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    Thema: too many worlds kiss
TooltimeTwo many worlds kiss....

Nun sitze hier und lerne. „Ein Verstehen kommt dort nicht zustande, wo die Zusammenhänge schwinden, „It’s all in pieces, all cohorence is gone.““ Und genauso fühle ich mich: Ich mehr ich mich mühe zu verstehen, desto mehr löst sich alles auf. Sehe keine Zusammenhänge mehr oder vielmehr keinen Zusammenhang zwischen den Eintelteilen. Dabei hatte ich mir doch irgendwann mal auf die Fahnen geschrieben: „Ich will verstehen.“ Aber es steht dort immer noch; nur weiß ich nicht, ob ich jemals wirklich verstehen werde.
Natürlich könnte ich mir Zusammenhänge zurechtschustern von denen ich wüsste, dass sie nicht wahr sind, nur gewisse Widersprüche einzelner Annahmen aufzulösen. Wie ich gestern gelernt habe, nennt man das „ad hoc“-Annahmen. Aber will ich das? Oder besser: Kann ich das? Anscheinend nicht oder zumindest nicht bewußt. Also doch die Zerrissenheit aushalten, aushalten lernen und doch immer weiter versuchen zu verstehen. Vielleicht ist das Nicht-Aushalten von fehlenden/nicht zusammenpassenden Zusammenhängen und die Rettung durch die „ad hoc“-Annahmen eine Erklärung für Verschwörungstheorien. Da hat man dann seine Aliens, die der Urgrund für alles unerklärliche sind. Oder auch die Erklärung für Stammtischgebrabbel: „Der, die das ist schuld.“ Punktum. Fertig. Gestrigen Tags kam mir diese These noch peppig und innovativ vor. Heute erscheint sie mir einfach nur banal. Bin ich banal?
banal Adj. „nichtssagend“ (...) Das Adjektiv wird zunächst zur Bezeichnung von Dingen verwendet, die den Personen, die in einem bestimmten Bezirk leben gemeinsam gehören. Aus diesem „gemeinsam, gemeinnützig“ wird dann „normal“ mit der Bedeutungsveschlechterung hin zu „nichtssagend“.
Manchmal verschlägt es mir wirklich die Sprache angesichts der Welt. „(...)nicht nur eine Welt, sondern auch eine Um-Welt(...)“. Und bitte doch erst einmal nur „eine meiner Welten“ zu einem Abschluß bringen, die des Langzeitstudenten. Und alles sah einstmals so gut aus, so hoffnungsvoll. Ich hatte endlich ein eigenes Leben, eineinhalb Studiengänge zusammen und doch noch in der Regelstudienzeit. Dann der große Bruch. Breiten wir den Mantel des Schweigens darüber und blicken wir nach vorn.

Wenn ich nur nicht noch so viele andere Dinge im Kopf hätte. Auflegen am kommenden Sonnabend. Willkommen in der wunderbaren Welt des Mainstreampop! Die ich eigentlich einstmals betreten hatte, um wieder Lust am Auflegen „dunkler Musik“ zu finden und um mir eine neue Herausforderung zu suchen, dann wieder verlassen hatte und vor einem Monat wieder betreten habe. Unter veränderten Vorzeichen „Funk, Soul, Disco, R’n’B“, wie immer mit Ise zusammen. Wir hatten auch sehr viel Spaß an diesem Abend. Es war auch alles wunderbar, recht dezent, ohne den üblichen Ferkelkram des HipHop spielen zu müssen, den ich mich schon immer standhaft geweigert habe zu spielen, freundliche Gäste, wenig Wünsche. Und zur Abwechselung mal bezahlt zu werden war auch nicht zu verachten. Ich würde so gerne einmal wieder in den Urlaub fahren. „raus aus dieser Stadt“. Das nächste Mal war ging gerade noch so, ein „Einspingetermin“ für einen anderen DJ, hart an der Grenze, aber noch erträglich. Und nun? Ich hatte mich so gefreut und dann wird man trotz vorheriger Absprache mit wahlweise „Hit Mix! 80s-90s, Black Music und die aktuellen Charts oder Hit Mix! all style“ angekündigt. Ich mag weder die 90er, noch spiele ich HipHop, noch sind in den aktuellen Charts irgendwas enthalten, was der Clubbetreiber wirklich hören möchte. Und ich besitze diese Musik auch nicht in hinreichendem Maße. Soll ich etwas den „Crazy Frog“ spielen? Und was heißt bei mir „all style“? „Von Astrovamps und Louise attaque über Interpol, Human League, Faun, Dinosaur Jr, Destiny’s Child, Billy Idol bis zu KC and the Sunshine Band und den Supremes läuft alles? Oder darf’s noch ein bisschen Throwing Muses und Kettcar sein?
Der Tag an dem ich diese bekloppte Ankündigung las, war für mich gelaufen. Im Club angerufen, stellt sich raus, dass der Werbungsmensch Mist gebaut hat. (Jetzt habe ich wenigstens die nochmalige Begründung, warum ich mir die Arbeit und am liebsten die Flyer für meine Termine selbst mache.) Toll. Hilft mir aber auch nicht weiter hinsichtlich der musikalischen Gestaltung des Abends. „Die Sorge als Sein des Dasein“ Wenn ich mich ganz doll sorge, bin sich dann vielleicht auch mal „da“ und nicht nur „so“ und verliere mich im „man“? Wie oft habe ich schon in irgendwelchen Club rumgestanden und mir gedacht „vor Dir tobt das perfekte „man.“.
Das wäre Welt Nummer zwei.

Willkommen in meiner dritten Welt, der der „neurotischen Indiejungs“. Zum Auflegen gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, eingesprungen, um eine Veranstaltungsreihe nicht sterben zu lassen und es machte Spaß und das tut’s immer noch. Die „szeneinternen“ Grabenkämpfe finden ohne mich statt, ich lege nur Musik auf und solche, die mir gefällt und die auch den meisten Gästen gefällt. Aber wenn ich mir die Verbalschlachten in einigen hiesigen Gästebüchern und Foren ansehe, wird mir doch ein wenig anders. Da muß es dann genau eben die eine Untergruppe der Subkultur, alles andere ist „Müll“. Ich bin der Nabel der Welt. Einzig mein Musikgeschmack ist der wahre. Man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen.

Wie schon erwähnt, wollte ich wieder Lust am Auflegen dunkler Musik bekommen. Diese erschein mir so seelenlos und stehen geblieben. Ich stellte mit die Frage: Was hast du mit all dem noch zu tun? Ich führte mit die die ganzen Diskussionen, die auf diesem Board geführt werden. Und leider konnte ich mich dabei nicht einfach nur ich sein lassen, denn ich höre die Musik ja nicht nur für mich alleine, sondern mit anderen zusammen. Und auch nicht gegeneinander. Lieder zusammen hören. Es geht nicht um die „phatten Beats“, um den „Flow“, das kann ich woanders haben, sondern um Lieder, die Geschichten erzählen, die mir etwas bedeuten, die mich zum Nachdenken bringen, die das ausdrücken oder widerspiegeln, was ich an dieser Welt nicht verstehe, mit mir fragen. Das mit anderen zusammen erleben zu dürfen, das ist schön. Es kann auch umschlagen in eine „Tanz auf dem Vulkan-Atmosphäre“. Aber was mir so zuwider ist: „Ey mach’ mal wat, wo’s so richtig schön voll ist, wo man so richtig zu abfeiern kann, wo’s so richtig abgeht, ey!“
A-beebop-a-loola! Wo ist der Unterschied, ob mir minutenlang „Kill!“ „Destroy!“ um die Ohren knallt oder „Lollipop, Lollipop, Lolololollipop“? Ach ja, die krassen Sounds und abgefahrenen Beats. Die es anderen Clubs mir anderer Musikrichtung wohl besser aufgehoben sind und da auch nicht mit „Fruity Loops“ zusammengeschraubt werden. „Den und den und den Song in dem und dem Remix und in der und der Reihenfolge, bitte.“ Streichen sie das „bitte“ aus dem Protokoll. Der Electrohead bittet nicht, er erteilt Befehle. Und ein DJ, der etwas anderes als den persönlichen Musikgeschmack bedient der letzte Dreck ist. Es hat mich sehr viel Zeit gekostet zu verstehen, daß wenn ich zu hören bekommen: „Du bist scheiße“, die betreffende Person erstens nur meine Auflegequalitäten meint und meist auch nicht einmal das, sondern oft nur ausdrücken will, dass ihr der aktuelle Song nicht gefällt, denn alles was nicht mit dem eigenen Präferenzen übereinstimmt ist ja schlechte Musik und deswegen ist der DJ schlecht und dann auch ein widerlicher Mensch.

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Tooltime........
So weit, so schlecht. Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, dass ich jemals einen Abend als misslungen erlebt hätte, nur weil mir ein DJ nicht einen bestimmten Musikwunsch erfüllt hätte, solange ich mich einigermaßen mit der Musik anfreunden kann, nette Leute um mich herum habe, ist für mich alles in Ordnung. Desweiteren kann ich mich auch nicht daran erinnern, jemals einen DJ beschimpft zu haben. Ein DJ-Name ist schon was Feines. Am Abend bin ich nicht mehr „ich“, sondern diese andere Person oder besser nur ein Teil von mir, der diesen anderen Namen trägt. Und all die Beschimpfungen tun nicht mehr ganz so weh. Aber wenn dann so ein alberner Krempel auch noch in meiner Freizeit weitergeht, dann habe ich irgendwie endgültig die Nase voll. Nichts ahnend sitze ich an meinem Tisch und dann bekomme ich Gesellschaft. Welche lauthals mit Seitenblicken auf mich darüber räsoniert, dass „Frauen“ ja nichts von Musik verstehen. Ich weiß nicht, warum ich ihn nicht stante (oder sedens?) pede an den Hals gesprungen bin, wahrscheinlich wahr ich zu müde oder hatte einfach keine Lust auf niedernivellierte Musikdiskussionen in meiner Freizeit. Hätte ich aber gewusst, dass das noch weiter geht. Wie im Kindergarten. Lästereien, Nicht-mehr-grüßen von Leuten, die mit mir befreundet sind. Es wäre eigentlich ganz lustig, wenn es nicht mich so verletzten würde. Ja, es tut nach den Jahren immer noch weh. Sowohl hinter dem Pult, trotz der DJ-Person-Trennung und erst recht, wenn es „im Privaten“ noch weitergeht. Ich bemühe mich in jedem Gast einen Menschen zu sehen und auch seine Wünsche ernst zu nehmen. So fällt es dann auch schwer, derartige Böswilligkeiten nicht ernst zu nehmen.
Da frage ich mich dann schon ob es dass alles wert ist, für mich und für die ganzen anderen Leute, mit denen zusammen ich die Veranstaltung mache. Ohne Geld für böse Worte. Hauptsache es wird gemeckert. Zu billig, zu teuer, zu warm, zu kalt, zu voll, zu leer, zu bekannt, zu unbekannt, zu dick, zu dünn.

Und zu guter letzt: Willkommen in der Welt! Nach der täglichen Zeitungslektüre sitze ich an guten Tagen nur ungläubig kopfschüttelnd mit einem leicht flauen Gefühl in der Magengegend da. An schlechten ist mir, als hätte man mir den Bauch aufgeschlitzt und ich versuche um mühsam meine Gedärme wieder hineinzustopfen. Und die Welt schmerzt so. Nein es ist nicht die Welt, sondern dass, was in ihr passiert, was von Menschen gemacht wird. an guten Tagen schüttele ich den Kopf über all’ die rhetorischen Amokläufer, die die deutsche und Weltpolitik bevölkern. Plakatklebereien lassen Stadt unsicher wirken! Flugabwehrraketen für jede Straßenecke! Sonnenschutzrichtlinien für Bauarbeiter! Fremdarbeiter nehmen uns die Arbeitsplätze weg! Ist das das allseits besungene Sommerloch? Bin ich bekloppt oder wie bekloppt muß man sein, um so einen Schwachsinn nachvollziehen zu können? An schlechteren Tagen möchte ich am liebsten weinen und manchmal tue ich es auch. Eine Bombardierung hier, ein Anschlag da. Garniert mit ein paar Massenerschießungen und ein bißchen Folter. „Es hätte jedem klar sein müssen, dass der Mensch dazu fähig ist.“ Bitte??? Natürlich ist auch mir klar, daß Menschen nicht nur „gut“ (was immer das auch heißen mag) ist, aber muß ich damit rechnen? Hätte es mir klar sein sollen? Wie sehr muß ich denn damit rechnen? So sehr, dass ich in jedem einen potentiellen Folterknecht sehen muß? Wie soll ich denn dann leben? Ein Stück weit muß ich doch den Menschen vertrauen können. Gepaart mit der eigenen Hilflosigkeit in dieser Welt anscheinend nichts zu Positiven zu verändern zu können, ergibt das ein wunderbares Lebensgefühl.
Gepaart mit den Themen wie „Rosa Hemden – schwul oder cool“ mit all ihren seltsamen Konnotationen, mit Internetidentitäten wie „GeilesLuder“, die sich 15jährige Mädchen zulegen, nackten Brüsten und Hintern die mir in fast jedem Forum in den Signaturen entgegengereckt werden, weltbewegenden Fragen „Der Kerl oder sein Auto“ stürzt mich das in eine gewisse Verwirrung. Ich kann doch noch nicht einmal das Tanga-zur–Schau-stellende germanistikstudierende Schnittchen von der Tanga-zur–Schau-stellenden handelüblichen Proletenschnitte unterscheiden. Es gibt angeblich Unterschiede, aber irgendwie fehlt mir für solche Subtilitäten der Blick.

Was soll das alles? Was mache ich hier? Was sollte ich tun? Wer bin ich? Ein Subjekt-im Prozeß das sich jeden Tag wieder Sinn aufbauen darf.... Irgendwie ist das nun Niedergeschriebene so wirr wie ich mich fühle, obwohl ich es doch niederschreiben wollte, um mir ein wenig Klarheit zu verschaffen; ein wenig Abstand zu gewinnen, indem ich mich der Gedanken ent-äußere.

Der Sonnabendabend rückt näher, ich habe Angst. Die platonische Argumentation der Unsterblichkeit der Seele sollte mich beschäftigen, statt dessen schnippe ich zu Patrice’ „Soulstorm“. Too many worlds kiss... Was soll’s! No time to cry! Let’s groove tonight! Wenn es uns gelingt, einige Leuten einen schönen Abend erleben zu lassen ohne sich in die absolute Niveaulosigkeit zu begeben, dann freue ich mich einfach.
TooltimeGrausam war’s. Wie ein Urlaub im Club Robinson und ich hab’ was gegen zuviel organisierten Frohsinn. Besonders wenn El Cheffe neben einem auftaucht und einen erstens anmault, dass man doch noch mehr Party machen soll. Zweitens noch lauter. Wie das? Es läuft alles, aber auch alles, Höhen, Mitten, Bass, Gain, Master, Kanäle schon auf Anschlag. „Da ist noch so eine kleine Schraube.“ Na, toll, nicht dass ich von dem der Lautstärke eh’ schon Migräne bekommen hätte. Verabschiede den noch halbwegs klingenden Sound und lasse ein einziges Gebreie erschallen. Diskutieren zwecklos. Freude schöner Götterfunken, Hallelujah, preiset den Herrn – bis um halb sechs.
Eigentlich sollte diese Aktion mir ja das M’era Luna finanzieren, aber da ich ja ein braves und pflichtbewusstes Mädchen bin (manchmal zumindest), habe ich aufgrund des anstehenden Prüfungen meine Karte verkauft und bleibe hier in Deadmanstown. Die Sisters sehen wollen, Karte kaufen, Prüfungstermine erhalten, Karte verkaufen. Die Wiederkehr des Immergleichen. Na ja, wie heißt es so schön: Life’s not fair, get over it or kill yourself.
Der Sonntag war dann einer dieser Tage, an denen man sich aus dem Bette rollt, auf allen Vieren durch die Wohnung kriecht und sich dann am Türstock des Badezimmers hochziehend in eine einigermaßen senkrechte Körperhaltung bringt. Positives: Immerhin haben wir nach einer Pizzafalschlieferung zum ersten Mal die richtige Pizza nachgeliefert bekommen. Sogar eine ohne totes Tier, wie gewünscht. Das macht glücklich und ein den ganzen Montag anhaltendes Völlegefühl.
Zurück in meine erste Welt, kein Auflegen mehr. Ganze zwei Monate nicht. Noch ein letztes Mal Koffer auspacken, dann diese auf den Dachboden verbannen und endlich wieder Platz im Zimmer haben.
Wenn sich da nicht ständig noch andere Sachen reinmogeln würden. Und ich nicht so doof gewesen wäre, für irgendwas meine Zusage zu geben, was zwar eigentlich eine ganz prime Chance und Sache ist, vom Terminplan aber so derartig ungünstig ist, dass ich mich am liebsten in meinen eigenen Allerwertesten beißen möchte.
Irgendwie fühle ich mich wie ein Hamster im Laufrad, in einem Laufrad, was sich immer schwerer und schwerer bewegen lässt. Ein ziemlich dummer Hamster zudem.
TooltimeSubstrat. Ich dachte, hoffte daß ich dieses Wort nie wieder lesen müßte. Nicht nach meinem Essenz-Subsitenz-Substanz-Waterloo, in dem dank einer gloriosen Übersetzung Subtrat wahlweise für einen dieser Begriffe stehen konnte. So eine Akt Jokerantwort wie „Dieter Borsche“ oder „Eisstockschießen“. Und jedes Mal wenn ich dieses Wortes angesichtig wurde, musste ich an „Substral“ diesen ominösen Pflanzendünger denken. Sofort danach erschien das Bild eines Kornfeldes in meinem Kopf und Volker Lechtenbrink tönte dazu: „Caro, oh du mein Landkaffee. Karo ist ein Kaffeesurrogatextrakt.“ Weicher Übergang: „Wenn der Schutzmann ums Eck’ kommt nimmt der Ede Reißaus, weil der Ede den Schutzmann nicht mag.“ Ich schunkel auf meinem Schreibtischstuhl und summe: „Große Haie kleine Fische, bei uns im Großstadtrevier.“ Schnitt auf das Mannschaftsquartier des U96: „Du, Du hassu Hore inne Nose?“ Einsetzen der Titelmelodie. Schnitt. Die U96 taucht auf, platsch aufs Wasser und verschwindet sogleich wieder. Taucht wieder auf und ist der weiße Wal. Käpten Ahab lacht irre. Ich bin er. Wir tauchen auf. Und wieder unter. Und auf. Und unter. Bis wir endlich an Horizont verschwunden sind.
„Na, alles klar Männer?“ Nee, gar nichts ist klar. Manchmal muß ich dann an Johann denken und noch manchmaler weine ich dann ein bißchen.
TooltimeHalten wir fest, daß die nicht-euklidische Geometrie von der ich bis vor kurzen noch nicht einmal wusste, dass sie überhaupt existent ist, mein Weltbild (oder besser Denkungsart?) doch erheblich erschüttert hat. Ich denke nicht gekrümmt. Aber vielleicht eine Erklärung dafür, dass ich nicht soviel wiegen mag: Je weniger Masse, desto weniger Krümmung, desto weniger Erschütterung.
Und als ich darüber nachdachte, daß es wohl immer auf die Möglichkeiten hinaus läuft, die möglichen Seinsmodi, habe ich mir aus Versehen die Haare gewaschen. Und beinahe hatte ich mir dann noch die Allergietabletten meiner Katze statt Süßstoff in den Tee geschüttet. Das war, als ich über die Ideen der Kleinheit und der Größe sinnierte. Die es irgendwie nicht geben kann. Was soll die Idee der Kleinheit sein? Ein Punkt? Also das, was keine Teile hat? Das Nichts? Dann ist es aber nicht seiend. Und p und –p geht nicht, das habe sogar ich verinnerlicht. Und die Idee der Größe? Die Unendlichkeit? Spätestens zu diesem Zeitpunkt breitete sich eine grenzenlose Leere in meinem Hirn aus. Kann eine Idee eine Relativität beinhalten?
Wenigstens die SZ hat mich heute erfreut und mir mehrmals ein debiles Grinsen ins Gesicht gezaubert: “Ich kaufte ein Kebab, das genauso schmeckt, wie es heißt und aussieht. Bin überrascht und William of Occam wäre es mit mir.“
TooltimeDer Blick aus dem Fenster: Zwei feiste Herren. Anscheinend dabei irgendeinem anverwandten Studienanfänger bei der Wohnungssuche behilflich. Karohemden. Zweifach. Natürlich kleinkariert. Natürlich in blau. Dezent blau. Existieren die Teile nur in dieser Farbe? Und warum existieren sie nur in dieser Farbe? Weil sie in flamindopink oder sonnengelb noch bekloppter aussehen würden. Sie verkörpern eine Geisteshaltung: Schaut her, ich bin arriviert und total locker drauf. Die hemdgewordene Kleingeistigkeit. Dazu das arrogante Grinsen. Ich höre die fetten Lippen geradezu schmatzen als sie ins unvermeidliche Handy sprechen. Es wird geschwitzt. Kernig, anpackend, die Stufe vor richtig fett.
Und das kommt der Anverwandte, der Wohnungssucher. Ein schmächtiges Bürschlein, dass seinen bodygestylten Körper im hautengen T-Shirt darbietet.. Wertvolle Unterstützung gewinnt diese Präsentation durch eine Hose in die sein nichtvorhandener Hintern mindesten zweimal hineinpassen würde. Betont männlich breitbeinig lauschend den Ausführungen der Feisten. Wedelt locker mit einem dieser unvermeidlichen Schlüsselbänder. Oder sollte ich sagen Lanyard oder Keyholder? Jura oder BWL? Dann kann ich mich im Laufe des Einzugs auf schöne Beats freuen. Oder vielleicht doch Kowi mit Powi und Schuß Geschwi dazu. Dann habe ich vielleicht Glück und er hört Freejazz und Klassik um seine Intellektualität zu untermauern. Himmelnochmal. Sehen eigentlich alle neuen Studenten aus wie ekelerregende Schmalzgurken, die mir den Appetit auf Mittagessen verderben?
decay73Hmm, jetzt müßtest du eigentlich sofort aufspringen, um diesen Grünschnäbeln zu zeigen, was es heißt, Student zu sein.

Das ist jetzt deine Aufgabe und deine Chance!

Ihnen zuerst mehr schlecht als recht zeigen, wo es langgeht und dann, daß es ohne dich nicht geht, und schon hat man eine nette, kleine Gruppe hilfloser Studenten, die einem die Tasche tragen. :p


[size=1](PS: nett beobachtet *g*)[/size]
TooltimeEigentlich eine recht erheiternde Vorstellung: Eine Horde von schmachtenden wartenden Ersties die eine kilometerlange Fahrradfahrt hinter sich haben, nur um mir meine Tasche die 30 Meter von meiner Tür zu meinem Institut zu tragen.
Ansonsten hatte ich eigentlich nicht eine Absolutheit der Verachtung von Erstsemestern ausdrücken wollen, ich bekomme ja auch stets nur einen kleinen Ausschnitt mit. Nur ist der mir manchmal eben einfach zuwider, was vielleicht aber zum größten Teil an der herrschenden Mode und deren Einheitlichkeit und Vorherrschaft auch an der Universität liegt. Total elitenmäßig unterwegs sein und sich fühlen wie King Loui of Dortmund, aber trotzdem sich brav mäh-bäh blökend in die Herde einreihen. Und außerdem hab’ ich einfach ungern Ausblick auf rosa Nylontangas und weitere tiefere Einblicke oder schlammgrünkarierte Boxershorts. Ist ähnlich gruselig wie es die Durchgangszimmer der diversen Mareens, Doreens, Kathleens und Wieauchimmereens waren mit der dekorativen ein Drittel der Fensterhöhe verdeckenden Tüllgardine, der umfangreichen Diddlmaussammlung und Winnie-Windel-Postkartenkollektion. Der Besitzerin eines solchen Zimmers wurde man allerdings selten ansichtig, sie hielt sich vorzugsweise in der Heimat, Eberswalde-Finowfurt
auf, wo Ufos gerne mal begleitend Autofahrern neben der Landstraße folgen. They remove the cause but not the symptom.

Zurück in die Gegenwart. Ich muß mich korrigieren: Es waren nicht Anverwandte sondern die Vermieter (oder mit der Vermietung Beauftragte) der muchtigen überteuerten Buchten mir gegenüber. Und anscheinend werden sie die nicht los, denn - oh Graus!- die sitzen immer noch da. Am folgenden Tag hatten sie wieder karierte Hemden an und noch Gesellschaft durch ein mageres Männchen im Zuhälterlook bekommen. Richtig stilecht mit weitem bunten Seidenhemd, Bundfaltenhose, pomadigen Haaren und der obligatorischen Sonnenbrille in diesen. Wer würde bei dieser Ballung optischer Geschmacklosigkeit kein Zimmer mieten?
Vorgestern: Lesen die hier mit? Es gibt diese Hemden wirklich und wahrhaftig in hellgelb- und -freundlich ausgedrückt- milchkaffeebraun- oder treffender: babykackpastellkariert. Könnte bitte endlich mal jemand den Tatbestand der ästhetischen Beleidigung einführen? Anzudenken wäre vielleicht auch eine umweltstrafrechtliche Würdigung, visuelle Umweltverschmutzung oder so.
Gestern: Back to blaukariert. Gesellschaftsherr diesmal: Ein Juraabsolvent, der augenscheinlich kein Versicherungsvertreter Schrägstrich Vermögensberater bei einem „seriösen“ Unternehmen wie geworden ist.
Heute: Die volle Breitseite: Die dicken Männer plus verkrachter Jurist plus kleiner Zuhälter. Die sollen weggehen, die sind häßlich! Und sie sollten ihre Taktik noch einmal überdenken, denn die Anzahl der Verkaufsgespräche hält sich in engen Grenzen.

Und jetzt hab’ ich den Blues wie er blauer nicht sein könnte. Vielleicht deswegen meine Aversion gegen kleinkarierte blaue Hemden. Haha, toller Witz. Und wir versuchen wieder mal aus allem einen kleinen Jokus zu machen. Mein Vater muß mich nicht anrufen, um mir nebenher zu gratulieren, mitzuteilen, daß er dann irgendwann die Paprika und Tomaten (Deine Geburtstagsgeschenke!) losschicken wird und mir über die Heizölpreise die Ohren vollzujammern. Wie wär’s, wenn Du dir mal den Namen meines Freundes, mit dem ich seit über fünf Jahrn zusammen bin merken würdest? Wie wäre es, wenn ich endlich einmal eine Entschuldigung, eine ernst gemeinte bekommen würde? Ich habe meine Großmutter (die Schwiegermutter, wie du sie so verachtungsvoll zu nanntest) gepflegt, meine Mutter (die Frau). „Was hätte ich ohne Euch für ein Leben haben können!“ Habe ich Dich gezwungen zu heiraten? Habe ich Dich gezwungen Deinen Beruf aufzugeben? Habe ich Deine Frau zur Alkoholikerin gemacht? „Du und Dein Vater, Ihr seid daran schuld!“ Nein, ich habe nicht darum gebeten geboren zu werden. vor ein paar Nächten war ich wie jede Nacht mal wieder auf der Flucht vor irgendwelchen Leuten, die mich erhängen, erschießen, zu Tode prügeln usw.usf. wollten. Ich fand mich in meinem Elternhaus wieder. Schutz suchend. Welch’ Ironie. Das passende Lied: „Summertime“ von Billie Holiday.

Cut. Worüber könnte ich mich jetzt lustig machen, um nicht zu versumpfen, denn Logik und Methodenlehre await for me between metaphor and its theory. Am besten über mich selbst. Prüfungslernen heißt ja auch Gewichtszunahme. Um den Erhalt meiner Körpermitte habe ich mich zum Glück ein wenig gekümmert, aber ansonsten..... Mal richtig Holz vor der Hütte. Na, wohl eher Reisig in anbetracht der 75 B (sic!). Ich fühl’ mich fühl mich trotzdem im Vergleich zum Normalzustand wie Pamela Anderson. So als würde ich demnächst vorne überkippen, wenn ich mir nicht auch –tatah!- ein Hinterteil zugelegt hätte. Am besten ein rotes post-it draufpappen mit der Aufschrift: „Schwenkt aus“. Auch nicht besonders erheiternd. Ich glaube, ich hole mir jetzt ein Bier und finde die gesamte Welt inklusive meiner kleinen so richtig von vorne bis hinten, oben und unten, kreuz und quer, rechts und links so richtig schön blöd.
TooltimeIch bin übellaunig. Schwankend zwischen sachte vor sich hindeprimierend und dem Wunsch in der nächstgelegenen Fußgängerzone Amok zu laufen. Was um diese Uhrzeit wohl auch kein besonderes Erfolgserlebnis wäre. Muffel ich eben in Ermangelung einer anderen Person meine Katze an, die mich um einen erholsamen Schlaf gebracht hat. Schön, dass dieses Tier keine Lust zu schlafen hatte, sondern entweder vehement die wiederholte Öffnung und Schließung von Zimmertüren einforderte, sich dann für Regenwurmjagd im Garten und anschließenden Verzehr dieser Weichtiere direkt neben meinem Ohr entschied. Gefolgt zum Kauen an der Krallen. Was ein paar Kilo Tier doch für eine Lautstärke entwickeln können.

Mein Hirn hat sich anscheinend in ein großes schwarzes Loch verwandelt; ich packe seit Monaten irgendwelches Wissen hinein, auf daß es nie wieder zum Vorscheinen komme. Ich seh’ mich schon am Dienstag stammeln „My name is..., my name is... „ Und selbst der fällt mir nicht mehr ein. Am liebsten möchte ich wegrennen.

Heute morgen nehme ich erfreut ein Päckchen entgegen. Ebay! Ebay! Jetzt muß ich nur noch 10 Zentimeter wachsen und ein paar Kilo zulegen, dann kann ich den Inhalt auch tragen. Positiv denken! Ise passt es, er freut sich, das Geld war nicht rausgeworfen. Trotzdem: “Grmpf:“

Ich hab’ irgendwie Lust, 50 Cent mit Paris Hilton zu erschlagen. Dieses kleine blöde grinsende Barbiepüppchen an den Knöcheln zu packen, zweimal im Kreis herumzuwirbeln und dann im ebenso dämlichen Grinsen dieses pelztragenden Proleten landen zu lassen. Wie kann ich nur wollen, wo sie doch so viel geleistet haben und die ultimativen Vorbilder für die hiesige Eingeborenenjugend darstellen. Vielleicht bin ich blöd, aber irgendwie will mir die Leistung an „dümmlich grinsen, knapp bekleidet auf Parties auftauchen und dabei einen widerlichen kleinen Köter mit sich herumschleppen“ nicht einleuchten. Aber ich bin wohl nur neidisch. Genauso wie auf die Stimmen und das musikalische Können von „Tokio Hotel“. Obwohl... die Frisur dieser einen kleinen Rotznase hält. Die deutsche Betonindustrie hat endlich nach dem Tod von Hannelore Kohl wieder einen würdigen Repräsentanten gefunden.

Wende ich mich doch lieber wieder so spannenden Themen wie extensionalen Definitionen zu. Was ist das Leben schön.
TooltimeMorgens, sprich Highnoon.
Es war definitiv nicht die beste Idee, bis vier Uhr sich mit Donald Davidson zu vergnügen. Wie ich Texte hasse, die keinen vernünftigen Aufbau haben. Da denkt man, daß jetzt weiß, was der werte Autor denkt, aber nein. Zwei Absätze später erzählt er einem, daß das er das gar nicht denkt, sondern Ronald Rabbit. Boah, ey! Warum nicht so: Rabbit sagt yxz. Y finde ist doof, die Gründe dafür sind soundso. Z ist aus folgenden Gründen für meine Auffassung nicht relevant, aber x stimme ich zu und damit arbeite ich weiter. Soll ich jetzt den hermeneutischen Zirkle in ganz setzen oder vielleicht eher den Dekonstruktivisten-Swing tanzen? Und wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo noch ein bißchen Frege daher. Wahlweise Wittgenstein. Eine noch blödere Idee sich dann auch dem Aspektsehen zu widmen.
Momentan gefühlte Prüfungskleidung: Rosa Tütü, Badeschlappen und mein toter Hibiskus. „Sehen Sie mich als künstlerische Wahrheit.“

Wieder weit nach Mitternacht.
Wäre mir eigentlich auch alles ziemlich egal, wenn ich nicht noch bei diesem Prof meine Magisterarbeit schreiben wollen würde. An meinen Berufsaussichten ändert das alles sowieso nichts, die tendieren eh’ gegen null.
Warum habe ich zwischendurch diesen „Ich-tu’-was-für-die-sog.-Szene-Mist“ angefangen? Warum bin ich „nach Hause“ zurückgegangen?

Warum tut mir die Welt immer so weh? Nein, ich meine nicht „hach, die böse Welt, was hat sie mir nur angetan“, sondern warum lasse ich alles immer an mich heran. Die Welt ist, wie sie ist und daß sie nicht schön ist, hat man irgendwann kapiert. Nur hat man, wenn man jünger ist, noch die Illusion, daß irgendwann einmal alles besser werden wird, daß man dann anfangen wird zu leben. „Kapier’ endlich, daß das Leben jetzt ist.“ Auf der einen Seite: Ja, weiß ich. Ich lebe und je veux vivre juste un peu plus fort. Auf der anderen Seite: Ist das alles ? Diese Wohnung ohne Küche ? Dieses Gefesseltsein an ghoul town? Die Metaseite: Wie widerlich wäre das denn auch überhaupt zufrieden zu sein? Am besten noch einen Gartenzaun um die Zufriedenheit ziehen, Gartenwerg vors Häuschen. Und den Nachbarn verklagen. Jaja, mein Leben ist nicht langweilig, auch wenn ich es meist denke.
Warum bin ich nur immer so widersprüchlich. Denke ich mir „eigentlich ist Du recht glücklich“, habe ich zwei Minuten später schon wieder schlechte Laune und ein schlechtes Gewissen. Hunger, Leid, Elend in der Welt! Tu was dagegen! Mein beständiges „Sich-blöd-fühlen“ und ob der Dummheit der Welt das Bedürfnis zu verspüren und bittere Zähren vergießen, sich die Kleider zerreißend, Asche aufs Haupt streuend, laut klagend durch die Straßen zu ziehen. Straße? Wenn ich mich da mal raustrauen würde. Schluß jetzt. Theorie der Gerechtigkeit jetzt. Und das Pentagon diskutiert den atomaren Erstschlag.

Nachmittag.
In meinem tanzen Ricoeur und Aristiteles Polka, Kristeva trommelt dazu und verweist auf den guten Siggi. Poetische Kräfte, symbolische Ordnung, Icon, Zeichen, Referenzen, Ab,- In-, Deduktionen, sehen in als wie. Wie soll ich das nur auf die Reihe kriegen. Nirgendwo ein fester Punkt. Alles dreht sich mal lingustic mal pictorial. Hauptsache zirkulär, verdichtet und verschiebt sich.

Noch eine andere Sache, die ich nicht verstanden habe: Ist die Bundestagswahl schon vorbei oder warum erzählt die politische Elite jetzt schon, was sie denn doch nicht machen will, obwohl sie erst es behauptet hat? Daran, daß etwas anderes ins Programm geschrieben wird, als das, was nachher stattfindet hat man sich ja schon gewöhnt. Aber etwas angekündet wird mit der Ankündigung, dann doch noch etwas anderes zu machen, vielleicht aber auch nicht und immer noch mit der Option daß dann doch eventuell wieder anders...... Da kann ich nicht mit. Beim Chinamann steht ja auch nicht auf der Speisekarte „47. Gebratener Tofu oder Spaghetti Napoli“ und serviert wird dann Sauerbraten mit Mischgemüse. Willkommen im Dorf der Bekloppten.
TooltimeGut, nicht sehr gut. Nicht gut. Jetzt fühle ich mich einfach nur hohl und leer. Eigentlich hätte ich sofort anfangen müssen im Hamsterrad einer anderen Welt weiterzulaufen, aber es ging und geht nicht. Zum allerersten Mal in all’ den Jahren ist dann eben unsere Werbung nicht zu dem angepeilten Termin draußen, sondern eine halbe Woche später. Ja, ich habe ein schlechtes Gewissen. Aber: Die Welt wird sich trotzdem weiterdrehen.
Desweiteren sind sämtliche Rostmonster der Welt über mein Auto hergefallen. Schweller, Unterboden, Kotflügel, neue Bremsen und „noch ein paar Kleinigkeiten“. Verschrotten oder zahlen? Ich fahre es nicht wirklich oft, aber es irgendwie hänge ich an ihm. Alleine das Gefühl, wegfahren zu können, wenn man denn nur wollte. Meine Siebtlieblingssocken haben heute auch das Zeitliche gesegnet. Kann das Leben noch schöner werden?
TooltimeWas für eine Woche. Über die vorangegangenen breite ich lieber den Mantel des Schweigens. Zum Teil halb (welch’ schiefer Ausdruck...) in den Rechner getippt lagern sie noch hier, unvollständig und wahrscheinlich genauso redundant wie das, was ich jetzt schreibe.
Ein wirklich gloriose Idee das Zimmer von nikotingelb auf eierschalfarben-weißgefleckt zu bringen. wenn man schon in den nächsten paar Jahren keinen Urlaub plant aus zeitlichen und geldlichen Gründen kann man die 20 Euro doch mal in Farbe investieren. Nur schön, wenn man genug gekauft hätte und nicht hätte, die übliche Kratzstreicheffizientmethode anwenden müssen, die im Idealfall zu einem guten Ergebnis führt, aber nicht bei dieser grobschlächtigen Rauhfasertapete Marke „extra-holzig“. Und noch schöner, wenn nicht gerade der Tag der deutschen Einheit hätte gefeiert werden müssen, dann hätte man auch noch Farbe nachkaufen können. Irgendwie habe ich immer Nobbie Blüms schmolliges „Isch möschte mich widdervereinigen“ im Ohr... Und wenn dann nicht noch...
Besteht mein Leben eigentlich nur noch aus „Wenns“ und „Dochs“ und „Nichtsen“? (Und wenn mir diese bekloppte MS Word XT7B jetzt noch einmal ein Apostroph (sehr schon heute im Zwiebelfisch: apostrophis stupidus incredibilis“, es wird mich noch die nächsten fünf Tage erheitern, wenn (sic!) ich mich dann jeweils dessen erinnere) dazwischenknallt,k wenn (!!!) ich keines gesetzt habe, dann... Ja was dann? Eigentlich wollte ich sagen, flankte ich in Rockstarmanier flott und mit Verve den Monitor aus dem Fenster, aber der Monitor hat mir ja gar nichts getan. Er überlebt den dritten „PC“ (Oh, wenn doch, oh, dass doch – Irrealis der Wasauchimmerheit ich mir endlich einen Apple leisten könnte!) und hat außer einem Kabelbruch (Tesakrepp! Dein Retter in der Not!) und nicht vorhandenen Farbprofilen und ein paar damit verbundenen liebenswerten Eigenarten nichts zu wünschen gelassen. Eine Mail an Herrn Gates schreiben? Du Bill, Deine Programme ärgern mich? Und sind so unlogisch, dass ich sie noch nicht mal als Mädchen verstehe? Oder sollte es eine besonders perfide Art von Phallogozentistik sein, die meinem Denken auf immer verschlossen bleibt?
Vergessen wir die Wutanfälle, „Erichs Rache“ zusammen mit Apfelsaft tut’s auch, schmeckt fast genauso wie die „Lift“ in der Kräuterbrauseversion, die ich damals in meinen allerersten großen Ferien bei meiner Oma in Westberlin getrunken habe. Die Verheißungen der Großstadt. Nachdem man die Trasitstrecke und das „spontane“ Warten an der Grenze hinter sich gebracht hatte. Und die furchteinflößenden „Grenzer“. Nein nicht furchteinflößend, ehrfurchterregend. Die konnten einen ein paar Stunden einfach rumstehen lassen. Aber einige haben sich immer nett nach meinen Hanni-und-Nanni-Bücher erkundigt. Ich habe das ganze damals nicht wirklich verstanden. In die Schlange stellen. Paß abgeben. Der wurde dann in eine braune Kunstledertasche gesteckt, mit Kreide eine Nummer draufgeschrieben und in eines dieser Transportkastenbänder gelegt, die mich mit derartiger Faszination erfüllt haben. Mysterium! Ich wäre so gerne mal mit den Pässen gereist. Unvergessen die Aktion, als meine Mutter einmal das „Gänsefleich mal de Kofferrum aufmache? Waffe dabei?“ falsch verstanden hatte in dem Sinne, ob sie irgendwelche Werkzeuge dabei hätte. Da sie gerade am Haus meiner Großmutter herumgepusselt habe antwortete sie freudestrahlend: „Ja, den ganzen Kofferraum voll!“ Spaß für die ganze Familie.
Egal. Das Streichen war eine saublöde Idee. Ich habe zwar seit dem vorletzten Umzug nur noch ein Viertel meiner Bücher hier, aber irgendwie treiben die CDs miteinander Unzucht und vermehren sich rapid. Hätte man drauf kommen können, wenn man alle drei Monate ein neues CD-Regal-Teil bastelt. Und wenn man schon zum Einpacken und Aus-dem-Zimmer-Entfernen alle verfügbaren Kartons, Klappkästen, Waschschüsseln und vier Stunden braucht. Nicht lustig, wenn man einen Tag gepackt und gestrichen hat (man am nächsten Tag Muskeln entdeckt, von denen man noch nicht einmal wusste, dass sie existieren) und am nächsten Tag 10 (in Worten zehn) Stunden lang CDs wieder einräumt. Und noch lange nicht fertig ist.
Ich möchte anmerken, dass der meinige Teil der CDs wohl- und alphabetisch geordnet war. (Ok, neun Blindgänger waren dazwischen, ich geb’s zu.) Wenn man dann aber zu den CDs des Lebensabschnittsverschönerungsgefährten kommt, die theoretisch auch dieser Ordnungsmaxime folgen sollten und hier herrscht das blanke Chaos, dann kann man schon mal mörp sein. Wenn dann noch drei Koffer rumstehen, die man für den Abend eigentlich ergänzen müsste, kann man schon mal in Panik verfallen. Wenn man dann zu hören bekommt „Schatz, ich bin spätestens um sechs wieder da“ sich dann schon auf frühestens sechs einrichtet“, in Ordnung. Aber....
Noch Flyer machen. Super ohne angeschlossenen Scanner und Drucker und einer entzückenden Kabelbox und 96 verschiednen Kabeln und Adaptern zur Auswahl? Alles klar, Handarbeitsschnibbelflyer. Wo sind die restlichen „Nicht-Gruftie-CDs“? Warum spielt mein CD-Player nur noch 10 Sekunden Musik am Stück ab? Und warum frisst die Katze mein Mittagessen, das letzte Essbare was wir (außer Katzenfutter!) noch im Haus haben. Und warum ist es jetzt sieben? 15 minutes to go. Wo sind die CDs? Unter einer Schicht Mainstream/ R’n’B und den Mittelalter-CDs vergraben, von denen Du noch gestern behauptetest, nicht zu besitzen. Putzig. Einpacken. Klamotten zusammenraffen. Losrenne. Versammlung überleben. Job ist wichtig, total toll, aber dann versprich mir endlich nicht mehr als Du auch halten kannst. Versammlung. Ein Moment der Ruhe. Rechtzeitig den Erfrischungraum aufsuchen. Danke, daß Ihr die Gäste schon früher hereingelassen habt. Total toll mit der Zahnbürste im Hals dazustehen, wenn irgendein Schnittchen hereinstürmt. Aber hey, ich sollte dankbar sein, ich konnte mich wenigstens ohne Publikumsverkehr umziehen, ich habe nur beim Lidstrichziehen noch Diskussionen über unterschiedliche Gläsergrößen geführt. Anything goes.
Ich sammele mich. Rock’n’Roll und gepflegte Kurzhaarfrisuren. Alles bestens, nette Stimmung, mäßig voll, egal, wir machen hier Sparte. Wir wollen unseren Spaß und das Publikum ist ein Teil des Wirs. Bis diese Deppen auftauchen. Sehen panne aus und sind zunächst auch recht nett. Drei Wünsche erfüllt. Dann: „Ey, ick happs dein Kolleje schon gesacht, ey, mach ma mehr Mainstream ey.“ Ich hätte es vorher wissen sollen. Erklären zwecklos. „Ey, ick komm’ aus Balin, wa ey. Da ist dett aba jant anners, ey.“ Dann bekomme ich noch ein nettes Zettelchen, auf dem steht, wie Scheiße ich doch bin. Irgendwie schätze ich das nicht besonders, gerade dann, wenn ich mich auf einen entspannten Abend mit netten Leuten freue, kommt irgendein Idiot und gibt’s einem volle Kanne von hinten wenn man’s nicht erwartet. Dankenswerterweise sah das der Rest des Clubs genauso. Einzig mögliche Antwort: Angelika Express mit „Geh doch nach Berlin“. Warum fühlt sich jeder Berliner Ghettobewohner bemüßigt, mir seine Herkunft an die Backe zu kleben und mich mit seiner Unkenntnis der hochdeutschen Sprache zu nerven? Irgendwann mal in meinem schmeiß ich so einem Menschen mal raus mit der Begründung “Ach, ich bin Scheiße? Du siehst Scheiße aus, raus hier und zwar schnell.“ Wa, ey. Pappnasenverein.
Zusammenbruch am nächsten Tag.
Heute. Radiosendung, die letzte. Absackerbier im Club. Rückfahrt. Was dann meinem Tag die Schokoflocke auf die Kirsche des Sahnehäubchens setzte: Es gibt in dieser Stadt am siebten Kreis der Hölle nur noch drei Stellen, wo als Verein noch legal plakatieren darf und dort kleben- trotz noch freier Fläche – irgendwelche dämlichen „Ich-bin-ach-so-engagiert-und anarchistisch-Piep“ unsere Plakate über. Wir sind ja verspießerte „Bürgis“. Nur, dass wir nicht staatlich oder kommunal gefördert sind. Und wir keine mehrere tausend Euro offene Bierrechnungen haben. „Soli-Party“ mit die Unterdrückten, die wo Handy und Kontaktlinsen haben. Und total gegen den Staat sind. Und wir elende Spießer übernehmen noch ein einziges Mal die Arbeit, die ihr hättet eigentlich machen sollen.
Es reicht mir. Ich hätte gerne einen Leuchtturm. Ein Leben unbehelligt von Leuten die mir erzählen, wie minderwertig ich doch bin, Leute die mir meine kleine Nase einhauen wollen, die mir Morddrohungen schicken. Schnauze voll von Leuten vor die ich mich stelle, obwohl meine 45 Kilo bequem gegen die Wand drücken kann und die hinterher noch zu feige sind Anzeige zu erstatten. „Mein Papi hat gesagt, das gibt nur Ärger.“ Die wundervollen Ordnungshüter, die selten etwas außer einem Achselzucken oder einem sexistischen Kommentar zu bieten haben. Ich muß es nicht verstehen, dass ich von „elender Nazi“ über „wertkonservativ“, „scheißliberal“ zu „dreckige Zecke“ mir schon alles habe anhören müssen.
Es reicht. Macht doch euren Mist alleine. Hätte ich mich aufs Geld verdienen spezialisiert, könnte ich mir jetzt wenigstens Ruhe erkaufen. Aber ich bin ja der Blödmann, der anderen Leuten die Wohnung renoviert um zwei Wochen später dann zu erfahren, was für eine unausstehliche, egoistische Zicke ich doch bin. Herrgottnoch mal! Ich habe bisher ein einziges Mal in meinem Leben jemandem gesagt, dass ich ihn für ein ..... halte und das nur, weil er meine damals beste Freundin unnett behandelt hat. Es reicht wirklich. Und ab morgen wird mal wieder alles anders.
TooltimeWarum schreibe ich eigentlich immer nur, wenn ich mir denke „Ende Gelände“. „ich kann nicht mehr ich will nicht mehr ich mag nicht mehr.“36 hours to go. Dann haben wir es überstanden. Obwohl ich mich eigentlich freue. Aber... Hält die neue Bühne? Kaffemaschine entkalken. Bilder von Fingertatzen befreien. Handtücher mitnehmen.
Apririn. Diesnunjenen noch kaufen. Pfefferminztee? Sind noch Spinnweben da? „Entschuldigt bitte, weder Zeit noch Geld welche zu kaufen. Es- macht- mich- wahnsinnig. Letzter Urlaub 94, kein Geld und keine Zeit wen zu besuchen, der einem am Herzen liegt. Den Drachentöter, den Augustus, die Stevie etcpp. Ich kann Ises Heimarbeit noch miterledigen, damit er sich dann anmallen lassen darf: „Du warst 10 Minuten zu spät, da war ich ja nicht mehr da.“ Tütütüt. Und Du darfst gerne immer eine halbe Stunde nach der Zeit da sein. Am liebsten würde ich gerne den Berliner Pony nehmen und ihn einmal durch die Augenhornhaut ziehen. Aber erzählt mir doch bitte mehr von deinem Sozpäd-Prof der ja ach so ungerecht ist und dass dich sowieso niemand mag. Ich mochte dich bislang, war immer dein Fürsprecher, aber wenn du so weiter machst reicht es auch mir.
Und „boah ey“, um eine meiner Lieblingsfreundinnen zu zitieren. Ich bin ich wahrhaftig leid, ständig zu hören: „Viel zu teuer!“ Zwei Bands für den Preis einer durchschnittlichen Kinokarte? Mit anschließender Tanzveranstaltung? Es geht gerade nicht mehr. Ich schieße die Flyer vor, weil die Clubkasse mal wieder gen null tendiert (und habe nicht die Hoffnung, das Geld jemals wieder zu sehen) und dann erzahlen mir irgendwelche Eingeborenen „Ey, viel zu teuer, ey. Gibt’s auf das Bier noch Pfand?“ Lieber Junge, liebes Mädel, egal ob Du nun Abitur hast oder nicht: Ein Euro und fünfzig Verkaufspreis und du willst noch einen Euro Pfand zurück? In Mathe nicht aufgepasst?“ Habe ich irgendetwas verpasst? Momentan denke ich, ich schaffe es soweit wie die Werbung läuft und danach ist „Ende Gelände“. Ich bin nicht mehr bereit, mich für nichts beschimpfen zu lassen. Magisterarbeit. Doktorarbeit. Ist mir mehr wert. Keine Doofgrufties mehr, die mir ins Gesicht spucken. Ich bin nicht mehr gewillt für niedernivellierte, minderbemittelte Leute mein Leben zu opfern.
TooltimeKoffer auspacken. Koffer einpacken. Halbkrank. Auflegen. Putzen. Halbkrank. Koffer auspacken. Koffer einpacken. Auflegen. Ganz krank. Halbkrank. Koffer auspacken. Koffer einpacken. Auflegen. Putzen. Versammlung. Putzen. Bar. Immer noch halbkrank. Putzen. Aktuell sich denkend: Amokläufer bitte hier schießen. Mehrfach gehört habend: Die ist ja so scheiße. Nach Hause getragend: 60 Euro. (Über die Investitionen wollen wir nicht reden.) Doofie-Pharmazeuten die Anlage erklären. Männer wissen sowieso alles besser und brauchen keine Erklärung. „Ähbäh, Anlage kaputt! Funktioniert nicht!“ „Vielleicht hättet Ihr den Verstärker einschalten sollen?“ Lebensabschnittsverschönerungsgefährte ruft wen anders an (Tooltime hat ja kein Handy und auch kein Auto mehr): „Leider habe ich zur falschen Zeit am falschen Ort geparkt und der Fahrer des Transporters hielt einen Teil meines Autos wohl noch für einen Teil der Parklücke.“ Dann hoffen wir mal, dass der Schaden nicht den Wert des Autos übersteigt, sonst können wir die Technik für die nächsten Konzerte per Handkarren abholen. Sind ja nur 30 Kilometer. Dankenswerterweise haben sich schon mehrere Leute bereiterklärt, uns am Sonnabend die Koffer zu fahren, denn ich verspüre wenig Lust, vier Koffer zu Fuß fünf Kilometer weit zu transportieren. Kann das Leben noch schöner werden? Ja, kann es. Die Katze hat Flöhe. „Tschuldigung, kannst noch mal die Pressemitteilung an die Zeitungen bringen, ich bin grad nicht in der Stadt. Ein Photo habe ich nicht und die Texte sind auch noch nicht fertig, aber Du kriegst das doch noch rein bis gestern.“ Was interessiert mich der Schrott, aber wenn wir es nicht mache, zecken mich wieder 83 Leute an, weil es ja unsere Aufgabe war es weiterzuleiten. Ja, weiterzuleiten. Vor zwei Wochen. Und nicht noch zu schreiben. Wo wir gerade beim Thema „Schreiben“ sind. Ich kann mittlerweile sämtlichen Auflegeschrott übernehmen. Ise ist nur noch der Techniker und macht höchstens die Übergange. Zusammen Musikhören fällt flach. „Schmierenblattermin“. Nur dass die mittlerweile auch nur noch ein Drittel des Vormaligen zahlen. Hochgerechneter Stundenlohn letzter Abrechnung 2,5 Euro. Das dann aber inklusive der Benzinkosten. Cool. Wenn du dann demnächst mit dem Fahrrad 40 Kilometer fährst, sparst du doch glatt was. Wie wär’s mal mit die Wahrheit schreiben? Daß der Film der letzte Bockmist war? Daß Jesske femin, maritim, wasauchimmertim den letzten Schrott verkauft? Daß das Theaterstück der letzte Bockmist war? Nein, dass kann man ja nicht machen, weil dann die Anzeigenkunden sofort beim überregionalen Cheffe anrufen und auch bei nur halbzeiliger Kritik sofort mit Konsequenzen drohen. Das nennt man doch unabhängigen Journalismus.
Ich habe keine Lust mehr, ständig Miss Megatough spielen zu müssen. „Ihhh, Haare! Da mag ich nicht fegen oder den Besen enthaaren!“ Geht mir genauso, ich kotz’ dann mal spontan in die Begrünung (schön dass ich eh’ seit vorgestern nichts mehr gegessen habe, weder Zeit noch Geld, dann artet es nur in sinnloses Gewürge aus und wird nicht zu widerlich) , aber wenn Du Dich so sehr davor ekelst..... mach ich das doch gerne! Abwaschen? Klar doch! Wenn du dich geschnitten hast, mir brökeln gerne die Fingernägel bis auf den Knochen herunter. Ich liebe Schmerzen! Du hast dich für das Catering bzw. lediglich dessen Verteilung zuständig erklärt, willst aber lieber puzzeln und mit Freunden essen? Ich sage, dass ich das nicht ganz so toll finde und kann mich hinterher noch von dir anmallen lassen, dass ich diese milde Form der Kritik äußerte. Klasse! Wie laut muß ich denn noch brüllen, wenn mir etwas nicht gefällt? Ich bin kein lauter Mensch. Und will es auch nicht werden. Ignoriert mich. Beleidigt mich. Droht mir an, mich zu schlagen. Und tut es dann auch. Es klebt anscheinend ein Schild an meiner Stirn. Oder auch an meinem Rücken. Darüber bin ich mir noch nicht so sicher. Aber sicher klebt an meiner Stirn kein Schild „F*** me!“ Und bitte, bitte, bitte lasst mich dann endlich in Ruhe. Lauert mir nicht vor meiner Tür auf. Verfolgt mich nicht, wenn ich denn doch mal das Haus verlasse. Und verschont mich mit Mails Marke: „Oh (oder OH?), Du hast mich so bitterlich enttäuscht, gib’ nur ein bisschen deiner Zeit...“ (Ansonsten bist du die letzte Mistgurke). Es reicht. Mal wieder. Ich hätte gerne die Zeit, mir mal wieder die Zehennägel zu schneiden. Aber für solchen Dummfug garantiert keine.
TooltimeIch mag die Tropfen des Kondenswassers an einer Bierflasche. Die ringförmigen Flecken, die sie hinterlassen. Den Anblick der verschiedenen Ringe am Ende des Abends. Den Rauch. Die flackernden Lichter.. Den Bass. Die Anspannung, kriege ich sie heute? Die volle Tanzfläche. Ich gestehe: ich mag es, wenn die Leute schreien und mitsingen. Deswegen brauche ich die Mainstream- oder Discoabende.
Aber ich bin doch nicht Gruftie geworden, um meine Arme in der Luft zu schwenken, resp. die Leute dazuzubringen, dieses zu tun. Das habe ich doch bei anderen Musikrichtungen. Warum ziehen sich die Leute dann schwarz an, bezeichnen sich als „anders als die anderen“ („Voll krass, ey. Wir Schwarzen“ Erwähnte ich schon, das ich eine Erste-Person-Plural-Phobie habe? Ich mag es nicht, in ein „wir“ ungefragt eingeschlossen zu werden.), gehen zu Veranstaltungen, auf denen andere Musik gespielt wird und wollen dann doch nur „Party“, die volle Tanzfläche, Mitwackeln in der Masse, „geile Stimmung“.
Was daran habe ich nicht verstanden?
TooltimeAuf Euphorie folgt der Absturz. Je höher desto tiefer. Was habe ich davon, ständig als einer der besten DJs bezeichnet zu werden. Volles Haus zu haben, nur nicht im Stammclub? Wegen dessen Rufs? In eben diesem für 20 Euro insgesamt fünf Mal im Monat aufzulegen? Nichts. Genau das. Endlich und endgültig die Konsequenzen gezogen. Letzte Auslöser: Dafür angemacht werden, was mein Lebensabschnittsverschönerungsgefährte macht und dessen Art und Weise. Und das 150 Cent ja zuviel Eintritt wären. Und das nicht nur Leute mir einen aufs Maul hauen wollen, sondern Leute, die mich kennen, einen aufs Maul bekommen sollen, weil sie mich kennen. Und einiger Kleinkram mehr.
Ich möchte selbst nicht mehr das Verlangen verspüren, körperliche Gewalt gegen Leute auszuüben. Warum muß ich mich in der Nähe von Leuten aufhalten, die dieses Gefühl in mir auslösen? Warum müssen sie sich an meinen Tisch setzen? Männliche Dumpfbacken-Grufties, die alles und jeden bescheißen, ihre Finger in jede nicht abgeschlossene Kasse stecken und gewisse „Damen“ sind immer noch ausgezuckt vor Glück. Hat dieser Mensch irgendwelche Qualitäten, von denen ich nichts weiß? Sein Schmerbau unter dem Netzhemd treibt mir zumindest nicht die Grünheit des Neides in Gesicht, die Intellektualität seiner Beredsamkeit gleicht der einer Tube Handcreme und Geld hat er auch nicht. Wahrscheinlich sind es die inneren Werte. Sexy Blinddarm oder so ähnlich.
Und es fühlt sich so derartig gut an, keine Newsletter, Foren, Bandseiten, Zeitschriften etc. mehr nach Musik durchwühlen zu müssen. Keine Toiletten mehr schrubben zu müssen. Nur noch einmal Wohnung putzen und Catering und mehr nicht. ICH BIN FREI! Davon abgesehen, dass ich jetzt noch ein paar Mails beantworten muß, um eine Entscheidung nochmals zu begründen, aber dann war’s das. Oh nein, ich fühle mich gut. Nicht gut. Was kommt dann morgen an negativem Ausgleich?

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