| Waldemar | Ich weiß nicht, wer ich bin und wer ich war- ein Fremder vor mir selbst- und neu für mich- und alt wenn ich in den Spiegel sehe- Ich glaubte, daß ich überall zu Hause sei- und war schon heimatlos, bevor ich noch ganz dort war- Ich war durchaus sehr zart- und fühle mich doch kräftiger als alle- so stark manchmal- so schwach- so oft (ich war verbuht und zäh- schwach und ohne Willen- ohne Mut) Ich fürchte mich doch eigentlich vor nichts- und dabei fürchte ich oft alles- Ich will nicht einsam sein- und sehne mich nach Einsamkeit, sobald ich nicht allein bin. Ich will ja lernen, lernen und ich hasse meinen Schlaf, weil er die Zeit stiehlt- aber ich bin so übervoll von mir- Ich bin voller energiegeladener Ideen- und voll von Traurigkeit- Ich will leben und ich will sterben- und ich tue beides oft- Ich war neugierig auf das Glück- und sieh, ich hasse das Gefühl des Glücks- Ich war in allem und wollte nirgends sein, wenn ich in allem war- Ich glaubte stets an Gott- doch ich bespuckte ihn, und habe auch ein Kruzifix verbrannt- und auch mein Kreuz und die Madonna fortgeworfen- Ich liebe meine Sonne- und ich hasse sie, weil ich begreife, daß ich ihr nicht entkommen kann- Ich liebe Huren, Diebe und vielleicht auch Mörder- weil ich ihr Schicksal liebe- wenn sie eines haben- und auch die Verrückten, wie sie die Menschen nennen- sie sind wie Blinde, die schon lange sehen- auch alle Huren stehen über uns, weil sie so viel zu leiden haben- Ich fliehe jeden Tag- und wenn die Nacht kommt, und so stehenbleibt die ganzen stundenlosen Stunden, dann bin ich so sehr krank, weil es nicht Tag ist. Ich flehe Gott um Schutz- und höhne ihn und mich danach, wenn er es tut- und muss dann wieder fliehen- und wenn ich ausgesetzt bin und zerissen werde, dann flehe ich um neuen Schutz. Ich hasse alle Kinder- und doch knie ich nieder, wo ich eines seh. Ich suche mich- und wenn ich mich gefunden habe, bin ich mein größter Feind. Mir brennt die eigne Haut wie Feuer- und mein Blut ist wie ein unberechenbares Tier- Ich flieh vor mir und meinem Leben- und ich hasse mich, der mich vernichten will. Aber ich bitte Gott um Schmerz und schweres Leben- und um Gedanken nach dem Fieber- Ich will für jede Blume leiden, wenn sie lebend stirbt- und will auf immer dankbar sein, wenn es in jedem Jahre Frühling wird- und will die Kraft abwarten nach dem Schmerzen. Gott gibt mir die Kraft die Zwischenzeiten auszutragen- ohne Schrei und gibt mir Demut für den großen Schoß. Klaus Kinski Danke Klaus für jene schönen Zeilen, die mich oft an Momente des Leidens vergangender Zeiten erinnerten.. |
| x-xcva | ...und wenn du morgens deine augen öffnest, und wie ein hammerfall dich das bewusstsein trifft, noch immer hier zu sein... ...und wenn der schmerz dich anzulächeln scheint, in seiner honigsüße, die du durstig in dich aufsaugst, wie nektar, den du dann in buchstaben erbrechen wirst... ...und wenn du dich drehst, in dieser endlosen spirale, wimmernd oder tobend, nach einem gott, der immer anders ist, doch niemals da, das namenlose, herbeigefleht in hunderttausend namen.... ...so schließe deine augen, dreh dein gesicht zur sonne und finde den moment, wenn dir gewahr wird, dass sie warm ist, und auch deine geschlossenen lider zu durchdringen vermag. wenn du rot siehst, warm fühlst, dort hinter deinen augenrollos, wo du meinst mutterseelenallein zu sein. das mein freund, ist gott. wie wäre es mit einem kleinen hallo? schließlich begrüßt man alte freunde.... [size=1][nicht kinski, nur ich.] aber genial war kinski trotzdem, auch wenn ich, hätte ich mit ihm leben müssen, ihn mindestens zweimal täglich in den kleiderschrank gesperrt hätte, damit er mal den mund hält... ;)[/size] |
| Odessa | [size=1] Sperrt mich in den Schrank, damit ich Euch weiterhin begeistert zulesen kann. Fantastischer thread, bitte um "mehr". [/size] "Ja, ich habe Gewalt in mir, aber keine negative. Wenn ein Tiger seinen Dompteur zerreißt, so sagt man, der Tiger sei gewalttätig und jagt ihm eine Kugel in den Kopf. Meine Gewalt ist die Gewalt des Freien, der sich weigert, sich zu unterwerfen. Die Schöpfung ist gewaltsam. Leben ist gewaltsam. Geburt ist ein gewaltsamer Vorgang. Ein Sturm, ein Erdbeben sind gewaltsame Bewegungen der Natur. Meine Gewalt ist die Gewalt des Lebens. Es ist keine Gewalt wider die Natur, wie die Gewalt des Staates, der Eure Kinder ins Schlachthaus schickt, Eure Gehirne verblödet und Eure Seelen austreibt!" "Warum ich eine Hure bin? Ich brauche Liebe! Liebe! Immerzu! Und ich will Liebe geben, weil ich soviel davon habe. Niemand begreift, daß ich mit meiner Hurerei nichts anderes will, als mich zu verschwenden!" Klaus Kinski, Biographie |
| x-xcva | yes, kinski war mit sicherheit ein eindrucksvoller geist. seine worte gleichen sternen, die er verwoben hat zu regelrechten naturgewalten. bewunderns- und mit sicherheit auch zitierenswert, auch über 'zig postings hinweg. ich sah letzthin ein interview mit ihm, und, nun ja, das war mein erster gedanke: "man sollte ihn in einen schrank sperren, voller fluffig weicher wäsche, getaucht in einen hauch von rosenöl. dort könnte er dann sprechen, zu all den fasern, staubkörnern und sonstigen partikeln, aus der diese fluffige weiche besteht, so wie die ganze welt." leben würde ich mit einem solchen, ungeheuer einnehmenden wesen nicht wollen, aber seine worte zu lesen, es berührt einen, ungemein bisweilen... ...mich macht kinski immer sehr traurig. gott hat ihn geliebt, er hat es nicht gemerkt, weil er zu beschäftigt war, mit all seinem gewalt-igen. |
| Odessa | "Wenn man mir nachgesagt hat, es gehe eine ungeheure Kraft von mir aus, dann habe ich geantwortet: Das wäre doch schlimm, wenn diese Kraft, die ich meine, nicht ihre Wirkung hätte. Ich glaube an diese Kraft. Das hat mit Erfolg oder Karriere überhaupt nichts zu tun. Man kann es auch so ausdrücken: Gott war da." Dieser Satz von Kinski bewegt mich mit am meisten. Oberflächlich ist es die sich selbst auf den Arm nehmende Arroganz eines Exzentrikers. Beim zweiten Lesen erkennt man, wie sehr Kinski glauben wollte (oder es tat?), daß er ohne Gott nichts sei... Leben mit Exzentrikern ist fast unmöglich. Ich pflege, eine Beziehung meinerseits betreffend, gerne zu sagen: Er ist die Sonne, das Zentralgestirn, und ich bin der Mond. Wir wirken auf uns nur, wenn wir in gebührendem Abstand voneinander sind und jeder sich selbst sein eigenes Paralleluniversum ist ;-). Ich verabschiede mich aus diesem thread, wissend, daß es hier mit Euch zwei interessante Schreiber geben wird hoffentlich für länger, und wünsche Dir, Waldemar, daß Du weiterhin im ich bleibst, mittig und Dich wohl fühlend. |
| x-xcva | oh, bleib nur, ich bin der unstete geist in diesem raum... ~ ich finde es immer wieder faszinierend, wie intensiv menschen nach etwas suchen, was im grunde alles ist aus und in dem sie sind. wie sie es ersehnen, herbeiflehen, aus ihren leben ein nie enden wollende, k(r)ampfhafte inszenierung kreieren, die zu bisweilen genialen ergebnissen führt, die dann zwar von der umwelt bewundert werden, doch selbst das ist längst irrelevant, denn die suche wurde selbstzweck. die suche nach nichts, denn dem ureigenen selbst. findet man, so wird es still. vermutlich wäre das finden für unsere welt noch viel zu langweilig. wie gesagt, bleib nur. ich tue es nicht.... [SIZE=1][nicht enttäuscht sein, du kennst mich doch. ;)][/SIZE] |
| Waldemar | Danke Odessa, ich lese Deine Beitrage auch sehr gern.. :) Um auf Kinski zurückzukommen... Eine Zeitlang nutzte er seine Popularität aus und ließ sich nur noch von Frauen interviewen, "nicht, dass die etwa begabter oder intelligenter wären, aber es besteht zumindest die Hoffnung, dass eine ein guter Fick ist." Er hatte schon eine dämonische Energie und versuchte für sich selbst sehr ehrlich zu leben und das natürlich in Extremen.. Kinskis starker Hass auf die Heuchelei der Menschheit führte in wachsende Isolation. Er fand aber seine Freiheit und lebte sie fernab der Zivilisation. Beste Beispiel dafür waren einmal die zufälligen Aufnahmen beim Dreh zu Fitzceraldo.. was mich äußerst belustigte! [url]http://www.youtube.com/watch?v=QuHBPObuEmA[/url] |
| x-xcva | [QUOTE][i]Original geschrieben von Waldemar:[/i] [url]http://www.youtube.com/watch?v=QuHBPObuEmA[/url] [/QUOTE] Ja, das der Kinski, den ich noch aus anderen Quellen in dieser Art kenne. Wütend, egomanisch, rasend nach und vor Emotion. Ein Fass ohne Boden im Namen der Liebe und auf der Suche nach einem Halt in irgend einer Art des Glaubens, doch irgendwie hat ihm der Intellekt und dieser unfassbare Zorn, stets ein Bein gestellt. So wirkt er auf mich. Allerdings gibt es vom gleichen Drehort Aufnahmen, wo Kinski mit einem Schmetterling in völliger Harmonie und Stille gefilmt wurde. Man sah ihm an, dass er vollkommen fasziniert war und regelrecht weggetreten. Ich sah die ganze Doku vor einiger Zeit, habe zu dieser Szene aber leider kein Video online finden können. Und das hier: [QUOTE]"Warum ich eine Hure bin? Ich brauche Liebe! Liebe! Immerzu! Und ich will Liebe geben, weil ich soviel davon habe. Niemand begreift, daß ich mit meiner Hurerei nichts anderes will, als mich zu verschwenden!"[/QUOTE] Ist eine der intensivsten, und dadurch traurigsten, seelischen Bankrotterklärungen, die ich jemals las. NIEMAND sollte sich im Namen der Liebe prostituieren! Da ist es besser, sich zumindest einzureden, dass der Körper und das Können, alles ist was man zu Markte trägt. (Dass es die Seele ist, das merkt man dann schon noch früh genug. Es bewusst zu tun, wie Kinski, bedeutet mE sich selbst Stück für Stück zu zerreissen und sich beim innerlichen [Ab-]Sterben, verzweifelt jedoch völlig klar, zuzuschauen.) Ein unglücklicher Mensch, hilflos sich selbst ausgeliefert, und nicht in der Lage, wirkliche tiefe Liebe zu empfinden, sonst hätte er sie nicht so sehr entbehrt, wie er es augenscheinlich immer tat. Er konnte sich nicht umarmen lassen, nicht annehmen, denn hätte er es gekonnt, er hätte sich all das nicht weiterhin antun müssen. Nun gut, vielleicht war sein Leiden gleich zu setzen mit seinem Genius, was ich als sehr hohen Preis seinerseits bezeichnen würde. Wenn man nicht er ist, so kann man ihn genießen. Er selbst.... ? Mir fiel da kürzlich ein Avatar in den Browser. Wäre Kinski im Internet und auf Foren zu finden, diesen hätte ich ihm als passend deklariert: [IMG]http://img253.imageshack.us/img253/7532/ineedtobelovedbypatticagz4.gif[/IMG] |
| Odessa | Was wir heute schon besprachen... er selbst hat es sicher nicht genossen, und meine Bewunderung gilt auch ganz sicher nicht dem rasenden und unsicheren Kinski, sondern dem Kinski, der TROTZ dieser seiner Defizite und emotionalen Durchbrüche nie Andere dafür haftbar machte, nie - wie es so Viele heute tun - jammernd und wehleidig mit den Fingern auf Andere zeigte sondern immer wußte: das bin ICH. Ich selbst, der da so rast und tobt und es nicht auf die Reihe kriegt - der aber gleichzeitig wußte um seinen Intellekt, seinen Genius und um sein Können. Nehmt mich so wie ich bin oder laßt es doch ganz einfach. Den Spruch mit der Hure - ich seh ihn ein bißchen anders in seiner Auslegung:-) Hure als theatralischer Ausdruck für seine zahllosen Liebesaffären, für seine Unersättlichkeit nach Liebe die für Andere an "unmoralische Haltlosigkeit" grenzte - aber ich glaube, daß Kinski zumindest in dem Bereich nicht litt, sondern sehr wohl annehmen konnte, umarmen konnte (in jeder "Bildlichkeit" des Wortes)... er sagte ja auch: weil ich davon so viel habe - von dieser Liebe. Er verwendete (wie sich aus der Biographie im Kontext ergibt) das Wort Hure in dem Zusammenhang so, wie die Gesellschaft es ihm gegenüber negativ entgegenbrachte WEIL er so viel Liebe geben konnte. Polyamourös war - wie ich mich selber mittlerweile auch bezeichne, fest davon überzeugt daß ich auch so viel Liebe in mir habe daß es für mehr als nur die von der Gesellschaft geforderte "eine einzige Liebe" im Leben reicht;-) Das Avatar - richtig, es könnte wohl kein passenderes geben. Waldemar - danke. Was ich bisher von Dir las, gefiel mir auch. Ich wollte mich verabschieden hier weil ich nicht weiß, ob Du diesen Pfadethread nicht als Art Tagebuch führen willst, in dem Antworten Anderer unerwünscht sind oder stören. Für Diskussionen zu Kinski habe ich in einem Subforum hier einen thread eröffnet, wo Du und mein liebster unsteter Geist sehr willkommen sind :) |
| x-xcva | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa: [/i] Den Spruch mit der Hure - ich seh ihn ein bißchen anders in seiner Auslegung:-)[/QUOTE] Ich lege die "Hure" etwas anders aus, besser gesagt, die Prostitution. Und mE tobte er nur so, weil er wusste was er (sich an-)tat. Meine Überzeugung ist mittlerweile, dass Liebe als solches, ein Seinszustand und keine Emotion ist, die sich persönlich an eine Person bindet. Diese (personengebundenen) Lieben sind stets begrenzt und somit nie genug, völlig richtig. Erst wenn man Liebe zu leben vermag, wenn man sie und damit sich, lieben und/oder zumindest wertschätzen kann, und damit alles um sich herum, sei es auch noch so unerfreulich auf den ersten Blick, erst dann wird man "satt" sein und das Toben, welches mE nichts als SehnSucht ist, hat ein Ende. Auch das Suchen hört auf, da man sich klar wird, dass man das was man sucht, nicht in Liebschaften findet. Es ist Prostitution in einem ihrer hundertausend samtenen Kleider, die in ihrer engen Schnürung, Dir irgendwann die Luft zum Atmen nehmen. Entweder Du sprengst diese Fesseln irgendwann, die überall dort zu finden sind, wo Menschen aus Hilflosigkeit agieren, oder Du verreckst innerlich. gruß an dich meine liebe [SIZE=1]du bist nicht wie er, nicht einmal ansatzweise ;.)[/SIZE] |
| Odessa | :) So formuliert trifft es genau meine Einstellung - wieder einmal lerne ich aus Deinen Worten mehr, als ich selber formulieren kann, meine eigenen Gefühle betreffend. Diese allumfassende Liebe, dieses Schwimmen in "Seligkeit" und der Wunsch, das Gefühl, daß man voll davon ist und es weitergeben möchte - es ist nicht auf eine Person bezogen, sondern auf so viele die ich liebens-wert erachte. - Auf eine einzige Person könnte ich mich zumindest jetzt da nicht festlegen weil jeder dieser Menschen etwas Einmaliges, Wunderbares, für mich einzigartig Wichtiges und Kostbares hat was ich liebe und danach richtet sich dann die "Art" der Liebe - eine eher mütterliche, eine eher erotische, eine mehr geistig-mentale, eine mehr verhalten-spielende... ich möchte keine dieser Lieben missen und bin froh, daß die Personen die sie betreffen, genauso "großen Herzens" und voller Liebe sind daß sie nicht irgendwelche "Alleinigkeitsansprüche" stellen wie es für mich allenfalls noch dann akzeptabel wäre, ginge es um "die ewige einzige" Liebe in einer Paarbeziehung. Ein Ideal, welches ich aber mittlerweile - entromantisiert aber dafür ver-liebt - für unmenschlich weil unnatürlich und von falscher Moral geprägt halte. "Derzeit". Was sich aber immer wieder ändern kann denn der Kopf ist rund, damit die Gedanken sich drehen und ihre Richtung ändern können :-) Ganz lieben Gruß an Dich zurück, mit der Vision von flügelschlagenden Hühnchen namens Ralf und X ;-) |
| Waldemar | Ja Odessa, nein, ich finde euere Beiträge hier viel zu intressant.. und sie bereichern meinen Thread, vielen Dank :) Ich glaub auch, dass Kinski sehr früh begriff er, dass er nur durch eigene "Tricks" und 'Schummeleien' überleben kann. Kinski klaute sich und seiner Familie den Unterhalt zusammen. Seiner Mutter möchte er die Hurerei ersparen. Die widrigen Umstände zwingen dazu, dass Kinski ins Kinderheim gesteckt wird. Als er einer 'Zuchthausschlampe' den 'Schweinefraß', der ihm hier täglich vorgesetzt wird, direkt in die 'verdammte Fresse' kotzt, darf er wieder nach Hause. Jahre später kommt er nochmal ins Heim. Nach einem Selbstmordversuch mit Tabletten landet er in der geschlossenen Abteilung in Berlin-Wittenau. "Aber ich darf nicht jammern! Ich darf auf keinen Fall verzeifelt sein! Nicht einmal traurig! Das vermindert den Haß ich brauche Haß! Keine Verachtung, Verachtung ermüdet ich brauche bösen, rachgierigen Haß!" Kinski findet Halt in der Sucht nach Frauen, denn er hat auf der nerschöpflichen Drang, Liebe zu geben. Er verschwendet sich, wie schon bemerkt, und macht keinen Unterschied zwischen alt und jung, groß und klein, schön und häßlich. Er interveniert sozuagen mit seinem Schwanz. Er versprüht seine unbändige Lebensenergie, befriedigt hemmungslos Gelüste. Kinski lebt beschleunigt, nähert sich stark der Grenze, an der sich ein Mensch aufgibt. Er war auch zu seiner Tochter nie Zornig, sondern immer mitfühlend und ausgelichen. Zu Frauen allgemein die er liebte.. Ich denke, heutzutage würde man Kinski als "Borderliner" Impulsiv Typus bezeichnen, die ihre Welt ja sehr gern in Schwarz und Weiß klassifizieren... Aber das mir eigentlich egal, Kinski war etwas ganz besonderes. Da er selber sich viel reinkarnierte, sich selbst durch seinen bloßen Willen und seine große Phantasie in "Rollen" reinlebte, war er für mich kein "Schauspieler" sondern eine besondere Seele von Mensch mit viel Liebe |
| x-xcva | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa: [/i] Diese allumfassende Liebe, dieses Schwimmen in "Seligkeit" und der Wunsch, das Gefühl, daß man voll davon ist und es weitergeben möchte - es ist nicht auf eine Person bezogen, sondern auf so viele die ich liebens-wert erachte. - Auf eine einzige Person könnte ich mich zumindest jetzt da nicht festlegen weil jeder dieser Menschen etwas Einmaliges, Wunderbares, für mich einzigartig Wichtiges und Kostbares hat was ich liebe [....] ich möchte keine dieser Lieben missen [...][/QUOTE] ....und genau darum tobst Du nicht. Und Schreist Du nicht und wütest Du nicht. Genau darum, bist Du nicht wie er. Genau deshalb, ist es bei Dir keine Prostitution, - es ist kein Zwang da, auch nicht der aus Dir selbst heraus. Kein Fass ohne Boden. Weißt Du, mE ist es nicht wichtig geliebt zu werden, es ist wichtig, lieben zu können. Erst dann kann man "sehen", wahr-nehmen, an-nehmen. Nämlich dass man geliebt wird. Und damit hört es endlich auf.... Manche Menschen sterben, bevor sie das in sich be-greifen und er-fassen können. Du nicht und das ist ein Geschenk. ;) |
| x-xcva | [QUOTE][i]Original geschrieben von Waldemar: [/i] [....] sondern eine besondere Seele von Mensch [/QUOTE] Ja, bestimmt. Seine Sucht nach Liebe machte ihn absolut genial. Viele große Geister waren in diesem Trauma gefangen, man denke nur an Nietzsche, der einen Ausweg suchte, indem er die Welt "umdachte". ;) |
| Waldemar | [QUOTE][i]Original geschrieben von x-xcva [/i] [B]....und genau darum tobst Du nicht. Und Schreist Du nicht und wütest Du nicht. Genau darum, bist Du nicht wie er. Genau deshalb, ist es bei Dir keine Prostitution, - es ist kein Zwang da, auch nicht der aus Dir selbst heraus. Kein Fass ohne Boden. Weißt Du, mE ist es nicht wichtig geliebt zu werden, es ist wichtig, lieben zu können. Erst dann kann man "sehen", wahr-nehmen, an-nehmen. Nämlich dass man geliebt wird. Und damit hört es endlich auf.... Manche Menschen sterben, bevor sie das in sich be-greifen und er-fassen können. Du nicht und das ist ein Geschenk. ;) [/B][/QUOTE] Das stimmt, freue mich um jeden Menschen, der seine Liebe findet.. :) |
| x-xcva | Eine Sache noch Ilo: [QUOTE]...allenfalls noch dann akzeptabel wäre, ginge es um "die ewige einzige" Liebe in einer Paarbeziehung.[/QUOTE] Diese Art der Liebe gibt es mE nicht. Wenn Du liebst, liebst als solches, so wirst Du das Leben, die Genialität allen Seins, in jedem Menschen finden können. Im Einen mehr, im Anderen weniger (wie in einem Spiegel Du Dich selbst er-kennst), jedoch in allen Menschen, Tieren, Pflanzen, ja selbst in einem Sonnenaufgang. Ich weine oft in letzter Zeit, aus Freude und Dankbarkeit, dass ich endlich das gefunden habe, was ich so lange gehetzt habe. Nach dem ich so süchtig war, dass ich mich immer und immer wieder zu Dingen zwang, die ich im Grunde gar nicht wollte. Mich prostituierte, weil ich "die Liebe" jagte und dabei selbst nicht merkte, dass das was ich da Liebe nannte, nur ein Abglanz war von dem, was es wirklich ausmacht.... ....und heute? Heute ist es still und leer, wie ein strahlend blauer Horizont, voll der Möglichkeiten. Liebe, ich glaube mittlerweile, nein ich empfinde im tiefsten Inneren, dass es Erstaunen ist und bebende Freude, und Demut, vor soviel Schönheit und Perfektion die mich umgibt, und Dankbarkeit dass ich dies alles genießen darf, tagtäglich. Liebe, das ist das, was wir Schöpfung nennen und was mein Gott ist. Liebe ist ein Stand-Punkt und eine Sicht-Weise, die sich manifestiert, zur Gewissheit im Er-leben. ;) |
| Waldemar | Schön zu lesen. Jene Seelen die so schwingen wie auch Deine, verstehen Kinski sehr gut. Ben Becker hatte mal Kinski geprochen. Es gibt ein Hörbuch und er trat auch live auf. Was Ben Becker mit Kinskis Texten tat, fand ich bei ihm gut aufgehoben, wohl auch deshalb, weil eine ungeheure Präsenz zu den Eigenschaften des Verfassers wie des Interpreten zählt. Mal leise, häufiger aber mit Wucht und auch mit Pathos trägt Becker die Texte vor, die mal ruhig, mal ruppig dem Charakter des jeweiligen Gedichts entsprechen. Er erzählt Kinski als ein junger Mensch, der noch den gerechten Zorn der Unschuld empfand. Der provozierte, aber dabei doch so verletzlich war. Das ist wahrscheinlich, was die Texte, so anrührend macht, und sie begeistern. Ben Becker ist der richtige Interpret dafür, zumal er über eine wunderbare Stimme verfügt. Und vielleicht hat er Kinski aus der Seele gesprochen.. Ben Beckers - Fieber [URL=http://www.amazon.de/Fieber-Tagebuch-Eines-Auss%C3%A4tzi-Ben-Becker/dp/B00005LWHZ]reinhören[/URL] |
| Odessa | Lieber Geist, lieber Waldemar (der Höflichkeit halber nenne ich die Dame zuerst und nicht Dich als Gastgeber), das mit der Liebe - das ist so eine Sache. Ja, die Seelen die so schwingen verstehen Kinski, auch wenn er ihnen in seiner brachialen Urgewalt, schon mächig genug wenn man nur Zuschauer war, an den Nerven zehrte und das Geduldsfell überstrapazierte. Aber man versteht wie es ist, wenn man nur für die Liebe lebt und nur in ihr Erfüllung findet, und man versteht auch daß man die Liebe genau dafür manchmal haßt. Hass-Liebe. Ich kann nicht ohne Dich aber auch nicht mit Dir, ich bin so glücklich und zufrieden und mittig aber ich bin noch mittiger wenn Du in mir bist und bist Du es nicht, dann fehlt mir was, dann hat mein Geist und meine Mitte ein Loch, und das tut mir weh und deswegen bitte liebe mich, denn nur wenn ich liebe - oder besser: geliebt werde - BIN ich. Dieses Gefühl ist es, was mir kein Mensch bisher so stark vermittelte wie Klaus Kinski und einige liebe Freunde, die ich im Laufe meines Lebens hatte, noch habe, und was mir manchmal so weh tut es zu spüren - weil ich die Liebe auch sehr .. liebe, sie mich beflügelt, sie mich "mittig" sein läßt... aber aus einem anderen Hintergrund heraus: ich BIN in Liebe, auch mit mir selbst, und versuche sie abzustrahlen. Ganz egal ob ich Liebe erwidert bekomme, darum geht es mir nicht mal. Ich liebe um des reinen Selbstzwecks der Liebe willen und weiß nicht, ob das gut ist. Aber diese anderen Menschen, wie Kinski es einer war, sind nun auch voller Liebe, in sich drin, aber nicht mit sich selbst, sondern sie können Liebe nur geben wenn sie erstmal "auf Vorrat" davon empfangen. Was sie eigentlich glücklicher machen müßte denn ihre Liebe ist eine Reaktion auf empfangene Liebe, zumindest sehr oft. Deswegen denke ich, sie müßten eigentlich die Glücklicheren sein, trotz ihrer Selbsthaß-Anfälle und Rasereien... Ich kann es nicht besser ausdrücken, bin aber sicher Ihr beide versteht. Wegen der Einzigartigkeit und Ewigkeit einer Mann-Frau-Liebesbeziehung, lieber Geist: vielleicht wäre es doch wieder so. Verliebt, rasend, schwebend, und damit natürlich die Einzige in "seinem" Leben sein wollend, und er auch der "Einzige" der dieses Gefühl aktuell auslöst - womit wir wieder bei der Exklusivität wären, die ich eigentlich nicht möchte. Und vor der ich mich fürchte, weil ich weiß daß ich sie nicht bieten, nicht leben kann, auf Dauer... Verwirrte Gedanken einer verliebten Seele, mit liebem Gruß an Euch. |
| x-xcva | hallo Ilo ... [QUOTE]Ich liebe um des reinen Selbstzwecks der Liebe willen und weiß nicht, ob das gut ist. [/QUOTE] wie ich schrieb, kam ich erfahrungsgemäß zu dem ergebnis, dass es wichtiger ist, lieben zu können, da man erst dann auch annehmen und wahrnehmen kann, geliebt zu werden. alles andere führt zu einer 'fass ohne boden'-mentalität, meint, dies sind menschen, die zwar mit liebe überschüttet werden, doch immer weiter rasen, toben und schreien, in ihrem unglück, dass sie sich ungeliebt fühlen. so ein mensch war kinski und so ein mensch war auch ich. gut, er war genial, was ich nicht unbedingt von mir behaupten würde, aber die aussetzer, die kenne ich nur all zu gut. und auf anhieb fallen mir 'zig menschen ein, denen ich gleiches bescheinigen würde, auch wenn ich vielleicht leiser tobte als kinski (nicht wirklich, es gibt seiten an mir, die du gott sei es gedankt nicht mehr sehen musstest, da es vorbei war, bevor wir uns kennenlernten), und wenn diese menschen vielleicht leiser schreien als ich es tat. im grunde ist's der gleiche unselige kreislauf aus der sehn-sucht nach liebe heraus. interessanterweise deklarieren sich solche menschen grundsätzlich als 'übervoll' mit liebe, was, so vermute ich zumindest, daran liegt, dass ein unbewusster teil ihrer selbst sehr wohl spürt, dass es auch so ist, da ihre umgebung sie quasi damit 'abfüllt', aber annehmen, wirklich für wahr nehmen, können sie es nicht und damit auch nicht leben. es ist, als wärest du in der wüste am verdursten und sitzt gefesselt vor einem krug gut gekühlten wassers. du rast und tobst in den fesseln, doch das ändert nichts... [QUOTE]Was sie eigentlich glücklicher machen müßte denn ihre Liebe ist eine Reaktion auf empfangene Liebe, zumindest sehr oft. Deswegen denke ich, sie müßten eigentlich die Glücklicheren sein, trotz ihrer Selbsthaß-Anfälle und Rasereien... [/QUOTE] nein. (s.o.) |
| x-xcva | [QUOTE][i]Ilodessa sagt:[/i] Und vor der ich mich fürchte, weil ich weiß daß ich sie nicht bieten, nicht leben kann, auf Dauer...[/QUOTE] Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. [[URL=http://gutenberg.spiegel.de/rilke/elegien/erste.htm]Quelle[/URL]] ;) |
| x-xcva | ein kleiner nachtrag zu Rilke-elegie: mir kam vorhin der gedanke, dass viel zu viele menschen, liebe mit leidenschaft zu verwechseln scheinen. um bei dem bild mit dem gefesselten zu verweilen, der vor dem krug kühlen wassers in der wüste sitzt, und nur darum noch nicht verdurstete, weil es ihm hin und wieder gelingt, mit viel recken, strecken und schmerz, einige kondensierte tropfen von der außenhaut des kruges zu lecken, so könnte man diese metapher dahingehend erweitern, dass man annimmt, es erschiene ein beduine auf der bildfläche. eben jener hält in seiner hand einen fingerhut voll wasser und spricht zu dem verdurstenden: 'ich werde dich jetzt losbinden und dir die wahl lassen, zwischen dem krug wasser, der kühl ist und ungeheuer wohlschmeckend, in dem sich jedoch gift befinden könnte, eines was du weder riechen noch schmecken wirst, doch du wirst langsam und qualvoll daran verenden. oder du nimmst von mir den fingerhut, der dich gerade so am leben halten wird, doch du wirst weiter dürsten, wobei es jedoch sein könnte, dass ich dir mehr geben werde, später. und du kannst sicher sein, dass im fingerhut kein gift im wasser ist.' und so bindet der beduine den dürstenden los, der schon viel zu lange den krug anstarrte und in seiner vollkommenen gier, nichts weiter von den worten vernahm, als dass er losgebunden würde und trinken könne. ergo stürzt er den krug hinunter, umarmt den beduinen, juchzt, lacht und tanzt und schreit: 'ich danke dir, ich liebe dich!' nach einiger zeit bricht er in krämpfen zusammen. der beduine betrachtet den sterbenden und reitet schließlich davon. zuhause angekommen schließt er den hof auf, in dem die kühle quelle fließt aus der er den krug und den fingerhut schöpfte. die frau des beduinen kommt herbei und sieht sich suchend um. 'hatte er denn keinen durst?' .... 'oh doch, viel zu viel.' --- liebe ist nicht leidenschaft, liebe ist hingabe. ich habe einen menschen der sich hingibt, noch niemals toben und schreien gehört. --- nicht jede furcht lügt, nicht jede angst ist sinnlos. vielmehr ist angst oft ein indikator, dass man für etwas noch nicht bereit ist, bzw. unterbewusst bereits weiß, dass die voraussetzungen (noch) nicht stimmen. dies bezieht sich einzig und allein auch die person selbst und hat mit äußeren umständen nichts zu tun. wenn du etwas fürchtest Ilo, so hör dir selber sehr gut zu, denn nichts in dir, geschieht ohne grund. dir noch einen schönen tag ich |
| Odessa | Da stimme ich Dir zu, viele Menschen verwechseln es, und gerade Kinski hat wohl Liebe und Leidenschaft sehr oft in einen Topf geworfen... Ich bin mir sehr sicher, zu wissen was Liebe, Verliebtsein oder Leidenschaft ist, und keines davon fürchte ich. Ich möchte nur niemals wieder gefangen sein in einem der drei. Gefangen im Sinne von: ich brauche es. Sich in sich selbst genug sein, mit sich allein wunderbar zurechtkommen, und dann aber eine allumfassende Liebe - für das Leben an sich - zu spüren, die man gerne "fließen" läßt... das ist es, was ich gelernt habe endlich zuzulassen ohne Rücksicht auf "darf man das, tut man das, wen trifft diese Liebe". Auch dank Dir, die Du mir immer zusprachst von wegen "Du bist gut so wie Du bist. Glaub es daß man Dich lieben kann. Hör nicht auf die gehässigen Geister die Dich verfolgen". Jetzt glaube ich es nicht nur, ich weiß es auch. Und lasse es, lasse mich, zu, für jeden der "mich" so haben will wie ich bin :-). Das verdanke ich einem Menschen in England und in 2. Linie wirklich Dir. Danke dafür daß es Dich gibt :-). edit: Waldemar, das verlinkte Ben Becker - Stück kann ich leider nicht hören, da weigert sich gerade was an meinem Rechner, aber ich würde es gerne hören. Ich versuch es und gebe Dir dann Bescheid wie ich es empfinde :-) edit 2: jetzt macht sich der link auf, es geht - und ich sehe es ist nur der Amazon-Kaufhinweis, keine Hörprobe. Alles klar, dann werde ich mir das zulegen:-) |
| x-xcva | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [....] und in 2. Linie wirklich Dir. Danke dafür daß es Dich gibt :-).[/QUOTE] ich habe zu danken, für eines der schönsten komplimente die mir jemals zukamen. ;) |
| Jester | Ich schliesse hiermit diesen Thread, da die Thematik doch weit von der eines Nebelpfads abgekommen ist und vielemhr auf einer Unterhaltung über Kinski basiert. Ich bitte für diese Thematik in einem entsprechendem anderen Unterforum einen Thread zu eröffen. Ein neuer Nebelpfad, welcher vom Inhalt her wieder in die Pfade passt kann natürlich auch gerne neu angelegt werden. Jester Moderator |