| rosenkind | eigentlich sollte es ja ein schöner Abend werden. War es ja auch,nur gab es da einen ganz erheblichen Schönheitsfleck. doch erstmal von Anfang an. Es war vor etwa 2 Wochen, als ich dank einem Plakat erfuhr, dass eben an jenem gestrigen Abend im Stadttheater unserer Stadt eine Theaternacht mit den Ensembles verschiedener Theater Ags verschiedener Schulen der Stadt stattfand und das für grade mal schlappe 3 Euro Eintritt. Klar, dass ich das Mama weiterzählen musste. Und am nächsten Abend stand sie mit Theaterkarten vor mir. Also waren wir dort. Ein mutter-Tochter-Abend. Einer ohne die üblichen Meinungsverschiedenheiten und das Geplänkel, das wir sonst haben. Nein, es war einfach nur schön. wir genossen die Stücke der junge Akteure, lachten hier und da. So verging die Zeit. Um 21:00 gab es dann eine Pause (es war nicht die erste) und da wir nicht wussten, wann der letzte Bus fuhr noch wie die Nummer des Anrufsammeltaxis hieß, begaben wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle. Dass Deutschland inzwischen das Spiel gewonnen hatte, hatten wir bereits erfahren, weil die Moderatoren des Abends zwischen den Stücken den Spielstand verkündeten. So wurden wir schon einen Fuß vor dem Stadttheater mit dem lieblichen Gegröhle einer Gruppe junger Fußballfans empfangen, was mir ein Augenrollen entlockte und meine Mutter veranlasste, mir zu sagen, ich solle mich nicht aufregen. Aber gröhlende Fußballfans erlebt man in diesen Tagen ja täglich, weshalb das Gespräch damit schon beendet war. wir liefen weiter und der Lärm nahm eigenartigerweise mit jedem Schritt zu. noch erahnten wir nicht, was uns erwarten sollte. Doch wir bekamen es bald zu Gesicht. Fußballfans, so weit das Auge reicht. Das allein wäre ja nicht so schlimm gewesen. Aber es waren nicht einfach nur Fußballfans, es waren laute Fußballfans, um genau zu sein: sehr laute Fußballfans. Besonders die auf der Straße. Die fuhren nämlich in Autos. Und Autos besitzen Hupen und Hupen sind laut. Und wenn da mehrere Autos hintereinanderfahren macht das einen ganz schönen Lärm. Kennt man ja von Hochzeiten. Aber bei Hochzeiten hört der Spaß nach maximal 10 Autos auf. Aber hier kam ein Auto nach dem anderen. Es tat weh! meine Ohren schmerzten, ich hielt es nur aus, indem ich mir selbige zuhielt. Selbst das Geklappere meiner Tastatur heute morgen lässt mich empfindlich reagieren, weil ich den Lärm immernoch intus habe. Meine Mutter hatte sich inzwischen die Nummer des ASTs notiert und wir begaben uns auf den Weg zu einer Telefonzelle durch die Innenstadt. Weg vom Lärm, das tat gut. leider währte es nicht lange, denn die Telefonzelle lag genau an jener straße, von der ich eben berichtete. Erstaunlicherweise war es für einen Moment "ruhig", man hörte das Hupen abgemildert von jener Stelle, wo wir zuvor aufgebrochen waren und in mir wurde die Hoffnung wach, dass all diese Autos nur dort unten Hupen würden. doch denkste, denn in dem Moment fuhr eines mit wildem Gehupe n uns vorbei und ein zweites und ein drittes... meine Mutter schrie ins Telefon. Sie verstand nichts, auch der Telefonpartner nicht, zum Glück war das wichtigste schon geklärt. nachdem sie aufgelegt hatte, bezeichnete sie jene netten Herren, die so viel Rücksicht auf uns nahmen als "gemein" und regte sich auf. (wo sie mir doch immer sagt, ich solle mich nicht aufregen?1?) So eilig wie möglich ging es zurück ins Theater und wir genossen die letzte halbe Stunde (es war inzwischen 21:30) mit dem einfach besten Stück des Abends. Um 22 Uhr war der Spaß vorbei und wir machten uns wieder auf den Weg zur Bushaltestelle, zu jener, wo das AST uns um 22:30 abholen sollte und die leider dieselbe war wie jene, wo wir uns die Nummer aufschrieben. Die gewagte Hoffnung, die Freude der lärmenden Autofahrer hätte sich inzwischen insoweit gelegt, dass man einen Geräuschpegel um sich hat, der nicht für Ohrenschmerzen sorgt, wurde bald schon zerschlagen. Im Gegenteil, es war schlimmer geworden. Die Autos, die zuvor "nur" so laut waren, dass es mich wunderte, warum nicht ein langer Zug weseter Körper vom Altstadtfriedhof quicklebendig in die Innenstadt pilgerte (ja, es war wirklichzum Tote aufwecken) und das in einem nicht abreißenden Band, nein, die Autos waren inzwischen auch zum wirklichen Verkehrshindernis geworden. Ein wagen zog an uns vorbei, der den Kofferraum geöffnet hatte und auf der Fläche saßen 2 Jugendliche und ließen die Beine Richtung Straße baumeln (und denkt ja nicht, der Wager sei langsam gefahren und die beiden Herrschaften in irgendeiner Art und Weise gesichert gewesen!) bei einem anderen (einem Cabrio?) standen gleich mehrere Personen und auch dieser fuhr nicht langsam, die allgemeine Sauffreudigkeit und das Benehmen der Fußballfans zu Fuß, legte sogar die Vermutung nahe, dass auch alle in den Autos, auch die Fahrer, genügend Alkohol im Blutgehabt haben dürften, um eigentlich kein Fahrzeug mehr zu fahren. Besonders keines, in dem unangeschnallte Leute sitzen, wo eigentlich keine Sitzplätze sind und stehen, wo man eigentlich sitzen muss. Die Schlussfolgerung, dass diese Lärmbelästigung schon mindestens eine Stunde ununterbrochen so gehen muss, ließ mich tiefes Mitleid mit den Anwohnern und den Restaurant- Cafe-Kneipen- und sonstiges Besitzern um die Straße empfinden. ich will nicht wissen, wie viele Stunden sie diesen Dauerlärm ertragen mussten. Weil wir och 20 Minuten Zeit hatten, liefen wir noch etwas durch die Stadt. Der Spaziergang erinnerte an eine Liedzeile: "walking on broken glass". Überall zertrümmerte Bierflaschen... sogar ein eingeschlagenes Schaufenster. Und Gegröhle, hier, da überall. Als wir zuückwaren und das AST hielt, gesellte sich ein sehr "netter" junger Fußballfan zu uns, um uns etwas sehr wichtiges mizuteilen. Um genau zu sein, blieb er seitlich von uns stehen, nahm eine Oran-Utan-Kampfhaltung ein schrie aus Leibeskräften "DEUTSCHLAND" meiner armen Mutter ins Ohr, wobei ich fürchte, es hat mir gegolten, weil dieser Typ meinem alter höchstens 4 Jahre entfernt war. Wie dem auch sei, reichte diese r nette Monolog aus, für eine Sekunde mein Ohr gänzlich zu betäuben, da kam schon ein lieber Freund von ihm, um seinen Kumpel tatkräftigzu unterstützen und wiederholte das Ritual mit einem anderen Wort, kam aber nicht auf die selbe Lautstärke (zum Glück). Was diese Unterredung sollte, erklärte uns dann der 3. im Bunde, der uns - zum Glück in normaler Ruflautstärke - erklärte: "Du bist nicht Deutschland". Schön, dass ich kein Land mit 16 Bundesländern bin, wusste ich auch, bin auch viel zu klein dafür. Aber was wollte er uns damit sagen. Sollte dieses ohrenbetäubende DEUTSCHLAND etwa dazu gedient haben, mich von dieser WM zu überzeugen? Jungs, wenn das so funktioneren würde, warum werd ich nicht ständig angebrüllt, wenn ich Werbung schaue? Meine Mutter erzählte zuhause noch den ganzen Abend, wie weit der erste von den 3 seinen Mund aufgerissen hast.. so weit... wie dem auch sei, wir stiegen ins AST und fuhren los. Vor dem Wagen vor uns wurde bald ein Auto sichtbar, ein Jeep mit einem Anhänger, auf dem Jugedliche saßen und die Beine zur Straße baumeln ließen ungesichert und in normalen Tempo. links und rechts Fahnen, Leute standen und gröhlten. Den heimlichen Wunsch, dass einem dieser Gefahrenautos irgendwo was passieren würde, dass sich eine Person verletzt, nicht schwer natürlich, aber genug für den Denkzettel, dass man so nicht autofahren kann, behielt ich für mich. Die Stadt zog an uns vorbei. Die Auztos bogen ab, wurden weniger und es gesellten sich nach und nach sogar einige Wagen zu uns, aus deren Fenstern keiner Flaggen oder Menschen hingen. Und am Ende waren wir alleine auf der Straße. Die Ruhe tat gut, meine armen geschädigten Ohren erholten sich langsam, was blieb, war Kopfweh. Aber diese Ruhe, dies eRuhe war fantastisch. Endlich akmen wir zuhause an. Wir steigen aus. die kühle Nachtluft drängte sich in meine Lungen. keine hupenden Autos, keine glasscherben, keine Deutschlandgröhler. nur die reine, leise, dunkle Nacht. ich ging ein paar Schritte und dachte: "hura, wir habens geschafft" und damit meinte ich sicher nicht das 2:0 für Deutschland |