzburg. Wir besuchten noch viele Sehenswürdigkeiten in der Steiermark und konnten uns von dem guten Essen und der absolut netten Gastfreundschaft überzeugen.
Einen Tag vor der Abreise klarte das Wetter endlich auf und die Sonne kam raus. Natürlich an [i]den[/i] Tagen, an denen nur noch Ausflüge innerhalb geschlossener Räume geplant waren...
Die Rückfahrt ging dann über Nacht und nach über zehn Stunden Busfahrt kamen wir übermüdet und mit verbogenen Knochen endlich wieder in Kassel an.


Als ich, zu Hause angekommen, nur mein Gepäck in die Ecke schmiss, um meine Vögel zu begrüßen, um die sich in meiner Abwesenheit meine nette Nachbarin gekümmert hat, habe ich nicht sofort alle vier gesehen. Ich blickte mich um und sah drei der Nymphies auf dem Schrank sitzen, an einer Stelle, wo sie vorher noch nie gesessen hatten. Ich suchte meinen 'Goethe', der nicht dabei saß. Lief ins Wohnzimmer, rief und pfiff nach ihm, aber ich konnte ihn nicht finden.
Schon, als ich die drei Vögel auf dem Schrank habe sitzen sehen, wusste ich, daß etwas nicht in Ordnung ist und dies bestätigte sich leider, als ich Goethe dann endlich fand....
Sein Köpfchen schaute ganz verdreht hinterm Schrank hervor, auf dem die drei anderen Vögel saßen. Mir schnürte es die Kehle zu und ich ging auf die Knie. Goethe war tot... Er ist hinter den Schrank gefallen, hat dort noch gekämpft und die Tapete zerknabbert und ist dann dort gestorben.
Als ich ihn dort herausholte, sah ich, daß sein Bauch und seine Flügel ganz blutig waren....
Ich habe mir das ganze Wochenende die Augen aus dem Kopf geheult. Er war mein Lieblingsvogel....
Gestern Nachmittag habe ich ihn beerdigt. Ich bin mit Helge zusammen zu einem meiner Lieblingsplätze in einem Wald gefahren und habe ihn in einem Steinkreis vergraben, den ein Freund vor Jahren dort einmal angelegt hat.
Ich bin so schrecklich traurig... Meine Vögel sind wirklich sowas wie meine Kinder geworden und das Wissen, daß Goethe noch kämpfen musste, bevor er durch den Tod erlöst wurde, lässt mir immer noch die Tränen kommen...

Die drei anderen Vogies trauern auch. Das merkt man ihnen an... Vor allem Goethe's Weibchen ist sehr traurig.
Damit die Lücke nicht allzugroß ist, habe ich für Zicke, Oswald und Jester einen neuen Spielkameraden gekauft. Sein Name ist 'Nietzsche'. Er ist wirklich ein lieber Kerl und hilft mir über den Verlust hinwegzukommen.
Ich hätte wirklich nicht gedacht, daß einem das Herz so schwer werden kann, wenn ein Haustier stirbt...


Auf dem Weg zu Goethe's Beerdigung sind wir an dem völlig zerfetzten Auto des [url=http://www.n-tv.de/523276.html]Amokfahrers aus Kassel[/url] vorbeigekommen. Irgendwie ist man für sowas noch anfälliger, wenn man sowieso emotional grad etwas angeschlagen ist...

Ja... ist schon komisch, was so alles in einer Woche an Eindrücken auf einen einprasseln kann....
mathisschwesteroh, julia....scheinbar hatte ich mal wieder im 'richtigen' moment angerufen...
[SIZE=1]ich muss immer noch daran denken, dass ich dieses komische gefühl hatte, der amokfahrer, hätte ja vielleicht dich erwischt...[/SIZE]

es tut mir schrecklich leid um deinen goethe und ich hoffe, du kommst damit zurecht...

ich umarme dich ganz fest
deine freundin
JulyaAch Du Liebe...
Mir tut es leid, daß ich gestern so komisch war am Telefon..
Du konntest das mit Goethe ja nicht wissen...

[size=1]Grad eben habe ich in den Nachrichten gehört, daß die getötete Frau so alt war wie ich und so hieß wie ich...[/size]
mathisschwester[SIZE=1]das meinte ich auch gar nicht, du liebe....*lächel* ......ja, gestern war ja nur das alter bekanntgegeben - da kam dieser gedanke ganz plötzlich.....[/SIZE]
Pelloquin[size=1]Tut mir leid für Dich, Julia, dass Du solches erleben mußtest.

Und es tut mir auch leid um die ermordete Frau und die anderen Menschen, die dabei zu Schaden kamen. Wenn jemand beschließt, seinem eigenen Leben vor seiner Zeit ein Ende zu setzen, dann ist es nicht schön, aber zu akzeptieren. Wer dabei aber andere mitnehmen will... dafür habe ich kein Verständnis.

...

Ich glaube daran, dass Goethe jetzt an einem besseren Ort ist, einem Ort, wo alle zuvor Gegangenen sind, und wo wir auch einmal sein werden.


[i]another world
where the birds always sing
another world
where the sun always shines
another world
where nothing ever dies...[/i]


Alles liebe, Daniel[/size]
JulyaIch danke Dir, lieber Daniel...



~~~




Warum muß das Leben eigentlich solch ein ewiges Auf und Ab sein? Kann es nicht einmal an einem Punkt stehenbleiben? Kann da nichtmal etwas sein, nach dem man sich richten kann?
Kaum hat man die Balance erreicht, geht sicheren Schrittes einem festeren Weg entgegen, wackelt schon der nächste Stein und man kommt ins Trudeln.
In Sekunden kommt alles durcheinander und ins Wanken, was man bis dahin so sicher glaubte.
Ich bin besser geschützt, als noch vor wenigen Jahren, aber durch Goethes Tod wurde dieser Schutz schon etwas brüchig....

Ich hoffe nur, daß ich mich wieder fangen kann, oder daß der Sturz nicht allzu schmerzhaft wird...




An dieser Stelle schließe ich meinen Thread....


~Julia~

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