| Julya | Innerhalb von Sekunden war es da: Dieses Gefühl, daß ich hier sofort [i]raus[/i] muß! [i]Raus[/i] aus meiner Wohnung, meinen vier Wänden, [i]raus[/i] aus meiner [b]Höhle[/b]. Noch nie war ich nachts hier in meiner direkten Umgebung unterwegs gewesen. Ein einziges Mal war ich in dem kleinen Park, der fünfzig Meter vor meiner Haustür beginnt, aber da wohnte ich noch nicht einmal hier. Da in dem Park keine Laternen stehen, ist es dort stockfinster und ich wußte nicht einmal, ob ich die Wege im Dunkeln finden würde. Eigentlich war ich auch viel zu bequem, um mir jetzt nochmal warme Klamotten anzuziehen und eigentlich hatte ich auch Bauchschmerzen und eigentlich hatte ich auch ein wenig Angst, da hier in letzter Zeit so häufig die Polizei unterwegs war. Aber das Gefühl ließ sich durch die ganzen 'Eigentlichs' leider überhaupt nicht beeindrucken und so schaltete ich meinen Rechner in den Stand-by-Modus, machte Olivia das kleine Licht an, zog mir meine 'leisen' Stiefel an, schnappte meinen Mantel und meinen Schlüssel und verließ fast lautlos das Haus. Ich überlegte noch, ob ich tatsächlich in den, nun schwarz und mächtig auf seinem Hügel vor mir liegenden Park gehen soll, aber ich entschloss mich letztendlich da[i]für[/i]. Ein Mann stand in der Tür eines der so häßlichen ockerfarbenen Häuser in meiner Straße und rauchte. Er beobachtete mich und ich spürte seinen Blick, als ich an ihm vorbeiging. Ich wechselte die Straßenseite und hörte ein Plätschern, für dessen Ursprung ich einen Gulli ausmachte. Ich schaute beim Gehen nur auf den Boden und stand auf einmal vor der Treppe, die in den Park führt. Ich schaute hoch und fühlte mich wie vor einer Mathematikklausur, von der ich wußte, daß ich sie wieder versieben würde. [i]Jetzt bist Du schon rausgegangen, jetzt geh auch... es passiert schon nichts![/i] Ich raffte die Röcke und stieg die Betonstufen hinauf. Vor mir lag ein abgezäunter Bereich. Darin stand eine Art Sendemast. Ich weiß nicht, wofür der da ist. [i]Vielleicht verstrahlt der hier die Leute...[/i] Meine Augen passten sich an das Dunkel an und meine Schritte wurden immer leiser. Ich legte meinen Kopf in den Nacken und über mir erstreckten sich die wirren Äste der noch kahlen Bäume und ich musste an das Bild in der Bilddatanbank denken, das ich mit den Worten kommentiert hatte, daß mich diese feinen Verflechtungen sehr an die plastinierten Blutgefäße aus der 'Körperweltenausstellung' erinnerten. Einige dieser "Blutgefäße" hatten schon feine Knospen, wie ich an den tieferhängenden Zweigen sehen konnte. Ich erreichte den höchsten Punkt des Parks und hörte augenblicklich die Züge, die auf den Schienen direkt hinter dem Berg, allerdings rund 150 Meter talwärts ihren Weg durch die Kasseler Berge suchten. Das Licht, das aus dem Tal strahlte, blendete mich in dieser dunkelen Umgebung und ich stolperte fast, als ich vom Weg abkam und plötzlich auf sandigem Untergrund stand. Ich erkannte einen gestreiften Pfahl und ein kleines Häuschen. Ich erinnerte mich, hier war ein Spielplatz. Auf der anderen Seite, den Spielplatz verlassend, hatte ich einen noch besseren Blick auf die Schienen und den gar nicht so weit entfernten Hauptbahnhof. Ich ging noch ein paar Schritte, als mir fast das Herz stehenblieb. Hinter mir war ein Geräusch. Ein Knistern, ein Knacken, ein Schlurfen... Ich blieb stehen, hielt den Atem an, spürte in diese Richtung, aber konnte nichts hören. Ich ging zwei Schritte weiter - da war es wieder. Ich spielte blitzschnell mehrere Möglichkeiten durch, wie ich reagieren würde, wenn mich jemand angriffe. Ich drehte mich um und machte mich auf alles gefasst, als ich über einen Stock stolperte, der sich in meinem Rocksaum verfangen hatte. Die Erleichterung ließ mich auf diesen verfluchten Stock schimpfen, der die Geräusche verursacht hatte und ich konnte, jetzt allerdings etwas paranoid, meinen Weg fortsetzen. Es war ziemlich windig und ich fror, aber ich wollte noch unbedingt zu der Eisenbahnbrücke runterlaufen. Ich erreicht den Weg, der nach unten führte und spürte mit jedem Schritt in Richtung Tal, wie der kalte Wind weniger wurde... Unten angekommen überquerte ich die Straße und erreichte nach wenigen Metern das Geländer der Brücke. Schöne Aussicht um diese 'Tages'zeit... Richtung Hauptbahnhof sieht man auf der rechten Seite ein Gebäude, das auf interessante Weise blau erleuchtet ist und in Richtung Bahnhof Wilhelmshöhe schlängeln sich die Schienen in oranges Licht getaucht, in mehrere Richtungen... Ein Zug fuhr unter mir lang... sehr langsam. Ich glaube, die Waggons wurden in das Gebäude gefahren, in denen die Wartungsarbeiten ausgeführt werden. In Gedanken versunken lehnte ich am Geländer, als mich ein Auto, das viel zu schnell den Berg hinunter gefahren kam, hochschrecken ließ. Ich fror und machte mich auf den Rückweg, der den Weg hinauf und an dem Mast vorbei führte. Ich vernahm auf einmal ein nervtötendes Piepen, welches mir auf dem Hinweg nicht aufgefallen war. Ich war mir sicher, daß dies von dem Mast oder zumindest ganz aus seiner Nähe kommen musste. [i]Wie können die Leute, die direkt nebenan wohnen, das nur aushalten?[/i] Ich ging langsam weiter und schaute mir die Häuser, die in meiner nächsten Nachbarschaft stehen, die ich aber noch nie gesehen hatte, länger an, blickte in eine helle, aber sehr karge Küche und erschreckte eine Katze, die auf einem Baumstumpf saß. [i]'Merkwürdig... erst kürzlich saß eine ähnliche Katze auf solch einem ähnlichen Baumstumpf'[/i] dachte ich bei mir... Aber [b]diese[/b] Katze hatte einen Schwanz, dafür fehlte ihr aber die Ausstrahlung ihrer Artgenossin, welche allerdings weit weg in einem Tierheim an einem Schloß in der Nähe von Düren lebt... Mit dem Piepen in den Ohren war ich froh, als ich wieder an meiner Haustür ankam und dieses schreckliche Gräusch aussperren konnte. Kaum war die Tür zu, war es still. Das tat so gut. Ich wünschte, ich könnte die anderen Dinge auch so einfach aussperren. . . Gute Nacht, Nachtwelten..... [center] [IMG]http://www.klinikseelsorge-hoehenried.de/Zeit-zur-Stille/Miniaturen/Schienen-midi.jpg[/IMG] [color=CD0000]~Julya~[/color] [/center] |
| mathisschwester | meine liebe freundin julia ich bin froh, dass du mal aus deiner höhle reißaus genommen hast...und dennoch in diese geborgenheit zurückkehren konntest...dass es dann wieder deine höhle war und nicht ein schrecklicher ort, von dem man in diesem moment einfach [I]weg[/I] muss. mal wieder kann ich nicht mehr sagen, als dass ich da bin...[I]wir[/I] da sind und ich mir ganz sicher bin, dass du das alles schaffst. ich bewundere dich eines um das andere mal und kann mich stolz und glücklich schätzen [I]dich[/I] als meine freundin, vertraute, verbündete zu haben. milchig scheint das licht durch die dicke plastikplane, die schon seit tagen an unserer fassade vor den fenstern hängt und ich träume uns in den garten - unter die uralten apfelbäume, deren bizzar und doch anmutig "verkrüppelten" äste geschichten von jahrzehnten erzählen, zu der kleinen steinmauer, wo sich schmetterlinge die füße wärmen, auf das gras, das so wunderbar nach leben riecht......... meine liebe freundin, sei fest von mir umarmt und sei dir sicher, dass ich in gedanken immer bei dir bin...dass [I]wir[/I] es sind! deine freundin nadine |
| neptunia | liebe julya, danke für's mitnehmen. es war ein spannender spaziergang! sieht so aus, als hätten wir das eine oder andere gemeinsam. (aber keine olivia, wenn ich es recht deute) jedenfalls kenn ich das gefühl, jetzt, genau jetzt raus zu müssen ... höhlen sind nicht schlecht, manchmal, aber das gefühl von wind um die nase ist fast besser ... [SIZE=1](allerdings heute nicht, zu viel schneeeeeee ...)[/SIZE] lieben gruß von neptunia |
| Haevion | Gut geschrieben. :) |
| John.Coffey | hm. salut Julya. [i]verzeih[/i] das ich - vielleicht, diesen ... vielleicht [i]zu alten[/i] Thread wieder aus dem Nebel hole. Zufälle. [size=1]Gerade schrieb ich noch davon[/size] Da denkt man sich, auch schau einfach mal weiter hinter. Man klickt die Seite [size=1]33[/size] in den Nebelpfaden an und sieht [i]Raus...![/i] Ganz groß steht es da und paßt gerade zu mir. [size=1]Meine I. steht gerade vor Ihrem Kleiderschrank und entscheidet - Du kommst mit ins neue Leben und [i]Du[/i] fliegst raus. Weg. Dann verhält man sich als mann besser ganz still, schleicht um Schlafzimmer und Kleiderschrank, versteckt sich hinter - [i]vielleicht[/i] sogar im Rechner und ist ganz ruhig. Nicht, - ja - nicht das man(n) auch noch raus...! fliegt.[/size] Ich sollte die Geister heute wirklich nicht noch mehr strapazieren. John - es reicht. Entschuldige, der Einwurf musste sein. Eigentlich wollte ich sagen, das ich diese Deine Worte genossen habe. Da liegt [i]mein[/i] Kassel gerade fast 70 Kilometer von hier weg, schläft noch nicht ... aber dunkel ist es. Und an solch' besonderen Orten ist es sicherlich auch still. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich versucht habe in Gedanken diesen Ort zu suchen den Du dort beschreibst. Ich bin mir nicht sicher, verraten werd ich hier nichts. Mein Kassel durchreise ich auch manchesmal genau so wie du es beschreibst. Im Aschrottpark ist es fast genauso wie Du sagst ... Im Sommer bin ich mal um Drei in der früh in den Bergpark gelaufen. Hoch und höher. Den Schlangenweg, 4,5 Kilometer hoch zum Herkules. Um zehn nach vier ging die Sonne auf. Allein dort oben. Das werd' ich glaub nie vergessen. Allein ist man dort nämlich fast nie. m. [img]http://john-coffey.i-networx.de/shy.gif[/img] |