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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Wenn der Absinth Wirkung zeigt...
X InferisEinen schönen guten Abend wünsche ich.

Der geneigte Leser wird nun auf einen kleinen Ausflug meines Geistes mit all seinen wirren Zügen und Gedankensprüngen entführt. Wem dies zu abstrakt ist, der möge das lesen nun einstellen.

Wohlan...

Ein langer 16 Stunden Tag neigt sich dem Ende zu und zu Belohnung und zur Auffrischung meiner angeschlagenen Seele gönne ich mir einen Ausflug in die Psychodelische Welt. Also Licht aus, Lavalampe an, Iron Butterfly CD rein (dem unwissenden sei der Titel "In a gadda da vida" genannt) und den Absinth eingeschenkt. Und dann beginnt es. Die Musik durchdringt den Raum, das Farbenspiel der Lavalampe wirft geschmeidige Formen an die Wand und der Absinth beginnt seine wohltuende Wirkung. Mein Geist geht auf Reisen. Ich erinnere mich an meine Vergangenheit. Aus Gedankenfetzen bilden sich komplette Geschichten. Ich nehme noch einen Schluck und bewege meinen Kopf zu den hypnotischen Klägen aus längst vergangenen LSD Zeiten. Und da ist sie plötzlich. Meine erste tiefgehende Beziehung nach dem teeny-bussi-ficki-Zyklus. Wie bereits erwähnt ich bin wieder mitten drin in dieser rauchigen Kneipe. Die selbe Musik, die selben Lichteffekte und ein süßlich duftender kalter Nebel wird von der Spiegelkugel durchschnitten. Ich beginne zu zweifeln ob dieses Gefühl der Leichtigkeit vom Absinth kommt oder eine Reflexion der damas verwendeten bewußtseinsfördernden Mittel ist. Zur Sicherheit gönne ich mir noch einen Schluck. Und da steht sie wieder vor mir. Marion. Der Traum meiner schlaflosen Nächte, nach wie vor. Nur mit dem Unterschied, daß sie mir heute nich aus Liebe den Schlaf raub, sondern aus Sorge. Sorge, daß sie überhaupt noch lebt. Zugegeben wir waren alle ziemlich fertig damals und haben so gut wie alles ausprobiert, aber manche von uns haben dies schon früh mit ihrem Leben bezahlt. Manche später. Wenn ich mich recht entsinne bin ich der einzige von dem ich mit Sicherheit sagen kann, daß er heute noch unter uns weilt. Dieser gedanke beunruhigt mich. Schnell noch einen Schluck dieses herrlich grünlich trüben Getränks. Das macht die Situation allerdings auch nicht besser. Obwohl, so langsam stellt sich das berühmte "Ach was solls, ist mir egal"-Gefühl wieder ein und die Feinmotorik läßt nach. Daher bitte ich die nun eventuell folgenden Rechtschreibfehler zu entschuldigen...
Da mischt sich noch ein Gefühl mit rein. Verwunderung. Pure Verwunderung, wie zur Hölle ich die letzetn Jahre überlebt habe und nicht unter einer Brücke oder eben 3 Meter tiefer liege.
Wenn meine Gesichtsmuskeln nicht bereits durch die grüne Fee -wobei mir im Moment eher die Assozoazion mit einer Hexe kommt- gelähmt wären, würde ich jetzt lächeln. Nun gut, ich lächle im Geiste.

Ich sollte sie suchen. Nur um zu wissen, ob es ihr gut geht. Ob Sie den Absprung geschafft hat. Aber etwas hält mich zurück. Mal abgesehen davon, daß ich nicht die geringste Ahnung habe wo ich anfangen soll zu suchen, habe ich auch Angst. Angst mein vollig zugerauchtes & pillenschluckende Alter Ego wiederzufinden. Nicht nachdem ich mir so viel Mühe gegeben habe, diesen Mistkerl zu beerdigen. Und so lasse ich Sie im Stich. Naja, ich kann mich darauf berufen, daß sie es war, die nicht mit mir gehen wollte, als ich den Sumpf verlassen habe. Naja, auch nicht ganz wahr. Wir wurden beide aus dem Sumpf herausgerissen und in staatliche Obhut gebracht. Ich für 2 Jahre, sie für 5. Und Sie hat nichts dazugelernt. Schade eigentlich.

Und so erhebe ich mein Glas und leere es für Dich, mein Schatz.
Marion ich vermisse Dich und ich verfluche die damalige Zeit und was sie aus uns gemacht hat. Aber dennoch bereue ich nichts. Dafür war die Erfahrung zu wertvoll.
asarualimSchön, wenn Absinth so wirkt. Du musst mir unbedingt den Händler verraten:) . Bei mir wars zuerst nur eine leicht gesteigerte Farbwahrnehmung. Dannach eine Woche öfters sadomasochistische Phantasien, die ich sonst nicht habe.

Ich hatte mal wieder zu einem Freund Kontakt aufgenommen, mit dem ich auch etwas irre Zeiten erlebt habe. Resultat: ...[COLOR=crimson]"ich brauche keine Boten aus meiner Vergangenheit"[/COLOR] (Angst vor meinem schlechten Einfluß und wohl noch mehr Angst vor seiner eignenen Schwäche).

Besser das Wiedersehn bleibt ein schöner Traum..
X InferisWiedermal ein langer Tag. Wiedermal die verlockende Flucht in Form der grünen Fee vor meinen Augen. Aber auch die Gewissheit, daß es heute keine Linderung bringen wird. Nicht an diesem Tag.

Eine Serie von Tiefschlägen zwingt mich in die Knie. Der Weltschmerz sitzt tief und breitet sich schnell in mir aus, nimmt mir sämtlichen Antrieb, läßt meinen Lebenswillen erlöschen. Ich bin müde. Ich bin es leid, jeden Tag aufs Neue zu kämpfen um das zu erhalten, was ich mir in den letzten Jahren so hart erkämpft habe.

Es spielt keine Rolle mehr. Die, die mich begleitet haben, sind fort. Alles, was mir wichtig war, ist in weite Ferne gerückt, scheint unerreichbar. Vieles davon ist bereits verloren.
X InferisUnd wieder einer dieser Tage... Und wieder ein Glas voll grünem Seelenheil.

Wieder sind einige Tage ins Land gezogen. Tage voller Leid, Mühe und Schmerz. Und dennoch bin ich weiterhin hier. Bin weiterhin, der der ich war. Klar, einige Narben sind hinzugekommen, aber auch die Gewißheit, daß mich nichts wirklich niederzwingt. Ich frage mich woher ich den Antrieb nehme, täglich weiterzumachen anstatt einfach mal liegenzubleiben. Einfach mal dem Wecker sein grausiges Schellen heimzuzahlen und ihn mit meinem Hammer bekanntzumachen, umdrehen und weiterschlafen. Verlockend, aber auch tückisch. Und irgendwo auch langweilig.

Liebe, Frieden, Harmonie. Schlagworte unserer Gesellschaft um uns die höheren Ziele zu diktieren. Höhere Ziele? Was soll das sein? Sollte nicht jeder ein eigenes, teils auch ganz banales Ziel haben? Einfach weitermachen. Sich nicht umzudrehen, sondern aufzustehen, auch wenn es noch so schwer fällt. Wie der "fucking Duracell Hase" einfach immer weitermachen. Die Optionen sind simpel. Immer noch besser zu leben und bis zuletzt nach dem "Warum eigentlich" zu suchen als sich zum sterben hinzulegen.

Wer auch immer behauptet hat, Alkohol sei schädlich, dem sei gesagt, er kann auch die Weltanschauung wieder ins rechte Licht rücken. Es ist wie mit allen Drogen nur eine Frage der Dosierung. Interessanter Denkanssatz: Absinth als Erhöhung der Lebensqualität. Herrje, ich fürchte ich habe im Laufe der Zeit meine "Lebensqualität" schon zu sehr erhöht, um in diesem Punkt noch klare Gedanken fassen zu können. Sei's drum, ich bin noch hier, und allein das war es ja, was ich erreichen wollte. Und auch eine absurde, selbstdestruktive Art habe ich es auch geschafft. Abenteuer Alltag....
X InferisInteressant....

Interessant, wie schnell sich wieder alles wenden kann. Richtig, es ist wieder Zeit für ein Glas Absinth. Zeit um die Erlebnisse der letzten Wochen zu refklektieren. Zeit, den Druck von der Seele zu nehmen. Eigentlich könnte ich das hier auch in "Gedanken eines Absith-Junkies" umbenennen...

Sei's drum, nach einem Tag wie diesem, gönne ich mir wieder ein Glas Seelentrost. Heute Nachmittag hab ich hier noch das Thema "Deutschland ist schön" eröffnet. Zweifellos richtig, jedoch im Moment nicht wirklich hilfreich. Was nützt die schönste Natur & prächtig blühende Lilien im Garten, wenn man von dem Menschen enttäuscht wird, der einem bis dahin am Nächsten stand? Ich überlege ob es Sinn macht, die Ereignisse niederzuschreiben. Vielleicht nicht, aber es kann auch nicht schaden.

Der Mensch um dem es sich dreht ist die erste Person, zu der ich nach meiner "schlechten alten Zeit" eine Freundschaft aufgebaut habe. Über die JAhre hinweg hat sich das entwickelt, was man "beste Freunde" nennt. Und natürlich hat es zwischenzeitlich auch geknistert, jedoch entschieden wir uns, daß unsere Freundschaft zu wichtig ist. Ob ich damit jemals wirklich vieinverstanden war, sei dahingestellt. Nun ja, ich hab meinen "job" als bester Frreund natürlich stehs erfüllt, war für Sie da, hab ich in schlechten Zeiten beigestanden, Schaden von ihr ferngehalten und Sie mehr als einmal vom Suizid abgehalten. Rückblickend war ich wohl schon immer öfter für Sie da als sie für mich. Nein, das ist kein Vorwurf, das ist einfach so. Soll auch keine negative Wertung sein.
Wie dem auch sei, es begann vor etwa 4 Wochen. Sie hatte sich gerade von ihrem Freund getrennt, und ist überstürzt aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. -An dieser Stelle sei erwähnt, Sie ist für Ihn 350 km weggezogen, während ich Sie für meine damalige Partnerin, die 600km wegwohnte nicht allein gelassen habe, da es Ihr zu dieser Zeit schlecht ging-
Und natürlich hab ich alles stehen und liegen lassen und habe Sie zurückgeholt. Dafür sind Freunde ja da. Und natürlich ging es Ihr in den drauffolgenden Wochen schlecht und ich war für Sie da, wenn Sie mich brauchte. So auch vor kurzem, als ich etwa 70km entfernt war und sie mich rief, weil es Ihr schlecht ging. Keine Frage, ich eilte natürlich sofort zu ihr, doch sie war nicht da. Sie zog es vor mit ein paar Freunden loszuziehen, da einer dabei war, den Sie interessant fand. OK, schlechtes Timing, kann mal passieren. In den folgenden Tagen durfte ich mir immer wieder anhören, daß ich Ihr nicht genug sei, daß niemand sie liebt (ach, ich bin niemand?) und das übliche Gerede, wenn man mal wieder unglücklich verliebt ist und seinen Frust irgendwo ablassen muß. Egal, ich habs geschluckt, dafür sind Freunde ja da. Heute waren wir im Kino. Eigentlich waren wir auch gestern im Kino, mußten aber dringend wieder nach Hause, weil sich Ihre Freundein mit deren Ehemann verstritten hatte. Also durfte ich mir eine Stunde lang belanglose Streitereien anhören, um letztendlich festzustellen, daß meine beste Freundin mit den beiden -ich kann die zwei echt nicht ertragen- zum Kegeln geht, da sich die Clique dort auch trifft und
vielleicht ja auch derjenige anwesend ist, in den Sie unglücklich verliebt ist. Daß ich meine Couch diesem Schmierentheater vorgezogen habe, dürfte klar sein, oder? Nun gut, waren wir heute im Kino. Auf der Rückfahrt wurde mir dann erklärt, daß ich zur Zeit etwas nervig bin. Nun frage ich mich natürlich was sie genau nervig empfindet. Vielleicht, daß ich immer für Sie da bin oder daß ich Sie in allem untersütze. Daß ich ihr Trost spende, Unheil von ihr abwehre, sie seit Jahren nicht für Ihren Kaffee bezahlen muß? Daß ich ihr schrottreifes Auto für einen 4 stelligen Betrag instand gesetzt habe, damit Sie es verkaufen konnte um etwas Geld zu haben? Ich weiß es nicht und wie es scheint, hält auch meine grüne Fee keine Lösung parat. Aber vielleicht liegt die Lösung tiefer. Ich denke ich werde auf dem Flaschenboden nachsehen.

Nun ja, ich fürchte auf solche Fragen gibt es keine zufriedenstellende Antwort. Also lasse ich mich treiben und hoffe auf die wohltuende Wirkung und das sich bald einstellende Gefühl der Gleichgültigkeit, die diese edle Substanz mit sich bringt. Ich leere mein Glas und meinen Geist.

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