German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 
  Forum: Nebelpfade
    Thema: Innere Widersprüche...
SolanumSacrificInnere Widersprüche…

...fangen schon bei dem Gedanken an, ob man überhaupt diese Zeilen schreiben soll oder nicht. Wer liest sie, wen interessiert es, mehr noch: Warum schreibt man sie, was erhofft man sich?
Das Leben ist ok, alles läuft voran, man ist motiviert und euphorisch. In der nächsten Minute verliert man sich in einer Leere ohne zu wissen warum und weshalb. Kein Gedanke lässt sich klar fassen, resigniert verfällt man in Lethargie. Man findet keinen Schlaf – bis man tief in der Nacht doch den Träumen verfällt. Und irgendwann am nächsten Morgen erwacht man wieder. Manchmal hat sich nichts geändert. Manchmal ist aber auch alles wieder ok, voller Tatendrang begibt man sich in den neuen Tag, bestrebt, das Bestmögliche daraus zu machen.

Das Leben an sich, so wie es dahin streicht, hängt selbst von diesen Widersprüchen ab.
Man beginnt sich selbst zu reflektieren. Einmal fühlst du dich erhaben, nichts kann dich berühren. Du stehst über den Dingen, hast einen klaren Blick, alles fließt. Deinem Umfeld geht es relativ gut, deine Familie steht hinter dir, du hast Freunde, an die du dich wenden kannst, deinen immer neu gesteckten Zielen kommst du Tag für Tag näher. Du glaubst an Liebe und menschliche Nähe. Du fühlst dich gut. Das andere Mal – und es kann schon der nächste Tag sein - zweifelst du alles an. In deinem Umfeld gibt es erschreckende Dinge, deiner Familie kannst du nichts offenbaren, deine Freunde melden sich nicht, interessieren sich nicht für dich, niemand, an den man sich wenden könnte, Leere statt Liebe. So viele Dinge solltest du tun und findest weder Ruhe noch Zeit, der Alltag wird zur Last.
Das einzig wirklich Interessante ist die Frage, welche Seite sich wohl am nächsten Tag zeigen mag. Die Widersprüche leben weiter.

Dann begegnet man Menschen, die nicht klagen, stets über allem stehen, auf dich herabblicken, laut kundtun dass sie niemanden suchen der sich in Selbstmitleid verliert. Sie scheinen stark. Aber auch missachtend.
Und du begegnest Menschen, die melancholisch, gar depressiv wirken. Zu dir aufblicken, laut kundtun, dass sie nach Verständnis suchen. Sie scheinen schwach. Aber auch wohlwollend.
In Wahrheit scheinen mir beide schwach. Die Ersten, weil sie sich vor sich selbst verstecken, vor den Abgründen, die jedem innewohnen. Sie werden früher oder später auch fallen, aber sie werden unvorbereitet sein. Die Zweiten, weil sie nicht tief genug in sich blicken, denn dort würden sie auch Wege finden, die nicht mit Steinen belagert sind. Sie würden eine Kraft in sich finden, die ihnen Stärke gibt.

Früher oder später erkennt man, dass die zwei beschriebenen Menschen Teil deiner Selbst sind. Wie das Gleichgewicht finden? Widersprüche…

Du begegnest Menschen. Manchmal geht es dir gut, du motivierst sie, unterstützt sie, beschützt sie. Manchmal kannst du es nicht, begegnest ihnen gar nicht erst, weil du niemanden begegnen möchtest.

Aber es wäre falsch bei einer banalen Polarisierung von „gut“ und „schlecht“ stehen zu bleiben. Oft helfen einem Menschen, denen es selbst nicht gut geht, mehr. Es sind die letzten Ideale, die hinter dem Menschen bleiben. Verständnis, Toleranz, Ehrlichkeit.
Aber auch: Kraft und Mut, direkt zu bleiben. Sensibilität und Achtsamkeit, nicht zu direkt zu werden. Innere Verbundenheit, im rechten Moment das rechte Maß zu zeigen.
Und die Kraft, die Widersprüche als solche zu verstehen und zu akzeptieren, sie zu einer belebenden Energie zu erheben – denn alles gehört zum Mensch-Sein.

Die inneren Widersprüche finden sich überall in der Welt. In jedem Menschen. Sie scheinen eine treibende Energie, aber auch eine gefährliche. Menschen missachten, hassen, bekriegen sich. Liebe wird zur Utopie. Vielleicht ist aber auch das nur Schwarzmalerei. Menschen achten aufeinander, zeigen Verständnis und sind füreinander da. Vielleicht ist aber auch das nur Naivität. Man trifft sich wieder in der Mitte. Man stellt für sich selbst fest, dass auch die Welt übervoll von absurden Widersprüchen ist.

Und die Sehnsucht wächst, Menschen zu finden, die sich nicht vor all den Widersprüchen verstecken sondern versuchen, sie zu jener belebenden Energie zu erheben, die zum Mensch-Sein gehört.

Und wenn die Hoffnung nicht ins Absurde verbannt wird, hält man an dem Glauben fest, Menschen zu finden, die dir in schlechten Momenten zur Seite stehen, so wie du ihnen zur Seite stehst – die aber ebenso auch die guten Momente schätzen und diese, wie du, in immer wieder neuer Energie zu entfesseln vermögen.
Und wenn die Hoffnung nicht ins Absurde verbannt wird, hält man an dem Glauben fest, einem Menschen zu begegnen, der die absurde Welt mit dir teilen möchte.

Nur manchmal… scheint die Hoffnung selbst absurd.

Innere Widersprüche…
...fangen schon bei dem Gedanken an, ob man überhaupt diese Zeilen schreiben soll oder nicht. Wer liest sie, wen interessiert es, mehr noch: Warum schreibt man sie, was erhofft man sich?
Man ist viel zu stark um sich in die breite Flut derer zu stürzen, die vergeblich nach menschlicher Nähe suchen. Man ist zu stolz, um laut nach Idealen zu rufen, die längst verloren scheinen. Das ist banal, lächerlich. Dies hat nichts mit Stärke zu tun, und der Stolz ist allenfalls ein falscher.
Wer die Absurdität des Daseins erkannt hat scheut sich nicht mehr, bewusst menschliche Nähe zu suchen. Er glaubt an die letzten Ideale. Er entspricht nicht der Masse, die sich in Melancholie verliert und hilfesuchend Nähe herbeisehnt, sich selbst dabei gar aufgebend.
Er entspricht auch nicht der Masse, die sich in Erhabenheit verliert und Nähe gar nicht zu suchen braucht, sich selbst dabei verleugnend.
Und deshalb… scheue ich mich nicht, offen nach Nähe und Verständnis, ja nach all den Idealen zu suchen.
Ich tue es aus der inneren Einsicht heraus, dass der Mensch mehr ist als er scheint.

Die Widersprüche leben.
herbstliebelieber j.,

du hast das leben sehr schön beschrieben. leider ist der, der offen ist, auch leicht verwundbar. besonders, was das emotionale betrifft. ich wünsche dir viel kraft und, dass du nicht mitten auf deinem weg wendest.

liebe grüße

c.
SolanumSacrificIch danke dir.
doGGma...das Leben-schön beschrieben!Ich steh' gerade mittendrin..und es schmerzt..
Mit meinen 33 Lenzen sollte ich meinen gefestigt zu sein..ein wenig gewappnet für so manche Situation,gerade in der Gefühlswelt-guten Morgen!!Ich wäre manchmal gern jene Person,die die Augen verschließen kann vor allen negativen,belastenden Momenten,die mich fast zwingen hinzuschauen..mich damit auseinanderzusetzen.Alles wird gut-oder doch nich..heute vielleicht..was ist Morgen?!?Ich habe einen Menschen getroffen der alles auf den Kopf stellt.Gefühle machen sich breit mit denen ich nicht mehr weiß umzugehen.Früher vielleicht-heute habe ich Familie und ich muss mich damit auseinandersetzen-irgendwie.Ich befinde mich im freien Fall.Mich auf mein jetziges Leben zu konzentrieren fällt schwer-Verpflichtungen nachkommen,die mich einer guten Mann/Vaterrolle gerecht werden lassen.Es gibt kein uns mit "meiner" Schwarzen Elfe.Sie,die mir den Verstand raubt..es nicht einmal weiß.Habe so viel zu sagen und weiß nicht wie....Gedanken für eine einsame Nacht,geschrieben an einen sonnigen Nachmittag....mitten im Leben.....

alles Gute...
doGGma

German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 

German Gothic Board

Startseite Chat Grüße SchwarzKultur