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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Momentaufnahmen
TwilightSun[I]Hier möchte ich Momente, Begegnungen, Erlebnisse festhalten, schöne und villeicht weniger schöne, alltäglich wirkende und besondere. Eben die Augenblicke, die berühren, so unbedeutend sie scheinen mögen.[/I]


7.10.04
Wir sitzen nebeneinander, reden, lachen, erinnern. Ich kann nicht davon ablassen, den Blick durch den Raum schweifen zu lassen. Unfassbar ist es für mich immer noch, dass du nun endlich diesen Schritt gegangen bist, diesen Schritt, der so bitter nötig war seit so langer Zeit.
Vieles an dir ist gleich geblieben, anderes hat sich so sehr geändert. Ich habe das Gefühl, du wirst erwachsen, wirklich erwachsen. Das erste Mal in den Jahren, die ich dich nun kenne, habe ich den Eindruck, dass du es schaffen willst, dass du hochkommen willst. Und ich bin stolz auf dich.
Ich habe lange die Vertrautheit zwischen uns nicht mehr so gespürt wie gestern. Ich habe mich lange nicht mehr so wohlgefühlt in deiner Gegenwart. Ich erinnere mich an damals, teilweise lächelnd, über mich, über dich. Aber es sind schöne Erinnerungen, an eine schöne Zeit. Die Wut, die damals in manchen Situationen war, ist weg. Ich muss grinsen, wenn ich an manche Ausreden, an manche Situationen denke.
Als es damals zu Ende ging, hätte ich nicht gedacht, dass es zwischen uns einmal so werden könnte wie es heute ist. Es war eine schöne Beziehung, aber ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte mich danach nicht befreit gefühlt. Das Vertrauen, das mir damals so oft in dich gefehlt hat, heute finde ich es auf einmal. Ich habe lange nicht mehr so frei heraus geredet und es tut gut. Ich weiß, dass du mich verstehst, auf deine Art. Heute kann ich es sehen, kann es verstehen und auch dich verstehen.
Ich sitze neben dir, rede, ohne mir Gedanken zu machen, ob es richtig oder falsch ist. Ich erinnere mich an damals, freue mich, dass heute Heute ist und auch, dass ich neben dir sitze, als Freundin. Ich bin froh, dich als Teil meiner Vergangenheit zu wissen, und ich bin froh, dass wir es geschafft haben, trotz oder gerade wegen dieser Vergangenheit ein Heute zu haben, dass wir uns nicht verloren haben unterwegs, wie ich so oft glaubte.
Ich bin froh, dich als Freund zu wissen. Danke für damals, aber vor allem danke für den schönen Tag gestern, für Gespräche, die mir gefehlt haben, dafür, dass du trotz vieler Veränderungen doch du geblieben bist. Und danke, dass ich nun endlich das Gefühl habe, dass wir Freunde sind, nebeneinander stehen können ohne das „Machtungleichgewicht“, dass mich damals so störte.
Danke für den Tag, danke, dass ich ihn genießen konnte. Danke, dass ich dich einen Freund nennen kann.

Twi...und für dich wohl für immer die kleine robin *lächel*
xandieSchön ..
Wirklich schön ..
Es freut mich, so etwas lesen zu dürfen.
TwilightSunKirchenfreizeit. Ich kann es nicht mehr zählen, wieviele verwirrte Blicke ich geerntet habe, wenn Bekannte hörten, dass ich mit einer Kirchengruppe in den Urlaub fahre. Aber kaum sind wir in unserem Haus am Rande Berlins angekommen, spüre ich, was mich jedes Jahr wieder dazu führt, mitzufahren. Es ist ein Gefühl von Geborgenheit, Zusammengehörigkeit, das ich, obwohl ich auch sonst viel Zeit mit diesen Menschen verbringe, nur dort finde. Wir beziehen unsere Zimmer, treffen uns, um Tagesabläufe zu besprechen, Küchendienste einzuteilen. Und selbst das Kochen und Abwaschen macht mir in dieser Gruppe Spaß, gibt mir ein angenehmes Gefühl.
Gleich am ersten Abend fahre ich mit einer Freundin in die Stadt hinein, das Nachtleben zu entdecken. Ein wenig mulmig fühle ich mich, wir zwei Mädels allein unterwegs in dieser riesigen Stadt. Aber schnell verliert sich das Gefühl und weicht einer Sicherheit, die ich selbst in unserer Kleinstadt nie gespürt habe. Der Abend wird schön, in angenehmer Atmosphäre und guter Musik, auch wenn wir den DJ nicht mitnehmen dürfen.
Auch der nächste Tag wird schön, obwohl das Brandenburger Tor viel zu klein wirkt und wir spätabends feststellen müssen, dass selbst in unserer Hauptstadt die Züge nicht durchgängig fahren.
Die folgenden Tage sind völlig ausgefüllt von Sightseeing und Shoppen und mit jedem Tag verliebe ich mich ein wenig mehr in die Atmosphäre dieser Stadt, laufe durch Straßen, über Plätze, durch Menschenmassen, ohne die wohlbekannte und gefürchtete Panik zu fühlen, die ich erwartet hatte. Ich fühle mich fast heimisch hier, genieße eine Ruhe in mir, die ich lange vermisst hatte und genieße vor allem die viele freie Zeit, die mir zuhause so sehr fehlt.
Mittwoch abend sind wir mit fast der ganzen Gruppe in der Disco, die mir schon Samstag so gut gefallen hatte. Ein Teil der Leute fühlt sich merklich unwohl zwischen den ganzen Schwarzen, obwohl die Musik zumindest teilweise ihrem Geschmack entspricht. Der Rest hat auf eigene Art seinen Spaß, allen voran unser Pfarrer und seine Frau, die, obwohl eher in der Hippie-Kultur daheim, kaum von der Tanzfläche herunterzubekommen sind, sehr zur Belustigung mancher Menschen.
Den folgenden Abend verbringen wir in einem freien Theater, in dem auf einer winzigen Bühne von zwei Schauspielern Medea von Euripides gezeigt wird. Es ist eine beeindruckende, intensive Vorstellung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird, ebenso wie das anschließende Gespräch mit Schauspielern und Regisseur, die sich als ungeheuer sympathische, offene und interessierte Menschen herausstellen.
Der letzte Tag fühlt sich ruhig an, ich verbringe den Mittag mit einer Freundin im Park des Charlottenburger Schlosses und genieße die Stille und die herbstlichen Bäume. Der Tag klingt wunderbar aus mit einem schönen Gespräch und einem letzten Abend in der Disco und weicht schließlich einem hektischen, übermüdeten Samstag morgen, der mich nach einigen Stunden Fahrt wieder nach Hause bringt.
Heute fühle ich mich wieder angekommen, in schönen Erinnerungen versinkend und mit einem leisen Gefühl, das mich darin bestärkt, nach dem Abi endlich hier wegzukommen und zu leben. Ich spüre, um wieviel fremder ich mich in meiner Heimat fühle als in diesem unbekannten Berlin und fühle doch auch neue Kraft in mir, weiterzugehen und irgendwo eines Tages ein wirkliches Zuhause zu finden.
Und danke an Gernot, unseren Pfarrer, der mich wie schon so oft wieder ein Stück näher zu mir selbst geführt und den Glauben an mich selbst und meine Träume gestärkt hat. Dank ihm habe ich endlich die Liebe zum Denken und auf meine Art auch zum Leben wiedergefunden. Danke für deine Gegenwart und deine Art zu leben, zu denken und zu fragen.
TwilightSun26.10.
Noch immer geht mir deine Frage durch den Kopf. „Du willst doch, dass es sich ändert?“ Ein Teil von mir ruft bedenkenlos ja, aber eine leise Stimme zweifelt, zweifelt an der Richtigkeit dieses kleinen Wortes. Will ich denn wirklich an mir arbeiten, will ich aufstehen, will ich kämpfen? Ich weiß, dass ich es will und doch hadere ich mit diesem Willen, frage mich nach dem Preis und dem Ergebnis. Ich bin viele Schritte gegangen und ich weiß, dass die Gedanken, die mir jetzt durch den Kopf gehen, nur gedacht werden können, weil ich kämpfe, weil ich angefangen habe zu laufen. Du kennst die Versuchung nicht, stehen zu bleiben. Ja, jetzt frage ich mich, ob ein paar schöne Momente diesen Kampf wert sind, ob ich diese Momente überhaupt erleben will. Ich spüre die Unsicherheit, ob dieser Weg richtig ist, ob ich nicht besser umkehre, einen anderen Weg gehe. Du siehst deinen Weg, weißt, was du tun willst. Für mich besteht diese Klarheit nicht, ich sehe nur durch Nebel, wanke. Ich weiß nicht, was ich will, weiß nicht, wo ich ankommen möchte, was ich erreichen will. Vielleicht hältst du mich für stärker, als ich bin. Heute falle ich, zweifle, verliere Glauben und Hoffnung für uns, versuche, mich selbst vom Gegenteil zu überzeugen, versuche zu glauben, zu hoffen. Es gelingt mir nicht und es nagt an mir, zehrt an mir. Es gibt zu viele Wege und mir fehlt in diesem Moment das Vertrauen in mich, dass ich mich für die richtige Abzweigung entscheide, ja, entschieden habe. Wo will ich hin? Ich sehe nicht, ob mein Weg zu dir führt oder von dir weg, spüre keine Klarheit, keine Eindeutigkeit. Ich glaube, ich habe zu oft meine Sicherheit verloren, als dass ich fühlen könnte, was richtig ist. Ich sehe in mich hinein und ich sehe Scherben, Bruchstücke, und jedes schreit mit leiser Stimme das Gegenteil vom Wunsch seines Nachbarn.
Ich will mich nicht beklagen über die vielen Stimmen, irgendwann habe ich gelernt, sie als mir zugehörig zu empfinden, habe sie wertschätzen gelernt in den Momenten, in denen es still in mir wurde. Heute mag ich sie nicht, auch wenn ich weiß, dass sie über kurz oder lang eine Einigung erreichen werden, dass aus vielen kleinen Teilen irgendwann eine Stimme sprechen wird. Bald, irgendwann, wird sich mein Nebel lüften und ich werde mehr sehen als ich jetzt zu erkennen vermag. Und ich muss warten und werde warten, lauschend, schweigend, vielleicht auch schreiend. Jetzt, wenn ich auf die vielen kleinen Buchstaben sehe, fühle ich eine Gewissheit, und auch wenn es nur die ist, dass ich das Richtige finden werde, wie auch immer es aussehen wird, erleichtert sie mich und lässt die Stimmen leiser sprechen.
TwilightSunEs ist Herbst. Mit ihm kommen immer wieder die Herbstgedanken. Herbst heißt Abschied, das Ausklingen eines Jahres. Es geht auf Ende und Neuanfang zu. Und ich denke nach über ein weiteres Jahr, das ich langsam hinter mir lasse. Es hat nicht gut begonnen dieses Jahr. Ich erinnere mich an Silvester, ich saß zuhause, unfähig zu feiern mit den Leuten, die ich um mich hatte. Es schleppte sich weiter, das Jahr, traurig, trist. Ich erinnere mich nur noch unscharf an die ersten drei Monaten, spüre die Verzweiflung dieser Zeit nachhallen. Es war keine gute Zeit, wohl die schlechteste, die ich bis jetzt hatte. Nie war die Sinnlosigkeit so stark, der Abgrund nie so tief. Und ich denke an ein Telefonat, Ende März, das mir den Mut gab, einen Schritt nach vorn zu gehen. „Ich will morgen von dir eine sms haben, dass du bei einem Therapeuten angerufen hast.“ Ich weiß noch genau, wie deine Stimme klang, als du das gesagt hast. Und danke, dass du das damals getan hast, dass du mir die Kraft gegeben hast. Ein, zwei Wochen später hatte ich den ersten Termin, und langsam wurde es besser. Endlich fand ich einen Platz, ich zu sein, ganz egoistisch ohne Rücksichtnahme, einen Ort, der nur mir gehört mit allen Gedanken und Gefühlen. Heute sehe ich, wie bitter nötig es war und spüre Dankbarkeit dafür, genau das gefunden zu haben. Es wurde Sommer und es war eine glückliche Zeit. Eine unbeschwerte Zeit mit Lachen und vor allem Liebe. Es ist schön, an diese Monate zu denken, an viele kleine Augenblicke, die mir so viel Wärme geschenkt haben. Es sind so viele Sommerbilder in meinem Kopf, Bilder voller Zweisamkeit, und Bilder von Einsamkeit, gewünschter Einsamkeit, auf Berggipfeln, um mich herum nur Natur, keine Menschen, klare Luft und Frieden, vor allem Frieden, der mir meine Ruhe zurückbrachte. Es sind Erinnerungen an das Nachtwelten-Treffen, an soviele Nicknames, die auf einmal ein Gesicht bekamen, an wunderschöne Tage mit wahnsinnig lieben Menschen, deren Nähe ich so genossen habe. Nur ein paar Tage später saß ich im Bus nach Spanien, Studienfahrt. Dort begann das Abschied-Nehmen, Abschied von 13 und mehr gemeinsamen Jahren, von einem immer angestrebten Dazugehören, das doch nie ganz gelang. Ich erinnere mich an das Meer und an Palmen, das erste Mal, dass ich Palmen sah. Es waren schöne Landschaften die doch angefüllt waren von einer Leere, verursacht durch fehlende Bindungen zu meinen Mitmenschen. Ich war froh, heimfahren zu können, auch wenn das Land wunderschön war. Und es wurde Herbst, Herbst in mir, das erste bunte Laub. Die Welt wurde stiller, ruhiger. Ich denke an eine Woche in Berlin, in der ich wieder so viel näher zu mir selbst fand, die mich noch immer mit Eindrücken füllt. Und schon finde ich mich in meinem Heute wieder, in einem Heute, in dem die Zweifel groß sind. Und doch fühle ich mich gewachsen, sehe, wie sehr dieses eine Jahr mich verändert hat, mich stärker gemacht hat, einen kleinen Schritt in Richtung meiner Selbst geführt hat. Ich sehe dieses Selbst, sehe seine Zweifel und seine Ängste, oft auch die Emotionslosigkeit, die mich ergreift. Aber ich sehe auch die Hoffnung, sehe einen Blick nach vorn nachdem ich jahrelnag nur den Boden sah und sehen wollte. Ich sehe nach vorn und ich sehe ein Jahr vor mir liegen, ein Jahr, auf das ich schon so lange hoffe, es sehnlichst erwartet habe. Bald wird es wirklich Abschied heißen, nach 13 Jahren Schule, es ist ein Ziel erreicht. Ich habe Angst vor dem Abschied und ich freue mich darauf. Ich weiß nicht, was vor mir liegt, sehe es weniger als ich es lange gesehen habe. Ich sehe nur die Chance zu einem Neuanfang, in einer neuen Stadt, neuen Menschen, einem neuen Zuhause. Und vor allem die Chance, das erste Mal selbstbestimmt leben zu können. Ich freue mich darauf.
Ich freue mich darauf, dieses Jahr ausklingen zu lassen, sanft, still, mit allen Entscheidungen, die zu diesem Jahr gehören, ich freue mich darauf, in ein neues Jahr zu starten und bin gespannt auf das Resumee, das ich in einem Jahr vielleicht ziehen werde.
TwilightSunIch habe dir einen Brief geschrieben, Mama. Ich weiß nicht, ob es richtig war, und ich habe Angst vor deiner Reaktion. Noch vor wenigen Wochen hätte ich nicht geglaubt, das jemals tun zu können. Ich musste es tun, ich will aufräumen, ich will, dass die Vergangenheit endlich wirklich zur Vergangenheit wird und ich leben kann.
Es ist gut für mich, und eigentlich sollte das das Wichtigste sein. Ich weiß, dass es dir weh tun wird, sehr sogar, aber das muss ich wohl in Kauf nehmen, für die Hoffnung, weitergehen zu können. Ich muss es hinter mir lassen, all das, was mich jahrelang so sehr beschäftigt hat.
Ein bisschen bin ich stolz auf mich, stolz auf diesen Schritt, es ist gut, ihn gegangen zu sein. Ich weiß nicht, was sich nun daraus entwickeln wird, aber es ist ein Stück Ehrlichkeit nach so vielen Jahren voller Lügen. Ich habe immer schön brav den Mund gehalten, war die gute Tochter, immerzu brav. Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man nicht mehr will. Das erste Mal spüre ich, dass es einen Sinn macht, diese Therapie. Ich habe diese Hilflosigkeit verloren, diese Schicksalsergebenheit, die mich so lange gelähmt hat. Ich habe immer zugesehen, immer gelächelt, wenn ihr mir weh getan habt. Es ist vorbei, es fängt etwas Neues an, mein Leben. Ihr habt mich immer klein gehalten, ihr hättet wissen müssen, dass Kinder irgendwann ausbrechen. Ich habe mich zu oft untergeordnet, es war schon so lange Zeit, dem Ganzen ein Ende zu setzen, neu anzufangen.
Vielleicht entwickelt sich daraus eines Tages etwas Positives, vielleicht werde ich eines Tages wieder das Gefühl haben, Tochter zu sein, eine Mutter zu haben. Ich würde es mir wünschen, auch wenn ich kaum mehr daran glaube.
Auch wenn es viele Vorwürfe waren, Mama, ich hoffe, dass du es verstehst, dass du mich einmal verstehst, einmal richtig reagierst. Es ist eine Chance, die letzte, die ich für uns zwei gesehen habe. Vielleicht wird es jetzt gut. Ich weiß nicht, ob ich dir verzeihen kann, manche Dinge, aber vielleicht können wir jetzt endlich darüber reden. Du hast mich zu oft verletzt und endlich habe ich das Gefühl, mich wehren zu können, und vor allem, mich wehren zu dürfen. Ich entwickle so etwas wie Selbstachtung, ich merke, dass ich stärker werde, dir langsam gewachsen bin. Auf eure Art habt ihr immer versucht, diesen Moment zu verhindern, aber jetzt könnt ihr das wohl nicht mehr. Ich gehe meinen Weg, Mama, weder du noch jemand anders wird mich daran hindern können. Vielleicht gehen wir ein Stück gemeinsam, vielleicht trennen sich unsere Wege nun endgültig. Das muss ich abwarten, aber ich weiß, dass ich auf meinem Weg einen Schritt nach vorne gegangen bin und das kannst du mir nicht nehmen.
HaevionViel Glück, Twi.
TwilightSun[I]Vielleicht wird jetzt alles gut. [/I]
Du hast angerufen, Mama, und deine Stimme klang so furchtbar verweint. Das erste Mal seit so vielen Jahren hatte ich das Gefühl, dass da ein Mensch am Hörer ist, endlich wieder habe ich gemerkt, dass du Gefühle hast.
Wir haben geredet, nicht lang, aber ich habe gespürt, dass es dir viel bedeutet hat. Wenn ich weinen könnte, hätte ich geweint, aus Trauer, dass so viel schief gelaufen ist in den letzten Jahren, aber auch aus Freude, dass du so reagiert hast. Ich hatte Angst, dass das Schweigen nur noch größer würde, aber du hast anders reagiert, da war so viel Wärme, so viel Nähe. Da war [I]meine Mutter [/I] am Telefon, der Mensch, den ich so oft vermisst habe, in so vielen Momenten. In manchen Dingen sind wir uns vielleicht gar nicht so unähnlich, wie ich immer dachte. Wir haben beide nie den Mund aufbekommen, haben immer versucht, alles mit uns selbst auszumachen. Es war der falsche Weg, aber vielleicht können wir jetzt die Richtung korrigieren.
Ich habe deine Email gelesen, eigentlich nur kurz überflogen, war kaum in der Lage, den Inhalt wirklich aufzunehmen. Ich bin dir so dankbar, dass es jetzt neu werden kann, dass du bereit bist, zu reden, über die letzten Jahre, über vieles, was wir uns immer verschwiegen haben, aus Angst, vielleicht auch aus Scham über eine vermeintliche Schwäche. Das erste Mal sehe ich wieder einen Weg für uns, einen Weg zueinander, ein wenig Hoffnung.
Ich habe immer geschwiegen, weil ich mir so sicher war, dass Reden alles nur noch schlimmer machen würde. Und jetzt stelle ich fest, dass es auch besser werden kann, durch das Reden, durch eine Konfrontation. Es ist eine Erfahrung, die ich vielleicht schon viel früher hätte machen können, aber vielleicht ist es auch gut, dass es erst jetzt dazu gekommen ist. Ich glaube, jetzt bin ich bereit, daraus zu lernen, Konsequenzen zu ziehen, Dinge anders zu machen, anders zu beurteilen.

Danke, Mama
Nebeltaenzerines ist schön so etwas zu lesen...
ich wünsche dir alles gute...dass es wieder gut werden wird...
*umarmt*
TwilightSunIch habe mein Lächeln wiedergefunden. Einige Momente, Tage, dachte ich, ich hätte es verloren. All das, was für mich wie ein neues Leben schien. Für eine kurze Zeit war es, als sei es wieder vorbei, vergangen, verblasst. Die Kraft, die ich in mir geglaubt hatte und nun wieder in mir glaube. Dunkle Augenblicke, voller Zweifel, voller Hass. Ich glaubte, umsonst gekämpft zu haben, nur dafür, ein paar Momente Leben zu schmecken, um es wieder zu verlieren, zu spüren, dass ich dazu nicht fähig bin. Ich hatte wieder Angst in diesen Tagen, Angst um alles, und allem voran Angst um mich, darum, mich selbst wieder verloren zu haben in der Vergangenheit. Es waren die alten Kämpfe, die mich schon immer begleiten, ich gegen mich, die Seite, die ich mir erlaube und die andere, die Seite, die ich nie bei mir haben wollte, deren Existenz zu leugnen ich so oft versucht habe. Eins haben mich diese Tage gelehrt, ich habe meine Tränen wiedergefunden. Wie oft wollte ich weinen in all den Jahren, nie konnte ich es. Sie sind zurückgekehrt, die Tränen, und mit ihr all das, was ich so gründlich verdrängt hatte, dass es mir unerreichbar schien. Es ist schwer, Bilder auszuhalten, ich hatte ihre Macht vergessen, das Wissen verloren, wie schwer sie sind. Es gab kurze Augenblicke, in denen ich glaubte, zu zerbrechen. Mich selbst splittern zu sehen unter dem Druck einer Vergangenheit, die so viel an Kraft dadurch gewonnen hat, dass ich sie all die Jahre wegschieben wollte. Sie ist wieder da und es kostet mich viel, entsetzlich viel, sie zu spüren, sie in mir zu wissen. Es sind so viele Gefühle zurückgekehrt, deren Bedeutung ich vergessen wollte. Ich schmecke den Ekel wieder, einen Ekel, den ich für unvorstellbar halten würde, fühlte ich mich nicht mit ihm konfrontiert. Es sind nur kurze Bilder, Satzfragmente, die die Übelkeit wiederkehren lassen, mich elend fühlen lassen. Manchmal droht es, mich zu lähmen, in Momenten, in denen die Realität ihren Sinn verliert, sich auflöst, in denen ich mich nicht mehr bewegen kann, nur fühle und glaube, wahnsinnig zu werden unter einer Emotionsvielfalt, die mich erdrückt, mich schwindelig macht. Diese Augenblicke sind es, in denen ich glaube, verloren zu haben, alles zu verlieren. Wenn Wirklichkeit irreal wird, so weit weg rückt, dass ich keinen Bezug mehr finden kann.
Es hat mich für ein paar Tage immer wieder an den Rand meines Verstandes getrieben, aber heute fühle ich, dass mich meine Realität wieder hat. Ich habe meine Selbstsicherheit zurück, ich kann wieder lächeln, über alles und jeden, es erscheint wieder leichter. Der bittere Nachgeschmack bleibt, die Bilder bleiben und mit ihnen all die Gefühle. Aber ich habe meine Akzeptanz wieder entdeckt, kann beide Seiten nebeneinander stehen lassen. Diese eine Seite...ja, ich wünschte, sie sei weg, hätte nie existiert, es wäre so viel so vieles leichter. Aber ich kann sie als einen Teil von mir akzeptieren, heute wieder, ich kann sie als gleichberechtigt annehmen, ihr zuhören. Ich fühle mich wieder vollständig. Nicht friedlich, dafür tobt zuviel, aber doch in einem Einklang, einem stillen Verständnis mit mir selbst. Ich kann mich wieder zulassen, kann wieder ein Stück mehr von mir annehmen, mich ein wenig mehr vervollständigen. Keine Rollen mehr für heute, ich bin wieder da, in mir, erfüllt von mir, auch wenn ich mich mit mir streite. Die Seiten dürfen sich auch bekämpfen...sie müssen sogar, so verschieden sie sind, aber sie haben erkannt, dass sie zusammengehören. Und es ist gut so.
Ich kann wieder in den Spiegel schauen, mich ansehen und mich erkennen.
Ich kann mich selbst wieder mögen...
TwilightSunEigentlich...ja, eigentlich sollte ich jetzt im Zug sitzen. Ich spüre die Sehnsucht danach. Inzwischen mag ich es, Zug zu fahren, ich mag es, die Landschaft vorüber ziehen zu sehen, die Leute um mich zu beobachten. Wohin sie wohl fahren, was sie dort wohl erwartet? Freuen sie sich?
Ich würde mich freuen, denn es wäre ein schönes Wochenende geworden, dem ich jetzt entgegen fahren sollte. Mein Kopf malt Bilder, davon, wie ich aus dem Zug steige. Ich sehe dich, wie du mir entgegen läufst und ich muss lächeln. Du fehlst mir.
Wenn ich jetzt die Augen schließe, sehe ich all die Szenen, all die Bilder, von denen dieses Wochenende erfüllt sein sollte.
Statt dessen sitze ich hier, eine Tasse Tee neben mir. Ich fluche über die Halsschmerzen, den Husten. Es gibt diese Momente, da verfluche ich diesen Körper. Eigentlich gibt es diese Momente viel zu oft. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe, dass ich so anfällig bin. So berechenbar er ist, ich kann doch nichts dagegen tun. Es ist immer diese Jahreszeit, ich weiß nicht, ob ich jemals das Ende des Winters erlebt habe, ohne krank im Bett zu liegen. Eigentlich sollte ich dankbar sein. Es ist so viel weniger geworden, mein Körper hat Kraft gewonnen in den letzten Jahren. Es hat sich reduziert auf zwei oder dreimal im Jahr, dass ich mit Bronchitis im Bett liege. Wann hatte ich die letzte Lungenentzündung? Es ist eine Weile her, sicherlich ein, zwei Jahre. Wohl eher zwei. Ich sollte dankbar sein, dafür, dass mein Immunsystem etwas belastbarer geworden ist. Vor allem sollte ich dankbar dafür sein, jetzt krank zu sein, nicht in zwei Wochen. Abitur nachschreiben...es war meine große Angst, dass das passieren würde. Ich bin froh, dass es nicht so gekommen ist, aber ich komme nicht umhin, mich zu ärgern.
In meinem Kopf sitze ich im Zug. Noch etwas mehr als fünf Stunden, dann wäre ich bei dir. Ich säße jetzt gebeugt über irgendeinem Buch, ich nehme an, es wäre Bio und würde versuchen, mir die Photosynthese in den Kopf zu prügeln. Irgendeine Musik in den Ohren, Depeche Mode oder Sisters, dabei lernt es sich am besten. Inzwischen kenne ich die Strecke. In zwei Stunden wäre ich in Hannover, würde eine Stunde auf meinen Anschluss warten. Würde all die gehetzten Leute ansehen, lächeln. Einen Kaffee trinken und mich freuen, in der Erkenntnis, dass die Distanz immer kürzer wird.
Irgendwann käme die Durchsage „Berlin Zoologischer Garten“ und der Zug würde leer werden, ein, zwei Leute blieben im Abteil. Ich würde langsam beginnen, mich anzuziehen, meine Sachen wieder zu verstauen. Es wären noch 16 Minuten bis zum Ostbahnhof. Und dann wäre ich da, würde dein Grinsen sehen und mich angekommen fühlen. An dem Ort, an dem ich mich wohl fühle, der mir in meinem Kopf und in meinem Bauch zur Heimat geworden ist. Aber, worauf es eigentlich ankommt, ich wäre bei dir, könnte in deine Augen sehen, dich küssen, festhalten. Lachen. Es ist schön, mit dir zu lachen, eigentlich seltsam, wieviel ich mit dir lache, aber nirgends sonst fühlt sich Lachen so echt an, so warm.
Müßige Gedanken. Ich bin hier und es sind so viele Kilometer zwischen uns, halb Deutschland liegt dazwischen und je mehr ich mich diesen Bildern hingebe, umso schmerzlicher ist das Wissen, hier zu sein und bleiben zu müssen, zu warten, Tage zu zählen.
Im schlimmsten Fall drei weitere Wochen. Ich versuche, mich damit zu beruhigen. Drei Wochen sind nicht lang. Ich wünsche es mir, versuche, daran zu glauben. Vielleicht, vielleicht wird eines Tages –nicht sehr weit weg- eine kürzere Strecke zwischen uns liegen. Ich hoffe es.
TwilightSunDanke, lieber Coffey.
Du hast Recht, oft sind die Fahrten nur auf dem Hinweg schön. Man erwartet etwas, der Zug bringt einen an einen Ort, auf den man sich freut. Meistens jedenfalls.
Zurück...heute sind es für mich nur noch Züge zurück. Es fällt mir schwer, zu sagen, der Zug nach Hause. Ich fahre nciht mehr nach Hause, der Zug bringt mich nur zurück an einen ort, an dem es Überstehen heißt, noch sechs Monate, bevor ich in die Welt hinaus kann, mich befreien kann. Noch lösen die Züge zurück Unbehagen in mir aus...aber vielleicht führen sie mich auch eines Tages zurück nach Hause, zu einem Zuhause, das ich dann mein Eigen nennen kann. Es wäre schön...
TwilightSun[I]2.6.05[/I]

Ich sehe euch an, höre euch zu. Es ist schön, bei euch zu sein. Zwischen euch. Euer Lachen, die Gesprächsfetzen, die einander überlagern. Wie laut ihr seid, alle reden durcheinander, schreien, lachen, singen. Es ist eine der letzten partys, die wir gemeinsam feiern werden. Bald liegen viele, viele Kilometer zwischen uns. Zumindest hoffe ich es. Auch wenn jetzt, in diesem Moment, ein leises Zweifeln in mir ist. Ich werde euch vermissen, Kinder. Wie oft habe ich euch Kinder genannt? In Gedanken, manchmal auch so. Meine Kleinen...wie oft habe ich mich über euch aufgeregt, eure Leichtfertigkeit, vielleicht auch eure Leichtigkeit. Und heute...verstehe ich es. Verstehe euch, soweit es möglich ist, andere Menschen zu verstehen. Wieviele Jahre habe ich dafür gebraucht? Erst jetzt, wo unsere gemeinsame Zeit fast um ist. Wo werden eure Wege hinführen? ich wünsche euch nur das Beste. Auch wenn ihr es mir oft schwer gemacht habt und ich es euch. Wir reden...lange und viel, über so vieles. Natürlich viel "Jahrgangsklatsch", aber allem voran Zukunftspläne...Zukunft...bald beginnt sie, trennt uns. Es werden verschiedene Richtungen sein, in die wir gehen. Ich hoffe, sie treffen sich noch einmal. Auch wenn es dann immer nur für kurze Zeit sein wird.
Mein Gott, ich denke an so viele gemeinsame Jahre, Erlebnisse. Zusammen erlebte Momente, Augenblicke der Wut, der Freude. Es wird schwer sein, ohne euch. Euer Lachen wird mir fehlen. So viel Lachen, dahergesagte Worte. Leichtigkeit. Und die Vertrautheit, die trotz aller Unterschiedlichkeit zwischen uns war. Wir kannten uns, auf irgendeine Art. Noch kennen wir uns, aber bald wird es sich ändern.
Heute fühlt es sich gut an, zwischen euch zu sitzen. Mit euch zu lachen, zu reden. Es ist eine Form der Gemeinsamkeit, die ich nur bei euch finden kann. Das Resultat aus vielen gemeinsamen Jahren, in denen wir zueinander gefunden haben, auf irgendeine Art. Unsere Art. Es war eine schöne Zeit, all die Kleinigkeiten und auch die großen Dinge. Euch in den Armen zu liegen, mit euch zu schimpfen, zu lästern...all die Momente Alltag, die ihr mir geschenkt habt. Es wird mir fehlen, die Pausen in der Raucherecke, die Nachmittage im Café, die Abende in Kneipen. Heute spüre ich, wie viel ihr mir bedeutet. Und einen kurzen Moment bereue ich die Entscheidung, wegzugehen. Aber nur kurz. Ich weiß, wo mein herz hingehört, wo ich hingehöre. Mein Weg führt fort und ich denke, es ist gut so. Aber ich hoffe, hoffe so sehr, dass nicht alles daran zerbricht. Nein, ich denke, ich weiß, dass es nicht so ist. Es war eine schöne Zeit und sie verbindet uns. Wir sehen uns wieder, meine Kinder, meine Kleinen. Ihr werdet mir fehlen.

[SIZE=1][I]Und Roy, du ganz besonders. Auch wenn ich 16 Jahre gebraucht habe, um vieles zu erkennen. Das Vertrauen, dass diese zeit mit sich bringt. Ich hab dich lieb, sehr sogar[/I] [/SIZE]
SternenstaubLiebes Engelchen.
Ich wurde gerade sehr wehmütig, als ich Deine Zeilen las. Nach dem Abi trennen sich viele Wege. Ich mußte an meine Clique denken, meine lieben Mädels und die gemeinsamen neun Jajre, die uns verbinden.
Ich denke nicht, dass alles an der Entfernung zerbricht. Die gemeinsame Zeit kann Euch keiner nehmen - sie wird immer Euch gehören, Ihr werdet Euch wiedersehen, 'Jahrgangslästereien' betreiben und darüber lachen. Natürlich geht etwas verloren nach der gemeinsamen Schulzeit. Doch man nimmt trotzdem am Leben der Anderen teil, an ihren Erfahrungen im neuen Lebensabschnitt.
Genieße diese letzten, etwas wehmütigen Momente... Ich erinnere mich noch heute gern an die meinigen.

[SIZE=1]hab Dich lieb.[/SIZE]
TwilightSun[B]Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.[/B]

(H.Hesse)

Es ist kalt. Nebelkalt. November im Herzen. Gedanken wiegen schwer, manchmal. Heute. Drücken schleichend. Nähe flieht. Fremd in mir, neben dir, mit uns. Siehst du mich? Es ist still, still in mir, zwischen uns. Betäubende Stille, betäubte Stille. Keine Wärme mehr.
Sehe ich mich? Kein Erkennen mehr. Mauern, Stein um Stein ziehe ich sie wieder auf. Hoch, immer höher. Kälte, die alles fremd macht. Distanz schafft. Zwischen dir und mir, mir und mir. Leben endet, der Mechanismus beginnt. Nicht heute nacht, fast schon zu spät. Zusammenreißen. Niemals sprechen. Ich soll mich zusammen reißen. Den Mund halten. Funktionieren. Kann man Worte wirklich spucken? Ich halte den Mund - wie immer. Mein Fehler, ja. Ich kenne keine Worte mehr. Nur das immer wieder kehrende Mantra. Reiß dich zusammen. Stell dich nicht so an.
Wie immer - ich habe euch mitgenommen, hierher, in meinen Neuanfang. Und ich folge euren Regeln. Ich zerstöre schon jetzt, was beginnen sollte. Zerstöre ich? Oder wir? Uns? Mich?
Schweigen. Spürst du, wie es drückt? Auf uns? Wo sind wir hin? Ich zittere...fühlst du die Kälte nicht? Erreichst du mich noch? Ich kann es nicht mehr. Weißt du, wo der Ort ist? Ich finde ihn nicht. Blicke, stumm, auf die Mauern, zwischen mir und mir. Ich weiß, wo sie ist. Ich sehe ihre Augen. Unerreichbar fern.
Wecke sie...bitte
Nebeltaenzerinwenn du aufhörst zu funktionieren, kann es dein Leben werden.
Vielleicht verschwindet dann die Kälte, die ineinem hinaufkriecht, langsam und unaufhaltsam. Sie ist der Zwillingsbruder des Mechanismus, glaub ich manchmal..
Schweige nicht... spucke die worte aus, weil man genau das manchmal tun muss, weil genau das manchmal das ist was man braucht.
du kannst ein neues Leben beginnen... 1000 neue chanchen...
und du bist nicht allein!
alles liebe
K.
URUHm, ich möchte dir eine Kerze schenken. Eine Kerze, die dir hilft, den Nebel um dich herum zu vertreiben, die dir Wärme spendet, wo Kälte ist, die Licht ins Dunkel bringt und deren lebendige Flamme dir Kraft spendet und Lebewesen anlockt, die dich auf deinem Weg begleiten und ihre Wärme mit dir teilen. Auch wird die wärmende Flamme dir helfen, deine Lippen auftauen zu lassen, so dass die Worte wie von alleine fließen werden und ein Spucken nicht einmal mehr von Nöten sein wird. Ihr heller Schein wird dich Mauern und andere Hindernisse in deinem Leben erkennen lassen und dir einen Weg um sie herum (oder wenn es nicht anders geht, über sie hinüber) weisen. Sie wird stets bei dir bleiben, dich unterstützen und für dich leuchten bis du selbst die Kraft zum Leuchten wiedergewonnen hast. Und sollte sie einmal heruntergebrannt sein, melde dich einfach, dann schenke ich dir gerne eine weitere. :)

Ganz liebe Grüße,
Daniel
NnordyZwei Tage und sechshundert Kilometer entfernt erreichen mich Deine Worte, die ungeweinten Tränen, die ungesagten Worte. Ersticke nicht an ihnen. Du kannst sie artikulieren - ich weiß das, und Du weißt es auch. Du kannst es - hast es schonmal geschafft, und es war gut. Auch, wenn vielleicht nicht immer alles sofort klar, sofort klärbar ist - sei ehrlich. Lasse sie hinaus. Greife tief in Dein Inneres, dort liegen sie, warten darauf, daß Du Deinen Mund aufmachst und sie frei läßt.
Sieh ihnen nach, und blicke dann in den Spiegel, und wer Dir dort entgegen blickt, ist niemand anderes als Du selbst. Und Du wirst Dich wiedererkennen. Denn Du bist.
TwilightSunManchmal hasse ich dich. Weil nur noch Hass in mir ist. Weil die Welt lodert, grellrot, weil Scherben sind, überall. Weil ich an manchen Tagen die Welt hasse. Ich könnte heulen über diesen Hass, könnte schreien, um mich schlagen. Nein, nicht könnte, wollte. Ich kann es nicht. Keine Tränen, kein Schrei. Keine Bewegung. Und es kocht in mir und verdampft an der Kälte um mich. Es brennt. Ich brenne. Brenne vor Hass, vor Wut, auf jede Sekunde, auf dich, auf mich. Und immer wieder auf mich, weil es nur in mir schreit und schlägt, weil keine Regung nach außen dringt. [I]Ich habe mich unter Kontrolle[/I] Dieses Leben hat nie aus etwas anderem bestanden als ewiger Kontrolle, jede Bewegung, jeder Gedanke wird überwacht, immerzu, ruhelos. Ich reiße mich zusammen. Und ich will es nicht und kann doch nicht anders. Jedes Wort bleibt letztendlich in mir, gedacht, gefühlt, verbrannt. Und kontrolliert, steril verpackt, weggestellt. Tief hinein, bloß nicht zum Ausdruck gebracht. Schließlich habe ich alles unter Kontrolle. Keine Impulsivität, keine Ehrlichkeit, keine Explosion. Nur Kälte, die an den Flammen bricht. Ewig lodern sie. Manchmal still. Heute schreien sie. Schreit jede Faser. Ich hasse. Und ich brenne. Lichterloh, es stoppt nicht, es brennt kalt. Einmal will ich die Welt brennen sehen. Einmal will ich sprechen. Schreien. Explodieren. Trümmer schlagen. Um sie danach wieder aufzubauen. Leben schaffen, Neues schaffen, Ruhe in mich bringen.
Und ich werde weiter schweigen und lächeln, zu allem, was immer kommen mag. Was habe ich denn noch, wenn ich meine Kontrolle aufgebe?
NnordyNichts - nur Dich selbst. Laß es zu - denn Du, Du selbst, bist allemal genug. Gestatte Dir, die Kontrolle zu verlieren, ohne Dich deswegen schuldig oder defizitär zu fühlen, denn der Kontrollzwang kontrolliert letztendlich Dich und damit Dein Leben. Laß Dich einmal außer Kontrolle geraten - und spüre, wie befreiend es sein kann.
Ich wünsche Dir diese Stärke...
TwilightSunIch möchte nicht mehr aufwachen müssen. Ich will die Welt nicht mehr sehen. Sehe ich doch auch so nichts von ihr. Keine Zukunft mehr. Ich verliere. Gegen mich. Gegen euch. Ich will aufgeben. Jetzt. Hier. Es ist keine Kraft mehr da, kein Mut. Nur nackte, kalte Angst. Groß, glatt, nicht greifbar. Angst vor jedem Atemzug. Die Welt ist zu groß für mich, zu schnell. Ich bin ihr nicht gewachsen. Nicht heute, nicht jetzt. Lass mich schlafen, nur eine Nacht, nimm deine Klauen weg. Nur einmal schlafen. Kein Wegdämmern in Schatten, in denen ich ausgeliefert bin. Mir, all dem, was nicht da sein soll, darf. Zuviele Tiefen. Nachts wachen sie. Rauben mir jede Ruhe. Aufschrecken, immer mit der Kälte im Herzen. Mit der Angst, dieser so giftigen Angst, die Atmen unmöglich macht.
Sie bleiben nicht mehr in den Träumen. Sie schleichen in den Tag, langsam, nachdrücklich. Immer wieder Angst. Nichts als Angst. Lähmende Angst. Vor dem Alltag. Vor jedem Menschen, jedem Stück Welt. Lasst mich los.
Ich möchte die Träume nicht mehr in den Tag mitnehmen. Jeden Tag steht die Kälte mit mir auf, jeden Tag ein bisschen weniger Kraft. Der Druck auf der Brust, immerzu. Und jede Nacht fängt es wieder an, greifen sie mich. Kalte Träume. Woher kommen sie? Ich kann mich nicht erinnern, jemals ohne sie gewesen zu sein. Von klein auf. Sie wachsen mit, passen sich an. Ihre Klauen..sie greifen nach dem Kind, weil sie es packen können. Weil es noch nie geschrien hat. Und stumm erduldet, jede Qual, jede Angst. Es ist ein braves Kind. Immer.

Es ist irreal - sagt die Stimme im Kopf. Alberne Ängste, sie haben keine Grundlage. Ich werde weitergehen, jeden Tag. Ich hasse Herausforderungen...ich hasse das Gefühl, der Situation nicht gewachsen zu sein...zu klein zu sein, zu schwach, zu dumm. Ich hasse all die kleinen Alltagsängste, weil sie die Türen öffnen, für all das, was nicht auftauchen darf. Nicht jetzt. Nicht heute. In einer fernen Realität. Jetzt bin ich zu schwach.
Die Alltagsängste besiegen. Wie auch immer. Der Kopf weiß, wie albern sie sind. Aber der Bauch schreit.
Einmal, nur einmal, sollen sich die Simmen nicht streiten. Einmal Ruhe in mir. Was würde ich dafür geben? Einmal gegen die Welt kämpfen zu können statt gegen mich selbst? Was würde ich dafür geben, eine Nacht zu schlafen und einen Tag ausgeruht zu beginnen. Vielleicht wäre das der Tag, an dem ich den Kampf aufnehmen könnte. Selbst gegen mich. Einmal Entspannung finden..Schlaf. Mehr will ich nicht. Nur ruhen, wirklich ruhen, statt dem ewigen Dösen...
TwilightSunWo sind die Träume hin? Die Träumer? Der Träumer in mir? Träumende Seelensprünge, hinauf, immer weiter hinauf. Wann wagte ich diesen Flug zum letzten Mal? Der Blick hat sich gewandelt, nicht weiter sehnsüchtig-träumerisch gen Himmel, zu Boden, in mich - nein, stattdessen geradeaus, zielgerichtet, geradlinig. Nüchterne Träume. Alltagsträume von Arbeit, Eigenheim, und, wie es jetzt gerade schmeckt, Langeweile.
Manchmal kehren Träume wieder. Träume vom Fliegen. Von Tiefe.Träume über das Jetzt hinaus, weg vom Hier. In mich und über mich hinaus, in Seelenwelten, mal bunt schimmernd, dann wieder traurig-grau. Aber lebendig. Voll von Hoffnung und Sehnsucht.
Die Welt glänzt, sanft, still. Stiller leben. Still erleben.
In mir. Und immer in dem Wunsch, zu zweit zu träumen. Den Traum von Zweisamkeit. Gemeinsamkeit. Gedanken zu teilen, Träume und Gefühle. Wunsch nach - Verstandensein.

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