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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Kleine Geschichte zum Thema “Krieg ist Terrorismus mit mehr Kapital”
KlausEs war eine regnerische und stürmische Nacht, das einzige was zu einer dramatischen Einleitung fehlt wären die obligatorischen Blitze und der damit verbundene Donner. Wie um diesen Mangel wett zu machen gab es jedoch jede Menge Donner und Licht in Form von Feuerwerk, denn es handelte sich um die ersten Stunden des Jahres, ungefähr 2007 Jahre nachdem ein sehr populärer Mann an ein Kreuz genagelt wurde (mein „Tibute to Douglas Adams“).

Als sollten wir an jene Zeiten zu erinnert werden in denen die Menschen sich noch nicht so stark vom Tier unterschieden, hallten barbarische Schreie, wie das wahnsinnige Wehklagen eines Chores der Verdammten durch die Häuserschluchen der Stadt. Viele Menschen wankten –aus Horrorfilmen entsprungenen Zombies gleich- besessen von den Dämonen des Alkohols durch die Straßen Heidelbergs. Und unter ihnen wanken auch wir… ein paar Jugendliche die in die Stadt gefahren waren um dort Silvester zu feiern. Was die Details betrifft so bin ich mir nicht mehr so sicher… weniger weil auch in meinem Verstand der Alkohol wütete, als vielmehr weil mir vieles nicht wichtig erschien. Aber folgendes erschien mir doch als wichtig:

Nachdem wir eine Weile - ich weiß nicht wie lange, denn Zeit ist relativ an einem Ort an dem so viele Menschen und so wenig Verstand versammelt sind- durch die Stadt gelaufen waren, begegneten wir einer Gruppe, die vom Erscheinungsbild her ähnlich bunt gemischt war wie unsere eigene: Da waren: Ein langhaariger Metal-Freak, ein Konformist in irgendwelche Markenklamotten gewandt und ein Punk. Keiner der Drei war wirklich bemerkenswert. Wir unterhielten uns kurz, der Punk bezeichnete mich aufgrund meiner geringen Begeisterung für seinen Humor als „Scheiss-Metal-Emo“ (Naja immerhin was den Metal anging hatte er recht), aber das einzige was mich im Nachhinein interessierte war eine der Parolen die er auf seine Jacke aufgenäht trug. Vermutlich hat jeder schon mal eine dieser typischen Punk-Jacken zu Gesicht bekommen, sie sind gespickt mit Aufnähern, wie man sie z.B. beim Nixgut-Versand bestellen kann. Auf einem stand die ziehmlich bekannte Parole: „Krieg ist Terrorismus – mit mehr Kapital“. Ich glaube nicht, dass der Punk wirklich wusste wie viel Wahrheit in diesen Worten enthalten war. Ich hingegen sollte es in den nächsten Stunden erfahren.
Wir ließen Punk, Konformist und Metal-Freak zurück und setzten unseren Weg fort. Schließlich begegneten wir einem Typen der nur Englisch sprach (40% der Leute die zu dieser Zeit in Heidelberg unterwegs waren schienen nur Englisch zu sprechen) – was uns aber nicht weiter davon abhielt uns mit ihm zu unterhalten. Es stellte sich heraus, dass er ein amerikanischer Soldat und darüber hinaus ein Mann von großer Weisheit und Güte war. Er erzählte uns, er müsse für seinen Bruder sorgen weil sein Vater getötet wurde und der Rest der Familie nur an das eigene Wohl dachte. Er selbst hasste Bush und wäre absolut gegen den Krieg, er diente der Army nur um seinen Bruder und sich selbst zu ernähren. In seiner Stimme hörte man einen Unterton von kindlicher Angst und in seinen Augen sah man die Verzweiflung die ihn –trotz seiner Stärke- quälte.

Ich dachte über das Gehörte und das Gesehene nach. Oft schon hatte ich in Wort und Schrift vernommen, dass die islamistischen Terror-Organsiationen nur deshalb so viele Rekruten finden, weil die Menschen aufgrund ihrer Armut so verzweifelt sind. Es ist viel leichter einen Mann dazu zu überreden sein Leben zu geben, wenn die Familie dieses Mannes hungert und man ihm verspricht für sie zu sorgen. Da ist der felsenfeste Glaube an Allah, die 7te Himmelsstufe und an die dort wartenden Jungfrauen nicht zwingend notwendig.

Und letztendlich ist es bei den Amerikanern nicht anders. Wenige Reiche werden durch die Kriege noch reicher, während die Armen immer ärmer werden, was es wiederum leichter macht sie dazu zu bringen ihr Leben in einem weiteren Krieg zu riskieren. Die Kosten des Krieges lasten wohl kaum auf den Konten der Ölmilliardäre (Oh nein, wieder das verbrauchte „Blood-for-Oil-Gejammer! Ich kann es nicht lassen.) und anderer Groß-kapitalisten welche am Krieg verdienen und durch das Finanzieren der Wahlkämpfe entscheiden, wer Präsident sein darf und wer nicht. Vermutlich wird der Krieg eher durch Einbußen am Sozialwesen finanziert, was wieder zu wachsendem Elend und größerer Verzweiflung führt… der Teufelskreis ist geschlossen.

Ich nehme an der Punk hat den Sinn der Parole die er mit sich trägt vielleicht noch immer nicht wirklich verstanden. Ich hingegen habe sie verstanden. Und es hat mich beeindruckt, wie eine Parole die zuerst leer wirkt – man versteht zwar was gemeint ist hält die Aussage für wahr, aber man hat es einfach noch nicht erlebt - sich plötzlich an der nächsten Ecke mit Sinn füllt.

Zu diesem Text: Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich hier vermutlich keine großartigen neuen Erkenntnisse vermittle, ich dachte mir einfach es ist ein schöne Geschichte, bzw. ein schöner Bericht, denn jedes Wort ist wahr.

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