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  Forum: Nebelpfade
    Thema: wenn dein Spiegelbild dich nicht erkennt...
rosenkindWas ist passiert? Eine Frage, die man sich oft im Leben stellt. Manchmal akkut, manchmal längerfristig, manchmal an andere gerichtet, manchmal an sich selbst. Und manchmal auch an ein riesiges univereselles etwas ohne Namen.

Heute stelle ich diese Frage, vielleicht an mich, vielleicht an andere, vielleicht auch an dieses Etwas. Manchmal passieren Veränderungen schleichend, so schleichend, dass man sie gar nicht bemerkt. Bis man dann eines Tages vor ihnen steht und mit der Nase draufgestoßen wird, bis man hinfällt und zu sich kommt und unter einem liegt ein Spiegel, der das eigene Gesicht zeigt, doch das Spiegelbild erkennt einen nicht mehr, weil man sich selbst zu fremd geworden ist.

Heute stehe ich vor dem Spiegel und frage: was ist passiert? Liegt es daran, dass die Pubertät nun endgültig zuende ist und in einem Monat auch keine 1 mehr vor der 2. Zahl meines Alters steht? Oder war es einfach nur der natürliche Lauf der Zeit?

3 Jahre ist es her, als ich der Welt, die man in manchen Gruppierungen einfach nur "Mainstream" nennt, den Rücken zukehrte, weil ich mich dort nicht mehr zuhause fühlte. Der Kleiderschrank wurde von Monatzu Monat schwarzer, die Zahl derjenigen, die genauso rumliefen im virtuellen Freundeskreis nahm zu und überhaupt: es war ein Bruch. Ja, Friedhöfe, man hatte als Kind doch solche Angst vor ihnen, wurden plötzlich interessant. Die Zeit verging, 3 Jahre lang, irgendwann war man auch nicht mehr das "kleine" rosenkind, dass in Augen durch die Nachtum Aufmerksamkeit kämpfte oder das reale Mädchen, dass Angsthatte, als Poser zu gelten. Man stand da - aufder anderen Seite der Bühne. Sogar die Einsamkeit im realen Leben wurde irgendwann torpediert durch das eigene Aktivwerden. Man war wirkliches Mitglied einer Subkultur, einer Szene. Die selbe Kleidung, die selbe Deko, die selben Hobbies und Gedanken... der selbe Trott.

Und dann grinst einen der Spiegel an und sagt: wer bist du denn? Bistdas noch du? Was ist passiert?
Bedeutet Gemeinschaft Selbstaufgabe? Ist Manipulation so geschickt? Ist nicht das passiert, was nie passieren sollte, was man nie wollte? Eingeschnürt sein in das Korsett einer Subkultur, die Identität abgeben an die Gruppenindentität?
Monatg Mittag. Ich sehe sie, ich fahre jeden Morgen mit ihr. sie ist nicht alleine, ein Typ in langem schwarzen Ledermantel und auch sonst schwarzer Kleidung istdabei. Er begrüßt mich freudig, ich kenn ihn nicht. Er freut sich eine "Gleichgesinnte" zu treffen und mich überkommt der Gedanke: "gleichgesinnt, wir kennen uns doch gar nicht!" ohne ihn auszusprechen. Istes jetzt passiert? Bin ich jetzt nur noch Repräsentant einer Subkultur? Austauschbares Rädchen im Getriebe? Ich schaue an mir herunter. Die "Mainstreamer" sind so austauschbar... und ich? Ich.... bin es auch. Ich mages, aber es ist so gleich... wo ist die Kreativität, die Individualität? Früher war ich einsam, seltsam, aber ich war vogelfrei, früher, da war ich nicht "der Gruftie", früher war ich "die Komische". Ich war ein Ich, auch wenn ich einen hohen Preis dafür zahlte. Heute laufe ich über Friedhöfe mit Leten, die genauso aussehen, genauso denken und genau dasselbe sagen. Wo bin ich? vogelfrei? Freigeist? Einzelkämpferin? Wieso kann ich im Moment kine Friedhöfe mehr sehen? Keine Gedichte mehr lesen? und ich wünsche mir nichts sehnlicher als einen regenbunten Wollpulli...

Eines ist klar: ich kann nicht zurück und will es auch nicht. Ich war da drüben in der "normalen" Welt fremd und meine Klasse zeigt mir jeden Tag deutlich, dass ich das immernoch bin. Aber ich möchte doch auch keine Puppe einer Szene sein. Was sagst du Spiegelbild?

glasnost und perestroika.... Wurzel und Flügel. Öffnung. Loslassen können, erweitern, nicht aufgeben. Wenn es doch so einfach wäre, vom Szenekind zur freien Advantgarde zu werden... wieder zu sich selbstzu finden, ohne zu verlieren, was man kennen und lieben gelernt hat und was einem doch zum Zuhause wurde.

Ein Zuhause, dass in diesen Tagen sinnlos erscheint, obwohl es so viel bedeutet. Aber die Sinnlosigkeit kommt ja nicht von der Sache selbst, sondern von der Glaswand des "schwarzen Überichs", das Sein und Schein trennt. Von jenen Strukturen, die unbemerkt wuchsen, weil man anderen gefolgt ist. Wertungsweisen, die man schleichend übernommen hat und die leider nicht so schnell zerfallen. Das macht es wertlos. Da macht man sich selbst austauschbar. Und die Menschen um einen auch, die ebenfalls nicht Mensch sein dürfen...

Liebes Spiegelbild, du hast mich nicht erkannt, als du mich anblicktest, ich hab dich nicht erkannt, als ich dich anblickte. Vielleicht sollten wir uns lang genug betrachen und eines Tages werden wir wieder die selben Züge tragen...

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