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  Forum: Nebelpfade
    Thema: und es hört nicht auf zu schmerzen...
VraccasGenau ein Jahr ist es jetzt her. Frisch von meiner ersten Liebe verlassen nach schmerzlichen 6 Monaten, glaubte ich mich in sie verlieben zu müssen. Ich war nicht ich selbst. Habe zu "Xavier Naidoo - Ich kenne nichts" gesungen. Ich hasse singen eigentlich! Rückblickend schäme ich mich dafür. Warum haben wir auch diese Autofahrt machen müssen? Warum hab ich mich gerade zu ihr ins Auto gesetzt? Verflucht!!

Naja, wir sind vorher schon manchesmal zusammen zusammen mit den Hunden spaziert...doch da war noch kein Gefühl für sie. Sie taugte ja nicht einmal für etwas anspruchsvollere Diskussionen...

Nun, zwei Tage später half ich ihr bis 4 in der Früh bei der Arbeit, aus Verliebtheit wie ich dachte, sie danke es mir nicht einmal richtig. Wie waren meine Gedanken damals? Sie wird ihren Dank vielleicht nicht zeigen können, oder so... Am folgenden Abend küssten wir uns das erstemal. Wie ich diesen rauchigen Atem hasste! Seltsam, ich wollte mehr von diesen Küssen, trotz des abstoßenden Geschmackes...

Es kam ihr achtzehnter Geburtstag. Gestern vor einem Jahr. Was bildete ich mir ein ihr kaufen zu müssen? Ein Aquarium mit kleinen Brackwasserhaien! Kostete ja nur 350 Euronen... Nicht einmal einen Kuss bekam ich als Dank! Im nachhinein ist man nicht mehr so verblendet, damals merkte ich es gar nicht...
Auf ihrer "Party" verleumnete sie ihre Beziehung mit mir vor ihren Tussifreundinen. Was mich damals schon störtesogar in meiner Blindheit störte...

Beim telefonieren zu ihrem anderen Netz musste immer ich sie anrufen, weil sie kein Geld hätte...störte mich damals nicht, jedoch nachdem sie immer 4 Stunden mit mir redete, kam eine ganz nette Summe zusammen, € 800 um genau zu sein. Ich zahlte es jedoch mit dem Verweis gerne für sie, ich werde nicht mehr so viel mit ihr telefonieren können, da ich mein Geld (Schmerzensgeld von einem Unfall) nicht so sinnlos ausgeben wolle...

Tja, und zwei Wochen nach meiner Bombentelefonrechnung und dem riesen Aquariumgeschenk, sowie dem Nacht nächtlichen Besuchen (ich brauchte 1 Stunde hin und zurück zu Fuss) bei ihr, wir waren gerade mal ein Monat zusammen, offenbarte sie mir eines Tages, sie habe am vorherigen Tag, eine so lustige Nacht mit ihrem Arbeitskollegen verbracht! Es war so nett, meinte sie. Zuerst waren sie 6 Bier trinken, ich wusste sie wird mit Alkohol "liebesbedürftig" wie sie es nannte, er sei dann noch in seiner "knuddeligen" Art zu ihr gekommen und erst um 7 in der Früh mit ihr zu Arbeit gefahren. Die Nacht war so schön, sagte sie mit einem lachen in der Stimme. Sie hatte mich angerufen.

"Das sei etwas ganz normales", "Ich bin viel zu weltfremd", "Warum führst du dich jetzt so beschissen auf, es war ja nur einmal!" waren ihre Antworten darauf, als ich sagte, dass ich so nicht mit ihr weitermachen könne. Ich hätte es heraufbeschworen, wollte anscheindend schon lange nicht mehr mit ihr zusammen sein. Sie habe ja nichts weiter schlimmes getan, außerdem sei ich sowieso ein riesen Arschloch.

Ich blieb ruhig, das ganze Gespräch lang. Konnte es nicht wahrhaben. Ganau so wenig wie ich es immer noch nicht wahrhaben kann, welche Abgründe menschlichen Verhaltens sich da vor mir aufgetan haben. Warum rastete ich nicht aus? Weshalb beschimpfte ich sie nicht? Wieso blieb ich so verdammt ruhig?!? Warum musste ich überhaupt eine Beziehung mit ihr anfangen? Ich hatte doch von Anfang an ein so seltsam ungutes Gefühl bei der Sache...

Heute, ein Jahr und ein Tag nach ihrem Geburtstag, habe ich zwar eine neue Freundin. Die wirklich etwas Besonderes ist, es verdient hat, geliebt zu werden, wie ich glaube, jedoch schmerzen diese Wunden, welche mir vor eben einem Jahr zugefügt wurden, immer noch so sehr...
VraccasWarum kommen nicht nur diese Gedanken nun schon wieder hoch, warum müssen es auch die Erinnerungen an die vorhergegangene Beziehung sein, die sich mir wieder aufdrängen?
All das Leid, welches ich durch ihre Krankheit erfahren musste...die stundenlangen Monologe über die Sinnlosigkeit dessen was sie sich antut...warum sie dies als Schutz ansieht? Sie wußte ja nicht, was sie mir antat...ich kann mit pychologischen Mull nicht so gut umgehen, auch wenn ich für jeden ein offenes Ohr habe, dem es schlecht geht. Vor allem dann wenn diejenige meine Freundin ist und Bulemie hat...

Ich dachte wirklich nicht, dass es mich noch so lange belasten würde. 2 Jahre ist, diese Beziehung jetzt bald her...und noch immer spüre ich die Nachwirkungen von den wochenlangen einseitigen Diskussionen über ihre Krankheit, warum sie das als Schutzschild ansieht, weshalb sie sich das antat, dass sie sich helfen lassen wollen müsse, ich es ihr nicht abnehmen könne, man essen schlucken muss und nicht einfach kauen und ausspucken...
Allein die Gedanken daran, versetzen mich in eine derart depressive Stimmung, weil sich um mich niemand kümmerte...mir stand keiner bei und fragte wie ich mit der Situation umgehe wie es mir dabei ginge...
Jetzt, ja jetzt geht es ihr ja schon lange wieder gut. Gott sei Dank! Wegen meinem guten Zureden ging sie zur Therapie, in meiner Begleitung, weil sie sonst nicht hin wollte. Erzählte 9 Wochen lang Lügen bevor ich ihr drauf kam und ihr klar machte, dass alles umsonst sei, wenn sie nicht ehrlich sein...Sie war ehrlich beim nächsten mal und glaubte von einem Moment auf den anderen, sie bräuche mich mit einem mal nicht mehr...

Sie vergaß, wer für sie in all der Zeit des Schmerzes da war, ihr zugehört hatte, wer ihr zum ersten Mal in ihrem Leben Liebe, Trost und Schutz bot, wer ihr alle Lasten abnehmen wollte, wer sich opferte damit es ihr besser ging und wer jetzt immer noch unter den Nachwirkungen leidet...

Doch warum kommen all die Erinnerungen jetzt, gerade jetzt, wo ich mich doch eigentlich in meiner derzeitigen Beziehung wohl fühle? Bin ich doch nicht so glücklich wie ich denke? Ist meine derzeitige Liebe nicht die wahre, wenn sich derart dunkle Wolken in meinen Gedanken festsetzen, ja, festfressen? Ist es meiner Freundin nicht ungerecht gegenüber, wenn ich immer noch starkes Leid verspühre durch die Schach welche mir wiederfahren ist...will mir mein Unterbewusstesein etwas mitteilen?

Seltsam ist nur, dass diese düsteren Gedanken so schlagartig kommen...genau so schlagartig wie die Schlussstriche in meinen Beziehungen...
Timberwolf[size=1][color=firebrick]Weiß nicht... bei manchen Menschen wie Deiner Ex hab ich manchmal irgendwie das ungute Gefühl, dass sie sich selbst quälen, nur um gezielt (!) das Mitleid anderer zu erheischen.
Sicher: jemand der so etwas tut, hat wirklich ein psychisches Problem, aber auch eine verdammt beschissene Art, mit anderen Menschen umzugehen... auch frage ich mich allerdings, was für ein gutherziges Arsch (positiv gemeint) man sein muss, um so viel Energie in eine Frau zu investieren, die davon offensichtlich gerade mal einen putzigen Bruchteil zurückzugeben imstande war.
Magersucht hin oder her. Leute, die psychische Probleme haben müssen nicht zwangsweise die besseren Menschen als andere sein... Opfer werden oft zu Tätern, sind dadurch zwar nicht weniger bemitleidenswert, aber dennoch... man sollte vorsichtig sein, wem man seine Gefühle schenkt und zeigt.
Wohl war es eine schlechte Erfahrung für Dich, aber sieh es dennoch als Erfahrung. Soll heißen: zieh was Positives draus (auch wenn es schwer ist), indem Du die Erfahrungswerte dieses Kapitels Deiner Vergangenheit zu schätzen weißt. Lerne aus den vergangenen Erfahrungen, um diejenigen Erfahrungen, die noch kommen werden, besser zu meistern...[/color][/size]
VraccasDanke Timberwolf für deine Worte...

Klar sehe ich es als Erfahrung an, jedoch muss ich wirklich noch lange an den negativen Aspekten knappern, bis ich alles richtig verarbeitet habe...
Zum Beispiel werde ich richtig aggressiv wenn jemand mit mir über die schädlichen oder kalorienreichen Bestandteile von Lebensmittel redet, weil ich einfach zu negative Erinnerungen bei diesem Thema habe...
Wobei ich mir denke, sollte ich es doch langsam verkraftet haben nach der relativ langen Zeit, jedoch sind meine negativ behafteten Erinnerungen realer und stärker denn je zugegen...
Wasserlilie[COLOR=purple][SIZE=1]Lieber Vraccas,
natürlich hat Timberwolf recht, aber mir geht es wie dir.
Obwohl ich inzwischen in einer meist harmonischen Beziehung lebe, kommt die Vergangenheit immer wieder hoch und zwar genau dann, wenn ich es am wenigsten erwarte.
Dann ärgere ich mich, über mich, weil ich nicht vergessen kann und über meine Exfreunde, die diese Wunden in meinem Inneren verursacht haben (und es in ihrer Ignoranz wahrscheinlich nicht mal gemerkt haben). Das Einzige, was mir in diesem Moment hilft, ist mich daran zu erinnern, dass ich immer noch da bin und dass ich durch all das nicht schwächer sondern stärker geworden bin.
Dass ich mich in all dem bewiesen habe wie es ja auch bei dir der Fall ist. Du warst für sie da, hast sie nicht allein gelassen, hast gelitten und auch wenn du von dieser Seite niemals den Dank, der dir zustehen würde erhältst, so solltest du immer daran denken, wie stark du warst. Es gibt viele Menschen, die diese Aufopferung nicht zu schätzen wissen, doch das macht deine Verdienste an ihnen nicht geringer. Und irgendwann weiß jemand deine Treue und deinen Bestand zu schätzen.
Ich werde meine Erlebnisse nicht vergessen können und manchmal belasten sie meine Beziehung, dann fühle ich mich noch schlechter, aber ich denke, mit der Zeit heilen die Wunden. Narben werden immer bleiben, aber ich hoffe, dass wir sie irgendwann nur noch mit Stolz und nicht mit Schmerz tragen können.
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VraccasHallo Wasserlilie!
Auch dir danke ich für deine mitfühlende Antwort...
...jedoch glaube ich nicht, dass ich allgemein, stärker durch diese leidvollen Erfahrungen geworden bin...klar auf der einen Seite kann ich ich von mir behaupten, dass ich für sie stark war, dass ich es aushielt wochen-, ja, monatelang über ihre Krankheit zu sprechen, nichts anderes mehr im Sinn zu haben, selbst jetzt in diesem Augenblick setze ich mich mit ihrer damaligen Krankheit auseinander und genau das ist es, von dem ich denke, dass es mich geschwächt hat.
Es stimmt mich so traurig, dass es Menschen gibt, die so sorglos mit den Gefühlen anderer umgehen, die sich nicht um des anderen Wohlbefinden scheren, selbst wenn sie aus eingener Erfahrung wissen sollten, welch Leid man durch unüberlegte Aktionen anderen Wesen zufügen kann...
Auch glaube ich schwächen mich meine damalig gemachten Erfahrungen in meinem heutigen handeln in der derzeitigen Beziehung...
Weil ich mir einbilde, ich kann meiner jetztigen Freundin nicht die komplette Liebe schenken da ich zu viel Angst habe, wieder enttäuscht zu werden, wieder seelisch am Boden zu sein...auch weil es mir vorkommt als würde ich immer noch zuviel an meiner ehemaligen Freundin, trotz des ganzen Schmerzen hängen...
Außerdem glaube ich nicht, dass ich nochmals so einer seelischen extrem Belastung, und das ist es für einen Menschen, wenn er mit einer Essgestörteten zusammenleben muss/will, verkraften könnte. Wahrscheinlich könnte ich schon wieder für meine Freundin stark sein, nur würde ich innerlich vergehen, weil sich einfach niemand um meine Bedürfnisse, um meine Gefühle und Gedankenwelt interessiert, ich mich nicht reflektieren lassen kann und dadurch am Ende wieder als Verlierer dastehen würde. Davor habe ich Angst, sehr große Angst und dadurch denke ich einfach bin ich mehr geschwächt worden als gestärkt durch meine Beziehungen...

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