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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Silhouetten
WindIch weiß noch nicht genau, was ich mit diesem Thema vor habe, vielleicht werde ich hier öfter 'reinschreiben, vielleicht auch selten.
Ich konnte mich nicht wirklich entscheiden ob ich dieses Thema nun "Spiegelbilder", "Konturen", "Silhouetten", "Schattierungen", "Umrisse" oder doch "Tagebuch der Träume" (in Anlehung un DoD) nenne. Vorerst habe ich mich für "Konturen" entschieden, aber vielleicht änder ich es ja noch mal - wer weiß.

Da alle Texte von mir selbst geschrieben sind, ist das Weiterverwenden meiner Texte nur mit meiner ausdrücklichen Erlaubnis gestattet!

Nun zum eigentlichen (falls das hier überhaupt jemand ließt außer mir selbst - aber egal, es tut auch so gut, einfach etwas runter zuschreiben..)

Kerzen. Ich liebe Kerzen. Die Stimmung heute ist etwas ganz besonderes - irgendwie. Naja, ich bin ein kleines Kind, das leicht von etwas fasziniert ist, und doch...
Im Hintergrund ist laute Musik, ich kenne das Lied nicht aber es gefällt mir trotzdem und ich nehme mir vor, nächste Woche die Playlist anzusehen und es so eventuell herausfinden. Ich sitze mit meiner besten Freundin an der Bar, wir trinken Campari. Ich liebe Campari Orange. Als wir ausgetrunken haben, gehen wir zu einem Sitzplatz bei der Tanzfläche. Niemand tanzt. Naja, fast niemand - gelegentlich bewegt sich jemand schüchtern am Rande der Tanzfläche hin und her, aber ich spüre, dass sie die Musik nicht wirklich spüren und zu sehr darauf bedacht sind, keine falsch oder shclecht aussehenden Bewegungen zu machen. Naja, es soll mir egal sein. Der Abend wird noch schön, ich weiß es. Dann spielen sie "Traumtänzer" von Diary of Dreams. Ich liebe dieses Lied, doch niemand traut sich zu tanzen, dabei gibt es kaum etwas faszinierenderes als zu sehen, wie Musik, wie Klänge und eine Melodie in Form von Tanz Gestalt annimmt, lebendig wird. Schade. Naja, ich tanze ja selbst nicht allein. Ich schließe die Augen. *wirst du mich nie versteh'n, hast du noch nie geseh'n, wie meine Augen glitzern?* Es ist ein geradezu berauschendes Gefühl, wenn man Musik in sich aufsagt. Ich finde leider kein passenderes Wort... Jeder Atemzug ist getränkt in der Musik, Gedanken gibt es für einen Moment nicht mehr, nur die Traumklänge...
Naja, wie jedes Lied, hat auch dieses irgendwann ein Ende. Es folgen weitere schöne Lieder, Mittelalter, Dark Wave und ältere Sachen.
Langsam füllt sich der Saal. Immer mehr Leute begeben sich auf die Tanzfläche. An diesem Abend mag ich die Vielfalt. Es wird nicht nur ein dumpfer EBM-Takt gespielt sondern auch Dudelsackmusik und langsamere Sachen à la Dead Can Dance. Jeder tanzt, wie er sich fühlt. Ich finde viele Schritte sehr faszinierend, manches sieht nach Einheitsbrei aus (nicht unbedingt im negativen Sinne, denn es kann genauso faszinierend sein, wenn alle bei genau dem selben schlag das selbe Bein heben..), manche Tanzen im Kreis zu Subway, manche stehen da und schließen die Augen, manche brauchen viel Platz, manche wenig. Es ist die Vielfalt die fasziniert an diesem Abend. Und genau das ist sonst nicht so.
Dann folgen einige EBM-Sachen, oder Noize (ich kenn mich mit Bezeichnungen nicht sehr gut aus), dazu ein Blitzlichgewitter. Das mag ich nicht. Aber egal - es ist halt mal was anderes - wie geschrieben die Abwechslung ist das schöne.
Mancher versinkt in der Musik, zuckt genau mit dem Takt, andere sind ausgelassen und ich lasse mich von ihrer Freude innerlich anstecken. Das kann auch ein Bekannter, der aus welchen Gründen auch immer leider nicht mehr grüßt nicht wetmachen, das können auch die ganzen anderen Bekannten, die eigentlich kommen wollten und mit denen man sich unterhalten wollten, die dann aber doch nicht kamen, weil sie nur und ausschließlich diesen Einheits-EBM hören wollen, nicht vergiften...
Bei ASP - Ich will brennen zieht es uns dann aber doch auf die Tanzfläche. *ich will brennen, auch wenn danach nur kalte Asche übrig ist, ich will brennen, sebst wenn du meinen Namen morgen schon vergisst* Das Lied erinnert mich an viel. Ich kann ganz darin aufgehen. Und es ist auch egal, wenn es schlecht aussieht. In dem Moment bin ich die Musik, geschlossene Augen... vielleicht 10 weitere Lieder tanzen wir durch, manches mag ich, manches kenn ich, manches mag ich nicht, manches kenn ich nicht. Aber egal. Tanzen ist schön, tanzen ist Freiheit, tanzen ist Leben, tanzen ist Flucht. Tränen tanzen auch gerne, denke ich, aber dieser Gedanke passt hier so gar nicht hinein (Anmerkung: Ich hab irgendwann einmal ein Gedicht dazu geschrieben). Es ist aber ein schöner Gedanke auf den zweiten Blick jedenfalls. Ich weiß nicht weshalb. Es ist auch egal.
Dann laufen ganz langsame Songs. Ich schließe die Augen. Viele erinnern mich an irgendetwas. Musik verbinde ich sowieso stets mit irgendwelchen Tagen oder Erlebnissen. Die Tanzfläche wird leer. Nur ein Mann, vielleicht 50 Jahre, in Hausschuh-sandalen, mit einem Regenschirm und beiger Kleidung stellt sich mitten auf die Tanzfläche. Erst einmal bin ich verwirrt. Ja, wie oberflächlich das ist, zu denken "was ist das jetzt?" , aber das ist mein erster Gedanke gewesen, ich geb's zu. Er findet schnell den Takt und tanzt, so gut wie kaum jemand. Er -ist- die Musik. Das Schwarz-Dasein ist ein Gefühl, ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung, eigentlich undefinierbar, aber er ist schwarz. Vielleicht urteile ich zu schnell, aber es scheint, als könnte er im Tanz all das ausdrücken. Trotz Hausschuhen und beiger "normalo-Kleidung". Oder nicht trotz, sondern gerade mit. Soviel zum Thema schwarze Kleidung, soviel zum Thema ich-bin-schwärzer-als-du, soviel zum Thema schwarz ist schwarz...
Irgendwann geht der Abend vorbei, und wenn ihr nicht nach außen tanzt, tanzt innen...
WindIch bin gerade etwas verblüfft, verwirrt - das ist wohl wieder der Zeitpunkt, an dem ich hier etwas runterschreiben möchte...
Heute morgen hat mich eine alte Freundin, S, angerufen. Wir kennen uns nun schon 13 Jahre, haben uns aber etwas aus den Augen verloren, aber doch noch manchmal gemailt oder (seltener) getroffen. Nun, eigentlich tut dies gar nichts zur Sache, ich hab mich über ihren Anruf gefreut. Doch über den Inhalt weniger..
S wohnt immer noch da, wo wir zusammen in der Grundschule waren, wo wir zusammen gespielt haben.
Ich war früher, in der Grundschule, Außenseiterin, hatte nur eine einzige Freundin in meiner Klasse (die Freundin, die anrief ist ein Jahr jünger und war demzufolge nie in meiner Klasse). Naja, jedenfalls, ich war zufrieden damals, ich hatte eine richtig gute Freundin in der Klasse, das war genug. Sie ist Moslimin. Wie oft war ich bei ihr zu Hause, wie oft habe ich mit ihren Eltern, sehr netten Leuten, gesprochen, wie oft haben wir zusammen im Garten Federball gespielt oder ihre Hasen angeguckt. Als kleines Kind unterscheidet man vielleicht falsch noch nicht von richtig, es vermischt sich alles irgendwie, oder wird belanglos. Sie war das einzige Mädchen, hatte 12 (?) Brüder, die alle auf irgendeine Elite-Schule für Moslems mussten, sie waren alle sehr religös. Ich weiß noch, einmal war ich wieder bei ihr eingeladen, aber meine Mutter verbot mir meinen Lieblingsrock anzuziehen. Das war zu freizügig für diese strenge Gesellschaft. Meine damalige beste Freundin musste zu Hause kochen, sie war viel erwachsener als ich, ich die noch in ihrem Kindernebel steckte, ich, die nur vor sich hin träumte. Nachdem herauskam, dass S. halb-Amerikanerin ist, wurde ihr das Spielen mit ihr untersagt. Ich habe mir nie groß Gedanken darüber gemacht..
Nach der Grundschulzeit besuchten wir unterschiedliche Schulen. Der Kontakt hat nach und nach abgenommen, ab der 6. Klasse hatten wir keinen mehr. Ich weiß, ab der 7. Klasse sollte sie auch 2 Jahre auf irgendein Mädchen-Elite-Moslem-Internat. Keine Ahnung, ob sie da je war. Die Freundin, die mich heute angerufen hat, hat sie jedenfalls noch oft gesegen, da die beiden auf der selben Schule sind. Jetzt hab ich seit 6 Jahren keinen Kontakt mehr zu ihr. Nun bin ich 6 Jahre älter, 6 Jahre, das ist eine lange Zeit, finde ich...
Um wieder auf den Anruf zurück zu kommen. S erzählte mir von einem Bericht einer Zeitung, ein riesen Artikel mit einem Bild der Straße, wo meine damalige beste Freundin wohnt. Es kam wohl auch ein Bericht im MDR. Sie gehören anscheinend einer Terroristischen, islamistischen, fundamentalistischen Orgnisation an. Natürlich, das passt auch zusammen, wenn ich es mir nun überlege. Die dubiose Schule, diese extreme Strenge, die vielen Männer die dort immer ein und aus gingen, die vielen Matratzen auf den Boden in einem solch kleinen Haus, die Ansichten, das Verhalten, S. durfte nicht mehr mit ihr spielen, weil sie halb-ami ist, ... Verdammt :( Ich weiß nicht weshalb mich das so trifft, aber sie war immerhin mal 5 Jahre lang meine beste Freundin und jetzt... wie können Menschen nur so denken, wie können Menschen solch' fundamentalistische und kranke Ansichten haben. Und ihr Haus ist angeblich eine der Anlaufstellen in der Frankfurter Gegend. Ja das passt, das Haus steht in einem kleinen Dorf bei Frankfurt, es ist unscheinbar. Es wird zur Zeit spekuliert, ob vielleicht sogar Anschläge in Frankfurt von dieser Organisation (das haben sie sogar zugegeben dass sie eine Organisation sind, Namen hab ich gerade vergessen) geplant sind. Das kann doch alles nicht sein. :confused: Ich fahre jeden Tag mit der Frankfurter U-Bahn, wie grotesk und makaber es wäre wenn tatsächlich ein Anschlag in einer solchen U-Bahn passieren würde und diese Gruppe dahinterstecken würde...
Fassaden können also trügen, natürlich. Und ich als kleines Mädchen bin dort oft genug ein und ausgegangen, habe aber nie dahinter geblickt...
Wenn hinter so netten Menschen so grausame Ansichten stecken können, wem kann man dann noch vertrauen? :(
Vielleicht lasse ich mich auch gerade einfach zu sehr von diesem großen Zeitungsartikel leiten, vielleicht ziehe ich gerade voreilige Schlüsse und bin gerade zum Opfer der Medien geworden. Ich möchte versuchen, das ganze etwas objektiver betrachten, doch dafür musste ich meine Gedanken gerade ersteinmal hier aufschreiben.. - aber dass da etwas nicht stimmt, das haben schon andere, schon damals öfter gemeint.
Zudem hat sie jetzt, mit 17 Jahren, schon mindestens ein Kind und ist verheiratet, angeblich...[wie kindlich und weltfremd das alles hier klingt, als wäre mir am heutigen Tage die Wirklichkeit das erste mal begenet. Das ist natürlich falsch, aber dass gerade hinter dieser Familie, bei der ich so oft war etc, soetwas stecken könnte, das ist nunmal etwas, was mich nicht unbedingt ganz kalt lässt.]
Ich würde sie gern zu all dem befragen, ihre E-Mail Adresse habe ich immer noch, aber das werde ich wohl auf jeden Fall bleiben lassen.
Liebe Grüße (auch wenn das sowieso niemand ließt ;) )
*verwirrte wind*:( :eek: :confused:
WindDas Leben gleicht einer Tanzfläche, voll verschiedener Melodien. Um mich herum lachende, weinende, langsame, schnelle, hasserfüllte, liebende, individuelle, einheitliche, auffällige und unauffällige Tänzer. Viele tanzen zusammen in Gruppen, gleichen sich geradezu, manche tanzen allein. Welche Känge sie wohl gerde bewegen lassen, welche Gedanken, welche Leben wohl wirklich hinter ihnen stecken?
Ich gebe mich der jeweiligen Melodie hin, die Melodie des Lebens, meines Lebens. Sie wirft mich zu Boden, sie möchte mich zerreißen und lässt mich noch im gleichen Takt wieder aufstehen. Im Grunde ist es aber immer wieder das selbe, immer wieder die selben Schritte. Auch die Melodie wiederholt sich. In Wirklichkeit kenne ich jede Bewegung bereits auswenig und gebe mich meiner Lebensmelodie nicht mehr hin oder Lebe gar darin. Meistens jedenfalls nicht. Manchmal kann ich die Augen schließen und entdecke eine neue Melodie, einen neuen Kang, der sich für kurze Zeit in mein Leben schleicht. Wundersam, gar unbegreiflich sind diese Momente. Als hätte das Leben beschlossen, mich in eine neue Welt zu führen, damit ich mir meines Lebens wieder bewusst werde und es lebe. Aber kaum ist man so verzaubert von den neuen Klängen, werden entweder sie selbst zum Alltag, oder geleiten mich wieder zurück.
Doch in die Alltagsmelodie mischt sich ganz plötzlich, ganz unerwartet, eine zweite. Das verwirrt mich. Ich genieße sie, ich liebe sie, doch eine solch schnelle Veränderung, darauf war ich nicht gefasst.
Ich wünsche mir, dass diese neue Melodie sich weiter, ganz langsam unter meine Alltagsmelodie mischt und mich ein paar neue Schritte tanzen lässt, ohne dass ich mein Gleichgewicht verliehre. Ich wünsche, dass diese Melodie mich zu entführen vermag, immer ein neuer Ton hinzu gefügt wird, ohne mich zu sehr zu überrennen, meine eigene Lebensmelodie zu überspielen.
Wer fällt schon gern beim Lebenstanz?
[I]11.September05 - 22:30Uhr[/I]

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