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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Heaven knows I´m miserable now...
VivaMoz!"Hol mich raus aus dieser Retro-Zentrifuge, diesem 24-Stunden-Deja-vu" heisst es so schön in einem Lied von Heinz-Rudolf Kunze. Wie stimmig! Ich habe (mal wieder) das Gefühl, als sei ein Großteil meines Lebens eine große, lange Endlosschleife von immer wiederkehrenden Ereignissen. Jeden morgen klingelt zur selben Zeit der Wecker, jeder Tag im Beruf erscheint wie der Vorherige, jeden Abend komme ich müde heim... und nach einigen Stunden muß ich wieder zu Bett gehen, damit ich am nächsten Tag aus dem Bett komme. Das Aufstehen fällt mir zunehmend schwerer... was habe ich schon groß vom Tag zu erwarten? Ach, wie mich das anstrengt. Und immer wieder am Abend die selbe Frage: soll das wirklich schon alles gewesen sein?
Wenigstens meine große Leidenschaft, das Lesen, bietet mir ein wenig Abwechslung. Und die vage Freude darauf, am Wochenende mit Freunden oder allein etwas zu unternehmen. Wobei das "allein" die immer häufiger gewählte Form ist. Meine Freunde bedeuten mir zwar viel, aber sogar dieser angenehme Kontakt ist mir von Zeit zu Zeit zuviel. "Our frank and open deeply conversations... they get me nowhere, they just bring me down, so... give it a rest, won´t you?"
Seltsam, wie das Leben manchmal an mir vorbeizugleiten scheint. Und noch seltsamer mutet es an, daß mich dies ärgert und gleichzeitig bin ich nicht willens, etwas daran zu ändern. Manchmal fühle ich mich selbst unter vielen Menschen wie in einem Elfenbeinturm, erhasche von Zeit zu Zeit einen Blick auf einen anderen Menschen, der ebenso melancholisch und schwermütig über seinem Bier hockt wie ich... ich habe Lust, diesen Menschen anzusprechen, fühle mich ihm verwandt... ein Blick kommt zu mir zurück, der zu sagen scheint: "Aha, noch einer ´unserer Art´"... und doch weiß ich, daß auch wir uns gegenseitig nicht helfen können.
VivaMoz!Manchmal denke ich, mein einziger Trost bestünde darin, daß das Leben nicht ewig dauert. Da ist zu viel, was mir Sorgen bereitet, zu viel, was mich mit Leere und Verzweiflung überflutet. Zu viel, was mich lähmt, als würde eine trübe Glocke über mir liegen... eine Glocke, die zwischen mir und der Freude steht. Sicher, da sind durchaus Momente der Freude... Momente, die mich fühlen lassen, daß ich eigentlich gern lebe. Aber von Zeit zu Zeit erscheint es mir so, als würde es immer schwerer für mich, diese Momente zu erleben. Diese lähmende Leere, die mich schwer werden lässt- warum muss sie mich immer wieder überfallen, warum muss sie mich gefangen halten? Ich hatte doch einmal das Gefühl, sie unter Kontrolle zu haben... ja, ich glaubte sogar, sie endlich aus meinem Leben vertrieben zu haben. Aber derzeit erscheint es wieder einmal so, als habe ich eine weitere Schlacht gegen sie verloren. Alles ist so trüb, so trist, so leer. Woher soll ich die Kraft nehmen, noch weiter dagegen anzugehen? Ratlosigkeit....
psychochickenEin Bild dieser Art habe ich schonmal benutzt, verzeih wenn ich mich dessen nochmal bediene:

Das Leben ist vielleicht vergleichar mit einem grauen trüben Etwas. Mann lebt es, indem man sich allerlei hineindenkt, indem man bunte Folien in das Grau hineinhält wie Fensterbilder vor einen Himmel. Und dann vergisst man, dass es nur Folien sind, man strebt von einem Farbfleck zum andern... Nur leider gelingt es nicht jedem, sich ständig etwas vorzumachen, wer gut ist im Denken wird zwangsläufig irgendwann wieder daran denken. Und man merkt auf einmal, was für ein dummes Spiel das Ganze ist, als würde man mit Kleinkindern ein Spiel nach ihren Regeln spielen, dass deshalb keinen Sinn mehr macht. Und dafür bekommt man kein Babysittergeld und kann nicht nach 3 Stunden gehen.
Es ist verdammt harte Arbeit neue Folien zu anzufertigen. Erst wenn alle wieder da sind hat man nicht mehr das Gefühl verarscht zu werden oder sich selbst zu verarschen.
Aber bedenke, wer weiß was in dem grauen Etwas steckt, was wir nicht sehen, bis wir eines Tages per Zufall die Hand ausstrecken und in etwas hineingreifen, das jenseits der Folien liegt. Solche Momente sind selten, aber umso schöner.
Aber ich denke es hilft vielleicht schon, nicht immer denselben Weg zu gehen...

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