| Idril | Mein ganzes Leben schon wandle ich auf Nebelpfaden. Als ich klein war, so sechs, sieben Jahre alt war ich anders als die anderen Kinder. Warum das so war hat nie jemand erklären können. Meine Eltern wussten nur das ich Probleme hatte in der Schule. Nicht mit den Leistungen, im Gegenteil, die Lehrer berichteten von einem neugierigen, aufgeweckten Kind, das gern am Unterricht teilnahm, sich lebhaft an Gesprächen beteiligte und gute Noten schrieb. Aber auch von einem Kind, das von den anderen nicht akzeptiert wurde, gehänselt wurde und in keine Gemeinschaft aufgenommen wurde. Meine Mutter sprach stundenlang mit Lehrern, anderen Eltern, dem Direktor, Ärzten, Psychologen. Sie ging mit mir zu Therapeuten die ihr sagten, sie hätte ein geistig absolut gesundes Kind das auch sonst normaler hätte nicht sein können... Aber dennoch, die Pausen waren meine persöhnliche Hölle. Sie jagten mich so lang bis ich mich weinend im Klo einschloss und selbst da schauten Mädchen über oder unter den Türen hervor und beschimpften mich, machten sich über mich lustig. Ein Klassenwechsel half nicht. Erst auf der weiterführenden Schule wurde es besser und man sagte sich "Kinder! So sind Kinder eben. Sie werden älter und es wird besser. Es ist vorbei." Aber es war nicht vorbei. Ich trug Gefühle und Gedanken mit mir rum, die mich auffrassen, weil ich sie in mir einsperrte aus Angst davor wieder verlacht und verstoßen zu werden. Ich versuchte mich anzupassen und machte mich lächerlich. Ich weiß wie ich denken sollte, mich verhalten sollte, mich fühlen sollte. Aber es nutzt nichts, so sehr ich es auch versuche, es geht nicht. Ich bin ich. Aber wer bin ich? Wie definiert man sich? An einem Tag veränderte sich mein Leben radikal. Eines Abends spät klingelten zwei Polizisten an unserer Tür mit etwas in der Hand, das ich augenblicklich erkannte und das mir alles erklärte, was am Abend geschehen war- im Bruchteil einer Sekunde - bevor mein Vater mich hatte in mein Zimmer schicken können. Als er mich wieder zu sich rief und er zu mir sagte "Deine Mutter hat einen Unfall gehabt, sie ist tod" hatte ich längst begriffen das sie ihr Leben beendet hatte und ich sie nie wieder sehen würde. Das hat mich aus der Bahn geworfen. In einen Strudel aus Trauer und Schmerz der mich beständig herabzog. Tiefer und tiefer. Und ich ließ mich ziehen und verlor mich endgültig. Auf Nebelpfaden wandle ich auf der Suche nach mir selbst. In mir steckt ein kleiner Dorn, der sich nicht herausziehen lässt. Die Trauer. Diese seltsame Melancholie die mich schon als kleines Mädchen unausstehlich für die anderen Kinder machte und die dazu beitrug das mich der Tod meiner Mutter so krank gemacht hat. Die Melancholie zieht sich durch mein Leben wie ein roter Faden und macht es mir schwer. Mittlerweile habe ich zwei Kinder und einen Verlobten. Menschen die mich unendlich glücklich machen. Ich habe eine Familie und ein eigenes Leben das gar nicht mal schlecht läuft. Es könnte alles so wunderschön sein. Wäre da nicht diese verdammte Melancholie, dieser Schatten, der mich ständig verfolgt und mich, egal was ich tue nicht verlassen will. Mein Leben ist ein Leben im Nebel. Ich frage mich tausendmal WARUM?! WARUM kann ich nicht einfach glücklich sein. Warum drängt sich mir immer ein "aber" auf wenn doch eigentlich alles super läuft?! Warum kann ich nicht lachen und mich freuen? Und WARUM zum Geier weiß ich immer noch nicht wer ich bin? Was mich zu dem Menschen macht der ich bin? Ich stehe mitten im Nebel, ohne jede Orientierung. Schaue auf meine Vergangenheit und auf meine Zukunft und frage mich nach dem Ursprung und nach dem wohin... Vielleicht geht es anderen genauso wie mir? Vielleicht bin ich wirklich krank? Vielleicht vielleicht vielleicht... keine konkreten Antworten. Überhaupt nichts konkretes mehr. Ich hab keine Ahnung mehr was ich denken soll oder was ich fühle. Ich bin nicht leer, aber ich kann nichts genau beschreiben. Ich bin weder richtig wütend noch richtig traurig. Noch bin ich einsam oder gehts mir richtig schlecht. Mir gehts nur nicht richtig gut. Ich fühl mich nicht lebendig, nur auch noch nicht tot oder leer. Wenn mich meine Kinder nicht vermögen glücklich zu machen, weder Therapien, noch Tabletten, noch ein liebender, fürsorglicher Mann, der alles für mich tun würde...... wer dann? |
| fragment | Hallo Idril. Dieses [b]aber[/b] ist mir wohl bekannt. [i][b]Aber[/b] da ist doch noch was...[/i] Nur was? Ich frage mich manchmal, ob das einfach ein Muster ist. So wie wir lernen, dass 1+1 unweigerlich 2 bedeutet, prägen wir uns ein, dass da noch ein "Aber" sein muß...einfach, weil es lange Zeit so war. Man kämpft gegen Unsichtbares. Fühl dich gegrüßt... fragment |
| Fallen Star [y] | [QUOTE][i]Original geschrieben von Idril [/i] [B]Wenn mich meine Kinder nicht vermögen glücklich zu machen, weder Therapien, noch Tabletten, noch ein liebender, fürsorglicher Mann, der alles für mich tun würde...... wer dann? [/B][/QUOTE] Ich erlaube mir, dir eine Antwort darauf zu geben: du selbst. Nicht die Menschen um einen herum bringen einem Seelenheil - das kann man nur selbst. Dennoch können wichtige Personen ihren Teil dazu beitragen. Noch eine kleine persönliche Anmerkung: was dich ausmacht, ist, was ich aus diesem deinem Beitrag herauszulesen vermag, ein Talent für Selbstreflexion, Ausdauer und die Fähigkeit, Gedanken präzise in angenehme Worte zu verpacken. Das ist schon eine ganze Menge und außerdem mehr, als viele andere besitzen. Bewahre dir diese Eigenschaften gut. Schutzengel hat es auch sehr schön formuliert: [QUOTE]Sieh mit deinen wachen Augen die Dinge die du hast,...die dir Glück schenken.[/QUOTE] Auch fragments Theorie über das ,,Aber-Muster" halte ich für einen wertvollen Gedanken, den jeder für sich ausschöpfen sollte. Dir, Idril, wünsche ich einen guten Start in die Nachtwelten und sowohl dir als auch den anderen Postern viel Liebe und Kraft. Liebe Grüße, Fallen |
| Idril | Ich danke euch! Eure Antworten geben Zuversicht und dafür danke ich euch sehr. Heute ist ein neuer Tag Jeden Morgen wenn ich aufwache sage ich mir das und jeden Abend, wenn ich den vergangenen Tag an mir vorbeiziehen lasse und feststelle das er wieder mal mehr mies als alles andere war sage ich mir Und morgen ist ein neuer Tag Dieser Satz birgt Hoffnung und die Aussicht darauf das weitermachen, weiterkämpfen das Einzige ist was helfen kann. Jeder Tag als kleinen Neuanfang Jeden Tag als kleines Wunder in dem alles passieren kann. Alles Gute und alles Schlechte. Vielleicht werde ich irgendwann siegen und verstehen warum ich, warum dieses Gefühl und was dieses Gefühl überhaupt ist. An einem neuen Tag werde ich vielleicht einmal meine Antworten finden. Vielleicht auch erst an meinem letzten Tag, wer weiss. Ich habe nie wirklich verflucht anders zu sein. Ich empfand mich immer als etwas besonderes, jemand der Goth sei Dank ;) nicht in diese Masse passt, die konsumorientiert angepasst durch diese Welt stapft und die Augen vor allem verschließt was anders ist als ihre Moral, ihrer Wertvorstellung und ihrer durch Medien vorgefertigten und überall gepredigten Meinung. Es ist schwierig nicht wie sie zu sein. Familie und Freunde zu verlieren weil sie einen nicht mehr versteht oder man sie nicht mehr. Es ist einsam. Und dazu kommt noch der Preis den man zahlt. In meinem Fall scheint es, als hätten sich Trauer und Freude getauscht und ich empfinde sie immer dann, wenn andere das Gegenteil spüren. Ich werde jetzt gestärkt mit der Zuversicht, die ihr mir geswchenkt habt meinen Tag beginnen und versuchen, wieder mal alles besser als gestern zu machen und zu siegen...... |
| TheTurningPoint | [QUOTE][i]Original geschrieben von Idril [/i] In mir steckt ein kleiner Dorn, der sich nicht herausziehen lässt. Die Trauer. Diese seltsame Melancholie die mich schon als kleines Mädchen unausstehlich für die anderen Kinder machte[/QUOTE]Liebe Idril, Wahrscheinlich lässt sich dieser Dorn nicht herausziehen, weil es kein Fremdkörper, sondern ein Teil von dir ist? [COLOR=limegreen]"Bis ich merkte, dass ich doch nur eure Hälfte in mir liebte, opferte ich so viel Zeit - ohne mich zu kennen. Zu viel Liebe gab ich für Andere, aber keine für mich"[/COLOR] lauten Zeilen aus "The Turning Point" [URL=http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&postid=1350999#post1350999](siehe hier).[/URL] [QUOTE]Es könnte alles so wunderschön sein. Wäre da nicht diese verdammte Melancholie, dieser Schatten, der mich ständig verfolgt und mich, egal was ich tue nicht verlassen will. [/QUOTE]Wenn dieser "Schatten" ein Teil von dir ist, dann fliehst du vor dir selbst, wenn du versuchst, vor ihm wegzulaufen. Wenn du allen deinen Mut zusammennimmst und der Melancholie ohne Angst ins Gesicht schaust, dann stellst du vielleicht fest, dass sie schön ist. [QUOTE]WARUM kann ich nicht einfach glücklich sein. Warum drängt sich mir immer ein "aber" auf wenn doch eigentlich alles super läuft?! Warum kann ich nicht lachen und mich freuen? [/QUOTE]Wahrscheinlich spürst du nur viel stärker, dass Alles vergänglich ist, dass schöne Momente nicht von Dauer sind. Um so wichtiger ist es, die schönen Augenblicke zu genießen. Warum soll man unbedingt lachen, wenn man glücklich ist und sich freut? Sind Freudentränen nicht ehrlicher? Bei einem Konzert von [URL=http://www.amazon.de/gp/product/B0001VG372]Dark Sanctuary[/URL] habe ich mal die Hälfte der Zeit geheult - weil die Musik einfach unsagbar schön war. [QUOTE]Wenn mich meine Kinder nicht vermögen glücklich zu machen, weder Therapien, noch Tabletten, noch ein liebender, fürsorglicher Mann, der alles für mich tun würde...... wer dann? [/QUOTE]Wie Einige schon schrieben: Du selbst, wenn du dir selbst Liebe gibst, dir selbst Gutes tust (egal was Andere darüber reden und denken). [QUOTE]Es ist schwierig nicht wie sie zu sein. Familie und Freunde zu verlieren weil sie einen nicht mehr versteht oder man sie nicht mehr. Es ist einsam. Und dazu kommt noch der Preis den man zahlt. In meinem Fall scheint es, als hätten sich Trauer und Freude getauscht und ich empfinde sie immer dann, wenn andere das Gegenteil spüren. [/QUOTE]Dass du nicht wie Andere bist, ist ein Beweis dafür, dass du einzigartig bist. Wenn du gefunden hast, was dir gut tut, dann lasse die daran teilhaben, die du liebst und die dich lieben. Du wirst sehen: sie werden dich verstehen. |