| Cyanide | [COLOR=royalblue]Everflowing stream[/COLOR] Der Strom des Lebens fließt langsam vor sich hin. Durch Täler, Höhen hinauf und hinab. Schlängelt durch Gebirge, vorbei an Felsen, über grüne Wiesen, durch feuchte Auen. Trägt Geschichten mit sich. Für diese Geschichten wird dies mein neuer Ort, mein Wasserfall, an dem die Geschichten reif dafür sind erzählt zu werden. Ein neues Jahr für neue Geschichten. Es wird reichliche davon geben. Ich stehe mitten im rauschenden Fall. Die Dinge wenden und drehen sich in großer Geschwindigkeit um mich herum. Kaum denke ich etwas hat sich gefestigt, wird es wieder locker und ungreifbarer. Das Leben verändert seine Formen stetig. Neues weicht wieder Neuem, jeden Tag. Und ich, ich bin das feste Zentrum. Der Mittelpunkt um den sich alles dreht. Minä elään vesiputoussa. |
| Cyanide | [COLOR=royalblue]Tonight[/COLOR] [I]Would you do it with me Heal the scars and change the stars. Would you do it for me Turn loose the heaven within[/I] ©Nightwish Heute abend wird dieser Duft wieder durch mein Zimmer strömen. Dein Duft, dein ganz besonderes Parfum, dass ich so gern rieche. Lange her das ich ihn in meinem Zimmer genießen konnte. Und heute wird es wieder so weit sein. Ich bin gespannt auf dich. Und darauf wie wir uns verhalten werden, worüber wir reden werden. Auf die Art der räumlichen Distanz zwischen uns. Ich freue mich auf dich. Darauf, dass wir seit Langem wieder einen Abend zusammen verbringen. Ich habe mir schon einige Filme überlegt. Werden wir sie überhaupt brauchen? Ich hoffe, dass wir uns noch immer so gut unterhalten können wie damals. Ich hoffe noch immer, dass nicht zu viel kaputt gegangen ist. Und ich hoffe, dass du dich nicht für mich getrennt hast. Ich versuche die Gedanken beiseite zu schieben, uns einen vollkommen neuen Anfang zu geben, ohne Voreingenommenheit. Du hast diese Freundschaft verdient, wenn ich dir mehr schon nicht geben konnte. |
| Cyanide | [COLOR=royalblue]Unsichtbar[/COLOR] [I]Du bist da, doch ganz und gar ... unsichtbar[/I] Eine Wolke zieht an meinem Fenster vorbei. Täusche ich mich oder trug sie dein Gesicht? Sehen kann ich dich schon lange nicht mehr und doch kommt es mir so vor als ob du über mir wachen würdest. Du bist so etwas wie mein Schutzengel, der meine Gedanken leitet, der mir mit einer inneren Stimme etwas zuflüstert wenn ich meine Entscheidungen treffe. So zumindest stelle ich es mir vor. Denn so bist du wenigstens noch zu einem kleinen Teil present in meiner Welt. So kann ich mir vorstellen, dass du irgendwo dort oben bist und mit beiden Augen wachsam zu mir herunterschaust, dass du auch an mich denkst und mich nicht vergessen hast. So bleiben meine Worte nicht ungehört wenn ich mal wieder scheinbar mit mir selber rede, Erinnerungen zu Tage bringe oder einfach nur von davon spreche wie es mir geht, was mich momentan beschäftigt. Mit der Vorstellung, dass du unsichtbar mit den Wolken ziehst, bin ich nicht mehr allein und das Loch, dass du gerissen hast, klafft nicht mehr so groß. Ich weiß nicht wie lange es dauert bis diese Wunde ein wenig verheilt, momentan kommt es mir so vor als würde sie dies niemals tun. Allein der Gedanke an dich und das es dich irgendwie noch gibt, spendet mir ein wenig Trost. |
| Cyanide | [COLOR=royalblue]Reload[/COLOR] Es ist geschafft. Ich habe den Berg tatsächlich erklommen und die Aussicht von hier oben ist wunderbar. Die Luft ist rein, ich sauge sie tief ein bis meine Lungen vollends gefüllt sind. Es ist ein gutes Gefühl es geschafft zu haben. Stolz erfüllt mich. Noch vor 2 Monaten hätte ich nicht gedacht, dass ich alles so durchziehen würde wie geplant. Und das auch noch erfolgreich. Ich habe meine Zwischenprüfung mit gut bestanden. Ich habe vier Wochen lang ein erfolgreiches Praktikum als Redakteurin gemacht mit der Aussicht "bewirb dich für ein Voluntariat". Ich habe zwei Artikel für die Unizeitschrift geschrieben. Ich habe meine 17- seitige Linguistikhausarbeit bewältigt. Und nebenbei habe ich drei Bücher gelesen. Ich habe mein Pensum geschafft. Und nun stehe ich auf der Kuppe des Berges und schaue ins Tal. Mein Blick ist zuversichtlich. Die Angst zu versagen wurde mir genommen. Ich weiß nun, dass ich es kann. Ich weiß nun, dass ich schreiben kann. Die Zukunft kann kommen. Ich glaube an mich. |
| Sternenstaub | Herzlichen Glückwunsch, meine Süße. Es ist so wunderbar, wenn man einen Berg erklommen hat, und einmal ganz tief Luft holen, sich freuen kann. Volontariat klingt auch bestens. Du wirst bestimmt eine ganz ehrgeizige, tolle Journalistin, davon bin ich überzeugt. Bis ganz bald... deine Freundin. |
| Cyanide | [COLOR=royalblue]Du[/COLOR] Ein einziges Wort füllt meinen Kopf. In royalblau steht es nun hier geschrieben. Doch die Bedeutung ist unklar. "Du" kann man auf viele Weisen interpretieren, die verschiedensten Beziehungsebenen assoziieren. Für mich ist es momentan die des besten Freundes. Denn der warst du einmal in meinem Leben. Und dort wo dein Platz ist, klafft jetzt ein großes Loch. Erst dachte ich ich könnte es mit Erde zuschaufeln, doch immer wieder kamen in der Nacht Tiere, die es wieder aufgebuddelt haben. Verflucht habe ich sie, weil so die Wunde immer wieder aufgerissen ist. Als ich begriffen habe, dass das Vergessen nicht hilft, habe ich versucht eine andere Person in diesen Platz zu pressen. Zeitweise hat es auch ganz gut gepasst, aber irgendwie hat sich das auf die Dauer erledigt. Das Loch ist zu groß, die Person zu klein. Keine Symbiose möglich. Da nun auch diese Möglichkeit fehlgeschlagen ist, dieses Loch zu schließen, habe ich eine Wahl: entweder ich springe über meinen Schatten, über die Vergangenheit und finde meinen Weg zurück zu meinem besten Freund und er nimmt seinen Platz wieder ein oder ich lerne mit dem Loch zu leben. Die erste Möglichkeit klingt verlockend. Wenn ich daran denke was ich wiederbekommen würde, wenn ich dir und mir verzeihe, dann geht mein Herz für einen kleinen Moment auf. All die Trauer, das Vermissen hört auf und wandelt sich in Hoffnung. Hoffnung, dass es noch nicht zu spät ist und ich wieder lächeln kann. Doch gleichzeitig weiß ich, dass diese Möglichkeit bedeuten würde, Dinge zurückzunehmen die ich zu dir gesagt, aber auch ehrlich gemeint habe. Ich würde dir etwas verzeihen, dass ich nicht kann. Ich würde mich selbst verleugnen und im Grunde würde ich meine Bedingungen unter die deinen stellen und ob ich dann glücklicher wäre ist fraglich. Bleibt also nur Möglichkeit zwei. Ich lebe mit diesem Loch. Ich lebe damit, dass ein unendlich wichtiger Teil fehlt. Das ein Teil von mir mit dir gegangen ist. Die Sommerabende auf der Terasse werden nie wieder so schön sein. Auf Konzerten werde ich nie wieder so viel Spaß haben. Tontechnik und Elektrotechnik wird mich nie wieder so in den Wahnsinn treiben. Nie wieder werde ich so über mich selbst lachen und weinen wie mit dir. Ich tätowiere mir hiermit die Wahrheit auf die Hände, damit ich sie nie wieder unsichtbar machen kann: ich habe dich verloren. |
| Cyanide | [COLOR=royalblue]Nachtrag Du[/COLOR] Eine dritte Möglichkeit habe ich außer Acht gelassen. Ich habe bisher alles von dem Blickwinkel aus betrachtet, dass es unrecht war diese Freundschaft zu beenden, das sie nicht hätte zerbrechen dürfen. Doch wenn man es einmal anders sieht, kann man vielleicht erkennen, dass es das Beste war das es so gekommen ist. Vielleicht waren vorher schon minimale Risse da, die wir einfach nur nicht gesehen haben. Vielleicht musste diese Freundschaft zerbrechen um zu erkennen, dass wir einander nie so ähnlich waren wie wir dachten. Das wir einander nicht gut getan haben, weil wir einander daran gehindert haben über uns hinauszuwachsen. Weil wir keinen Blick über uns hinaus gewagt haben in diesen drei Jahren. Nun haben wir beide die Chance uns weiterzuentwickeln und das haben wir beide auch wenn ich es so betrachte. Wir haben viele neue Erfahrungen gemacht, Dinge getan die wir nicht getan hätten wenn wir uns weiterhin wie siamesische Zwillinge abgeschottet hätten. Das Scheinpärchen ist zerbrochen, nun gut, das kann ich nicht rückgängig machen und wie ich bereits geschrieben habe, habe ich mich für Möglichkeit zwei entschieden. Mit dem großen Loch zu leben. Doch vielleicht ist dieses Loch nicht bodenlos und schwarz. Vielleicht ist es ein Loch in einer großer Mauer und dahinter liegt Neuland. |
| Cyanide | [COLOR=royalblue]Calling[/COLOR] Ich habe es getan. Ich habe mich bei dir gemeldet. Ich weiß nicht wieso ich das getan habe, wahrscheinlich weil momentan einfach alles komisch ist. Ganz unsicher haben meine Finger Worte getippt. Mein Herz schlug ganz schön schnell. Noch im Moment des Schreibens war ich mir ganz und gar unsicher was ich mir davon erwartete, ob es wirklich richtig war. Aber ich konnte kaum darüber nachdenken, da hatte ich die Nachricht schon verschickt. Und es dauerte auch nicht lange bis ich deine Antwort erhielt. Und auch nicht viel länger bis du angerufen hast. Nicht einmal deine Stimme habe ich erkannt. Waren es wirklich so viele Monate in denen wir nicht sprachen? Und trotz dieser surrealen Situation war diese Vertrautheit wieder da. Ein riesiger Stein fiel in dieser Minute von meinem Herz und ich musste weinen. Auch wegen der Krankheit des Vaters meiner besten Freundin, von der ich dir erzählte und die auch Grund war warum ich mich an dich gewand habe, aber auch weil du wieder da warst. Weil alles so war wie immer, als hätte nie eine Stille zwischen uns geherrscht. Du hast dich entschuldigt und warst einfach für mich da, hast mir zugehört. Wir werden wieder sprechen, wir haben es uns versprochen. Was das wird, das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass es richtig war auf all die Zeichen zu reagieren, die mich wieder zu dir geführt haben. Und dich ein wenig zu mir. |
| Cyanide | [COLOR=green]Green Eyes[/COLOR] Ich blickte in die schönsten grünen Augen, die ich bis dato gesehen habe. Dabei mochte ich bisher grüne Augen gar nicht so ... ich hoffe nur sie sind in Wirklichkeit nicht braun. Ich weiß, dass ich blauäugig bin - von Zeit zu Zeit. |
| Cyanide | [COLOR=royalblue]Storm[/COLOR] Ich habe außerordentlich gut geschlafen heute nacht. Keine bösen Träume haben mich heimgesucht. Alles war ruhig, bis auf das ich einmal aufgestanden bin um eine Kerze zu löschen, die ich wohl vergessen hatte. Die erste ruhige Nacht seit langem. Ich fühle mich entspannt, der Kaffee dient mal nicht als Beruhigungsmittel sondern lediglich als Genuss. Ich sitze mit einer Seelenruhe vor dem Fenster und beobachte die Äste der Bäume wie sie unruhig in den Himmel wehen. Wir haben eine Unwetterwarnung in diesem Gebiet. Ich frage mich ist es die Ruhe vor dem Sturm? Ich fühle mich als würde ich die Rolle der Hauptperson in Kate Chopin's "The Storm" spielen. Diese Geschichte und mein Leben werden immer mehr eins. Ich fühle das der Wind in meinem Leben kräftiger weht und früher oder später wird mich dieser Sturm überrollen. Noch kann ich mich aufbäumen, noch sind meine Wurzeln tief genug in der Erde. Doch wie lang? |