| Lady Morgue | es ist halb 5 uhr morgens, als es mir meine schlafstörungen nicht mehr möglich machten weiter etwas ruhe zu finden. dabei hätte ich doch ausschlafen können. ich wanke leise die treppe im halbdunkeln runter, um etwas zu trinken zu holen. wahrscheinlich nicht leise genug, denn prompt kommt ella, die mal wieder hier genächtigt hatte, angepoltert und vergisst durch ihre begrüßungsfreude natürlich die blase anzuhalten. leise schimpfend und fluchend knie ich auf dem boden um alle pissflecken auf dem teppich zu reinigen, während sie derweil treu und brav neben mir sitzt und zu schaut, wie ich ihr malheur beseitige. blöder hund. "magst auch nicht mehr schlafen hm?" frage ich sie, ohne eine antwort zu erwarten. ich zieh mir also schuhe und jacke an um ella nochmal raus zu lassen, denn ein weiteres mal möchte ich nicht putzend auf dem boden knien. es ist noch dunkel draußen. nein heute gehen wir einen anderen weg als sonst. einfach so. es hat in der nacht geregnet und die feuchtigkeit der strassen steigt in kleinen nebelschwaden empor. schnecken scheinen gut zu schmecken, zumindest ist es bereits ellas zweite, die sie fröhlich vor sich hin "knuspert". welpe/hund müsste man sein, um das zu verstehen... fast überall ist es dunkel, nur vereinzelt lichter in den häusern. normalerweise gehe ich nur wenn es nötig ist durchs dorf, aber noch sind die straßen menschenleer. wir komme an meiner alten grundschule vorbei und ich beschließe einfach nochmal auf den schulhof zu gehen. "herzlich willkommen" prangen große bunte papierbuchstaben über dem fenster der eingangstür. ein überbleibsel aus der zeit, als dieses gebäude noch nicht leer stand. der sandkasten ist längst mit unkraut überwuchert und man sieht, dass hier lange keine kinder mehr gespielt haben. aber die märchenfiguren, die unsere klasse damals als projekt an die hauswände malen durfte, sind immer noch da. sternentaler, das weiß ich noch, ich durfte das mädchen aus "sternentaler" ausmalen. ein kleines blondes mädchen, das mit ihrem weißen nachthemd die sterne vom himmel auffing. blonde glatte haare fand ich früher immer toll. aber warum eigentlich? vielleicht weil ich früher immer anders sein wollte als ich es war, nie wirklich mit mir selber zufrieden war in irgendeiner form? oder vielleicht auch weils mir damals schon tierisch auf die nerven ging von fremden alten omas am kopf betatscht zu werden und dann zu hören "ach kind hast du aber schöne haare/locken". nein hab ich nicht und ich habe es noch mehr gehasst von fremden einfach so angegrabbelt zu werden ohne mein einverständnis(auch wenns vielleicht nett gemeint war, ich mochte es nicht)! das hat sich bis heute nicht geändert. gut, heute traut sich das kaum jemand, da wechseln sie teilweise die sogar strassenseite, damit kann ich leben. aber bin ich heute eigentlich zufrieden mit mir? ich weiß es nicht. es gibt immer noch die tage an denen ich mich selber nicht leiden mag so wie ich fühle, denke, handle, ganz einfach bin. aber die hat wohl jeder. dann gibt es tage die man vielleicht mit abfinden beschreiben könnte? aber warum verdammt fällt mir kein moment ein an dem das gegenteil der fall wäre? wir gehen weiter und gelangen an eine kleine kreuzung. wir könnten zum friedhof gehen und oma besuchen, aber mit einem hund auf eine ruhestätte zu gehen widerstrebt mir, noch möchte ich ella alleine irgendwo angebunden lassen. also schlagen wir den linken weg ein. "ach oma..." fast einen monat ist sie schon fort und es kommt wieder einer dieser momente in der mir bewusst wird, wie sehr sie mir fehlt...immer war sie da, mein ganzes leben lang... verdammt warum hab ich keine taschentücher bei mir? scheiß drauf, es ist dunkel und die straßen sind immer noch leer, wer sollte dich also heulen sehen? einen schritt vor den anderen gesetzt, weiter gehen und gedanken und erinnerungen fließen/gleiten lassen. irgendwann haben wir das dorf hinter uns gelassen und weite felder und wiesen erstrecken sich und der duft von heu liegt in der luft. schön ist es hier und nur das singsang der vögel begleitet uns. früher waren wie hier oft spazieren, die ganze familie, zu jeder jahreszeit und immer hatte diese gegend einen gewissen reiz auf mich ausgeübt mit den hügeln,bergen und tälern, den wiesen und wäldern. ich bin gerne hier. was für mich altbekannte wege sind, ist für ella augenmerklich neuland. eifrig ist sie damit beschäftigt jeden geruch und jedes geräusch am wegrand wahr zu nehmen, von jeder regenpfütze mindestens einmal zu "kosten" oder wenigstens mit den kleinen pfötchen darin rum zu panschen. so bemerkt sie auch nicht den grauen fischreiher der neben uns regeungslos auf der wiese steht und scheinbar heute maus statt fisch als mahlzeit vorzieht. nein hier hat sich nicht viel verändert, selbst die alte birke in der mein vater schon in kindertagen rum geklettert ist, steht noch dort. wie spät es wohl grade ist? hab weder uhr noch handy mit, doch vermissen tu ich beides nicht, ich besitze nicht mal eine armbanduhr.vor uns erstreckt sich der waldrand der noch von den letzten regenwolken behangen ist. wir könnte weiter gehen zu den teichen oder zu der ruine des alten bauernhauses oder zur alten eiche, dessen stamm so dick ist, das ihn grade mal 10 menschen umarmen könnten...ich blick mich um und mir wird bewusst, wie weit ich eigentlich von zu hause weg bin und ich eigentlich so einen weiten spaziergang gar nicht geplant hatte, schließlich war ich immer noch in meinen schlafklamotten und ich hatte keine lust meinen nachbarn später so zu begegnen. scheiß eitelkeit;) also kehrten wir um. wieder in der wohngegend, vorbei an der neuen grundschule, die von einem häßlichen gitterzaun umringt ist wie er oft auf baustellen verwendet wird. ich kann den teilen irgendwie nix abgewinnen, nicht nur das sie häßlich sind, sondern habe ich doch im januar eine eher unschöne bekanntschaft mit ihnen gemacht... langsam füllen sich die straßen mit leben. zu hause angekommen nehme ich als erstes ein altes handtuch um ella von dreck und nässe zu zu befreien. ich glaub ihr hat es auch ganz gut gefallen, dass statt der gewohnten "runde" ein wenig mehr wurde. mein anderer alter dicker hund wäre um die zeit wahrscheinlich nur verschlafen hinter mir her getorkelt *lächelt*. zumindest gabs hinterher ekligen stinkenen pansen. ich zog jedoch kaffee vor. |
| Gr. Gaulichter | schön, solch ein spaziergang in ruhe nur mit sich (nein, ich vergess hundchen nicht :) ) ich glaub, er wird dir helfen, wenn du magst ... grüße dunkel gg |
| yawon | Spazieren auf neuen alten Wegen. Noch einmal all das vergessen was man ist, erinnern was man einmal war nur um zu sehen das doch alles anders geworden ist. Veränderung ist Leben, so weiß man, man lebt. Ein Gang durch die Felder, die Wälder, die bekannte Welt. Grazile Gebilde der Natur, des Gedankens, der Erinnerung verschmelzend im zeitlosem Strom des Augenblicks. Für einen Weg des Moments, eine kleine Ewigkeit des Friedens. Leise ziehend im schläfrigen Dunst des Gedankenmorgens. Die kalten Steine unter den Füßen, die klammen Gräser des Randes, die lieblich kühle Luft des werdenden Tages, der graue Baum vergangener Tage singen ihr gemeinsam Lied von Stille, Einklang und Neubeginn. Alles scheint noch ruhend, als würde die nächste Minute niemals kommen, als gäbe es keine Zeit und doch genug davon. Aber die Minuten kommen, sie gehen. Nichts scheint geblieben, als die Tür wieder ins Schloss fällt. Und doch; zurück bleibt die Erinnerung, für den nächsten Gang durch die Ewigkeit. |
| Lady Morgue | ich glaube ich hatte heute eines der schönsten weihnachtsfeste seit langem, trotz der tatsache, dass ich meine beiden omas vermisst hab... ...als ich noch ein kleines kind war, hat mein papa mir früher immer fast jeden abend eine geschichte aus seinem alten, dicken und im speckigen leder gebundenen märchenbuch vorgelesen. diese buch hat mein bruder quasi von ihm übernommen und ich hab ihn immer wahnsinnig darum beneidet, weil ich damit so viele schöne erinnerungen verbinde... heute abend überreichte mein bruder mir ein päckchen mit den worten "hier für dich. ich hab ca. 2 jahre lang dafür gebraucht, aber nun ist es fertig.". er hatte ewig nach dem gleichen buch gesucht und es dann irgendwann per zufall auf ebay gefunden. auf nem trödelmarkt hatte er dann noch einen uralten, rissigen ledereinband gefunden. der war leider etwas zu klein für das buch und so hat er ihn wohl über 2 jahre lang mit dunkler schuhcreme gepflegt, damit er auch so schon speckig wird und immer wieder gedehnt, bis es passte. dieses buch hat meinen vater, meinen bruder und mich durch unsere kindheit begleitet. wenn ich es durchblätter kommt alles wieder hoch...ich erinnere mich an die bilder, sehe mich selbst als kleines kind in meinem alten bett liegen, einen haufen kuscheltiere um mich herum, meinen vater, der neben mir sitzt und ich höre noch seine stimmen, die er den verschiedenen charakteren dabei verlieh...geborgenheit... im scherz meinte ich zu meinem vater, dass er mir ja nun wieder vorlesen könne (ich liebe es geschichten vorgelesen zu bekommen bzw. selber vorzulesen). den anderen gefiel diese idee und so kam es, dass jeder aus der familie ein märchen vorlas, während die anderen andächtig lauschten (papas rumpelstilzchen-stimme klang noch genauso schräg wie früher :rolleyes: ). es mag vielleicht kitschig gewesen sein, aber mir hat es viel bedeutet. als es zeit zum aufbruch war, bestätigte jeder nocheinmal, wie schön die kleine märchenstunde war, sodass wir es wohl an den nä beiden feiertagen wiederholen werden...*lächel* weihnachten und das ganze traha drum rum mag für viele verhasst sein, die aufgesetze feierstimmung, der zwang einen auf heile familie zu machen... die feiertage ansich bedeuten mir persönlich relativ wenig bis nichts. ich bin weder sonderlich religiös veranlagt, noch lege ich besonderen wert auf auferlegte traditionen... aber ich genieße die zeit mit meiner familie... völlig ungezwungen. natürlich kracht es auch ab und an mal, was nur all zu natürlich und auch gut ist (sofern man über eine gewisse streitkultur verfügt). aber diese familie hält zusammen (wie so manches tief in diesem beschissenen jahr 2006 gezeigt hat) und das nicht, weil es so erwartet wird. dafür bin ich sehr dankbar... |
| Lady Morgue | du hast es wieder getan. und ich hegte die hoffnung, dass es bis zum erneuten rückfall noch etwas andeuernd wird, nachdem du wieder aus dem krankenhaus entlassen wurdest. dem war nicht so. du versuchst es zu vertuschen. du belügst uns, doch das klappt vielleicht nur noch bei dir selbst, weil du es scheinbar nicht wahr haben willst... dann und wann entdecke ich eigenschaften an mir, die ich eigentlich sehr schätze...eine davon ist manchmal nicht lange rum zu fackeln, sondern zu handeln. so wie heute abend, an dem ich einfach kurzen prozess gemacht hab. ich habe die regale im keller ausgeräumt, jede kiste, jede einzelne flasche, die ich finden konnte. die angebrochenen schüttete ich ins waschbecken, den rest lud ich in mein kleines auto, welches nach kurzer zeit voll beladen war... viel zu viel für einen haushalt, vorallem weil du seit jahren schon eine leberzirrhose hast. am zielort angekommen lud ich alles aus und n. kam hinzu. ich versuchte meine gewohnte distanz zu wahren, aber es ging nicht. schon nach dem dritten wort erfolgte mein zusammenbruch und alles was in den letzten jahren und monaten in und auf mir lastete, weinte ich hinaus. j. kam endlich von der spätschicht heim. überall hilflosigkeit...ich glaube es war das erste mal seit langem, dass ich einem teil meiner familie meine schwäche offenbarte. ich steige in mein auto und fahre durch die gegend, um auf andere gedanken zu kommen oder viel mehr, um mich zu beruhigen. "la mort d'arthur" schallt mir aus dem radio entgegen und wieder die tränen. nicht gerade die beste verraussetzung, bei nacht mit tränenerstickten augen zu fahren..."der nächste baum könnte deiner sein...auf dieser strecke haben es schon einige geschafft..." schießt es mir durch den kopf. aber nein, ich bin nicht so wie er. ICH WILL LEBEN! ich bin hier noch nicht fertig, noch nicht! es gibt so vieles an dem mein herz derzeit hängt...meine träume, meine hoffnung, meine wünsche...warum ist er so gleichgültig? hat er sich wirklich schon aufgegeben? hat denn nichts mehr sinn und wert für ihn? nichtmal wir? kann eine die-ganze-welt-ist-böse-und-nur-ich-besitze-die-allmächtige-weisheit-einstellung für jemanden wirklich funktionieren und wenn ja, wie lange? dein arzt sagte vor 3 jahren, dass du vielleicht noch 2 jahre zu leben hast, wenn du so weiter machst...es ist 5 vor 12! ich fahre zum krankenhaus...dort wo alles (immer wieder) beginnt und irgendwann auch enden wird. wann werde ich dort wieder nachts um 3 uhr hinfahren, um abschied nehmen zu müssen? zu hause ist die haustür verriegelt, aber gnädigerweise hast du nicht den schlüssel stecken lassen, sodass ich überhaupt noch rein kam. du hast schon auf mich gewartet. kamst reingestürmt und hast mich beschimpft. "warum hast du mich bestohlen?" und wieder die lügen...gott sei dank war ich gerade am telefonieren mit j., sodass du mir die ohrfeige nicht vor seinen ohren geben wolltest und du sie dir scheinbar für ne andere gelegenheit aufgehoben hast. kommt meinen kopfschmerzen sehr entgegen. die tür hinter mir habe ich fest verschlossen. ich will deine augen vergessen, dein wutverzerrtes und unrasiertes gesicht...du widerst mich gerade so an! ernst nehmen kann ich dich schon lange nicht mehr. zu n. und j. sagte ich "er ist wie ein kind, das aber nicht als solches behandelt werden will". das trifft es glaub ich recht gut. ich will nicht um des lieben friedens willen schweigen und zuschaun (konnte ich noch nie), wie du dich selber kaputt machst. aber meine panikattacken und meine psychosomatischen leiden sagen mir auch, dass ich dich nicht länger (er-)tragen kann. in meinem tagebuch schrieb ich am 02.04.06: [I]"aber da ich ja aus seiner sicht eh das schwarze schaf der familie bin, hab ich dann auch kein problem mich in dieser rolle einzufinden, darin zu agieren und das arschloch zu sein [...] nur muss ich an dieser rolle noch arbeiten...ich sollte aufhören zu weinen, wenn ich dann im stillen kämmerlein sitze...es gar nicht so nah an mich heran lassen. vielleicht ist es dann erträglicher..."[/I] seit diesem eintrag ist nun gut ein jahr verstrichen...und er ist immer noch so treffend. |