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  Forum: Nebelpfade
    Thema: The dark side of the moon
HarpyieHier möchte ich gern einige meiner Texte versammeln. Die, die ich sonst eher hinter verschlossenen Türen verbarrikadieren würde, weil sie so ganz und gar - unschön sind. Dennoch, ich traue mich mal... Feedback - wenn ihr mögt.

Zorn

Die Tränen sind versiegt. Irgendwo lauert noch die Fassungslosigkeit an der Rückwand meines Kopfes. Doch auch sie ist sekundär. Ich bin zornig, zornig weil ich nicht mehr leiden möchte, nicht mehr weinen möchte, mich nicht mehr schlecht fühlen möchte. Zornig weil es mir so viel besser steht als die leidende Maria, die Duldsame, Schweigsame, die ich so lange Jahre immer und immer wieder gewesen bin. Fuck it. Schluß damit. Ich bin zornig. Ich ziehe mir all die Schuhe, die vor mich gestellt wurden, nicht mehr an. Lasse mich nicht mehr verantwortlich machen, nicht für seine Entscheidung, nicht für Dein Desinteresse an mir, nicht für mein „zu wenig“ an Leben und nicht für alles, was schief läuft. Fuck it. Keine Rollen mehr. Keine Masken. Ich bin es leid.

Zorn. Hellrot. Ich mag Rot, mochte es schon als Kind. Eine energetische Farbe, fast so kraftvoll wie Orange. Heranrasende Wellen, die mich mit sich fortreißen wollen. Leiste ich noch Widerstand? Nein. Warum auch? Fuck you. Jetzt habt ihr es endlich geschafft. Adieu Melancholie. Adieu meine empfindsame Seele – Du bist zerrissen worden in den Wirren all der Gefühle, Opfer meines verletzten Stolzes und Mörderin aller Utopien. Ich bin also nicht hart genug für die rauen Winde der Realität? Ich habe mich also verschluckt an den zu großen Brocken, die das Leben mir in den letzten Monaten serviert hat? Du hast den Geist des kleinen Mädchens gesehen – doch das kleine Mädchen ist in mir verloren gegangen, nunmehr endgültig. Ich habe sie gestern, beim Laufen, im Wald ausgesetzt - und will sie auch nie mehr wieder sehen. Denn ich bin es leid. Mir wachsen Flügel, doch es sind nicht die brennenden Flügel des Phoenix – der hätte ich werden können, wenn ihr mich gelassen hättet. Wenn ihr einmal nicht nachgetreten hättet. Nein, es sind die schuppigen Flügel der Harpyie, jener uralten dämonischen Vogelfrau, deren Saat nichts als Zerstörung ist. Scheiß auf alles, was war. Weg damit, laß es in Flammen aufgehen. Laß mich alles niederbrennen, was mir im Weg ist. Harpyie, Furie, Medea. Ich ermorde die nie geborenen Kinder, meine Träume. Zerschlitze alles, was mir einst lieb und teuer war. Reiße mir das Herz aus dem Leib und schmeiße meine Seele in den Abgrund hinterher.

Existieren ist einfach - ich habe es in den letzten Jahren zur Perfektion gebracht. Wer braucht Werte? Ich brauche sie nicht mehr. Ich bin eine Waffe, geladen und entsichert. Setz mich auf und drück ab. Ich bin die Kugel, auf der Dein Name steht. Irgendein Name. Es ist nicht mehr wichtig, war es vielleicht nie. Besser unsanft erwacht als nie. Ich nutze die Zeit, die mir noch bleibt, um Welten zu zerstören – und dann mich. Ich gehe unter in den brausenden Fluten meines eigenen Zorns, der direkt aus der Hölle eines Nietzsch’en Nihilismus zu kommen scheint. Laß mich nihilistisch sein – nach 26 Jahren ist es vielleicht Zeit, Optimismus und Utopien endgültig über Bord zu werfen. Ich mache aus mir, was die Welt ohnehin für mich vorgesehen zu haben scheint. Schlange. Spinne. Katze. Laß uns spielen, bevor ich Dich töte. Ich kann es. Und alles andere ist egal geworden. Es gibt ein Grab in mir, in das ich alle großen Gefühle geworfen habe, nebst Drama, Theatralik, Melancholie und Traumselbst. Miststück, das ist das, was übrig geblieben ist. Harpyie. Welcome home.
MontroseInhaltlich ist der Einstieg sehr schwer nachzuvollziehen. Ich kann mir das nicht vorstellen, darauf zornig zu sein, dass man nicht mehr leiden will. Das wirkt auf mich zu verschachtelt und unecht.

Auch der Rest wirkt ziemlich aufgesetzt und irgendwie wenig plausibel. Der Autor zieht die Masken nicht runter, sondern spachtelt ganz im Gegenteil immer mehr Masken drauf. Eine immer fettere Schminkpampe, die im gewissenlosen Killer endet. Lächerlich.

Eine Handlung ist nicht erkennbar. Die Wut, die Abgrenzung gegen den anderen, "Fuck you" wirkt unbegründet. Es sind die übliche Platitüden, die man einem anderen vorwirft, wenn man selbst mit sich nicht weiter weiß. Wenn es dieses Selbst vielleicht gar nicht gibt?

Der Text ist zu dick aufgetragen dafür, dass gar nichts passiert.


Den Titel, meines Wissens ein Song von Pink Floyd, ist für so viel Banalität zu schade. Man sollte sich die großen Gesten für große Momente aufsparen.
HarpyieHallo Montrose,

danke für deine Rückmeldung. Allerdings hast Du alles etwas arg zu wörtlich genommen. Es geht mitnichten darum, daß jemand zum Killer wird - davon abgesehen daß es andere Tode als den leiblichen gibt. Auch handelt es sich, entgegen Deiner Annahme, nicht um eine Phantasiegeschichte, sondern um Dinge, die mir wirklich passiert sind - daher bitte ich Dich doch um einen wenigstens etwas sensibleren Tonfall, oder, wenn Dir das hier nicht möglich ist, dann wenigstens in pn. Du schreibst mir etwas zu undistanziert und absolut in Deinem Urteil. Selbstredend ist Dir deine Meinung unbenommen - aber unreflektierte Kritik an dem, was jemand anderes fühlt, ist genauso lächerlich wie übersteigerte Dramatik für Dich sein mag.
Wenn Dir also der Einstieg zu unecht erscheint - ich gebe zu, er ist etwas abrupt - so heißt das noch lange nicht, daß Dein Urteil als Maß aller Dinge gelten kann, was authentisch ist und was nicht. Oder?

Es geht nicht um eine Handlung, sondern um eine Momentaufnahme. Ich schreib keine Krimis oder Romane, sondern Stimmungsbilder - nicht mehr, aber ganz sicher auch nicht weniger. Weniger denken, mehr fühlen - ist nicht nur hier die Devise. Und daß Zorn, vielleicht gleich nach Haß und Liebe, für manche Menschen ein äußerst starkes Gefühl ist - würdest Du dies leugnen wollen?
Solltest Du eine vertiefende Diskussion wünschen, stehe ich gern zur Verfügung. Für absolutistische Urteile allerdings nicht.
Mit freundlichem Gruß

Harpyie
Bloodangels Cry@ montrose
es kommt darauf an, worunter man leidet, dass sich das nicht jeder vorstellen kann ist klar. ich zum beispeil kann es mir ganz gut vorstellen, weil es mir teilweise genauso geht. in dem sinn entspricht der text von harpyie teilweise der situation in der ich mich von zeit zu zeit befinde. mit dem unterschied, das ich nicht zornig bin, weil ich leide, sondern weil ich nicht mehr schwach sein möchte manchen leuten gegenüber und dennoch immer wieder gegen sie verliere ( jetzt nicht sport- /wettkampf-mässig, sondern verbal / seelisch). worauf ich dich noch hinweisen möchte: es passiert sehr wohl etwas in dem text. wenn nicht unbedingt von der physischen handlung her, aber dennoch. oder willst du etwa behaupten, das wenn du nachdenkst und zu einem entschluss kommst, nichts passiert? vielleicht ja nicht mit und für andere, oder im ersten moment für andere sichtbar, aber du kannst nicht abstreiten, das sich dann in deinem innern sehr viel abspielt. es gibt ganze bücher, die nur davon handeln was eine person denkt und fühlt!
@ harpyie
allerdings muss ich zustimmen, das der einstieg etwas zu aprupt ist für mich, auch habe ich nicht gleich die situation erkennen können wovon der text handelt. ich weis aber auch, dass das hinzubekommen nicht einfach ist, deswegen find ich das, was du geschrieben hast, so wie du es geschrieben hast, schon recht gut. wie du sagst, du hast da keinen krimi oder roman geschrieben. wenn du noch ein zwei dinge änderst, könnte man es als kurzgeschichte sehen. abe ich glaube nicht, das dies das ist, was du eigentlich damit ausdrücken wolltest. manche dinge passen eben nicht in irgendein raster.

ok.. war jetzt wahrscheinlich als kritik nicht unbedingt allzu hilfreich... naja vielleicht kannst du doch etwas damit anfangen^^
carpe noctem
Bloodangels Cry
Montrose[QUOTE]davon abgesehen daß es andere Tode als den leiblichen gibt.[/QUOTE]

Tode? Ich weiß, wie es ist, wenn man am Rande steht, andere mit dem Finger auf Dich zeigen, und du rot anläufst. Auch sich nicht gewehrt zu haben verstehe ich.

Aber Tode? Tod ist nochmals eine andere Kategorie.

[QUOTE]nicht um eine Phantasiegeschichte, sondern um Dinge, die mir wirklich passiert sind[/QUOTE]

Hm. Es ist mir halt schon öfters so ergangen ---und vielleicht habe ich mich selbst dabei ertappt, dass es bei mir genauso ist --- das da eine Geschichte erzählt wurde ... und die sieht von der anderen Seite halt nochmals ganz anders aus.

Auf mich ist/war auch jemand zornig, und ich war der Meinung, ich hatte das nicht verdient. Und dann hieß es, ich würde nichts verstehen.

Aber ich hatte den Eindruck, ich hatte alles verstanden, ich sah die Dinge genau so, wie sie sind. Und dann: Du hast es überhaupt nicht verstanden. Tja, das kann man natürlich immer behaupten ... vielleicht habe ich nur was anderes verstanden ... aber gar nicht, das glaube ich nicht.

Deshalb tue ich mich persönlich derzeit etwas schwer, auf solche Opfer-Attitüden einzugehen.

[QUOTE]Ich schreib keine Krimis oder Romane, sondern Stimmungsbilder [/QUOTE]
Ich glaube an Fotographien: 1 zu 1. Es gibt nicht nur das, was in meinem Kopf passiert, es gibt auch das da draußen.

Und davon erfahre ich aus Deinem Text wenig, finde ich. Ich könnte aus dem Text nicht ersehen, was passiert ist.

[QUOTE]sondern weil ich nicht mehr schwach sein möchte manchen leuten gegenüber und dennoch immer wieder gegen sie verliere[/QUOTE]

Das kann ich nachvollziehen.
Wenn ich mir aber in solch einer Situation sagen würde "jetzt schmeiß ich alle Werte über Bord, Fuck up, jetzt zahl ich es heim, jetzt werde ich zum "Killer" (wenn auch nur in Anführungsstrichen" ... dann müßte ich sagen: nein, das bin ich nicht. Ich mach mir da was vor, wenn ich mir einrede, jetzt kommt Rambo und übt Rache. Mir fehlt die Brutalität.

Wenn ich dann solche Sätze in einem anderen Text lese, dann antworte ich, als ob ich das geschrieben hätte.... und sage mir "Realitätsprinzip!". Entweder ich lasse es bleiben oder ich schlag wirklich zu. Aber mir nur einzubilden, dass ich zuschlage ... ich weiß doch, dass ich es mir nur einbilde...trotz aller Täuschungsversuche sehe ich doch, dass ich nicht Rambo bin.

Und vielleicht ist es das, was mich an dem Text irritierte. dass da jemand seine eigenen Geschichten glaubt.

[QUOTE]das wenn du nachdenkst und zu einem entschluss kommst, nichts passiert?[/QUOTE]

Den Entschluß kann ich nirgends erkennen. Die letzte Zeile "Welcome home" könnte man auch deuten als alles bleibt beim alten.
Bloodangels Cryoder man kann "welcome home" auch deuten als: man hat gefunden, was man sein will und im endeffekt dann teilweise auch ist. "welcome home" heist ja nicht immer, dass man in sein ALTES zuhause zurückkehrt... außer es wird mit erkennbarem sarkasmus aufgetischt, dann ist unverkennbar, dass alte zuhause gemeint ist (in dem fall geh ich dann vom seelischen zustand aus, der seele selbst, die dann als "zuhause" bezeichnet wird). sondern in das zuhause, welches man selbst als solches annimmt. stimmt meine interpretation eigentlich mit dem überein, was du dir dabei gedacht hast, harpyie? das interessiert mich jetzt nämlich^^ und selbst wenn es nicht so ist... für mich kommt es so rüber.
liebe grüße
Bloodangels Cry
HarpyieDanke ihr beiden... Welcome home meint in der Tat das 'neue Zuhause'... denn ich habe festgestellt, daß ich in meinem alten Leben bereits zu viel zerstört habe, als daß ich dort wieder hin könnte - noch will ich dort wieder hin. Es ist vorbei, unwiederbringlich und unwiderruflich.

Weißt Du, Montrose, ich habe mich jahrelang in einer Opferrolle gesuhlt, habe irgendwann tatsächlich - weil ein großer Teil meines Umfelds mir dieses Gefühl vermittelte - geglaubt, ich sei immer an allem schuld. Und als ich dann angefangen habe, das zu hinterfragen und dagegen aufzubegehren, fing man an, mich 'abzustrafen' - weil ich es gewagt habe, auch mal an mich zu denken und nicht immer nur an den Partner oder andere...

Kennst Du nicht den geistigen und seelischen Tod, wenn Du nichts mehr bist als eine leere Hülle, ohne metaphysische Gedanken, ohne Gefühle und einfachere Empfindungen? Wenn Dir jegliche Definition der Begriffe abhanden kommt, wenn Du nur noch atmest und funktionierst, aber nicht mehr wirklich lebst? Ich bin an diesem Punkt gewesen, und um ein Haar wäre mein Körper 'dem Rest' gefolgt. Daß ich es nicht getan habe - dafür gab es nur einen einzigen Grund. Und selbst der entgleitet mir derzeit wieder. Ich bin über ein Jahr gestorben. Und möchte dort nie mehr hin.

Selbstredend gibt es in meiner Momentaufnahme auch eine andere Seite - das ist immer so, weil man nunmal nicht allein ist in und auf der Welt. Und ein mögliches Unverständnis auf der anderen Seite - nehmen wir immer in kauf, wenn wir kommunizieren. Kommunikation trägt immer die Anlage auf ein Mißverständnis in sich. Gerade zwischen den Geschlechtern gibt es da häufig Probleme - wobei ich Dir Recht gebe, 'nichts' verstanden sagt einer immer dann, wenn ihm/ihr die Gründe ausgehen. Das ist so ein absolutes Totschlagargument, das jedes Gespräch im Keim erstickt. Ich versuche derzeit, von so was wegzukommen. Weil es irgendwann nicht mehr um Schuldzuweisungen gehen soll, kann. Niemand hat Schuld. Oder jeder. Wann immer mehr als ein Mensch an etwas beteiligt ist, läßt sich eine 'Schuldfrage' nicht mehr eindeutig entscheiden.

Aber mir ging es hier um das Schildern eines vordringlichen inneren Zustandes, der mir in dieser Ausprägung, nach Jahren des Leidens und des schnöden Selbstmitleids, noch recht fremd ist. Ich habe bewußt das 'Außen' außen vor ;) gelassen. Wie gesagt - das hier sind Texte, die mal anders sind als alles, was ich sonst so schreibe. Vielleicht etwas abgehoben und abstrakt, aber ich dachte, es paßt vielleicht in dieses Forum ganz gut rein, meine ersten Gehversuche in eine fast schon modern zu nennende Schreibart. Und was vielleicht übertrieben klingen mag, ist es derzeit ganz und gar nicht. Zu viele Jahre hat 'Leiden' mein ganzes Wesen definiert. Irgendwann muß einmal Schluß sein - sonst gehe ich dabei drauf. Das hat mir dieses Jahr bis dato sehr sehr deutlich gezeigt. Und vor dem Hintergrund meiner noch existenten Ethik als Versatzstück des alten Lebens werde ich tatsächlich zum 'Killer' - als Gegenpol zu allem, was bis dato war. Ich kann eiskalt sein. Ich bin es nicht gern, aber ich kann es sein, und ich muß es sein. Selbst wenn ich niemals geglaubt hätte daß es mal so weit kommt. Aber das Leben ist immer für Überraschungen gut. *zyn* Und glaub mir - es hat mir schon gezeigt, was ich verursache. Sehr deutlich. Aber das gehört nicht hierher. Ich sag mal so viel: Wenn mir das vor einem Jahr jemand erzählt hätte, hätte ich ihn auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Aber so hat mir leider die bittere Realität ins Gesicht geschlagen. Ein Mensch hat wegen mir versucht, sich aus dem Leben zu katapultieren. Und es beinahe geschafft. Noch mehr Rambo möglich? Ich glaube nicht. Wäre ich die ganze Sache anders angegangen, hätte es anders laufen können. Doch so... Man sehe mir da eine gewisse Dramatik nach - ich bin an sowas nicht gewöhnt.

Zusammenfassend: Bloodangel hat es ganz gut subsummiert - es gibt in dem Text tatsächlich einen Entschluß. Den, das Alte endgültig wegzulegen und sich dem Neuen, auch wenn es nicht schön ist, zu stellen. Es gibt dazu einen ergänzenden Text - here we go.


Borderline II

Nur eine Entschuldigung für ansonsten ‚unentschuldbar’ erscheinendes Verhalten? Ich weiß es nicht. Es ist auch egal. Wie in Falling Down habe ich mir eine Pumpgun geschnappt und laufe damit abgeklärt durch die Gegend. Aufsetzen – abdrücken. Und weitergehen. Nicht ohne vorher auf dem Herzen eine weitere Kerbe eingeritzt zu haben. Ganz kalt bin ich noch nicht. Aber auf dem besten Weg dorthin.

Die Selbstkontrolle entgleitet mir. Wenigstens habe ich den Mund wieder zugemacht. Meine eloquenten Worte haben mir nicht einmal die Hand zum Abschied gereicht, sondern sich einfach über Nacht aus dem Staub gemacht. Lonesome cowboy riding into the sunset. Haben mir Drama und Theater vor die Füße geworfen. Und die Pumpgun. Ich klammere mich an den Lauf wie eine Ertrinkende. Ein letzter Rest von Pseudo-Realität in einer Welt, die ich zu Staub und Asche gemacht habe.

Ich zerstöre Dich. Und je mehr ich es nicht will, umso schlimmer mache ich es. Und ich gehe selbst dabei mit über die Wupper. Scheiß Masochismus. Oder schlichte Dummheit. Der Fluch, den ich mir selbst auferlegt habe, nie klar und deutlich in Worten auszusprechen, was ich denke. Denken wird zu Reden wird zu Handeln – aber die Übersetzungsschnittstellen sind anscheinend defekt. Dabei senden mir Körper und Herz und Verhalten eindeutige Signale. Doch die einzige Begründung, die momentan in meinem Kopf brüllt, ist: Ich habe keinen Bock mehr. Taugt nicht gut als Erklärung. Aber das ist auch meine Sturheit - wenn mir alle Gründe widerlegt wurden, trotzdem an einer Entscheidung festzuhalten. Dennoch: Alles viel zu kompliziert. Gib mir etwas Einfaches. Keine Bande, keine Fesseln, keine Verpflichtungen. Es geht nicht um Spaß – oder doch, auch – es geht um Genuß. Um Sein. Um Lassen. Freiheit. Verdammt. Weiß ich nicht was ich will – will ich es nicht wissen?

Ich kann es so gut. Davonlaufen. Ich will es nicht mehr. Ich erkenne, dass ich mich zusammenreißen muß. Aktiv werden. Mir meine Kraft zurückholen. Ich habe sie noch, irgendwo da drin. Irgendwo ist sie, wenn ich nur tief genug grabe. Und in den Spiegel schaue. Ich tat es doch schon. Und sie war da, als sei sie nie weggewesen. Doch wieder habe ich mir selbst die Tür vor der Nase zugeschlagen. Sei verdammt.

Wer ich bin, ist nicht mehr das Thema. Wer ich werde – davor habe ich Angst. Denn da ist derzeit nur noch Dunkelheit.
MontroseFalling Down ist mein absoluter Lieblingsfilm. :) Das, was da passiert, ist nachvollziehbar.

Das erste, was mir so einfällt ist, dass es Dir (und mir auch) schwerfällt, zu sagen "Das bin ich, das ist mein Recht, und da brauche ich über Opfer und Täter gar nicht drüber nachdenken. Ich mach automatisch das richtige."

Die meisten Menschen können das und es macht das Leben um vieles einfacher.

Wenn man mich reden hört (und die Eltern aus einem noch durchreden), dann ist das bisweilen entweder ein selbst-ironisierender Triumpf oder .... wie bei den Schwaben eigentlich Volksmentalität ....immer gleich etwas Einschränkendes, Relativierendes in der Aussage, so nach dem Motto "gerade ist alles gut, aber vorher, nachher ist es wieder schlecht, oder es könnte besser sein usw. usw.". Dieses Unbehagen am Glück. So wie bei Stoppok "Ärger, du kannst mich nicht anschmieren." Dieses nicht Gelten-lassen-Können.

Das kommt dabei raus, wenn jemand einem eine Fremdsteuerung implementiert hat, einen Elektroschocker der Art "Du bist schuld" und aus der Ferne etwas steuert, was gar nicht seine Sache ist.

Das mit den Toden erscheint mir erwähnenswert, weil das wohl eines dieser Alles-oder-Nichts-Irrtümer ist, die Aufgeräumtheiten, dass man beim Totaluntergang wenigstens keine Unsicherheit mehr hat, dass in der Katastrophe keine Unsicherheit mehr auszuhalten ist, dass man sich keine falschen Hoffnungen mehr macht und keine Enttäuschungen mehr erlebt.

Der Weg des "echten Kriegers" ;) ist das natürlich nicht. Denn der weiß, dass Kampf die große Chance zum Gewinnen ist. Dass das Leiden ganz normale Arbeit ist, um ein Ziel zu erreichen. Wenn ich zwei Sixpack Bier heimschleppe, käme ich in der Regel ja auch nicht auf die Idee, dieses Schleppen (was für einen Nicht-Sportler ja nun wirklich nicht unbedingt angenehm ist) als Weltuntergang oder Tragödie zu betrachten. Es ist einfach das, was ich und jeder tun muss, wenn er einen vollen Kühlschrank haben will.

[QUOTE]Kennst Du nicht den geistigen und seelischen Tod, wenn Du nichts mehr bist als eine leere Hülle, ohne metaphysische Gedanken, ohne Gefühle und einfachere Empfindungen? [/QUOTE]

Da ist jeder Mensch ein bißchen anders. Diese Zustände sind mir fremd. Bei mir löst das eher eine philosophische Genuugtung des Märtyrers aus oder ich glaube in den Dingen eine Sinnhaftigkeit zu erkennen, auch wenn ich den Sinn konkret nicht kapiere. Ich empfinde keine Leere.

[QUOTE]Ein Mensch hat wegen mir versucht, sich aus dem Leben zu katapultieren.[/QUOTE]

Na dann bin ich Gift für Dich. Anderen ein schlechtes Gewissen zu machen, darin bin ich Weltmeister. Ich könnte also einer sein, der Dir das Gefühl gibt, der Ober-Killer zu sein .... um damit Dich zu beeinflussen.

Über diese Gewissenspielchen bin ich mir auch nicht immer so im Klaren. Ich meine schon, wie ich oben schrieb, Dinge so zu sehen, wie sie sind. Und wenn ich "schlecht" sage, dann ist da auch was faul. Diese Gewissheit ist mit der Zeit eher stärker geworden.

Ich glaube, auch wenn man mich bescheißt betrügt, manipuliert oder belügt, trotzdem zu der für mich relevanten Wahrheit durchzudringen, am Ende klar zu sehen, was haben jene und was habe ich gemacht, was ist passiert.


Schwierig wird das immer dann, wenn ...jetzt mal als Metapher .... zwei denselben Kühlschrank benutzen, und jeder prinzipiell den Joghurt vom anderen essen kann .... und irgendwann dann beide sich vorwerfen, den Joghurt des andere gestohlen zu haben. Oder den Joghurt nicht zu nehmen, und dann an Mißtrauen zu verhungern, was es ja auch gibt. Man wird da immer zuerst auf den Joghurt und den Diebstahl schauen .... dabei waren ja die Spielregeln und der gemeinsame Kühlschrank das Problem und nicht der Joghurt. Solche Verstrickungen lassen sich nicht vermeiden. Aber es hilft wahrscheinlich bereits, einfach zu wissen, dass es diese Verstrickungen gibt "Das ist eine Verstrickung, eine Entgrenzung" um davon wie ein Beobachter auch ein bißchen Abstand zu gewinnen, anstatt sich davon überwältigen zu lassen. Die Dinge so zu sehen, wie sie sind ..... die Photographie 1:1, ganz ohne Wertung, nur zur Kenntnis nehmen und sich sagen "Aha, so ist das also."


Die meisten Leute, so glaube ich, denken solche Gedanken nicht, weil sie sie nicht brauchen. Sie haben diese Selbstverständlichkeit und Leichtfertigkeit, genau das Richtige zu tun. Wenn man diese Gabe aber nicht hat, dann muss man darum kämpfen.
Bloodangels Cry[QUOTE][i]Original geschrieben von Montrose [/i]
[B] Ich empfinde keine Leere. [/B][/QUOTE]

na das freut mich aber für dich! (und nein das ist jetzt nicht sarkastisch gemeint!) es gibt immer noch menschen auf der welt, die dieses abscheuliche gefühl nicht kennen... es geschehen noch wunder^^ aber falls ich dir es erklären dürfte: es ist, als ob dir alles egal ist, egal ob du lebst, oder tot bist (das bist du dann zwar in gewissenm sinne dann schon, aber ich meine körperlich). du denkst überhaupt nicht mehr darüber nach, was du machst, wen du damit eigentlich verletzt. man ist eiskalt zu leuten, die man eigentlich liebt und mag. du bist tot. du bist nicht mehr du, aber auch nichts anderes. nichts als eine tote hülle, ohne gefühl, ohne träume, ohne freude. das einzige (wenn überhaupt) was es noch gibt, ist hass. wenn man da nicht schnell wieder rauskommt und sich aufzurappeln weis, hat man sehr schnell ein ernsthaftes problem! en man hat den glauben an sich selbst verloren und auch aus eigener perspektive keinen wirklilchen grund mehr zu leben. meistens wird der wichtigste grund nur nicht gesehen, aber das steht auf einem anderen blatt.
muss jetzt nicht sein, das der zustand den ich da grade beschrieben habe, überall zutrifft, aber ich kenne einige, die ihn als "tod" bezeichnen, als innerlichen tod. un du hast recht, man kann es sich nicht richtig vorstellen, jetzt tu mir aber den gefallen und versuch es auch nicht (falls überhaupt jmd auf diese dumme idee kommen würde...) du bist besser dran ohne^^
aber jetzt was ganz anderes... manchmal MUSS man die dinge subjektiv betrachten, es geht nicht immer alles 1:1 wie auf einem foto, mal davon abgesehen, das auch fotos lügen können. du musst deine eigene wahrheit in dir selbst finden, dann hast du auch keine probleme die wahrheit anderer zu erkennen. ich bin davon überzeugt, das jeder diese eigene wahrheit in sich trägt, man muss sie nur finden!

liebe grüße
Bloodangels Cry
HarpyieJa, Montrose, Bushido... Es mag unglaubwürdig klingen, aber im Grunde genommen bin ich eine Kämpfernatur. Aber man kann des immerzu währenden Kampfes auch müde werden, vor allem, wenn man zu der Überzeugung gelangt, dass ein Kampf aussichtslos und alle Schlachten schon lange verloren sind. Dann kann der Kampfgeist halt schonmal in das umschlagen, was "Zorn" beschreibt. Zorn ist immer noch besser als Haß.
Und glaub mir - nach der langen Zeit des geistigen Todes, dieser widerwärtigen und alles erdrückenden Leere bin ich froh, überhaupt wieder Gefühle entwickeln und spüren zu können, selbst wenn sie eher negativ geprägt sind. Es ist immer noch mehr Leben als alles, was ich über ein Jahr lang hatte. Die Schilderung von bloodangels cry trifft ähnlich bei mir zu. Wenn man auf einmal keine Freude mehr empfinden kann, dann irgendwann nicht einmal mehr Tränen vergießen oder überhaupt laut werden kann - das ist schon erschreckend. Und man fühlt sich absolut hilflos, als versinke man in einem bodenlosen tiefschwarzen Loch, einer nicht endenwollenden Spirale, aus der kein Weg herausführt.
Und bezüglich der Sichtweise des/der Anderen: Man wird nie ermessen können, was wirklich im Kopf oder im Herzen des Anderen vorgeht. Man kann sich da sehr leicht täuschen... aber natürlich sollte man darum bemüht sein, seine Sichtweise zu verstehen, sie zumindest erst einmal überhaupt wahrzunehmen. Doch es kann leicht passieren, dass man nur noch auf Andere schaut und sich so sehr bemüht, niemanden zu verletzen, dass man sich selbst dabei völlig aus den Augen verliert, sich und die eigenen Bedürfnisse und Standpunkte, dass man sich dann nicht mehr wiederfindet. Auch das ist ein Verhaltensmuster, das mir auf den Leib geschrieben war - ein bißchen egoistisch muss jeder sein. Mein Problem ist, dass ich Dinge nie in 'gesunden Maßen' ausleben kann, sondern sehr zu Extremen neige. Höchst ungesund.

Und hier vielleicht nochmal ein etwas erhellender (oder verdunkelnder...? ;)) Text:

Borderline

Das leise Zischen austretenden Gases in der Stille des Raumes. „Autsch!“ Finger verbrannt, abermals. Egal. Irgendwie musste es gehen.
Doch dann stehst Du auf einmal mit im Raum. Abermals Zischen. Die gleiche Handlung, aber ohne „Autsch“. Den Finger wieder verbrannt. Aber den Schmerz nicht ausgedrückt. Denn Du bist da. Du siehst es, weißt es ohnehin schon seit einer Ewigkeit, schaust mich wissend an. Dein Lächeln ist weg, und es schmerzt noch mehr. Und doch unterdrücke ich die Wahrheit im Ausdruck, und weiß dabei nicht einmal, wieso.

„Widersprüchlichkeit ist das Merkmal von Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, Widersprüche zu tolerieren und verhalten sich doch selbst durch und durch paradox.“ Auch eine Form der Selbsterkenntnis. Oder ist es wieder nur der verzweifelte Versuch, eine Entschuldigung für das eigene Verhalten zu finden, das ansonsten nicht ‚entschuldbar’ erscheint?

Denn jeden Tag stelle ich mich selbst aufs Neue in Frage. Nicht meinen innersten Kern – denn der ist sogar mir nicht mehr zugänglich. Schon vor Jahren habe ich hier Schloß und Riegel vorgelegt und den Schlüssel weggeschmissen. Da kommt keiner mehr rein. Auch ich nicht. Doch meine komplette Persönlichkeit – da ist nichts sicher, alles im Wandel, alles diffus und alles durcheinander. Zu fast allen Dingen muss ich mich zwingen, muss meine narzisstischen Triebe unter Kontrolle halten (und versage dabei kläglich) weil es viel zu lange nur noch ein WIR oder ein DU, aber kein ICH mehr gegeben hat. Und nun bricht alles gewaltsam heraus und über mich herein, und wenn ich ICH sage, was meine ich dann? Was ist noch da – was wird da sein?
Ich stehe nackt im Regen, stripped down to the bone. Kalte Tropfen, auskühlende Haut. Ein Zittern überläuft meinen ganzen Körper, das einzige an mir, womit ich momentan im Reinen bin. Narzisstin. Vielleicht vermischen sich auch irgendwann wieder Tränen mit dem Regen. Wenn ich wieder weinen kann. Und so, dass Du sie nicht siehst. Warum will ich meine aufwallenden Emotionen selbst vor Dir verbergen, der Du mich doch schon so gut kennst dass es ohnehin keinen Zweck hat, Theater zu spielen?

Im Regen zu tanzen, Tropfen wie zarte Berührungen auf meiner Haut zu spüren ist eines der wenigen Dinge, die ich auch dieser Tage gern tue. Schließ die Augen. Dreh Dich um mich, und ich drehe mich um Dich. Und wenn Du mich aus der Spirale rauskickst – werde ich frei sein.

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