| Nnordy | [COLOR=teal]Dies sei der Raum für Momentaufnahmen oder für einen einzigen langen Herzschlag, wie er sich nach außen drängt, sich in Worte verwandelt, Gestalt annimmt. Laßt Euer Herz schlagen und lauscht dem, was es Euch sagen möchte...[/COLOR] |
| Nnordy | Poch. Poch. Poch. Es flattert in mir, wie ein kleiner verängstigter Vogel, der verzweifelt versucht, aus seinem Käfig zu entkommen... Es pocht manchmal so laut und schmerzhaft, und dann wieder ganz leise - distant, so distant - daß ich Angst habe, es nicht zu bemerken, wenn es aufhört zu schlagen... [COLOR=darkred]"Some people don't even realize that they're dead - and thus their energy is earthbound forever and lingers at the same place where their bodies deceased..." (Andy Sexgang)[/COLOR] Es gibt Momente, die mich rausreißen aus meiner Angst und aus meiner inneren Zurückgezogenheit - das NW-Treffen war ein solcher Moment. Und auch, wenn es schon wieder vorbei ist, ein Echo bleibt. Laut genug, daß ich meinen Herzschlag hören kann. Poch. Poch. Unter einer Kakophonie aus Verwirrung, Zorn, Resignation, unter einem blindmachenden Teppich aus Bildern, die sich gewaltsam Zutritt zu meinem Inneren verschaffen obgleich ich sie nicht einlassen will. Kalte Analysen kann ich in diesem Zustand ganz wunderbar treffen. Emotionen sind unmöglich. Poch-poch. |
| Jester | Poochhhhh,.... Poochhhh... ... ein Herzschlag der immer wieder kehrt, ein jedes mal wenn diese Situation, welche man als eine reine Alltäglichkeit abtun könnte, wieder auftritt. Ich bin über alle Massen glücklich das dieser Herschlag noch da ist, das er immer wieder kehrt ohne je an Intensität verloren zu haben, ... manchmal glaube ich sogar das jedes weitere Pochen noch ein wenig an Energie hinzufügt, es noch intensiver werden lässt. Es ist dieser eine Moment immer, welcher jedes mal ein anderen Anfang nimmt, doch immer im gleichen endet,... eine der wenigen Kontinuitäten die ich als ausnahmslos postiv empfinde! Sei es das ich aus einem Auto steige, über eine Wiese laufe oder gar einfach nur vor einer Tür stehe,... dies alles sind die Trvialitäten welche als Prolog für das wahrlich wundervolle Schauspiel dienen. Es ist das langsame Einstimmen, wie leise Streicher am Anfang eines Liedes welches sich danach zu einem emotionalen Bollwerk emporschraubt und dich dann mitreisst,... ... ja, und dann öffnet sich die Tür, komme ich um eine Ecke, oder aber ich drehe mich einfach in die richtige Richtung,.... und es passiert mal wieder,... ja, Wiederholungen können so wundervoll sein. Dieses Lächeln,... in diesem wudnerschönen Gesciht, welches genau in diesem Bruchteil einer Sekunde unwirklich wie das Antlitz eines Engels wird, so schön das es fast schmerzt es anzusehen, doch wird einem selbst noch im gleichen Augenblick bewusst das dieser Schmerz nur das kurze zucken einer Art emotionalen Supernova ist, hinter welcher sich die undendliche Ruhe des Bewussten wieder ausbreitet,... die Bewusstheit das man sich über alles in der Welt glücklich schätzen darf, das eben dieses Lächeln nur dir gehört, das es nur deinetwegen ensteht, nur für dich existiert,... Ich sehe in diese Augen,... sehe diesen Glanz, eine Reflektion welche mir zu verstehen gibt das Sie in genau diesem Augenblick das gleiche empfindet wie ich, das es keinen Zweifel gibt der auch nur den geringsten Zugang zu meiner Welt erhalten kann! Diese wundervollen Augen, in denen ich mich verliere, zu stürzen scheine,... mal wieder dieses Gefühl zu fallen,... doch ohne jede Angst, denn weiss ich das ich gleich wieder gefangen werde, weich gebetet in die Sanftheit jener Person die da vor mir steht. Die Realität um mich herum verliert für den Bruchteil einer Sekunde jegliche Bedeutung, jegliche Kontur,... es ist dieser Moment in dem ich mich vollkommen fühle, in dem mich nichts mehr berühren kann, ausser den Gefühlen die ich dieser Person entgegenbringe,... in diesem, Herzschlag ist Sie meine Welt, mein Universum,... nichts mehr existiert ausser ihr und mir,... ich sterbe und im gleichen Moment erhebe ich mich erneut aus der Asche meines Seins, nur für Sie, nur wegen Ihr,... Dann holt mich die Realität wieder ein, überholt mich von hinten mit aller Gewalt und reisst mich mit wie ein grausiger Strom welcher mir nicht gestattet auf Ewig dieses wundervollen Moment auszukosten,... doch habe ich schon lange gesiegt, denn das Echo dieses Momentes wird weiter schwingen, unaufhörlich mit aller Gewalt der Ruhe,... und ihr Arme erwarten mich schon... |
| Nnordy | Es klopft so schnell, so heiß... Ich weiß, es will zerspringen, zerbersten will es, jetzt und hier, gleich und in diesem Moment. Der Stachel bohrt sich tiefer, und immer noch tiefer. Niemand kann erahnen, was mich so verletzt, was mein Herz - einmal mehr - auseinander reißt. Ich verschließe den Schmerz in meinem Inneren - wie immer. Werde nach außen weiterhin so tun als sei nichts geschehen, die Alte bleiben. Alles Fassade. Der Schmerz jährt sich - und doch kommt diesmal noch mehr dazu. Ein alt bekanntes Gefühl, lange verdrängt, lange gelebt und tot geglaubt - falsch gedacht. Da ist es wieder, lächelt mich heimtückisch an - lost your illusions, darling? Und ich gebe, immer noch, und hoffe... Doch selbst diese Hoffnung ist nichts weiter als eine Lüge. Ich belüge mich selbst, wenn ich denke, daß es sein wird wie jedes Mal, denn diesmal ist es anders, und ich weiß es. Ich kann keinen Kampf kämpfen, der nicht einmal eröffnet worden ist. Ich werde verlieren. Und mich fragen, warum. Weil es immer so war. Und weil es immer so sein wird. Herzschlag wird leiser... |
| Jester | ... manchmal gibt es einen Herzschlag, da zerspringt etwas weil man zu wenig weiss und sich zu viele Gedanken macht,... wenn man zuviel nachdenkt über die Worte welche ein anderer Mensch spricht...., weil man sich Gedanken macht... |
| Jester | .. und manchmal ist es besser ein Herz nicht zu kennen wenn ues um realitäten geht, um begreifen zu können, um verstehen zu können, um wissen zu können,... ein Herz welches man nicht kennt kann man in all seiner jetztigen Gefühlswelt wahrnehmen, ohne durch vergangenes getrübt zu sein, denn auch ein Herz verändert sich,... schlägt anders,... ... auch ein Herz ist nicht unbestechlich ob seiner Umwelt und der Dinge die da auf es herabstürzen, mit aller Gewalt,... ... kleines Herz ... ... kleines Herz ... |
| Nebeltaenzerin | das Herz schlägt leise voller achtung... und es weint...aus freunde und Trauer... Zeigt nicht grade unser Herz uns, dass es immer hoffnung gibt? das man nicht aufgeben darf.... es schlägt immer weiter. |
| Nnordy | Es schlägt... und schlägt... und schlägt immer weiter... Doch will ich das noch? Gestern pochte es so heiß, in so unterschiedlichen Takten, trieb mir Wärme ins Gesicht und Kälte auf die Arme, bis sich die Haare aufstellten und ich zitterte in der warmen Spätsommersonne... Bilder, Bilder, überall nur Bilder... Angestarrt, angeglotzt, oder gleichgültig betrachtet... Von allen Seiten... Wo ist mein wahres Ich? Wer sieht es - will es sehen? Wer urteilt nicht nach dem was er hört, sondern nach dem was er sieht, erlebt, begreift? So viele Bilder. so viele Urteile. Es tut weh. Es gibt ein Ich, es gibt mein Ich. Es IST. Es will sein. Klopf, klopf. Es hämmert von innen an die Brust, will hinaus, ist schon zu lang eingesperrt. Ich habe den Schlüssel hier, direkt neben mir. Kann ich es freilassen? |
| Nasgul | Es schlägt und schlägt. Manchmal hat es Aussetzer, gewollte und nicht gewollte. Es schlägt schon lange nicht mehr für mich sondern für meine Gefährten, denn ohne sie wäre es schon lange stehen geblieben. Nur für sie pumpt es weiter Sauerstoff durch meinen Körper, damit sie mich nicht verlieren. Doch warum will ich nicht mehr das es für mich schlägt? Habe ich wirklich das Leben aus den Augen verloren? *verbeug* Nasgul |
| Nebeltaenzerin | Lass es frei... denn das ist es dann was sich Leben nennt. Mir scheint als hätte ich das einmal gehört, manchmal schon gespürt und doch fange ich es grade in diesen Tagen sorgsam wieder ein, verschließe es und lege den Schlüssel weg, ganz weit weg.. in der Hoffnung dass einmal ein Moment ihn wiederfindet. |
| Nnordy | Ich kann seinem Takt kaum noch folgen, es hat keinen mehr... Schlägt und schlägt und blutet und verbrennt in mir... Ich bin wirr, theatralisch, dramatisch, hysterisch - und an einem Punkt, den ich weit hinter mir gelassen glaubte. Seit 14 ganzen Jahren war ich nicht mehr an diesem Punkt. ich wollte dort nie wieder hin. Doch jetzt ist es passiert. Und ist das Einzige, was mir Ruhe bringt - paradoxerweise. Ruhe, die ich nicht mehr finde, weil die Gedanken sich im Kreis drehen und das Herz so laut klopft daß alle Geräusche von außen erstickt werden, untergehen müssen... Es stolpert immer wieder, verliert seinen Takt, ich verliere mich, falle, und weiß, da ist niemand, der mich auffängt. Denn mich muß man nicht auffangen. Der eine Mensch auf der Welt, von dem ich mir wünsche, daß er mich auffängt wenn ich falle - ist nicht da. Für alle anderen, nicht für mich. Da-Sein. Es scheint so einfach - und doch so furchtbar schwer. Wie viel Kraft hat man, für wie viele Menschen? Wie viele Lasten kann man buckeln, ohne zusammenzubrechen? Wie viel kann ich einstecken, bevor ich zu Boden gehe? Der Punkt ist erreicht. Ich bin am Boden. Knockout in der 10. Runde. |
| Mac | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nnordy [/i] [B]Wie viel Kraft hat man, für wie viele Menschen? Wie viele Lasten kann man buckeln, ohne zusammenzubrechen? [/B][/QUOTE] Genau eine Einzige. Die 'Last' deines Eigenen Lebens. Wenn du die tragen kannst, tragen lernst, wird alles andere zur selbstverständlichen Leichtigkeit. |
| Nebeltaenzerin | Doch wie wird man jemals stark genug, diese eine Last zu tragen? Vielleihct nur dann wenn man keine Fragen mehr stellt? |
| Darket | Es mag keine Hilfe sein, aber vielleicht ein Trost: Es gibt genug Menschen, die Dich auffangen würden, wenn sie könnten... |
| Jester | Es gibt Herzschläge in denen man Fehler begeht,... Fehler, welche, sobald begangen der offensichtlichsten aller Naturen entsprehen. Ja, dies sind fehlerhafte Herzschläge, welche einer gewissen Gefahr nicht entbehren, doch welche man noch zu korrigieren in der Lage wäre,... bevor diese den Rhytmus entgültig durcheinander bringen,... Das grausamste ist es wenn dieser Herzschlag, mit der Welle dieses falschen Schlages, auch andere Herzen aus ihrem Rhytmus bringt, auch diese in einen gefährlichen und schmerzhaften Takt schmeisst,... ... wenn dieser Punkt erreicht ist, wenn es nicht mehr nur das eigene Schicksal zu verändern scheint, dann ist Bedacht gefragt... ... reicht es dann sein eigenes Herz wieder zu fangen,... ist es dann das wessen man zuerst gedanken sollte? Ist man sich dann selbst der Nächste? Oder obliegt es, das man zusehen sollte das man zuerst dafür sorgt das die Wogen sich glätten welche die anderen Herzen zu zerspringen lassen drohen? Eine Frage der Moral,... eine Frage des Egoismus, eine Frage des Konequenzzdenkens über allem! Ist man ein guter Mensch,... ist man verzweifelt,... will man geben oder nehmen,... oder gar etwas an seinen angestammten Platzt zurücklegen!? Ab von all diesen fragen gibt es dann immer noch jene die dastehen ohne wirklich Einfluss nehmen zu können, die nur Steien in den See werfen können um die sich ausbreitenen Wellen zu brechen zu versuchen,... ein Unterfangen das seltenst von Erfolg gekrönt ist,... ... und doch sitzt ich hier mit einem Sack voller Steine,... die Hoffnung stirbt zulezt... ... und bis zum Ende werde ich hier sitzen,... für dich,... für die Sache,... |
| Nnordy | Leere. Alles einnehmende Leere. Die Übelkeit weicht nicht, latent, penetrant. Herz klopft langsam - immer wieder aus dem Takt. Tränen auf meinem Gesicht. Verzweiflung frisst häßliche Löcher in ein kleines blutendes Herz. O würde es doch zu meinen Lippen kommen, um die Worte zu formen, die ich schon so lange suche und doch nicht finden kann! Mein Kopf ist voller bedeutungsschwerer Worte. Gedanken. Konsequenzen. Ich will das alles nicht. Ich wollte doch nur mein Leben leben, mit all dem, was dazu gehört, so lange schon. Mit all dem, was mir, trotzdem es mir so manches Mal Kraft nimmt, auch Dinge gibt, für die ich so unendlich dankbar bin. Es pocht und pocht. Schmerzhaft. |
| Nnordy | Es klopft, klopft, klopft. Ruhiger, aber nicht ruhig. Leiser, aber nicht leise genug. Im Takt, aber nicht in einem, in dem ich mich wohlfühlen könnte... Zu sehr aus der Balance, immer noch. Wie ein großes Tor, das noch erzittert, nachdem es vom Rammbock getroffen wurde, das nachschwingt, erbebt, kurz vor dem Fallen steht. Und vor und auf dem Tor tobt bereits die Schlacht - Kampf, Blut, Sterben, Tod... Ungezählt. Verlierer sind wir alle. So viele Narben. Was zählt ist nicht der Schmerz, sondern die Narben - denn sie bleiben. Schmerz vergeht. Wird es immer tun. Narbenübersätes Herz. Klopf und finde Deinen Takt. Ich habe so viel Hoffnung - aber so wenig Glauben. Die Zeit wird weisen, was passiert. |
| Solstice | Wo das Herz klopft, ist Leben Wo Leben ist, ist Platz für Hoffnung Wo Hoffnung ist, ist Platz für Kraft Wo Kraft ist, ist auch Zukunft! Narben sind nur eine Erinnerung an Schmerz. Sie sind funktions- und gefühllos. Wir selbst geben ihnen die Bedeutung, die sie für uns haben. |
| Nnordy | bumm... bumm... bumm... Langsamer, müde, wie nach einem schnellen Lauf. Belastungsprobe. Alle Jahre wieder. Vielleicht zu weich für diese Welt - wie es immer war. Dickes Fell. Panzer. So oft vorgenommen, so oft angezogen, und doch nur Fassade über der Membran, osmotisch, nach innen. Alles geht durch. Nein, nicht alles. Auch die Membran ist selektiv, über die Jahre habe ich sie bearbeitet, und manche Versuche waren von Erfolg gekrönt - dachte ich. Aber in Krisenzeiten hält sie nicht, hält sie nichts aus. Wie ein alter löchriger Gartenzaun lässt sie die Bälle durch, die Mäuse die sich unter ihr durchgraben, die Menschen die über sie hinwegklettern, die Vögel die über sie hinwegfliegen. Und doch - von der anderen Seite ist sie höher als der höchste Berg, dicker als der stärkste Fels, undurchdringlicher als ein Diamant. Hart. Fest. Ich komme nicht hinaus. Eingeschlossen, so kommt es mir vor, klopft mir das Herz bis zum Hals, und kann doch nicht hinüber, hinaus, alles was in ihm ist dorthin bringen wo Licht ist, Leben ist, Wärme ist. Müde von den vergeblichen Versuchen - sinkt es zurück. Hier ist es dunkel. Kalt. Das Murmeln der Steine. |
| Nnordy | Poche... und verharre einen Moment... Es ist mir ein Trost, zu wissen, daß in der ganzen Hülle, die meinen Namen trägt, die Musik immer noch eine solch große Macht hat... Die Töne... das Lied, das Instrumental, das er meiner Oma gewidmet hat. Und wieder schießen mir die Tränen in die Augen, sehe ich sie dort stehen, damals, im Flur, in diesem schönen Blumennachthemd, wie eine kleine Blumenelfe sah sie aus. Wie ich sie geliebt habe - wie ich sie immer noch liebe, daran hat ihr Tod nichts ändern können. Sie mochte ihn so gern, freute sich immer, wenn wir sie gemeinsam besuchen kamen. Die Erinnerung an sie hat mir schon so manches Mal geholfen, wenn ich zusammenbrach, alles hinwerfen, nicht mehr aufstehen wollte... Nun sitze ich hier, fühle mich leer, und frage mich zugleich, warum die Erinnerung an sie trotzdem noch diese Gefühle hervorruft, warum mir das Wasser in den Augen steht, warum mir diese Textzeile aus dem Herzen quillt: "Granny - I love you so..."... Und warum ich diesen einen Satz immer noch so deutlich hören kann: "Wir haben uns auf dem Misthaufen kennengelernt" - und er mir, heute wie damals, ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, ein Lächeln unter Tränen, die ich mit aller Gewalt zurückdränge, um nicht wieder schwach zu erscheinen, um keinen Anlaß zu Fragen zu geben. Schließe den Deckel und sinke zurück in die Dunkelheit, und nehme das letzte Strahlen, das letzte Leuchten das mir geblieben ist, mit mir... Für die, die mich berührten, hielten und gingen und tiefe Löcher in meinem Herzen hinterließen: Martin (11.7.1993 - 1971-1993) Ömi (3.2.1999 - 1921-1999) |
| Nnordy | Stille. Es dauert lange, fast zu lange, bevor es im Hintergrund wieder zu hören ist - klopfend, vibrierend, schmerzhaft leise und doch indifferent. Daß ich friere, bemerke ich erst, wenn ich meine eigenen Hände berühre und sie so kalt sind, wenn ich feststelle, daß ich als einzige Person in der ganzen Stadt mit einem Mantel herumlaufe, während andere im ärmellosen Top die Sonne genießen, und wenn mir der Gedanke kommt, daß ich lieber doch noch ein paar Socken mehr anziehen sollte... Die Kälte kommt früh in diesem Jahr. My winter searches... My coldness needs... "Du bist überhaupt nicht mehr belastbar, so schnell genervt..." Stimmt. Weil ich innerlich ständig an meinen Belastungsgrenzen laufe, sind diese nach außen umso kürzer, dünner, oftmals zum Zerreißen gespannt. Ertappe mich selbst dabei wie ich mich wundere, daß es bei all dem noch so wenige gemerkt haben, daß ich immer wieder in alte Gewohnheiten zurückfalle, doch statt es als gutes Zeichen zu werten, kommt es mir nur vor wie eine weitere Station auf der Strecke zum Untergang. Es stirbt in mir, wie mein Strahlen, mein Leuchten, meine Geschichte und mein Ich. Es stirbt, vergeht, verglüht. Und doch weiß ich mit Sicherheit, daß ich keine Angst vor der Dunkelheit haben muß. Vielleicht war sie schon immer das, was mir bestimmt war. 30 Jahre hat sie geduldig gewartet. Ich erhoffe nichts mehr, erträume nichts mehr. Möchte loslassen, und weiß nicht was. Erinnere mich daran, daß ich dereinst träumen konnte, für meine Ideale kämpfte, meinen Dickschädel durchsetzte wenn es um etwas ging, an das ich glaubte. Nun ist da nur noch ein leises Bedauern, und die Verwunderung, wie und wann mir dies alles abhanden gekommen ist. Die Fragen bleiben. Warum? Ein Leben voller Fragezeichen. Ich bin es leid, bin müde. Alles lähmende Müdigkeit. Unverstanden - aber das ist in Ordnung. Nein, nicht in Ordnung. Akzeptiert. Täglich neue Lasten auferlegt. Paradox. Es sollte nicht so sein, wie es ist - aber es ist, wie es ist. Wer bin ich, wer war ich, jemals zu glauben, ich könnte dies ändern? Ausgerechnet ich? Nein. Ich kann nichts ändern. Und mir zuliebe ändert sich nichts. Es war ein Traum, den ich träumte. Doch nun hat es sich zu Ende geträumt. Aus und vorbei. Der Vorhang sinkt, doch ich zögere noch, aufzustehen. Wenn alle anderen nach Hause gehen - wohin gehe ich? Nach Hause ist ein Ort, den ich nicht mehr kenne. Es gibt ihn nicht mehr. So lenke ich meine Schritte nach draußen, in die stille kalte Nachtluft, unsicher, wohin mich meine Füße tragen werden... |
| Nnordy | Und dann - immer dann, wenn ich schon dachte, es könne nichts mehr den Herzschlag beschleunigen - passiert es wieder, aber es ist nichts Positives, und diesmal bin ich es auch ganz allein, die Ursache, die Auslöser ist... Wenn die Dinge, die mir wichtig geworden sind, die wenigen Dinge von denen ich überzeugt bin, daß ich sie gut mache, daß ich sie in gewisser Art und Weise beherrsche, "kann" - wenn das alles an einem einzigen Tag demontiert wird, was bleibt dann noch übrig? [COLOR=crimson]Stripped. Stripped down to the bone. [/COLOR] Kein schöner Anblick. Mein Herz rast, und ich kann mich selbst sehen, wie ich ungläubigen Blickes auf die Trümmer dessen schaue, von dem ich dachte, es sei sicher. Forget it. Murphy's law. Wenns kommt, dann kommts knüppeldicke. Hit me here. Und bitte - machen Sie sich keine Umstände. Wenn schon, dann bitteschön - alles auf einmal. Ich komme mir so dämlich vor, so vermessen. Wie konnte ich mir nur einbilden, ich könne etwas, ich könne etwas wirklich gut? Es ist, als schaue ich in einen Spiegel, der jahrzehntelang blind war - und auf einmal schaut mich mein 13 Jahre altes Selbst an, ein Geschöpf völlig ohne Selbstbewußtsein, ohne Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, mit nichts, an dem man festhalten kann. Es ist ein Gespenst, das mich da anblickt, und bei seinem Anblick erschrecke ich, wenn ich merke, daß dies nicht nur eine "Phase" ist, die vorüber geht. Hier sind andere Kräfte am Werk. [COLOR=crimson]Stripped.[/COLOR] Das letzte bißchen, an dem ich noch Freude hatte - einige wenige Worte haben ausgereicht, um mir auch dies noch zu nehmen. Das, worauf ich stolz war, in eine hohle Hülle verwandelt und mir die Wahrheit gezeigt. Ich kann es nicht. Ich kann es einfach nicht. [COLOR=crimson]Stripped.[/COLOR] [COLOR=orangered]Don't treat me gently - make me shatter.[/COLOR] |
| Nnordy | Klopf - Stille - Klopf - Stille - KLOPF! Die nächste 'Phase' ist erreicht. In mir regt sich etwas - Unmut? Zorn? Heiß, brennend, ver-brennend. Alles ist besser als diese Leere, dieses schwarze Loch, in dem ich mich verloren glaubte... Nun kommt es mir so vor, als stünde ich in einer endlosen Wüste, aus Sand oder Schnee, und als würde ab und zu der Staub aufgewirbelt, nur um dann im mehr oder weniger gleichen Muster wie vorher auch zurückzusinken, und mir vorzugaukeln, nichts habe sich geändert. Etwas regt sich in mir - vielleicht doch noch Reste von altem, jugendlichem Revoluzzertum, vielleicht ein letzter Rest von Trotz, Sturheit, dem Nicht-aufgeben-Können oder Wollen, selbst wenn jeder andere schon die weiße Fahne hisst. Es mobilisiert meine letzten Energiereserven, zerrt an mir wie ein ungeduldiges kleines Kind, dem es nicht schnell genug gehen kann. Mein Traum-Kind. Phantasie ist etwas Schönes, und so verlockend, wenn die Realität grau und grausam erscheint. Unmut. Wo vorher Schmerz war, Verzweiflung gähnte, steht jetzt der kleine Trotzkopf, stampft mit dem Fuß auf: "Nein!" - unwillkürlich umspielt ein Lächeln meine Lippen, denn ich sehe es so deutlich vor mir. Das Kinn vorgestreckt, die Augen zornesfunkelnd, die braunen Haare umspielen den kleinen Kopf, der sich schüttelt, verneinend. Nein. Viel zu oft in meinem Leben habe ich es verpasst, diese vier Buchstaben auszusprechen, habe stattdessen JA gesagt, und wieder JA, auch wenn alles in mir NEIN schrie. Später bin ich dazu übergegangen, zu hoffen, daß man es mir anmerken würde, wenn ich NEIN meine, auch, wenn ich gar nichts sage - doch vergeblich. Lautsein liegt mir nicht. Doch wahrscheinlich muß ich es sein, um gehört, um vielleicht auch irgendwann einmal - in diesem Leben? - verstanden zu werden. Ich bin nicht schwierig. Ich bin nicht kompliziert, auch, wenn ich es manchmal nicht einfach mache an mich heranzukommen, wenn ich blocke, aus Angst. Die Zeiten, in denen mein Herz rennt, weil ich Angst habe und doch hoffe, daß sich jemand die Mühe macht, hinter die Barrikade zu blicken, und vielleicht dort etwas sieht, das näher zu beschauen es sich lohnt... Doch viel zu oft wendet sich der Blick ab. Ich fühle mich ungekannt, unverstanden. Ich will das nicht mehr. NEIN. |
| Solstice | So gefällst Du mir schon viel besser! Die Kraft ist da, lasse sie nicht verpuffen und vergeude sie nicht an unnötigen Dingen, sondern nutze sie weise. |
| entropie | ...es klopft ... langsam... ängstlich ... zerfließend weit ...und immer weiter... vom kalten Strom, der es durchfließt fühl ich mich mitgerissen ... langsam, aber unaufhaltsam immer weiter in die kalten Tiefen...[SIZE=1] im Hintergrund singt jemand ... watching paperboats flow to the sea, and i wanna sit in the sun with my new shirt on ... [sophia- another trauma][/SIZE] es ist kalt ... Novemberwetter in meiner Blutbahn...Wohin ist die Melodie, die unsere Herzen sangen? Wo ist der Takt, der uns lachen ließ? Vom gemeinsamen Herzschlag klingt nurnoch ein entferntes unregelmäßiges Echo... Echo ... kalt ... in meinen Adern. |
| Nnordy | Ein neuer Sog, und doch pocht es wieder lauter, schneller, fester... Heute, endlich, hatte ich wieder ein Gefühl von Nähe, von einem Absenken der Schranken, die mich trennen von dem, was mir so wichtig ist, von demjenigen, der mir so viel bedeutet. Dasitzen, sinnieren, Lösungen erdenken und planen - das kann ich. Alternativen überlegen, auch wenn es schlecht aussieht - das kann ich. Aber ich habe bereits Angst davor, daß alles wieder als schlecht, als nicht durchführbar, abgelehnt wird - was mehr kann ich tun, als zu sagen: "Ich bin da, egal was Du tust, egal wie Du Dich entscheidest, ich stehe zu Dir, hinter Dir, ich fange Dich auf" - wenn Du mich nur läßt. Da ist es wieder. Nach dem Knockout habe ich mich wieder aufgerappelt. Und stehe wieder da, ein kleiner Fels, ein kleiner, vom Sturm gebeutelter Baum. Manch einer wird achtlos vorüber gehen - nicht stark genug, nicht fest genug, nicht groß genug. Doch kann ich nicht vielleicht einmal genug sein - für Dich, und für jeden, der sich anlehnen möchte? |
| Odessa | ...Du bist es. Ich sage es Dir immer wieder... Du bist es. Du bist genug. Du bist gut so wie Du bist. Du wirst geliebt (von mir z. B.). Und zwar genau so WIE Du bist. Mit all Deinen Schwächen und Ängsten, so wie Du "zurückliebst", mit all den Schwächen und Ängsten. Bleib Dir selbst treu, weiterhin. :) |
| Nnordy | 'Defizitär' - dieses Wort habe ich gestern gebraucht, im Gespräch. Völlig unbewußt und mit einem zornig-resignativen Unterton. 'Defizitär'. Vielleicht eines der Dinge, die uns beide verbinden - die Selbstwahrnehmung als Person, die 'defizitär' ist. Defizite aufweist, nicht genug ist - oder sich als nicht genug ansieht. Diese völlig irrationale Sucht, dem Anderen etwas 'bieten' zu wollen. Wie oft schon habe ich versucht, Dir klarzumachen, daß es mir darauf nicht ankommt, daß ich das nicht brauche, nicht will. Etwas 'bieten' - das ist für mich so unabänderlich an materielle Dinge gebunden. Etwas bieten müssen - das tut man, wenn man sich selbst als emotional arm ansieht, oder genau weiß, daß man nicht geben kann oder will, und sich daher 'freizukaufen' versucht... Ich kenne dieses Schema genau - von meinem Vater. Er hat sich immer 'freigekauft', wenn er Mist gebaut hatte, oder einfach aus dem schlechten Gewissen heraus. Du müßtest wissen, wie weh mir das tut, wenn ich das gleiche Muster bei Dir entdecke. Doch weißt Du es wirklich? Verstehst Du es - oder bleibt Dir meine Ablehung, mein Schmerz, mein Zorn darüber auf ewig ein Geheimnis, wie meinem Vater, dem ich das einstmals um die Ohren gehauen habe, und doch gleichzeitig merkte, daß er mich nicht verstand? Spiegelbild. Meine Mutter. Ich fühle mich verantwortlich - so war es schon immer. Schon als kleines Kind, wenn sie weinte, und ich noch nicht so recht verstand warum, war ich diejenige, die da war. Die Trost spendete, Kraft gab. Auch als ich älter wurde, und begriff, was passierte. Und mir stille Schwüre leistete - nie sollte mir sowas passieren. Und daher packt mich das leise Grauen, wenn ich Dinge entdecke, die so parallel sind, als wäre es nicht ich, und nicht Du, sondern zwei andere Menschen. Du bist nicht defizitär - außer in Deiner eigenen Wahrnehmung. Du bist so viel, oder könntest so viel sein, für mich. Wenn Du mir endlich einmal wieder auf der emotionalen Ebene entgegen kämst, wie früher, mir zu verstehen geben würdest, daß es keine Worte braucht, um all das auszudrücken, was uns verbindet. Ich bin nicht defizitär - außer wenn Du mir das Gefühl gibst es zu sein. Ich will es nicht sein, und irgendwo, tief in mir, weiß ich auch, daß ich es nicht bin. Ich habe so viel zu geben. Ich gebe gern, mit vollen Händen, und freue mich über ein Lächeln, das zurückkommt, über eine kurze Umarmung, ein leises 'Danke'. Mehr brauche ich nicht, zumindest nicht, wenn es mir gut geht. Laß nicht zu, daß es mir wieder schlechter geht. Halt mich einfach nur fest. |
| Nnordy | Badabumm... Nach einem arbeitsreichen Tag - ein Moment der Stille. Lasse all das los, worüber ich mich geärgert, worauf ich mich gefreut habe, was mir Angst gemacht oder mich bedrückt hat... Lasse los und lasse meinen Kopf einen Moment lang frei werden, denke mich an einen anderen Moment der Stille und an meinen Atem zurück, wie ich ihn durch meinen ganzen Körper strömen lasse und wie ich merke, daß er mir die Beklemmung nimmt und mir Luft und Raum gibt... Stille. Einmal nicht mehr getrieben sein, einmal nicht mehr zerrieben sein zwischen dem, was erwartet wird und was man selbst von sich erwartet, was sein müsste und was ist, was sein könnte und nicht wird. Loslassen. Frei werden. Frei im Geist, um endlich wieder tun zu können, was nötig ist, um Worte zu finden, die nötig sind, damit man nicht kaputt geht. Um einem Freund einen Dienst zu erweisen, um einem lieben Menschen einen Halt zu geben, um jemanden, der sich auf einen verläßt, nicht zu enttäuschen - und schlußendlich, um man selbst zu sein. Ich selbst sein. Ich bin nicht 'man'. Unbestimmt, neutral, gefangen zwischen Worten, die alles bedeuten können oder gar nichts. Ich stehe hier, und werde noch hier stehen, wenn die Welt um mich herum zusammenbricht... |
| Nnordy | [COLOR=blue]"I love slow slow, but deep feigned affections wash over me..."[/COLOR] (Dead Can Dance, 'The Ubiquitous Mr. Lovegrove') Leises Klopfen. Zaghaft, aber bestimmt. Erfüllt von dieser neuen Stärke, von der ich noch nicht weiß, ob ich mich über sie freuen soll, weil ich nicht weiß, wohin sie mich führen wird... Viele Gedanken und Szenarien spukten mir während der letzten Tage durch den Kopf. Beim Versuch, angstfrei zu werden, habe ich einmal mehr alles aufgeschrieben, was den Moment ausmachte, was manchmal so schwer auf meinem Herzen liegt. Und es erleichterte mich ein Stück, zu sehen, daß es immer die gleichen Dinge sind, die den Schatten werfen - paradox. Noch schaffe ich es nicht, die passive Pose abzuwerfen, zu handeln, so bestimmt, wie mein Herz schlägt. Aktiv werden. Wie ich es früher war, voller Licht, Leben, Strahlen, egal was kam, egal wie viel kam. Unbrechbares Licht, vollkommenes Prisma. Ich merke, wie ich mich in Bewegung setze, nach dem Deckel greife, den ich über mich selbst gelegt habe. Ich sehne mich so sehr danach, ihn abzuwerfen, loszuwerden, hervorzukommen wie Phoenix aus der Asche, mit meinem eigenen Leuchten einen neuen Tag zu begrüßen, frei zu werden von meiner Angst und meinem Zögern. Möchte wieder fühlen können, raus aus der Eiseskälte des Äthers, die mich verbrennt und gleichzeitig zerspringen läßt. Möchte wieder schmecken können, die Luft, die Zeit, das Leben und die Liebe. Warum verliere ich mich selbst, wieder und wieder? |
| Latona | mit jedem schlag ein weiterer schmerz doch nun...wieder normales regelmäßiges pochen, nicht wild, nicht aufgeregt, nein, fast schon so als ob ich schwebe, schwerelos, unendlich... |
| Nebeltaenzerin | ich musste in den letzten Tagen ganz ohne Grund immer und immer wieder an dich denken. Manchmal hatte ich fast eine Stunde lang nur deinen Namen in meinem Kopf und dein Geischt vor Augen. Ich weiß nicht warum. Aber ich hoffe es geht dir gut. Lass dein Herz immer weiter schlagen.. |
| Nnordy | [SIZE=1]Danke Dir, Nebeltänzerin, für Deine Gedanken...[/SIZE] [COLOR=teal]Do we have to be so distant? How can you be so unreal? What's the reason for hiding and how does crying make you feel?[/COLOR] (Mike Oldfield, 'Talk about your life') Manchmal klingt das Pochen wie ein leises Klagen - im Gedenken an vergangene Zeiten, die so weit weg erscheinen und im Nebel der Zeit transparent und unwirklich werden, bis man sich fragt, ob sie je real waren. Und nur wenn ich mir - mit Mühe zuweilen - das Gefühl jener Zeit ins Gedächtnis zurückrufen kann, wird sie für einen kurzen flüchtigen Moment wieder greifbar und ich weiß, daß sie da war... Man neigt dazu, Dinge zu verklären, weil man jünger war, weil man tiefer atmete, intensiver lebte, bunter träumte. Und es gibt diese Tage, an denen ich mich alt fühle, so uralt, als hätte ich nicht 30 Jahre gelebt, sondern 100. Wer behauptet, Alter spiele keine Rolle, hat keine Ahnung. Sekunden werden zu nichts, Minuten zerrinnen schneller als ein Kolibri mit den Flügeln schlägt, Stunden werden zu Minuten, Tage zu Stunden, Wochen zu Tagen. Zunehmende Beschleunigung, die eine mentale Gravitation aufbaut, Zentrifugalkräfte, die an mir reißen, mich von allen Seiten bedrängen, bis ich meine, keine Luft mehr zu bekommen. Alles viel zu schnell vorbei. Nur in der Erinnerung entkomme ich diesem Kreislauf, denn dort steht die Zeit still, sind Momente für immer wie in Eis gefroren, ohne dabei kalt zu werden, sondern warm und lebendig und strahlend stehen sie vor meinem inneren Auge und grüßen herüber, von damals zu jetzt, wie ein letzter Sonnenstrahl bevor die Sonne hinter dem westlichen Horizont untergeht. Manchmal fühlt es sich so an, als sei ich nur in meiner Vergangenheit wirklich lebendig gewesen. Oder wenn wir lachend und weinend zusammen auf dem Boden des Zimmers sitzen, alte Platten hören, eine Flasche Kirschwein leeren, einander in die Augen sehen und kurz der Zauber wieder da ist, kurz ein Gefühl von Seelenverwandtschaft, damals, in einer anderen Zeit. Oder wenn wir im gleichen Moment dasselbe sagen, uns ansehen, ein Lächeln im Gesicht. Wenn ich alte Fotos betrachte, Du und ich, am WGT 1997. Unser erster gemeinsamer Song - No days. Alte Postkarten. Je weiter ich zurückgehe in die Vergangenheit, umso undeutlicher werden die Bilder, doch die Qualität der Gefühle bleibt klar, wird gar intensiver. Ich fühlte mich lebendig - heute weiß ich das. Ironie des Schicksals. Ich laufe durch ein gläsernes Labyrinth, immer durch mindestens eine Wand getrennt von denjenigen auf der anderen Seite. Die Wand läßt Blicke durch, sogar Worte, aber verwehrt die Berührung. No body contact. Sehen. Hören. Manchmal können Blicke und Worte so viel mehr sein als eine Berührung, manchmal können sie so viel mehr zerstören als ein Schlag ins Gesicht. Ich laufe, laufe, und weiß nicht ob es ein Ende gibt, ein Hinaus aus diesen verfluchten Gängen... [COLOR=indigo]Do we have to be so distant? How can you be so unreal?[/COLOR] |
| Nnordy | [color=darkorange]Do we have to be so distant? How can you be so unreal? What's the reason for hiding and how does crying make you feel?[/color] (Mike Oldfield, 'Talk about your life') Die Distanz schrumpft - doch gleichzeitig merke ich, wie meine eigenen Füße mich weiter tragen, um die Distanz ja nicht kleiner werden zu lassen... Bin noch zu verletzt. Keine wahre Nähe kann ich mehr zulassen, will sie nicht zulassen. Wo die Angst war, ist ein Loch zurückgeblieben, gefüllt mit eisiger Kälte. Ich bin kalt, so kalt. Mir einmal mehr selbst fremd, obschon die Kälte nicht zum ersten Mal Besitz von mir ergreift, so doch nie so weit, daß sie nach außen dringt und alles einfärbt, was ich ansehe, berühre. Menschen mit denen ich spreche. Ich verstehe mich selbst nicht. Wie kann ich so kalt sein? Wieder beginne ich zu grübeln, in der ewig gleichen Spirale drehen sich die Gedanken im Kreis und kommen nicht mehr heraus. Versagen, wieder und wieder. Möchte alles hinwerfen, das Studium, den Kampf. Wozu? Das Leben geht anderswo weiter, doch ohne mich. Ich kann nur noch den Rücklichtern hinterher sehen und mich fragen, was gewesen wäre, wenn ich es einmal rechtzeitig geschafft hätte. Ich komme immer zu spät. Zu spät zu Verabredungen, zu Terminen, und wahrscheinlich auch irgendwann einmal zu meiner eigenen Beerdigung. "Entschuldigung, ich wurde aufgehalten, Sie können mich jetzt gern verscharren, ich tue nur schnell meinen letzten Schnaufer." Kalter Zynismus. Vielleicht habe ich doch zu viel von meiner eigenen Wärme gegeben, und nun ist nichts mehr übrig? Alles scheint kalt und leer - und dabei so unwirklich. "Ich mag die Surrealisten nicht", hast DU gesagt. Ich mag sie - nicht in der Malerei, aber dazu habe ich eh wenig Bezug. Ich mag ihre völlig konstruierte Lyrik, die sich in wortgewaltigen Gewittern entlädt, aus denen der Sinn nur, dem Blitz gleich, ab und an hervorsticht. Sie reißen mit, hinfort, wirbeln durch Raum und Zeit, und lassen mich am Ende mit mir selbst zurück. Ziehen weiter, wie jedes Gewitter, Donner leise vergrollend, Blitze langsam verebbend. Wasser benetzt meine Füße, ich wackle mit den Zehen, lachend - ich vermisse das Meer so sehr. Den Ozean, mit seinen Weiten, die mir so oft unendlich scheinen, weil der Mensch davor so klein wird, so unscheinbar. Ich mag Kathedralen und winzige Dorfkirchen, alte Ruinen und Burgen und Prunkschlösser, eine Mondnacht im Wald und einen Sommertag auf dem Land, den Geruch von Pferden und ihre großen sanften Augen, die Ohren von Eseln und ihr lustiges 'I-Ah', ich mag Mäuse und Fledermäuse, Chinchillas und Hasen, den Igel der in unserem Garten umherschnuffelt, das kleine Totenkopfäffchen im Vivarium, die rundliche Kuh-Katze und den riesigen Berner Senner aus Hähnlein, ich mag die Heuballen auf den Feldern im Spätsommer, den Bach der sich unbeirrbar durch den Wald schlängelt, die Sterne in einer lauen Frühlingsnacht, den Ausblick von Burg Frankenstein, das Lachen meiner Nichte, die Waffeln meiner Schwägerin, den kleinen blauen Elefanten und natürlich auch die Maus, meine Schnallenstiefel und meine Eulenpuschen, ich mag die Zimmermannshosen an Dir und wenn Du mich anschaust wie ein zerknautschter Welpe, ich mag es mit Domi zu lachen und mit Barbara über den Eierdieb zu tratschen. Ich liebe es mir alte Photos anzuschauen und in Erinnerungen zu schwelgen, mir geht das Herz auf wenn ich meinen Opa zum Lachen bringen kann, wenn meine Mutter sich über eine Kleinigkeit freut, wenn mein Vater einmal vergißt daß der Chat bestimmt schon ganz einsam ist ohne ihn, wenn ich mich einmal mit meinem Bruder unterhalten kann ohne daß wir uns über Politik streiten müssen, wenn Du einmal keine Bemerkung über meine angeblichen Schwächen machst, sondern mir zu verstehen gibst, daß es in Ordnung ist. Ich möchte einmal nach Neuseeland, ich möchte durch Irlands grüne Hügel rennen, durch Kanadas Wälder streifen, einen Tempel in Bali bewundern, vor der japanischen Baukunst in die Knie gehen, einen afrikanischen Elefanten in seiner Heimat sehen und nicht hinter Gittern, möchte ein Giraffenjunges dabei beobachten wie es seine Beine ordnet, die Pinguine bei der Jungenaufzucht, die Robben wie sie ins Meer hüpfen, den Eisbär wie er über das Eis schlittert (und dabei eine elegante Pirouette dreht), ich möchte nach Skandinavien und mich über Zigarettenpreise ärgern und über die Landschaft freuen, und ich möchte die Geysire und die Isländer auf Island sehen und einmal mehr die Wunder der Erde schauen... So viele Wünsche. Mir fehlt die Fee... |
| Nnordy | [COLOR=red]Some things never change, they say Make my nightmares go away...[/COLOR] (Lore of Asmoday, 'July') Poch-poch-poch... Poch-poch-poch... Wieder einmal ein kleines Wurfmesser zielsicher ins Herz. Ich hätte es wissen müssen. Ich kenne es doch schon. Immer dann, wenn ich denke, es kommt wieder in Ordnung, es kehrt Frieden ein, eine Ahnung von Nähe und Gefühl - ein Messer. Narbe. Das andere Gesicht, das mit dem vernichtenden Ausdruck in den Augen, den verächtlich-bis-in-Szene-gesetzt-enttäuscht heruntergezogenen Mundwinkeln. Versucht mir wieder das Gefühl zu geben, es sei meine Schuld, alles sei meine Schuld. Aber diesmal nicht. Denn ich weiß, endlich, daß es nicht meine Schuld ist. Ich übernehme nicht mehr die Verantwortung für Sachen, die nichts mit mir zu tun haben. Wir haben immer die Wahl. Ich stehe nicht mehr für das ein, was auch in Deiner Verantwortung liegt - auch, wenn Du sie niemals übernehmen willst, vielleicht auch nie wirst. Dennoch weiß ich mit Sicherheit - es ist nicht meine Schuld. Auch, wenn ich mich trotz dieses Wissens kein bißchen besser fühle, im Gegenteil. Auch, wenn sich da in mir wieder einmal der Trotz regt, und die Wut. Himmelschreiende Ungerechtigkeit. Läßt mich leiden für Dinge, die ich nicht verbockt habe. Das ist so ungerecht. Und es tut weh, verdammt weh. Messer ins Herz. Kleiner Anlaß, große Wirkung. Schmerz vermischt sich mit Wut und ergibt eine hellrote Mischung, flackernd, aufbrausend. Wie kannst Du das nur tun, wie kannst Du mir das antun? Und vor allem: Warum? Vielleicht ist es der Schmerz, der mich klein hält, oder vielleicht denkst Du das. Aber die Rechnung geht nicht auf, nicht mehr. Ich habe die Augen geöffnet und sehe so klar wie lange nicht mehr. Ich werde NEIN sagen. Und noch einmal NEIN. Und, wenn es sein muß, auch ein drittes Mal NEIN. So lange, bis Du mich endlich hörst. So lange, bis Du endlich siehst. Und auch so lange, bis Du es endlich akzeptierst. Es ist, verdammt noch mal, nicht meine Schuld. Vielleicht ist es nicht einmal mehr Deine. Aber ich werde mich von Dir nicht mehr für alles, was schief läuft, verantwortlich machen lassen. Weil ich dafür nicht einstehen muß. Vielleicht begreifst ja auch Du dies irgendwann einmal... Denn dies muß ich hoffen - oder daran zerbrechen. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]Eine Welle schlägt an Ein Kopf der fällt Ein Bansheeschrei im Winde vergellt Eine Orgel aus Knochen Die Kapelle zerschellt Die Zeit auf doppelt so langsam gestellt... Meret Becker, Für Irland[/COLOR] Heute, ein warmes Klopfen, leise, zart. Beruhigend, oder, das Wort welches es besser beschreibt, auch wenn es nicht meine Muttersprache ist - 'soothing'. Wie ein Streicheln für das kleine Herz, ohne dabei die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Gedankenruhe ist so trügerisch. Mir kommt es so vor, als könne ich sie ohnehin nie wieder erreichen, fühle mich wie ein scheuer Fuchs, die Ohren ständig gespitzt auf das Bellen der Hunde, um rechtzeitig flüchten zu können - auch wenn das Bild nicht ganz stimmt. Ich will nicht mehr flüchten, will nicht mehr rennen. Ich stehe hier, und bleibe hier, die Füße fest verwurzelt mit meiner Erde, meinem kleinen Fleckchen Leben, das so wenig ist und manchmal doch so viel sein kann. Nicht im Moment. Im Moment kann ich nicht geben, habe die Hände tief in mich selbst versenkt, soothing, um mein Herz zu bewahren, mich selbst zu bewahren, nicht wieder hinabgerissen zu werden in diesen brodelnden Abgrund aus schwärzester Verzweiflung und grellblauem Schmerz. Soothing. Und doch war da heute die Ahnung einer Wärme, wie ein Frühlingshauch mitten in meinem geliebten Herbst, der die Blätter bunt färbt, den Nebel schützend über die geheimen Orte legt, den Blicken der Menschen entzogen, die ohnehin nicht sehen und nicht verstehen, was sie nicht sehen und verstehen wollen. Wie ich den Herbst liebe. Alles duftet anders, alles erscheint anders in diesem golden-bunten Licht, die Sterne leuchten klarer, die Nacht verwandelt nicht in Schemen, sondern stellt die Konturen viel klarer heraus. 'The time of mist and mystery...' Diese Wärme, gespiegelt in zwei grünen Augen, die gefüllt waren mit einer Zärtlichkeit - soothing. Ich will doch. Aber die Gänge sind da, und die gläsernen Mauern, und ich weiß, daß es mehr brauchen wird als die Ahnung eines Frühlings um sie einzureißen, zu Fall zu bringen, ohne daß die Splitter sich in meine Haut bohren und mir die Adern zerfetzen, ohne daß ich mit ihnen zerbreche. Ich bin noch nicht bereit. Mein Herz braucht mehr, viel mehr. Soothing... |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]Sometimes, sometimes I loved someone Sometimes, sometimes Someone loved me That's all I know...[/COLOR] (Deine Lakaien, Sometimes) Getrocknete Tränen. Blick in den Abgrund, wieder und wieder. Glück - ein Gefühl, das ich nicht kenne. Und dabei weiß ich nicht einmal, ob ich es je kannte. Der Gedanke macht mich unendlich traurig, denn dadurch erscheint mir mein ganzes Leben als wertlos, unvollständig, nicht lebenswert. Leer. Versuche mich verzweifelt daran zu erinnern, wie sich Glück anfühlte, wie es schmeckte, an den Geruch, die Sicht, das Schweben - und kann es nicht. Meine Glücksmomente scheinen aufgebraucht und unwiederbringlich vergessen zu sein. Verwittert im Angesicht der Zeit, ihre Asche zerstreut mit den Winden, und nichts bleibt... Die Analytische kommt wieder hervor, schnipst ein Staubkörnchen vom schwarzen Kleid und definiert: "Glück - hmm, in welchen Momenten solltest Du Glück empfunden haben? Warte mal..." - und sie zählt ein paar Momente auf, und ich strecke mich innerlich, zurück, greife nach den Erinnerungen, den Momenten, und fühle nur Leere. So sehr ich mich nach dem Abglanz sehne - er bleibt mir verwehrt, unerreichbar fern. [COLOR=skyblue]'Die Mauer wächst am Rand des Seins...'[/COLOR] Die Theatralische sinkt auf ein Diwan, schlägt die Augen nieder und flüstert: "Vergangen. Vergessen. Und nichts bleibt..." [COLOR=skyblue]'Die Welt erstrahlt in 1000 Farben Die Tag für Tag in Dir erstarben...'[/COLOR] Ich wische sie beiseite. Zu viele Worte, und doch immer zu wenige. Zu viel ungesagt, zu wenig gesagt. Ich bezahle den Preis, so scheint es, jeden Tag aufs Neue, und er wird immer und immer höher. Nimmt das Leuchten der Vergangenheit mit sich fort und läßt mich im endlosen Grau zurück. [COLOR=skyblue]'Grau ist sie nun, wie kalter Stein Bis Du am End' aufhörst zu sein...'[/COLOR] Meine Beine geben nach. Meine Füße fühlen sich an wie Eis. Meine Hände sind kalt. Lasse los, einmal mehr, für einen weiteren Tag, lasse meinen Kopf in die Arme sinken, strecke mich aus, schließe meine Augen und hoffe auf einen schnellen und traumlosen Schlaf. |
| Nnordy | [COLOR=crimson]'Hold me, take me home...'[/COLOR] Zu Hause - noch einer dieser alten Begriffe, die ich dieser Tage mit keinem Inhalt mehr füllen kann. Sich zu Hause fühlen - unbekannte Komponente. Error. Restart. Ich bin nirgendwo mehr zu Hause, nicht mal in mir selbst. Ein Gefühl, als sei ich überall ein ungebetener, ungewollter Gast. Bleibe lang und länger auf der Arbeit, weil ich Angst davor habe, 'nach Hause' zu gehen. Es gibt kein Zuhause mehr. Ohne daß ich sagen könnte, wann es aufgehört hat, eins zu sein. Zuhause ist Wärme, Geborgenheit, Vertrautes, Sicherheit. Zuhause ist eine feste Konstante für jeden gesunden Menschen. Doch ich bin krank. Ich muß es sein, woher sonst käme die Abwesenheit eines so 'selbstverständlichen' Gefühls? Irre durch das Grau der Tage und schlafe durch das Dunkel der Nächte. Meine Füße schleppen sich langsam, mühsam, stolpernd dahin. Was ist es, das mich bedrückt, bedroht, mir die Kehle zuschnürt? Ich weiß es nicht, kann es nicht sagen. Denn vielleicht gibt es keine Ursache, keinen Grund. Vielleicht ist es einfach nur mein 'Krank-Sein'. Doch warum habe ich dann manchmal noch Sehnsucht, wo ich mich eigentlich abgefunden haben sollte mit dem, was ist? Warum immer noch Fragen, Fragen und wieder Fragen, nach all den Jahren des Kampfes? Es hört nicht auf. Ich muß zum Arzt. Ich habe Schmerzen, in der rechten Brust. Aber ich habe keine Angst. Vielleicht traut sich das Schicksal ja doch einmal endlich zur Tür herein. Sie steht weit offen... |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]'Sometimes you make me feel like I'm living at the edge of the world Like I'm living at the edge of the world It's just the way I smile you said' (The Cure, Plainsong)[/COLOR] Schnelles leises Klopfen. Langsam verrauchter Ärger. Es gibt Dinge die so unnötig sind. Sucht sich beweisen zu müssen. Unnötig. Es macht alles so viel schwerer. Und es macht mir das Herz schwer, denn ich merke, daß ich mehr und mehr Probleme bekomme, mit diesen Dingen umzugehen. Ich wünsche mir mehr Glauben in mich. Von Dir, aber auch von mir. Ich brauche keine Bestätigung, ich muß nichts beweisen müssen. Bloß den Glauben daran spüren, daß ich bin, und daß ich es kann. Daß ich es schaffen kann. Ist das zuviel? Ich kann wie ein störrischer Esel sein. Ich mag Esel, vielleicht auch deswegen. Ramme die Füße in den Boden, beharrlich. Nicht weitergehen, denn der Weg ist der falsche. Manchmal denke ich, ich habe meine Körper mitgehen lassen, aber mein Geist verharrt immer noch an derselben Stelle, unerschütterlich, fest, weil er weiß, weil er wußte, daß es der falsche Weg ist. Kann man zurückgehen, und wieder eins werden, mit sich, und es noch einmal versuchen, mit dem anderen Weg? Ich muß kein Vogel sein. Mir reicht ein Esel-Dasein. Entgegen der landläufigen Meinung sind Esel sehr intelligente Tiere, mit unglaublichen Nehmer- und Geberqualitäten. Was mußten sie sich wohl mit ihren großen Ohren schon alles anhören, wenn sie jemand als 'dumm', 'störrisch', 'blöd' beschimpfte, ihnen eins überzog? Warum sehen Menschen immer bloß die Kulisse, und schauen niemals tief in die Augen, um tiefer zu sehen, die Fassade hinter sich zu lassen und hinabzusteigen zu den wahren Gründen des Wesens? Ich habe meine Flügel abgegeben. Meine Zeit des Fliegens ist vorbei, nun sind andere dran. Mir ist nicht einmal wehmütig zumute, wenn ich daran zurückdenke, denn noch immer ist in mir nur Leere, wo warme, leuchtende Erinnerungen und Gefühle sein sollten. Bin zum grauen Schemen verblasst, und mache immer noch gute Miene zum bösen Spiel nach außen. Bin immer noch da, höre zu, gebe Ratschläge oder einfach meine Einschätzung ab, denn dies kann ich - noch. Vielleicht hört auch das irgendwann einmal auf, und vielleicht werde ich dann zu einem federleichten Schatten im Wind, ganz ohne Substanz, und werde fortgeweht, wohin auch immer. In meiner Seele öffnen sich immer mehr Türen, und Bilder und Worte quellen daraus hervor, treiben nach oben und verschaffen sich Raum. Sie fließen in meine Hände, meine Finger, und lassen mich schreiben, lassen sich schreiben, um mich danach zu verlassen... Ich gehe durch lange, leere Gänge, vorbei an unzähligen Türen, mit dunklen, leeren Räumen ohne Mobiliar, und hoffe, dennoch, wider besseres Wissen, auf einen hell erleuchteten Raum, mit zwei gemütlichen Ohrenbackensesseln, in den ich hineinkommen und bei mir sein darf... |
| Odessa | Du weißt ja schon, daß es da noch diesen Relax-Sessel gibt...den Du mir geschenkt hast. Da passen auch zwei rein. Ich mag Esel übrigens auch. Sind wie Kühe - sanftmütig, duldsam...aber mit Charakter und Rückgrat. Ochs und Esel standen auch neben Jesus an der Krippe. War sicher nicht die schlechteste Gesellschaft. Herz-lichen Gruss, Deine Freundin |
| Nnordy | [SIZE=1]Danke, meine Liebe, für diese Worte... Ein Lächeln und ein Nicken haben sie mir entlockt - Du hast Recht, wie so oft...[/SIZE] [COLOR=royalblue]Visions in blue...[/COLOR] Manchmal habe ich das Gefühl eines Filters, zwischen mir und dem 'Draußen'. Und dann wiederum habe ich das Gefühl, als würde die Zeit nur in großen Brocken vergehen, und ein Tag, auch wenn es gerade mal 16.00 Uhr ist, bereits zu Ende sein, und mir damit den perfekten Grund liefert, um einfach nur totengleich ins Bett zu fallen... Der einzige Ort, an dem ich mich noch halbwegs wohlfühle, und den ich wohl aus genau diesem Grund auch am liebsten gar nicht wieder verlassen würde. Der einzige Ort, an dem es eine letzte Ahnung von Wärme gibt, von Körperwärme, obwohl mir doch ständig und immer kalt ist. Und sobald ich es schaffe, mich aus dieser Wärme herauszuquälen - ist der Tag eigentlich schon gelaufen. [COLOR=indigo]'Es ist ein abscheuliches Ereignis frühmorgens aufzustehen die eigenen leeren Augen im kalten Spiegel zu seh'n...'[/COLOR] Die Angst vor dem Blick in den Spiegel ist schon vor einiger Zeit von mir abgefallen, im gleichen Maße, in dem die Gleichgültigkeit und Leere zugenommen hat. Bin gefangen in einer endlosen Spirale, und komme nicht heraus. Die Medis nehme ich nicht mehr, weil mir davon speiübel wird - und vielleicht auch, weil ich immer noch leise ahne, daß ich sie eigentlich nicht brauche. Daß es eigentlich etwas ganz anderes braucht, um meine Lebensgeister, die sich in die hintersten Winkel eines nur noch bruchstückhaft vorhandenen Selbst verkrochen haben, wieder hervorzulocken, zu entfachen, mit der Energie, die ich stets für selbstverständlich nahm, bis ich sie verloren und damit erst begriffen habe, daß nichts im Leben selbstverständlich ist. Die Wut ist derzeit, wie so oft, verraucht. Hat nichts als kalte Asche zurückgelassen. Ich lächle wieder - mein melancholisches Lächeln, daß meine Züge weicher macht, während ich innerlich vor dem letzten Glimmen des Feuers sitze und noch verzweifelt versuche, es am Leben zu erhalten, wohl wissend, daß ich einen aussichtslosen Kampf kämpfe, wie so oft. Blätter fallen zu Boden. Was noch? |
| Nnordy | Es pocht, pocht, pocht. Kopf ist schwer. Herz ist müde. Alles was Leben ist fließt unaufhaltsam aus mir hinaus, ich vertrockne, spüre wie die Seelenwände die Konsistenz von Papier bekommen, brüchig werden, bei der leisesten Berührung zu Staub zerfallen. Ich versuche und versuche, kämpfe und begehre auf, wieder und wieder, doch nun scheint ein Weg gefunden zu sein, um die letzten kleinen Quellen von Kraft und Energie abzudrehen. Kopf tut weh. Ich könnte schreien vor Frustration - und tue es nicht. Warum auch? Verschwendeter Atem. Atmen ist schwer geworden, jeder Atemzug bringt immer ein klein bißchen zu wenig Sauerstoff in meine Lungen. Ein Gefühl, als ob mir jemand den Saft abdreht. Müde, melancholische Blicke, bitteres Lächeln ohne Wärme in den Augen. Leere. Wie das Nichts in der Unendlichen Geschichte, die mir nun in den Sinn kommt, obwohl ich das Buch seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gelesen habe. Wo ist meine Stundenblume? [COLOR=royalblue]Die Uhr schlägt langsam ins Leere Herzen sind schwer Die Engel sind am Verlieren Zu beten lohnt sich nicht mehr..." (Fliehende Stürme, Satellit)[/COLOR] Kopf schwer. Herz schwer. Seele leer. |
| Nnordy | [SIZE=1]Angeregt durch ein Gespräch am heutigen Tag fließen mir wieder Gedanken durch den Kopf...[/SIZE] [COLOR=seagreen]Hello earth hello earth - with just one hand held up high I can watch you fall out of sight Peek-a-boo Peek-a-boo little earth... (Kate Bush, Hello Earth)[/COLOR] Die Sonne steht noch goldorangestrahlend am Horizont, doch ihre Unterkante verschwindet bereits in den Gefilden dahinter, die Nacht dunkelt herein. Wie gern würde ich jetzt irgendwo auf einem der vielen Berge sitzen, die es gibt, und der Sonne von dort aus zuschauen, wie sie sich verabschiedet von der nördlichen Halbkugel, um auf der südlichen Hemisphäre einen neuen Tag einzuleiten... Würde dort sitzen, während der Abend vergeht und die Nacht den Himmel mit einer samtigen Sternendecke überzieht, würde mich zurücklegen und die Sterne ansehen, wie sie dort oben funkeln, heruntergrüßen, ein Zwinkern im Augenwinkel des Universums. Vielleicht ist es auch nur die Ruhe, nach der ich mich sehne, ein 'zur-Ruhe-kommen', ein Ankerpunkt, ein Pol, um den ich mich drehen und pendeln kann. Die Ruhe, die ich nicht mehr finde, in dieser Zeit, in der ich mich fühle wie ein gespannter Bogen, ständig unter Anspannung, ständig unter Strom, gekoppelt an all die vielen Erwartungen, die Menschen an mich stellen. Es macht mir Angst. Menschen, die mich kaum kennen, und mich 'toll' finden, mich für 'hochintelligent' halten, für 'fehlerfrei', die in meine 'Ausstrahlung' Dinge hineininterpretieren, die vielleicht gar nicht da sind. Ich hasse es, Erwartungen zu enttäuschen, und doch kann ich nicht anders. Ich bin nunmal bloß ich - nicht mehr, nicht weniger. Wieso sehen viele dort Dinge, die gar nicht da sind? Und wieso sehen sie Dinge nicht, die dort sind? Wieder einmal will ich mich nicht ständig Erwartungen und Ansprüchen ausgesetzt sehen, will genügen als das was ich bin. Warum scheint dies unmöglich zu sein? 'Ikonisierung' hast Du es genannt, meine liebe Freundin. Ich verstehe, was es bedeutet - aber ich weiß nicht, woher es kommt. Es macht mir Angst, denn die Zeit der Demontage wird kommen, und ich werde verantwortlich gemacht werden, obgleich ich nichts dafür kann. |
| Odessa | Meine Liebe.... das Wort habe ich von Michaela und auch aus Konversationen mit Lord Pyrus. Gegenstand so vieler stundenlanger Gespräche am Telefon. Die Ikonen - hier, da, dort draussen.... all die Menschen, die für das, was Andere in ihnen sehen (wollen), "verantwortlich" gemacht werden. Der, der z. B. schwach ist, liest/sieht in Dir und Deinen Worten die Stärke. Und bewundert Dich dafür. Er hinterfragt nicht, ob sein Bild wirklich stimmt, sondern er "verurteilt" (beurteilt) Dich nach dem 1%, das Du ihm zeigst. Auf der Bühne (auch des Lebens), in geschriebenen Worten hier. Wird er gewahr, daß die anderen 99% Deiner Selbst nicht so sind, wie er sich das in seinem Kopfkino von und mit Dir "erträumte", beginnt er, Dich zu hassen, Dich zu verachten. Das Feindbild ist perfekt. Du kannst fürderhin machen was Du willst, Du kannst sagen was Du willst, Du kannst schreiben was Du willst - es gereicht Dir nur zum Nachteil, denn "man" projeziert nun all die Enttäuschung über "Dein" Versagen (denn Du hast ja nicht dem Dir völlig ungefragt aufgedrücktem "Bild" entsprochen das "man" sich von Dir machte...) auf Dich und alles, alles gereicht Dir nur zum Nachteil. Das ist der Teil der Ikonisierung und "An-Kultung", den Du richtig als "Demontage" bezeichnet hast - das Ende des Kults, das Ende der Illusion, und der Beginn des Teils, wo sich die reiferen unter den "Anbetern" noch zu wahren Freunden entwickeln können. Wenn sie einsehen, daß es ihr eigener Fehler war, der sie ein verzerrtes Bild von einem Menschen "sehen" ließ. Und die dann fähig sind zu erkennen, daß sie diesem Menschen Unrecht taten. Indem sie ihn zur Ikone, zum "Kult", erhoben, anstatt diesen Menschen einfach nur anzunehmen. Als Mensch. Mit all seinen Fehlern, Befindlichkeiten und Ängsten. Du weißt, daß Du Freunde hast. Richtige Freunde. Die die Frau lieben, hinter der Sängerin. Die nicht die Show lieben die Du ihnen bietest, sondern eher den backstage-Bereich. Die DICH kennen und nicht den "nick" benutzen, um sich zu schmücken mit Deiner Bekanntschaft. Ikonen. Das virtuelle Leben macht es noch leichter, Menschen auf Ikonensockel zu stellen. Ein nick, ein paar nette Geschichten, und schon läuft das Kopfkino, schon werden Sehnsüchte und Wünsche geweckt und - vermeintlich - erfüllt. Die Demontage und der Hass der Menschen, deren Sehnsüchte und Wünsche und völlig irrationale "Bilder" über Andere nicht erfüllt werden.... sie sind nicht Deine Schuld, nicht Schuld jeder Ikone. Sie sind einzig und allein Schuld der Menschen, die einen Menschen - ungefragt und ohne dessen Zutun - zur Ikone machten. Zu einem leblosen Abbild, das ihre Träume zu befriedigen hat... Ich schätze und achte Dich als Freundin sehr. Deine Musik mag ich. Für mich mußt Du nicht funktionieren und auf einem Sockel oder einer Bühne stehen. Ich hab Dich lieber "hier unten", bei mir. So wie Du bist. Die Show und Party - sie war nie das, was meine Freunde ausmachte. Daß es bei Dir genauso ist, weiß ich. |
| Nnordy | [COLOR=red]I put this moment here...[/COLOR] Die Untersuchung. Das Gesicht der Ärztin. Das Bild auf dem Bildschirm, vielleicht nur graue Schlieren, mit einigen schwarzen Flecken dazwischen. Und gleichzeitig mein Kopf, so leicht, so unbeteiligt, als wäre es gar nicht ich, die dort liegt, und auf eine Einschätzung, eine Diagnose wartet... Natürlich gibt es keine Diagnose - noch nicht. Umschriebene Mastodynie, es gibt da kleine Knötchen und 'unruhiges Gewebe'. Überweisung an die Radiologie. Und noch immer ist mein Kopf seltsam leicht und unbeteiligt. Vielleicht ist es gar nichts, vielleicht ist ja alles ok. Wenn da nicht die Schmerzen wären, und diese seltsamen Veränderungen im eigenen Körpergefühl. Dennoch schlägt das Herz ein wenig schneller. Habe ich Angst? Nein, Angst DAVOR habe ich keine. Warum auch. Wer nichts mehr zu verlieren hat, kennt keine Furcht. |
| Nnordy | Stop the ticking of the clocks... Zurück von der Spontanvisite von einem seiner 'Klienten' - Herr M. Ich kenne Herrn M. aus seinen Erzählungen seit über einem Jahr, und im Spätsommer durfte ich ihn auch persönlich kennenlernen - Herr M. geht mir ans Herz, weil er mich so sehr an meine Omi erinnert. So sehr, daß es weh tut. Er ist auch einer von denen, die ihr ganzes Leben lang gelitten haben - durch Medikamente, die er nehmen mußte, hat er Leberzirrhose bekommen, und liegt nun da, mit einem dicken Bauch, der bestimmt ein Viertel seines Körpergewichtes ausmacht, und muß jede Woche punktiert und abgeführt werden, obwohl er schon seit Jahren nichts mehr richtig essen kann. Sein ganzer Körper ist dünn, ausgemergelt, ein Auge ist kaputt (bzw. dessen Glaskörper), laufen kann er auch nicht mehr, und dann dieser riesige Bauch... Aber er ist ein Nehmer, er steckt ein, und wird darüber nicht bitter. Seine Frau erzählt es mir, mit rotgeränderten Augen - wie gut ich sie verstehe. Nichts ist schlimmer, als sich hilflos zu fühlen, wenn ein geliebter Mensch leidet und man nicht helfen kann, obwohl man gern alles tun, alles opfern würde, um zu helfen... Herr M. ist stark, er gibt nicht klein bei, auch wenn er seit einigen Monaten leidet - natürlich ohne sich seiner Frau gegenüber etwas anmerken zu lassen. Eigentlich ist er ein medizinisches Phänomen - von Ärzten und Pflegern schon so oft aufgegeben, und immer wieder hat er sich aufgerappelt. Er lebt. Und geht mir ans Herz. Schmerzhaft, so sehr, daß ich mich dabei ertappe, wie ich heftig blinzele, weil meine Augen verräterisch feucht werden. Ich möchte ihn einfach nur in die Arme nehmen und drücken, dankbar dafür, daß es solche Menschen wie ihn, wie meine Omi, gibt und gegeben hat. Solche Menschen, die es immer abbekommen haben, und es ausgehalten haben, mit der ihnen eigenen Würde, ohne darüber bitter zu werden oder verstockt. Die das alles ertragen und dabei noch diejenigen um sie herum trösten. Unglaubliche Stärke, unglaubliche Wärme. Es berührt mich, so sehr, es tut weh. Leuchtende menschliche Inseln in unserer kalten dunklen alltäglichen Welt, in der es nur um Profite geht, um Renditen, um Pfründe, um Macht. Es ekelt mich an. Ich bekomme zunehmend Schwierigkeiten, noch auf die Arbeit zu gehen, weil mir alles so hohl vorkommt, leer, bedeutungslos. Und ist es das nicht auch, im Angesicht der Welt und im Angesicht dessen, was Menschen anderen Menschen tagtäglich antun? Ich möchte schreien, und endlich einmal hoffen dürfen, daß es doch, irgendwo, vielleicht eine Hoffnung gibt auf ein happy-end, daß die Bösen einmal besiegt werden und die Guten belohnt, daß die Duldsamen nicht noch weiter gequält und die Folterer nicht für ihre Taten belohnt, sondern abgestraft, einsichtig werden, daß Menschen sich einmal dessen besinnen, was 'Menschlichkeit' heißt, und daß man sie am besten im Umgang miteinander beweisen kann. Doch in mir ist keine Hoffnung mehr, und in solchen Augenblicken wird mir mit schmerzlicher Klarheit bewußt, daß ich für diese Welt nicht tauge. Ich bin nicht stark genug, nicht groß genug, nicht hart genug. Meine Schale hat Risse bekommen. Irgendwann geht sie kaputt - unwiderruflich. |
| Solstice | Ich habe den richtigen Song für uns beim NW-Treffen: Kate Bush und Peter Gabriel: Don´t give up (´cause you have friends...) ;) |
| Nnordy | Doc, ist gekauft! :) [SIZE=1]Danke Dir... Und das fällt mir spontan als ergänzende Textzeile ein: 'When all hope is lost / hold out your hand / cause friends will be friends / right till the end...' Ich mochte Freddie... [/SIZE] |
| Darket | [QUOTE]'When all hope is lost / hold out your hand / cause friends will be friends / right till the end...[/QUOTE] Denke daran Nnordy.... |
| Nnordy | [SIZE=1]Eine kleine Meditation über Freunde und das Wesen der Freundschaft...[/SIZE] [COLOR=teal]When you hear me calling Will you be there? When you see me falling Will you be there? Will you be there? (Deine Lakaien, 'Return')[/COLOR] In den vergangenen Monaten habe ich mir oft, sehr oft, Gedanken gemacht über das Wesen der Freundschaft. Wer ist ein 'Freund'? Wer ist ein 'Bekannter'? Was macht eine Freundschaft aus, was ist ihre eigene, spezielle Qualität, was unterscheidet einen Freund, eine Freundin von einem Bekannten, einer Bekannten? Und so kristallisierte sich heraus, daß ich eine winzig kleine Anzahl wirklicher 'Freunde' habe - was nicht schlimm ist. Ich weiß, daß ich mich auf diese Menschen verlassen kann. Ich weiß, daß sie da sind, wenn ich sie brauche. Es sind Leute wie B., die, sobald ich ihr davon erzählte, sofort sagte: "Ich komme mit zur Untersuchung, ich lasse Dich da nicht allein hingehen." Oder Leute wie D., die, wenn ich sie anrufe und heule, sofort fragen: "Wo bist Du? Ich komme sofort." [SIZE=1]An dieser Stelle auch nochmal ein Gedanke und ein Dank an Dich, lieber Doc - you know why...[/SIZE] Oder jene, die mich prüfend ansehen, tiefer, weiter hineinsehen, und sich vor dem Schmerz, der dort ist, nicht abwenden, sondern mich vielleicht einfach nur wortlos in den Arm nehmen. Leute wie I., der ich, trotzdem wir uns noch nie in der Realität gesehen haben, uns nur von hier kennen, vom Schreiben und Hören, alles erzählen kann, die mir zuhört, mich aufbaut, tröstet, Ratschläge gibt ohne dabei den Oberlehrer rauszukehren, wo ich einfach nur das Gefühl habe, ich rede mit einem Menschen. Nicht mit einer Wand. Und es gibt Menschen, die, manchmal nur für Momente, Freunde sind. Man berührt einander kurz, im Geiste, und ist für diesen Moment verbunden, in einer Qualität, die intensiv und vertraut ist, um dann gleich wieder loszulassen. Einige dieser Menschen gibt es hier auf diesem Board, und auch für sie bin ich dankbar. Es ist ein wunderbares Gefühl, zu wissen, daß sie immer wieder zu 'Momentfreunden' werden können - und zu wissen, daß sie, ab und an vielleicht, an mich denken. Und ich hoffe, daß es keine schlechten Gedanken sind. In jüngeren Jahren schloß ich schneller Freundschaften, weil der Begriff 'Freund' für mich damals ein anderer war. Klar hatte ich ein, zwei beste Freundinnen - wie heute auch - aber es gab viele Menschen, die ich heute bestenfalls als 'Bekannte' bezeichnen würde, die ich damals 'Freunde' nannte. Im Laufe der Zeit änderte sich das, wenn auch nicht rasch. Erst eine Weile vor dem Beginn meiner Depression habe ich damit begonnen, mein Umfeld etwas zu 'sortieren', mich selbst zu überprüfen und zu schauen, wer mir gut tut und wer mich nur ausnutzt. Es gibt Menschen, die sind wie Vampire - sie saugen die Energie aus anderen heraus, und brauchen sie für sich selbst. Eine Zeitlang schien ich solche Menschen magisch anzuziehen - bis ich sie erkannte, und meine Konsequenzen zog. Es war nicht schön, aber nötig. Wie so viele Dinge im Leben, die nötig sind, und bei denen so manches Mal jegliches Gefühl für Takt und Sensibilität auf der Strecke bleibt. Ich begann damit, mein Konzept von 'Freundschaft' zu überprüfen, mich selbst und meine Erwartungen auf den Prüfstand zu stellen, und damit auch eine Quelle von Unzufriedenheit und kleinen Stichen, die ich manchmal vernahm. Merkte, daß ich jemand bin, der sich für Freunde ein Bein ausreißt und auch mal einen Arm - und erwarte dafür keine Gegenleistung oder weitreichende Dankesbekundungen, ein einfaches 'Danke', ein dankbarer Blick, eine Umarmung reichen völlig. Doch habe ich das Recht, diese Erwartungen auf andere zu projizieren? Nein. Denn echte Freunde geben freiwillig, gern, gehen bis zu den eigenen Grenzen wenn es darum geht, einem Freund zu helfen. Wie ich es tue. Wie es jeder tut, den ich meinen 'Freund' nennen darf. Freunde wenden sich nicht genervt ab, wenn ich zum 100. Male über die gleichen Probleme heule, sie hören vielleicht 99 Mal zu, waschen mir aber auch einmal den Kopf, und sagen: "Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie Du Dich kaputt machst." Rütteln mich wach für meine Verantwortung, die ich trage, auch für andere Menschen. Ich kann nicht nur egoistisch sein, es gibt andere, denen ich etwas bedeute. Mich aus der Verantwortung fortzustehlen ist feige - und gehört mit zu den Dingen, die ich an anderen Menschen verachte. Man muß seine Verantwortung übernehmen, schultern können, dafür einstehen. Das sind Menschen mit Rückgrat, die geradenen Rückens, mit erhobenem Haupt, durchs Leben gehen können und müssen. Freunde sind da, wenn ich sie brauche, leihen mir Auge und Ohr, Arme und Beine, Hände und Füße, wenn mein eigener Körper nicht mehr funktionieren will. Wenn Wiederbelebungsmethoden erforderlich sind, ohrfeigen sie mich schon mal links und rechts, und helfen mir dann, mich aufzurappeln, so lange weiterzulaufen, bis die eigenen Füße mich wieder tragen. Freunde melden sich, auch wenn ich mich wochenlang nicht melde, und halten mir nicht vor "Du meldest Dich ja nie" oder "Du hättest ja auch mal anrufen können", denn sie wissen, daß eine Zeit kommen kann, wo das wieder anders ist, wo es umgekehrt sein wird. Eine Freundschaft ist Geben und Nehmen. Immer. Und auch in Zeiten des Ungleichgewichts hat sie Bestand, denn einmal wird es wieder anders sein. Ich fühle mich im Moment nicht wie eine gute Freundin, mit all meinen Unzulänglichkeiten, all meinen Fehlern, meinen immer gleichen Problemen, doch ich weiß, daß das echten Freunden egal ist. Und so hoffe ich auf andere Zeiten, in denen ich diejenige sein kann, die auffängt, und bis dahin werde ich versuchen, meinen Rücken zu straffen, und wenn schon nicht mit weniger Tränen und weniger Schmerz, so doch zumindest mit Rückgrat weiterzugehen... Danke an all diejenigen, die mich 'Freundin' nennen... |
| Odessa | ...grad heute habe ich über das gleiche Thema geschrieben, Angie... und habe jemand "in die Wüste geschickt", weil er eben kein Freund ist. Sondern nur ein Vampir, der sich immer nur dann bei mir meldete, wenn er (besser: sie) etwas brauchte von mir. Freunde sind rar und kostbar. Bekannte gibt es zuhauf. Und "einseitige" Freundschaften leider auch. Es ist schön und richtig, daß Du Dich (auch) nicht mehr benutzen lässt. Danke an der Stelle (mal wieder und nochmal), daß Du mich Freundin nennst... Liebsten Gruss Die, die keine Wand ist, die aber durchaus mit dem Kopf durch die Wand geht für und bei Freunden ;-) |
| Darket | Nnordy, vielleicht ist es etwas vermessen, aber ich nenne Dich genauso. Man mag sich fragen weshalb, wir telefonieren so gut wie nie und sprechen in der Regel auch nicht über Dinge von hochemotionalem Inhalt, dennoch. Als Du mich vor einigen Wochen anriefst und Dich teilweise vor mir, dem Du nun wie angeklungen auf emotionaler Ebene eigentlich nichteinmal so nahe stehst, geöffnet hast, hat mir das viel bedeutet. Weil ich Dich gerne habe und bemerken konnte, dass diese Sympathie gegenseitig besteht. An dem Freitag in Magdeburg habe ich ebenso gefühlt. Du hast Dich bestimmt fünfmal bei mir bedankt Euch diesen wirklich kleinen Gefallen getan zu haben, ich kam mir schon beinahe blöd vor, Du hattest immerhin meine Zugfahrt bezahlt und für mich war es irgendwie völlig selbstverständlich wenigstens eine kleine Gegenleistung zu erbringen. Die Tatsache, dass Du es nicht als selbstverständlich betrachtet hast, hat mir viel bedeutet und mir gezeigt, dass sich Gefallen unter Freunden nicht aufrechnen lassen müssen. Du hast mir einen Gefallen getan und ganz unabhängig davon war ich glücklich Dir einen tun zu können. Sowas ist viel wert... :) Deshalb nenne ich Dich eine Freundin, jemanden, dem ich gern helfe, wenn ich kann und jemand, von dem ich zu wissen glaube, dass sie darüber ebenso denkt. Ich freue mich auf Sylvester. Ich freue mich auf Euch, aber ich freue mich auch speziell auf DICH! Alles liebe Deniz |
| TwilightSun | [I]Denn was ist ein Freund, wenn ihr ihn nur aufsucht, um die Stunden totzuschlagen? Sucht ihn auf, um die Stunden mit ihm zu erleben. Denn er ist da, eure Bedürfnisse zu befriedigen, nicht aber eure Leere auszufüllen. Und in der Süße der Freundschaft lasst Lachen sein und geteilte Freude. Denn im Tau kleiner Dinge findet das Herz seinen Morgen und wird erfrischt. [/I] -Khalil Gibran. Freunde. Freundschaft. Die Grübeleien über diese Begriffe sind wohl unvermeidlich, wenn Umbrüche anstehen. zumindest ging es mir in den letzten Wochen so. Es bleibt - wenig. Wenige Menschen, die ich so bezeichnen möchte, die mir dieses Wort wert sind. Du gehörst dazu, liebe Nnordy. Weil es warm wird in mir, wenn ich an dich denke. Weil es mich freut, wenn ich dein Lachen sehe. Weil du beruhigend bist für mich. Weil du da warst, geholfen hast. Weil du mir das Gefühl gegeben hast, nicht allein und auch nicht bescheuert zu sein. Und weil ich mir wünsche, das zurückgeben zu können. Irgendwie. Auch wenn ich mir manchmal blöd dabei vorkomme, weil ich nicht weiß, was ich dir mit meinen 20 Jährchen schon sagen soll. Auch wenn es darauf eigentlich nicht ankommt. Auf das Alter. Weil ich dir zuhören werde, wenn du reden willst. Weil ich da sein will. Weil du du bist. Einfach du. Und das ist schön so. |
| Jester | Wenn Worte nicht mehr wichtig sind, wenn Themen nicht von Belang erscheinen, wenn einfach auch nur mit einem Schweigen alles gesagt sein kann was tausend Worte nicht verkünden können, dann ist das erreicht was man sich am sehnlichsten wünscht! So ein Schweigen schenke ich dir, und hoffe das sich die Wotrte in deinem Geiste füllen! *Fühl dich gedrückt* P. |
| Nnordy | [COLOR=purple][SIZE=1]Ich bin gerührt... Wirklich und ehrlich. Und ich möchte Euch danken, für die Worte und Gedanken und für das, was sie mir bedeuten... Einen sanften und kleinen Gruß zur Nacht in den Süden, den Norden und den Nordosten... '500 Kilometer sind nicht so weit entfernt' - auch in einem positiven Sinne...[/SIZE] [/COLOR] |
| American Psycho | Sie erlebt nicht mehr [B]Tag[/B] und [B]Nacht[/B] . Sie weiß nicht, was der Unterschied ist. Sie lebt nur mit dem [B]Ziel[/B] , dass die [B]Zeit[/B] vergeht, dass sie wieder gesund wird, ihr Leben wieder in den Griff bekommt. Hatte sie es je im Griff? Oder war es immer ein ersticken des [B]Schmerzes[/B] durch ein kurzlebiges [B]Glücks[/B] gefühl? Läuft nicht alles darauf hinaus? Sie läuft durch ihre Welt, doch sie sieht die Dinge nicht durch [B]ihre Augen[/B]. Sie ist nur ein [B]Beobachter[/B] , der erstaunlich viele Einblicke in die Person M.B. hat. Sie merkt wie ihre Beine sich bewegen, wie ihr Mund Worte formt, wie sie etwas kund tut, was wohl ihre Meinung ist, wie sie über etwas lacht, was wohl ihrem Humor entspricht. [COLOR=crimson]Sie ist nur eine Hülle, in der eine Seele wohnt, die nicht mehr nach Hause findet und die schwach ist.[/COLOR] [I]Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort, Und die Welt hebt an zu singen, Triffst du nur das Zauberwort. [/I] [U]Wie heißt das Zauberwort?[/U] |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]Sleep my bird, the wind brushes the sky Sleep my love, the moon opens his eyes Sleep my child and don't ask why Listen to the wind he's telling you lies... (Fields of Winter)[/COLOR] Wach liegen. Jede Nacht liege ich wach. Bleibe immer länger auf, damit ich müde genug bin, um schnell einzuschlafen, doch das Konzept geht nicht auf. Selbstbetrug. Jede Nacht liege ich wach, drehe mich von einer Seite auf die andere, lausche Deinen langsamen und ruhigen Atemzügen, bin glücklich daß Du da bist. Doch trotzdem kann ich nicht einschlafen. Meine Füße sind eiskalt und werden nicht warm, was ich auch versuche. Das Sandmännchen macht den Sack vor meiner Nase zu. Keinen erholsamen Schlaf übrig für mich. Schlaflos. Erwache jeden Morgen spät und später, wie gerädert, nicht ein bißchen erholt, als hätte der Tag nie aufgehört und als wäre ich nie zu Bett gegangen. Tag um Tag, ereignislos, unterschiedslos, leblos. Mechanische Rotation um die eigene Achse. Ich liege wach, und kämpfe mit mir, sehe all meinem Versagen ins Gesicht, obwohl ich es abwehre, versuche, in den hintersten Winkel meines Hirns zu verdrängen. Gestern ist es mir jedoch nicht gelungen. Schwer lasten sie auf mir, all die kleinen und großen Versagen der Gegenwart und der Vergangenheit, erdrücken mich schier mit ihrem Gewicht, zerquetschen mich langsam. Atemlos. Traumlos. Kein schöner Anblick. Versuche verzweifelt, mir schöne Erinnerungen, glückliche Momente ins Gedächtnis zu rufen, um einschlafen zu können ohne Angst, doch vergeblich. Für die Erinnerungen braucht es vor allem die Erinnerung an das Gefühl - doch die ist mir, sind mir abhanden gekommen, irgendwann, vor ein paar Wochen oder vor 100 Jahren. Alles einerlei. Gleichgültig. Vorbei. Ich liege wach, und sehne mich nach einem tiefen, erholsamen, traumlosen Schlaf. Ich will nicht mehr träumen, denn in meinen Träumen erhalten all meine Ängste immer neue, immer grauenhaftere Gestalten. Auch, wenn ich mich nie an sie erinnere - ich will mich ihnen nicht mehr stellen. Will doch nur meinen Frieden, will Ruhe, Entspannung, auch, wenn ich genau weiß, daß ich sie nicht finde und nicht bekomme. Mich läßt man nicht in Ruhe. Phantasmagorische Alpdrücke lauern in den Tiefen meines Unterbewußtseins, bereit für den Moment, wenn die Barrikaden verlassen sind, um sie zu verbrennen, hervorzubrechen wie der leibhaftige Armageddon und über mein letztes bißchen Selbstachtung hinwegzufegen und es in Asche zu verwandeln. Ich liege wach, und Tränen laufen über meine Wangen. Was ist bloß mit mir passiert? |
| Jester | Alive Where's the hand that guided me My cry within me is let me be Crossing the endless seas of pain Fighting against torrential rain It seems pain is the experience in life I'm sorely Tried by affliction in my life I have to master this impossible situation This driving force is my salvation The world in my arms - I'm alive Love is gain, pain is strife In my world - I'm alive And I can't see danger - anymore This driving force sets me in strife That driving force that's in my life Whatever the pain is - I must survive Determination keeps me alive [COLOR=red]This extreme situation makes me realize - I'm alive It makes me realize it changed my life[/COLOR] Hope is the hand that guided me Secured by the hand that set me free. Die Krupps - Alive |
| Nnordy | [COLOR=orangered]Try... If I could try...[/COLOR] Sind es unsere Entscheidungen, die uns zu dem machen, was wir sind? Oder sind nicht - viel wichtiger als die Entscheidungen allein - die daraus resultierenden Handlungen das eigentlich Wichtige? Und was passiert, wenn man eine Entscheidung fällt, aber die daran anknüpfende, notwendige Handlung unterbleibt? Entwertet das die Entscheidung? Relativiert es sie? Oder wird sie dadurch völlig unwichtig, nebensächlich? Gestern Abend habe ich eine kleine Entscheidung getroffen, die so manchem marginal vorkommen wird, möglicherweise eine Selbstverständlichkeit, doch für mich sollte sie Signalwirkung haben. Ich wollte endlich den Rat des Arztes beherzigen und das tun, was ich schon längst hätte tun sollen, schon vor einem Jahr, oder vor zwei Jahren: Wieder eine Struktur in mein Leben bringen. Aufhören mit dem in-den-Tag-hineinleben, mit dem sich schleppen von Stunde zu Stunde, durch Tage, Nächte, ganz ohne Unterschied. Klare Strukturen, um vielleicht auch endlich wieder einen Horizont zu sehen, einen Orientierungspunkt zu haben. Laut habe ich die Entscheidung verkündet - nur um heute Morgen wieder an mir selbst zu scheitern, an meinem inneren Schweinehund, der jede Bemühung in dieser Richtung torpediert, erbarmungslos und hinterhältig. Irgendwann schmeißt die Ratio resigniert die Flinte ins Korn und dreht dem armseligen Szenario den Rücken zu. Erklärungsnöte - und trotzdem schaffe ich die nötige Aktivität, die Aktion, nicht. Fühle mich wie in einem Hamsterrädchen - laufen, laufen, und nie ankommen, und je schneller man läuft, umso keuchender wird der Atem, umso früher bricht man zusammen. Ich fühlte mich besser, nachdem ich die Entscheidung laut verkündet hatte - und umso schlechter, als der heutige Morgen zeigte, daß es zunächst nur ein Lippenbekenntnis war. Wo ich doch Lippenbekenntnisse zutiefst verachte, sie entfremden die Worte von dem, was sie sind und sein können, und machen sie zu bloßen Hüllen ohne Inhalt, ohne Sinn. Sinnentleerung der Sprache - eines der schlimmsten Dinge, die man tun kann, auf dieser Ebene. Sprache lebt durch uns - so mit ihr zu verfahren, ist, als würde man sie verstümmeln. Selbsthaß. Scheine mich in eine Person zu verwandeln, die mir selbst fremd ist. Erschreckend. Gespenster der Vergangenheit, doch mit neuer Tonlage. Da sind Dinge, die mir mein Leben lang fremd waren - und dieses nun zu bestimmen scheinen. Muß ich einen Kampf gegen Windmühlen führen? Gibt es überhaupt eine Aussicht auf Erfolg? Ich weiß es nicht, will es vielleicht nicht wissen. Abwarten. Sehen und erleben, was der nächste Morgen bringt. Vielleicht gibt es noch Hoffnung. Vielleicht. Unwahrscheinlich. |
| Nnordy | Klopf. Klopf-klopf. [COLOR=seagreen]'En hiver, c'est en hiver...'[/COLOR] Es hat geschneit. Gestern Abend, nachdem wir den 'Polarexpress' gesehen hatten, schaute ich hinaus und sah sie - die kleinen weißen Flöckchen, die in einem wilden Lauf zur Erde hinabstürzten und den Boden, die Bäume, die Zäune, Häuser und Autos mit einer weißen Decke zudeckten... Kindische Freude - der 1. Schnee in diesem Winter. Ich wollte raus, im Schnee tanzen, die Hände in diese wunderschöne kalte weiße Decke tauchen und nach Dir werfen... Schnee. Und was für einen Symbolcharakter es hatte, daß es ausgerechnet nach bzw. während des Films anfing. Nicht davor, nicht danach. Währenddessen, parallel. Es gibt Zufälle, die sind wunderbar. Schnee. Alles erscheint so viel stiller draußen, gedämpfter, und gleichzeitig tritt alles klarer hervor, werden die Konturen schärfer, glitzert der Schnee in der Sonne mit einer Helligkeit, die fast in den Augen weh tut. Über die Geräusche der 'Zivilisation' legt sich ein gnädiger Schleier. Wunderbar. Schnee - legt sich auf meine Gedanken, auf meine Seele, wie eine warme, dämpfende Decke, unter die ich mich kuscheln kann, zusammengerollt zu einem Ball wie eine Katze, während meine Ohren nur dem Fallen der Schneeflocken lauschen und meine Augen durch die geschlossenen Lider eine Ahnung des Weiß erhalten, das vor mir zur Erde niederschwebt. Die Luft riecht nach Schnee, kalt und klar. Wunderbar. Ich denke, daß ich dort draußen so viel Luft bekommen müßte, daß mir die Lungen platzen. Ich will hinaus, will weg, will meine Gefühle, mein Leben zurück. Laß mich atmen, einen tiefen Atemzug nur... |
| Nnordy | [COLOR=crimson]And now the end is near And so I face the final curtain My friend - I'll say it clear I'll state my case of which I'm certain I've lived a life that's full I traveled each and every highway And more, much more than this I did it my way... (Frank Sinatra, 'My way')[/COLOR] My way. Ich habe dieses Lied vor nicht allzu langer Zeit auf der Hochzeit eines Freundes gesungen. Es hat Power, und viel Gefühl, es läßt sich ganz wunderbar interpretieren und hat mir unheimlich viel gegeben beim Singen. My way. Zwei einfache, kurze Worte. Was ist 'my way'? Ein Zusammenbruch. Mal wieder. In schöner Regelmäßigkeit, alle zwei Monate, bricht mein Rückgrat entzwei, zerbirst mein Damm unter dem Ansturm der Fluten, falle ich wieder, nachdem ich doch gerade mal wieder einen Meter weiter geschafft hatte. Es lähmt mich, nimmt mir den Mut. Wozu noch weitergehen, wenn ich letztlich doch immer wieder und wieder bei Null anfangen muß? Diesmal habe ich gleich gehandelt. Habe mir das Elend aus der Seele geschrieben. Habe den Telefonhörer in die Hand genommen, ungeachtet der Uhrzeit, und wurde nicht enttäuscht. Danach ging es mir etwas besser - wenn auch immer noch gelähmt. Eigentlich wollte ich durchmachen, habe den Kampf gegen die müden Äuglein dann aber doch aufgegeben. Immerhin - 2h Schlaf, und dann dieses Wort 'Märtyrerin'. Mein Gott, wie sehr kann man mich mißverstehen? Ich bin alles, aber keine Märtyrerin. Ich bin Masochistin - sicherlich. Das war ich schon immer. Seelischer Masochismus wurde mir mit in die Wiege gelegt, von Seiten meiner Mutter und meiner Omi. Ich habe meine seelischen Qualen schon von früh auf immer voll ausgelebt - stumm, meine Verletzungen nur dem Papier anvertraut, oder mir in kleinen Ritualen Luft gemacht. Rückblickend ist es geradezu erstaunlich, wie selbstverständlich es für mich war, damit klarzukommen. Das, was mir heute immer und immer schwerer fällt. Vielleicht, weil ich mir wünsche, daß es endlich aufhört. Ich möchte nicht mehr 'ertragen' müssen. Habe ich nicht auch ein Anrecht auf ein kleines bißchen Glück, auf einen warmen Platz am Feuer, und eine Beschirmung bei Regen? Es führt mich dieser Tage zur stetig gleichen Frage zurück: Habe ich es verdient? Und WAS habe ich verdient? Bin ich an allem selber schuld? Wie viel Verantwortung muß ich übernehmen? Ich bin so unglaublich müde, mein Körper wird mir immer schwerer und schwerer. Ich bin diese ewige Gedankenspirale leid, diese Lähmung eines atmenden, denkenden, fühlenden Menschen. Ertappe mich immer öfter bei der Hoffnung auf ein Ende - wie auch immer dieses aussehen mag, wird mir zunehmend gleichgültiger. Wundere mich über meine fast makellose Fassade, die hinwegtäuscht über alles, was dahinter steckt - Mutlosigkeit, Frustration, Enttäuschung, Müdigkeit. Alles Positive ist mir abhanden gekommen - mal wieder. Ich schaue mir Bilder an, die gerade mal 3 Wochen alt sind, und wundere mich, daß diese noch eine gewisse Lebendigkeit ausstrahlen, wo ich mich doch gerade fühle als sei ich schon gestorben. Leichenstarre. Werde zusehends eindimensional, und hasse mich dafür. Immer noch auf der Suche - nach einem Ladegerät für den 'inneren Akku'. Nach einem Mantra, das mich wieder zu mir selbst zurückführt, meine Energien mobilisiert, mich stabilisiert und beruhigt. Vielleicht auch nur nach einem letzten Hauch von positiven Gefühlen, die mir zeigen, daß es auch noch ein Leben jenseits der seelischen Schwärze gibt. Letztlich suche ich sicherlich nur nach - 'my way'. Wo auch immer dieser liegen und noch hinführen mag. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]Willkommen, kleiner Erdenbürger...[/COLOR] Seit gestern schlägt ein neues kleines Herz auf der Welt - mein Chinchillaweibchen TomTom hat ein wunderbares süßes Chinchillababy zur Welt gebracht (für mich völlig unerwartet). Das Kleine ist unwiderstehlich niedlich, winzig und rennt aber schon recht selbstbewußt durch den Käfig, blinzelte mich aus schwarzen Knopfäuglein an als wollte es sagen 'Hallo, hier bin ich!'. Ein kleines Glühen an einem dunklen Winterabend. Willkommen, kleines Wesen. Es ist schön, daß Du da bist. |
| Solstice | Hast Du schon einen Namen? |
| Nnordy | [SIZE=1]Wir wissen noch nicht ob es ein Männlein oder Weiblein ist, aber ein Böckchen wird 'Bilbo' heißen, ein Weibchen 'Nico'... Gleich gehts nach Hause, vielleicht ist die Familie schon wach... :)[/SIZE] |
| Darket | Huuuuuu süüüüüüüüüüß, ein Mini-Chin! :) |
| Nnordy | Kleine Herzen pochen schneller... Das Baby ist zum Inbegriff dessen geworden, was Leben heißen kann. Die Welt zu entdecken, neugierig und manchmal erschrocken über die eigene Courage, Dinge zu versuchen, nicht hinzubekommen und wieder zu versuchen, bis es irgendwann einmal klappt, stolz sein auf die eigenen Fortschritte und ängstlich sein dürfen, wenn man sich erschrickt, bei Mama Zuflucht zu suchen wenn man Durst hat oder einfach nur schlafen will... Stundenlang habe ich vor dem Käfig gesessen und mit der Chinchillafamilie geredet, dem Winzling zugeschaut wie er seine kleine Welt zu entdecken beginnt, an meinen Fingern knabbert weil sie ja essbar sein könnten, auf die Tonröhre kraxelt und halsbrecherisch das Holzhäuschen hinunterrutscht... Wem da nicht warm um's Herz wird, der muß ein Herz aus Stein haben. Ich bin verliebt. Die Welt ist so groß und bietet - trotz all ihrer Kälte - auch hin und wieder so viele Möglichkeiten, Chancen, wunderbare Plätze die ich so gern einmal sehen würde. Doch mithin fehlt mir die Kraft, um die Hand zu heben und einfach nur zu g r e i f e n, die Distanz zu überbrücken und meinem Leben wieder einen Sinn zu geben. Man kann auch leben ohne Sinn. Nein, nicht leben: Existieren. Ich existiere, und wünsche mir so sehr, wieder leben zu können. Leben zu wollen. Wo ein Wille ist, sei auch ein Weg, so heißt es. Ein Wille ist manchmal schwerer zu realisieren als alles, was man sich vorstellen kann. Ein Wille setzt eine Hoffnung voraus, eine Hoffnung, ein Ziel zu erreichen, etwas zu bewirken, eine Welle auf einer glatten Wasseroberfläche zu erzeugen... Ich hatte mal einen eisernen Willen. Wie so vieles ist er mir abhanden gekommen. Man hat mir das Rückgrat gebrochen, wieder und wieder. Hat mich danach wieder gerade gerichtet, wieder und wieder. Doch ich will nicht mehr. Meine Breakdowns kommen in immer kürzeren Abständen. Auch das will ich nicht mehr. Eigentlich will ich nur noch eins: Wieder leben. Aber das scheint so unerreichbar fern wie die Sterne... |
| Odessa | Poch Poch... ein ganzes Wochenende lang nur Glück. Den besten Freund, den Seelenbruder, bei sich haben. Nach 2 Jahren des "Stimme hörens" nun endlich ein Gesicht dazu. Und Hände, die einen halten. Arme, die einen umfassen. Ein Lächeln, große ernste Augen. Herz, das in tiefer Freundschaft schlägt und in Liebe. Weil man so enge Freunde liebt. Ihnen nahe ist. Durch den Schnee, am vereisten Wasserfall, durch den Winterwald, auf dem Berggipfel - poch poch, Glück und Vertrauen und Nähe. Und soviel Lachen. Herzen lachen gern. Über Premake-Filme zu Remakes die es nie gibt, gab, geben wird. Über Nussangriffe auf Gothic-chicks. Über Papst-Bier im 4erPack. Über bis in die Semantik subversive Bayern. So lange nicht mehr gelacht, in all dem Elend um mich herum. Poch poch, altes schwaches Herz, das so gefordert wurde in diesen 3 Tagen, aber GUT gefordert wurde.... Noch mehr wird es lachen am übernächsten Wochenende. Ein anderer lieber Mensch, enge Freundin, wird mich dann im Arm halten dürfen. Und ich sie. Und sie vielleicht auch sogar Dich, meinen besten Freund. Denn Darmstadt ist nicht so weit weg von Frankfurt und somit von Marburg. Dann werden drei Herzen schlagen, im Takt....von Freundschaft, Nähe, Liebe, Lachen... Ich freu mich auf Dich, Nnordy. Und auf - wieder - Dich, die Aversion. Poch poch poch... |
| Nnordy | [SIZE=1]Wieder einmal haben wir zur gleichen Zeit geschrieben, meine Lieblings-Bayerin... Danke wie immer für Deine lieben Worte, bei denen mir etwas wärmer wird, wie immer, wenn ich Dich und Dein Herz lese und höre... Danke für Deine Freundschaft.[/SIZE] [COLOR=orangered]"And she showed up all the errors and mistakes And said "I've lost control again" But she expressed herself in many different ways until she'd lost control again And walked upon the edge of no escape and laughed "I've lost control again" She's lost control again, she's lost control..." (Joy Division, 'She's lost control')[/COLOR] Kontrollverlust. Für manche Menschen das Schlimmste, was ihnen passieren kann. Auch ich habe die Kontrolle verloren - über das, was ich mein 'Leben' nenne, über mich selbst. Meine Soziopathie ist wieder akut, und mir wird bereits jetzt schlecht, wenn ich an heute Abend denke und daran, daß wieder zwei Personen da sein werden und eine davon auch noch - wie schon vorgestern - übernachten wird... Gleichzeitig weiß ich, daß es wieder deutlich werden wird, daß ich so überhaupt keine Lust habe auf Leute, 'Geselligkeit', und sogar nicht mal mehr auf Rollenspiel. Davon abgesehen, daß ich mittlerweile Zustände bekomme, wenn jemand 'einfach mal so' unter der Woche bei uns übernachtet. Wenn es eingeladene Gäste sind, nach einer Feier oder nach einem Wochenende, ist das überhaupt kein Problem - aber mehr oder weniger unangemeldet oder aufgedrückt fühle ich mich gegängelt, weil ich das Gefühl habe, in meiner eigenen Wohnung nicht mehr tun und lassen zu können, was ich will (halbnackt ins Bad ist nicht, denn der Übernachtungsgast könnte ja bereits wach/unterwegs sein - besonders unangenehm, wenn's ein Mann ist...). E sind Kleinigkeiten, aber sie machen mir das Leben schwer. Finde es selbst entsetzlich, wie ich mich verhalte, und kann doch nicht anders. Kontrollverlust. Die Untersuchung gestern. Mühsam gewahrte Kontrolle, während man wartet, er-wartet. "Alles ok", aber: "Sie sind Risikogruppe Nr. 1, das wissen Sie ja wahrscheinlich" und: "Kommen Sie bitte regelmäßig". Es war nicht einmal so, daß mir ein Stein vom Herzen gefallen wäre - es fühlt sich vielmehr so an, als sei das Unausweichliche bloß aufgeschoben. Auf unbestimmte Zeit, vielleicht? Letztlich egal. Am Wochenende, bei meinen Eltern, habe ich ihnen von dem Kindergrab in meinem Herzen erzählt. Sie sind traurig darüber, auch, wenn sie mich verstehen können. Da ist wieder ein Wort aus einer anderen Sprache, welches meinen Gemütszustand diesbezüglich mit-bezeichnet: "defiant". Ich kann geduldig sein, aber nicht, wenn mir die Zeit davonstürmt. Unerbittlich. Das Grab ist bedeckt mit frischer Gedankenerde. Und es tut weh, so oft der mentale Blick darauf fällt. Ich muß mich umwenden, den Blick abwenden, meine Schritte in eine andere Richtung lenken, selbst wenn ich weiß, daß ich dort einen Teil meiner Selbst mit begraben habe. Ein schlichter schwarzer Stein. Kalt. |
| Odessa | [size=1]... ja, wieder einmal zur gleichen Zeit. So wie es mit mir und "die Aversion" läuft, so läuft es auch bei uns Beiden oft.... Zufall? Nein, es nicht egal, das mit der Untersuchung. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Und Du wirst gefälligst weiterhin gesund bleiben, denn Du musst auf MEINER Beerdigung singen, das war Teil des deals und darauf bestehe ich. Poch poch KLOPF. Nein, es ist auch nicht egal, das mit dem Kindergrab. Schaufle die Erde wieder weg. Bitte. Ja, "Besuchsdruck" - ich hasse es auch. Es sind nur sehr wenige, sehr ausgewählte (klinge ich arrogant? Die Aversion würde sagen: "Anspruch sieht von unten immer wie Arroganz aus"...) Menschen, die ich um mich herum ertrage. An 2, maximal 3 Wochenenden im ganzen Jahr. Aber die ertrage ich dann nicht - die sehne ich herbei. Die möchte ich nicht mehr gehen lassen. Da hüpft das Herz vor Freude und Sehnsucht. Zwinge Dich zu nichts. Keine Konventionen, die Du erfüllen müsstest, Freundin. Keine Verpflichtungen. Herzen lassen sich nicht gern in die Pflicht nehmen. Sie geben, sie schenken, aus freien Stücken. Ähnlich dem Vogel, der nur in Freiheit wirklich rein singt... Herz-lichst, die Subversivsemantik[/size] |
| Nnordy | [COLOR=green]Only me and you but where have all the hopes And glory gone, for long all gone Do you know where they all have gone? See the silent thunder echo by We will never come back from this flight We are longing for a new escape Don't wake me up don't wake me up... (Deine Lakaien, 'Don't wake me up')[/COLOR] Wieder mal ist es nur ein ganz unbestimmtes Gefühl. Und viele kleine Teilchen, die vielleicht ein Puzzle ergeben - können, aber nicht müssen. Ich hoffe so sehr, daß es kein Puzzle ist. Aber ausschließen kann ich es auch nicht. Fühle mich wie in einem Spiel - sind es Hinweise oder Zufälle? Sind es Tips oder einfach nur zusammenhanglose Tatsachen? Je länger man über solche Sachen nachdenkt, umso verhängnisvoller und tiefer gerät man in den Mahlstrom des Spiels hinein. Werde hineingezogen und weiß doch schon, was mich dort unten erwartet - und habe Angst davor. Poch-poch-poch-poch... poch-poch-poch-poch... Mein Herz fängt wieder an, seinen Takt zu beschleunigen. Nimmt den Lauf wieder auf, schneller, zieht mich mit sich, obgleich ich nicht will. Man denkt unwillkürlich: "Nicht schon wieder..." Und wieder das Gefühl eines circulus vitiosus. Nullpunkt. Dabei ist es doch nur ein unbestimmtes Gefühl. Mit nichts, um irgendwelche konkreten Schlüsse ziehen zu können. Gar nichts. Nur ein Gefühl. Doch bis heute haben diese meine Gefühle immer Recht behalten. Bitte - nicht schon wieder. Brich mir nicht das Rückgrat. Brich mir diesmal das Genick. |
| Nnordy | [COLOR=teal]Where am I? I don't know should I stay or should I go? Having dreamed of I don't know how I feel insecure ... (Deine Lakaien, 'The Dive')[/COLOR] Verarbeitung. Verdrängung. Mit Dingen fertig werden. Abschließen. Kaum zu schaffen. Ich, als Verfechterin der Überzeugung 'Man kann Dinge lange verdrängen, aber aufarbeiten muß man sie irgendwann trotzdem', die sich nie gescheut hat, sich damit auseinanderzusetzen, zu verarbeiten, aufzuarbeiten - das erste Mal in meinem Leben scheitere ich kläglich. Statt aufzuarbeiten und mir selbst die Chance zu geben, endlich zu heilen, mein narbenübersätes Herz nicht weiter bluten zu lassen, verdränge ich, jeden Tag erfolgreicher, bis die Nacht mich einholt und meine Tränen, ihren Zoll, eintreibt. Ich drücke die Gedanken, die Schmerzen, die unterdrückten Schreie an die hinterste Wand meines Hirns, schiebe Riegel um Riegel, Kette um Kette davor, staple immer weiter, bis ich nicht mehr nur auf Stühle, sondern auf ein gefährlich schwankendes Konstrukt aus Büchern, Stühlen und Leitern steigen muß, um mehr und noch mehr obendrauf stapeln zu können. Meine Augen sind trocken. Die Nacht ist noch nicht da. Ich will nicht mehr scheitern. Ich will aufarbeiten können - doch die Worte verlassen mich, wann immer ich den Mund aufmachen möchte. Wann immer ich einen Ansatzpunkt suche, finde, werde ich stumm, hohnlachend verschwinden die Buchstabengebilde in der Ferne und lassen mich mit Staub und einer schwachen Ahnung davon zurück, was 'Befreiung' bedeuten könnte, wenn ich sie nur erreichen würde. Ein Gefühl von immer mehr Druck, von oben, unten, allen Seiten. "Früher hast Du das doch auch immer alles geschafft, durchgezogen, was ist denn jetzt los?" - "Ich bin, verdammt nochmal, nicht mehr der selbe Mensch der ich damals war!" Du hast die Antwort nicht verstanden, ich habe es gesehen. Es ist Dir abermals nicht in den Sinn gekommen, daß Du einmal tiefer sehen müßtest, Dein Bild von mir korrigieren müßtest, um den Schlüssel zu finden, der mich befreien kann aus diesem lichtlosen Gefängnis, der Haltestelle 'Endstation'. Manchmal komme ich mir fast schäbig vor, wenn ich daran denke, was andere Menschen durchgemacht, erlebt haben, und verarbeitet haben. "Ich bin dadurch stärker geworden" - sicher hast Du Recht. Was Dich nicht umbringt, macht Dich härter - war auch immer mein Leitspruch. Doch heute wünsche ich mir manchmal, es würde mich umbringen, weil es mich so zermürbt, daß bald große Brocken aus mir herausbrechen und die ganze Gestalt in ihre Einzelteile zerfällt und schlußendlich zu Staub. Mürbe. Dunkel. Die Nacht kommt herbei, mit Riesenschritten, und fordert ihren Tribut... |
| Nnordy | [COLOR=orangered]How can I save my little boy from Oppenheimer's deadly toy There is no monopoly of common sense On either side of the political fence We share the same biology Regardless of ideology Believe me when I say to you I hope the Russians love their children too (Sting, "Russians")[/COLOR] Gänsehaut, bei diesem Lied. Tränen. Erinnerungen an die Zeit des Kalten Krieges, an die Angst, die man sogar als Kind und als Jugendlicher hatte und verstand. Tschernobyl. Und die Angst, daß jeden Tag eine Atombombe auch in Deutschland hochgehen könnte. Heute kaum noch vorstellbar - aber damals Realität. Saurer Regen. Kalter Krieg. Wortinstrumentarien, die heute so antiquiert erscheinen, und doch wieder lebendig werden, wenn wieder mal irgendwo auf dieser Welt ein Rädelsführer seinen Mund aufreißt um Hetztiraden zu schwingen, zu drohen, einzuschüchtern. Mir wird schlecht dabei - "what might save us me and you / is if the russians love their children too"... Hat die Menschheit es denn immer noch nicht verstanden??? "In Europe and America, there's a growing feeling of hysteria Conditioned to respond to all the threats In the rhetorical speeches of the Soviets Mr. Krushchev said we will bury you I don't subscribe to this point of view It would be such an ignorant thing to do If the Russian love their children too How can I save my little boy from Oppenheimer's deadly toy There is no monopoly of common sense On either side of the political fence We share the same biology Regardless of ideology Believe me when I say to you I hope the Russians love their children too There is no historical precedent To put words in the mouth of the president There's no such thing as a winnable war It's a lie we don't believe anymore Mr. Reagan says we will protect you I don't subscribe to this point of view Believe me when I say to you I hope the Russians love their children too We share the same biology Regardless of ideology What might save us me and you Is if the Russians love their children too..." Dein Zusammenbruch, gestern. Die Diagnose beim Arzt, heute. Burn-out. Daß Dein Knie gerade jetzt aufgibt, kommt nicht von ungefähr - genausowenig wie Deine Rückenschmerzen oder Deine Magenprobleme. Doch endlich, endlich hast Du selber die Kraft aufgebracht, um den notwendigen Schritt zu tun. Wir haben geredet heute, sehr sehr lange. Du willst Dir endlich helfen lassen. Du wirst nicht glauben, wie viel mir das bedeutet - ein Licht scheint angegangen zu sein, irgendwo auf einem Leuchtturm in der Ferne. Das erste Mal seit langem so etwas wie Hoffnung auf eine vielleicht sogar dauerhaftere Änderung? Du hast realisiert, daß Du zu viel rauchst, zu viel trinkst. Nun, da ich schon alle Hoffnung aufgegeben hatte, erscheint es mir wie ein Wunder, daß wir beide zusammensitzen und darüber reden, über die Ursachen Deiner und meiner Probleme reden als sei es das Selbstverständlichste auf der ganzen Welt. Vielleicht sollte es das auch sein - doch so war es in der Vergangenheit nicht. Ich habe Dir viele Dinge gesagt, wie ich Dinge sehe, daß ich - nach wie vor - an Dich glaube, da bin, da sein werde, wenn Du mich nur endlich läßt. Und, erstmals wieder seit langem, sehe ich den Mann wieder, in den ich mich damals verliebt habe, erstmals wieder seit langem läßt ein Satz von Dir meine Knie zu Butter werden und erstmals seit langem kann ich Dir wieder glauben. Ich hoffe so sehr, daß Du es durchziehst. Das Chaos in unserer Wohnung - Spiegelbild unserer Seelen. Eine Trümmerlandschaft, die wir nur gemeinsam bezwingen können. Hand in Hand die Kraft finden für die große Tabula Rasa, einen Neuanfang, eine Chance. Ich raffe mich auf, und hoffe so sehr, daß Du mich nicht wieder zu Boden schicken wirst. Hier ist die Weggabelung, eine Kreuzung, und vielleicht für mich die letzte Chance, mein JA nicht zu bereuen, wenn ich mich nun ändere, mein Verhalten Dir gegenüber ändere, endlich lerne, mit Dir zu kommunizieren statt Dich anzuschweigen. Last exit for the lost. |
| Solstice | Nnordy, Du weißt, wo Du Dich melden kannst, wenn Du den Eindruck hast, dass Du Zuspruch oder Aufmunterung brauchst... Ihr kriegt das hin! ... und "Russians" gehört auch zu meinen All-Time-Favourites ;) |
| Nnordy | Vielleicht auch was für ein Duett am Klavier...? Danke Dir, Doc, das erste Mal habe ich wieder echte Hoffnung... |
| BlackDragon | [SIZE=1]Hab Vertrauen, Angie. Ihr werdet die Kraft aufbringen etwas zu ändern, es besser zu machen. Manchmal muss die Situation fast unerträglich werden, damit man sich selbst zwingt alles zu investieren, alles zu geben. Ich wünsche gute Besserung. Nicht nur ihm, sondern euch beiden. Gemeinsam.[/SIZE] |
| Odessa | Ich kann mich unserem lieben "Timguindrachen" nur anschließen... und gut, daß es endlich zum "sprechen" kam. Das riet ich Dir auch immer. Stille ist gut. Aber manchmal kann sie auch erdrücken. Schwer werden. Zwei Herzen, die füreinander schlagen, müssen manchmal auch das Klopfen hörbar machen. Ich freue mich, Euch beide "in 400 km" zu sehen.... wenn der Schneesturm mich hier wegläßt... Wir sind fast ein Meter "Land unter Schnee" seit gestern Nacht. Aber wir tun seit Stunden alles, um uns endlich Richtung "Nnordy-Land" aufzumachen, und auch Ralf und die Aversion freuen sich sehr darauf, Euch beide endlich mal "Auge in Auge" gegenüberzustehen. 5 Herzen dann, und wenn Mene auch noch kommt... sixpack. Klopf klopf klopf :-) Ich hab Dich lieb, ich freu mich auf Dich und auf Rüdi, ilo |
| Darket | Manchmal ist das im Leben offenbar so: Aus dem Negativen, dem Schlechten, findet man die Kraft zur Veränderung. Ich wünsche Euch beiden, dass es klappt, dass ihr einen Ausweg findet und das alles gemeinsam durchsteht. Verdient hast Du es, habt ihr es. |
| Solstice | Ist zwar ein alter Hut, aber es passt immer wieder: Im Chinesischen gibt es ein Wort, das sowohl Krise als auch Chance bedeuten kann... |
| Nnordy | [SIZE=1]Danke dafür - für's an mich, an uns Denken... Die Zeit wird weisen, was passiert...[/SIZE] [COLOR=seagreen]"Oh meeting is a pleasure and parting is a grief But an unconstant lover is worse than any thief A thief will all but rob you and take all that you have saved But an unconstant lover will bring you to the grave..." (Sol Invictus, 'Abattoirs of love')[/COLOR] So oft ausgelotet, gefühlt, gelebt, in all den Jahren. Und plötzlich fühle ich mich wieder wie am Anfang, vor bald 10 Jahren, fühle erstmals wieder einen Anflug von Wärme, merke, wie ich mir Dinge gestatte, die ich verloren glaubte. Neben Dir zu liegen, Dich zu halten und gehalten zu werden, Dein Gesicht zu streicheln und von Neuem über diese unsagbar langen Wimpern zu staunen, zu fühlen, wie mein Herz, das kalte, erstarrte, wieder weich wird und langsam zu schlagen beginnt, zögerlich noch, doch vielleicht... Zärtlichkeit. Verständnis, womöglich. Wärme. Wie lange habe ich sie vermißt... Du warst knapp 25, ich 20, beide gebeutelt von unerfüllten (Du) oder gerade beendeten Beziehungen (ich). Eigentlich erscheint es wie ein kleines Wunder, daß wir überhaupt heute beide hier stehen, denn wäre ich an diesem Abend nicht - entgegen der Warnungen und Bitten meiner Mutter: "FAhr nicht, es ist doch alles vereist, die Autobahn ist bestimmt nicht geräumt..." - nach Darmstadt gefahren, weil mir zu Hause die Decke auf den Kopf fiel, hätten wir beide uns möglicherweise niemals kennengelernt... Doch so ging ich mit meinem damaligen besten Freund zu Dir, und es traf mich wie ein Blitz, das, woran ich niemals geglaubt hatte - Liebe auf den ersten Blick. Noch am gleichen Abend haben wir uns das 1. Mal geküsst, ein Kuß, den ich nie vergessen werde, weil mich meine Beine urplötzlich nicht mehr tragen wollte, so weich wurden meine Knie. Ein nie gekanntes Gefühl. Ich hätte mich für Dich in den Abgrund gestürzt, wenn es hätte sein müssen. Nie hat es ein Mensch geschafft, mich innerhalb von wenigen Stunden und Tagen so zu fesseln, mir so wertvoll zu werden, wie Du. Die ersten Jahre waren wild, wechselhaft, voller Höhen und Tiefen. Wegen Dir begann ich mit ernsthaftem Tagebuchschreiben, brachte mich manchmal systematisch runter, unternahm lange Spaziergänge in denen ich versuchte, meine Gefühle zu verstehen, auszuloten, was mir nie zuvor passiert war. Du hast mir Flügel gegeben, und sie mir wieder gebrochen, hast mit mir zusammen dem Sonnenaufgang zugesehen und mich in tiefster Nacht allein gelassen, hast mich rangelassen und zurückgestoßen, mich gewärmt und in der Antarktis ausgesetzt. Wechselbäder, Prüfungen. Und doch - oder: trotzdem? - das Nicht-voneinander-lassen-können, der Glaube an die Puzzleteilchen-Theorie, und der Abend, als Du mich endlich fragtest, und ich es kaum glauben konnte, bis wir zusammen auf dem Standesamt saßen, die Ringe aussuchten, und dann der denkwürdige Tag im März, voller Regen, aber auch voller Strahlen, randvoll mit Gefühl, Liebe, von Dir, und von allen Seiten, von allen Menschen, die sich mit uns freuten, mit feierten, diesen Tag zu einem unvergeßlichen machten... Fast 5 Jahre ist das nun her, und manche Dinge haben sich wieder geändert, zum Schlechten, manche Herausforderungen haben wir gemeistert, an anderen sind wir kläglich gescheitert, Du, und ich. Doch manchmal ist ein Scheitern notwendig, um einem klarzumachen, wo man steht, und was es braucht, um Sachen wieder ins Lot zu bringen. Ich hoffe, so sehr wie nichts anderes auf der Welt, daß meine HOffnung mich diesmal nicht trügt, daß das Leuchtfeuer mich nicht auf die Klippen führt und dort zerschellen läßt, sondern daß es mich und Dich und uns in einen sicheren, geschützten Hafen lenkt, wo wir wieder festen Boden betreten und uns in den Armen liegen können, als sei es erst gestern gewesen, als wir füreinander in den Abgrund gesprungen wären... |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]'And you'll ask yourself: Where is my mind?' (The Pixies, 'Where is my mind')[/COLOR] Manchmal fühlt sich der Kopf wirklich so leicht an, daß man meinen könnt, er hebt gleich ab, schwebt sanft und leise zur Decke hinauf, beschaut sich das ganze Chaos von oben, um dann - sich selbst schüttelnd - in die Weiten des Alls zu entschwinden... Heute fühle ich mich - strange. Mal wieder gibt es kein besseres Wort in meiner eigenen Muttersprache dafür, daß all das transportieren kann, was ich an den Begriff 'strange' koppele - ich bin eine schlechte Germanistin... Strange. Gestern Abend wieder mal latente Übelkeit, ganz ohne Alkohol, zu viel Zigaretten oder Koffein (weil ich ja gar keinen Kaffee und dergleichen trinke...). Irgendwie lege ich es unbewußt wohl doch drauf an, daß 'es' passiert. Sei's drum. Ich fühle mich nicht mehr schlecht, schuldig - einfach nur strange. Vielleicht, weil ich es selbst noch nicht so ganz glauben kann, wie offen Du jetzt plötzlich damit umgehst, mit Deinem Entschluß, mit Deinem Vertrauen zu mir, in mich und meine Fähigkeiten, auch, wenn es 'nur' darum geht, etwas nebenher aufzuziehen, mit der Figur, die Du entwickelt hast, und dem Versuch, sie zu vermarkten. Ich habe - dies muß ich ehrlicherweise eingestehen - etwas Angst vor den nächsten Monaten - nicht um uns, sondern um Dich. Ich hoffe, daß Du nicht in ein großes Loch fallen wirst, wenn Du die Berufung, die Dir eigen ist, erst einmal sein läßt, versuchst, einen anderen Job zu finden. Du bist jemand, der Sicherheit braucht, um sich wohlzufühlen - doch in den nächsten Monaten, vielleicht sogar in den nächsten Jahren wird nichts mehr sicher sein. Ich habe gelernt, mit ein paar kleinen Unsicherheiten zu leben, sehe inzwischen sogar die Perspektive, nach dem Studium erstmal selbständig zu werden, feste freie Mitarbeiterin, als Freiheit und nicht mehr als Unsicherheit (auch wenn ich zugeben muß, daß es manche Dinge erschweren wird). Und während allerlei Gedanken durch meinen Kopf schießen, der sich so leicht anfühlt, träume ich von früheren Nächten und der Musik darin und die Textzeile fällt mir wieder ein: "I close my eyes Move slowly through drowning waves Going away on a strange day..." (The Cure, "A strange day") |
| BlackDragon | "Strange". Besser als "Down" - ein Fortschritt. Und es wird weiter bergauf gehen. Deine Zeilen lesen sich um vieles leichter und unbeschwerter als so viele (zu viele) Male in der letzten Zeit. Das ist schön, das ist das was man immer wieder hofft, wenn Du einen neuen Beitrag hier geschrieben hast. Ich wünsch euch beiden alles erdenklich Gute. |
| Nnordy | [COLOR=teal]As I watch the sun go down watching the world fade away all my memories of you come rushing back to me As I watch the sun go down and darkness comes to me all I want to do is kiss you once good-bye... (The Communards, For a friend)[/COLOR] Dein Anruf, eben. Zärtlich. Und plötzlich - der Schrecken. Deine Stimme, fast erstickt: "O nein... Knöpfchen..." Das kleine Chinchilla-Baby, das so viel Licht in diesen Winter gebracht hat, ist tot. Es muß heute Nacht, oder heute Morgen, im neuen Käfig abgestürzt sein, ist mit dem Kopf auf die Sandschüssel aufgeschlagen und hat sich das Genick gebrochen. Fassungsloses Entsetzen. Ich bin schuld. Ich hätte ihnen das Licht anlassen sollen, ich hätte sie nicht umsetzen sollen, so lange es noch so klein war, ich hätte, hätte, hätte... Es ist grausam. Einfach nur grausam. Dieses kleine leuchtende Wesen - ausgelöscht, weil ich nicht weit genug gedacht habe. Gestern Abend noch saß ich stundenlang bei ihnen, habe ihnen erzählt, vorgesungen wie immer, und diese kleinen wunderbar süßen Knopfaugen sahen mich an, quietschlebendig turnte es durch den Käfig, hoppelte aufgeregt herum, während die beiden Alten schon bald 'alles im Griff' hatten... Miko. Ich kann es nicht glauben, daß Du schon wieder fort bist, Du kleine grauschwarze Maus mit dem weißen Bauch und dem hübschesten Schweif der Chinchillageschichte, Deinen kleinen rosa Füßen mit den schwarzen Nägeln, den grauen Ohren mit dem schwarzen Rand, den schwarzen Knopfaugen und Barthaaren. So energisch, zielstrebig, wie Du durch den Käfig saustest, und ich mir sicher war, daß Du ein ganz wunderhübscher kleiner Kerl werden würdest... Chinchillaseele. Schmetterlingsseele. Ich hoffe, Du kannst mir vergeben, dafür, daß ich unachtsam war, nicht weit genug gedacht habe. Den Preis mußtest Du bezahlen, und es tut mir entsetzlich leid. Es tut entsetzlich weh. Auch, wenn ich Dich vielleicht sowieso hätte abgeben müssen - das spielt keine Rolle. Ich wollte Dich aufwachsen sehen, ein langes Chinchillaleben haben, vielleicht mit einer Gefährtin, vielleicht auch mit einem anderen Böckchen zusammen in einer WG. Wenn ich Dir die Hand hinhielt, kamst Du immer sofort drauf geklettert, ließt Dich herumheben, ein wenig streicheln. Vorwitzig bist Du zweimal ausgebüxt, und bist meiner Stimme, meinen Worten gefolgt, hast Dich schließlich - einmal indem ich Dir den Rückweg aus einer Sackgasse mittels eines kleinen Reisekäfigs versperrte, einmal, weil Deine Neugier Überhand nahm und Du unbedingt sehen wolltest, was im Inneren des Käfigs ist - wieder einfangen und zurücksetzen lassen, ohne große Aufregung. Chinchillaseele. Ich kann nichts mehr für Dich tun, außer, Dir ein Denkmal zu setzen - ein kleines auf Dein Grab und ein großes in meinem Herzen. In meinen, in unseren Herzen wirst Du immer der kleine Knopf, der kleine Forscher sein, der uns wieder gezeigt hat, wie wertvoll und wie hell das Leben sein kann. Vor 24h war meine Welt noch in Ordnung. Vor 24h hatte ich eine glückliche Familie zu Hause. Zurückgeblieben sind zwei einsame Paare, die schmerzlich vermissen, was der Tod so unbarmherzig aus unserer Mitte gerissen hat. Chinchillababy. Miko. Danke, daß Du da warst. In Liebe, die Hand und die Stimme - Nnordy Miko - 28.11.2005-23.12.2005 |
| Odessa | [size=1]...und wir durften es wenigstens noch sehen. Uns freuen daran, mit den Eltern und mit Dir und Rüdi. Und überlegten noch, ob wir das süsse kleine Wesen doch mitnehmen zu uns, um auch einen Teil "von Euch" bei uns zu haben, "familienverbindend" sozusagen... Es tut mir so leid, Angie. Und mach Dir keine Vorwürfe (ist es nicht das, was Du mir neulich, meine toten Katzen betreffend, auch sagtest, Liebe?) - manches ist Schicksal. Böses ungerechtes gemeines Schicksal... Du hast keine Schuld daran, Du hast nur das Beste gewollt und auch getan.[/size] Für Dich und Miko: [IMG]http://www.nagetiere.net/images/treppe.jpg[/IMG] Eine Brücke verbindet den Himmel und die Erde. Wegen der vielen Farben nennt man sie die Brücke des Regenbogens. Auf dieser Seite der Brücke liegt ein Land mit Wiesen, Hügeln und saftigem grünen Gras. Wenn ein geliebtes Tier auf der Erde für immer eingeschlafen ist, geht es zu diesem wunderschönen Ort. Dort gibt es immer zu fressen und zu trinken, und es ist warmes schönes Frühlingswetter. Die alten und kranken Tiere sind wieder jung und gesund. Sie spielen den ganzen Tag zusammen. Es gibt nur eine Sache, die sie vermissen. Sie sind nicht mit ihren Menschen zusammen, die sie auf der Erde so geliebt haben. So rennen und spielen sie jeden Tag zusammen, bis eines Tages plötzlich eines von ihnen innehält und aufsieht. Die Nase bebt, die Ohren stellen sich auf, und die Augen werden ganz groß! Plötzlich rennt es aus der Gruppe heraus und fliegt über das grüne Gras. Die Füße tragen es schneller und schneller. Es hat Dich gesehen. Und wenn Du und Dein spezieller Freund sich treffen, nimmst Du ihn in Deine Arme und hältst ihn fest. Dein Gesicht wird geküsst, wieder und wieder, und Du schaust endlich wieder in die Augen Deines geliebten Tieres, das so lange aus Deinem Leben verschwunden war, aber nie aus Deinem Herzen. Dann überschreitet Ihr gemeinsam die Brücke des Regenbogens, und Ihr werdet nie wieder getrennt sein... [size=1]Text und Foto: [url]www.nagetiere.net/regenbogenbruecke[/url])[/size] |
| Darket | Nnordy, es tut mir leid das zu lesen, wirklich sehr leid... Was sagt man in so einem Falle? Ich weiß es nicht. Ich hätte den Kleinen zu gern kennengelernt... Bewahre die Erinnerung. Ich denke an Euch. Beste Wünsche Deniz |
| Nnordy | Der 28. - der Tag, vor dem ich mich seit Freitag gefürchtet habe. Sein Geburts-Tag - einen Monat wäre er heute alt geworden. Draußen, vor dem Fenster, brennt ein weiteres Grablicht für ihn im Garten, auf dem kleinen Grab. Wir haben es nicht über uns gebracht, ihn in den Wald zu bringen, sondern haben ihn hier bei uns, ganz nah an dem Ort an dem so viel Liebe für ihn war, begraben, damit er nicht allein ist. Jeden Abend gehe ich raus, singe ihm 'sein' Lied vor (thx to Peter Gabriel), erzähle ihm wie sehr wir ihn vermissen. Verrückt, vielleicht, aber das ist mir, wie so oft, schlicht egal. Ein Engel, vom Himmel geschickt, und viel zu früh wieder abberufen. Ich bin ihm so dankbar, daß ich es nicht in Worte fassen kann, für das, was er mir, und - vor allem - was er UNS geschenkt hat. Er hat meine Seele, mein Herz gerettet, mir gezeigt, was Leben heißen kann, daß es Momente und Geschöpfe gibt, für die zu leben sich lohnt, für die ich leben will. Melancholische Trauer, ich lächle mit Tränen in den Augen, weil ich dankbar bin, und weil es so einsam ist ohne ihn, ohne die kleinen schwarzen Knopfaugen, die kleinen Füße (rosa mit schwarzen Nägeln), den weißen Bauch der - wie die Mutter - auch zur Kuller neigte, das kleine dotzende Wesen, das in Turbogeschwindigkeit alles und jeden für sich einnahm. Trauer und Dankbarkeit, diese bittersüße Mischung, die gerade deshalb so viel schwerer anzunehmen und zu verarbeiten ist als alles andere. Er sitzt jetzt da oben im Chinchillahimmel, und ich hoffe, ganz irrational und ganz träumerisch, daß ich ihn wiedersehen werde, irgendwann, am Ende des Lebens und des Regenbogens... |
| Nnordy | [COLOR=skyblue]'Thank you for healing me Thank you for healing me Thank you for seeing me Thank you for seeing me...' (Sinéad O' Connor, "Thank you for healing me")[/COLOR] Das Licht brennt - jeden Tag. Obschon es schon so weit weg zu sein scheint, daß ich das kleine Wesen auf der Hand hielt, so ist da doch, tief in mir, eine ungeheure Dankbarkeit, ein ähnliches Gefühl wie das, das mich mit meiner verstorbenen Omi verbindet. Nie hätte ich gedacht, daß ein so kleines Wesen, für manche Leute 'nur ein Tier', so viel bewirken kann. Und ich denke, daß Solstice Recht hat, wenn er sagte: "Manchmal glaube sogar ich an Schicksal...". Schicksal. Vielleicht hat es uns tatsächlich den kleinen Engel geschickt, um uns aufzuwecken, unsere Herzen anzurühren und uns bereit zu machen für die Zeit der Prüfungen, aber auch die Zeit dieser unglaublichen Nähe, die ich schon aufgegeben hatte. Der Kampf wurde eröffnet, von ihnen. Und ich habe es in den letzten Tagen mehrmals gesagt: Sie werden den Tag bereuen, an dem sie sich mit MIR angelegt haben. Mein Gerechtigkeitssinn läuft Amok, und für die, die mir am Herzen liegen, kämpfe ich wie eine Löwin. Ich habe Dir geschworen, daß ich Dich zur Not auf meinem Rücken durchs Ziel schleifen werde, wenn Dich Deine eigenen Füße nicht mehr tragen können, und ich weiß, daß ich es schaffen werde. Weil ich nicht aufgebe. Weil ich Dich nicht mehr aufgeben werde. Und weil ich weiß, daß ich es schaffen kann. Ich werde kämpfen, für Dich, mit Dir - und ich und wir werden gewinnen. Und gleichzeitig mit dieser Zeit, die für Dich so schwer ist, fühle ich, wie ich wieder lebendig werde, wie all meine verloren geglaubten Fähigkeiten, meine Emotionen wieder hochkommen, wie mein Herz wieder anfängt zu schlagen, laut, bestimmt, herausfordernd. Ich falle zurück in einen Status, von dem ich nicht gedacht hätte, daß er mir noch ein einziges Mal zu eigen sein würde, in dem ich mich wohlfühle, den ich kenne und der mir zeigt, daß ich wieder lebe, vielleicht doch noch nicht ganz verloren bin für diese Welt. Entdecke meine alte Gabe wieder, mitreißend zu sein, an der Grenze zur Agitation, für Dinge einzutreten, an die ich glaube, und gegen das anzukämpfen, was ich als Unrecht ansehe. Das verdanke ich zum Großteil diesem kleinen grauen Fellbündel, das so herzerweichend fiepste und mir die mühsam gezüchteten Fingernägel mit reiner Hingabe abknabberte. Du hast mich wieder aufgeweckt, reanimiert, ganz ohne Instrumente und Maschinen, sondern durch Dein schieres Da-Sein, daß Du mir, ganz ohne Worte, gezeigt hast, daß Du mich zurück liebst, mir vertraust. Die Tränen sind nicht mehr bitter, sie sind dankbar. Da-Sein - das wird viel zu oft unterschätzt. Dabei kann es lebensrettend sein. Ich werde in die Arena gehen, erhobenen Hauptes, und ich werde zur Not gegen 100 Bestien und 1000 Pamphlete kämpfen, und danach werde ich, gemeinsam mit Dir, über die Ziellinie gehen, vielleicht verletzt, verwundet, ramponiert und geschunden, aber wir werden diese verdammte Linie gemeinsam überschreiten und danach Anker sein und Hafen, Schiff und Leuchtturm, leichte Brise und Sturm, Regen und Sonne. Leben. Und diesmal fühle ich mich wie der Fels in der Brandung, denn Du hast Dich mir geöffnet, Du lehnst Dich an mich, akzeptierst und respektierst mich und weißt möglicherweise nicht einmal, wie viel mir das bedeutet. Ich stehe hier, weil ich hier stehen will, weil ich wieder hier stehen kann, und weil ich weiß, daß ich nicht versagen werde. Nie wieder. |
| Nnordy | [COLOR=crimson]How dare you...?[/COLOR] Ich fühle mich, als wäre ich wieder 18. In mir ist eine so unglaubliche Wut, auf dieses System, auf die Menschen, die sich von ihm benutzen lassen, was aus denen wird die man eigentlich für zumindest gute, nette Kollegen hält, für Menschen, die zu ihrem Wort stehen. Ich kann es einfach nicht fassen. Vor etwas mehr als einem halben Jahr trägt man mir eine Chefredakteursstelle an, und nun, wo es "ans Eingemachte" geht, wo ich komme und sage 'ich brauche eine Stelle, für uns geht's ums Überleben' - ein Rückzieher. Von einem Menschen, von dem ich dachte, er meint es ehrlich, er meint es ernst. Ich saß dort, in diesem Büro, in dem Moment viel zu perplex, um irgend etwas zu sagen, und fühlte in mir Wut hochkochen, Wut, und auch irgendwo ein Bedauern, gepaart mit Verachtung. [COLOR=crimson]How dare you...?[/COLOR] Mittlerweile bald 8 Jahre reiße ich mir für diesen Laden den Hintern auf, habe mehrere Semester in den Sand gesetzt, weil mich mein verdammtes Verantwortungsgefühl NICHT nach Hause bzw. an die Uni gehen ließ, wenn noch Arbeit da war, sondern mich vielmehr im Büro festhielt, weil ja der Termin eingehalten werden mußte damit das Jahrbuch rechtzeitig raus kommt. Ich habe Qualitätsmanagement geleistet, habe Wettbewerbsvergleiche gemacht, weil es offenbar kein anderer hinbekommen hat, habe drei Hefte aus der Taufe gehoben und mit aufgebaut, habe nie 'nein' gesagt wenn man mit mehr und noch mehr Arbeit gekommen ist, habe krank zu Hause gesessen und trotzdem Beiträge geschrieben, redigiert, stundenlang, habe Imprimaturen bis spät in die Nacht hinein gelesen, habe teilweise meine Familie wegen diesem dämlichen Job vernachlässigt, und dann ist es zu viel verlangt, mir die frei gewordene Stelle zu geben und mir in einem Moment zu helfen, in dem ich wirklich auf diese Hilfe angewiesen bin? [COLOR=crimson]How dare you...?[/COLOR] Heiß lodert sie in mir, und ich kann diese Verlogenheit einfach nicht fassen, ich wehre mich dagegen, sie zu akzeptieren. Oh ja, nach Deinem Plan ('wir können Dir genug Arbeit geben als feste Freie, daß Du ausgelastet bist') könnte ich 40h in der Woche knechten kommen für schlappe 2400 Euro im Monat, wovon allein schonmal min. 1100 Euro für Versicherung und Steuer draufgehen, und für Miete, Strom, Telefon und diverse Raten gehen nochmal 675 Euro drauf, dann bin ich bei 1775 Euro Fixkosten, und da sind die Versicherungen und die GEZ noch nicht mit eingerechnet, wenn ich die noch umlege sind wir bei min. 1850 Euro Fixkosten - bleiben also noch 550 Euro zum leben. Für zwei erwachsene Menschen. Ach ja - und das Auto muß noch betankt werden, und ab und an würden wir auch gern was essen. Es ist so zum Kotzen, es ist so absolut nur noch zum Kotzen... [COLOR=crimson]How dare you?[/COLOR] Dreiste Unverfrorenheit - doch nicht mit mir. Ich bin nicht in der Stimmung, um mir das anzutun, absolut nicht. Entweder, Du gibst nach - oder ich gehe. Ich habe meine Prinzipien - und in dieser Hinsicht bin ich ihnen immer treu gewesen, und werde es weiter sein. Wer meine Dienste nicht zu schätzen weiß, kann gern ohne sie auskommen. Ich weiß, was ich wert bin. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]Moralischer Sieger...[/COLOR] Moralische Siege - scheinen derzeit die einzigen Siege zu sein, die wir für unsere Seite, für unsere Sache verbuchen können. Das, was Dein Arbeitgeber mit Dir abzieht, ist die linkeste Tour, die ich je erlebt habe. Und wenn der Anwalt kein absoluter Idiot ist, wird er - abgesehen vom moralischen Sieg, der jetzt schon Fakt ist - auch einen tatsächlichen, ganz und gar weltlichen Sieg daraus machen. Ich wünsche es mir so sehr, für Dich. Damit Du das Gefühl nicht verlierst, daß man nicht alles hinnehmen muß, daß es richtig ist, aufzubegehren, wenn die andere Seite im Unrecht ist, die Stimme zu erheben, wenn es notwendig ist, und daß das nicht immer bedeuten muß, daß dafür der Kopf rollt. Manchmal, ganz selten, gibt es doch auch so etwas wie Gerechtigkeit, sogar in dieser Welt. Ich will, daß Du das erfährst - und ich will, daß Du daran glaubst, und nicht mehr wackelst in Deinem Glauben daran. Deine Worte, heute morgen, zum Brief des Anwalts an den Arbeitgeber, bei der er sich meiner Vorlage bediente: "Er hat sie vernichtet." Martialische Wortwahl - doch treffend. Ich war begeistert. Wir stehen auf den Barrikaden und haben den Angriff mehr als erfolgreich zurückgeschlagen, bereit für einen erneuten Ansturm, den wir wieder abwehren können. Und wieder. Und noch einmal. Wir haben den längeren Atem - denn wir sind im Recht. [COLOR=royalblue]Es gibt keine Sicherheit mehr.[/COLOR] Wohl wahr. Auch hier - moralisch im Recht. Ich. Doch was nützt es mir. Nun kommt man mir mit behelfsmäßigen Vorschlägen - doch will ich das noch? Ich habe schonmal einen Job hingeschmissen, weil meine Selbstachtung, mein Stolz nicht zuließen, daß ich weitermachte, trotz guter Bezahlung, trotz der besten Kollegen der Welt. Ich bin gegangen, erhobenen Hauptes, die eindeutige moralische Siegerin. Ein gutes Gefühl. Doch diesmal will ich nicht gehen. Ich will mich beweisen, ich will es all jenen Personalfritzen, all jenen Geschäftsführern die nicht einmal meinen Namen kennen, denen maximal meine bunten Haare aufgefallen sind ohne eine Ahnung zu haben was ich für einen Job mache für diesen blöden Laden, zeigen, wie Unrecht sie doch haben, mit ihrer erzkonservativen Weltsicht, daß jemand, der bunte Haare hat, doch nur ein asozialer abgerupfter Punker sein kann der nix auf dem Kasten hat. Möchte sie so gern mit ihren eigenen Waffen schlagen, mit der mir eigenen Eloquenz und harten Zahlen, was ich in den letzten Jahren für diesen Laden erwirtschaftet habe (so 50.000 Euro werden es gewesen sein). Die sog. Leistungsgesellschaft ist in Wahrheit ein konservativer Haufen, wo es nach wie vor um reine Äußerlichkeiten geht, und wo sich nach wie vor der Irrglaube hält, an Äußerlichkeiten ließe sich beurteilen, was ein Mensch kann. O naive Unschuld. Peinlich, für Leute, die von sich behaupten, die Leistungselite dieser Gesellschaft zu sein. Ihr seid nur peinlich. Beschränkt durch eure eigenen Vorurteile. Wie dumm kann ein gebildeter Mensch eigentlich sein? Eines Tages. Eines Tages werde ich auf meinen eigenen Barrikaden stehen, und ich werde euch die Wahrheit ins Gesicht brüllen, ob ihr sie hören wollt oder nicht. Und ihr werdet zuhören. Und vielleicht, ein einziges Mal in eurem Leben, mit Erschrecken feststellen, wie hohl manche eurer Vorstellungen doch gewesen sind. |
| Nnordy | [COLOR=coral]You're so understanding...[/COLOR] Es war nur ein Satz. Nur ein einziger Satz. Und auf einmal wird mir bewußt, daß wir beide auf jeweils einer Seite eines Abgrund stehen, der zwischen uns gähnt. Er ist da, auch, wenn ich meinte, da sei nichts. Und vielleicht wird er ja immer da sein. Und erstmals frage ich mich, wie viel Schuld ich an seiner Existenz trage. Was aus der Träumerin geworden ist, der romantischen, dramatischen jungen Frau, so bedacht darauf sich zu unterscheiden, ja nicht normal zu sein, die Briefe schrieb, eine eigene 'gruftige' Schrift entwickelte (für besondere Anlässe), die auf ihre Unterschiede pochte und auf die Menschen zunächst verschlossen wirkte, doch dann, spätestens beim zweiten Mal, eine ganz eigene Herzlichkeit an den Tag legte. Schüchtern, doch - einmal ermutigt - charmant, flirtbereit, heiß wie Feuer. Und die romantische Träumerin, so beeindruckt, so überwältigt von diesem fast schon Entität zu nennenden Gefühl namens 'große Liebe', an das sie nie geglaubt hatte... Wo ist sie hin? Stets war ich so bedacht auf meine Distinktionsmerkmale, daß sie mir irgendwann in Fleisch und Blut übergegangen sind - ich muß mich nicht mehr unterscheiden wollen, ich unterscheide mich einfach. Ich bin nicht wie andere. Und schlagartig ist mir gestern bewußt geworden, daß das schon immer so war, seit frühester Kindheit. Ich war nie ganz wie andere Kinder. Ich war auch nie der Typ für Cliquenzugehörigkeit - irgendwas unterschied mich immer, trennte mich von anderen. Mithin ist es mir nicht zur zweiten, sondern vielmehr zur ersten Natur geworden. Und heute Abend stelle ich fest, daß ich mich - Ironie des Schicksals - schlußendlich auch von Dir unterscheide. Es trennt uns, steht zwischen uns, denn die Träumerin ist leise entschwunden. Fading Shadow. Fast schon prophetisch mutet mich jetzt alles an. Dabei war es doch nur ein einziger Satz. [Szene] [Regieanweisung: Ein spärlich erleuchteter Raum, darin die zwei Protagonisten an ihren Schreibtischen. Musik im Hintergrund. Die Protagonisten sind an ihren Tischen beschäftigt, jeder für sich.] Frau (hebt den Kopf, sieht hinüber zum Mann und lauscht): Ich finde das Lied total krank. - kurze Pause - Mann (ohne sich zur Frau umzudrehen, in kaltem distanzierten Tonfall): Das ist ein wunderschönes Lied. [Ende] 'And my mind became transparent and slowly faded away...' |
| Nnordy | [COLOR=crimson]'I love you. I never want to let you go.' (Sky/Weiter Himmel, Jade Empire)[/COLOR] Ich spiele diese Szene, wieder und wieder. Eigentlich ist es fast schon kurios: Es ist nur ein Spiel. Ein Videospiel, eins meiner Favorites, ähnlich wie Star Wars - Knights of the old republic, doch in einer Art fiktionalem China angesiedelt, Jade Empire. Ich hätte es wissen sollen - es ist von den gleichen Machern wie KOTOR. Eine Love Story. Und diese verdammten Spieleprogrammierer entwickeln da einen Charakter, bei dem man bzw. Frau nur noch schmelzen kann. Sky. Weiter Himmel, in der deutschen Version. Und dieser Charakter spricht eine der schönsten Liebeserklärungen aus, die Frau sich nur wünschen kann. Verdammt. Ich sitze da, um 2 Uhr in der Frühe, und spiele diese Szene durch. 'Ich liebe Euch, und ich lasse Euch nie wieder fort.' Was affig klingen mag, wenn ich es hier niederschreibe, wird zu all dem, was ich mir wünschen würde, um mich aus dieser endlosen Alltagsmonotonie herauszuholen. Verdammt. Ich bin so fest verwurzelt in meinen Realitäten daß es ein blödes Videospiel mit einem solchen Charakter darin braucht um mein ganzes schönes Bild von mir selbst ad absurdum zu führen. Und ich bemerke, daß ich Sehnsucht danach habe, einfach wieder dahinschmelzen zu können, wenn MEIN Weiter Himmel mir sagen würde, daß ich alles für ihn sei. Hoffnungslos romantisch. Ich möchte nicht wieder eingestehen müssen, daß es Dinge gibt, die mir fehlen. Daß auch ich Sehnsüchte habe, Wünsche, abseits von dieser Realität mit all ihren Auswüchsen. Ich habe doch meine Flügel längst abgegeben - wie kann es sein, daß ich sie auf einmal wieder so schmerzlich vermisse, daß es weh tut, daß ich merke, wie mir Tränen in die Augen steigen, wenn man älter wird und merkt, daß romantische Wärme etwas ist, daß für mich nur noch in Videospielen zu existieren scheint. Kopfkino - es wäre doch so schön, so erfüllend, wenn... Verdammt. Seid dreimal verdammt, ihr miesen Programmierer dort bei Bioware, daß ihr mir vor Augen führt, wie kalt es in meiner eigenen Realität ist, und was ich mir wünsche, aber nie wieder finden werde. Weil in 10 Jahren offenbar jede Romantik unwiederbringlich sterben muß. Seid dreimal verdammt dafür, daß ich in solchen Momenten Dinge vermisse, die ich einmal hatte, vor langer Zeit. Und seid nochmals dreimal verdammt dafür, daß mir mein Herz in der Brust weh tut und daß diese Sehnsucht mir wie ein Kloß im Hals sitzen muß. Verdammt. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]'Und egal was geschieht: Ich bleibe bei Euch, bis zum Ende.' (Weiter Himmel, Jade Empire)[/COLOR] Sehnsucht, groß wie ein weiter Ozean, groß wie das Himmelszelt, und von klarem Blau. Blaue Sehnsucht, und ich darin, eine kleines behelfsmäßiges Floß, eine kleine weiße Wolke. 'My world came tumbling down...' Meine Welt bricht zusammen, und mein Ich bricht zusammen, wenn mir klar wird, was ich bin, und was ich nie sein wollte. Und ich frage mich, ob noch Zeit ist, Dinge wieder zurechtzurücken, sich zu ändern, sich seinem eigenen 'Wunschbild' wieder anzunähern damit man sich selbst wieder lieben kann? Ist noch Zeit? Ich will nicht mehr so sein wie ich bin. Ich will mehr sein, und ich weiß, daß ich mehr sein kann - könnte. Wenn Zeit wäre. Wenn Energie da wäre. Aber ein unbeständiges Leuchtfeuer in der Nacht ist kein Energielieferant, auch wenn ich dachte, es könne anders sein. Selbstbetrug? Ich bin aufgestanden, immer wieder. Habe gekämpft, immer wieder. Habe wohl öfter verloren als ich gewonnen habe, aber das ist egal. Dieser Tage braucht es so wenig, um meinen Kampfesmut, den Kampfgeist auszulöschen wie eine flackernde Kerze im Sturm. Ein paar Worte, ein paar Gesten, die ein oder andere Reaktion. Ich möchte das Beste, und daraus resultiert eine Katastrophe. Egal was ich tue, egal wie ich es anfange, nie ist es richtig. Nie ist es genug. Ich bin müde. Unendlich müde. Bin des Schmeckens müde, des Riechens, des Hörens, des Sehens, des Fühlens. Ich bin des Atmens müde. Meine Hustenanfälle werden immer schlimmer. Nur die Fragen, die bleiben. Doch auch ihrer bin ich müde geworden. Mein Leben ist ein Buch voller Fragezeichen. Stark muß ich sein. Und ich dachte, ich könnte es sein. Ich hätte es sein können, noch vor einigen Jahren. Doch jetzt reicht die Kraft nicht mehr. Sie könnte reichen, wenn es einmal genug wäre. Doch das ist es nie. Katastrophenproduzentin. 'Kopf hoch' - schon diese Muskelanstrengung ist mir zu viel. In meinen Träumen ist es anders, den Träumen, die ich habe, wenn ich wach bin, am hellichten Tag. Mein alter Ego tritt aus den Schatten und den Tiefen meiner Seele ans Tageslicht, und ich schaue sie an und bewundere sie, denn sie ist so, wie ich gern sein würde, und doch nie sein kann, wegen äußerer Zwänge und Gegebenheiten, die vielleicht nur allzuoft als bequeme Entschuldigung diene, weil es ja im Haus so behaglich ist, vor einem warmen Feuer im Kamin. Mein alter Ego - Lichtgestalt. Die Verkörperung all meiner Sehnsüchte, Träume, Wünsche. Die Verkörperung all dessen, was so unerreichbar ist, für mich in diesem Dasein. [COLOR=royalblue]'Ich bleibe bei Euch, bis zum Ende.'[/COLOR] Nur ein Flüstern im Wind. Ich bin allein. |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]'... with just one hand held up high... ' (Kate Bush, 'Hello earth')[/COLOR] Reise durch mein Inneres, wo alles dunkel ist. Doch hier und da stoße ich noch auf kleine Leuchtfeuer, Lichtpunkte, wie Sterne an einem dunklen Nachthimmel, vielleicht nur Stecknadeln. Doch sie sind da. Die Maschine wartet, gierig, mit aufgerissenem schäumendem Maul, wartet darauf, mich zu verschlingen, mich zu assimilieren, zu einem der ihren zu machen, mit grauen toten Augen. Ich fürchte sie, ich fürchte die Zukunft. Doch ich habe diese kleinen Stecknadellichtpunkte, und ich klammere mich verzweifelt an sie. Die Reste meines Leuchtens, die Reste meiner spirituellen Energie, der mir eigenen Heilkraft. Noch nicht ganz aufgebraucht, obwohl ich sie doch so oft schon totgeglaubt, totgesagt. Sie sind da. Sie können mich vor den toten Augen bewahren, vor der Abgestumpftheit, vor dem nach Hause kommen, 'Hallo Schatz' sagen und auf dem Sofa versumpfen. Können Sie mir das Leben erhalten, fernab des Funktionierens? Ich hoffe es, möchte es glauben. Aber es ist so schwer, wenn alles aus mir selbst kommen muß. Und es regen sich wieder Funken von grellroter Wut - wer gibt mir Kraft? Habe ich nicht oft genug Anderen meine Kraft geliehen? Werden sie da sein, wenn ich vor der Maschine stehe, kurz vor dem Absprung, und darauf hoffen, darauf bauen muß, daß der dünne Schild meines Lichts ausreicht, um gegen die gewaltigen Zahnräder, die titanengroßen Stacheln bestehen zu können ohne Schaden zu nehmen? Ich möchte nicht versinken, untergehen. Woher kommt meine Angst? Andere haben es doch auch geschafft - doch ich bin nicht die Anderen. War es nie und werde es nie sein. Fühle mich nackt, hilflos, ausgeliefert - und das erste Mal wirklich an mir zweifelnd, an meinem Selbst zweifelnd. Will nicht eingehen in die Liga der grauen Männer und Frauen. Sie verkörpern das blanke Entsetzen, all das, was ich nie sein möchte. Wenn ich etwas ändere, dann an mir selbst und nicht von außen. [COLOR=seagreen]I want to remain - undamaged...[/COLOR] |
| Nnordy | Warum nur bist Du so weit weg? Diese unsichtbare Mauer zwischen uns... Und so fallen unsere Tränen zeitgleich, doch einsam... Herzschlag - Wundenschlag. Blutstropfen im weißen Schnee. Hoffnung wird schwarz wie Ebenholz wenn mein Haar weiß wird und Deine Gestalt sich im Nebel und im Dunkel verliert. Meine Hände sind leer. Ich lege mein zerbrochenes Herz in die weiße kalte Decke, lege mich dazu, schließe meine Augen und träume... |
| Nnordy | [COLOR=skyblue]Farbenkaleidoskop[/COLOR] In diesen Tagen fangen alle Gefühle und Stimmungen an, als Farben vor mir zu erscheinen. Rote Wut, graue Indifferenz, anthrazitfarbene Langeweile, orange Genervtheit, giftgrüner Spott, royalblaue Zuneigung, sonnengelbe Freundschaft, blutrote Verbitterung... 1000 Farben, einmal mehr. Sie machen mich müde, ebenso wie das Licht mich müde macht und mir in den Augen wehtut, wie dieser Ring um meinen Kopf, der seinen Druck mal verstärkt, mal fast ganz wegnimmt, und mir die Konzentration und das Leben nimmt. Ich schlucke brav die Antibiotika, nehme das Nasenspray, schlucke Sinupret und bleibe daheim, und sehe all diese Farben. Ich habe mir die Decke über den Kopf gezogen und in meinen Kopf hineingesungen und getönt, um sie loszuwerden, sie von mir wegzuhalten, aber es nützt nichts. Sie lauern selbst hinter meinen geschlossenen Lidern und füllen jeden Kubikzentimeter Raum. Ausweglos. Ich bin einmal schwach und merke wieder, daß ich es nicht sein darf. Gestern, zwischen Übelkeit, Kreislaufkollaps und Erbrechen, habe ich Nudeln und Sauce gekocht, damit wir etwas essen können, und Du hast es nicht mal gemerkt, weil Du gerade telefoniert hast. Blaugraue Fassungslosigkeit. Bin ich ein Simulant? Bin ich Dir überhaupt noch wichtig? Leise Worte, zärtlich, an mich gerichtet - transparent hängen sie für eine Sekunde in der Luft und werden sofort vom Wind zerwirbelt und zerstreut. Substanzlos, so wie ich. Und wieder dieser Kopfschmerz, nicht grellrot - ein vibrierendes, pochendes, drückendes Grau, durchzogen mit blauen und grünen Schlieren. Schleim. Ich möchte mich übergeben, und kann es nicht. Meine Wut ist bestenfalls noch rosa, meine Barrikaden längst abgebrannt, meine Fackeln ausgetreten. Ich bin schwach, denn nun hat mich auch noch mein Körper im Stich gelassen. Versagen, einmal mehr, einmal wieder. Versuche, die Welt und die Farben auszublocken, in einem kleinen Raum mit türkisfarbenen Wänden, mit meinen geliebten Worten und Büchern, und doch driften immer wieder Schleier herein, inkoherent, doch substanziell. Ich will nicht mehr. Freue mich auf den Schlaf, heiße ihn mit offenen Armen willkommen, wie so oft, lasse mich hinabziehen in weitere schwarze Strudel in der Hoffnung, nicht wieder aufzutauchen. Samtige Schwärze, tröstlich, wohltuender Balsam für die Augen, die von all dem Licht und all der Farbe schmerzen. Doch auch hier ist meines Bleibens nicht, denn sobald wieder ein orangeroter Blitz oder ein transparentes Wort vorbeischwebt, bin ich wieder zurück, stehe Gewehr bei Fuß, brav, stramm, wie ich es immer tue. Den Mund fest geschlossen, alle Worte erstickt. Still und stumm, wie ein braver kleiner Soldat. Brave kleine Soldatin. Bis ich an meinem eigenen Blut ersticke. |
| Odessa | ...weil ich weiß dass Du sie auch so liebst.. und weil der Elefant doch nicht so einsam sein darf... und weil Du wieder Farben mit schönen Dingen in Verbindung bringen sollst... und weil Du meine Freundin bist.... und ich Dich vermisse, nach wenigen Tagen Krankheitsbedingter "Sprechpause" schon... Raus aus dem bösen grauschwarzkalten Loch... lass Dich nicht unterkriegen davon... [IMG]http://www.tvdb-media.de/tv-kult/bilder/maus03.jpg[/IMG] Gute Besserung, meine Liebe... Foto: [url]www.tvdb-media.de/tv-kult[/url] |
| Nnordy | [SIZE=1]Danke, Ilo... ja, die Maus. Ich mag sie. Und der kleine blaue Elefant fühlt sich nicht mehr ganz so verloren.[/SIZE] [COLOR=crimson]Paint it black...[/COLOR] Du bist schon den ganzen Tag geladen. Unter Strom. Schlechte Laune, so fühlbar. Und wieder die Kunst des 'kleine Stiche Austeilens', die Du so meisterlich beherrschst. Prallte teilweise ab, an meinem alten Panzer, den ich mir in meiner Hilflosigkeit wieder angezogen habe. Deine schlechte Laune kann 1000 Gründe haben, aber ich bin mir sicher, daß ich eben gerade den wichtigsten davon entdeckt habe. Und wieder kann ich mit Dir nicht reden. Du bist rausgegangen, spazieren, denn: "Ich fühle mich gerade wie eine Ratte im Käfig." Es ist Dir hier zu warm, bloß weil zwei Heizungen mehr gehen, davon eine in einem Raum den Du ohnehin kaum betrittst, weil wir 'nicht lüften' (was hält Dich davon ab, es zu tun? Muß denn immer alles ich machen???), weil wir 'zu lang schlafen' (geht das? Wer steht denn die letzten zwei Tage morgens immer auf wenn das Telefon klingelt und steht frierend, nur in Unterwäsche, am Telefon und spricht mit DEINER Krankenkasse???) - und wahrscheinlich, weil ich Dir jeden Tag 24h lang zu nah bin. Ich bin krank, und merke, daß ich es nicht sein darf, denn Du bist hier der Hauptdarsteller, nicht ich. Dabei habe ich aus meiner Stirnhöhlenentzündung keine große Sache gemacht, habe mich lediglich an die Weisung des Arztes gehalten und bin zu Hause geblieben. Sakrileg. Ich merke, wie ich mir Sonntag herbeisehne, wenn ich ein paar Stunden zu B. verschwinde, und Montag, wenn ich wieder arbeiten gehen werde. Es ist so verrückt. Und wieder mal habe ich den Mund zu voll genommen, den Tag vor dem Abend gelobt, gehofft und mich gefreut und bin wieder und wieder und wieder enttäuscht worden, desillusioniert, traumatisiert. Weiß nicht, ob, und wenn ja wie lange, ich das noch mitmachen kann, werde. Fühle mich verantwortlich, immer noch. Doch würdest Du - ohne mich - tatsächlich fallen? Oder bin ich das Einzige, was Dich davon abhält, endlich verantwortlich zu werden, Verantwortung zu übernehmen? Wäre es besser, ich würde beiseite treten, um Dich wachsen zu lassen? Es ist so kalt. Ich lausche auf den Schlag der Haustür. Du kommst wieder. Weniger angespannt, doch macht es einen Unterschied? Ich weiß nicht mehr weiter. Es ist so dunkel. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]'And back he spurred like a madman Shrieking a curse to the skies With the white road smoking behind him And his rapier brandished high Blood-red were his spurs in the gold noon Wine-red was his velvet coat When they shot him down on the highway Down like a dog on the highway And he lay in his blood on the highway With a bunch of lace at his throat... (Loreena McKennitt, 'The Highwayman')[/COLOR] Zehn Minuten voller Emotionen, eine der wunderbarsten Gedichtinterpretationen die ich je gehört habe. So schön, daß mir regelmäßig die Tränen über das Gesicht laufen, wenn ich diese letzten Zeilen singe und dabei das Bild dieses Geliebten vor Augen habe, wie er mit seinem Säbel auf die Soldaten zureitet, die abwartend dastehen, und mit dem Gewehr auf ihn zielen... So oft scheint Liebe, auch gegenseitige Liebe, im Tod zu kumulieren, oder gar erst ihre Erfüllung zu finden, daß man meinen könnte, in Liebe und Tod zwei Geschwister zu haben, die sich letztendlich doch immer und immer wieder treffen müssen, Hand in Hand. 'Tlot-tlot in the frosty silence Tlot-tlot in the echoing night Nearer he came, and nearer Her face was like a light Her eyes grew wide for a moment She drew one last deep breath Then her finger moved in the moonlight Her musket shattered the moonlight Shattered her breast in the moonlight And warned him - with her death...' Und warum gerade erscheint dies oftmals auch als Gipfel an Romantik, als das ultimative Zeichen für wahre Liebe, wenn sich einer für den anderen opfert, einer für den anderen stirbt, um ihn oder sie vor einem schlimmen Schicksal bewahrt zu wissen? Vielleicht deshalb, weil in unserer halbseidenen Gesellschaft die letzten großen Gefühle endgültig auf Sparflammenniveau heruntergekühlt werden, weil sie nicht ins Bild passen, weil Dramatik und Romantik keine Dividenden bringt und keine Rendite, weil es sich nicht in Euro und auch nicht in Dollar umrechnen läßt, und weil zwei, die sich selbst genügen, schlechte Konsumenten sind. Vielleicht deshalb, weil wir unter all der Flut von Bildern und Worten und Nachrichten und Wissen jeden Tag so stumpf und betäubt sind, daß uns große Gefühle fremd werden müssen, ja gar suspekt, uneinschätzbar, die große Unbekannte, viel zu gefährlich für unsere durchgeplanten Leben mit Arbeit und Alltag und trautes Heim Glück allein und Harald Schmidt zwischen Pizza und dem Bier zum Feierabend. Vielleicht deshalb, weil die Bühne des Lebens unter unseren eigenen Füßen zu Schutt und Staub geworden ist und dort an ihrer Statt nun ein riesiger Breitbildfernseher steht, der uns mit bunten Bildern aus aller Welt das Denken und das Fühlen abnimmt und uns einlullt in die Leben anderer, damit wir am nächsten Tag wieder schön und fein säuberlich funktionieren in der großen Produktionsmaschinerie, in der wir nur 'Humankapital' sind, Ziffern, pure Zahlen ohne jede Individualität, aber jeder mit einem eigenen Schicksal, das austauschbar ist mit beliebigen anderen. Und schließlich träumen wir vielleicht noch manchmal von den großen Gefühlen, oder wir vergessen ganz, daß es sie mal gab, und wundern uns irgendwann nicht mehr über die Leere, die sich in unserem Inneren ausbreitet und die uns eine Sehnsucht ohne Ziel spüren läßt, weil das, wonach wir uns sehnen, nicht kompatibel ist mit dem, was uns heute als 'Leben' verkauft wird. Sehnsucht nach dem großen Gefühl, dem ganz großen. Manchmal, für kurze Momente, blitzt es noch zu mir herüber: "Das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist, bist Du." Und es berührt eine Saite in mir, und gleichzeitig macht es mir Angst, denn es schreibt mir eine Wertigkeit ein, die ich mir nicht geben kann und nicht geben will, und muß ich Dich am Ende bedauern, wenn mein Wert nicht dem entspricht, was Du, was jeder Mensch, für sein Leben verdient hat? ICH bin nicht das ganz Große - kein Mensch kann dies jemals sein. Nein, das, was zwischen zwei Menschen passieren kann, DAS ist das ganz Große, und vielleicht, nur ganz vielleicht, gibt es irgendwo noch die Reste eines Glühens, bewahrt von zwei Herzen, das wächst und wächst bis es sich in seiner Bestimmung verliert. |
| Aleea | mhh es pocht doch manchmal weiss ich nicht wozu...herzen könen so weh tun wenn sie alleine sind.mein herz schlägt einsam.... |
| Trauerwesen | Nnordy: Die Werbung von jade Empire sagt: Nur ein wahrer Meister ist unsterblich. Und genau das ist es. Soll ich ihn sterben lassen? Sterbe ich dann nicht auch? Aber so, wie es ist, werde ich sterben, es zerreisst mich. Es tötet mich. Es quält mich. Und nur ein einziges Wort von ihm, auch wenn ich es nur lese, lässt mich wach werden und mich an diesen Worten ergötzen. Aber ist es das, was ich will? Ich will nicht nur diese wenigen Worte, ich will alles. Und mein herz, es schlägt, aber es schlägt langsam, und das wundert mich, wann es denn aufhören wird, zu schlagen. Wenn ich ihn sterben lasse, oder wenn ich ihn so wenig, wie es ist, weiterleben lasse? Es schlägt nach wie vor, weil es hofft, dass er nicht doch unsterblich ist, weil er wahr ist. |
| Monochrom | ... ein Herzschlag und alles ist gesagt ... [I] Wenn unsere Wege sich eines Tages trennen sollten, so wisse, dass ich Dich niemals vergessen könnte, denn Du bist alles für mich ... [/I] ... ein Herzschlag für einen Moment, für eine Ewigkeit ...? |
| Nnordy | [COLOR=crimson]Toi qui n'a pas cru ma solitude Ignorant ses cris, ses angles durs, j'ai Dans le coeur un fil minuscule Filament de lune Qui soutient là, un diamant qui s'use... Mais qui aime... (Mylène Farmer, 'Innamoramento')[/COLOR] Parallele Satzstrukturen, die mir zu eigen sind. Paralleler Herzschlag, den ich ersehne - obwohl ich weiß, daß wir ihn verloren haben. Oder hatten wir ihn niemals? Und vielleicht, vielleicht gibt es meinen Seelenverwandten nicht. Vielleicht werde ich mein Leben damit zubringen, mich nach etwas zu sehnen, das nicht existiert. Ich werde lieben, leiden, hoffen, glauben, weinen und lachen. Irgendwann werde ich möglicherweise wieder träumen. Und immer immer und immer diese unerfüllte Sehnsucht spüren, nach demjenigen oder derjenigen, der/die mir gleich ist, mich versteht ohne lange Erklärungen, große Gesten, Blicke als Spiegel von Herz und Seele. All dies braucht es nicht. Paralleler Herzschlag. Meine Emotionalität erschöpft sich nicht in der Liebe, obwohl ich stets glaubte, daß dies so sei. Ich suche nach meinem Gegenstück - nicht in der Liebe, sondern in der Seele. Einmal spüren dürfen, daß man rundum verstanden wird, als ganzes Wesen, als ganze Seele. Einmal keine Rechtfertigungen brauchen. Einmal ganz aufgehoben, ganz man selbst sein dürfen ohne Angst. Ohne Grenzen. Ohne Mauern. Ganz ich. Ganz Sein - ganzsein. Nackter als ich vor mir selbst bin. Sehnsucht nach dem einen Herzschlag im vollkommenen Einklang, bis in die kleinste Nanosekunde deckungsgleich. Vollkommene Nähe. Einmal im Leben, bevor ich alles verliere... |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]"Es gibt so viele Menschen Die mir nichts bedeuten Doch du bohrst dich tiefer Ein Stachel mitten ins Herz Ein Stachel mitten ins Herz Du bist das Gift in meinem Körper Mein langsamer Tod Du bist das Gift in meinem Körper Mein langsamer Tod" (Fliehende Stürme, 'Mein langsamer Tod')[/COLOR] Irgendwo zwischen Soziophobie und der Sucht nach dem 'Gebraucht-Werden' schlafe und wache ich durch Stunden, Tage, Wochen und Monate, nicht mehr auf der Suche nach dem verlorenen Selbst, weil ich all der Analysen so müde bin, all der wohlfeilen Worte und Gedanken die an mir kleben wie Fliegen auf Honig. Müde der Rechtfertigungen vor mir selbst und vor anderen, warum ich bin wie ich bin, warum ich tue was ich tue, warum ich lasse was ich lasse. Die Akzeptanz von Gegebenem war noch nie die Stärke dieser Gesellschaft, doch kommt sie nun selbst mir abhanden? Ja, denn an die Stelle der Akzeptanz ist viel zu oft die Resignation getreten, aktiv durch passiv ersetzt, klammheimlich, still und leise. Akzeptanz kostet manchmal Kampf, kostet Kraft - doch sie spendet sie auch wieder, wenn man 'durch' ist. Doch die Resignation saugt sich vampirgleich an allen Energiereserven fest und läßt erst dann los, wenn alles ausgelutscht wurde. Leer. Stachel und Vitalitätsspritze. Blindheit und Licht. Verzweiflung und Hoffnung. Leere und das volle Leben. Du bist alles. 'Nebenbei' muß ich mich noch mit ganz banalen, weltlichen Dingen herumschlagen. - Morgen soll es also sein. Das, was man gemeinhin als 'neuen Lebensabschnitt' definieren würde, begleitet von Erwartungen, Neugier, vielleicht einem Hauch von Besorgnis oder Angst - doch da ist nichts. Nur die Einsicht in das Notwendige, das Unvermeidliche. Resignierend. Ich zünde mir noch eine Zigarette an, inhaliere tief und habe dabei nur die Mauer vor Augen, die direkt vor mir steht. Einbahnstraße - Endstation. "There is no pain, you are receding. A distant ship’s smoke on the horizon. You are only coming through in waves. Your lips move but I can’t hear what you’re sayin’. When I was a child I caught a fleeting glimpse, Out of the corner of my eye. I turned to look but it was gone. I cannot put my finger on it now. The child is grown, the dream is gone. I have become comfortably numb." (Pink Floyd, 'Comfortably numb') Nur noch ein Schritt bis dahin. Noch ein Schritt bis zum 'comfortably'. Noch ein Schritt bis zum Ende des Kampfs, dem Ende der Angst - und dennoch ein Schritt, den ich nicht bewußt tun kann, möchte. Noch nicht. In der völlig irrationalen Hoffnung, daß es vielleicht doch noch etwas gibt, für das sich zu kämpfen lohnt. Vielleicht eine Spur von Brotkrumen im dunklen Wald, vielleicht eine Möhre an einem Seil vor meiner Nase, vielleicht eine Fata Morgana im sengenden Licht einer Wüstensonne. Der völlig irrationale Glaube daran, daß es doch etwas geben MUSS. Ich will irrational sein. Kann ich es sein? |
| Nnordy | [COLOR=blue]All I ever wanted All I ever needed...[/COLOR] Manchmal wundere ich mich über mich selbst, wenn ich meine eigenen Worte lese. Im allgemeinen setze ich mir nur höchst selten ein wirkliches "Thema", wenn ich schreibe, meistens ist es so, daß 'etwas' aus mir heraus will, heraus muß, und dann fließen die Buchstaben und Worte aus der Feder bzw. durch die Finger und die Tastatur auf den Monitor, in die Weiten des Netzes, und stehen dort, Zeitzeugen einer Sekunde. Ehrliche Gefühle und Gedanken des einzigartigen Moments. Und zeigen Seiten und Facetten meines Wesens, die nach außen nie sichtbar sind, denn das gesprochene Wort ist so schnellebig und so flüchtig, kaum gesagt, schon vergessen... Nur dem geschriebenen Wort ist eine länger dauernde, vielleicht auch länger wirkende Existenz vergönnt - auch wenn diese manchmal ein Fluch sein kann. Möglicherweise ist denjenigen, die hier, in diesem Thread, lesen, auch manchmal so, als kongruiere das, was sie hier lesen, nicht mit der Person, die sie kennen (so sie mich persönlich, 'privat' kennen - und nicht nur meinen Nick und ein paar Fotos irgendwo in der Datenbank). Dabei ist es doch so, daß ich mich mit dem, was ich schreibe, wesentlich wohler fühle als mit dem, was ich gesprochen bin. Vielleicht scheinen manchmal meine gefühlten geschriebenen Sätze nach außen durch, ganz selten, in einem Blick, in einer Geste, oder einem Wort. Ich würde mir wünschen, daß es so sei. Weil es so viel mehr von mir selbst zeigt, als ich nach außen hin sonst zeigen kann oder zu zeigen bereit bin. Ich habe nicht gelernt, mich anderen zu öffnen, denn ich bin immer diejenige gewesen, der gegenüber andere sich öffnen konnten. Dafür bin ich ebenfalls dankbar - doch dieses, mein Defizit des Nicht-Sprechen-Könnens, des Gefühle und Befindlichkeiten gegenüber anderen nicht in gesprochene Worte kleiden zu können, erschreckt mich zugleich. So viele Phrasen dringen auf mich ein: 'Gute Miene zum bösen Spiel', 'Mehr Schein als Sein'. Ich muß mich sehr, sehr sicher fühlen oder sehr, sehr kaputt sein um mich jemandem zu öffnen, und auch dann würde ich wohl nie vorbehaltslos und angstfrei über all das sprechen können, was in mir ist. Es liegt mir nicht. Stattdessen kanalisiere ich alles über meine Feder, meine Finger, lasse es nach außen strömen wie es in mir wirbelt und fällt, beschwöre Buchstabenstürme herauf und lasse sie lawinengleich niedergehen, und fühle mich damit manchmal lebendiger als ich es jemals 'hier draußen' bin. Wie schön wäre es, wäre innen und außen deckungsgleich - doch das wird mir nie wieder passieren. Dadurch mache ich mich angreifbar, verletztlich - und einmal zu oft wurde ich niedergestreckt. Man lernt durch Schmerz. So bleiben mir nur die geschriebenen Worte als Momentaufnahmen und Erinnerungen meines inneren Wesens... |
| Solstice | Jeder, der aus seiner Deckung herausgeht, ist verletzlich und setzt sich der Gefahr aus, dass er verwundet wird. Die Frage ist also immer, ob ich vorher weiß, ob mein Gegenüber auf mich schießen oder mich in die Arme nehmen wird.... Fest steht nur: bleibe ich in der Deckung, kann immer noch jeder auf mich schießen, aber niemand nimmt mich in den Arm... *sagt jemand, der selbst immer in der Deckung bleibt...* |
| Nnordy | [COLOR=crimson]A broken arrow in a bloody pool The wound in the face Of midnight proposals Someone shot nostalgia in the back Someone shot our innocence In the shadow of his smile... All our dreams have melted down We are hiding in the bushes From dead men Doing Douglas Fairbanks' stunts All our stories burnt Our films lost in the rushes We can't paint any pictures As the moon had all our brushes Extracting wasps from stings in flight Who killed Mr. Moonlight? (Bauhaus, 'Who killed Mr. Moonlight?')[/COLOR] Ich habe Angst vor nachher. Vor der Beerdigung. Ein weiteres Ereignis auf der langen Liste derer, die Du nicht verarbeitest - vielleicht aus Angst, vielleicht auch einfach aus der Unfähigkeit heraus, Dich damit auseinanderzusetzen. Du hast es nie gelernt. Ich habe Angst, daß mir die Stimme versagt, vor all diesen Menschen, die mir eigentlich egal sein sollten, denn schließlich singe ich nicht für sie, sondern für Gerd, von dem ich mir sicher bin, daß er sich gefreut hätte, wenn ich das tue. Und doch sitze ich da und habe seit gestern Angst, regelrecht Panik, und weiß nicht einmal warum. Gestern hast Du kurz angefangen, ein bißchen zu erzählen, von ihm, von früher. Ein gutes Zeichen - damit fängt Aufarbeitung an. Doch leider, leider - war es Dir peinlich? - hast Du genauso schnell wieder damit aufgehört. Und vorhin der Anruf. Wo man wieder spürt, wie die Kälte regelrecht durch das Telefon und die Gehörgänge in den Körper kriecht und die dünne Eisschicht sich sofort wieder festsetzt. Zusammenhalt macht in solchen Situation stärker - doch nicht mit Dir. Wir werden auf dieser Beerdigung stehen und Du wirst zugleich durch 3 dicke unsichtbare Mauern von mir getrennt sein, indifferent nach außen, wie Du es immer bist, wenn es um den Tod und um Abschiede geht. Kein Gefühl. Und statt sich gegenseitig zu halten und so zu stützen, werden wir einsam sein, jeder für sich. Ohne Halt. Aber was ist schon der freie Fall, schrecken kann er mich nicht mehr, zu oft habe ich ihn erlebt in den letzten Jahren. Wenn die Flügel brechen und schließlich ganz verschwinden, beginnt das Fallen, bis man nichts anderes mehr hört als das Rauschen und Pfeifen des arktischen Windes und bis man nichts anderes mehr spürt als die immer weiter zunehmende Beschleunigung und Gravität die dich nach unten zieht. Und hier, in der eisigen Kälte des Äthers, bin ich wieder allein. 1.Kor.13,13: "Nun aber bleiben/Glaube, Liebe, Hoffnung,/diese drei/doch die Liebe/ist die größte unter ihnen." Das Ende unseres Trauspruchs. Ich habe an ihn geglaubt. Und doch sind es Momente wie dieser, wie jetzt, in denen ich alles verliere, mir alles entgleitet, und mir das Nichts seine leere Fratze zeigt und mich blind, taub, stumm macht und ohne jedes Gefühl zurückläßt. Denn wenn die Hoffnung erstickt wird, stirbt auch der Glauben, Stück für Stück. Und ohne den Glauben, an Dich, an mich, an uns, stirbt auch die Liebe. Jeden Tag ein bißchen mehr. In Momenten wie diesen, und in Situationen wie diesen, in denen in mir nichts mehr ist als Angst. |
| Odessa | .... ich denk an Dich, an Euch. Worte, die so oft hier geschrieben werden und gesagt werden, aber ich hoffe Du weißt, daß eine Freundin sie trotz des "inflationären Gebrauchs" allerorten wirklich ernst meint... Ihr habt so viel, Ihr beide, was Ihr Euch gebt... immer geben werdet... das Leben hat noch so viel bereit für Euch, sei sicher. Und die Beerdigung überstehst Du, "mein Mädel", und Du wirst singen und es wird wunderbar sein und ER wird es hören, da oben, und sich freuen. Lieben Gruß und Gedanken. "die 42 - für ein Jahr die Antwort auf alle Fragen" *ein Lächeln auf Dein Gesicht zu zaubern versucht damit* |
| Nnordy | [SIZE=1]Wie immer ein leises 'Danke' an Dich, meine Antwort auf alle Fragen des Lebens... *lächel*[/SIZE] [COLOR=royalblue]... The record shows You took the blows And did it YOUR way... [/COLOR] Ich habe den Text da etwas abgewandelt - natürlich lautet es im Original 'I took the blows and did it my way' - es erschien mir passend, genau wie das ganze Lied für Gerd geschrieben zu sein scheint. Auch, wenn die Stimme ein ganz klein wenig nur gebrochen ist (ist halt schwierig, mit einem dicken Kloß im Hals zu singen) - das Gefühl ist es, was zählt. Und das war da. Du bist immer für eine Überraschung gut - auch diesmal wieder. Und es war, wie leider viel zu selten, eine Überraschung der angenehmen Art. Tränen. Gefühl. Meine Hand in deiner, und ein fester, sich aneinander klammernder Druck. Nicht abgewiesen werden, abgewiesen sein, sondern nebeneinander sitzen und dabei beieinander sein. Zweisam, nicht einsam. Ich habe meine Omi an diesem Tag ein zweites Mal beerdigt. Habe mir gewünscht, sie hätte ein solch wunderschöne Trauerfeier gehabt, eine so persönliche, die sie als der Mensch der sie war würdigte. Nicht so unpersönlich, austauschbar, wie viele Trauerfeiern sind - gesprochen von einem Pfarrer, der in vielen Fällen den Verstorbenen gar nicht richtig kannte, der nicht die Zeit hat, mit all den Menschen zu sprechen, die der Tote berührte, anrührte, veränderte, bewegte. Und so werden nur ein, zwei Facetten beleuchtet und erwähnt, und man sitzt dort und findet die geliebte Person nicht wieder, in diesen leeren Worten, die so gar keinen Bezug zu dem lebendigen Menschen zu haben scheinen, den man kannte. Doch hier war es anders - aus jedem Wort, jedem dargebotenen Lied schien die Persönlichkeit von Gerd durch, und ich hatte einmal das Gefühl, daß dies wirklich Raum gibt zu einem echten Abschied, weil es den Menschen würdigt, der er gewesen ist, mit all seinen schillernden Facetten. Und die Erinnerung an eine andere Beerdigung, vor 7 Jahren, und das es wieder ich war, die eine persönliche Note in diesen ansonsten so distanzierten Abschied reinbrachte, indem ich 'Ich habe dich so lieb' von Ringelnatz vorlas, auch wenn die Worte teilweise fast in den Tränen erstickten, mein letzter Gruß an sie, ein letztes Dankeschön an einen wunderbaren Menschen. Und ich habe mir am Freitag gestattet, für einige kurze Minuten, all meine Schutzwälle und Dämme brechen zu lassen, den Tränen freien Lauf zu lassen, und den Schmerz zu empfinden den es bereitet, wenn das Leben um einen liebenswerten Menschen ärmer geworden ist. Und da ist es wieder, dieses schleichende und morbide Gefühl, und dieses Bild in meinem Kopf - wieder und wieder sehe ich mich, mit einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht, an den Gräbern stehen, wieder und wieder verzweifelt bemüht, die letzten Reste der Persönlichkeiten noch einmal hell strahlen zu lassen, wieder und wieder stark sein müssen, stark sein, stark sein, um des letzten Dankes Willen, um des Menschen Willen, um seines Lebens Willen. |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]Maskenball...[/COLOR] "... und ich fände es so schön wenn Du hier einmal Deine Maske abnehmen und ganz Du selbst sein würdest..." Auch, wenn diese Bitte auf meine tauben Ohren stößt - so hat sie mich immerhin zum Nachdenken gebracht. Trage ich denn wirklich ständig eine Maske? Und nach Tagen des Grübelns und des Hin- und Herwendens, des Erinnerns, Bewertens und Interpretierens, weiß ich: JA. Ich nehme diese Maske genau 3 Menschen gegenüber ab: Gegenüber mir selbst, wenn ich allein bin, gegenüber meiner besten Freundin B., der ich 100% vertraue, und gegenüber meiner 5 Jahre alten Nichte, weil es gegenüber dem Kind keine Maske braucht, um akzeptiert zu werden. Die Maske klebt so fest an meinem Gesicht, an meiner Gestalt, daß ich schon gar nicht mehr bemerke, daß sie mich permanent begleitet, verwachsen ist mit mir, und sich nur widerwillig zu den seltenen Gelegenheiten, an denen ich sie ablege, herunternehmen läßt. Und vielleicht, möglicherweise, werde ich sie irgendwann gar nicht mehr abnehmen - können. Sie gleitet mir vom Gesicht, wenn ich zu viel getrunken habe, oder wenn ich zutiefst fertig bin. Wenn all die sorgsam unterdrückten und weggeschlossenen Gefühle orkanartig über mich hinwegfegen und nach draußen wollen, wenn sich Schmerz, Freude, Verzweiflung, Wut und Trauer gewaltsam über meine mühsam errichteten Barrikaden hinwegsetzen, die Maske fortschleudern und mich für kurze Zeit wieder zu einem ganzen Menschen machen. Nicht zu diesem hohlen, artifiziellen Gebilde, daß ich jeden Tag der Welt zeigen muß. Meine liebgewonnenen Barrikaden, an denen ich seit über 20 Jahren baue, jeden Tag ein kleines Stück, meine ganz eigene chinesische Mauer, mein ganz eigener Koloß von Rhodos, die mich immun machen sollen gegen all die kleinen Stiche und Hiebe, gegen all die Geringschätzigkeit und Unsensibilität, gegen all das Unverständnis und den fehlenden Respekt, all den kleinen Gedankenlosigkeiten und manchmal auch bösen Absichten, die so vielen Menschen zu eigen sind. Und ich verstecke mich im Schatten der Mauer, im Schatten des Kolosses, in der Hoffnung, daß mich dort niemand findet, von dem ich nicht will, daß er mich findet. Wage mich nur dann komplett hervor, wenn ich 100% Vertrauen habe - alles andere wäre zu viel Risiko. Die ständige Angst, nicht zu genügen, so wie ich bin. Und so ziehe ich mir die Maske wieder an, das Abbild der Mauer, das Abbild des Kolosses, indifferent und manchmal hart, weil alles andere völlig fehl am Platze ist und mich viel zu verletzlich macht. Auch im Schreiben bin ich ganz bei mir. Und ich weiß, daß das hier vielleicht einige Leute lesen werden, die nicht verstehen, warum ich so etwas hier rein schreibe, 'da kann es doch jeder lesen', 'muß sie das denn im Internet öffentlich machen'. Darunter sind Personen, denen ich manchmal im realen Leben begegne, die ich schon seit Jahren immer mal wieder sehe, vielleicht auch zeitweise guten Kontakt habe oder hatte, Leute, mit denen ich ab und an mal 'ein Schwätzchen gehalten habe', und die mir dennoch nie ins Gesicht sagen würden, was sie von mir oder von dem, was ich hier tue, was ich manchmal ansonsten noch tue, halten. Weil sie sich nicht trauen. Und vielleicht auch, weil sie wissen, daß sie dazu kein Recht haben. Denen sei hier, an dieser Stelle, noch einmal ausdrücklich gesagt: Ihr müßt es nicht lesen. Wenn ihr es doch tut, dann zeigt es nur eure eigene Sensationsgeilheit, etwas mehr zu erfahren über mich, über die ihr doch schon längst euer eigenes Urteil gefällt habt. Lest es nicht. Und wenn ihr es doch tut, überlegt einmal, was das über euch aussagt. Nicht über mich. Was ich hier tue, ist Balsam für MEINE Seele. Was ihr davon haltet, ist mir - mit Verlaub - komplett egal. Haltet mich für bescheuert. Haltet mich für krank, für dumm, für oberflächlich. Mir ist es einerlei. Die wenigen Refugien, die ich habe, sind Orte, zu denen ihr keinen Zugang habt. Und nur das allein ist wichtig. Behutsam hebe ich die Maske vom Boden auf, und setze sie wieder auf, für einen weiteren Tag... |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]You build me up then you knock me down... (Dead Can Dance, 'The Ubiquitous Mr. Lovegrove')[/COLOR] Wechselbäder. Verfluche mich und meine unglaubliche Stimmungsabhängigkeit von Dir, prinzipiell von Menschen, die mir wichtig sind. Himmel und Hölle, wieder und wieder. Ich habe in den vergangenen Jahren so viel Kraft gebraucht, um mich zu 'beherrschen', um mit Dir und mir leben zu lernen, daß sie mir jetzt, in diesem wichtigen Moment, der vielleicht eine Weggabelung ist, ein Kreuzungspunkt, fehlt. Und dabei bräuchte ich sie jetzt so nötig, obgleich ich Dir nicht wirklich helfen kann. Aber Du wendest Dich mir zu, suchst Rat, suchst Unterstützung, oder einfach nur um Dich zu vergewissern, daß ich da bin - und ich bin da, ja, ich bin da, zunehmend hilfloser, zunehmend unglücklicher, weil ich nichts tun kann. Gar nichts. Außer, mich noch mehr von Dir zu entfernen, weil es die verdammten Umstände nicht anders zulassen. Ich suche verzweifelt den Zugang zu Dir und finde ihn nicht. Möchte Dich berühren, das bißchen Kraft was ich noch habe mit Dir teilen, sie Dir geben, damit Du wieder auf die Beine kommst, möchte Dich verstehen und verstanden werden, weil nur durch Verständnis Hilfe und Rückendeckung erwachsen kann. Möchte Dich halten und merke doch, in den Momenten in denen ich meine Arme um Dich schließe, daß ich nur Deinen Körper halten kann, nicht aber Deine Seele. Und es macht mich traurig. Und führt mich unweigerlich zu den Fragen zurück, ob es schon immer so war, oder ob es nur die Zeit ist, ob es die Umstände sind, ob Du es bist oder ich oder vielleicht von allem ein bißchen. Fühle mich vor einer Mauer stehend, einer Mauer ohne Türen und ohne Möglichkeiten, um hinüber zu klettern. Manchmal denke ich fast, ich bin hindurch - doch dann rutsche ich wieder zurück, die vermeintliche Tür knallt mir vor der Nase zu, oder vielleicht war sie ohnehin nur eine Einbildung, wer weiß das schon. Und wahrscheinlich mache ich, in meinem verzweifelten Bemühen, das Richtige zu tun, alles falsch, habe statt Samthandschuhen Boxhandschuhe an, statt Wanderstiefeln Highheels, statt Schneeausrüstung einen Bikini. Und weiß doch, daß ich Dir Deinen Kampf nicht abnehmen kann, den Kampf, den Du seit Jahrzehnten gegen Dich selbst kämpfst, nie mit Dir im Reinen, immer mit einem Selbsthaß, der mir Angst macht, weil ich ihn nicht verstehe und nicht weiß, was ich tun kann, um Dir zu zeigen, daß Du, trotz all Deiner Fehler, die Du hast (genau wie jeder andere Mensch) ein wundervoller und liebenswerter Mensch bist, mit so vielen Talenten und Begabungen, mit der Gabe, die Menschen zum Lachen zu bringen, ein fröhliches Lachen, nicht auf andere Leute Kosten, sondern frei und fröhlich und ohne jede Häme. Und auch, wenn es immer wieder Leute gibt, die das nicht zu schätzen wissen - es gibt genug andere, die es tun. Warum kannst Du Dich nicht darüber definieren? Ich werde weitersuchen. Aber ich bin müde, so müde. Möchte schlafen, nur noch schlafen, weit weg von der Kälte und der Dunkelheit und dem eisigen Schweigen. Weg von allen überflüssigen Worten und Gesten, reduziert auf das Wesentliche, auf Atem und Seele, Körper und Geist, vereint im Traum. Und vielleicht finde ich ja dort den Zugang zu Dir, denn es würde passen. Den Träumer findet man nur im Traum. Ich werde suchen... |
| Nnordy | [COLOR=purple]... I reached inside myself and found Nothing there to ease the Pressure of my ever worrying mind All my powers waste away I fear the crazed and lonely Looks the mirror's sending me these days Touch me How can it be Believe me The sun always shines on t.v. Hold me Close to your heart. Touch me And give all your love to me. Please don't ask me to defend The shameful lowlands of the way I'm drifting Gloomily through time I reached inside myself today Thinking there's got to be some way To keep my troubles distant. Touch me How can it be Believe me The sun always shines on t.v. Hold me Close to your heart Touch me And give all your love to me. To me... (A-ha, "The sun always shines on TV")[/COLOR] Lang, sehr lang ist das her, doch dieser Song berührt mich heute noch, obwohl es ein einfacher Popsong ist. Aber schon damals, mit 10 Jahren, gefiel mir dieses Lied besser als das gefällige 'Take on me' oder auch 'Hunting high and low', warum, kann ich nicht sagen. Dieses Frühjahr ist ein schlechtes Frühjahr. Es ist wie damals - auch meine Ömi starb im Februar, in den kalten und dunklen Tagen, wo Licht und Sonne zu bloßen Worten, stecknadelgroßen glimmenden Fernträumen werden, während die Welt und die Herzen in der Froststarre des Winters mit eisiger Hand gefangen sind. Der Tod von G. Letzte Woche starb die Großtante - und eine alte Bekannte, D. Sie war 35 - Brustkrebs. Und wir beide meinten zynisch, um die eigene Angst nicht zu zeigen: "Tja, wir sind jetzt in einem Alter, in dem die Einschläge näher kommen." Was für ein Quatsch. Oder, wie Du es heute sagtest: "Es ist Sterbezeit." Die Zeit zwischen den letzten Atemzügen des Winters und dem herannahenden Frühjahr - und die, deren Energie aufgebraucht ist, die schaffen es nicht mehr 'rüber', in die Wärme des Lebens. Sterbezeit. Nicht nur Leben hören auf - auch Beziehungen enden häufig zu dieser Zeit. 'Frühjahrsputz', könnte man da zynisch sagen. Und doch erscheint es manchmal so sinnlos. Es ist eine Zeit, da sich die Hände nicht voneinander lösen, sondern vielmehr einander festhalten sollten, um gemeinsam die entscheidenden Schritte auf der Zielgeraden zu tun, um sich gegenseitig Kraft zu geben, die Stärke, um es doch noch zu schaffen, die letzten Energien zu mobilisieren - und mit Licht und Wärme dafür belohnt zu werden. Warum entgleitet man dann einander doch? Weil viel zu oft Schweigen herrscht statt Austausch, viel zu oft Mißtrauen statt Vertrauen, viel zu oft Rückzug statt aufeinander zugehen. 'Ich schaff das schon alleine' - in dieser Illusion kann man lange, lange leben. Bis eines Tages ein Zeitpunkt kommt, an dem man sich eingestehen muß, daß man manche Sachen eben nicht allein stemmen kann. Oder daß man sich die Sache unnötig schwermacht, wenn man keine Hilfe annimmt. Und daß es keine Schande ist, nach Hilfe zu fragen, Hilfe anzunehmen, wenn sie gern, freiwillig, aus vollem Herzen gegeben wird. Natürlich ist es schwerer, Hilfe anzunehmen, als Hilfe zu geben - aber nur daran zeigt sich Größe. Auch ich habe lange gebraucht, um diese Lektion zu lernen, wollte immer alles allein durchziehen, allein hinbekommen, so lang, bis ich zusammenbrach. Und es hat lang gedauert, bis ich wieder auf die Beine kam. Viel schlimmer ist es, helfen zu wollen und nicht zu können. Oder Hilfe anzubieten und wieder und wieder abgewiesen zu werden. Das führt zu einem Gefühl von Hilflosigkeit und auch Frustration, zu negativen Gefühlen, die sich so leicht in andere, noch schlimmere Gefühle verwandeln... Denen, die da draußen Hilfe brauchen, aber (noch) nicht in der Lage sind, sie anzunehmen, denen wünsche ich, daß sie die Stärke finden, sich einzugestehen, daß sie jemanden benötigen, der ihnen die Hand reicht - eine oder auch zwei, und vielleicht dazu noch ein Bein oder auch zwei. Um herauszukommen aus einer scheinbar ausweglosen Situation. Aus einem tiefen Tal. Aus der Hoffnungslosigkeit. Aus den eigenen Ängsten, der Depression, der Unsicherheit. Oder zurück von den Grenzen des eigenen Verstandes. Lernen, Hilfe anzunehmen. Lernt es nicht auf die harte Tour, so lange es noch anders geht. Mein Wunsch zur Nacht... |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]... Though we share this humble path alone How fragile is the heart Oh give these clay feet wings to fly To touch the face of the stars Breathe life into this feeble heart Lift this mortal veil of fear Take these crumbled hopes etched with tears We'll rise above these earthly cares Cast your eyes on the ocean Cast your soul to the sea When the dark night seems endless Please remember me Please remember me... (Loreena McKennitt, 'Dante's Prayer')[/COLOR] Eine weitere Trauerfeier - die von D., mit der ich eigentlich nie so wirklich viel zu tun hatte. Sie und ihr damaliger Freund, N. - beide waren 18 Jahre zusammen - nahmen uns 1997 in ihrem Auto mit aufs WGT, und ich erinnere mich daran, daß sie ihren Wok im Etap-Hotelzimmer aufbauten und dort kochten und es war ziemlich lecker, obwohl ich ja eigentlich der asiatischen Küche im allgemeinen nicht sonderlich zugetan bin... Wir wohnten in der gleichen Stadt, und dennoch sahen wir uns nur ab und an, und das letzte Mal, daß wir sie sahen, ist bestimmt schon 2 Jahre her. Trotzdem ging ich heute auf die Trauerfeier, und sah dort viele von der 'alten Garde', wie Du sie nennen würdest, wieder - Leute, die ich zum Teil seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen hatte. Viele, viele waren gekommen um sich von ihr zu verabschieden, sie war lange Zeit ein fester Bestandteil der Szene, die Parties von ihr und N. in der Knabenschule und vor allem der berüchtigte 'Dekoordinator' waren legendär. Die Rezeptur für dieses Gebräu hatte nur sie - und hat es wohl mit ins Grab genommen (und beim Gedanken an "dekoordinierte" Engel muß ich gerade unwillkürlich schmunzeln, und erinnere mich an meine eigenen Abstürze mit dem giftiggrünen Zeug mit der leckeren Kirsche drin). Kein Pfarrer sagte etwas. Nur Musik - zuerst Loreena McKennitt, Dante's Prayer, danach wohl etwas von Blackmore's Night, schließlich sang eine Freundin noch 'Wenn ich mir etwas wünschen dürfte - käm ich in Verlegenheit...' und zum Abschluß ein Ausflug in eine von D.'s bevorzugten Stilrichtungen, den Industrial. Dazu der Sarg - dunkelblau bis lila, und mehrere Gestecke mit Sonnenblumen, obwohl D. sich statt Blumen eine Spende für die Krebshilfe gewünscht hatte, weswegen auch viele nur ein oder zwei Blumen dabei hatten, wie wir, weiße Rosen oder Lilien. N. war da, und steckte ihr, gleich nach der Familie, drei rote Rosen in das Sonnenblumengesteck auf dem Sarg. Zwei Fotos von ihr. Und trotzdem ich sie lange nicht gesehen und auch nie wirklich viel mit ihr zu tun hatte, kamen mir die Tränen, bei Loreena McKennitt - 'when the dark night seems endless please remember me...'. Es war eine schöne, eine würdige Trauerfeier, und ich bin mir sicher, sie hätte D. gefallen. Es ist einer von diesen Tagen, an denen mir die ganze Hohlheit dessen, worüber wir uns tagtäglich sorgen, bewußt wird, und wie viel Energie wir darauf verschwenden, uns über Dinge zu ärgern, die eigentlich nicht wirklich wichtig sind. Einer von diesen Tagen, an denen mir das auch alles egal wird vor dem Hintergrund dessen, wovon ich merke, daß es zu den wenigen wichtigen Dingen auf der Welt gehört - das Leben. Nicht der Job, irgendwelcher Ärger mit Behörden oder Institutionen, 20 Cent mehr für einen Apfel als vor 10 Jahren, immer schlechtere Bands beim WGT (oder immer die gleichen), blöde Kritiker oder nervende Bekannte - das ist alles eigentlich im Grunde so nebensächlich, daß ich mich nur leise wundern kann, wie viel Energie ich solchen Lappalien widme. Und nicht nur ich. D., die in diesem Sarg liegt, kann das nicht mehr. Und in Momenten und an Tagen wie diesen nehme ich mir einmal mehr vor, mir den Fokus nicht wieder von dem kleinen Alltagsärger nehmen zu lassen, sondern ihn zu behalten. Es gibt so viele Dinge, die unendlich viel wichtiger sind als ein zu spät gelieferter Beitrag, als eine tropfende Waschmaschine, als die Falten, die ich unter meinen Augen entdeckt habe. Dafür danke ich Dir, D. Und ich danke Dir für eine schöne Zeit und daß ich einen Lidschlag lang ein Stück von Dir kennenlernen durfte. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]'Cast your eyes on the ocean Cast your soul to the sea...'[/COLOR] An den Ufern Mallorca's, 6.4.2006, 12:50 Uhr Die Sonne brennt mir auf's Haupt, nur einige Meter unter mir rauschen die Wellen gegen die Klippen, brechen ihre gischtbekrönten Häupter an den Felsen, das Meer murmelt mir sanfte Worte zu in seiner Sprache, die so alt ist wie die Welt selbst. Meergeflüster. Blaue See. Wie viele Jahrzehnte ist es her, daß ich das Mittelmeer gesehen habe? Es ist wunderschön. Eine sanfte Brise kühlt meine heiße Haut. Ich bin erfüllt von einer unerklärlichen Sehnsucht, wenn ich hinausschaue in die Weite der Bläue, ungeachtet dessen, daß der Mensch die Insel zum Teil grausam gezeichnet hat. Gegenüber, am anderen Ufer der Bucht, stehen Betonklötze, häßliche Großanlagen, doch an der Spitze der Landzunge sind die Überreste einer alten Wehranlage zu sehen. Der Turm steht noch. Er, und viele der alten Sand- und Backsteinhäuser hier, atmen die lebendige Geschichte, salziger Atem. Wenn ich die Augen schließe, höre ich das Rauschen, dieses beruhigende Geräusch, das meine Sehnsucht sanft und zart streichelt. Das Lachen der Sonne auf meinem Körper, auf den Wellen der aquamarinblauen See, läßt sie glitzern und funkeln, während sie heranrauschen, unbeirrbar, unablässig. Salzige Luft und ein Hauch von Sonnenmilch. Das Meer ruft, und ich wünsche mir so sehr einen Urlaub an einem einsamen Sandstrand, Sonne und Meer, das Eintauchen in das kühle Nass, das den Körper wie eine 2. Haut umgibt und umschmeichelt, von den Wellen getragen werden, die Ohren erfüllt von ihrem Gesang. Will keine 'Party', keinen 'Ballermann', kein 'Abhängen' oder gar 'Sonnenbaden pur' - sondern, nur für einen kurzen Augenblick, eins sein dürfen mit dem Blau, dieses irre Gefühl auf der Haut, Herz und Seele baumeln lassen. Frieden. Freiheit. Weite und die Sprache des Meeres. 20 Jahre war ich nicht mehr am Mittelmeer. Vor 12 Jahren war ich das letzte Mal am Atlantik. Ich fühle mich wohl hier - fast ist es, als sei ich nach Hause gekommen. Und vielleicht ist es ja das, was mir die Wellen sagen wollen - Welcome home. 13:10 Uhr - Zeit, zum Bus zu gehen. |
| Odessa | [size=1].... das freut mich sehr für Dich. Du wirst es wieder erleben, glaub nur fest daran. Und auch einen bestimmten See wirst Du sehen, an seinen Ufern stehen und dabei singen. Das Abendrot über Dir, über den Bergen, und "la dolce vita" und Vespaknattern hinter Dir. Fernweh ist meistens nur Heimweh. Die Seelen haben mehrere Orte.... "wellen-lauschend", kammerzofe [/size] |
| Nnordy | [COLOR=orange]"Nu álrêrst lébe ich mir werde, sît mîn sündic ouge siht daz here lant und ouch die erde, der man sô vil êren giht. ez ist geschehen, des ich ie bat: ích bin komen an die stat, dâ got menischlîchen trat." (1. Strophe des Palästinalieds von Walther von der Vogelweide)[/COLOR] Bewußt hatte ich dieses Gefühl drei Mal in den letzten Jahren - und frage mich, ob es nicht auch schon früher so war? In die Fremde zu gehen und doch dort das Gefühl zu haben, man sei nach Hause gekommen. Heimgekehrt. Daheim zu sein. Mehr daheim, als ich es hier jemals gewesen bin. Daheim, zu Hause, das impliziert auch immer ein Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit, von 'Sich-Wohlfühlen', alles Masken fallen lassen zu können. Ganz unmaskiert man selber sein. Ich war es, in diesen wenigen Minuten auf Mallorca, ich war es, an diesem Morgen in Schottland. Und ich war es sogar an einem Nachmittag mitten in der Großstadt, in Berlin. Und weil mir dieses Gefühl so fremd ist, so unvertraut, empfinde ich es als großes Geschenk, daß ich diesmal schreiben konnte, was ich fühle, in diesem Augenblick auf den Felsen der kleinen Halbinsel, während die Wellen sich an den Klippen brachen und das Meer in der Sonne glitzerte. Wir leben in einer wunderbaren Wohnung, ich lebe darin mit dem Mann den ich liebe und mit meinen beiden Chinchillas, die mir unendlich viel bedeuten, und obwohl ich diese Wohnung mit meinen eigenen Händen renoviert und eingerichtet habe und seit über 5 Jahren hier bin, so ist sie doch nie ein Zuhause in der Art geworden, wie ich es in diesen Minuten auf Mallorca empfand. Oder in diesem Augenblick beim Sonnenaufgang in Schottland. Und möglicherweise liegt ja darin der Kern und der Grund für all mein Versagen, für all meine Unzulänglichkeiten, mein Scheitern, meine permanente Maske: Dieses niemals wirklich zu Hause Sein. In meiner 'schlimmen Phase' war es so, daß ich gar nicht zurückwollte in diese Wohnung, daß ich nach Ausflüchten suchte, um noch ein wenig länger auf der Arbeit zu bleiben, den Zeitpunkt, zu dem ich durch die Tür diese Wände betrat, noch etwas hinauszögern zu können. Heimisch werden. Heimisch sein. Ich bin es nicht. Vielleicht liegt es auch daran, daß ich hier, in diesen 4 Wänden, die Spiritualität vermisse, die ich in jenen magischen Momenten so deutlich spürte. Ein 'Zuhause' ist auch immer eine spirituelle Stätte, erfüllt von der Persönlichkeit ihrer Bewohner. Jeder Bewohner hinterläßt eine Art Stempel, der in den Mauern verbleibt. Das fasziniert mich auch an alten Häusern - der Atem der Geschichte. Wer mag vor 200 Jahren dort gestanden haben, wo ich in einem bestimmten Augenblick stehe, was mag er gedacht, getan haben? Das Haus, in dem wir leben, hat eine Geschichte. Und es ist lebendig, das weiß ich selbst. Und dennoch - es wird niemals mein Zuhause sein. Oder vielleicht doch, wenn sich die Vorzeichen einmal ändern, oder ich mich verändere, irgendwann einmal. Doch ist es dann ein wahres, ein tatsächliches Zuhause, wenn sich erst alles ändern muß, damit es 'paßt'? Eine rhetorische Frage, die Antwort ist klar wie das Wasser an den Ufern des Stückchen Insels, die für einige kurze Minuten ein Zuhause war. Und auch das ist ein Ausdruck jener unbestimmten Sehnsucht: Der Wunsch, endlich einmal nach Hause zu kommen. Ein Ende der Rastlosigkeit, ein Platz für mein ganzes ungeschminktes unmaskiertes Selbst. Und die Hoffnung, diesen Ort irgendwann einmal vielleicht doch noch zu finden... |
| Nnordy | Liebe Michaela, erstmal danke, daß Du diesmal das Antwortfenster doch nicht wieder weggeklickt hast... :) Weißt Du, ich bin ein komisches Menschlein (ok, das hast Du sicher schon selbst gemerkt, bei dem ganzen Zeug, das ich hier verzapfe... ;)) - ich kann wunderbar analysieren. Situationen, andere Menschen und bisweilen sogar mich selbst (vielleicht ist es ja das, was Du als 'sortiert wirken' empfindest?), völlig distanziert (bei mir selbst gelingt mir das mitunter nicht so wirklich), kühl, rational ohne dabei die Emotionen zu verleugnen. O ja, ich kann ganz wunderbare Analysen treffen. Mein Problem ist die Handlungsunfähigkeit, dieses so oft erlebte Gefühl der Lähmung, das mich zumeist davon abhält, die als notwendig erkannten Dinge umzusetzen. In der Tat bin ich in den meisten Fällen schon bis zum Kern meiner eigenen 'Probleme' vorgestoßen, das ändert allerdings nicht viel. Wie gesagt: Wichtig ist ja das, was man 'daraus macht', und da hapert es einfach gewaltig... 'Das ist Heimat' - ich glaube, damit hast Du Recht. Ich wünschte mir nur, ich dürfte öfter nach Hause kommen. Möglicherweise wäre ich dann nicht so beständig atem- und ruhelos und doch zugleich in einer Lethargie gefangen, die mich ab und an entzwei zu reißen droht...? Auch Dir einen Gruß zur Nacht, Nnordy P.S. zum P.S.: Bewußt ist mir in dieser Hinsicht wohl nichts - ich bin einer von den Menschen die schreiben, wie es ihnen aus den Fingern rinnt, ohne vorgefertigtes überlegtes Konzept oder ähnliches. Vielleicht bin ich ja innerlich sortierter, als es mir selbst bewußt ist... :) |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]'...Mit ihm ging dein Herz und deine Welt an einem klaren Wintertag... En hiver, c'est en hiver L'amour perdue, en hiver La vie très grave, en hiver...' (c/p Experiment Nnord, 'En hiver')[/COLOR] 'Hier ist immer noch Winter...' sagtest Du. Und trotz der gelegentlichen Lichtblicke, trotzdem A. mir sagte, ich wirke stark, es tue mir gut, Power-Frau... fühle ich mich winterlich. Winterkalte Tage. Eisblumen auf unseren Seelen. Und das Zeitgespenst steht bedrohlich und mit tödlichem Gebaren direkt hinter mir, umrundet mich bereits zum wiederholten Male, und ich bin machtlos. Ausdruck meiner Hilflosigkeit ist die Verbalisierung dieser Machtlosigkeit und der damit latent einhergehenden Frustration über mich selbst und diese dreimal verfluchte Lethargie. Einstürzende Wände. Wie werde ich daraus hervorgehen? Ist dies überhaupt die Katharsis, derer ich so nötig bedarf, oder ist es wieder nur total self-destruction, ein einziger Scherbenhaufen, den ich wieder mühselig und minutiös zusammensetzen 'darf'? Ich weiß es nicht. Und wie so vieles, ist es eigentlich nicht wichtig. Doch diese kleine Differenz zum 'egal' ist wichtig. Gestern sagte ich zu jemandem, daß ich gern mal für ein paar Wochen in ein Zen-Kloster möchte. Das war nicht gelogen, nein, eher war es untertrieben. Ich bräuchte eine Stätte oder eine Situation, deren geistige Auswirkung auf mich der eines Zen-Klosters gleich kommt. Erst im Nachhinein wird mir klar, wie viel ich meiner Gesangslehrerin zu verdanken hatte - während meiner Jahre bei ihr fand ich mich, fand ich zu mir und lernte, mich zu zentrieren, meine Mitte zu finden. Ich habe niemals besser gesungen als in jenen Tagen. Doch nun lebe ich schon so lange außerhalb meines Selbst, die Mitte verloren, mich selbst verloren, wie so oft, immer und immer und immer wieder. Denn ich komme nicht zur Ruhe - nicht im Job, nicht 'zu Hause', nicht in mir. Beständiges Drehen und Rotieren, beständiges Rennen im Laufrad, ziel- und atemlos. Wäre die Maske nicht, wäre ich wohl schon längst hinter weißen Klinikwänden verschwunden, kalt, steril und auf ihre furchtbare Art 'ruhig'. Ich hasse Krankenhäuser. Krankenhäuser sind für mich Orte des Siechtums, der Schmerzen, das leuchtende Beispiel für die menschliche Unfähigkeit der Akzeptanz. Dort haben sie meine Oma umgebracht, sie haben Gerd dort umgebracht und D. Und die Menschenwürde gibt jeder Patient bitte erstmal am Eingang ab. Reine Reduktion auf das Biologische. In diesen Mauern überkommt mich seit jeher, von klein auf, als man mir den Zugang zu meinem kleinen Bruder verwehrte, der auf der Kinderstation lag mit seiner doppelseitigen Lungenentzündung, ein körperliches Unwohlsein, ein Gefühl der Lähmung, das mir das Atmen schwer macht. Weiße Wände. Weiße Kittel. Piepsende Gerätschaften, bunte Pillen, durchsichtige Ampullen mit Nährflüssigkeit oder pharmazeutischen Errungenschaften. Ich will dort nicht hin. Ich hasse mich für meine Angst. Aber ich kann nicht anders. Halte die Maske fester... |
| Solstice | ... |
| Nnordy | [SIZE=1]Doc, das geht nicht gegen Dich. Aber es ist nunmal so: Ich hasse Krankenhäuser, selbst wenn mein Ehegespons jahrelang in einem gearbeitet hat. Ich weiß, ab und an gibt es Ärzte (wie Dich), die wirklich dort arbeiten weil sie Leben retten wollen, weil ihnen die Menschen wichtig sind. Aber viel zu oft erlebe ich es, daß der Mensch scheinbar völlig unwichtig ist, bloß sein 'Versehrtsein' ist Gegenstand der Auseinandersetzung des Klinikpersonals mit dem Patienten. Ich kann den Pfleger nicht vergessen, der meine Oma wusch mit den Worten 'Naja, viel Kooperation ist da halt nicht vorhanden' - das war einfach in dem Moment so absolut menschenverachtend, daß ich wie vom Donner gerührt war... Mir ist auch klar, daß das u. U. einfach nur Selbstschutz ist, aber trotzdem, trotz allem Verständnis: Nein. Keine Krankenhäuser. Nicht persönlich nehmen... [/SIZE] |
| Jester | Die eigene Mitte finden, dieses höhere Ideal das so augenscheinlich die Lösung aller Probleme darstellt.... Manchmal sehe ich Menschen vor mir, von denen ich zu glauben wage das sie gar nicht so weit von ihrem Mittelpunkt entfernt sind und ihnen nur noch eine letzte ruhige Herangehensweise fehlt. Doch der letze Schritt mag der schwerste sein,... um geneau zu sein ist er es meist, denn sobald sich offenbart das man den letzen Schritt tun würde, da zweifelt man doch nur all zu schnell,... es macht sich eine Angst breit das man, sobald der Fuss den Boden berührt, realisieren muß das man doch nicht dort angekommen wäre wo man hinwollte, das man sich in die falsche Richtung gewand hatte und der ganze beschwerliche Weg vielleich tumsonst war. Also zögert man diesen letzen Schritt zu machen, ganz unterbewusst und ohne sich dieser Tatsache überhaupt bewusst zu werden. Den Mittelpunkt finden, und sich kurrz davor befinden,... manchmal glaube ich das es zwei Sorten von Menschen gibt die sich so nah an ihrem Mittelpukt befinden ohne sich letzendlich auf ihn besinnen zu können. Zum einen jene, welche sich zwar schon weit an ihn angenähert haben, aber nun auf einer eliptischen Bahn um ihn kreisen. Sie entfernen sich mal wieder leicht und in manchen Phasen sind sie ihm unglaublich nah, doch letzendlich haben sie ihn auch noch nie wirklich gestriffen. Sie jagen ihm hinterher, da sie sich bewusst sind das sie nicht weit entfernt stehen, doch es gelingt ihnen nicht, sei es durch sich selbst oder durch den Einfluß von außen, der sie abhält sich auf sich zu besinnen. Die andere Art sind jene Menschen, welchen ihren Mittelpunt immer und immer wieder in kurzen Augenblicken finden, welche es allerdings nicht schaffen dann auf diesem zu ruhen. Sie treten sozusagen von einer Seite in ihn hinein, verlassen ihn aber wenig später wieder, wandern ein wenig um ihn umher um dieses "Hindurchschreiten" zu wiederholen. Sie wirken im grossen und ganzen weniger gefestigt als die erste Sorte, da sie keinen festgelegten Bahenn folgen, doch haben sie erster Sorte auch ein wenig was vorraus in ihrem Chaos, denn jenes Chaos sorgt dafür das sie die Distanz zu sich selbst ein wenig verlieren, und sei es nur in kurzen Herzschlägen und nicht aus eigene Antrieb sondern aus der Situation heraus. Am Ende, so denke ich, findet die zweite Sorte eher einmal entgültig zur Ruhe, da sich langsam aber sicher diese diffuse Wolke des Ein- und Austretens sich immer weiter verdichtet, in kurz betrachteten Zeitabständen vielleicht nicht zu erkennen, aber über die Zeit unaufhaltsam. Liebe Nnordy, ich halte dich für einen Menschen letzterer Sorte wenn ich immer wieder Worte von dir lese welche zwar ein gewisses Chaos implizieren, auch gerade ein Chaos in deiner selbst, welches aber ab und an, ja immer wieder einmal, wunderschöne Formen bilden welche im absoluten Einklang stehen. Wie Michaela auch schon sagte, du wirkst sehr geordnet und das nicht nur in einer Art der Betrachtungsweisen die du aufzeigst. Und auch wenn es keine Ordnung ist, welche man als katalogisiert bezeicheen könnte, so ist es eine Ordnung welche im Verständnis begründet ist, eine Ordnung welche aus der Fähigkeit der Betrachtun besteht und weitaus wertvoller ist, da sie zu einem Verständnis führt sobald sich genug Teile gefunden haben? Manchmal habe ich wenn ich deine Zeilen hier lese ein Bild vor Augen, wie du im Schneiderrsitz dasitzt, einen kleinen rechteckigen Karton neben dir aus welchem du Puzzelteile hervorholst und diese bedächtig auf ein schon zum großen Teil fertiggestelltes Puzzel einpasst. Manch einmal setzt du ein Puzzelteil ein und scheinst dir nicht sicher zu sein ab das so richtig sei und wieder ein anderes mal strahlst du da du weisst das wieder ein Teilchen seinen rechtmäßigen Platz gefunden hast. |
| Solstice | [SIZE=1]is schon ok, Nnordy....[/SIZE] ;) |
| anaara | [color=teal] °~°~°~°~°~°~°~°~°~°~° herzschlag in der nacht still offenbart es das leben oh zeig mir den weg... °~°~°~°~°~°~°~°~°~°~° °anaara°[/color] |
| Nnordy | [SIZE=1]Lieben Dank für all Eure Gedanken... Und Dir, anaara, danke, daß Du den Raum hier nutzt, den ich nicht nur für mich geschaffen habe...[/SIZE] [COLOR=blue]Ratio vs. Emotio[/COLOR] Ich sitze hier und denke nach. Über gesprochene Worte, von gestern Abend und aus einer anderen Zeit, über unausgesprochene Gedanken, von gestern, heute und vom übermorgen - 'denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken', mag eine schlichte Wahrheit sein, wenn man sich der Metaebenen verschließt, weil sie schnell viel zu abstrakt werden. Ratio vs. Emotio. Auf der einen Seite meine ausgeprägten Fähigkeiten zur Analyse - anderer, aber auch meiner selbst. Und ja, oft bin ich gnadenlos zu mir, genauso, wie ich bei anderen leichter vergebe. Doch heuchle ich dies nicht immerzu? Verständnis - ja, Vergebung - nein? Bis zu einem gewissen Grad, zu einem gewissen Punkt stimmt es. In meinem kleinen kranken Gehirn gab es, gibt es noch immer eine schwarze Liste, wo 'Vergehen' kleinkariert und detailliert festgehalten werden, bis ich sie irgendwann einmal davon streiche und wirklich vergebe. Mag sein, daß die Vergebung, ein solch versöhnender Akt und Gefühl, mir letztlich abhanden gekommen ist, durch so viele Ungerechtigkeiten und beiläufige Schläge in die Magengrube. Mag sein, daß ich mich an dieser bescheuerten Liste festklammere, um mir so wenigstens noch einen letzten Rest meiner Würde zu behalten: 'Wenn Du schon nicht den Mumm hast, direkt darauf zu reagieren, dann merk es Dir wenigsten und reagiere dann IRGENDWANN darauf' - was sehr ungerecht ist. Verzögerte Reaktion ist in den meisten Fällen unverständlich. Aber sei's drum, denn meist passiert ja doch nichts, wenn ich es als 'verjährt' zu den Akten lege. Wobei die Akten-Metapher nicht stimmt - eher ist es so eine Art Komposthaufen, der schlicht in Flammen aufgeht. Die Flamme, ich habe eine seltsame Affinität zu ihr. Obwohl mein Element eigentlich nicht das Feuer ist. Dennoch - schon früh fing ich an, bspw. Zettel mit bestimmten Namen darauf rituell zu verbrennen, um einen Schlußstrich ziehen zu können. Nicht um vergeben zu können, aber um mir selbst die Endgültigkeit mancher Dinge in Erinnerung zu rufen, sie aufzurufen und sie so lange anzustarren, bis mir die Tränen kamen. Und sie liefen und liefen, während die Flamme immer höher loderte und Asche mit sich wirbelte, die dann leise in die Schale zurückfiel, nichts als eine Erinnerung an etwas Gewesenes. - Die Katharsis folgte dennoch meist erst später. Aber dennoch glaube ich, daß mir diese Dinge geholfen haben. Man kann nicht aus 1000 Wunden gleichzeitig bluten und überleben. Meine Emotionalität bringt mich um. Gestern habe ich versucht, es zu erklären - so wunderbar rational ich sein kann, wenn es um etwas geht, das mir wichtig ist, um Menschen geht, die mir wichtig sind, kommt nach und nach immer mehr Emotio mit rein. Ich kann nicht anders. Wenn ich voll hinter etwas stehe, dann mit beidem - Ratio und Emotio. Die Ratio für die kühle Messerschärfe des Verstandes, die Emotio für den heißen Enthusiasmus und Einsatz, für den Willen, etwas durchzustehen, voranzubringen, zu bewegen. Mit beiden gemeinsam bin ich stark. Ich brauche diese Melange, um komplett zu sein, ein ganzer Mensch, und deshalb graut es mir vor den Momenten, den Tagen und Wochen, wenn ich ganz Ratio sein muß. Unvollständig. Nicht komplett. Die Ratio gibt nicht - sie ist nur. Meine Gefühle sind der Quell, aus dem ich schöpfen kann, auch für andere. Mit einem Wort, einem Blick, einer Geste klarmachen kann, daß ich da bin. Und es mich mit Freude erfüllt, wenn es angenommen wird. Selbst, wenn ich keine große Hilfe sein kann - wichtig ist der Austausch. Daß etwas ankommt. Und wenn es bloß das Gefühl ist, nicht allein zu sein - dies vermitteln zu können, ist ein großes Geschenk. Dennoch - meine Emotionalität bringt mich um. Gerade, weil ich dieser Tage häufig einfach zu fertig bin, um sie noch groß mobilisieren zu können, denn dazu braucht es ein winziges Tröpfchen Öl für das Anfachen der Flamme, der mir nach einem ganzen Arbeitstag meist fehlt. Sie fehlt mir. Ohne sie bin ich leer. Unvollständig. Nicht komplett. Sie ist die Größe an mir, und das macht alles nur umso schlimmer. Und wieder einmal - Rotation um die eigene Achse, denn ich bin aus dem Gleichgewicht, laufe mir selbst hinterher wenn ich vielleicht einfach nur auf mich warten müßte, in einem Raum neben der Zeit. Einfach nur... Doch ich bin nicht der Mensch für simple Dinge. Kompliziert, dann. Mit der leisen Angst vor dem Preis, den es zu zahlen gilt... |
| Nnordy | [COLOR=coral]'Tief im Westen wo die Sonne verstaubt Ist es besser, viel besser als man glaubt Tief im Westen...' (H. Grönemeyer, Bochum)[/COLOR] Die Zeilen erinnern mich an die Tage, als ich diese Platte rauf und runter hörte, damals, vor 17, 18 Jahren, als das Album schon lange lange draußen war (1984). Und damals wie heute merkte ich, wie viel mir Texte bedeuten, wie viel mir daran liegt, daß Text und Musik eine Symbiose eingehen, zueinander passen, und daß dies mitunter nur möglich ist bei Musik, die abseits des allzu seichten Pop- und Star- und Sternchen-Mainstreams liegt... Bevor ich 1992 erstmals mit Dark Wave (mal The Cure und die Sisters nicht mitgerechnet) in Berührung kam, dieser Musik, die mich endlich gefunden hatte und die ich endlich gefunden hatte, da blieben mir nur Grönemeyer, Reinhard Mey, Genesis und am Ende sogar Metallica. Habe mich in Texten verloren und Texte gelebt, gelitten, durchschritten. Texte, Worte, die zu Bildern wurden, wenn immer neue Filme dazu vor meinem inneren Auge abliefen. Das erste Lied, das diesen Effekt in mir auslöste, war 'Stairway to heaven' -noch bevor ich überhaupt richtig verstand, was der Text bedeutete. Dann traf ich jenen Mann, der mir eine neue Musik zeigte, und eine Tür in meiner Seele wurde aufgestoßen. Ich war selig. Die absolute und traumhafte Symbiose von Texten und Musik, das, wonach ich immer gesucht hatte, in dieser Ausprägung, war das Ziel einer unbewußten Suche, seitdem ich alt genug war, um mich wirklich mit Musik zu beschäftigen. Als allererste zogen mich die Lakaien in ihren Bann. Ich habe Abende und Nächte beim Schein einer einzigen Kerze in meinem dunklen Zimmer zugebracht und habe der Musik gelauscht, mich ganz darin verloren, bin ich Traumwelten abgetaucht und erst nach Stunden wieder daraus hervorgekommen. Damals fiel mir das nicht schwer. Heute jedoch - ist es anders. Nur noch selten höre ich ein Lied, das mich so sehr berührt, mitten ins Herz geht, daß all das, was sich 'Realität' schimpft, komplett um mich ausgeblendet wird. Ich erinnere mich, daß mir das mit 'Into my arms' so ging, abermals von den Lakaien. Nur zwei Monate nach dem Tod meiner Oma traf mich dieser Song wie ein Blitz. Ich brach weinend auf dem Boden meines Zimmers zusammen, vor einem Scherbenhaufen aus Gefühlen mit der vordringlichsten Empfindung von Schmerz: "Come back my dream / into my arms, into my arms..." Einen ähnlichen Effekt hatte danach nur noch die komplette 'If two worlds kiss' von Pink Turns Blue - ein Album, das mich immerzu in suizidale Stimmung versetzt. Und manchmal ist es so, daß meine eigenen großen Gefühle nur noch in der Musik leben - der letzte Song, den ich selbst geschrieben habe, und der hoffentlich auch auf unserem nächsten Album veröffentlicht werden wird: "1000 Farben Grau". Keine Momentaufnahme, sondern eine Bestandsaufnahme. Ein Lied über meine Omi, aber auch über mich, und über die Leere und die Jahre und all die Lasten, nötige und unnötige, die zwischen einer Person und dem Leben stehen können und so schweigsam und unüberwindbar hoch sind wie nur irgendeine Mauer sein kann. Dort stehen sie. Und ich habe sie selbst aufgebaut. [COLOR=royalblue]'... Eine Träne glänzt im Sternenlicht sie wendet sich ab, verläßt den Ort Schritte, die ungehört verhallen Gedanken, ewiglich im Kreis gefangen Stein um Stein und Zeit um Zeit Bis sie vergeht in Dunkelheit... Die Welt erstrahlt in 1000 Farben Die Tag für Tag in Dir erstarben Grau ist sie nun, wie kalter Stein Bis Du am End' aufhörst zu sein...' (c/p Experiment Nnord, 2004)[/COLOR] Meine letzten großen Gefühle, hinter den dicken Wänden die ich selbst geschaffen habe um zu überleben. Wunderbar. |
| Nnordy | [COLOR=crimson]I don't know a thing outside suffering endless through my life I've seen too much I'm all alone Who likes to sit around and wait but to act that means to fail All I ever thought was wrong Damn the madness of my pride the price I paid was much too high My dreams became reality Cause I'm walking on both sides Much more real than my life I am caged by thick ice Makes me gloomy and morose Why I dared to go so far lost my strength and lost my heart I've to stay somewhere between Cause I'm walking on both sides Can't escape reality always travelling in my dreams Nothing I could take for true How should I know whether I love you whether I love you I'm walking on both sides (Pink Turns Blue, 'Walking on both sides') [/COLOR] Die beiden Seiten - wie nah sie doch beieinander liegen, so nah, wie jetzt am Wochenende. Eine Lappalie mit den üblichen Folgen - eine Kontroverse, stumme ungesehene Tränen, große nasse Tropfen auf den Innenflächen meiner Hände. Sogar der Ausgang des Abends war wie in 'alten Zeiten' - steigt meine Attraktivität, wenn wir nicht einer Meinung sind? Meine Reaktionen werden differenzierter, ihre Ausprägungen konsequenter. Und wieder fasst es meine Muttersprache im Geiste am besten und treffendsten in Worte: I want to bolt. Und dennoch ist es, wie so oft, kein bißchen anders. Ich freue mich - einmal darf ich die Früchte der harten Arbeit der letzten Monate ernten, Du bist deshalb deprimiert, statt Dich mit mir zu freuen fühlst Du Dich noch wertloser, und das bekomme ich einen Tag später per Baseballschläger auch vor den Kopf geknallt. All meine Freude ist weg. Ist es falsch, daß ich mich einmal freue, daß ich nicht jeden Cent dreißigmal umdrehen muß, sondern daß ich auch einmal 'prassen' darf, daß ich Dir etwas von dem Geld, unserem Geld, rüberschieben will weil das die Voraussetzung dafür war, daß wir die Steuerklassen getauscht haben? Simple materielle Dinge, prinzipiell unwichtig - doch sie werden zum Zünglein an der Waage, und statt Freude 12 verlorene Stunden. Stunden, die uns das Leben nicht mehr zurückgibt. Sie sind weg, unwiederbringlich. Scheiß auf die verdammte Kohle. Ich kann doch auch nichts für diese beschissene Situation, und doch ist es wieder so wie immer - implizit gibst Du mir die Schuld, für alles, und selbst wenn Du dreimal behauptest, es sei nicht so. Ich tue alles, versuche alles, damit es Dir besser geht, Du Dich besser fühlst. Und weil ich mir nicht mehr anders zu helfen wußte, gab ich sogar Geld aus, das ich nicht hatte, für ein neues Spielzeug, und es klappte, ein paar kurze Wochen lang. Doch jetzt ist alles wieder beim Alten. Ich werde verantwortlich gemacht, wenn nicht bewußt, so unbewußt, und darf mir auf die Fahnen schreiben, an allem Schuld zu sein. Wie immer. Wieso, zum Teufel, habe ich mich nur immer noch nicht daran gewöhnt? Vielleicht, weil ich genau weiß, daß es ungerecht ist. Weder bin ich die Wurzel allen Übels, noch bin ich daran Schuld. Aber vielleicht ist es so, daß ich, indem ich versuche, zu helfen, alles nur noch schlimmer mache. Und da ist es ganz egal, ob ich eine andere Wahl hatte oder nicht. Im vorliegenden konkreten Fall hatte ich eigentlich keine. Doch das zählt nicht. Und es ist auch ganz egal, daß wieder und wieder das Gleiche passiert, und wieder und wieder eine weitere Narbe zurückbleibt. So vieles ist in den letzten Jahren in mir kaputt gegangen - ein bißchen mehr Porzellan schadet da auch nicht mehr. Ich kann das ja ab, denn mir geht es ja gut. Ich habe keine Probleme. Ich habe einen Job und kriege genug Kohle. O glücklich, wer in solchen Illusionen leben kann. Nichts ist gut, gar nichts. Und vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis mich der verzweifelte und fruchtlose Versuch, den Spagat noch länger aufrechtzuerhalten, endgültig entzwei reißt. Bis mir eine weitere Entscheidung abverlangt wird. How should I know? Und dann sind da diese Momente. Eigentlich sind sie es, vor denen ich am meisten Angst habe. Momente, in denen Du mich ansiehst, mit diesem Ausdruck, von dem ich heute weiß, daß Du in ihm Deine Seele offenbarst, und irgendetwas sagst oder tust oder mich auch einfach nur weiter ansiehst, und mein Herz weich wird und ich wieder 20 bin und dahinschmelze wie am ersten Tag. Die Sekunden, in denen Du das Gesicht zeigst, das ich als erstes wahrhaft lieben lernte. In den letzten Wochen sind diese Momente wieder seltener geworden, doch gestern Abend, da war wieder so einer, und über die schrundige Narbenoberfläche meines Herzens legte sich für den kurzen Augenblick eine sanfte, weiche Decke, nicht lange genug, um irgendetwas zu heilen, aber wohl lange genug, um mich an die 2. Seite zu erinnern. Both sides. Und ich werde mich wieder aufrappeln, und ich werde den Schild wieder aufnehmen, und das Schwert, und werde weiter kämpfen. Vielleicht bis in alle Ewigkeit. Denn ich habe dieses Schicksal gewählt - dieses und kein anderes. Damn the madness of my pride... |
| Nnordy | [COLOR=teal]... Am I yours? Are you mine? We'll find all we're meant to find. In your life, in my life, There are secrets too dark To let out, to let go of, To get over. … Please… Please be kind To my mistakes. Be kind, Be kind To me... (Kate Bush, 'Be kind to my mistakes') [/COLOR] Immer wieder unglaublich, diese unbeschreibliche Magie der Musik und der kaum merkliche Weg, wie sie mich in sich hineinzieht, wie manch ein Text ein genaues Abbild meines Lebens, meiner Befindlichkeit, meiner Wünsche, Träume oder Ängste zu sein scheint. Das Allgemeinmenschliche, vielleicht. Oder der Zauber eines Moments. 'Be kind to my mistakes' - isn't it enough that I'm always chastising myself? Isn't it enough that I make myself suffer every day by looking into the depths of the abyss inside of me, seeing something, someone I never wanted to be but still have become? Isn't it enough that all I can do about anything at all is just silently mouthing words that would fall on deaf ears anyway if I should dare to utter them aloud? Isn't it enough that I'm so deep into the war against myself and all my inner demons that I'll never find the strength again to battle anything beside this? No. And perhaps it's just too much to hope or to even think of the possibility that you may understand. Understanding. I'm as far away as that would be sufficient, just to have you understanding me and all that drives me to the point where I am today. But perhaps I'm too far gone for that. Am I not? I should have learnt. I shouldn't have been so proud as I was, thinking I could manage it, thinking it would change. Thinking I would be able to make you see that there are some things that needed to change. Foolish me. Foolish pride. I'm not so proud anymore, for there is nothing to take pride in. They say it's doing me good, they say I'm better off, they say I'm much more myself than before. They know nothing. All I ever did well was suffer. I could suffer endlessly, about everyone and everything, every wrong ever committed, every harsh and unjust word ever uttered, every blow ever dealt needlessly, every death afore the time. I revelled in suffering. It made me feel, although it made me feel pain it did also show me that I was alive. - I never thought that could end. I never thought that all that ever comes after suffering would just be black emptiness. I'm feeling - hollow. As if there once had been something that was taken away slowly, without me ever noticing it until it was too late. It's gone, absolutely and completely. Left me staring into the void, utterly numb. I can't even bring myself to feel sorry for that. I'm too far gone. A flicker of light, telling me that some small part of myself still hopes that someone come along to prove me wrong. To prove me that I'm not empty, that there are still all these feelings I used to have, that they are just buried deep under all my fears and the desperation that overwhelmed me. Foolish hope. But still, I hope... |
| Nnordy | [COLOR=skyblue]These were the sins of Xavier's past hung like jewels in the forest of veils. Deep in the heart where the mysteries emerge Eve bears the stigma of original sin freedom so high when we all are bound by laws etched in the scheme of nature's own hand unseen by those who fail in their pursuit of fate. Although Xavier has prayed that life-giving waters may rain down on the souls of men to cure them of their ways And as the night turns into day oh the sun, the moon, wish away although your nightmares come home to stay Xavier's love lies in chains These were the sins of Xavier's past hung like jewels in the forest of veils... (Dead Can Dance, 'Xavier')[/COLOR] 'Xavier' wird für mich immer einer von jenen DCD-Songs bleiben, deren Tiefe und Atmosphäre unerreicht bleiben, der einen auf den schweren Schwingen eines großen Vogels hinein in die Abenddämmerung und in die beginnende Nacht trägt, immer höher hinauf zu den Sternen, doch zugleich sich der Schwere des eigenen Körpers bewußt. Ein 'später Abend / frühe Nacht' Lied. Remembrance. 1000 ungebetene Erinnerungen ziehen herauf, dräuend wie ein herannahendes Gewitter. Dabei will ich nicht nachdenken, will mich nicht erinnern. Comfortably numb. Betäube mich mit der Arbeit und all den kleinen Hürden des Alltags, weit weg von jeder Selbstreflexion die mich mit Sicherheit aus dieser lauwarmen Mattigkeit reißen würde. Wie immer. Mir all meine Trauer, Schmerzen, Verlust, Wut ins Gesicht schleudern würde, mit all den Fragen, Fragen, und immer noch mehr Fragen, die einfach nicht weichen wollen. Mein ganzes Leben besteht nur aus Fragen, immerzu. Es hat mich so müde gemacht. Lebens-müde, vielleicht auch. Und so flüchte ich mich in diese Tätigkeit ohne wirklich tätig zu sein, bewältige all das, was eben so 'anfällt' zu Hause, und möglicherweise brütet mein Ich ja in all dieser Zeit nur stumm vor sich hin, irgendwo, tief in mir drin. Brütet und wartet und hält die Tür geschlossen, die Erinnerungen draußen, weil das Verbandsmaterial alle ist und ich es mir nicht leisten kann, alte Wunden von neuem aufzureißen. Und es auch nicht mehr will. Will nicht mehr leiden, bluten, fragen, verzweifeln. Ich will einfach nicht mehr. Es ist wohl wie die Wahl zwischen der roten und der blauen Pille. Ich habe vergessen, welche was bewirkt. Vielleicht werde ich mich aber auch einfach umdrehen und gehen. Es ist zu früh für mich, um eine solche Wahl zu treffen - denn ich sehe diejenigen, die sie getroffen haben, jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit fahre. Graue Menschen in grauen Anzügen mit grauen leeren Gesichtern und leeren Augen, die mir Angst machen, wo ich doch Mitleid mit ihnen haben sollte. Stattdessen habe ich Angst, wenn ich mich dabei ertappe, wie ich vor dem Spiegel kontrolliere, ob es schon Anzeichen einer evtl. Metarmophose gibt. Noch ist da nichts. Und daher stehe ich einfach auf und gehe. Verschiebe die Wahl und verschiebe mein Leben auf einen weiteren unbestimmten Tag. ... those who fail in their pursuit of fate... |
| decay73 | alles fragen nützt aber nichts, wenn man zwischendrin nicht auch mal antwortet...ich weiss, das ist das eigentlich schwierige, aber ohne antwort, ohne 'punkt' geht es nicht. nicht nur fragezeichen und ausrufungszeichen. nein, ein punkt, dieses dreckige stück fliegenschiss, muss es auch mal sein. :) [SIZE=1]ps.: sa spielt the cold im juz *g*[/SIZE] |
| Archad | Mein Herz sagt mir das ich lebe. Es flüstert mir nichts zu, es schreit mir seine Worte voller Tatendrang zu. Ideen, Wünsche, Inspirationen, Philosophische Gedanken, es ist schwer sich überhaupt auf nur einen dieser Ströme zu konzentrieren in diesem ganzen Strudel von Schreien. In meinen Adern fliesst Elektrizität, Strom um meine Hände zu bewegen und etwas zu erschaffen und etwas zu ändern, Energie um meinen Mund zu bewegen und andere damit zu bewegen. Es ist ein verwilderter Hund der sich von einer Leine losgerissen hat und durch einen endlosen Wald rennt, ohne Schranken und ohne Regeln, getrieben nur von seiner Lust zu leben. |
| Nnordy | [COLOR=sandybrown]'I don't go out out in the cold I don't go out out in the dark...' (Deine Lakaien, Colour-ize)[/COLOR] Um 22.10 Uhr klingelt das Telefon - es ist meine Mutter. "Ich wollte es Dir nur sagen - Opa hatte am Freitag einen Herzinfarkt." Alle Geräusche um mich herum sind mit einem Male weg - nur noch ein seltsames Klingeln und Rauschen ist in meinen Ohren. Mir wird eiskalt, und sofort habe ich wieder [U]ihr[/U] Gesicht vor Augen, wie es in diesem großen weißen Krankenhausbett ertrinkt. Bitte, lieber Gott, nicht auch noch Opa. Tränen beginnen zu laufen. Schlucken und Sprechen fallen schwer, ich werde wieder leise, lasse in meinem Draußen alles fallen und ziehe mich ganz nach Drinnen zurück. Lasse mir erzählen was passiert ist, wie es aussieht - es könnte schlimmer sein. Allerdings weiß ich genau, daß dies genausogut das Ende bedeuten kann - oder zumindest das Ende von meinem Opa, wie ich ihn kannte und schätzte. Mir ist so kalt, daß ich Angst habe, daß mir der Telefonhörer aus der Hand fällt, weil die Hand so taub ist, daß ich kein Gefühl mehr darin habe. Zwischenzeitlich gebe ich kurz die Meldung nach Draußen: "Mein Opa hatte einen Herzinfarkt." Das Telefonat ist vorbei, und ich komme wieder nach Draußen zurück. Und kann nicht glauben, daß es wieder passiert, will nicht glauben und will nicht akzeptieren, wie Du reagierst, was ich da zu hören kriege. Statt mich in den Arm zu nehmen, reagierst Du mit 'Das war zu erwarten' und 'So ist es halt, das kann man nicht ändern' und ähnlichem Stuß. Ich will es nicht glauben. Kann es denn wirklich sein, daß Du mich schon wieder im Stich läßt, wie damals, nach Omi's Tod? Daß Du schon wieder kalt und distanziert mir zu verstehen gibst, ich solle mich nicht so anstellen und doch gefälligst akzeptieren? Kann das sein? Ich will nicht daß es so ist. Und ich weiß nicht, ob ich noch einmal verzeihen kann. Weil es nicht begreifbar ist, daß Du, aus Deiner Unfähigkeit heraus, Trauer zu zeigen, mir jegliche Wärme verweigerst, weil ich mir gestatte, traurig zu sein. Weil ich mir gestatte, mich zu sorgen, Angst zu haben, Schmerz zu empfinden ohne selbst-destruktivistische Züge. Ich kann es nicht glauben. Du kannst mich nicht wieder im Stich lassen. Bitte nicht. |
| Nnordy | [COLOR=teal]'Never let it be said I was untrue I never found a home Inside of you Never let it be said I was untrue I gave you all my time' (Dead Can Dance - The Ubiquitous Mr. Lovegrove)[/COLOR] Und wieder. habe ich in diesem furchtbaren Krankenhaus gesessen, an einem Krankenbett, habe gelacht und versucht ihn aufzuheitern, habe die Stunden nicht bemerkt wie sie davonrannten und war doch innerlich ganz und gar betäubt. Krankenhäuser haben diese Wirkung auf mich. Und wieder. Habe ich den DCD-Song wieder und wieder gehört, das Autoradio ständig auf zurückspulen und repeat gestellt. 'I thought that I knew it all / Well I've seen all the signs before / I thought that you were the one / In darkness my heart was won' Und wieder. Habe ich mit mir selbst argumentiert, gesprochen, fast gebrüllt, als sich all die nicht gesagten Worte, all die Enttäuschung und die Trauer und der fassungslose Schmerz Bahn brachen nach draußen. Seit 7 Jahren ungesagt. Und ich merke wieder, daß es Sachen gibt, die nicht zu verzeihen sind. Ich bin dazu nicht fähig. Zu tief ging das Messer, zu verwachsen ist die Narbe. Alles viel zu viel. Bin ich wieder am Nullpunkt angelangt? Das präsenteste Gefühl ist wohl die Fassungslosigkeit - und mit ihr, Hand in Hand, die Ungläubigkeit. Und es hämmert von drinnnen 'Es kann nicht sein, nein, es kann nicht sein' an meine Schädeldecke. Doch hast Du nicht gleich am nächsten Tag noch einen draufgesetzt? Ja, das hast Du, und der war fast noch schlimmer als Deine unmittelbare Reaktion. Die hätte ich vielleicht noch, mit viel viel Bemühen, akzeptieren können. Aber diesen Nachtritt nicht. Und auch hier will ich es wieder nicht. Warum soll ich immer diejenige sein, die nachgibt, die großherzig ist, die sich selbst verrät? Die sich taub macht gegen jegliche Stimmen aus dem eigenen Inneren? Diesmal nicht. Ich schaffe es, oberflächlich besorgt zu sein, ohne dies spielen zu müssen. Es ist tatsächlich so. Eigentlich müßte es mich erschrecken, doch zu tief sitzt die Enttäuschung. Ich habe das Bild so oft gemalt, in leuchtenden Farben, nur um es dann wieder einzuschwärzen. Und wieder greife ich nach dem schwarzen Farbtopf, und vielleicht leere ich ihn ja ganz darüber aus, und beginne endlich damit, ein neues Bild zu malen. Eines, in dem die Konturen klar erkennbar sind, in dem Ecken und Kanten nicht verwischt oder ausgeschwärzt werden, sondern als Bestandteil des Gesamten bestehen bleiben. Und ich werde einen hellen gedrechselten Rahmen dafür finden und dort werde ich es hineinstellen und werde weiter liebevoll die Details modellieren, dann, wenn mir die Worte endlich nicht nur auf der Zunge liegen, sondern wenn sie gesprochen und freigegeben wurden und aufsteigen zu ihren Brüdern und Schwestern in den anderen Bildern anderer Menschen in allen Zeitaltern der Erde. Und wenn ich endlich die Worte höre, die es braucht, die so nötig sind wie die Luft zum Atmen, auch wenn es nur drei Silben sind. Ver.Zeih.Mir. |
| Nnordy | [COLOR=orangered]"Et je te rends ton amour Redeviens les contours Je te rends ton amour C’est mon dernier recours Je te rends ton amour Au moins pour toujours Redeviens les contours “La femme nue debout"" (Mylène Farmer, 'Je te rends ton amour')[/COLOR] Sie singt solch schicksalsschwere Worte, die sich nur langsam durch die Gehirnwindungen bewegen wollen, mit einer zarten Engelsstimme, haucht sie dahin, leicht und luftig, sie lassen sich tragen von Zephyr und seinen Brüdern, steigen hoch und höher hinauf und fallen doch zugleich in die Abgründe der Seele, aus denen sie geboren wurden. Von dieser Frau geht eine unglaubliche Faszination aus. Und in mancherlei Hinsicht projiziere ich sicher einiges meiner Eigen-Wunschbilder in sie hinein. Sie ist so, wie ich gern sein würde - zumindest von dem, was sie an der Oberfläche vorgibt, zu sein. Und von dem, was ich in ihren Texten lesen kann, in leider sehr begrenztem Maße, weil mein Französisch für ihre komplexen Alptraumgemälde einfach nicht ausreicht. Vielleicht sollte ich mir doch noch einen Sprachkurs gönnen... [COLOR=red]"... It’s kind of different when you’re not there you can lease the peace of mind you bought a mask, I put it on you never thought to ask me if I wear it when you’re gone get real get another I don’t exist when you don’t see me I don’t exist when you’re not here what the eyes don’t see won’t break the heart you can make believe when we’re apart but when you leave I disappear when you don’t see me..." (The Sisters of Mercy, 'When you don't see me')[/COLOR] Soviel mehr Deutungsmöglichkeiten in der Sprache, die ich immer meine Muttersprache im Geiste nenne... Bin ich nur ein Konstrukt? Wenn ich verzweifelt versuche - und daran scheitere - die unterschiedlichen Facetten meiner Selbst, die ich mir gestatte zu zeigen, und die ich nach außen nicht zeige oder die nach außen ganz anders erscheinen, alles zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen, und merke, daß es nicht geht. Es funktioniert nicht. Als wäre ich verschiedene Personen, immer getrennt, niemals eins. "Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust..." (J.W. Goethe, "Faust") Das alte Dilemma. Doch wo Faust nach neuen Wegen sucht (ganz gleich wie man diese moralisch beurteilen mag), bin ich schon müde, verschlingen selbst die kleinsten Änderungsversuche schon Unmengen von kostbarer Energie. Vergrabe mich in meine geliebten Bücher, verschlinge Buchstabe um Buchstabe, Wort um Wort und Seite um Seite, während die Zeit ungeachtet an mir vorbeiläuft. Wie man Bedürfnisse doch auf ein Minimum herunterschrauben kann - faszinierend. Wie man sich darauf beschränken kann, an einigen Mißständen versuchsweise herumzudoktern, weil die Träume längst ad acta gelegt wurden, begraben unter einer schweren Last aus ausgebluteten Gefühlen. Und doch steht das Bild, unverrückbar, stumm und starr wie ein steinerner Klotz. Und daneben steht mein Traumbild, transparent und viel zu leicht, viel zu schnell verweht, unbeständig tanzend im Wind entgleitet es mir, und läßt mich mit einigen stummen Tränen zurück. Ich darf nicht weinen. Ich muß stark sein, immerzu stark, ganz egal wie es mir geht, ganz egal wie ich mich fühle, ganz egal ob ich Halt brauche oder tatsächlich Halt geben kann. Ganz egal wie es in mir aussieht. Trümmerwelt - Trümmergemüt. Wir haben alles kurz und klein geschlagen, gewütet wie die sprichwörtlichen Elefanten im Porzellanladen, haben Meißner und Rosenthal zerschmissen, Ming-Vasen und Villeroy&Boch. Ein einziger großer Scherbenhaufen. Ich bin zu müde, um ihn wieder zusammenzusetzen. Opa liegt immer noch im Krankenhaus - jetzt muß doch noch eine OP gemacht werden, sonst müssen sie ihm das Bein amputieren. Freude schöner Götterfunken - genau das Richtige nach einem Herzinfarkt, gleich nochmal ran. Ich habe Angst um ihn. Mit 82 steckt man solche Sachen nicht mehr so einfach weg - und was hält ihn hier? Omi ist schon 7 Jahre tot - natürlich kann ich es verstehen, wenn er hinterher will. Aber darf ich nicht dennoch traurig sein, mich sorgen, Angst haben, verneinen? Ich darf alles. Doch ich gestatte es mir nicht. 'You bought a mask, I put it on...' Wer bin ich? |
| Nnordy | [COLOR=skyblue][SIZE=1]Ach Mischa, danke für die Wünsche... Manchmal glaube ich, ich empfinde das alles nur deshalb als so schmerzhaft, weil ich schonmal ganz mittig und geerdet war und eigentlich sehr gut mit mir zurecht kam, aber irgendwie ist mir das alles letztlich verloren gegangen...[/SIZE] [/COLOR] [COLOR=silver]"My steps, within Three feet, elsewhere They say, don't dare Don't leave that square My will, their will Can move, stand still My part, no heart I must fulfil Like a rising monster All veiled in grey See the walls of dawn They warn you of the day Come back my dream Into my arms into my arms Come back my dream Into my arms into my arms Their will, my will Just act, don't feel Their kind, my kind Brought me to heel Accused of something Nothing, all alone I had to bang the nails Into my head, the guilty one Like a rising monster All veiled in grey See the walls of dawn They warn you of the day Come back my dream Into my arms into my arms Come back my dream Into my arms into my arms"[/COLOR] (Deine Lakaien, 'Into my arms') Das Lied das mich zerbrochen hat. Und das mich immer aufs Neue zerbricht. Wie eine steinerne Statue, aus der langsam, Stück für Stück und Brocken für Brocken, einzelne Steine brechen - bis das gesamte Gebilde seine Stabilität verliert und in sich zusammenfällt, bis nur ein Haufen Steine und eine kleine Staubwolke zurückbleiben. Ich wehre mich nicht dagegen, im Gegenteil - ich ersehne es. Make me shatter, again and again. Aber es ist ein sanftes Zerbrechen, eines, in das ich mich willentlich und wissentlich hineingebe, weil es zwar schmerzt, doch gleichzeitig wie eine zarte Berührung ist. Ein Hauch von warmer Melancholie aus einer anderen Zeit, da ich noch eine andere Person war als ich sie heute bin. Fühle mich kopflos. Ohne Verstand, aber auch ohne Gefühl. Bloßes Funktionieren, aber mit großen staunenden Augen wie ein Kind, das sich wundert, was da eigentlich passiert. Und genau wie das Kind weiß ich es nicht, begreife ich es nicht. Möglicherweise habe ich mich einfach 'abgeschaltet' - um all dem 'zuviel, zuviel' zu entkommen. Einfach die Tür zumachen und hoffen, daß all die Schrecken meiner Alpträume draußen bleiben, ebenso wie die Schrecken meiner Tagträume und die hoffnungslose Leere dazwischen. Resignation - trifft das den Zustand, in dem ich mich zu befinden scheine? Ja, das ist es wohl. Resignation, die Ausgeburt all meines Scheiterns, all der fehlgeschlagenen Versuche, all der verlorenen Kämpfe, all der Zusammenbrüche vor mir selbst, wenn schon nicht vor anderen. Für letzteres bin ich nach wie vor zu stolz, viel zu stolz. Das Aufrechterhalten dieser Fassade, die mir, obgleich zuwider, doch auch Schutz ist, Selbstschutz, Panzer, Maske, Koloss von Rhodos hinter dem ich mich verstecken und weiter an meinen Traumbildern malen kann, auch wenn mir die Farben ausgegangen sind und die Leinwand. Und obgleich ich gar nicht malen kann. Mein Pinsel sind die Buchstaben, meine Pinselstriche die Wörter, meine Leinwand sind die niedergeschriebenen Gedanken, manchmal auch Songtexte, je nach Situation. Und wenn ich manches retrospektiv lese, dann wundere ich mich über mich selbst - daß meine Worte viel mehr beinhalten, als ich selbst zu dem Moment, in dem ich sie niederschreibe, ahne. Unwillkürlich kommt mir der Name, der lange Zeit ein Schimpfwort war, in den Sinn: 'Kassandra'. Ich bin leer. Einfach nur leer. Wo einst blühende Landschaften waren, sind jetzt nur noch rauchende Trümmer und Ruinen, verbrannte Erde. Meine Füße wirbeln Asche auf, und Staub, wenn ich beim Gehen eine helle Spur hinterlasse, bis ein Wind darüberfegt und auch diese wieder verweht. Nichts bleibt zurück. All empty. Und wie symbolisch ist es, daß wir heute die Nachricht bekamen, daß es Herrn M. sehr sehr schlecht geht - er liegt wohl im Sterben. Herr M., der mir so ans Herz geht, und der nun ebenso leiden muß wie meine Omi damals. Die Welt ist so ungerecht - die sanftesten, liebsten Menschen müssen immer leiden. Dazu gibt es einen passenden Ausspruch von Hemingway - ungefähr so: 'The world breaks everyone and after that many are strong at the broken places. But those it cannot break it kills. It kills the very good and the very gentle and the very brave impartially. If you are none of these you can be sure it will kill you too, but there will be no special hurry.' Und es beschlcicht mich das Gefühl, daß es immer so war, und immer so sein wird. Angesichts der himmelschreienden Ungerechtigkeiten dieser Welt möchte ich am liebsten nur noch alles kurz und klein schlagen. Stattdessen werde ich stumm dastehen, mit den Tränen, die ich nicht weinen darf, in den Augen, und werde Abschied nehmen mit der kleinen Hoffnung, daß es vielleicht doch noch irgendwo einen Ort gibt, wo es nicht mehr so sein wird. Vielleicht finde ich dort meinen Frieden - hier kann ich es nicht. |
| Nnordy | ... Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus flog durch die stillen Lande als flöge sie nach Haus. (J. v. Eichendorff) Herr M. ist tot - er ist heute morgen gestorben. Und kann ich es mir selbst vergeben, daß wir nicht noch einmal da waren? Nein. Genausowenig wie ich mir vergeben kann daß ich beim letzten Geburtstag meiner Ömi nicht da gewesen bin. ... als flöge sie nach Haus... Gute Reise, Uwe. Danke, daß es Dich gegeben hat. |
| Odessa | Und nun doch noch "auch so"... für die Momente bei Dir, wo Du wieder "blätterst" und "erinnerst": [IMG]http://www.istra-bavaria.com/images/mjesta/novigrad-1.jpg[/IMG] Ein Ort der Ruhe. Und wir werden es irgendwann schaffen, wir beide und noch einige andere unserer Freunde, daß wir "dort" sind. Zusammen. Ohne Hiobsbotschaften. Ohne Leere. Ohne ständig auf der Flucht zu sein. Vielleicht noch dieses Jahr, vielleicht nächstes Jahr - egal, wir werden es schaffen. Und wir werden nicht zerbrechen und nicht aufgeben. Und denk immer dran was ich Dir eben sagte: "Immer und jederzeit". "...cause we are women..." Alles Liebe Dir, Rüdi und jetzt v. a. Deinem Opa... (foto: sh. url) |
| Nnordy | [QUOTE]... und den Schmerz zu empfinden den es bereitet, wenn das Leben um einen liebenswerten Menschen ärmer geworden ist. Und da ist es wieder, dieses schleichende und morbide Gefühl, und dieses Bild in meinem Kopf - wieder und wieder sehe ich mich, mit einem schwarzen Schleier vor dem Gesicht, an den Gräbern stehen, wieder und wieder verzweifelt bemüht, die letzten Reste der Persönlichkeiten noch einmal hell strahlen zu lassen, wieder und wieder stark sein müssen, stark sein, stark sein, um des letzten Dankes Willen, um des Menschen Willen, um seines Lebens Willen. (ich selbst, 13.3.2006)[/QUOTE] Kassandra. Ich werde singen, am Mittwoch, auf der Trauerfeier für Herrn M. Ich werde, wieder einmal, an einem Grab stehen. Ich werde, wieder einmal, um des Lebens Willen, meine Seele all das heraustönen lassen, was in ihr ist, für diesen einen Menschen. Ich bin die Schwarze Frau. Ich bin das Trauernde Weib. Und ich will es nicht sein. Aber ich werde es sein, weil ich es auf paradoxe Weise für einige Seelen sein will und sein muß. Vier Herzen haben aufgehört zu schlagen. Vier Trauerfeiern. Und ich werde alles dafür tun, daß Du nicht so einfach vergessen wirst. |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]'Fühl mich leer und verbraucht alles tut weh hab Flugzeuge in meinem Bauch...' (Herbert Grönemeyer, Flugzeuge im Bauch)[/COLOR] Was für ein Song, damals, zu Beginn der Pubertät und der ständigen unglücklichen Verliebtheiten... Ich habe gesungen, heute, und es war wunderbar, auch wenn meine Beine zitterten und ich nicht sicher war, daß sie mich lange genug tragen würden, aber ich habe es geschafft. Und ihm damit meine einzige Art, ihm würdig Lebwohl zu sagen, mitgegeben. Die letzten Tage waren so anstrengend - emotional und körperlich. Und Du fragst mich, ob ich Dich noch lieb habe. Ja, sage ich. Natürlich. Ich bin die Konstante, die ich sein muß. Immer bin ich die, die irgendetwas muß - bei Dir, auf der Arbeit, im Studium, im ganzen Leben. 'Ich sehe nur noch Zwänge'. Und habe heute geradezu verzweifelt versucht, mir nur einen einzigen Lebensmoment ins Gedächtnis zurückzurufen, an dem ich glücklich war, habe versucht, mich an das Gefühl zu erinnern - ich habe es nicht geschafft. Nicht ein verdammter Moment fiel mir ein, nicht mal ein einziger, und sei er noch so kurz. Geschweige denn auch nur eine blasse Ahnung eines evtl. vorhandenen Gefühls zu bekommen - da ist nichts. [COLOR=seagreen]Fühl mich leer und verbraucht...[/COLOR] Leer und verbraucht. Benutzt, ausgelutscht und weggeworfen. Müll. Dreck. Wertloser Abfall. [COLOR=seagreen]Alles tut weh[/COLOR] Würde es wohl, wenn ich nicht so taub und stumm wäre - bzw. so betäubt, als hätte mich eine gewaltige Druckwelle umgefegt und mich mit keinem anderen Geräusch und Empfindung als dem Pochen meines Herzschlags in meinen Ohren zurückgelassen. [COLOR=seagreen]Hab Flugzeuge in meinem Bauch[/COLOR] In Eis eingeschlossene Flugzeuge. Sie torkeln, trudeln hin und her, hilflos, gefangen im schwarzen Malstrom der mein Inneres ausfüllt. Ich kann Fragen nach meinem Befinden nicht mehr beantworten, ich laufe davon, rette mich in eloquente Lügen oder Halbwahrheiten um mich nicht der unbarmherzigen Konfrontation mit mir selbst auszusetzen, was ich derzeit wohl mehr fürchte als der Teufel das Weihwasser. Ich will nicht. Ich will es einfach nicht. Manchmal beginnt man, sich damit zu begnügen, festzustellen, was man NICHT will. [COLOR=seagreen]Aber auch das gelingt mir noch[/COLOR] Funktionieren. Das gelingt. Leben ist etwas anderes. Doch was will ich eigentlich? Ich weiß es nicht. Ich weiß es einfach nicht mehr. [Text in grün: H. Grönemeyer] |
| Nnordy | [COLOR=orangered]'Here comes the rain again - Falling on my head like a memory falling on my head like a new emotion... Here comes the rain again - Raining in my head like a tragedy tearing me apart like a new emotion... ('Here comes the rain again', Eurythmics)[/COLOR] Ich habe das Bild im Kopf. Sehe mich selbst, in Yogapose, in einem blühenden Garten sitzen, völlig entspannt, zentriert, im Einklang mit mir selbst, mich selbst erforschend und dabei nicht zerrissen, frustriert oder verzweifelt sein, sondern zufrieden, lächelnd, an der Schwelle von glücklich. Welch schönes Traumgebilde... Here comes the rain again... Denn ich weiß doch, wie die Realität aussieht. Wie ein gehetztes Tier in einem viel zu kleinen Käfig wende ich mich hierhin und dorthin, auf der ausweglosen Suche nach einem Schlupfloch, einem Ausweg, einer Fluchtmöglichkeit aus den Gitterstäben die mich umschließen, aus dieser bedrückenden und erstickenden Enge. Statt mir die Zeit zu nehmen für die Auseinandersetzung mit mir und Findung meines Selbst, laufe ich davon und betäube mich mit Arbeit und reiner Apathie. Es scheint, als könne ich nicht mehr konstruktiv tätig sein. Ich habe versucht, es zu thematisieren: "Irgendwie bin ich mit mir und meinem Leben derzeit total unzufrieden" - aber letztlich fehlten mir, wie so oft bei Gebrauch der Sprache mündlich, die richtigen Worte. Die finde ich nur in der Schriftsprache, und auch da nur retrospektiv gesehen. Tearing me apart like a new emotion... Auf der Suche nach dem warmen und reinigenden Sommerregen treffe ich nur auf Schwüle und eklige Brühe, die mit 'meinem' Regen nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Selbst die Gewitter der letzten Tage bringen keine Linderung - träge und unerträglich warm wälzen sich die alten Luftmassen herum, kein frischer Windhauch. Früher habe ich im Regen getanzt, manchmal. Heute sehe ich nur nach draußen, und verspüre vielleicht ein bißchen Sehnsucht, ein bißchen Traurigkeit. Alles viel zu lange her. Falling on my head like a memory... Realisierungsschocks, das ist das, was ich dieser Tage ständig erfahre. Es ist nicht schön. Und jedesmal setzt mein Herz einen Schlag lang aus, gleichsam erschrocken, und ich zucke zusammen, weil es mich trifft wie ein Blitz. Es geht dabei nicht um Akzeptanz - es geht um die Unbarmherzigkeit und das grelle Licht, in dem mir alles erscheint. Kaum zu ertragen, prasselt es auf mich ein. Here comes the rain again... Alles, was früher einmal ging, gar leicht fiel, ist auf einmal zu einer unlösbar schweren Aufgabe geworden. Dabei weiß ich, daß es nur manch kleine Dinge braucht, um mich lebendig zu halten - Wissen ist eines davon, dieses lebendige Gefühl, das ich oftmals hatte, wenn ich aus der Uni kam und dachte: 'Jetzt habe ich wirklich etwas erfahren/mitgenommen, was mir gefällt, was mich weiterbringt, was mich erfüllt.' Dazu brauche ich die Uni doch eigentlich nicht - eigentlich. Ich könnte lernen, sollte lernen, ich bin doch frei, zu tun, was mir beliebt - eigentlich. Doch wieder: 'Ich sehe nur noch Zwänge.' (Fliehende Stürme) Aber vielleicht sind es auch gar nicht die Zwänge. Vielleicht ist es vielmehr das zunehmende Empfinden meinerselbst als 'defizitär', wenn die ganze Frauenwelt um mich herum schwanger wird und ich selbst immer abwinken muß: "Nein, es geht noch nicht, weil ich ja keinen Festvertrag habe..." Ich hasse mein Leben. Pubertär wie einst. Und dieselben Empfindungen wie einst nochmal durchmachen zu müssen ist die Hölle. Raining in my head like a tragedy... |
| decay73 | ach, nnordy, mach es dir doch nicht so schwer. du weißt ja, wie es gehen könnte (und auch gehen wird...meiner meinung nach). vielleicht nicht vollständig, aber doch ein gutes stück weit, sagt mir meine eigene erfahrung. und ein berater unserer firma sagte mal sinngemäß, als es um das erreichen von selbstgesteckten zielen ging: “versuchen sie erst gar nicht hundert prozent zu erreichen. dann halten sie sich nur mit unsinnigen dingen auf. machen sie die achzig prozent und sich haben dann mehr, als wenn sie immer nur versuchen, die hundert zu erreichen.” mach doch mal das von dir selbst gezeichnete bild zur realität! nicht lang drüber nachdenken, machen! :) dann kommt dir der rest auch zugeflogen (das meine ich wirklich so. man muß sich nur drauf einlassen können). zumindest wird dir auffallen, daß auch andere sich wundern, daß das von früher nicht mehr so leicht geht und vieles schwerer fällt. nur du hast dann einen entscheidenden vorteil: du weißt bescheid um die dinge, weil du dich in ruhe um sie gekümmert hast. und mein outplacement-berater würde dich jetzt zur kinderfrage wohl fragen: “braucht man einen festvertrag für ein kind, oder geht es auch ohne und sind vielleicht auch alternativen denkbar?” (und dann würde er mir sagen, daß ich alles dazu nötige und relevante strukturiert auf ein blatt papier bringen soll. vorher hat man keinen durchblick - in dieser frage vielleicht nicht ganz so schön und geeignet, aber ich denke du weißt, was ich sagen möchte *g*) wie auch immer, die hölle ist [i]keine[/i] alternative... :) |
| Nnordy | Ihr habt ja eigentlich Recht... Und ich weiß, daß ich manches weiß, auch, wenn ich es selbst vielleicht nicht wahrhaben will oder kann. Überhaupt: Am 'Können' liegt es sicher nicht. Am 'Tun' scheitert es letztendlich, diese verfluchte Apathie... Sicher sind meine Worte hier teilweise Ventil, teilweise aber auch Selbsttherapie. Ich sehe manches klarer, und Zusammenhänge werden mir klar, die ich vorher überhaupt nicht sah - oder ebenfalls nicht wahrhaben wollte. Die Wahrheit ist häufig auch 'gnadenlos', liebe Mischa... Auch heute wieder. Da war ich immer so stolz drauf, daß ich 'alles allein schaffen kann', wenn nötig. Doch eigentlich will ich das gar nicht. Ich will nicht immer alles allein schaffen müssen - und doch muß ich es. Ohne es zu wollen. Und das führt dazu, daß ich mich allein gelassen fühle, ganz allein, auf weiter Flur, in einer Wüste ohne Horizont und Ende. Und statt in der Hoffnung auf eine Oase, die möglicherweise gleich hinter der nächsten Düne liegt, loszulaufen, befehle ich meinen Beinen einfach, nachzugeben, und lasse mich fallen, in den viel zu warmen Sand, und gehe nicht mehr weiter. Mir doch egal, was hinter der nächsten Düne ist. Sand, Sand, noch mehr Sand. Oder vielleicht auch die helfende Hand, die mich weiterzieht. Aber ich bin bockig - oh ja, ich kann bockig sein. Zickig. Unausstehlich. Wenn man mich in meinem Stolz kränkt. Mich nicht für voll nimmt. Mich auf etwas reduziert, was ich nicht bin, sich nicht die MÜhe macht, zu sehen, was und wie ich bin, sondern sich mit einem konstruierten (und absolut falschen) Bild zufrieden gibt. Ich habe Angst, Zukunfts-Angst. Es ist nicht sicher wie es mit meinem Süßen weitergeht, wann er wieder auf eigenen Beinen wird stehen können. Zwar ist die Umschulung durch, aber zu was, wie lang das dauern wird, wie die Bezahlung sein wird - keine Ahnung. Und so lange habe ich nicht nur die Verantwortung für mich, sondern auch für unsere kleine Familie. Und das ist der Punkt, wo ich mich selbst dabei ertappe, daß das, was mich früher stolz gemacht hätte, mich heute nur noch belastet. Ich will das nicht, ich habe Angst davor, es nicht zu schaffen - Arbeit, nebenbei will ich die Uni fertigmachen, und ein Kind? Oder zwei? Was ist mit meinem kleinen, so überschaubaren Freundeskreis, was ist mit dem Leben? Und wo findet diese Veranstaltung überhaupt statt? So fühlt sich jemand, der keine Karte mehr bekommen hat... Angst [SIZE=1]führt zu[/SIZE] Apathie [SIZE=1]führt zu[/SIZE] Agonie. Theatralisch. Dramatisch. Und doch ganz ich. |
| Solstice | Zukunftsangst... ach Nnordy.... Niemand weiss, was die Zukunft einem noch bescheren wird. Man muss sich daher darauf beschränken, Perspektiven zu sehen. Die Umschulung ist durch...das ist gut. Er wird auch wieder auf die Beine kommen, Du wirst sehen. Du solltest nicht nach Antworten für die Zukunft suchen, die wirst Du nicht bekommen und das macht unsicher. Sieh die Möglichkeiten und Chancen und versuche sie zu nutzen. Der jetzige Zustand ist kein Dauerzustand, sondern eine (belastende) Phase der Veränderung. Oder anders gesagt: im Chinesischen gibt es für die deutschen Begriffe Krise und Chance ein und dasselbe Wort. *knuff* |
| Jester | Wenn man durch seinen Garten wandert und die gesamte Zeit seine Gedanken nur daran verschwendet auf wieviele Weisen dieser zu Grunde gehen kann, so wird man zwangsläufig nicht mehr die Zeit und nicht mehr den Blick haben um sich heute darum zu bemühen ihn prachtvoll zu halten. Die Gedanken schweifen in der Ferne und lassen ein doch so vieles übersehen während man geistesabwesend dahinschlendert, das Hier und Jetzt gar nicht wirklich wahrnehmend. Gedanken haben leider den gleichen Charakterfehler der Mensch der sie hervorbringt, sie können nur in einer Zeit zugleich vollwertig gegenwertig sein. Und verweilen sie in der Zukunft, in einem Raum welcher in keinster Weise klar definiert ist, so fehlt ihre Präsenz in der Gegenwart wo sie sich doch bei weitem besser zu orientieren wüssten. Unbekanntes lockt, macht Angst,... welche wiederrum fesselt da es den Drang des Selbstschutzes aktiviert. Doch gleichsam vermag es eben das zu schaffen was vorher nur eine Eventualität war welche auf eben jenen Nährboden wartet. Sozusagen streckt eine unheilvolle Zukunfstmöglichkeit seine Tentakeln aus um mit seinen eingentlich geringen Mitteln den Fluß der Dinge auf seine eigene Erschaffung zu lenken. Es ist ein Phantom welches im Ereignishorizont des möglichen eine Scheinexistenz begonnen hat welche, genährt durch den "Wirt" genug Kraft erlangt um wiederrum diesen zu beeinflußen. Spiralen beginnen, welche sich nährend durch den Zwischenraum der Gegenwart und der Zukunft schrauben und langsam an einer Konsistenz gewinnen welche letzendlich allerdings imaginär ist,... bis auf an einem Punkt. Und dieser Punkt ist wiederrum im Hier und Jetzt und nicht dort wo der Blick hinfällt, in der Zukunft. Doch das Phantom breitet die Spirale in der Zukunft soweit aus das der Beginn im Vergleich so winzig wird das man ihn nur all zu leicht übersieht wenn man seinen Blick nicht senkt. Es scheint oft ein ungleicher Kampf, den das Phantom ist ein Parasit welcher in uns sitzt und sich von uns nährt, welches all unsere Ängste und Geheimnisse kennt da es aus uns erwachsen ist. Es kämpft nicht, sondern lenkt nur ab, setzt seinen Wirt selbst als Waffe gegen ihn selbst ein. Es gilt die Augen demgegenüber geöffnet zu halten, um es genau zu sagen sich selbst gegenüber offen zu halten. Und gerade du, liebe A., bist jemand der doch recht oft die Augen zu öffenen in der Lage bist, diese aber doch danach schnell wieder zusammenkneifst,... vielleicht weil dir das was du in dem Moment siehst unwirklich erscheint, vielleicht aber auch weil auch gerade das dir wieder Angst zu machen in der Lage ist. Versuche die Augen offen zu halten, auch wenn es zu beginn schwer erscheint,... es ist wie die Augen unter Wasser zu öffne, es fällt einem nur solange schwer bis man merkt das es einem nicht zu verletzen in der Lage ist und das man auf diese Weise viel freier ist. Liebe Grüße, "Herr Narr" [SIZE=1]Das hat irgendwie was ;)[/SIZE] |
| Nnordy | [SIZE=1]Sir Solstice, Herr Narr - danke für Eure Gedanken. Ich weiß, weiß, weiß - aber wieder einmal: Ratio vs. Emotio. Meine Emotionalität bringt mich um.[/SIZE] [COLOR=royalblue]"Silent groaning on the floor slight clicking out the light gentle squeaking on the door I am off in the night Away away away away nothing's left to say I'm far away Kicking empty cans just around the corner maybe you look on me as a lonesome mourner while I'm drifting off along distant shores think I'm nothing but this tin 'cause I don't feel anymore... Was it meant for me when you soared from that pole Can you see what I can't see a resting place for my soul Away away... [...] Far away from now sorrows and grief way up in the sky you give me relief like the way you're floating conquers gravitation makes me overcome this leaden stagnation Kicking empty cans just around the corner maybe you look on me as a lonesome mourner while I'm drifting off along distant shores think I'm nothing but this tin 'cause I don't feel anymore..." (Deine Lakaien, Away)[/COLOR] Dauer-Repeat. Wenn auch mit einem kleinen Fünkchen Hoffnung - vielleicht: 'makes me overcome - this leaden stagnation'. Oder warten auf ein Wunder. Gestern Abend, beim Beseitigen der Pizzareste - eine Minute allein draußen im Regen. Und das Erste, was mir einfiel, waren die Zeilen: "I'm singing in the rain..." Hanebüchen - aber es tat so gut, für einige Sekunden hanebüchen dort draußen stehen zu können, die kühlen Tropfen auf meine Haut fallen zu lassen, das Gesicht dem grauen Himmel zugewandt, mit einem Lächeln darauf. Ich liebe den warmen Sommerregen. Eine Minute draußen und eine leise Ahnung nach einem Gefühl 'wie neugeboren'. In der Nacht von Freitag auf Samstag - ein Alptraum, den ich nie vergessen werde. Zweimal dasselbe, in der gleichen Nacht. Der Traum: Mein Opi sei gestorben, dort, in diesem ihm und mir verhassten Krankenhaus. Beim 2. Mal war es so, daß ich zu Beginn noch fest überzeugt war, wußte, daß es ein Traum ist, doch so sehr ich auch kämpfte, ich konnte nicht daraus aufwachen. Es war entsetzlich. Der Alp verfolgt mich, ich kann ihn nicht abschütteln, er schnürt mir nach wie vor die Kehle zu. Ich habe Angst, Kassandra. Schreckliche Angst. Ich kann all meine Buchstaben nehmen und sie an der Wand zu zerschmettern suchen - sie lassen sich nicht zerschmettern. Setzen sich zum immergleichen Wortgebilde zusammen: K A S S A N D R A. Ein Fluch. Die letzten Tage singe ich wieder viel - doch meine Stimme ist unsicher, ein Spiegel meiner bar liegenden Seele. Nicht zu wissen, woran man ist, ständige Ungewissheit, in allen Lebensbereichen. Nichts scheint mehr sicher, und manchmal scheint nichts real. Oder zu real. Und mittendrin wieder mal ich, in meiner kleinen Nußschale, auf sturmgepeitschter See. Ist es denn wirklich immer so unausweichlich, wie ich es empfinde? Mein Garten ist verdorrt. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wie er aussah, als er noch blühte. Aber ich weiß, daß es viel schlimmer nicht werden kann. So hoffe ich auf einen kleinen Setzling, mit dem ich von neuem beginnen kann. Um Grün gegen Braun zu setzen, Hoffnung gegen Apathie, Tätigkeit gegen Lethargie, zurückhaltende Freude gegen die derzeit alles einnehmende Melancholie. Mais - je t'aime mélancholie... Ich hatte nie einen grünen Daumen. Dennoch - ich muß es versuchen. Wenn ich doch nur wüßte wo anfangen... A resting place for my soul. |
| Nnordy | Ach Mischa, ich glaub so etwas Wunderbares und Liebes hat mir selten jemand geschenkt. Danke dafür, einfach nur danke. Und irgendwo eigentlich faszinierend - obwohl wir uns quasi real gar nicht kennen, 'schenkst' Du mir einen Garten. Meinen Garten. Das ist so lieb, das mir fast die Worte fehlen (und wer mich kennt weiß, daß das selten passiert... ;)). Wenn Du möchtest, komm doch ein Stück mit - und wir fachsimpeln ein bißchen über Rosen und Lilien und Tulpen und Efeu und wilden Wein und und und... Fading like a flower... |
| Odessa | ... ich stell Dir dann schon mal die Burg in den Garten, auf daß Du dort weiter singen kannst, in den alten Gemäuern, die auch einem Labyrinth ähneln - und doch immer wieder zu einem bestimmten Zimmer oder Türmchen führen...where the heart and the soul ist. Ich hab Euch beide so lieb, Mischa (die Rosen-Schenk-Frau nenn ich sie jetzt nur noch) und Dich. Ihr und Kildare - mein Triumvirat der "Frauenfreundschaft" ... wir haben bisher alles geschafft im Leben, immer wieder, über Höhen und Tiefen, über Unstimmiges und Stimmiges, über Gemeinsamkeiten und auch über Differenzen und Verschieden-Heiten, über Zweifel und über Ängste, über Wut und über Schmerz, so wie es bei Freunden auch sein soll, und wenn eine mal nicht so kann, ziehen die Anderen für sie mit. Irgendwer ist immer da. Rosen-Lavendel-Minzigen Gruß, "diese Frau" [IMG]http://people.freenet.de/Fields-of-Odessa/GardaMalcesineBurgblickamAbend.JPG[/IMG] [size=1](Malcesine, Gardasee) [/size] |
| Jester | Ein wenig ab der Szenerie, auf der alten Steinmauer welche den Garten umspannt hockend zeigt sich eine Gestalt. Die Haare zu großen Zöpfen gebunden welche, auch gerade durch die eingeflochtenen Glöckchen an eine Narrenkappe erinnernt tief im Gesicht, lächelt dieser Kerl während er die Gartenbesitzerin und die Neuankömmlinge beobachtet. Er sitzt eigentlich schon recht lange hier, man könnte fast meinen vom Anbeginn der Dinge,... naja, zumindest der Dinge die sich in diesem Garten zutrugen. Es sind einige Gedanken die gerade durch den Raum hinter den zwei Tintenschwarzen Augen gehen, Gedanken welche sich durch eine gewisse Spiralenhaftigkeit winden müssen, welche aber dennoch auf fruchtbaren Boden fallen,... Eine geradezu passende Begrifflichkeit wenn man die Umstände betrachtet. Diese Augen sind es auch die nicht nur das kleine Grüppchen in ihren Blick fassen, sondern vielmehr den ganzen Garten als solchen Überblicken, wobei es in diesem Falle eigentlich komplett irrelevant ist den Garten oder seine Besitzerin zu betrachten, es kommt auf die gleichen Empfindungen hinaus,.... überhaupt sind die beiden ein einzelnes Wesen,... Vielleicht will man den Garten auch als Spiegel seiner Besitzerin ansehen, wenn man dies tut, so sollte man allerdings an einen angelaufenen Spiegel denken welcher zwar ein Bild zurückwirft, ihm aber eine gewisse Note verleiht, welche wiederrum durch die Besitzerin hervorgerufen wird. Aber eben nur Narren befassen sich mit solchen "Beiläufigkeiten" und gerade dieser eine Narr ist gerade im Begriff diesen Spiegel, welcher vor (oder besser gesagt um ihn herum) aufragt blank zu polieren. >....< "Kleine Nnordy,... wenn du doch in der Lage wärst auf die Kleinigkeiten in deinem Garten zu achten, aber du siehst nur die trockene Erde und spürst nur wie der aufgewirbelte Staub deinen Lungen zusetzt. Wenn du genau in diesem Moment ein wenig nach oben blicken würdest, so sähest du vielleicht die kleinen Knospen die sich bilden während auch der Spiegel,... oder besser gesagt der wahre Ursprung,... diese Knospe in deiner Seele enstehen lässt. Es sind nur ein paar Worte des Gastes und das kleine Gastgeschenk die dies bewirken. Und doch,... es weckt genau das in dir, wenn auch nur im geringen, was diesen Garten aufzublühen lassen in der Lage wäre. Die Saat liegt im Schatten, den Schatten den du zum großen Teil selbst wirfst, unfähig den Weg des Lichtes freizugeben, gelähmt von dem Anblick deines eigenen Gartens. Dabei liegt es alles darnieder,... zumindest hier in deinem Garten, wo man in dem was du Realität nennst wohl eher von einem um dich rum sprechen sollte. Ach Nnordy,.... kleine Gärtnerin Nnordy, eine Grünschwäche lässt dich das übersehen was du als den grünen Daumen bezeichenen würdest,... vielleicht siehst du ihn bräunlich wie die trockene Erde um dich herum, vielleicht auch grau wie den Himmel den du hier hängen lässt. In ihren Gärten wandeln die Götter und lassen ihre Göttlichkeit fahren und verschliessen die Augen. Warum sie das tun? Das sei ihnen überlassen, nennen wir es einfach göttliche Unerfindlichkeit, das erklärt im Notfall alles ohne das man sich die Mühe machen muss seine Stimmbänder übermäßig zu strapazieren... Aber genügt dir das an dieser Stelle kleine Nnordy,... wohl kaum, sonst würdest du den Garten nicht gedeihen sehen wollen,... Vielleicht tun dir Gäste gut, vielleicht wirbeln sie so viel von dem Staub auf das du jenes erblickst, was darunter liegt." >...< Sanft gleitet die Gestalt von der Mauer um in der Hocke im Garten zu landen. Die Hände gleiten über den trockenen Boden nur um dann in diesem zu versinken als ob sie nur eine Illusion sein,... nach kurzem Verharren kommen zwei geballte Fäuste zum vorschein und das Lächeln des Narren wird geringfügig breiter als diese sich öffnen und in ihnen kleine grünlcihe und bräunliche Samen zu sehen sind, jeder einzelne leichte Triebe schlagend. >...< "Die Saat liegt schon lange aus kleine Nnordy, aber sie wird nicht treiben ohne deinen Befehl." >...< Und mit diesen leisen Worten lässt der "Herr Narr" seine Hände wieder sinken und bettet die Saat wieder in den Leib des Gartens.... |
| Nnordy | ... nur ein Blinzeln von mir entfernt... ... die Sterne lächeln grüßend zu mir herunter, ein Zwinkern im Augenwinkel des Universums... Die Augen schließen. Und sie wieder öffnen. Und manchmal dann wünschen, man hätte sie einfach nicht mehr aufgemacht. Es sind so schöne Bilder - der Garten, im hellen Mondlicht. Gebadet in goldene Strahlen im Sonnenaufgang. Oder im roséfarbenen Licht eines roten Sonnenuntergangs. Der Garten, durchwabert von Nebel im Herbst, wenn sich die Blätter der Bäume schmückend bunt färben und die Blüten meiner Blumen und Sträucher schon längst zu einem Pastellton abgekühlt haben, sich bereit machend für den Dornröschenschlaf des Winters... Und alles bedeckt von einer weißen weichen Schneedecke, Schnee auf dem Haupt des steinernen Engels am Südtor des Gartens, dem ich in einem Anflug von Übermut eine Nikolausmütze aufgesetzt habe. Er ist schön, der Garten, zu jeder Tages- und Jahreszeit. Ich stehe vor dem schmiedeeisernen Tor, dessen Flügel mir abweisend zugewandt sind. 'No trespassing' Nur wer den Schlüssel hat, kann eintreten - doch diesen Schlüssel besitzt niemand. Und schließlich - habe ich ihn verloren? Oder nur verlegt? Ich wühle durch meine Taschen, suche an allen Orten, wo er nur sein könnte, und finde ihn nicht. Wo habe ich ihn hingelegt? Du kannst nicht vorbei. Nicht ohne Schlüssel. Durch die Ritzen des Tores kann ich das grüne Gras sehen, die weißen und orangefarbenen Rosen, die treiben und duften, die Efeuranken an der Mauer und die kleine steinerne Bank in meiner Lieblingspagode. Auf dem See schwimmt eine Entenfamilie, und ein einsamer schwarzer Schwan zieht majestätisch seine Bahn. Es könnte so schön sein. Wo ist der Schlüssel? |
| Nnordy | [COLOR=orangered]Every finger in the room is pointing at me I wanna spit in their faces Then I get afraid of what that could bring I got a bowling ball in my stomach I got a desert in my mouth Figures that my courage would choose to sell our now I've been looking for a savior in these dirty streets looking for a savior beneath these dirty sheets I've been raising up my hands Drive another nail in Just what God needs One more victim Why do we Crucify ourselves Every day I crucify myself Nothing I do is good enough for you Crucify myself Every day And my heart is sick of being in chains Got a kick for a dog Beggin' for Love I gotta have my suffering So that I can have my cross I know a cat named Easter He says will you ever learn You're just an empty cage girl If you kill the bird I've been looking for a savior in these dirty streets looking for a savior beneath these dirty sheets I've been raising up my hands Drive another nail in Got enough guilt to start my own religion Please be Save me I cry... (Tori Amos, 'Crucify')[/COLOR] Meine bevorzugte Form der Selbsterkenntnis - die Musik. Und wenn mich dies schon schreckt - wie groß ist dann meine Angst vor den Dämonen, die im Garten auf mich lauern? Ich weiß, daß sie da sind. Und vielleicht könnte ich sie mir einfach wegwünschen. Mit einem Fingerschnippen, oder mit einem einfachen Wort. Aber will ich es? Ist es nicht so, daß ich mich auch aus all meinen Fehlern und Schrecken, vorhanden oder eingebildet, konstituiere, mich jeden Tag neu zusammensetze, um eine oder mehrere Facetten reicher oder ärmer? There are monsters lurking in the shadows of my conscience... Wie oft fühle ich mich so wie es 'Crucify' beschreibt? Every day I crucify myself - nothing I do is good enough for you, I crucify myself every day - and my heart is sick of being in chains... Oft, viel viel viel zu oft. Das Gefühl wenn der Mund trocken wird, mich die Worte verlassen, mein Herz wieder einen Schlag aussetzt, und ich nicht weiß ob und wie ich mich selbst reanimieren kann, oder doch den Worten hinterherlaufen, oder ob ohnehin alles das gleiche Ergebnis zeitigt oder doch alles egal ist. Das Gefühl ultimativer Hilflosigkeit, wenn man einen Schlag eingesteckt hat und nicht zurückschlagen kann oder will, wenn die Luft aus den Lungen gewichen ist und ich, auf mich selbst zurückgeworfen, wieder einmal versage, zu Boden gehe, mich selbst ein Stückchen mehr verliere, ebenso wie den Respekt. Und wenn ich einmal versuche, aus dem Schema auszubrechen, trifft der Schlag mich eben nicht in die Magengrube, sondern als linke Gerade am Kinn, so daß ich abermals zu Boden gehe. Und was passiert mit mir, wenn ich mich selbst dabei ertappe, daß ich in meiner Hilflosigkeit versuche, das, was ich mir selbst am meisten ersehne, hassen zu lernen, um den Verlust nicht mehr so stark zu spüren? Ich verneine, immer und immer wieder, und nähre irgendwo noch eine kleine Hoffnung, aber auch die wird irgendwann schwinden und schließlich verschwinden - und werde ich dann zurückbleiben und das Gefühl haben, mein Leben vergeudet zu haben? Nicht für das eingetreten zu sein, was mir wichtig war, nicht darum gekämpft zu haben, wenigstens einen kleinen Teil der mir noch gebliebenen Träume zu verwirklichen? Ist es denn so falsch, daß ich Träume hatte, Bedürfnisse habe, daß ich das Kindergrab immer und immer wieder öffne und hoffe, daß auf der öden Fläche doch noch ein Bäumchen wachsen kann? Entgegen besseren Wissens? Und wessen Schuld ist es? Gibt es sie überhaupt, die Schuld? Ich habe genug an Schuld für mich, Dich, für die ganze Menschheit - 'got enough guilt to start my own religion'. Immerzu fühle ich mich schuldig, immerzu entschuldige ich die Verhaltensweisen anderer, nehme die Schuld auf mich. Warum, weiß ich selber nicht. Vielleicht habe ich ja einen Schuldkomplex - das Äquivalent zum Helferkomplex? Es ist meine Schuld, daß meine Sozialkompetenz offenbar nicht ausreicht, um an 'betrieblichen Festivitäten' oder auch nur Zusammenkünften mitzuwirken, daß ich auf Seminaren nicht auf Leute zugehen kann, weil ich mir dabei anbiedernd vorkomme, daß ich mich in größeren Gruppen von Leuten nicht wohl fühle und in mich selbst zurückziehe weil ich nicht gut Konversation betreiben kann (und es eigentlich auch nicht möchte...), daß ich nicht in der Lage bin mich länger als ein paar wenige Stunden mit mehreren Leuten auf einem Fleck aufzuhalten weil ich dann schier irre werde von all den Wortentladungen um mich herum zu denen ich nichts beitragen kann oder will weil es einfach viel zu weit weg ist von dem, was mich im Innersten bewegt. Daß ich, einem Elefanten im Porzellanladen gleich, offenbar nicht über genügend Empathie verfüge, um Menschen, die mich 'Freundin' nennen, nicht vor den Kopf zu stoßen. Daß ich nicht über die Fähigkeit verfüge, die mir eigene Theatralik und Dramatik in angemessener Dosierung auszuleben. Daß sich andere von mir abgelehnt fühlen. Ungewollt. Nicht willkommen. Alles meine Schuld. Und dieses Gefühl bekomme ich fast jeden Tag zu spüren. Sein heißer Atem sitzt mir im Nacken, verbrennt meine Haut. 'I've been raising up my hands, drive another nail in...' Das Monster steht im Garten, riesengroß, ein Titan von gigantischen Ausmaßen. Er läßt sich nicht wegzaubern, nicht wegwünschen oder -diskutieren, denn er ist ich. Weil ich es jeden Tag aufs Neue mit mir machen lasse, und es mir jeden Tag selbst aufs Neue antue. Psychisch bin ich zerschlitzt, zerfressen, und über und über mit Blut besudelt, mein eigenes Blut. Mit gleichgültiger Präzision setze ich das Messer wieder und wieder an - und meine Haut öffnet sich an einer weiteren Stelle, und es blutet wieder. I've been looking for a savior in these dirty streets looking for a savior beneath these dirty sheets I've been raising up my hands Drive another nail in Just what God needs One more victim Dabei will ich doch nicht. Aber was ich will, was ich eigentlich will, weiß ich auch schon gar nicht mehr. Und es war auch nie ein Thema - hier in diesem Theater. Vorhang. Ende 1. Akt. |
| Solstice | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nnordy [/i] [B] Es ist meine Schuld, daß meine Sozialkompetenz offenbar nicht ausreicht, um an 'betrieblichen Festivitäten' oder auch nur Zusammenkünften mitzuwirken, daß ich auf Seminaren nicht auf Leute zugehen kann, weil ich mir dabei anbiedernd vorkomme, daß ich mich in größeren Gruppen von Leuten nicht wohl fühle und in mich selbst zurückziehe weil ich nicht gut Konversation betreiben kann (und es eigentlich auch nicht möchte...), daß ich nicht in der Lage bin mich länger als ein paar wenige Stunden mit mehreren Leuten auf einem Fleck aufzuhalten weil ich dann schier irre werde von all den Wortentladungen um mich herum zu denen ich nichts beitragen kann oder will weil es einfach viel zu weit weg ist von dem, was mich im Innersten bewegt. [/B][/QUOTE] Ach Nnordy... Du beschreibst völlige Normalität (zumindest für mich) und sprichst mir (und sicher auch vielen anderen) hier völlig aus der Seele. Das ist doch im Wesentlichen das, was ich immer als "ostwestfälische Sturheit" bezeichne. Also, Willkommen im Bielefelder Befindlichkeitsuniversum! Fühl Dich wohl hier, ich tu´s auch! Ich habe gestern eine offizielle Einladung zum hiesigen Schützenfest geschwänzt (*kotz*). Wenn wir zuhause Gäste haben, muss ich nach etwa zwei Stunden, in denen ich mich nur selten in Smalltalks einschalte, weil es mich einfach nicht interessiert, in meinen Kellerraum gehen, um ein paar Minuten allein zu sein, weil ich sonst durchdrehe. Wenn ich in einer Runde von Leuten bin, die ich nicht kenne (z.B. auf einer Fortbildung), brauche ich mindestens 2 Stunden, um etwas aufzutauen und mal den Mund aufzumachen (meist habe ich dann schon einen Ruf als arrogant weg...) Ist doch alles völlig normal!! |
| Odessa | ....und auch wenn es gerade mehrfach versichert wurde, meine Liebe, hier in groß und rot (mußt Du Dir vorstellen *lächel*) trotzdem nochmal: Wir sind normal. Du und Solstice und ich. Wir sind normal wenn wir keinerlei Sinn darin sehen, uns mit irgendwelchen Dummschwätzern und Dampfplauderern die wenige kostbare freie Lebenszeit verschwatzen lassen. Wir sind normal, wenn wir uns nicht in anonymen großen oder auch kleineren Menschenmengen wohl fühlen. Ich bin in 42 Lebensjahren bisher weder auf ein Betriebs- noch ein Schützen- noch ein Weihnachtsfest gegangen in meiner Arbeit und wurde dafür teilweise mehr als blöd angemacht und als arrogante Zicke bezeichnet, aber weißt Du - es ist mir egal. Egal, weil die wenigen Leute, die ich an mich ranlasse und wo ich dann meine Klappe aufkriege und einfach ich sein darf, ohne den Pausenclown oder "Party-Entertainer" spielen zu müssen, wissen daß ich nicht arrogant bin und auch wissen daß ich einfach nur eine Aversion habe gegen "viel Reden aber nichts Sagen dabei". Daß Du genau so bist, und so einige Andere auch so sind, gell Herr Solstice, macht uns vielleicht zu "Außenseitern" bei denen - aber zu Insidern unter uns, und genau deshalb finden sich solche Leute dann auch meistens irgendwie;-). Und Du mußt niemand was beweisen, wie der liebe Herr X der Dir so "auf den Sack geht" es tun muß, denn Du bist Du und Du bist gut so, mit all Deinen Unzulänglichkeitsgefühlen und Deinen Ängsten und Befindlichkeiten. Als Du, Solstice, hier warst, diese wenigen Stunden, bin ich tausend Tode gestorben vorher und währenddessen. Weil ich Angst hatte, ich würde keinen vernünftigen Satz rauskriegen, weil ich Angst hatte, "sozial" nicht ausreichend "kompatibel" zu sein, weil ich - wie damals vor Nnordys Tür in Darmstadt - am liebsten tot umgefallen wäre vor lauter Hemmungen und Angst. Inwieweit ich sowas dann einigermaßen in den Griff bekomme und "relativ" normal rüberkomme, hängt bei mir dann nur davon ab, wieviel "Wärme" und Respekt ich spüre daß man mir entgegenbringt. Nachdem aber sogar ich Soziopath bei Euch Beiden sehr wohl fähig war, ganze Sätze und das sogar am Stück von mir zu geben an einem Tag und ich mich nicht, wie schon öfters bei anderen Leuten vorgekommen seiend, über 20-30 Minuten in meinen Stall verzog oder ins Schlafzimmer, nur weil ich dachte ich würde ersticken sonst - seit Ihr Beide garantiert nicht diejenigen, die "inkompetent" oder "nicht normal" wären. Ich habe mich mit Euch sehr wohl gefühlt und von daher, liebe Nnordy, nochmal: Du brauchst Dich in keinster Weise schuldig fühlen, weil Du irgendwelchen Gesellschaftsnormen von "Small talk" oder "Party-Events" oder auch "in meinem Job müßte ich auf Leute zugehen"-Vorschriften nicht entsprichst. Denn es sind diese Vorschriften und "Regeln", die nicht normal sind. Fühl Dich gedrückt und ich wünsch Dir die Kraft, die Du brauchst, damit Du aus diesem - wie nannten wir es gerade? - Hamsterrad ohne Ausweg rauskommst... notfalls brechen wir einfach ein paar der Laufstäbe raus... ;) |
| Nnordy | Es mag normal sein - und doch wird es mir immer und immer wieder von verschiedenen Personen als 'mein Defizit' angekreidet... Bei solchen Aussagen wie 'In dieser Hinsicht bist Du halt sozial inkompetent' möchte ich mir am liebsten nur noch die Hände über die Ohren schlagen und nicht mehr hinhören... Inkompetenz impliziert Schuld. Und schon bin ich wieder am Ausgangspunkt... Ich finde es nicht schlimm, daß ich in dieser Hinsicht bin wie ich bin. Denn eigentlich war es schon immer so, und als Kind habe ich darunter gelitten, nie voll in irgendwelche Cliquen integriert zu sein, war immer 5. Rad am Wagen, halb dabei, maximal, aber nie so richtig. Irgendwann brauchte ich dieses Gefühl der Cliquenzugehörigkeit auch nicht mehr - dann, als ich endlich mal ein Selbstbewußtsein bekam, doch das hat lange gedauert, sehr lange. Bis dahin erfuhr ich immer wieder, daß es irgendwo 'meine Schuld' ist, wenn die anderen mich nicht mit einbeziehen, mich nicht dabei haben wollen, wenn ich nicht auf sie zugehen kann. Egal ob in der Schule, in der Konfigruppe, im Turnverein - nie gehörte ich dazu. Immer war ich 'ganz anders als die anderen'. Heute bin ich froh darum - beweist es mir doch, daß gewisse Sachen einfach sind und sein können, wie sie eben sind. Aber das heute wieder als Defizit angekreidet zu bekommen - das tut mir zugleich weh und macht mich wütend. Ich will nicht mehr hinhören. Und doch nehmen meine Ohren jeden Buchstaben, jede Silbe und jedes Wort wahr, das man zu mir sagt. Und sie pieksen, kleine Nadeln in meiner Haut. Manche sind größer. Einige haben rote Streifen von Blut hinterlassen. Anyway. Du bringst mir derzeit so viel Liebe und Wärme entgegen - ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich bin vorsichtig geworden, mißtrauisch. Wie ein scheues Reh, jederzeit bereit zur Flucht, horche ich ängstlich hinaus und verfluche dieses kleine Stecknadelköpfchen namens Hoffnung, das beharrlich in meinem Inneren glimmt und sich standhaft weigert, zu verlöschen. Manchmal glaube ich, alles wäre einfacher, wenn dieses Licht nicht mehr wäre. Resigniert und comfortably numb. Aber es mag flackern, kurz dunkel werden - es geht nicht aus. Noch nicht? Meine eigene Sturheit diesbezüglich erstaunt mich. Auf die Frage nach dem 'Warum' habe ich jemandem mal halb im Scherz gesagt, daß ich die Herausforderung brauche. Ich habe mir aber nie klar gemacht, was es heißt, ein ganzes Leben lang immer wieder aus Neue mit der Herausforderung klarkommen zu müssen. Habe mir nie klargemacht, wie schwer es sein kann, das Schwert wieder aufzuheben, wenn man völlig ausgelaugt und am Ende ist. Wieder hinauszugehen, wenn der Vorhang sich zum nächsten Akt hebt, während man doch nichts mehr will als einfach von der Bühne abgehen, in die Garderobe, und dort die Maske endlich abzunehmen. Stattdessen - weiterkämpfen. Weiterspielen. The show must go on. Es ist seltsam - seit meinem 6. Lebensjahr stehe ich auf der Bühne. Im Turnverein, mit den Tanzgruppen, mit der Theatergruppe und später im Chor und mit der Band. Ich stand in der Agra-Halle vor mehreren Tausend Leuten auf der Bühne, habe gesanglich eine Katastrophe abgeliefert aber es machte mir in dem Moment nichts aus. Dafür bin ich zu sehr Profi. Ich bin Bühnenauftritte gewohnt, und ich glaube, daß ich auch eine gewisse Bühnenpräsenz besitze - auch, wenn das Mikro live immer zu meinem Feind wird. ["Du mußt lauter sein, sonst hört Dich keiner." - "Ich will aber doch singen, nicht brüllen..." - "Dann mach gefälligst den Mund auf!"] Es macht mir nichts aus, auf der Bühne zu stehen - Lampenfieber ist normal. Und ich gehe raus und weiß, daß die Zuschauer eine gewisse Erwartungshaltung haben, und ich diese erfüllen kann und in dem Moment auch will. Aber das ich nicht mal meine innersten Seelenmomente ausleben kann wenn andere Menschen da sind, sondern nur vor mir selbst, weil ich immerzu die Darstellerin sein soll - das will ich nicht. Aber es ist so. [COLOR=royalblue]'The show must go on The show must go on Inside my heart is breaking, My make-up may be flaking But my smile - still stays on...'[/COLOR] Nur die Sache mit dem Lächeln, die klappt inzwischen nur noch gequält. On with the show... |
| Nnordy | [COLOR=teal]Traurigkeit Die mir noch gestern glühten Sind heut dem Tod geweiht, Blüten fallen um Blüten Vom Baum der Traurigkeit. Ich seh sie fallen, fallen Wie Schnee auf meinem Pfad, Die Schritte nicht mehr hallen, Das lange Schweigen naht. Der Himmel hat nicht Sterne, Das Herz nicht Liebe mehr, Es schweigt die graue Ferne, Die Welt ward alt und leer. Wer kann sein Herz behüten In dieser bösen Zeit? Es fallen Blüten um Blüten Vom Baum der Traurigkeit. (Hermann Hesse)[/COLOR] Und wenn die Blüten alle herabgefallen sind, steht dort ein leerer kahler Baum - die Resignation. Ein Sich-Abfinden, den Widerstand aufgeben, ein Zurücksinken und Annehmen dessen, was ja 'ohnehin nicht zu ändern' ist. Nur manchmal regt sich vielleicht noch ein leises Lüftchen, streicht durch die nackten Zweige, weht mit sich einen Hauch der Erinnerung von Zeiten, in denen es anders war, wehmütig seufzen die Geister vergangener Augenblicke ein letztes Mal und werden dann für immer verweht... Blüten fallen um Blüten... auf den harten zertrampelten Boden eines Schlachtfeldes. Innen und außen. Ich wandere durch Trümmer und Ruinen, seltsam unberührt, aber doch traurig, und werde mir der Paradoxie bewußt, die mich seit langer Zeit bestimmt. Immer wenn ich dachte, am Ende zu sein, ging es doch noch weiter, irgendwie... Nach dem ohrenbetäubenden Kampfeslärm ist es nun ganz ruhig, eine gespenstische Stille in einer geschundenen Landschaft. Irgendwo dahinter muß mein Garten liegen, irgendwo hinter dem Schutt und dem Staub und dem letzten Abglanz von Lebendigkeit. Der Himmel hat nicht Sterne... Schwarz ist er, schwarz und leer, alle Lichter verschwunden, ausgegangen, ausgeblasen. Als hätte eine riesenhafte Hand eine Tafel leergewischt, sind all meine liebgewonnenen Sterne und Sternbilder ins Dunkel des Vergessens abgetaucht und haben dabei Schalk und die letzten Reste kindlicher Energie mitgenommen. Das Herz nicht Liebe mehr... Manchmal scheint es mir so, so lange, bis ich den Impuls, das kleine schwarze nervende Chinchillavieh zwischen die Ohren zu knutschen, nicht unterdrücken kann, bis ich merke, wie mir doch noch Tränen kommen, wenn ich an meine Omi denke, an Gerd, an Uwe, bis mein Herz doch wieder einen Schlag aussetzt, wenn ein unbedachtes Wort sich wie ein Messer hineinbohrt, bis meine Fassade vor mir selbst einmal mehr zusammenbricht und mich als schluchzendes Bündel mit trockenen Augen krampfgeschüttelt zurückläßt. Es schweigt die graue Ferne... Sie ruft mich nicht länger. Alles ist still, so still, daß man denkt, man sei taub geworden, eine Stille die unbarmherzig auf die Ohren drückt, so daß man schreien möchte, nur um ein Geräusch zu hören abgesehen von dem Knirschen der Steine unter den Schuhen. Die Welt ward alt und leer... 'Findest Du nicht auch, daß das Grün der Bäume und Gräser im Sommer am saftigsten wirkt?' Und ich wollte doch keine biologische Erklärung, sondern einen Rest Poesie - doch die Poesie ist uns abhanden gekommen, einmal mehr. Irgendwo bin ich in meinem Inneren vielleicht doch das, was ich einst als Kind sein wollte - Schriftstellerin, Dichterin. Ich brauche den poetischen Ausdruck wie die Luft zum Atmen, selbst das allumschließende Grau kann poetisch sein, wenn ich es nur zulasse. Aber die Leere ist nicht poetisch - sie ist nicht. Und sie ist nichts. Bei ihrem Anblick überfällt mich das Grauen, der letzte Rest von Leben und Wärme, der noch in mir ist. Blüten um Blüten vom Baum der Traurigkeit... Fallen ist passiv. Fallen passiert. Ich will nicht passieren. Ich will sein. |
| Jester | "Weine ruhig kleine Nnordy, warum solltest du es auch nicht tun, es ist sogar eine der logischten Dinge die man zu tun in der Lage ist so man vor verdörrter Erde steht. Tränen fallen, geradezu passiv wie du es denken pflegst, doch dann werden sie, sobald zie zerschellend und Staub aufwirbelnd den Boden erreichen, aktiv. Gerade solche Tränen sind es die beginnen ein Gegengewicht zu der Dörre zu erschaffen, wenn auch ein kleines und eigentlich viel zu salzhaltiges, aber glaub mir kleine Nnordy, die Verdurstenden haben gelernt nicht wählerisch zu sein." >---< So marschiert der Narr langsam den Fußspuren der Gartenbesitzerin hinterher, gerade soweit das er nicht zu erblicken ist und nur so laut denkend das der Wind vielleicht eine leise Ahnung zu ihr tragen kann. >---< "Ändern wir das Szenario, du sprichst von soviel Kälte, eine Sache welche sicherlich die Tränen daran hindern könnte als Flüßigkeit auf den Boden zu treffen,... wahrlich traurig, so sie durch die Kälte in ihre kristalline Form gedrängt wurden, nicht nährend in den Boden eindringen können. Aber auch dann kann man verwendung finden kleine Nnordy, wenn man sie so daliegen sieht, wie kleine Kristalle, glasklar,... wahrheiten Bergen welche Worte nicht manifestieren können. >---< Das Lächeln des Narrs ändert sich geradezu unmerklich, aber die Temperatur um ihn ändert sich, und kurze Zeit später sind es keien kleinen Miniaturenpfützen mehr welche er vorfindet, sondern kleine Kristalle welche in fast regelmäßigen Abständen auf dem Boden liegen, halb in den Staub eingegraben. Er bleibt stehen und senkt eines seiner Knie in den Staub hinab, geht in eine geradezu demütige Haltung über um dann, als ob er ein Embryo aufheben würde mit geradezu übertriebener Vorsicht eine dieser kristallisierten Tränen aufnimmt. Ein leichter Hauch auf die Träne, dann erhebt sich der Narr, schaut zu jenem Himmel hinauf welcher keine Konturen zu beherbergen scheint, lächelt,... und schnippst,... ... der Kristall saust los, doch anstatt den Gesetzen der Physik zu gehorchen saust er hinfort, überholt seinen Ursprung, die Gärtnerin, und bleib dann am Himmel hängen, von Innen leuchtend. >---< "Nimm dir deinen eigenen Nordstern kleine Nnordy und folge ihm,... gehe hinfort zu deinem Garten, und sicherlich, du wirst ein Tor finden hinter welchem du das vorfinden wirst was du als deinen Garten definierst, einfach weil es so aussieht wie du dir einen Garten vorstellst. Und doch stehst du auch jetzt schon in deinem Garten, er ist unter dir, über dir und überall um dich her. Es gibt soviele Gartentore und Zäune hier, du hast sie alle gezogen und dann gleich wieder dein Werk vergessen. Es gibt soviele Gärten in deinem Garten,... und doch ist es nur einer. Genauso wie es so viele Gefühle in dir gibt,... soviele Gedanken,.... und doch gibt es nur dich. Kleine Nnordy, wander durch dich hindurch, blicke dich ruhig um und erlebe all die Gefühle die du dabei hast. Ja,... erlebe in dem Moment in dem du jenen Gartenabschnitt erblicks ein Abbild des Gefühls der ihn erschuf,.... und dann wird sich zeigen ob dieses Gefühl dich wieder übermannt, oder ob du bereit bist es ein wenig zu ändern, auf das es beim nächsten Besuch leicht verändert ist. Dieser Garten brauch andere Gartengeräte, keine Harken und Schaufeln, keine Wassersprenger und Rasentrimmer,.... nein, solche Gegenstände sind hier nur wie Steine welche du in einen See wirfst,... sie verändern die Struktur nur kurz, aber sie wird wieder zum Grundlegendem zurückkehren. Das einzige was bleibt ist ein weiterer Stein am Grunde. Aber das was in deinem Herzen wohnt (für was es sich zu kämpfen lohnt) das ist es was diesen Garten behütet, pflegt und gedeihen lässt. Es [COLOR=teal]ist[/COLOR] dein Garten kleine Nnordy, dein Leben,... Du!" >---< Zwei Finger an den Lippen, eine kleine Bewegung eben dieser und ein Windhauch umspielt den Nacken des Narren um die letzen Worte mitzunehmen, auf das sie, wenn ebenfalls nur ein Flüstern, doch deutlicher zu ihr dringen mögen. |
| Jester | Wieder eine leicht merkliche Änderung im Lächeln, welche doch so viel am Gesamtbild zu rütteln mag. Unbeschwertheit folgt eine gewisse Betrübtheit, und kleine Furchen bilden sich auf dem Gesicht welche auf einem alten Schmerz deuten, alt und eingesessen wirken sie, wie Ruinen aus vergessen Tagen welche wieder zu Tage geführt wurden. >---< Die Menschen sind doch ein merkwürdiger haufen, gefangen in einem konstrukt, welches sie sich selbst erbaut haben. und ja meine Lieben, wie oft sagt man das es von Aussen zu kommen scheint was einen so betrübt,... und sicherlich, auch vom Äusseren kommen diese kleinen Schubser welche einen auf dem Pfad halten welchen man gerade beschreitet. Aber dennoch, es wirkt alles nur ein, vermag aber nicht aus eigener Kraft die Wurzel, oder viel mehr gesagt den Kern, zu beeinflussen, auch wenn man sich schnell dieser Illusion hingeben möchte, da sie alles von einem weg schiebt, es ertragbarer zu machen scheint während es sich in wirklichkeit doch nur durch die Seele gräbt. Wenn man dem eigenem Herz nicht traut, so hat man seine eigene Stimme verloren,... wie oft bedauert man Stumme Menschen und denkt hierbei nur jene welche die physische Stimme verloren haben. Doch was ist mit jenen Menschen die zu sich selbst verstummen, diese haben nämlich mit mehr zu kämpfen als jene physisch stummen. Herzen verstummen nicht,... denn sie müssen sprechen damit ein Mensch leben kann, sie sprechen unentwegt, ja, der Schmerz den sie uns manch einmal geben ist auch nur ein von ihnen gesprochenes Wort, meist auch ein Wort ohne Zorn, doch trotzdem wird es nicht verstanden,.... ja zuweilen wird es dafür sogar verwünscht,... Die Menschen beginne nicht mehr hinzuhören, weil sie die Worte missverstanden haben, und wenn die Worte kommen welche alles zu erklären in der Lage wären hört man schon lange nicht mehr hin. Zurück bleibt eine falsche Erinnerung, womöglich genährt von physischen Worten anderer, welche keine Wirklichkeit besitzen wie jene Worte welche man verleumdet. Man redet von leere, und meinen tut man verschlossene Augen oder Ignoranz. Und die Blinden und Tauben werden immer mehr, reiben sich aneinander und verdingen sich in den gegenseitig gegebenen Erklärungen ihrer Not, ohne das sie auf die Stimme hören würden die einzig Linderung bringen kann. Manche reden von der Seele, manche vom Herzen... ... und wiederrum andere von Gärten. Und wer etwas verschliesst, der zeigt sich auch in der lage es wieder zu öffnen, auch wenn es schwerlich erscheint und man geglaubt hätte den Schlüssel verlegt zu haben,... denn für diese Gärten sind Schl0ß und Schlüssel eins, und beides ist der der Garten... Doch irgendwann kann sich ein jeder besinnen, die Augen öffnen, im Garten wandeln. Doch es sind Geschichten die ich nun auch nicht mehr zu erzählen vermag, die Zeit zu knapp, doch erzählte ich sie auch an anderer Stelle schon, und sicherlich werden noch mehr Geschichten folgen, denn ich schreibe sie weiter mit jedem meiner [COLOR=red]Herzschläge[/COLOR]. |
| Nnordy | [SIZE=1]Nemain, Du mußt Dich nicht entschuldigen - hier ist jeder willkommen, der seinem Herzen lauschen möchte... Herr Narr, ich danke Ihnen für Ihre Gedanken, sie zaubern fast immer ein Lächeln auf mein Gesicht... (Ich denke an Dich und Euch da oben, und wünsche Euch alles Gute!)[/SIZE] [COLOR=royalblue]Kleiner Gesang Regenbogengedicht, Zauber aus sterbendem Licht, Glück wie Musik zerronnen, Schmerz im Madonnengesicht, Daseins bittere Wonnen... Blüten vom Sturm gefegt, Kränze auf Gräber gelegt, Heiterkeit ohne Dauer, Stern, der ins Dunkel fällt: Schleier von Schönheit und Trauer Über dem Abgrund der Welt. (Hermann Hesse)[/COLOR] Fast ist es schon unheimlich, wie ergreifend gerade die Altersgedichte von Hesse sind. Das letzte Gedicht, das er vor seinem Tod geschrieben hat, "Knarren eines geknickten Astes", überarbeitete er dreimal, die 3. und letzte Version davon brachte er einen Tag vor seinem Tod am 9. August 1962 zu Papier. Seine Gedichte sind häufig wie seine Aquarelle - einfach, mit einer gewissen spröden Naivität versehen, dabei zart und sanft wie eine Welle, die leise ans Ufer schlägt, wie ein leichter Windhauch über der See, ein kurzer Sommerregen an einem Abend im Juli. Viele seiner Gedichte atmen Melancholie, sind die Worte für die blaue Stunde wenn die Welt unwirklich wird und alle Sorgen für kurze Zeit ebenso irreal werden. Und war der 'Steppenwolf' damals, 1992, schon das Buch im Deutsch-LK, das mich am meisten berührte, in dem ich mich am besten wiederfand, das direkt zu mir sprach, so verwundert es mich heute auch nicht, wenn ich immer und immer wieder zu Hesse zurückkehre, in der Lyrik und im Leben. Auch er war ein Suchender, ein ewig Getriebener, kam zeitlebens nie wirklich zur Ruhe, so scheint es zumindest. Und doch ist in seinem Werk die unstillbare Sehnsucht nach dem Anker, dem Ort wo seines Bleibens ist, einem Leben das zu leben sich lohnt fühl- und lesbar. Er gehört sicherlich mit zu den Personen, die ich gern persönlich kennengelernt hätte - doch mal wieder bin ich zu spät geboren. Wenn die Worte fremder Menschen zu meiner Identifikationsfläche werden - muß ich mir dann Sorgen um meinen Geisteszustand machen? Mein Kopf ist so voll, schon den ganzen Tag saß ich wie ein Geist auf der Arbeit, in der Hitze des Tages, und konnte nichts mehr in mein Gehirn packen, aus Angst, daß es dann schlichtweg explodiert. Mein Kopf ist randvoll mit Müll, und ich habe keine Ahnung, wie ich ihn 'entmüllen' soll. Mein Kopf wiegt so schwer wie mein Herz manchmal wiegt - je t'aime mélancholie... Die Sonne scheint und ich fühle mich wie Herbst. Auf nebelbedeckten Straßen, im ersten Licht des aufgehenden Mondes beschreite ich den unbekannten Weg, der eine Mischung aus mehreren bekannten ist, Fuß vor Fuß, Schritt für Schritt. Es ist nicht kalt, das Geräusch meiner Schritte wird gedämpft durch die bunten Blätter, über die ich laufe, und es ist ganz ganz still, so still, wie nur ein Nebelabend sein kann, in meinem geliebten Herbst. Und vielleicht, wenn ich nur lange genug laufe, werde ich irgendwann eins mit dem Nebel und verschwinde einfach... Je t'aime mélancholie... |
| Nnordy | [COLOR=teal]Knarren eines geknickten Astes (3. Fassung) Splittrig geknickter Ast, Hangend schon Jahr um Jahr, Trocken knarrt er im Wind sein Lied, Ohne Laub, ohne Rinde, Kahl, fahl, zu langen Lebens, Zu langen Sterbens müd. Hart klingt und zäh sein Gesang, Klingt trotzig, klingt heimlich bang Noch einen Sommer, Noch einen Winter lang. (Hermann Hesse, 8. August 1962)[/COLOR] Müdigkeit, auch ein großer Themenkomplex bei Hesse. Auch ich bin müde, so müde. Wie müde ich eigentlich bin, bemerke ich letztlich immer an meinen sinkenden 'Belastungsgrenzen' - wenn schon ein Wort oder ein bestimmter Tonfall ausreichen, um mich aus der Bahn zu werfen. Vielleicht bin ich hypersensibel - das ändert aber leider nichts. Ich kann dem mit meiner Ratio nicht entgegenwirken - meine Emotio war schon immer stärker. Schwere schwarze Wolken verdunkeln den Garten, ein Gewitter liegt abermals in der Luft. Die Härchen an meinen Armen stellen sich auf, und über meinem Herzen liegt eine Gänsehaut. Das Unberechenbare, Uneinschätzbare lauert um die Ecke, bereit loszuschlagen, wann immer ich meine Deckung sinken lasse. Ich verändere mich, merke, wie mich die Maschine langsam klein mahlt, sehe schon dräuend die Form, in die ich gepresst werden soll, am Ende des Fließbandes liegen. Und ich liege, müde und schlapp und gleichgültig, lasse mich dorthin tragen, obschon es das ist, was seit jeher ein Grauen in mir auslöst. Doch ich muß meinen Willen wiederfinden, um agieren zu können, oder auch nur um reagieren zu können - aber ich habe ihn verloren, verlegt, fallen gelassen ohne zu wissen wo. Du brichst mich, manchmal ganz unvermittelt, immer und immer wieder. Vielleicht sogar ohne böse Absicht - weil Dir nicht klar ist, wie fragil ich sein kann. Daß es in manchen Zeiten nur einer Winzigkeit bedarf, um mein Rückgrat brechen zu lassen. Und wenn Du es wüßtest - wäre es Dir egal? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Doch ich stehe im weißen Nebel, ganz ohne Weg, und wohin ich mich wende, da ist nur weiße Leere. Wie finde ich mich wieder? '... Noch einen Sommer, Noch einen Winter lang.' |
| decay73 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nnordy [/i] [B]Doch ich stehe im weißen Nebel, ganz ohne Weg, und wohin ich mich wende, da ist nur weiße Leere. Wie finde ich mich wieder? g.' [/B][/QUOTE] Indem du in dich selbst schaust, wenn drumherum nur weißer Nebel zu sehen ist, der keinen Halt bietet! Die vor dir beschriebene Gereiztheit, die sinkende Belastungsgrenze kenne ich auch und ich frage mich manchmal, warum ich ruhig bleiben soll, wo doch alle anderen um mich herum bereits dem Wahnsinn verfallen sind? Ganz einfach: Ich kann nicht anders. Also mache ich so weiter und versuche nur, nicht alles an mich ran zu lassen. Ein Versuch ist es immer wert... Liebe Grüße! |
| Jester | In einer dunklen Ecke, eine jener von welcher die Gärtnerin gerade zu sprechen wagte, begann sich etwas zu regen. Neben ein dort schon lauerndes, ja die Gärtnerin wohl beobachtenes, Wesen, gesellt sich ein weiteres. Es ist der Narr, den Gedanken lauschend welche zu ihm herüberdringen während er, fast geistesabwesend wirkend, dem Wesen neben sich den Kopf tätschelt. >---< "Alles was man fürchtet gewinnt in diesen Welten die Form von lauernden "Monstern", eigentlich eine schöne Art und Weise dieser Welt etwas zu betrachten, auch wenn man es weniger der Welt, denn den Menschen an sich zu verdanken hat. Ja, diese "Monster" sind fassbarer, haben sogar, so man sich eine gewisse kindliche Muthaftigkeit aufbewahrt hat, weit weniger furchtbares als ein Gedankenkonstrukt ohne Form. Und du hier mein kleiner bist also auch aus Nnordy´s kleinem Zoo,... bist ja Zeitweise in mannigfaltiger Gesellschaft, nur so unbeständig seid ihr alle, mal verschwindet ihr für eine Zeit und dann taucht ihr doch wieder auf. Und trotzdem, Nnordy glaubt die meiste Zeit das du hier sitzt, bis dieser Glaube von ihr wirklich wieder so stark wird das dieser Glaube "Wahrheit" wird. Naja, nun bist du mal wieder hier, nährst dich an ihren Gefühlen,.... Hundekuchen für die Wesen welche in den Schatten leben." >---< Aus der Tasche kramt der Narr ein kleines etwas heraus, geformt wie ein Zuckerdrops, doch ein leises kreischen scheint davon auszugehen. Langsam dreht er zwischen seinen Fingern und betrachtet es, während sich in den Tintenschwarzen Augen etwas zu bewegen scheint, Bilder welche keine Reflektion der Umgebung, sondern vielmehr der Vergangenheit sind. >---< "Hier mein Kleiner, nimm dies. Ich weiss, diese Ängste sind ein wenig älter, aber glaube mir, ich habe mir jegliche Mühe gegeben sie frisch zu halten. Nähre dich ein wenig an ihnen, seh es als kleine Belohnung dafür, das du kurzweilig nicht an der lieben Nnordy herumknabberst, ich brauche dieses "Bonbon" eh nicht mehr, habe ihn eher nur des habens willens behalten. >---< Dem Wesen diesen "Bonbon" zuwerfend wendet sich der Narr ab, geht ein Stückchen weiter, zu jener Maschine von der gesprochen wurde. Ein wahrer Moloch, die Technik halt, welche doch so unangebracht in diesen Gärten wirkt. Aber die Gärtnerin hatte sie erschaffen, so würde sich der Narr damit abfinden das sie hier ist, ihre Funktionsweise allerdings ist doch etwas was er nicht so ohne weiteres hinnehmen will, und auch wenn seine Möglichkeiten hier eingeschränkter sind als wohl anderswo, so sind Grenzen doch manch einmal recht flexibel. Mit einem kräftigem Satz aus der Hocke springt er auf die Maschine, genau über der Presse welche die Form auf die Gegenform presst und betrachtet die Formen eingehenst. >---< "Wahrlich keine passende Form für dich kleine Nnordy, wahrlich nicht,...! Wenn ich sie so betrachte so würde sie das Skelett deiner Seele zerschmettern, nur um es danach in diese, doch zugegebener Maßen unschöne, Form zu bringen. Ergib dich nich dahingehend das du dich auf dem Laufband, welches dich immer näher an diese Form trägt, ausruhst. Aber ich glaube eh nicht das du das tun würdest, wie immer eigentlich. Die Frage ist nur wie knapp du es werden lässt, vielleicht liegt daran auch die mögliche Schädlichkeit der Situation, denn wie ich schon sagte, die Gefahr der Presse sehe ich für dich nicht. Aber lass mich etwas versuchen, lass mich nur schnell diese Pressformen hier, jede Zweite in dem Magazin welches sich hier dreht, austauschen gegen eine, welche deiner jetzigen Form entspricht. Ach wie gerne würde ich dir alle austauschen, aber diese Kraft ist mir hier nicht gegeben, ausserdem würde ich es nicht wollen,... man soll nicht zu viel an den anderen Gärten zu ändern versuchen, denn zu viele fremde Pflanzen lassen die heimischen verderben. Mit Maße gehe ich also hier zu Werke, soviel ich mir zu erlauben Wage, so wird Fortuna richten wenn es doch zum ärgsten kommen sollte und ich habe mir in einer wie auch in anderer Hinsicht nichts vorzuwerfen." >---< Mit einem Wink über dem Magazin verabschiedet er sich auch wieder von der Maschine, , springt hinab, mitten in den Nebel welcher zur Zeit den Garten verhängt. Langsam schlendert er, während er mit dem Finger langsam Spiralen in den Nebel zieht. >---< "Ach kleine Nnordy, du wärst der Teufel für einen jeden Meteorologen welcher hier seiner Berufung nachgehen wollte. Sonnenschein, Gewitter, Nebel,... manchmal einfach in einander übergehend oder diffuse Zwischenstadien einnehmend,... Ich glaube noch nicht einmal das die Meteorologie für das Wetter hier Wörter hätte, dürfte trotzdem amüsant sein den Versuch der Vorraussage mit anzuhören. Im übrigen, mach dir nicht unbedingt so viele Sorgen das du den Weg nicht sehen kannst, er ist hier, und dort drüben ist auch ein anderer, ja, es wimmelt hier vor ihnen. Mehr Sorgen solltest du dir machen wenn du kürzlich ein Gewässer oder eine Schlucht deinem Garten hinzugefügt hättest, aber selbst jenen kann man vorsichtig begegnen, selbst wenn man der Sicht beraubt ist. Nur rennen solltest du in einer solchen Situation nicht, aber rennen ist sowieso immer so unentspannt, ich würde allgemein davon abraten." >---< Leise schleicht der Narr durch den Nebel, bewegt sich absolut lautlos in dieser disigen Suppe welche ihn fast körperlich umspült. Kurz hinter Nnordy bleibt er stehen, kurz verharrend und dann ganz leicht in den Nacken pustend. >---< "Flieg kleines Segel, aber nicht zu schnell. Treib dein Boot voran, durch die Strömungen hindurch" >---< Im gleichen Moment war er verschwunden, nur die Worte blieben zurück,... während der Narr schon wieder das "Monster" streichelte und es angrinste. |
| Nnordy | "und Du hast so gestrahlt an diesem Abend..." Habe ich das wirklich? War es nicht eher die Betäubung die durch die Art von Tätigsein erwächst wenn ich mich zwischen vielen Menschen bewege, jedem meine volle Aufmerksamkeit zukommen lasse die er verdient, ohne dabei jemals ganz bei mir selbst zu sein? Und, wenn ich es denn bin, ist es dann nicht eher so wie in dieser symptomatischen Situation, in der ich nicht imstande bin zu artikulieren was ich wirklich will, ohne darüber in Tränen auszubrechen? "Irgendwie schaffe ich es immer nur, Dich zum Weinen zu bringen", sagte er - und er hatte Recht. Weil er, obschon er mich gerade einmal zwei Jahre kennt, schon viel mehr von der Person hinter der Maske gesehen hat, als ich normalerweise zulasse. Weil er jemand ist, der nicht fordert, redet, stochert - sondern jemand, der sich seine Meinung still bildet, maximal einmal nachfragt, um einen bestimmten Punkt zu klären oder ein bestimmtes Merkmal auf richtig oder falsch zu überprüfen. Und weil mir die Wertschätzung eines solchen Menschen dreimal mehr bedeutet als viele der 'ach Du bist ja so toll', die ich so manches Mal zu hören bekomme. Aber was an mir so 'toll' sein soll - das kann mir dann doch wieder keiner sagen. Ich brauche kein 'oberflächlich toll sein' - denn das bin ich nunmal nicht. Ich muß es auch nicht sein. Scheiß auf everybody's darling - wem ich nicht passe, dem passe ich nunmal nicht. 'Toll' hin oder her. Gegenseitiges Erkennen und Akzeptieren, Respektieren - ein Kopfnicken und ein Wort der Achtung, das sind Dinge, die mir etwas bedeuten. Auf gleicher Augenhöhe sein - nicht irgendwo höher oder niedriger. Ich hasse es, wenn man mich kleiner macht als ich bin - Ausnahme bin ich selbst, denn nur so halte ich mich von ungerechtfertigten Höhenflügen ab. So viele Menschen versuchen andere kleiner zu machen, nur damit sie sich selbst größer und besser fühlen können. Und viele gibt es, die lassen es mit sich machen, weil es ihnen so anerzogen wurde, oder weil sie es einfach nicht besser wissen. Ich hasse es, wenn man mich größer macht, als ich bin - und damit einen Erwartungsdruck aufbaut, dem ich doch letztendlich nie gewachsen sein kann. Ständig wird erwartet: "Du machst das schon", "Du packst das schon", "Das kannst Du doch", "Probier es doch einfach, ich weiß daß Du das schaffst". Ich will nicht schaffen. Ich will nicht machen. So lange ich meiner selbst nicht mehr sicher bin, kann ich diese ganzen Erwartungen nicht gebrauchen. Muß mich doch selbst erstmal wiederfinden, ausloten, ob und was ich überhaupt kann - wenn es denn etwas gibt, was erwähnenswert sein sollte. All das, von dem ich einmal dachte, daß es mir zu eigen sei, hat sich verflüchtigt - in diesem defizitären Gebilde, als das ich nach außen erscheine. Ich habe meine Ecken und Kanten, meine Macken und schlechten Eigenschaften. Ich kann nicht verlieren, ich stoße Leute leicht vor den Kopf, ich kann mich nicht gut entschuldigen, und wenn drei Fettnäpfchen vorhanden sind springe ich in fünf hinein. Taktgefühl war noch nie meine Stärke und ich neige zu übersteigerter Dramatik und Theatralik. Wenn mir etwas nicht paßt reagiere ich mit ausgesprochen mieser Laune oder totalem Rückzug, und im Artikulieren von Problemen oder Sorgen bin ich eine absolute Niete. Man hat mir mal gesagt, ich wirke auf manche Leute arrogant - mag sein, daß das auch daher kommt, weil ich manchmal einen etwas antiquierten REde- und Schreibstil an den Tag lege. Aber irgendwo habe ich doch auch gute Seiten. Wer mich besser kennt, weiß das. Ich bin ein Mensch. Nur ein Mensch. Mit dem Recht auf Ecken und Kanten. Mit dem Recht, dennoch oder gerade auch deswegen akzeptiert zu werden, respektiert zu werden. Das ist die einzige Erwartungshaltung, die ich meinerseits an die Außenwelt habe - Respekt vor mir und meiner Person, genauso, wie ich sie anderen Menschen gegenüber an den Tag lege. Respekt ist zu zeitaufwendig in einer schnellebigen Welt, so scheint es mir. Akzeptanz, dieser schwierige und aktive Prozess, ist es ebenso. Und wer weiß schon, ob es sich lohnt? Zwischenmenschliche Erfahrungen werden in betriebswirtschaftlichen Dimensionen gemessen. Das ist schlichtweg pervers. Ich habe Angst vor dem Wochenende. Eigentlich sollte ich mich freuen, treffe ich doch Menschen wieder, die mir viel bedeuten, und von denen ich annehme, daß es ihnen umgekehrt genauso geht. Doch wieder ist der Beigeschmack von 'defizitär' vorhanden, für den in diesem Fall niemand was kann, außer mein angeschlagenes Ego, das in dieser Hinsicht so hoffnungslos und traurig ist. Ich will keinen falschen Schein, kein falsches Strahlen. Doch ich weiß auch nicht, was überhaupt noch an Wirklichem aus mir selbst kommen kann. So betäube ich mich jeden Tag, wieder und wieder, um dem Nachdenken zu entgehen, den Gedanken aus Staub und verwirbelndem Nebel, die mich vielleicht an Orte geleiten könnten, die ich nie wieder sehen wollte... |
| Jester | Oh, Liebe Nnordy, du liessest mich gerade Lächeln, nicht ob der Worte an sich und deren Bedeutung, diese sind nicht wirklich etwas zum lächeln, sondern vielmehr über die Ehrlichkeit welche in ihnen liegt, was mir sehr sympathisch ist. Ausserdem sind soviele Aussagen in ihnen, viele Wahrheiten welche ich auch für mich selbst gefunden habe, Ansprüche welche ich auch an mich und mein Umfeld stelle. Ja, ich habe doch recht viel von mir selbst in diesen deinen Worten gelesen. Die Oberflächlichkeiten, oder besser gesagt die Definition der eigenen Person anhand von Oberflächlichkeiten durch andere,... es kann ein Joch sein. Ein Joch welches zuweilen schwer auf den Schultern lastet, denn es bleiben einem wenige Möglichkeiten mit diesem "Lob" umzugehen, wenige Sichtweisen mit welchen man an sie herangehen kann, so geht es zumindest mir wo ich doch nicht die Blindheit aufbringen kann sie einfach als "Whrheiten" anzunehmen. Ich frage mich dann eigentlich nur ob man mich schonen will, sozusagen aus Freundlichkeit danach trachtet mein Ego aufzubohren, oder aber ob ich nach Aussen hin wirklich so erscheine. Wobei in letzterem Fall wieder die Frage aufkommt ob ich mich wirklich, auch unbewußt, so sehr verstelle, oder aber ob mein gesamtes Umfeld wirklich nur einen Oberflächlichen Blick auf mich wagt, vielleicht sogar gar nicht tiefer blicken will. So oder so kommt man, bei pessimistischer Sichtweise, auf eine resignierende Antwort. Wie oft diese wirklich zutrifft sei einmal dahingestellt, für das eigene Empfinden in diesem Moment erscheint es doch aber zumeist eher schlecht, was ja auch in deinem Falle der Usus zu sein scheint. Das "Erheben" und "Ducken". Ein schwieriges Thema, gerade auch wie du es hier erläuterst, da es gerade in diesem Kontext einen nicht zu vernachlässigenden Punkt gibt. Wenn man sagt das man es nicht mag wenn andere sich kleiner machen als sie sind, scheinbar um dem Ego des Gegenüber einen Gefallen zu tun, aber gleichzeitig zu den Menschen gehört welche sich kleiner Machen, und sei es aus einem Grund wie du ihn beschreibst, so kann es schnell zu einem "Problem kommen. Was passiert wenn zwei solche Menschen aufeinandertreffen, sie sich also beide kleiner machen? Man kommt in eine Situation in welcher es kein richtig mehr gibt. Beide versuchen sich unten zu halten, während sie unangnehm von eben jener Haltung des anderen sind. Die Haltung das es nur einem selbst zusteht sich klein zu machen wird somit zu einer, wenn auch ungewollten, egoistischen Haltung. Der Sichtweise der Dinge werden Scheuklappen aufgesetzt auf das man selbst seinen Weg einfacher bestreiten kann, das man dadurch genau die selbe Einfachheit den anderen zu entziehen versucht verliert man leider nur all zu schnell aus den Augen. Liebe Nnordy, ich kenne dich nicht wirklich gut, etwas anderes zu behaupten wäre mehr als nur anmaßend, wo die Gelgenheiten in denen ich dich sehen konnte doch an einer Hand abzuzählen sind, wobei selbiges für Telefonate gilt. Ich wage es also nicht davon auszugehen das ich dich wirklich kennen würde,... aber ich bilde mir eine Meinung über dich, auch anhand allder Worte die du hier schreibst. Eine Meinung welche sehr formbar bleibt, gerade aufgrund der Tatsache das ich dich halt nur "flüchtig" kenne, auch wenn diese Flüchtigkeit weit über dem liegt was es wörtlich auszusagen scheint, doch fehlt mir gerade ein passendes Wort. Doch wenn ich eins über dich gelernt habe, dann ist es vor allem auch das "klein machen", gerade auch vor dir selbst, was wohl auch nicht zuletzt aus einer sehr großen Erwartungshaltung erwächst welche du gegenüber dir selbst hast. Du bist Mensch wie ein jeder andere auch, so das Schwächen genauso zu dir gehören wie stärken, Kannten wie perfektionistische Züge. Was man behalten möchte ist die Ehrlichkeit von Aussen, und genau darin stimme ich sehr mit dir überein, denn dies ist die wahre Form von Respekt wie ich sie auch für mich definiere. Und es heisst sicherlich nicht einem alles Recht machen zu wollen und immer im "Schongang" zu agieren, vielmehr ist dies für mich eine der Respektlosigkeiten welche gefährlich werden kann. Ich lobe mir Ehrlichkeit, denn wenn sie aufrichtig und respektvoll ist, so wird sie auch nie wirklich verletzend sein können,... sie mag zwicken, aber nicht zerstörerisch wirken. Irgendwie schwirren mir gerade soviele Worte im Kopf umher, so viele Worte welche ich hier jetzt gerne niederschreiben würde, doch drängen sie sich so sehr am Ausgang, das sie sich gegenseitig blockieren,... zusammen mit den Gedanken welche ich meiner Arbeit widmen sollte,.... Nnordy, du bist gut so wie du bist, so wie ich dich kenne,... mit den Kanten und Ecken. Man übersieht sie nicht, aber man versteht sie zum Teil,... und vor allem erkennt man sie als einen Teil des Ganzen das man zu schätzen weiß! |
| Nnordy | [SIZE=1]Danke, lieber P., danke auch an alle diejenigen, die mir immer wieder gebetsmühlenartig sagen 'Du bist gut so wie Du bist' - es fällt mir so schwer, das anzunehmen, weil ich mich selber nicht mehr so empfinde, mich selber in den letzten Jahren immer mehr und mehr in Zweifel ziehe, als mängelbehaftet ansehe, als Sammelsurium an Unfertigkeiten und verqueren Zügen. Akzeptanz mir selbst gegenüber habe ich, so scheint es zumindest, lang vernachlässigt oder gar verlernt. Im Gegenzug fällt es aber so leicht, solche Dinge aus den Augen zu verlieren, wenn man über Abgründe hinwegtaumelt...[/SIZE] [COLOR=orangered]"Everytime we're intercepted Feels love like suicide Slow and sad, come in silence Arise a bitter mine See you at the bitter end..." (Placebo, "The bitter end")[/COLOR] Was ist es nur? Diese Wärme, die ich gerade wieder spüre? Ich möchte nicht durch meine Flucht in fremde Welten und Geschichten meine romantischen Gefühle von dort projizieren - ich traue mir selbst nicht mehr, weiß nicht mehr, was aus mir kommt und was 'von außen'. Bin verwirrt, verdreht, fühle mich manchmal wie 14 und manchmal wie 100. Das Wochenende hat nicht so weh getan wie ich dachte - es ging, als ich realisierte, daß ich Zeit habe. Noch. Wenn auch nicht mehr wirklich lange. Jeder Druck, der auf mir lastet, kommt von mir selbst, nicht anderswo her. Aber ich möchte mich nicht mehr den Gedankenspielen hingeben, den Phantasien, dem 'wenn wir dann erst einmal...', denn das tut immer noch weh. Will den Tag nicht vor dem Abend loben, will nicht glauben bevor ich sehe, will nicht hoffen, um nicht noch einmal so tief zu fallen. ich bin unsicher, und man hört es an meiner Stimme. Nie habe ich gemerkt wie verquer ich derzeit bin bis ich die Aufnahmen vom Samstag Abend gehört habe. Und obwohl ich es zweistimmig gesungen habe - einmal kopfig, einmal mit meiner besten Bruststimme - war deutlich zu merken, daß meine Stimme meinen momentanen Seelenzustand widerspiegelt. I want to bolt. Die Stimme flüchtet nach oben, flüchtet in die 'liebe kleine Kinder-Nnordy', und wenn ich merke, wie ich laufe, wie meine ganze Haltung ist, dann gibt es ein häßliches Wort dafür, wieder einmal in meiner 'geistigen' Muttersprache: Defeat. I'm feeling utterly defeated, shoulders slumped, eyes staring at the ground. Und vielleicht ist es ja besser so, denn viel zu lange habe ich nur nach oben geblickt, zu den Sternen, auch als ich schon lang nicht mehr fliegen konnte. Schwarze Erde zu meinen Füßen, und ein Duft wie von trockenen Sommerblumen in der Luft. Menschlich, nur allzu menschlich. Der Weg ist egal, und ich brauche ihn auch nicht, denn ich stolpere ohnehin einfach nur noch vorwärts, blindlings, weil es so sein muß, und nicht anders sein kann, schlafwandlerisch und traumlos. |
| Nnordy | [COLOR=sandybrown]"Die Hölle ist die Wiederholung."[/COLOR] Zu Redundanzen hatte ich schon als Stilmittel ein gespaltenes Verhältnis. Es gibt Werke, die leben davon. Aber prinzipiell ist mir der Parallelismus näher, auch wenn er ebenfalls etwas redundantes hat. Und dennoch - mit ihm kann ich Neues aussagen. Mit der Wiederholung nicht. Immergleiches Rotieren um die eigene Achse, sich ständig ins eigene Auge blickend, ein Spiegel hinter dem Spiegel hinter dem Spiegel, der immer nur das Gleiche zeigt. Mein Alltag besteht aus einer Aneinanderreihung von Wiederholungen, und auch wenn ich es mir wünsche, so fehlt mir doch - einmal wieder - die Kraft, daraus auszubrechen. Das allmorgendliche Aufstehen ist mir verhaßt, das auf der Arbeit sitzen und sich mit nichtigen Problemen herumschlagen ebenso, und der Hunger nach etwas, das mich aus dieser knechtischen Apathie herausreißt, wird immer und immer größer, wächst in mir, ein Tier, bereit zum Sprung. Ich merke jetzt, wie sehr mir die Gesangsstunden bei Ursula fehlen - die waren so ein Höhepunkt in der Woche, und lustigerweise einer, bei dem ich immer zu mir selbst fand, nicht in Redundanzen, sondern unter immer neuen Aspekten. Und wenn ich daran denke, was ich in dieser Zeit zum Teil zu stemmen hatte, und wie viel weniger Gedanken ich daran verschwendete und es einfach machte - dann ertappe ich mich beim Gedanken, daß ich mich nach dieser Leichtigkeit zurücksehne. Ich fühle mich, als würde ich mein Leben mit Belanglosigkeiten vergeuden - weit weg von der eigentlichen Bühne in einer schmutzigen Abstellkammer zwischen ausgedienten Besen und uralten, mottenzerfressenen Kostümen. Es ist nicht etwa ein wie auch immer gearteter 'Glamour', nach dem es mich verlangt - nein, nur der Wunsch nach Authentizität. Nach wahren Gefühlen, wahrem Erleben - nicht diese lauwarme vorgekochte gesellschaftlich akzeptierte Bürgerexistenz, die ich führe. Brav schultere ich mein Päckchen und schleppe es, auf dem Weg ohne Ziel, jeden Tag, und noch einen Tag, und einen weiteren. Wie Lemminge laufen wir, den Rücken gebeugt, den Kopf gesenkt, jeden Tag ein Stück näher zum Abgrund, every day a step further into oblivion. Es hat noch die Kraft, mich ein Stück weit zornig zu machen, ein ohnmächtiger Zorn in hellem Orange, der nicht mehr verbrennen kann, bloß noch einen warmen Lufthauch erzeugen. Und wie werde ich mich morgen zusammenreißen müssen, wenn ich dieses Interview machen muß, mit einem nachgewiesenen Profilneurotiker der wahrscheinlich schon einen Herzinfarkt bekommt wenn er mich nur sieht - schließlich kennt er ja nur den alten Kollegen, ein eher distinguierter Mann mittleren Alters... Ironisches Lächeln. Zynismus ist in diesen Tagen das, was mir am besten zu Gesicht steht. Alles fügt sich zu grotesken Mustern zusammen. Ich lächle, und weigere mich beharrlich, die kleine nasse Perle, die an meiner Wange hinuntergleitet, wahrzunehmen. |
| Nnordy | [COLOR=indigo]"No time to pray a farewell, farewell Another day, another life A broken mirror cuts your face Relentless words are driving mad... I coldly stare out to the sky..." (Pink Turns Blue - I coldly stare out)[/COLOR] Vielleicht hat es doch mehr Spuren hinterlassen, als ich dachte. Ich fühle mich fast schon verfolgt - ständig sehe ich Frauen mit dicken Bäuchen, in der Bahn, an der Ampel, an der Haltestelle, beim Einkaufen. Dazu noch meine ehemalige beste Schulfreundin, mit der ich lange Jahre unzertrennlich war, über das Internet wiedergefunden - sie ist ein halbes Jahr älter als ich, ist auch seit kurzem verheiratet und hat eine kleine Tochter, knapp ein Jahr alt. Ich bin paranoid, und ich weiß es. Habe resigniert - mal wieder. Kann mich seit Tagen kaum noch aufraffen, morgens aufzustehen, die letzten beiden Tage habe ich den Wecker jeweils nachgestellt, weil es schlichtweg unmöglich war, aus dem Bett zu krauchen und einem weiteren grauen Tag ins Gesicht zu sehen. Ich gehe von der Arbeit nach Hause mit dem Gefühl, der Tag sei vorbei, und kann mich absolut nicht dazu aufraffen, abends noch etwas Sinnvolles zu tun. Noch dazu hat mich der Guild Wars Server bereits zweimal rausgekickt - Unzufriedenheit, Frust. Es geht mir nicht gut, seit ein paar Tagen, und es ist mir deutlich anzumerken. Bin müde, niedergeschlagen, schiebe alles vor mir her, mag mich mit nichts wirklich auseinandersetzen. Das bestimmende Gefühl ist Lustlosigkeit - ich bin schlapp, nicht müde. Ich tue viel zu wenig, um müde sein zu können. I know this road, I've been here before - es ist der gerade Weg in die nächste Depression. Und er schnürt mir wieder die Kehle zu, vernäht mir die Lippen, lähmt meine Zunge. Kommunikation wird wieder schwer und schwieriger, und es fällt wieder so leicht, die bekannten Rückzugspositionen zu besetzen, die Augen zu schließen und so zu tun, als sei die Welt 'da draußen' gar nicht vorhanden. Siehst Du mich nicht, seh' ich Dich nicht. Sich dabei zu ertappen, wie man ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn die Flügel eines Traums das Bewußtsein streifen, wenn eine kleine Freude aufkommen möchte. Ich werde grau, grau und langweilig, und wahrscheinlich ist es bloß noch eine Frage der Zeit, bis ich meine Umgebung so sehr anöde, daß man mich einfach nicht mehr wahrnimmt. Dabei bin ich nicht so. Denn eigentlich sitze ich innerlich vor dem kleinen Grab tief im Inneren meines Herzens, leergeweint und leergewünscht. Und unfähig, aufzustehen, mich umzudrehen und wegzugehen. I coldly stare out to the sky... Traumblind. |
| Nnordy | [COLOR=crimson]What do you want of me What do you long from me A slim Pixie, thin and forlorn A count, white and drawn What do you make of me What can you take from me Pallid landscapes off my frown Let me rip you up and down For you I came to forsake Lay wide despise and hate I sing of you in my demented songs For you and your stimulations Take what you can of me Rip what you can off me And this I'll say to you And hope that it gets through You worthless bitch You fickle shit You would spit on me You would make me spit And when the Judas hour arrives And like the Jesus Jews you epitomize I'll still be here as strong as you And I'll walk away in spite of you And I'll walk away Walk away... ('Crowds', Bauhaus)[/COLOR] Mein Haßlied in der Ausbildung. Ich widmete es in Gedanken immer einer besonders widerlichen Abteilungsleiterin, mit der ich mich noch vor dem Ende der Ausbildung unversöhnlich verkrachte - was aber völlig in meinem Interesse lag. Eigentlich bin ich kein Typ für f*** you Attitüden, aber in dem Fall machte ich eine Ausnahme. So wundere ich mich auch nun wieder über mich selbst, woher dann doch auf einmal die Energie für eine solch abermalige Attitüde kommen kann. Noch letzte Woche wollte ich nur heulen, wenn ich mich angegriffen glaubte, und heute - ist wieder alles anders. Heute bin ich wieder [COLOR=red]ROT[/COLOR], sehe ich wieder [COLOR=red]rot[/COLOR]. Und auch, wenn äußerlich derzeit so gar nichts wirklich Rotes an mir ist - innerlich bin ich es heute. Überschäumende, rote Wut, daneben royalblaues Erstaunen darüber, was dieses Feuer entfesselt haben könnte, denn eigentlich weiß ich das gar nicht so genau. Doch ich bin's zufrieden - ich gefalle mir wütend. Es ist so viel besser als die graue Lethargie, denn es braucht Sauerstoff, und Sauerstoff bedeutet auch LEBEN. Rotes Tuch. Und - "Rot heißt Stop". No trespassing. Jeder Mensch hat Grenzen. Wohl dem, der um sie weiß, und sie nicht überschreitet. Doch das Gefühl dafür scheint zunehmend abhanden zu kommen. Auch mir, manchmal - doch meist merke ich es im gleichen Augenblick und ziehe mich sofort zurück, um den Schaden in Grenzen zu halten. Doch nicht einmal das können manche. Da wird über Grenzen hinweggetrampelt, alle Ampeln, alle Zeichen geflissentlich ignoriert. Wie eine wildgewordene Herde von Stieren. [COLOR=red]Stampede.[/COLOR] Wo bleibt die viel beschworene Empathie, die Sensibililtät, die doch eigentlich gerade in dieser Szene immerzu auch Lebensqualität war? Ein Stück weit bin ich enttäuscht, auch desillusioniert. Das ist natürlich mein Fehler - dann waren die Erwartungen zu hoch. Aber das, was ich heute sehe, ist nicht mehr 'meine Szene' - ohne damit einen Besitzanspruch implizieren zu wollen. Doch es ist zweifelsohne nach wie vor die, in der ich mich noch am ehesten wiederfinde. Daher heißt es einmal mehr: Erwartungen herunterschrauben. Rückzug in mich selbst, um zu sehen, ob ich noch die Verkörperung dessen bin, was ich immer leben wollte. Und während die Wut in mir flackert, weiß ich: [COLOR=red]JA.[/COLOR] |
| Nnordy | Geschüttelt, nicht gerührt. Zerrüttelt, nicht geführt. Zerrüttet? O ja. "Das geht Dir alles viel zu nah." Ja, das tut es wohl. Denn ich bin nicht nur Mensch, sondern bin auch Freundin. Und eine kämpfende Löwin gegen das Unrecht. Es mag 1000 Entschuldigungen geben, und 1000 Gründe. Aber das macht Unrecht nicht zu Recht. Und es teilt die Welt auch nicht in schwarz und weiß. Urteile werden kurzsichtig gefällt und den Verurteilten wird jede Möglichkeit der Stellungnahme oder Erklärung genommen - durch Ignoranz oder schlicht und einfach durch Unwillen. Durch einen beschränkten Blick. Wer weiß es schon? Und weil es so unheimlich schwer ist, für eine zwischenmenschliche Beziehung einzutreten, die nicht bereits eine Freundschaft war, zieht man sich lieber auf einen geistig illusorisch erhöhten Punkt zurück und macht die Tür hinter sich zu. In diesen Zeiten darf offenbar nichts anstrengender sein als maximal der Griff zur Fernbedienung. Und schon gar nicht eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Anderen. Viel zu viel Energie. Passive Teilnahmslosigkeit mit aktiver Akzeptanz verwechselt. Schade. Das Wort begleitet mich seit mehreren Tagen, ist omnipräsent und wird wohl auch meine Stimmung in ein hellblaues Bedauern einprägen. Aber wenn die Tür verschlossen wurde, gelange ich nicht hinein. Schade. Schon verschwindet der Gerichtssaal in weiter Ferne, doch ich habe das Hämmern des niederfallenden Hammers noch im Ohr. Es gibt Dinge, an die werde ich mich nie gewöhnen können. Und die Verurteilung, weil Dinge 'kompliziert' werden, gehört mit dazu. Die Kapitulation vor dem Beginn des eigentlichen Kampfes. Es bleibt die Frage, ob der Mut fehlte - oder der Grund. Oder vielleicht auch beides. Schade. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]... Do we not sail on the ship of fools? Why is life so precious and so cruel? ... (Erasure, Ship of fools)[/COLOR] Ich weiß nicht genau warum mir dieses Lied seit heute Morgen im Kopf herumgeistert - wahrscheinlich, weil sich die vergangenen Tagen retrospektiv wie die Fahrt auf einem Narrenschiff anfühlen. Und nun sitze ich hier, ein Lächeln auf den Lippen, das nicht einmal ironisch ist. Nicht umsonst galten "Narren" in früheren Zeiten und anderen Kulturen als Medien, als jene, die die Geister- oder Götterwelt schauen konnten oder die die Götter gezeichnet oder gesegnet hatten. Was ist der Unterschied zwischen dem Narren und dem Kind? Der Narr weiß es nicht besser, wird es nie besser wissen. Das Kind weiß es noch nicht besser, aber irgendwann wird es es besser wissen. Und jene, die sich als Narren ausgeben, sind manchmal doch nur Kinder im Geiste, denen die Erkenntnis bereits offen liegt, doch sie wollen sie nicht sehen. Oder sie sehen sie, doch tun sie so als ob sie es nicht könnten. Do we not sail on the ship of fools? Oftmals ist das Narrenschiff nur ein Schiff von bockigen und unbelehrbaren Erwachsenen oder jenen die es sein sollten - erwachsen, nicht bockig. Aber es ist ja so viel leichter, als Narr zu erscheinen - und darauf zu hoffen, Narrenfreiheit zu genießen. Und manchmal steigt einer aus, weil er es doch verstanden hat, und läßt die anderen an Bord zurück. Es gibt Dinge, die muß jeder für sich schaffen. Und dieses Aussteigen gehört dazu. Ich weiß es - denn ich bin lange genug selbst mitgefahren, viele viele Jahre lang. Und auch heute noch gehe ich hin und wieder an Bord und lasse mich ein Stück mitnehmen - warum auch nicht, denn daran ist nichts Verwerfliches. Der Moment, in dem es verwerflich wird - steht auf einem anderen Blatt, das heute nicht auf meinem Tisch liegt. Und das ist gut so. Ich lächele. Vom Schiff und vom Ufer hallen Worte herüber, doch sie kümmern mich derzeit nicht. Wer schreien will, schreit. Wer schweigen will, schweigt. Zwänge sind immer nur Einbildung desjenigen, der sich ihnen unterwirft. Ich lasse mich zu nichts mehr zwingen, und ich zwinge mich nicht mehr. Ich lasse los, atme wieder tiefer, finde wieder zurück auf tieferen Seelengrund. Lasse mich Mensch sein, mit Fehlern und Schwächen, mit Stärken und Vorzügen. Lasse mich sein. Lasse meine Stimme meine Überzeugungen artikulieren, lasse meinen Körper die Stimme unterstützen oder zurücknehmen. Los.lassen. Die schwierigste Übung überhaupt. Why is life so precious and so cruel? Mehr lassen. Weniger Zwang. Die Welt könnte schöner sein, wenn es immer so wäre. [SIZE=1]Um Mißverständnissen vorzubeugen, die derzeit hier häufiger vorkommen, weil ich mich wohl manchmal einfach mißverständlich ausdrücke: Die obigen Gedanken haben in keinster Weise etwas mit den 'Des Narren Emotionen und Gedanken' von Jester zu tun. Auch möchte ich das Bild des Narren, das ich hier verwende, als allgemeine Metapher verstanden wissen und nicht als Projektion auf Jester - er ist für mich und hier der 'Herr Narr' und absolut nicht Thema des obigen Gedankengangs. Ich hoffe, damit evtl. Mißverständlichkeiten beseitigt zu haben. Danke.[/SIZE] |
| Jester | Liebe Nnordy, mach dir schonmal keine Sorgen das der "Herr Narr" sich selbst damit konfrontiert sieht. Ich habe mich selbst zu lange mit Narren und Narren befasst, denn ich differenziere sehr unter ihnen. Ja, es gibt die Narren welche man als die Toren bezeichnen sollte, jener Terminus welcher heute ja fast ausschliesslich genutzt wird. Doch ist es nicht das was ich in einem Narren sehe, das mag aber auch an meiner Bildlichkeit liegen. Denke ich an den Narren, so sehe ich das Bild des Narren mit der Narrenkappe und in seinem buntem Kostüm, das Bild das du ja auch schon gezeichnet hattest. Ja, es gibt die Narren und es gibt die Toren. Und die Narren sind für mich jene Kinder die du nanntest. Menschen welche den Blick nicht haben mit ihrem Körper haben altern lassen. Es sind Menschen welche den Geist weiter frei sein lassen, ja sich eingestehen Kind zu sein und somit auch die Augen für neues offen lassen. Menschen die bereit sind weiter zu lernen und dabei nicht ihre Emotionalität zu verlieren. Du nennst es hier den Narr, ich nenne es den Toren. Du nennst es hier das Kind, ich nenne es den Narren. Ja, wir benutzen unterschiedliche Worte, doch meinen wir das Selbe. Und der Narr/das Kind wird dies sehen, der Tor/der Narr hingegen nicht. Das ist der Unterschied den wir meinen, und den der eine versteht und der andere nicht. Man projiziert seine eigenen Gedanken auf Dinge oder Gestalten. |
| Nnordy | [COLOR=orange]... The Gods, the Stars, the Moon, the Sun won't help you on the road to Babylon, the road to Babylon... (Ordo Equitum Solis, 'The Road to Babylon')[/COLOR] Ich bin es so leid. Heute einmal mehr und einmal wieder - ich sage, schreibe etwas, und es wird mißverstanden. Ob nun aus böser Absicht oder deshalb, weil Männer und Frauen wohl tatsächlich zwei verschiedene Sprachen sprechen - ich bin es leid. S., ich bin dieses Spielchen so leid. In einem anderen Zusammenhang schrieb ich einmal: "Wie sehr kann man mich mißverstehen?" Heute weiß ich - nach oben offen. Und das Kuriose daran ist, daß es wirklich fast immer Männer sind, die mich mißverstehen, ob absichtlich oder unabsichtlich. Da werden Dinge in meine Worte hinein interpretiert, auf die ich nicht einmal im Traum gekommen wäre - es scheint an der männlichen Psyche zu liegen. Oder am Testosteron. Oder an was weiß ich was. Aber es ist so ermüdend. Da stehen meine Buchstaben - schwarz auf weiß, weiß auf schwarz. Sie stehen da und erzählen von sich. Und Du, S., nimmst sie, und erzählst ihnen, daß sie etwas ganz anderes sagen. Ein X für ein U. Ein A für ein B. Ich bin es leid, diese ewigen und langwierigen Erklärungen. D. würde niemals denken, daß ein S ein T ist, B. niemals, daß ein R. ein Q ist, I. würde nicht einmal ansatzweise vermuten, daß ich mit M N meine. Warum sind die Mißverständnisse daher nur zwischen manchen Männern und mir so groß? Ich dachte immer, ich würde meine Ansichten, meine Gedanken recht klar und deutlich zu formulieren imstande sein - doch offenbar nicht für einige Vertreter des männlichen Geschlechts. Allen voran Du, S. - aber tröste Dich, Du bist in guter Gesellschaft. "Man projiziert seine eigenen Gedanken auf Dinge oder Gestalten" - ja, das ist wohl richtig. Da wird die eigene, auch männliche, Denke auf die meinige projiziert - und wenn es nicht 'paßt', wenn die Kongruenz nicht gegeben ist, bin ich natürlich Schuld, nicht derjenige, von dem die Projektion ausging. Wie süß. Ich bin es leid, wirklich und ehrlich. Und ich weiß, daß das wieder ein endlos Gespräch werden wird, am Telefon, und ich darauf so gar keine Lust habe. Ich möchte Freundschaften nicht 'durchdeklinieren' müssen, ich möchte nicht ständig Mißverständnisse klären müssen die durch falsche Projektionen deinerseits entstanden sind (ohne bestreiten zu wollen, daß es vielleicht genauso oft von meiner Seite her passiert). Es ist so ermüdend. Bei keinem anderen ist es so anstrengend und so schwierig wie bei Dir - und ich weiß nicht, ob ich mir das noch länger geben kann und will. Obgleich ich Dir unendlich dankbar bin für die Dinge, die Du für mich getan hast - und das waren nicht wenige - ich bin es leid. Vielleicht kann und mag ich mich wieder damit auseinandersetzen, wenn ich mit dem Tai Chi angefangen habe und merke, daß es mir hilft, aber derzeit - kann ich es nicht. WILL ich es nicht. Es gibt genug Leute, die mich ständig mißverstehen (möchten) - ich brauche nicht noch einen mehr. Nicht noch einen mehr, der mich zur Zielscheibe macht für Vorwürfe, wegen des verletzten Stolzes oder wegen eingebildeter Attacken. Manchmal frage ich mich, ob ich vielleicht durch einen Fluch im entscheidenden Moment, an Knackpunkten oder wenn mir Dinge wichtig sind, babylonisch spreche, so daß mich niemand wirklich verstehen kann und nur noch Raum für eben Projektionen bleibt. Oder ob ich mich manchmal auf den Turm zu Babel verirre und dort zwischen den Sprachen strande, mit niemandem der mich versteht und keinem den ich verstehe. An Tagen wie diesen denke ich so. An Tagen wie diesen weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. An Tagen wie diesen wünsche ich mir nur eine Befreiung von all dem, was 'Ballast' ist. Ich ersehne den Tai Chi Kurs im September, denn ich weiß, daß er mir helfen wird. Dabei helfen, runter zu kommen, abzuschalten, ganz bewußt. Und dann wird es mir auch nichts mehr ausmachen, wenn Du oder irgendjemand anders einmal wieder in meine Buchstaben etwas anderes reininterpretiert als dort steht. Dann werde ich wissen, wo sie stehen, und wo ich stehe, und der Wind von Unverständnis wird an mir vorbeistreifen und mir egal sein. Egoistisch, mit Sicherheit. Aber ich werde die Projektionsfläche einschwärzen, so daß sie nichts mehr spiegelt. Und es wird gut so sein. Weil ich es leid bin, ständig verzerrte Spiegelungen meiner selbst in der Welt zu sehen. |
| Nnordy | Ein Herzschlag. Und noch einer. In der Ferne. Verhallend. Rache. Ein so kleinliches Gefühl. Und heute wird es mir bewußt - wird mir vielleicht zum ersten Mal bewußt, daß dieses Gefühl so oft mir gilt. Viel zu oft. Ich verstehe diesen Drang, sich 'rächen' zu wollen - auch ich war in der Vergangenheit nicht davor gefeit. Bin es auch heute manchmal nicht. Aber Dinge, die ich tat, tat ich nie, um Dich zu verletzen. Aus Unachtsamkeit, vielleicht - aber nicht, um Dir weh zu tun. Das wollte ich nie. Und heute bin ich fassungslos, daß Du mir diese Dinge so auslegst, Dich in mich hineinprojizierst. Du hast, gerade in den frühen Jahren, häufig Dinge getan, die mich verletzten. Mit voller Absicht, weil Du wußtest, daß es mir wehtun würde. Ich habe mich versucht, abzuhärten, um nicht daran zu zerbrechen, und schaffe es nur bisweilen - aber das ist in Ordnung. Denn es ist seltener geworden, oder zumindest erscheint es mir so. Heute möchtest Du es häufig nicht. Daß es dennoch passiert, ist für mich peripher. Wie kannst Du nur glauben, daß ich, wenn wir unterwegs sind, egal ob in der Disco, auf einer Party oder auf einem Festival, und ich mich mit jemandem lange unterhalte, ich dies tue um Dir wehzutun, Dich mit Nichtachtung zu strafen? Ich denke jede Sekunde an Dich. Jede. Denn ich habe mich Dir versprochen, und dieses Versprechen bedeutet mir mehr so viel mehr als ein Gespräch an einem Abend. Mit irgendjemandem. Völlig egal. Ich unterhalte mich, weil es nett ist, weil es Dinge gibt, über die ich mich unterhalten möchte - niemals, um Dich zu verletzen. Ich weiß, daß Du da bist, daß Du Dich auch unterhältst, mit jemand anderem - und das ist völlig in Ordnung. Doch ein Gespräch ist ein Gespräch. Und dabei sollte es bleiben. Und bleibt es bei mir - immer. Und dann ist sie da - klein, mies, sitzt sie in der Ecke und flüstert Dir Gift ins Ohr. Kleinlich ist sie. Hat Freude daran, sich auszumalen, wohin sie mich treffen soll. Wird. Denn sie schafft es immer. Nur meine Reaktionen ändern sich. Deine Rache. Warum hältst Du Dich so an ihr fest? Vielleicht, weil Du Dich ohne sie schutzlos fühlst. Ausgeliefert. Verwundbar. Und wie kann ich dann überleben, ohne sie? Es tut weh, daß Du darüber anscheinend nie nachgedacht hast. Selbst jetzt - schlage ich ihr die Tür vor der Nase zu. Ich will sie nicht haben. Ich brauche sie nicht. Ich habe hier alles, um ihr die Stirn zu bieten, sie heulend vom Sturm hinwegfegen zu lassen. Nein, ich brauche sie nicht, die Rache. Ich liebe. Du müßtest es nur einmal versuchen. Nur ein einziges Mal, um festzustellen, daß Du sie nicht brauchst. Nicht bei mir. Vertrau mir. Bitte. |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]Beside, behind, and nowhere...[/COLOR] Ich stehe. Neben mir. Bereits seit Tagen. Und vielleicht ist das Grund, warum ich mich plötzlich an die Momente, aus denen sich meine Tage zusammensetzen, auf ganzer Linie nicht mehr erinnern kann. Es fühlt sich nicht gut an. Es fühlt sich an, als habe es sie nie gegeben. Als habe ich nicht gelebt. Lebe ich denn? Wie kann ich inmitten von Eintracht und Fröhlichkeit unbeteiligt und kühl daneben stehen, weder mit dem Herzen noch mit der Seele irgendwo anders als im luftleeren Raum, wo mir die Luft zum Atmen fehlt? Warum trinke ich dann am Abend, obwohl ich weiß daß ich es nicht sollte, trinke viel und viel zu viel, wenn um nicht zu vergessen, daß ich nicht dazu gehöre, niemals irgendwo dazu gehören werde? Ich stehe neben mir, denn ich stehe neben den Menschen. Niemals ganz dabei, doch das wollte ich auch nie, oder jedenfalls nicht in übermäßigen Ausmaßen. Und in Augenblicken der Gemeinschaft - tut es nur manchmal weh. Meist ist es mir unangenehm, denn ich weiß, daß ich das 'Problem' bin. Ich. Bin. Nicht. Kompatibel. Werde es nie sein. Defizitär. Und manchmal, da schmerzt es. Wenn Du inmitten von Menschen sitzt, voll in Deinem Element, und ich mir einmal mehr die Nase plattdrücke an der unsichtbaren Scheibe, die mich von Dir und von ihnen trennt. Und alles an der Szenerie impliziert, daß es meine Schuld ist. Die Scheibe wird immer da sein, das hat mir nicht nur dieses Wochenende gezeigt. Vielleicht bin ich zu kompliziert. Oder einfach unsozial. Oder vielleicht habe ich nichts zu geben, nichts, worüber ich mit anderen, die mir ferner stehen, ein Gespräch führen könnte - denn schließlich ist Smalltalk ist mir zuwider, vielleicht auch deshalb, weil ich diese 'Kunst' schlicht und ergreifend nicht beherrsche. Nicht. Kompatibel. Ich lese über Begeisterung, Euphorie, Zusammenhalt, Glück, Freundschaft, Geborgensein. Und da ist sie wieder, die plattgedrückte Nase. Nicht. Kompatibel. Und heute tut es weh. |
| Jester | Manchmal frage ich mich was in deinem Köpfchen vorgeht liebe Nnordy, denn es müssen Dinge sein die sich meines Verständnisses vollständig entziehen. Du sagst das du Schuld an deiner Inkompatiblität seist, das du ausser vor wärst in solchen Momenten. Doch dann frage ich mich warum ich diese Inkompatiblität nicht zu sehen vermag, warum ich auch gerade dich zu den Menschen zähle die ich gerade bei solchen Runden wissen will. Bestimmt will ich das nicht damit ich dich dann dort ausschliessen könnte, und ich kann auch schwerlich glauben das es jemandem anders so gehen mag. Du wärst selber Schuld sagst Du, und ja, da kann ich Dir dann wohl in einer gewissen Weise zustimmen, allerdings meinst du eine ganz andere Schuld als ich. Du verstrickst dich in Unwahrheiten Dir selbst gegenüber, und ich glaube sogar das Du diese wirklich einfach nicht zu durchschauen vermagst. Eine Gabe welche gar nicht mal so wenig verbreitet ist. Ich habe mich selbst lange genug auf diese Weise belogen, auch eher unwissentlich, doch ist diese Zeit vorbei, und das hat mich sehr befreit. Du glaubst unwichtig zu sein, unwichtig für all die anderen,... aber bist du vielleicht einfach nur unwichtig für dich selbst? Es gibt Dinge welche du mir, obwohl wir uns sehr selten sehen zu geben in der Lage warst, was andere teilweise in langer Zeit nicht schaffen. So wie dierser eine kleine Satz am Sonntag welcher immer noch in meinem Hinterkopf hallt, und bei dem ich immernoch dein Gesicht vor mir sehe, dieses Gesicht in welches eine ähnliche Sehnsucht wie die meine geschrieben stand! |
| AlienSexFiend | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nnordy [/i] [B]Ich stehe neben mir, denn ich stehe neben den Menschen. Niemals ganz dabei [...][/B][/QUOTE] [size=1]...das kann ich nur zu gut nachvollziehen, auch wenn es bei mir vielleicht einen anderen Grund, einen anderen Namen hat...aber seit ich es akzeptiere, dass ich wohl nie so ohne Weiteres auf Fremde zugehen kann, dass ich auch nie in der Lage sein werde eine Menschenmasse zu "unterhalten", geht es mir deutlich besser damit...[/size] ...vielleicht ist das auch ein Weg für dich...? ...zu akzeptieren, dass du so bist wie du bist...? ...dich selbst anzunehmen...? |
| Nnordy | Only time... Der 11. September. Dieser Tag wird nie wieder ein Tag wie jeder andere sein. Ich weiß heute noch, was ich wann an diesem Nachmittag gemacht habe. Wie auf der Arbeit alles still stand, die Kollegen sich um die wenigen damals vorhandenen Internet-PCs scharten um herauszubekommen, was überhaupt passiert war. Wie ich nach Hause fuhr, dabei AFN hörte, wo live Anwohner berichteten, was geschah. Schauer. Eiskalte Schauer. Wie wir gemeinsam im Keller saßen und diese unfasslichen Bilder sahen, wie sich verzweifelte Menschen in die Tiefe stürzten... Die Türme zusammenbrachen... Wer ist zu so etwas fähig...? Ich weiß es nicht, werde es nie wissen. Nie verstehen. Und will es nicht verstehen. Warum der Mensch Zehntausende Jahre nur damit zugebracht hat, herauszufinden, wie er seinen Bruder, Nachbarn, Landsmann... möglichst effektiv umbringen kann. 5 Jahre ist es her. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte ich nicht geglaubt, daß es in der westlichen Welt jemals wieder einen 'richtigen' Krieg geben würde. Dachte, mit dem 1. Golfkrieg hätten wir diese Epoche endgültig hinter uns gelassen, ebenso wie das endgültige Ende des Kalten Krieges. Falsch gedacht. Feindbilder werden einfach ausgetauscht, Buschfeuer zu Flächenbränden. Haßerfüllte Welt. Es scheint, als würde zumindest eines die Zeit überdauern: Gärender Haß. So viel verschwendete Energie - und es scheint, als sei das 3. Jahrtausend nun endgültig zum Jahrtausend des Exodus' geworden. Only time... |
| Nnordy | Buchstaben. Worte. Sprache. Sprache, die ich so liebe. Manchmal machen zu viele Worte aber auch einfach nur müde. Wenn man wieder und wieder und wieder das Gleiche sagt, vielleicht etwas variiert in der Wahl der Begriffe oder im Grad von Deutlichkeit, aber dennoch inhaltlich identisches, wird man müde. Selbst wenn man es zu verschiedenen Menschen sagt. Ich erinnere mich an meine Messebesuche bei verschiedenen Firmen, wo ich mich jedesmal vorstellen mußte - und nach dem 5. Mal dachte, wie bescheuert das eigentlich ist, daß ich da herumlaufe und meinen Tag damit zubringe, ständig das Gleiche zu wiederholen, als sei ich ein Wiederkäuer, das bereits Gesagte abermals und nochmals hochzuwürgen und abermals und nochmals von mir zu geben. Ich mußte es mir mit fortschreitender Zeit verkneifen, nicht laut zu schnauben, wenn ich abermals meine Sätzchen von mir gegeben hatte... Das ist wohl auch einer der Gründe, warum mir Smalltalk nicht liegt - man wiederholt doch letztlich nur eine uralte und absolut uninteressante Kommunikation, die Zigtausende Menschen zuvor, mit kleinen Variationen, bestritten haben, meist lediglich, um das unangenehme Schweigen zu überbrücken, wenn zwei sich nicht oder nur wenig bekannte Personen gezwungen sind, beieinander zu stehen, um die Atmosphäre 'aufzulockern', weil es sich eben 'so gehört' oder schlicht und ergreifend, um das Wenige, was wir an kostbarer Zeit haben, mit Todesverachtung totzuschlagen. Widerlich. - Natürlich ist Smalltalk wissenschaftlich als 'soziale Komponente' definiert - mir doch egal. Dann bin ich halt diesbezüglich 'unsozial'. Ich bin so oft ungerecht. S. gegenüber zum Beispiel, der doch immer Erklärungen braucht, und alles haarklein definieren und ausführen muß, um ja keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, von denen wir in der Vergangenheit wirklich genug hatten. Ich bin so ungerecht, daß ich darauf hoffe, daß mein Gegenüber auch durch meine Andeutungen, meinen Tonfall, meine Mimik und Gestik versteht, was ich meine. Und es funktioniert ja auch, bei einigen wenigen. Hauptsächlich bei Frauen - womit wir wieder beim alten Problem wären, von wegen zwei verschiedene Sprachen, etc. pp. Mann versteht mich nicht. Ich ringe um die Worte, die zu Verständnis führen, und kann sie nicht finden. So wie gestern. Und so gebe ich auf, wieder einmal, weil es mich so müde macht, und weil ich eigentlich auch gerade nicht mehr will. Es ist noch genug in mir, an Wut, an Agitation, an Hoffnung - doch die Müdigkeit wird wieder einmal übermächtig. Der Herbst eilt herbei, mit riesigen Schritten, und ich sehe ihm ins Antlitz wenn es morgens noch dunkel ist, wenn ich aufstehe, in der kühlen Brise, die mein Gesicht in der Nachmittagssonne streichelt, in der fahlen Sonnenuntergangsstimmung, die sich so sehr von jenen heißen Sommerabenden des Juli' unterscheidet, in den Andeutungen von Nebelwattewolken im morgendlichen Zwielicht und im verschleierten Sternfunkeln der Nacht. Meine melancholische Liebe dieser Jahreszeit holt mich wieder ein, schreibt ihren Namen abermals mit blauem Stift in mein Herz, verwischt meine Konturen in der nebelverhangenen Stadt, macht mich transparenter, leichter, surreal. Wenn ich leise seufze, zittert ein orange gefärbtes Blatt am Ahornbaum, wenn eine Träne von meinem Gesicht gleitet, zieht sich der Nebelvorhang zu. Der Wunsch nach Nicht-Sein, verstärkt wie jedes Jahr, und ich lächle wie jedes Jahr, denn jedes vergangene Jahr bringt mich seiner Erfüllung näher. "Du lächelst, um nicht zu weinen. Du lächelst, als würden lange noch die guten Tage scheinen. Deine Flügel glänzen wie junge Blätter. Dein Gesicht war ein weißer Stern. Seitdem du gestorben bist, danke ich jedem vergehenden Tag. Jeder vergangene Tag bringt mich dir näher." (Hans Arp) |
| Jester | Ja, Worte verlieren immer mehr an Geschmack, je öfter sie einem über die Lippen kommen, das ist nicht viel anders als mit der guten Nahrung. Wenn du immer und immer wieder das selbe verspeist, so wird es dir irgendwann nicht mehr so frisch und neu vorkommen, wie es das noch tat als du es zum ersten mal gekostet hast. Das Einzige was bleibt ist, die Worte in neuen Kontexten zu nutzen, sozusagen neue Gerichte auszuprobieren, doch die Umwelt fordert meist anderes ein, denn sie haben all das, was du vielleicht schon hundert mal gekostet hat, noch nie gehabt, finden es daher frisch und neu. Ja, man wird genötigt immer wieder das gleiche hervorzubringen, man ist sozusagen, für sich selbst gesehen, nur ein Sender, aber es kommen immer und immer wieder, in gemächlichen Abständen, wieder neue Empfänger. Manchmal ist es dabei nötig erneut die Worte zu sprechen, da man dazu gezwungen ist, sei es beruflich oder aber auch aus eigenen persönlichen Gründen. Andere male wiederrum ist es eher eine Option, man würde schon gerne, doch hofft man doch insgeheim das die Worte schon gesprochen wären. Ich kenn es selbst gut genug, das ich meine Meinungen zu grundsätzlichen Dingen gar nicht mehr wiederholen mag, hab ich sie doch schon so oft gesagt, dass ich glauben müsste das die ganze Welt sie kenne. Und von Zeit zu Zeit ist es mitunter wirklich so, dass ich, gerade auch im virtuellem Raum, eine Diskussion mitverfolge, auch eine Meinung dazu habe, sie allerdings nicht vom hundertsten zum tausendsten male kundtun möchte, und es dementsprechend dann auch lasse. Ja, auch Worte können einen müde machen, aber nicht zu selten können sich auch gerade aus dieser Haltung Probleme entstehen, vor allem kann sogar ein falsches Bild von einem selbst entstehen wenn manche Worte nicht gesprochen werden. Doch was will man auch machen? Es ganz richtig zu machen ist eh nicht möglich, also geht man einen Weg den man für akzeptabel hält, sich selbst gegenüber, was natürlich auch das oberste Gebot sein sollte. Doch was fällt am Ende auf einen zurück? Das weiß man nicht, wird es auch erst wissen wenn es denn gekommen ist. Manch einmal ist die Stille einfach schöner, und ja, es gibt sie ja doch, die Menschen welche gar nicht so viel Worte brauchen, welche auch mit der restlichen Sprache, welche bei weitem nicht so auszährend ist, etwas anfangen können. Ja, diese Menschen könne Balsam sein. In diesem Sinne - enjoy the silence - |
| Tsafried | Worte, Smalltalk - Töne, die im Nichts verhallen, ungehört, unbeachtet, wen interessieren sie? Niemand, niemand hört sie, bedeutungslos, sinnlos zu versuchen, sie alle zu behalten. Sinnlos, sie zu äußern. Sozialkompetenz - nicht vorhanden. Oder vielleicht doch, nur anders als sonst. Zuhören, minuten-, stundenlang, Überlegen, Nachdenken, abwägen, bis im Kopf der richtige Satz gebildet ist, der ausdrückt, was ich meine. Ein paar Wörter, mehr braucht es nicht, inhaltsvoller als hundert oder tausend. Keine leichten Gespräche, kein seichtes Dümpeln auf nutzlosen Phrasen, ungehörten Sätzen... wundert es, wenn man anfängt mit sich selbst zu reden? Sich Gespräche vorzustellen, wie man sie gern hätte, genau wissend, ich könnte das nie jemandem so sagen... aber die Vorstellung alleine Ungerecht sein, weil man nicht verstanden wird... Menschen, die jede noch so klare Andeutung nicht verstehen, die es einfach nicht verstehen... Männer, ja, emotionale Wracks, die aufgehört haben zu fühlen, es gibt so viele, so viele... wieviele Menschen, die glauben, mich zu kennen, und wieviele die es tatsächlich tun? Es gibt so wundervolle Wesen, ich möchte sie nur lieben, sie haben nichts anderes verdient... sie sind so faszinierend, sie fühlen, sie erlauben sich, zu fühlen... wunderbare Menschen, sie zu lieben, ewiger Traum - wenn da noch etwas wäre, was lieben könnte, was keine Angst davor hätte Der Herbst, ja, er kommt, und mit ihm Erinnerungen - an Kinderzeiten, an glückliche Zeiten, so viele Erinnerungen. Sie sind alle verloren. Die schönen Momente, sie sind vorbei, und so wie einst kommen sie nie wieder, niemals. Der Wunsch, nicht mehr zu sein |
| Nnordy | Draußen Entfremdet. Außerhalb. Wieder einmal stehe ich neben mir, und werde, da mein Inneres für mich nicht mehr sichtbar ist, zur reinen Projektionsfläche. Benutze mich als Spiegel, schmier Deinen Frust an meine Wände, schmeiße faule Tomaten oder stinkende Eier gegen meine stumme Mauer. Wende Dich ab von dem was ich Dir zeige oder von mir, tritt mich mit Füßen oder lehne Deinen Rücken an meine scheinbare Stärke. So lange Du an sie glaubst ist sie da. Wenn Du aufstehst und gehst, ist dort nichts mehr, keine Mauer, kein Stein. Nur Leere. Mal bin ich ein Zerrspiegel, mal zeige ich Dich in grellstem Licht obwohl die Sonne schon längst untergegangen ist und mein Mond nicht mehr scheint. Wenn die Sterne sich meinen Mantel aus stummen Schreien angezogen haben bin ich da, weil ich immer da bin, weil ich da sein muß, da sein werde. Ich bin. Ich bin hier, aber nicht in mir. Alles, was falsch ist an mir, alles, was ich aufgebaut habe zum Schutz vor Dir, vor Menschen, vor mir selbst, als dies hat die Kontrolle übernommen und mich in hohem Bogen hinausgeworfen, hohnlachend und gackernd, mich mit einem Tritt aus mir hinausbefördert und macht sich nun, mit feistem Grinsen, in dem breit, was ich einst war, und was ich hätte sein können. Durch meine Augen schaut es in die Welt hinaus, mit meinem Mund bildet es Worte und Sätze, die bedeutungslos und dennoch oder gerade deswegen schillernd in der Luft hängen, zu verzaubern scheinen und in Wahrheit vergiften. Durch meine Nase riecht es den Herbst in der Stadt, fühlt mit meinen Händen die veränderte Luft, das Lenkrad unseres Autos, Deine Brust in der Nacht. Als wäre die Scheibe lebendig geworden und hätte mich in sich hineingesaugt und auf der anderen Seite wieder ausgespuckt. Mich vor mir selbst hermetisch abgeriegelt, und es sich in einem der wenigen Ohrenbackensesseln, die in meinem heruntergekommenen Heim noch standen, gemütlich gemacht. Ich stehe vor einem verrosteten Zaun, vor einer verbogenen Tür, die mit einem Vorhängeschloß aus Bannsprüchen gesichert ist, gegen die ich keine Chance habe. Doch ein großes Schaufenster läßt den Blick hinein in die inneren Hallen, wo es zwar trostlos ist, doch lange nicht so trostlos wie in den schmutzigen und feuchten Gassen, die hier draußen um mich sind. Kaputte Schaukel, verrostetes Karussell. Was bleibt, wenn der Wind heulend durch die Straßen der Stadt jagt? |
| Jester | Es bleiben jene (und jenes), welche du vergessen, vielleicht auch blos im Moment übersehen hast. Es bleiben auch jene, welche du von vornherein nicht zu sehen in der Lage warst, sei es weil sie sich versteckten, weil sie unscheibar und schüchtern, oder aber für deine Augen anders waren. Sie sind es die in diesen Gassen bleiben, während du mit gesengtem Haupt an ihnen vorbeischlurfst, vielleicht sogar mit dir selbst murmelnd. Und sie sind es dann auch die sich resigniert umdrehen und gehen, dir wehmütig oder verständnislos hinterhersehen, dir vielleicht gar nachrufen. Und manch einer, der steht an einer der Hausecken, lächelt sanft und summt leis ein Lied für dich. |
| Nnordy | [SIZE=1]Ach, Herr Narr, Du magst Recht haben. In the land of the blind the one-eyed are king... Danke für Worte, und danke für ein leises Lied. Danke dafür, daß Du Deine Gedanken mit mir teilst, und mir so manchmal einen neuen Raum zum Nachdenken schenkst...[/SIZE] [COLOR=skyblue]"Und wenn sie schläft dann träumt sie Von weiten Ländern, fernem Meer Nur dann kann sie es hören So vertraut und doch so leer Und ist sie erst erwacht Ist die Welt so alt und schwer Sie ist nicht von hier Nein, sie ist nicht von hier..." Songskizze, c+p by Nnordy/Experiment Nnord, 30.9.2006[/COLOR] Kassandra. Retrospektiv werden so viele Sachen so unendlich viel klarer, erschließen sich mir Dinge wie Bücher, die ich öffne, und mir die Buchstaben, kleinen Entitäten gleich, in den Blick treten, um mir ihre Botschaft zu verkünden. Und wie die Buchstaben, so verkünde ich mich selbst, und das, was auf mir lastet, was in mir schreit, und sei es nur unterbewußt. Kassandra. Ich schaue mir die wenigen Texte an, die ich je für meine Projekte geschrieben habe - metaphorisch, aber dennoch klare Bilder, viel Raum für Projektionen, und dennoch in ihrer Bedeutung viel mehr Abbild meiner Selbst als meine alltägliche Fassade. Momentaufnahmen, die zugleich doch immer Seelenaufnahmen sind. Kassandra. Selbst. Sein. Seele. Luft. Leben. Liebe. Verstehen. Vergeben. Vergessen. Ich liebe euch, meine Wörter, meine Buchstaben. Weil ich in euch Dinge hineinlegen kann, die nur mir selber zu 100% zugänglich sind, weil ihr mir gegenüber immer ehrlich seid, und mir all eure Seiten und Bedeutungen zeigt, wenn ich euch noch einmal, aus größerer Distanz, betrachte. Ich möchte mir selbst etwas sagen, und kann es doch oft nicht zulassen, es sei denn, in stilistisch antiquierten Bildern. Wie sollte ich dann die Dinge, die ich nur mit Mühe hinter den schalldichten Wänden halte, Dir gegenüber artikulieren können, ohne dabei zu schreien, wenn sich all das Elend und all der Schmerz und all die schwarzen Ängste Bahn brechen? Wehe, wenn sie losgelassen... Ich kann nicht. Und ich will nicht. Niemanden heranlassen, denn was ich auch anfasse, mache ich kaputt. Und sollte ich jemanden berühren, sollte mich jemand berühren, muß auch er kaputt gehen. Und wenn nicht kaputt, so geht er doch, getäuscht oder enttäuscht, konsterniert oder befremdet, gleichgültig oder haßerfüllt. Und doch - immer wieder diese nagende und hellrote Sehnsucht nach dem Verstandensein, dem Akzeptiertwerden, dem Angenommensein. Ohne Wenn und Aber. Aber dafür hieße es, Mauern abzubauen. Masken abzunehmen. Schranken zu senken. Deckung aufgeben. Ich kann nicht. Und so stehe ich weiterhin von Angesicht zu Angesicht mit Kassandra, und bin immer wieder sie, so wie sie ich ist. Blute meine Worte in die Welt, jage meine Schreie durch den Äther, damit sie keiner hören muß. |
| Nnordy | In Schwingung versetztes Glas. 3 Tage, 7 Überstunden. Ich verlasse morgens, wenn der Nebel durch die Straßen fließt, das Haus, und kehre oft erst nach über 11 Stunden zurück, seit Wochen geht das so. Und nun ist es passiert - ich stehe neben mir, beobachte mich selbst mit einem ungläubigen Lächeln, gespannt auf den Moment, an dem der Akku leer ist und ich zusammenbreche. Denn daß dieser kommt, kommen muß, ist unausweichlich. Es ist eine Zeit, in der ich jegliche sozialen Kontakte auf Null zurückgefahren habe, in der ich meine Zeit viel lieber bei den Chins, vor allem bei dem kleinen Baby verbringe, auch wenn meine Diva nach wie vor hypervorsichtig und latent aggressiv ist, wenn man dem Baby zu nahe kommt. Doch gestern durfte es mehrmals auf meine Hand, und ich bin zuversichtlich, daß es vielleicht doch noch ähnlich zutraulich wird wie Miko, damals, eine Ewigkeit scheint es her zu sein und ist doch noch kein Jahr... Tiere bewerten nicht. Tiere erwarten nicht. Und das tut unsagbar gut. Das winzige Maß an Energie, das es braucht, um eine Freundschaft am Leben zu erhalten, ist mir für den Moment zuviel. Ich habe sie nicht, wenn ich abends totmüde nach Hause komme, ausgelaugt von 12h Starren auf Bildschirm oder Text, von Wortklauberei und Tintenkleckserei. Müde bin ich. Es ist Herbst. Zurück fließt das Grau, der Nebel, die Melancholie und die Nostalgie, zurück fließen Töne und Harmonien vergangener Tage, gegenwärtig wird die Erinnerung an ein Gefühl, einen Abend, einen Zustand in dem ich ganz bei mir war. Nicht in mir, aber dennoch immer ich, ohne diesen Fluch der Selbstreflexion einfach zu sein. Ich selbst zu sein. Damals war es so einfach. Der Herbst verdoppelt die Zahl meiner gefühlten Jahre, läßt meine Seele älter werden, so daß die Furchen sich vertiefen und der Rücken sich beugen will unter einer Last, die nicht in Worte zu fassen ist. Gefühltes Ungefühl. Ich werde paradox, einmal mehr, einmal wieder. Verlassen haben mich die Gefühle des vorletzten Sommers, als das Leben noch Farben abseits von Grau hatte, manchmal. Selbst die Freude über das kleine drollige Chin-Knöpfchen ist durch und durch grau melliert, und das ist so ungerecht, daß ich darüber am liebsten schreien würde. Aber die Schreie sind zu laut für den Herbst. Verlassen hat mich die Metaphysik als Teil meiner Existenz. Es wäre vermessen, zu vermuten, ich bräuchte sie nicht mehr - im Gegenteil. Doch sie schlüpft mir durch die Finger, quecksilbergleich, und verschwindet in den Ritzen der knarrigen alten Seelendielen, auf denen ich balanciere. Und schlußendlich haben mich die Definitionen meiner Gefühle verlassen, so daß sie nicht einmal mehr erinnerbar sind. Alles ist grau. Ich bin der Herbst. |
| Odessa | Liebe Angie, auch als Herbst bist Du Du. Richtige Freunde verstehen. Meistens, weil sie selbst so "ticken". Gefangen zwischen den Zeiten, zwischen den Mauern, zwischen Nebel und Licht. Man braucht Auszeiten, Ruhezeiten - Herbstzeiten. Wann immer und wenn Dir wieder nach Sommer ist und die Menschen, auch Freunde, wieder eintreten dürfen und sollen, dann weißt Du, hinter welchen Türen "Deine" Sommer auf Dich warten. Sich freuend auf Dich. Freundes-Kreise im wahrsten Sinne des Wortes sind deswegen so schön und wichtig, weil ein Kreis keinen Anfang und kein Ende hat. Ein Ring ist endlos... Genieß die Babyzeiten mit dem kleinen Fellknäuel. Diese kostbaren Tage sind so schnell vorbei. Immer für Dich da, 1 out of 4 in einem Kreis ohne Ecken |
| Maternus | Fast elf Jahre. Das sind fast 4015 Tage. Ich gehöre zu den beneidenswerten Menschen, die ihre ewige Suche abgeschlossen haben...zu den wenigen, die sich wirklich glücklich nennen können. Ich habe ein Dach über dem Kopf und kann meine Dinge in einem Schrank verstauen. Damit bin ich besser dran, als 57% der Weltbevölkerung. Ich habe ein eigenes Bankkonto. Damit bin ich besser gestellt, als 78% der Weltbevölkerung. Ich habe zu trinken und zu essen. Ich habe (bald wieder) einen Job. Ich habe jemanden, der jeden morgen an meiner Seite erwacht und der sich so liebevoll um ein Tierbaby kümmert, als wäre es ihr eigenes Kind. Ich habe Freunde. Ich habe eine Frau, ich habe Angie. Und damit bin ich besser gestellt als 99,9% der Weltbevölkerung. Huhu Nnordy, ich liebe Dich! |
| NuclearDesert | Ein Herzschlag...nur ein augenblick...ein moment...dazwischen ist nur leere. Doch dann beginnt es erneut...poch......poch...alles hat ein ende...nur das stetige "poch poch" eines herzens ist schier endlos... |
| Ponthion | Ein Herzschlag, gefolgt von einem anderen. Bevor dieser nacheilen kann ist dazwischen eine Lücke. In der ich versuche in mich hineinzuhorchen. Was ich will. Worin mein Sinn liegt. Doch der nächste Herzschlag kommt zu schnell und zu laut, als dass ich etwas verstehen kann... |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]Einen Herzschlag lang...[/COLOR] Danke - für diesen Tag. Und für die Ahnung nach den Tagen, die so weit weg erscheinen und doch heute, für einen Moment, nur durch eine dünne Glasscheibe von mir getrennt, wieder ganz nah in meinen Augen.Blick rückten, mich mit den Flügeln der Gefühle aus der Vergangenheit sanft streichelten und mich für eine Millisekunde wieder mit dem Leuchten füllten, daß früher so sehr ein Teil von mir war, daß seine bloße Absence mich zum halben Menschen gemacht hat. Amputiert. Doch heute war es anders. Wir stehen lachend zusammen auf dem Balkon, rauchen meine Vanillezigaretten, und beobachten die vielen Marienkäfer, von denen meine Mutter erzählt, daß sie heute alle angeflogen kamen. Es werden bestimmt um die 20 Käferchen sein, und sie krabbeln an der Hauswand hoch, am Balkongitter entlang, ab und zu fliegen sie hoch und landen wieder an einem anderen Ort... Wir sind fasziniert, und dann gehst Du hin und hältst diesem dicken Käfer, der kopfüber am Geländer entlang kraxelt, Deinen Finger in den Weg. "Nun steig schon drauf..." Doch der Käfer weigert sich standhaft, er versucht auszuweichen, und, als das nicht klappt, bleibt er einfach stehen und rührt sich nicht. Du lachst. Ich halte meinen Finger einem anderen Insekt, das sich von der anderen Seite nähert, entgegen, doch dieses legt sogar den Rückwärtsgang ein... Deine Augen blitzen schelmisch, und ich bin auf einmal wieder 8 Jahre alt, und Du bist wieder 59, und wir stehen auf Eurem Balkon, Omi ruft von drinnen daß das Essen fertig ist, und ich tobe jauchzend über den Balkon, freue mich über die Sonne, den Frühling, die Käfer und darüber, bei Euch zu sein... Einen Herzschlag lang. Im Hier und Jetzt landet endlich doch, wohl eher irrtümlich, ein Marienkäfer auf meiner Hand. Sofort zähle ich seine Punkte - es sind 12. Und Du fragst "Wie viel Punkte hat er denn?" - "12 sind es." - "Früher haben mer immer gesagt, ein Punkt für ein Jahr - is natürlich Quatsch, aber..." - "Ja, das haben wir früher auch gedacht." Und ich halte meine Hand zu Dir rüber "Vielleicht steigt er ja auf Deinen Finger um..." Und Du hältst Deine rauhen, von 82 Jahren gezeichneten Fingern mit den Furchen darin, die trotzdem so sanft sein können, an meine Hand, doch der Käfer mag nicht. Schließlich fliegt er davon, und wir sehen ihm nach, teilen einen kurzen Moment der Stille, und vielleicht... ... bist Du an diesem Moment in Schlesien, bist 8 Jahre alt und läufst über die Felder zu Deinem Papa, einen Marienkäfer auf der Hand... Danke, Opi. Und als ich in der Stadt ankam, in der ich heute wohne, und die ersten Töne von 'Love me to the end' aus den Lautsprechern schwebten, da war ich kurz wieder dort, so viele Jahre von hier, und fuhr zu Euch, und freute mich darauf, bei Euch zu sein... Und kurz, ganz kurz nur, fühlte ich mich wieder so unendlich jung. Einen Herzschlag lang. |
| Nnordy | [COLOR=seagreen]Please don't go...[/COLOR] Ich bin wahrscheinlich viel zu ängstlich. Überbesorgt. Mache mir zu viele Gedanken. Grenze zur Hysterie. Aber ich habe dieses ungute Gefühl. Und ich wußte selbst nicht, wie mir geschieht, als mir vorgestern auf einmal die Tränen übers Gesicht liefen, als ich vor dem Käfig saß und die kleinen Wuselviecher beobachtete. Ich habe ganz einfach Angst, Angst um Dich, meine Diva. TomTom. Als wäre es gerade eben erst gewesen, erinnere ich mich an unsere erste Begegnung. Meine beiden Ratten waren beide innerhalb einer Woche gestorben, und Mann und beste Freundin sagten beide übereinstimmend: "Jetzt ist Schluß mit dem heulenden Elend, keine Ratten mehr! Nächstes Mal hole Dir bitte etwas Langlebigeres!" Und die fixe Idee mit den Degus kam auf, also sind B. und ich zusammen ins Tierheim gefahren, an einem Freitag, um mal zu sehen, ob sich da nicht das ein oder andere Tierchen fände, das einen neuen Wohnplatz braucht... Natürlich zog es mich dann zu den Kleintieren, und beim Anblick der schnuckligen Rattenfamilie wäre ich fast wieder schwach geworden... Doch die Vernunft obsiegte, und ich lernte die Degus kennen, die sich leider als wahre Hooligans entpuppten, die mir höchstwahrscheinlich irgendwann mal ihr Zimmer komplett abgerungen hätten (nach dem Motto: "Du kommst hier nicht rein!"). Das war dann doch eher inakzeptabel, und Hasen, Kaninchen und Meerschweinchen (die Amöben unter den Nagern) vermochten mich nun wirklich nicht zu begeistern. So stand ich dann, eher unschlüssig, im Raum, als wir diesen Käfig in der Ecke entdeckten, der keinen Zettel hatte und in dem sich auch nichts bewegte. Bei näherem Hinzutreten und -sehen entdeckten wir dann ein Stück schwarzes Fell, das aus einem Häuschen hervorlugte. Durch leises Rufen 'Hallo, was bist Du denn? Magst Du nichtmal rauskommen und Dich zeigen?' versuchten wir, das zugehörige Tier zu einer kleinen Modenschau zu animieren, und tatsächlich stolzierte plötzlich ein schwarzer Fellhaufen majestätisch aus dem Haus, ging zum Futternapf, nahm einen Bissen heraus, blickte uns an und flanierte sodenn wieder zurück. Wir waren sprachlos und begeistert. Was war denn das für ein Tier? Die Pflegerin, die irgendwo ohnehin nicht zu wollen schien, daß wir ein Tier mitnehmen, informierte uns dann kurzerhand, daß es sich um einen Chinchilla handele, der sich mit den anderen Chinchillas nicht vertrage, daher allein sitze und auch aggressiv sei, da er bei der Fütterung laut schreiend auf ihre Hand zugerannt sei: "Seitdem füttere ich nur noch mit der Schöpfkelle." Na toll, ein psychopathisches Tier - wohl eher nix für mich. Wir gingen, doch der Gedanke an diesen schwarzen Chin ließ mich nicht mehr los, und nachdem ich das Wochenende darüber gebrütet hatte, beschloß ich schließlich, Mann einzupacken und es zu versuchen, denn schließlich gibt es fast nichts bei einem Tier, was man mit viel Liebe und Vertrauen nicht wieder hinbekäme... So holten wir dann, am 15. Mai 2003 und nachdem wir eine Voliere über eine Patientin ergattert hatten, den schwarzen Psycho-Chinchilla zu uns nach Hause. Zunächst ohne Ausgang, doch als wir dann, 4 Monate später, die Wohnung für uns hatten, bekam er (wir hielten sie damals noch für ein Böckchen) sein eigenes Zimmer mit Freilauf. Sie war zickig, und ab und zu legte sie regelrechte Diven-Allüren an den Tag - doch ich hatte sie sofort in mein Herz geschlossen. Sie kam auf meinen Arm, kletterte auf meine Schulter und lief über meinen Rücken, wenn ihr danach war, und natürlich durfte man sie am Bauch kraulen und sie liebt es, wenn ich ihr vorlas oder vorsang (das mag sie noch heute). Etwas über zwei Jahre später zog dann Foggy ein - Chinchillas sind keine Einzelgänger. Bei der Zusammenführung entpuppte sich das angebliche Böckchen dann endgültig als Weibchen, dennoch gingen wir das Risiko ein und ließen Foggy dabei, und nach 3 TAgen vertrugen sich die beiden dann auch endlich. Es war wunderschön, wie sie miteinander kuschelten, und TomTom wieder lernte, 'Chinchillisch' zu reden - und zu merken, wie wohl beide sich bei uns fühlten. Und als das erste Baby, Miko, dann Ende November 2005 zur Welt kam, war alles perfekt. Der tragische Tod des süßen Knopfes läutete dann eines der traurigsten Weihnachten ein, die wir je gehabt hatten... Und dann die Überraschung und die Freude, als jetzt, über 10 Monate später, der kleine Mistral abends im Käfig herumkrabbelte... Er wächst und gedeiht prächtig, doch meine geliebte Diva, meine schwarze kluge Chinchillafrau, sie baut ab. Frißt nicht mehr richtig und sieht nicht mehr gut, und schmust mit mir wie sonst nur vor ihren Geburten... Ich habe Angst. Ich liebe dieses Pelzknäuel, was schon so viel Nerven gekostet hat, aber mir auch so herzzereißend wundervolle Augenblicke geschenkt hat, das mich mit verständnisvollen Augen anschaut und ich merke genau, daß sie jedes Wort versteht, und ich habe eine unglaubliche und beklemmende Angst in mir, daß ihr etwas zustoßen, daß sie schwer krank sein könnte, daß es mich schier wahnsinnig macht. Ich will nicht daß Du gehst, TomTom. Bitte halte durch. 'Wie ist die Welt so stille Und in der Dämm'rung Hülle so traulich und so hold. Als eine stille Kammer wo ihr des Tages Jammer verschlafen und vergessen sollt.' Es ist noch nicht Zeit... |
| Nnordy | [COLOR=orangered]Unter Strom.[/COLOR] Ich. Stehe unter Strom. Permanent und jetzt noch mehr. Der Streß und all die 11, 12 Stunden Tage wären noch tragbar gewesen - BEVOR diese Sache passierte. Doch jetzt merke ich nur noch, wie sich mein Körper wehrt und weigert, sich zur Arbeitsstätte zu bewegen, und wie sich auch mein Kopf weigert, zu funktionieren, kreativ zu sein, zu produzieren. Es geht einfach nicht. Nicht mehr. Es ist, schließlich und endlich, genau das passiert, was mir schon einmal, damals, vor 9 Jahren, passierte: Meine Inkompatibilität stößt so manchem wieder negativ auf. Und all meine Leistungen, all meine Bemühungen, all meine Kompetenz ist schlichtweg nicht vorhanden. Nur die Haare. Und das Outfit. Und die blödsinnige und durch nichts zu rechtfertigende 'Überzeugung', daß sich bunte Haare und 'Seriosität' gegenseitig ausschließen würden. Wie viel Mist kann ein Mensch eigentlich verzapfen? Ich habe unser Heft im Griff. Noch ein halbes Jahr, und ich kann es komplett allein schmeißen - aber irgendwie glaube ich so langsam, daß ich in einem halben Jahr keinen Job mehr haben werde. Weil manche Sachen für mich nicht verhandelbar sind. Und weil ich meinen Mund aufmache, wenn Dinge nicht ok laufen. Wenn Menschen behandelt werden wie der letzte Müll. Denn das ist nicht ok, wird es nie sein. Und ich werde niemals müde werden, dies 'ihnen' klarzumachen, gerade weil sie es nicht hören wollen. Es wird mich auch diesen Job kosten, das ist mir jetzt schon klar. Aber ich verrate mich nicht, ich verrate meine Ideale nicht, und ich werde nicht das verraten, an das ich glaube und was ich als richtig empfinde. Werde nie stromlinienförmig sein. Nie der Jasager. Nie der Angepaßte, Unauffällige - ich bin so nicht. Selbst wenn ich es wollen würde. S. sagte, ich solle es doch versuchen - einfach mal in meinen 'Business-Klamotten' (es sind genau zwei schwarze Nadelstreifen-Hosenanzüge) kommen: 'Dann habe ich ja die Möglichkeit meine Meinung zu ändern' - was habe ich gelacht. Er wird seine Meinung nicht ändern, niemals, und selbst wenn ich zwei Jahre lang im Business-Kostüm zur Arbeit erschiene (was ich nie tun würde), weil es so unbequem ist, wenn man Urteile überdenken muß, und so viel einfacher, an den liebgewonnenen Vorurteilen festzuhalten. Ich könnte mich abstrampeln und es würde nichts ändern. Und irgendwo sehe ich es auch nicht ein. Ich versuche hier einen kreativen Job zu machen, kein Mensch außer den Kollegen sieht mich - warum soll ich dann hier ständig in Klamotten, die nunmal nicht übermäßig bequem sind und die noch dazu in die Reinigung müssen, rumsitzen, während alle anderen hier in Pullis und Jeans aufkreuzen? Versuch mich einzuschüchtern - ich werde nicht kleinbeigeben. Ich bin, verdammt nochmal, im Recht. Warum läßt man mich nicht einfach? Ich bin konsequent. Ich weiche nicht zurück. Der Kampfplatz wurde eröffnet - nun komm, Du bist am Zug. Und Du solltest versuchen, mich mit dem ersten Schlag zu Boden zu schicken - denn wenn Du das nicht schaffst, schlage ich zurück. Und dann wirst Du nicht mehr wissen, wo oben und unten, vorn oder hinten ist. Ich werde selten richtig böse - doch jetzt ist es kurz davor. Reize mich nicht - oder trage die Konsequenzen. Beware. Beware of me. |
| Nnordy | Nebel zieht auf... Ich habe keine Angst mehr, auch wenn ich den Weg nicht mehr sehen kann. Immer nur einen Fuß vor den anderen. Vielleicht tut sich irgendwann mal ein Abgrund auf, und kein Weg mehr. Aber bis dahin - weitergehen. Schritt für Schritt. Immer wieder eine Zeit. Herbstnebel umhüllt mich wie eine warme Decke, verschleiert gnädig scharfe Konturen, zeichnet weich wo sonst harte Linien sind. Ermöglicht mir eine Zeitreise zurück, zurück in die Jahre des Anfangs, als alles noch mystisch und kaum greifbar erschien, überwältigend das Gefühl, angekommen zu sein, akzeptiert zu sein, ohne Wenn und Aber. Ich bin nicht mehr 31, ich bin wieder 18, und ich sitze mit D. oben bei einem Tee in der Wohnung, lache, und zwischen Das letzte Einhorn sehen und einer Zigarette auf dem Balkon über den Dächern der Stadt wehen meine schwarzen Haare im Wind, flattern D.s Haarschleier wie die bunten Blätter, die zur Erde tanzen. Und als ich schließlich entdecke, daß Melancholie kein Feind ist, sondern eine wunderbare Gefährtin sein kann, traurige Alabasterschönheit mit dem warmen sanften Blick, dem bittersüßen Lächeln. Wir haben sie umarmt, sind mit ihr durch Nebel und nach Schnee riechende Nächte getanzt, haben uns mit ihr den Herbstwind das Haar zerzausen lassen und zusammen geschwiegen, wenn 'Michelle' aus den Lautsprechern erklang. Der Vorhang ist beiseite gezogen, wie immer in dieser Zeit, und läßt mich die Grenze wieder überschreiten, in die Gegenwärtigkeit der alten Tage, und ich lächle, wenn ich sehe, daß die Melancholie nichts von ihrer Bläue eingebüßt hat. Wir haben uns verändert, doch sie ist geblieben wie sie ist. Alabasterschönheit. Ich sehe Dich durch Glas, das vor 5, 10 Jahre nicht da war, dennoch: So lange ich Dich sehen kann, so lange bleibe ich, was ich immer war und immer bleiben wollte. Je t'aime mélancholie. |
| Nnordy | Wir hören das neue Qntal-Album - ein wunderbares Herbst-Album. Ganz wie die alten Heavenly Voices Alben - eine herzzereißend schöne Stimme, sanfte Melodien, Texte die die Tiefe der dunkleren Jahreszeiten ausloten. Unaufdringlich schleicht sich diese Musik ins Herz und hinterläßt dort einen Abglanz der ewigen Kunst. So schön, daß die Tränen hinter meinen Augen aufsteigen und sich damit begnügen, nicht vergossen, sondern nur gefühlt zu werden. Ich fühle die Tränen, aber nicht das Gefühl. Wie paradox. Dieser Tage schwimmt mein Kopf in gefühlten ungeweinten Tränen ohne daß ich wüßte, wieso. Als ich in der glitzernden Wunderwelt des Konsumtempels stand und völlig verzaubert den Kopfhörer auf die Ohren drückte, während mir die Musik direkt ins Herz floß, da spürte ich sie auch, wie sie sich in meinen Augen sammelten, ohne daß ich einen Grund hätte nennen können. Ich möchte weinen, vielleicht ganz ohne Grund. Vielleicht aus 1000 Gründen, denn Kassandra steht neben mir und sieht. Sie sieht, was ich nicht sehen will, und wovor ich so viel Angst habe. Nie hatte ich Angst um mich, wenn es um den letzten Schritt ging. Immer nur vor dem der Anderen. Und ich sehe wie Schritte getan werden und kann nichts, aber auch gar nichts dagegen tun, denn so ist nunmal der Lauf der Dinge. Und diese Ohnmacht schneidet mir messergleich ins Herz. Seelentränen. Griff ins Leere, wann immer ich versuche, die Vergangenheit ein Stück näher an der Gegenwart zu halten. Tränen um das, was war, und was unwiederbringlich vergangen ist. Tränen um die Menschen, die mir so teuer waren, und die viel zu früh gegangen sind. Tränen um die, die noch folgen werden. Tränen um meine Stimme, die wieder und wieder an den Gräbern brechen wird. Meine Stimme existiert dieser Tage nur noch neben mir. Wir haben uns getrennt, vor einiger Zeit schon. Vielleicht, wenn ich den Weg, den mir das Tai Chi gezeigt hat, weitergehen kann, wird sie wieder zu mir zurückkommen. Wieder mit mir sein. Und erst dann werde ich die Arie wieder so singen können, wie sie gesungen werden muß, wie ich sie singen konnte, in einem Raum voll Menschen, und sich eine Stimme aus meinem eigenen Inneren wie ein heller Bogen bis zur Himmelsdecke spannte und die Töne darauf tanzten, leicht und unbeschwert und mit all der Hingabe, die ein Lied nur transportieren kann. Ich vermisse sie. Ich vermisse mich. Doch trotz Kassandra hoffe ich. Auf ein Wiederfinden. Ein Wiedersehen. Irgendwo, am Ende der Zeit. Denn irgendwo, da ist noch Liebe in mir. Und manchmal, da scheint sie noch aus meinen Augen. Die Welt erstrahlt in 1000 Farben... |
| Nnordy | [COLOR=indigo]... was fassungslos uns macht / und nur noch uns entsetzt. (K. Krolow) [/COLOR] Ich trage ein Lächeln auf dem Gesicht. Doch es ist ein trauriges Lächeln, denn wieder einmal werde ich damit konfrontiert, wie irrational manche Menschen einen Haß und Neid kultivieren, ohne nur die geringste Ahnung zu haben, wie die Person eigentlich ist, die sie zur Reflexionsfläche für ihre kleingeistigen und widerwärtigen Tiraden und Breitseiten machen. Eigentlich... sollte es mir egal sein. Denn eigentlich bin ich in 31 Jahren weit genug gekommen, um hinter solche Dinge zu schauen und zu erkennen, wie bedauernswert die Individuen sind, die so etwas 'nötig haben'. Ihr Lebenselixier. Mitleid sollte ich haben - oder gar nichts fühlen. Eigentlich. Doch leider, eigentlich... ist es mir nicht egal, oder zumindest nicht zu 100 Prozent, wie es das sein sollte. Und schon gebe ich wieder Deckung auf, mache ich mich wieder angreifbar, doch gleichzeitig bin ich damit so absolut ehrlich, wie man nur sein kann. Ich verstehe es nicht - doch ich muß es auch nicht. Ich muß nur damit leben. Aber heute ist mir auch das zu viel. Einmal schrieb ich '... mehr lassen. Weniger Zwang. Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn es öfter so wäre.' Wieso ist dieses so simple Prinzip für manche Leute absolut unpraktizierbar? Ich bin es leid. Ich habe es satt, so satt. Ich habe mein eigenes kleines Leben, das eigentlich gar nicht so schlecht ist, mit einem Mann der mich liebt, mit wenigen, aber dafür echten Freunden, mit unsere tierischen Mitbewohnern, die mir jeden Tag zeigen, wie nur Tiere dies können, daß sie mich lieb haben, mit einem Dach über dem Kopf, einem Job, der mich oft annervt aber prinzipiell ein Schritt auf dem Weg ist, den ich für mich als den richtigen erkannt habe. Wenn mir auch emotional derzeit einiges mangelt, man mir mangelnde soziale Kompetenz vorwerfen kann, ich vielleicht allzu oft in Fettnäpfchen trete - dennoch, ich bin mit einem Intellekt gesegnet, der mich zu einem Menschen macht, der manchen anderen Menschen angenehm ist, der etwas zu geben hat und dies gern tut. Der Andere berühren kann, manchmal, ganz selten nur. Doch allein das ist ein riesengroßes Geschenk, von dem ich oft nicht glaube, daß es tatsächlich meines ist. Und vielleicht ist es das, oder sind es ein paar andere Dinge, die mich zur Zielscheibe machen, wie Menschen von anderen Menschen immer zu Zielscheiben gemacht werden, wenn Unzufriedenheit, Frustration, Verbitterung, Dummheit, Ignoranz und was der negativen Gefühlszustände mehr sind nicht rational kanalisiert werden können, sondern man eben einfach jemanden braucht, auf den man einschlagen kann. Selbst wenn man denjenigen gar nicht wirklich kennt. Klein und furchtbar arm. Ich bin es leid. Vielleicht bin ich in manchen Bereichen meines Lebens eher ein Opfer - aber garantiert nicht hier. Nicht für solche Sündenbocksucher, nicht als Projektonsfläche für irgendwelche emotional fehlgesteuerten Personen, die vielleicht nur nach Aufmerksamkeit suchen. Eigentlich wäre es lächerlich... wenn, ja wenn ich die nötige Arroganz und Ignoranz besäße. Vielleicht muß ich daran arbeiten. Doch nein - ich bin gut so wie ich bin. Es gibt keinen, absolut gar keinen Grund an mir etwas zu ändern. Auch wenn dies bedeutet, Projektionsfläche zu bleiben. Aber auch damit kann ich leben. Bedeutet es doch, daß ich denjenigen Atmern offensichtlich so an die Nieren gehe, daß sie ihren Haß auf mich unbedingt in die Welt hinausschreien müssen. Nun gut - so schreit denn. Wenn es euch weiterbringt - es wäre euch zu wünschen. Whatever I've done - I've been staring down the barrel of a gun... Ich lächle wieder. Ein wunderbar grauer Herbsttag, garniert mit buten Blättern, die die Luft in einen wirren Farbentanz verwandeln, wartet auf mich. |
| Solstice | Je mehr Profil wir selbst haben, desto weniger Leute können sich direkt daran anpassen. Aber das ist kein Grund, Profillosigkeit zu betreiben. Nur unsere Ecken und Kanten definieren unsere Persönlichkeit, nicht die Bereiche, in denen wir unauffällig sind. *knuff* |
| Jester | Langsam torkelnd, unter ständigem geklirre der Schellen, naht der Narr, immer ein Bein so schwingend, das es ein X mit dem ander bildet, bevor dieses wieder in weitem Bogen nach vorne schnellt um dies seinerseits zu tun. In der Linken Hand ist eine kleine Puppe, eine Puppe wie sie Großmütter für ihre Enkel stopfen, mit großen Augen, welche aus Mantelknöpfen bestehen. Diese Puppe hat grell pinke Wolle als Haar, und ist vornehmlich in schwarz gekleidet, mit Ringelstrümpfen an den Beinen. Kurz vor der Gartenbesitzerin bleibt der Narr stehen, in seiner schlacksigen Art, wie immer breit grinsend. Das linke Bein überholt noch einmal das rechte, als die gesamte Gestalt in sich zusammensacken zu scheint, während sich die Beine zu einem Schneidersitz verknoten. Langsam richtet sich das weisse Gesicht zur Gartenbesitzerin hoch, das Lächeln weniger breit gezogen, ja sogar geradezu warm. Die "Liebe Nnordy", wie er sie immer zu nennen Pflegte konnte sich in den zwei Teerflecken, welche die Augen des Narren waren geradezu klar spiegeln, ihr Gesicht, welches momentan ein wenig fragend auf die Gesalt unter sich blickte, vielleicht sogar ein bisschen neugierig. Wie ein freudiges Kind hält der Narr ihr die Puppe entgegen, so dass der Kopf leicht zur Seite hängt, Nnordy aber ohne weiteres die gewisse Ähnlichkeit zu sich erkennen kann. Während sie noch auf die Puppe schaut, entfernt diese sich schon wieder, als der Narr sie sich auf den schoß legt, den Blick immer nach oben gerichtet. Langsam lässt er den Blick mehrere male zwischen der Puppe und ihrem reelen Ebenbild hin und her huschen, bevor er letzendlich auf der Puppe verweilt. Mit einem Ruck, welcher so plötlich kam das Nnordy nicht anders konnte als zu erschrecken, riss der Narr auf einem einen Arm der Puppe ab, und während noch ein wenig der Füllmasse zu Boden rieselte, krämpelte er schon den abgerissenen Arm um und puhlt auch den Rest der Füllung raus, als ob er etwas zu finden hoffte. Die überreste des Stoffgliedmasses hinter sich werfend macht er sich an den zweiten Arm, dann an die Beine, den Oberkörper,.... bis er nur noch den Kopf in seinen Händen hällt. Auch diesen stülpte er um, doch da war noch immer nichts nach dem er gesucht haben mochte, woraufhin er auch diesen hinter sich warf. Nun schaute er wieder seine Gastgeberin an, immer noch dieses ansatzweise warme Lächeln auf den Lippen. Nach kurzem Verweilen in dieser Position greift der Narr unvermittelt und blind hinter sich, nur um die intakte Puppe wieder hervorzuholen und sie vor Nnordy auf den Boden zu legen. Langsam steht er wieder auf, sich einmal streckend und dann umdrehend um zu gehen, bleibt dann aber noch einmal stehen, als seine monotone Stimme anhebt: "Ich habe dich zerissen, in der Luft zerissen wie die Menschen doch so gerne sagen, aber in dir drinne, da war nichts was einen Grund dafür abgegeben hätte. Nein dort war nichts, was diese Tat an sich gerechtfertigt hätte. Und in dem Moment, als ich mit meinem Werk fertig war, als ich nur noch Fetzen von dir übrig waren, da warst du wieder das, was du vor meinem Werk warst. Ja, auf den ersten Blick, da mag diese Puppe auch ungeschlacht wirken, wenn man nicht hinterfragt und einfach nur nach einer Norm vergleicht, welche heutzutage hochqualitative Puppen zu definieren behauptet. Doch wenn man sie zerlegt, weil man sie als störenden Faktor empfindet, so wird man, wenn man das was man Menschlichkeit nennt in sich trägt, am Ende wissen, dass man unrecht tat. Man wird auf einmal merken das viel mehr wertvolles an dieser Puppe war, als es den Anschein machte, das sie nur eine andere Art der Darstellung war als die Eigene. Lache über diese Menschen, die das tun, was ich hier gerade symbolisch tat, und wisse, das sie die Puppe nur für sich, und für ihres gleichen zereissen können, denn zu mehr reicht ihre Macht nicht aus. Die meisten von ihnen haben noch nichtmal die Macht eines der Gliedmassen abzureissen, sie können nur Fäden lockern. Zurr sie ohne zu murren fest, und wenn du murrst, dann lass sie es nicht wissen, denn das gibt ihnen die Macht die sie von sich aus nicht aufbringen können." Noch einmal dreht sich der Narr um, nun die Hände in den Taschen steckend, die Körperhaltung leicht nach vorne gebeugt, so das er mehr an seiner Schulter vorbei gucken muss, als das er drüber hinweg schaut. Sein Blick ist auf Nnordy gerichtet, doch deutet er mit seinem Kinn in Richtung der Puppe. "Erfreu dich das du eine solch schöne Puppe bist, und keine dieser Plastikkonstrukte, welche so starr sind, das sie leicht bersten wenn man sie Druck aussetzt. Freu dich das du eien Puppe bist, welche sich flicken lässt, ohne an Schönheit zu verlieren, und nicht eine, welche nach dem sie gesplittert ist wie ein Mosaik ihrer selbst aussieht. Ja, Liebe Nnordy, erfreu dich dessen, dass du so bist wie du bist, denn es ist gut so!" Er wendet sich wieder ab, um wieder torkelnd in den Schatten zu verschwinden, nur sein Pfeifen ist es, dass noch für kurze Zeit zu hören ist! |
| Nnordy | Ich beuge mich hinunter und hebe die Puppe auf, lächle sie an, sehe einen Schimmer pinkroten Haares in den schwarzen Mantelknopfaugen gespiegelt, freue mich über das Geschenk des Herrn Narren und widme ihm in Gedanken eine Zeile in einem Lied das wir beide einmal zusammen hörten und das vielleicht sonst lange Zeit vergessen bleibt, in einem der seltenen Momente, in denen zwei Menschen sich anblicken und die Augen die Sehnsucht des jeweils Anderen spiegeln, ganz ohne Worte. Ich umarme die Puppe, ich umarme mich, und dann nehme ich sie bei der Hand und lasse sie nicht mehr los. Es fühlt sich richtig an. [SIZE=1]Und die Inschrift des Doc läßt mich abermals lächeln, ist es doch eine einfache, aber gerade deshalb oft vergessene Wahrheit. Ja. Ich mag meine Ecken und Kanten. Auch dann, wenn mich das manchmal zu Kassandra macht. [/SIZE] [COLOR=seagreen]Ich saz uf einem Steine Da dachte ich Bein mit Beine. Dar uf sazte ich min Elenbogen. Ich hate in min Hand gesmoge Das Kinne un ein min Wange. Da dachte ich mir vil ange. Wie man zer Welte solte leben... Walther von der Vogelweide [/COLOR] Mittelhochdeutsch - meiner Meinung nach die schönste deutsche Sprachform überhaupt. Die Wortmelodie, die Satzbauten sind pure Poesie und gingen mir so leicht von der Hand, mit dem Althochdeutschen hatte ich wesentlich mehr Probleme... Vorbei, alles. Doch die Namen, die an die Lektüre gekoppelten Emotionen, das Staunen, das Getroffensein, manchmal auch die Abscheu oder das Unverständnis, das dauert an. Die Abende an der Uni, die Abende mit den Büchern und Texten vor mir, das Eintauchen in andere Welten, in andere Gedanken, in andere Sprachen als die meine - Verzauberung ohne gleichen. Ich liebe die Literatur, ich liebe die Ausdruckskraft der Sprache, eigentlich nur eine simple Aneinanderreihung von Buchstaben - doch so mächtig, daß sie Tränen in die Augen treiben, ein Lachen oder ein Stirnrunzeln hervorlocken, Gedankengänge anstoßen kann die man sonst nicht gedacht hätte. Ein unermeßlicher Schatz, und ich bedaure heute schon, daß ich ihn nie auch nur ansatzweise werde ergründen können. Ich verstehe nichts von moderner Literatur (nicht als Epochenbegriff, sondern als ganz unlinguistischer Zeitbegriff), weil ich mit der Schreibe eines Bölls, einer Jelinek, eines Benn nichts anfangen kann, und weil mir da der vielleicht naiv anmutende Hesse oder auch ein Celan viel viel mehr zu geben vermochten als das, was ich immer - ebenso unwissenschaftlich - unter 'Popart' zusammenfasse. Wo die Sprache all ihrer Macht beraubt wird, indem man mit rohen Worten Tatbestände erschlägt um ein Abbild der Wirklichkeit zu sein. Naturalistisch, fast. Es liegt mir nicht, es gefällt mir nicht. Muß ich mich deshalb rechtfertigen? Nein. Ästhetik ist eine wichtige Komponente meines Lebens, und obwohl ich einige Gedanken des Existenzialismus für richtig halte, kann ich mich doch nicht Sartre anschließen. Die Beuys'sche Fettecke hier in Darmstadt - warum das Kunst ist, werde ich nie verstehen... Doch andererseits bin ich ohnehin ein viel zu unkreativer und unmusischer Mensch, lediglich fähig, wirre Gedanken und ab und an mal einen passablen Songtext niederzuschreiben - aber zu mehr reicht es nicht. Meine Malerei sieht aus wie die eines 5-jährigen Kindes, in punkto Basteln habe ich zwei linke Hände, für Bildbearbeitungsprogramme habe ich keine Geduld und handwerkliche Tätigkeiten wie Töpfern und dergleichen mehr entzogen sich immer beharrlich meinem Zugriff (und bescherten mir recht schlechte Noten im Schulfach 'Werken')... Und momentan kann ich nicht mal mehr wirklich schreiben - wie meine Stimme kommt mir nun noch die Schreibe abhanden, und langsam tut es weh. Ich verstumme, jeden Tag ein bißchen mehr, wenn mich die Wörter verlassen, mit einem leisen Seufzen, fast unhörbar in der kühlen Herbstluft, und eins werden mit dem Nebel der grauen Tage, die ich doch so sehr liebe. Ein Freund schrieb mir "Du bist für mich irgendwie wie Nebel..." in einem positiven Sinne, und vielleicht hat er damit gar nicht so Unrecht. Es gibt Tage, da fühle ich mich selbst nicht mehr, weil ich transparent geworden bin für mich, weil alles aus mir herausgeflossen ist, und verfestige mich nur, wenn man haltesuchend nach mir greift. Wenn ich Dich aus den Menschenmassen der Stadt heraussteuere. Wenn ich den Chinchillas zusehe, wie sie herumtoben, und mich zum Teil als Aussichtsplattform benutzen oder sich auch mal knuddeln lassen, obwohl ab und an leise nasse Tränen in ihr Fell tropfen. Wenn mein Marlene-Ich den Zylinder zurechtrückt, theatralisch seufzt, während mein Körper den Bewegungen folgt, die sich mir jetzt schon in die Zellen gesetzt haben, die Tai Chi Formen, die eine 2. Natur sind und sich mir so erschließen, als hätte ich nie etwas anderes gemacht... In diesen Momenten bin ich wieder stofflich fest. Nächste Woche werde ich wieder den Projektor auspacken müssen, um mir etwas auf den Leib zu projizieren damit all die Menschen auf der Messe, die mich ungefähr so interessiert wie die eingeschlafenen Füße des bösen alten Mannes in Washington, eine unseriöse Redakteurin vor sich sehen mit der sie über redaktionelle Zusammenarbeit reden können. Hirnentleert. Sinnentleert. Und die Angst, was in vier Tagen passieren kann, wenn die Zeit zu Deinem Feind wird. Kassandra steht hinter mir, sie sieht mir immerzu über die Schulter, sie sagt nichts, sie schaut nur. In ihren dunklen Augen spiegelt sich kein Lichtschein. Sei verdammt. |
| Dyspenthes | [SIZE=1]Das Althochdeutsche und das Mittelhochdeutsche, die Sprachen, die ich im letzten Semester nicht verstand, ergeben nun im Herbst für mich ein wunderbares Bild, was ich noch lange nicht zu fassen vermag, aber was eine neue Welt eröffet. Die alten Texte haben so unendlich viel Poesie in sich. Nicht, wie du auch schreibst, diese kalte, leere Beschreibung eines Zustandes, die nicht mehr ist, als ein funktionales Fanrikgebäude, kalt und ohne Leben, und sobald es seine Funktionalität verloren hat, ein Skelett im Nebel, sondern eher wie ein altes Schloss, welches kleine Erkerchen und Türmchen hat, innen Stuckverzierte Räume, schöne alte Möbel, ein Gebäude, was von vergangenen Zeiten und vor allem vom Leben erzählt. Du bist in meinen Augen auch so ein Gebäude, die poetische Sprache anderer Zeiten passt zu dir. Du hast keine kalte Fassade, kein irgendwann rostender Stahl, keine reine Funktionalität, sondern Wärme, deine Erkerchen und Türmchen und vor allem: Leben und Lebensweisheit. Es mag sein, dass sich Menschen an deiner Fassade stören, die nicht so in ihr Weltbild passt, in dem alles glatt und auswechselbar sein soll, aber dafür gibt es einige Menschen, die dich mögen, gerade weil du etwas besitzt, was heutzutage wenige Menschen noch zu haben scheinen: eine Persönlichkeit und vor allem ein Herz![/SIZE] |
| Nnordy | [SIZE=1]Liebe Dys, danke für deine Worte, und danke für das Bild. Ich finde es schön, und es gibt Dinge, mit denen dachte ich, längst gelernt zu haben zu leben... Doch dafür bin ich wohl nicht funktional genug... *lächel* [/SIZE] Hinter Masken... Ich weiß selbst nicht warum ich mich schon seit Wochen vor diesen knapp 4 Tagen fürchte, als seien sie die real gewordene Hölle. Vielleicht, weil sie es sind. Vielleicht, weil mir momentan nichts verhaßter ist, als für einen Verlag, der mich sowieso von sogenannten 'Vorgesetzten' mobben läßt, ein nettes Lächeln aufzusetzen und zwanzigmal am Tag das Gleiche zu erzählen. Die immer gleichen Formulierungen, die immer gleichen Inhalte, das immer gleiche sinnlose Gelabere. Ein einziger bleigrauer See von Blabla - und am besten abends noch auf eine dieser unglaublich 'tollen' Standpartys, und weiterhin die Maske aufbehalten, vom Laufkommentator erzählt zu bekommen daß gerade der Marketingmanager der Firma X oder die Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Y eintrudelt und mir dabei so fehl am Platze vorzukommen wie ein Ufo im Mittelalter. Und brav die Maske anbehalten. Lächeln und winken, lächeln und winken... Ich will mich übergeben. MESSE - dieses Wort ist für mich ein einziger Alptraum, in dem all das zusammenfließt was mich in die Flucht treibt. Viele Menschen, von denen die meisten, sobald sie mich nur erblicken, schon ein Urteil fällen, viele leere Worte, diese widerliche Vergewaltigung der Sprache, viel Getue um letztlich nichts. Viel falsches Lächeln, viel falsche Freundlichkeit, Höflichkeitsfloskeln an jeder Ecke und Langeweile dahinter. Latsch Dir die Füße platt, bezahle horrende Preise und schlag dich mit trockenen Augen herum, 9 Stunden andauernder Horror in kaltem Neonlicht zwischen lauter Anzugträgern die alle gleich aussehen, graue Männer mit grauen Anzügen und grauen Krawatten, von Termin zu Termin hetzend, und ich mittendrin und ich fühle mich wie Momo. Doch meine Kassiopeia ist mir abhanden gekommen, oder sie war nie vorgesehen in diesem Drehbuch. Die Blätter meiner Stundenblume welken, sie welken hinter Glas und ich kann nichts, aber auch gar nichts dagegen tun, nur zusehen wie ihre Farbe verblasst, wie der Schwung ihrer Form an Stärke verliert und langsam erschlaffend zu Boden sinkt, der stolze Kopf sich neigt und die Kraft verliert sich selbst zu tragen, bis sie, anmutig bis zum Schluß, schließlich ganz geschwächt zur Erde fällt, noch einmal leise atmet und dann - nichts mehr. Graue Anzüge. Die Hölle ist vielleicht nur in meinem Kopf. Doch ich bin schon halb besinnungslos vor Panik, eine unerklärliche, irrationale Hysterie die von mir Besitz ergriffen hat und mich erst dann wieder wird atmen lassen wenn diese verfluchten 4 Tage endlich, endlich am Freitag vorbei sein werden. Und wieder - fühle ich mich wie ein Schaf auf dem Weg zur Schlachtbank. Und all mein Sträuben, das 'die-Füße-in-den-Boden-stemmen' wird mir nicht helfen, denn folgsam wie ein braves Schaf werde ich morgen in den Wagen steigen, zur Arbeit fahren, und nachmittags mit den Kollegen nach Nürnberg fahren und das Unheil wird seinen Lauf nehmen. Man wird über mich zu Gericht sitzen und das Urteil ist doch ohnehin schon fertig in den Schubladen. Es ekelt mich an, die wenige kostbare Zeit, die mir das Leben noch gibt, dafür zu verschwenden. Braves Schaf. Hinter Masken. |
| Odessa | Weißt Du an was ich gerade denken muß? An das schwarze Schaf, das Du so magst. Und daran, wie wir beide - als Du und Rüdi letzte Woche hier wart - durch den "DM" schlenderten und uns über diese Schaf-Karten freuten, uns wie die kleinen Kinder amüsierten darüber. Und wie Rüdi mir den "Hugo"-Bären schenkte der traditionsgemäß den anderen 83 Bären namentlich vorgestellt wurde und wie Du diese Karte, "für Euch passend" ausgesucht hast und Deine Augen dabei glänzten und Rüdis Augen erst recht... Du wirst niemals grau werden, Angie. Weil Dein Herz aus Gold ist und Deine Augen voller Sonnenschein sind und weil Du in den kleinen Dingen des Lebens immer noch so viel Freude empfinden kannst. Denk an die "gute Luft" hier und wie gut es Euch tat. Denk an den ZAUBERORT, meinen Zauberort Wasserfall, den zu teilen mit Euch mir für diesen einen Tag vergönnt war. Denk dran, als Ihr sagtet daß man dort so schöne Lieder komponieren könnte. Denk an das Baumstamm-Salatbuffet und an "Humphrey & the Holz vor the Hüttn", denk an den knallrot-grünen Trachtenhut und an weißen Schnee auf Adler-behorsteten Berggipfeln, denk an "Woits ia draussnbleim?"-Rüdi und an "noch mehr Gelegenheiten für peinliche Fotos, es muß nicht DIESES Hirschgeweih an der Wand sein". Es gibt so viel, was nicht grau ist und was wir hatten in diesen Tagen und was wir immer noch und immer wieder haben. Manches davon ist beige velvet, manches ist ein Märchenschloß in den Allgäuer Bergen, und manches sind die wenigen Menschen, die wir lieben und die, die wir Freunde nennen. Ganz viel Farbe und Kraft wünschen wir Dir für diese Woche, und denk dran: "Perdita Durango trug auch schwarz" ;-) - Dich umarmend, die Honeymans. |
| Nnordy | [SIZE=1]Liebe Freundin, wieder mal ein leises 'Danke' an Dich, daß Du es immer wieder schaffst mir ein Lächeln inmitten grauer Gedanken zu bescheren, ein Tupfer Farbe, ein kurzer Strahl der Sonne inmitten einer bleiernen Wolkendecke... Jetzt sind die vier Tage vorbei, doch nichts ist einfacher geworden... [/SIZE] Wir schauen uns Schnulzen an, und bei blöden vorhersehbaren Fernsehshows kommen mir die Tränen. Sie fallen einfach, als wäre dort in meinem Inneren ein einziger großer Quell, der immer und immer wieder überläuft, wenn mein rationales Ich einen Moment lang nicht hinschaut, wenn ich wieder kurz ganz werden darf, überdreht emotional, theatralisch dramatisch mit jeder Menge Theater-Drama-Gefühlen. Wenn ich das Gefühl habe das Herz läuft mir über wenn mir das kleine beigefarbene Chinkind auf der Hand herumkrabbelt und ich kurz die Nase in seinem Fell vergraben darf, wenn Marienkäfer durch die Luft fliegen und mein Opa ihnen mit glänzenden Augen nachschaut, wenn meine Mama sich freut bloß weil ich ihr eine kleine Aufmerksamkeit mitgebracht habe, wenn eine Freundin schier sprachlos ist wenn man ihr etwas Winziges schenkt, wenn Du mich mit diesem ganz besonderen Blick anschaust und ich wieder schmelze wie am ersten Tag... Vielleicht ist es alles etwas weiter weg als früher, vielleicht ist es hinter Glas, dennoch ist es gegenwärtig, und dafür bin ich dankbar. Es sind diese wenigen Augenblicke, die mir Leben einhauchen, diese ganz seltenen Momente, wenn all die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung und Verbitterung dieser Welt so ganz und gar unsichtbar und Galaxien weit entfernt sind, wenn nichts anderes zählt als das Jetzt und Hier und die Freude des Augenblicks. Sie sind Balsam für meine völlig überstrapazierten Nerven, ich merke, wie ich bei jeder Gelegenheit 'schnappe', und ich hasse mich dafür, weil ich unsensibel bin und die richtigen Worte nicht mehr finden kann. Alles viel zu weit weg. Ich empfinde eine Art morbider Freude im Angesicht des Morgen. Ich sehe mich in dieses Büro hineingehen, wenn diese Person es zu weit treibt, und dann werde ich dieser Frau, die uns wieder um Monate zurückgeworfen hat, entweder alle Zähne ausschlagen, oder sie verbal so zur Sau machen, daß sie nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Eine solche rücksichtslose inkompetente Person dort arbeiten zu lassen ist nicht nur gemeingefährlich, sondern in höchstem Grade gefährlich - und wenn sie morgen nur einen einzigen Satz falsch herausbringt, werde ich in dieses Büro spurten wie Medea persönlich. Ich kann eine Furie werden, wenn es um die geht, die mir am Herzen liegen. Dann bekommt meine Stimme eine ganz andere Art von Macht - das haben schon verschiedene Personen zu spüren bekommen. Ist es verwerflich, wenn ich darum weiß, es einzusetzen? Nein. Letztlich ist es doch nur eine Mixtur aus Schallwellen, Frequenzen, Intensität und meiner ganz persönlichen Prise individuellen Ausdrucks. Reine Physik. Vielleicht mache ich mir das Leben nur unnötig schwer, wenn ich hinter allem mehr sehen will. 'Es gibt keine Zufälle.' Manchmal glaube ich daran. Wir sehen uns Schnulzen an, und alles ist so, wie es sein soll. Vielleicht bin ich noch nicht ganz tot. Vielleicht kann ich tatsächlich noch etwas geben. Ich möchte es so gern, auch wenn ich nicht weiß, ob ich es kann. Interessiert es irgendjemanden noch, ob ich etwas zu sagen habe, ob es Dinge gibt, die die Welt vielleicht nicht zu einem besseren, aber möglicherweise erträglicheren Ort machen? Ich weiß nicht viel, wenn es um bloßes kühles Wissen geht. Es ist möglich daß ich auf anderen Ebenen mehr 'weiß' - ich war nie ein Informationsverwerter. 'Man sieht nur mit dem Herzen gut' sagt Saint-Exupery. Er hatte Recht. Doch dummerweise vergaß er dabei zu erwähnen, daß das auch viel mehr weh tut. Constantly bleeding. |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]Warten auf Godot... Ich warte...[/COLOR] Gut 20 Minuten hat sie uns warten lassen. Nun sitzt Du dort in diesem Büro, und Madame fleischgewordene Frustration traktiert Dich mit allen Mitteln der 68er Psychologie. Wunderbar. Ich sitze hier draußen, narzißtisch unsere Musik im Ohr und den Stift in der Hand, schaue auf das graue Linoleum des Bodens, die terrakottafarbenen Wände, die braungestrichenen Türen mit den roten "Bitte nicht stören" Leuchtschildern neben den Türrahmen. ... Hör nicht auf ihr Wort sie lassen dich nicht fort von hier... ... Drum mach dich endlich auf Dreh' dich nicht um und lauf, lauf, lauf... Es gibt keine Zufälle. Die Atmosphäre in diesem Gebäude ist erdrückend und kalt. Stumpfes Licht, gespiegelt, bleibt stumpf. Ist es das, was wir werden sollen? Kann es sein, daß sich unser Leben hier entscheidet, hier, im grauen Terrakottaflur? Vielleicht will ich es auch nur nicht wahrhaben, aber ich weiß mit absoluter Sicherheit: NEIN. Nicht deshalb, weil 'so etwas immer nur anderen passiert' - sondern weil ich es nicht zulassen werde. Nicht jetzt, nicht heute, und auch nicht morgen. Leo. Ich warte, warte auf Dich. In der täglichen Hölle vo mehr als 4 Millionen Menschen in Deutschland, und habe dabei das Gefühl, daß die Hände, die hier nach meiner Kehle greifen wollen, bei dem Versuch schon zurückprallen, die Füße, die mich treten wollen, auf dem Weg schon stolpern, und bei dem dazugehörigen Bild in meinem Kopf muß ich unwillkürlich lächeln. Denn hier finde ich sie wieder, die brennenden Barrikaden, die Lanze, die flatternden Haare im Wind, den Rauch über der Straße. Sie werden uns nicht zu etwas machen, das wir nicht sind - und das wir nie sein wollen. Ich möchte, daß Du wieder wahrhaft und freudvoll lachen kannst. Ich möchte, daß Du wieder glücklich bist, daß Du wieder ganz wirst. Und ich möchte Dir so gern dabei helfen, auch wenn ich weiß, daß Du einen Großteil des Weges ganz allein und für Dich wirst gehen müssen. Doch ich verspreche Dir - wann immer Du mich brauchst: Ich bin da. Mit dem Sani-Päckchen, wenn Du verletzt bist, mit meinem Atem, wenn Dir die Luft ausgeht, mit meinen Armen und Beinen, wenn Dich deine Füße nicht mehr tragen wollen, mit kaltem WAsser, wenn Du Durst hast, und mit einem Pfefferschnitzel - frisch geklopft - wenn Du Hunger hast. Ich bin da, immer. Ich warte. "Bitte nicht stören" - zum Teufel damit. Nichts ist dicker als die Mauern, die wir um uns selbst errichten. Ich müßte jetzt singen, um Dir meine ganze Kraft schicken zu können, doch so tut es auch der Atem, den ich aus meinen Lungen hole, und das Chi, das selbst der graue Linoleumboden zu geben vermag. Energie ist etwas Wunderbares. ... gibt es nichts, das mich hier noch hält... Wiederum - keine Zufälle. Kranker gelbgrauer Tag. Für den Rest des Monats wünsche ich mir mehr Rot, Orange, Blau, Lila... Wir sind nicht krank, selbst wenn das Leben es so will. 4.12.2006 |
| Nnordy | [COLOR=orangered]J'attends...[/COLOR] Ich warte, immer noch, auf irgendetwas, vielleicht, daß die Welt aufhört sich zu drehen, oder das Herz zu schlagen. Taumele halb blind und ziellos von Tag zu Tag, während die Zeiten an mir vorbeifliegen und ich nur den Luftzug spüre, den ihr Flug verursacht. Durch meine Finger zerfließen die Nebelschleier und alles entfernt sich, viel schneller, als ich zu laufen vermag. Verschwindet hinter dem Horizont, der nur noch blaß glüht, die letzte Erinnerung an eine warm-rote Abendsonne, dem letzten Abglanz von Gold in der Luft und auf dem stumpfen Grau der Häuserwand. Nach den Ausrufezeichen und den Fragezeichen kommen mir nun gar die Aussagen abhanden - leere Metaphern. Ein wunderbarer Hauch von Nichts. Wie das Nachtkleid meiner Großmutter, die ich so liebte, das auf dem Bügel hängt in meinem Schrank weil ich es niemals anziehen könnte ohne daran denken zu müssen daß ich nicht sie bin, auch wenn ein kleiner Teil von mir es doch ist. Die Mutter meiner Mutter. Du fehlst mir so sehr... Die Tage sind so furchtbar leer. Ereignislos, freudlos. Mit ein bißchen Mühe kann ich mich immerhin aufraffen und Freude empfinden, doch sie kommt nicht mehr von allein zu mir. Sie meidet mich, genauso wie mich alle anderen Gefühle zu meiden scheinen, die etwas anderes sind als graue Langeweile oder blaßgrüne Gleichgültigkeit. Und obwohl ich weiß, daß es andere Farben gibt. Das Gold des Abends. Das helle warme Grau des kleinen Chinbabys, das doch schon so riesengroß geworden ist. Die orangefarbene Wärme Deiner Umarmung, wenn Du mich ganz ganz fest hältst. Das melancholische Blau eines Nachmittags mit 'meinen Mädels'. Das helle Lila des frühmorgendlichen Himmels. Das Grün in den Augen meines Opas im Angesicht der Marienkäferinvasion. Ich habe eine Farbenobsession. Wie untrue. Dabei bringen mich schon Kleinigkeiten aus der Fassung. Habe mich selbst nichtmal mehr zu 50 Prozent im Griff, und die Flasche Heidelbeerwein am Samstag hat auch nicht mehr gebracht als einen leichten Kopfschmerz und ein Gefühl der Blümeranz am nächsten Tag... Aber da kann schließlich keiner was für. Es ist dunkel geworden. Schwarz ist die Farbe der Nacht. Ich sitze auf dem Abstellgleis, der letzte Zug ist längst abgefahren, und warte, ohne zu wissen, auf wen oder was. Vielleicht werde ich aufblicken, den Mond ansehen, und dann wird es mir wieder einfallen... |
| psychochicken | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nnordy [/i] [B][SIZE=1]Interessiert es irgendjemanden noch, ob ich etwas zu sagen habe, ob es Dinge gibt, die die Welt vielleicht nicht zu einem besseren, aber möglicherweise erträglicheren Ort machen?[/B][/QUOTE] Ja. Und selbst wenn nicht... Ein bisschen ist es wie mit den Träumen. Sei nicht traurig, wenn dir keiner zuhört, traurig wäre es wenn du nichts zu sagen hättest. |
| Nnordy | [COLOR=indigo]"... Damn the madness of my pride the price I paid was much too high My dreams became reality Cause I'm walking on both sides Much more real than my life I am caged by thick ice Makes me gloomy and morose Why I dared to go so far lost my strength and lost my heart I've to stay somewhere between Cause I'm walking on both sides..." (Pink Turns Blue, Walking on both sides)[/COLOR] Herzlichen Glückwunsch zur Beförderung. Ja, ich gebe zu, kurz habe ich mich darüber gefreut. Aber zum einen ist es ja eh nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, zum anderen ist der Grad der intellektuellen Stimulierung nach wie vor kleiner gleich Null. Industrie-Tristesse. Belanglos. Banale illusorische Freuden die das Wort nicht wert sind das ich tippe. Ich trete in meiner geistigen Entwicklung auf der Stelle, und das zermürbt mich, langsam aber sicher. Auch wenn die Uni nicht mehr mein Platz ist - mir fehlt die Freude, dieses erhebende Gefühl von neuem Wissen, neu erschlossenen Horizonten, von Geschichte und Gegenwart, vom lebendigen Wesen der Sprache... In meinem Kopf lebte und arbeitete es, und vielleicht verlieh es auch meinem Gang ein klein wenig mehr Schwung, ein bißchen mehr Energie, ein Quentchen mehr Geradlinigkeit. Selbst das Gefühl von 'mein Kopf ist so vollgestopft, es geht nichts mehr rein' nach einer Logikvorlesung oder einem Blockseminar Lenz war durch und durch positiv. Es hat mich weitergebracht. Und nun - fehlt es mir. Weil mein Alltag an Banalitäten nicht zu überbieten ist. Es müßte wohl nicht so sein - wenn ich ein Mehr an Affinität zur Technik hätte, zum Konzept von Sensoren und Messgeräten. Aber die habe ich nunmal nicht. Und will sie wohl auch nicht haben. Weil mir der ganze 'schöngeistige' Kram so viel mehr liegt, mich so viel mehr interessiert, und mir so viel mehr Lebendigkeit schenkt als das alle CMOS-Farbsensoren der Welt könnten. Ich fühle mich so leer, auf geistiger Ebene irgendwo halb zwischen Leben und Tod, Gefangene der grauen Banalität von 1000 Dingen die mich nicht einmal ansatzweise interessieren, und mit denen ich mich doch tagtäglich auseinandersetzen muß. Es ist ungerecht, daß ich mich darüber beklage, immerhin habe ich einen Job, ein Auskommen. Und dennoch - mir ging es nie um Karriere oder um einen Haufen Kohle. Alles, was ich wollte, war ein Job der mir Spaß macht mit einem Auskommen das einigermaßen zum Leben reicht. Doch das ist wohl eine einzige Utopie - und mir laufen die Jahre davon. Und selbst wenn ich die Weichen anders stellen wollte - wo läge die Zukunft? Und wo ich darin? Und doch kann das Ausgeliefertsein an Banalitäten nicht das Ziel sein, zu dem mich all meine Ausbildung verdammt hat. Irgendwo, ganz tief in mir drin, brennt vielleicht noch ein kleines Fünkchen Hoffnung, darauf, doch noch ein Zipfelchen Glück zu erwischen, den Platz, wo Utopie zu Wirklichkeit wird, und wo ich mehr sein darf als ich es hier bin. Ohne Masken. Und das tun, was ich am besten kann. Schreiben über Dinge, die mir am Herzen liegen. |
| Nnordy | [COLOR=teal]Walk in silence, Don't walk away, in silence. See the danger, Always danger, Endless talking, Life rebuilding, Don't walk away. Walk in silence, Don't turn away, in silence. Your confusion, My illusion, Worn like a mask of self-hate, Confronts and then dies. Don't walk away. People like you find it easy, Naked to see, Walking on air. Hunting by the rivers, Through the streets, Every corner abandoned too soon, Set down with due care. Don't walk away, in silence, Don't walk away. (Joy Division, 'Atmosphere') [/COLOR] Don't walk away in silence... Die Stille in Dir, die Stille in mir. Erst jetzt bemerke ich, daß auch Du Dich aus den Augen verloren hast, genau wie ich mich. Verloren haben wir uns, jeder für sich allein. Ich sehe mich nicht mehr - doch wenn auch Du mich nicht mehr siehst, existiere ich dann überhaupt noch? Es tut mir weh, Dich anzusehen. Da ist so viel Schmerz, so viel stummes Schreien, so viel Bitterkeit und dann doch wieder Gleichgültigkeit, Du driftest immer weiter weg und ich stehe auf meiner Nußschale und kann nur zusehen wie unsere Hände, die ausgestreckten, sich immer weiter voneinander entfernen wenn die Wellen uns in verschiedene Richtungen treiben, auf weitem Meer, ohne irgendeinen Hafen in Sicht. Die Luft ist salzig bitter. Kann ich Dich noch rufen, kannst Du mich noch hören? Willst Du mich noch hören? Oder übertönt das Rauschen der Leere alles, was von außen zu Dir gelangen möchte? Ich kann damit leben, mit dem Eispanzer, mit dem luftleeren Raum im Kopf, mit der Schwermütigkeit zerplatzter Träume im Herzen. Aber ich kann nicht damit leben, Dich so leiden zu sehen, ohne auch nur im geringsten irgendetwas dagegen tun zu können. Ich mache den Mund auf und schließe ihn gleich wieder, weil ich die richtigen Worte doch ohnehin nicht finden kann, ich strecke die Hand aus und ziehe sie wieder zurück, weil ich Angst habe daß Du vor meiner Berührung zurückschreckst, ich sehe Dich an doch Du siehst mich nicht mehr, wenn Du gegen die Wände starrst die höher und immer nur noch höher wachsen, um Dich und mich und uns. Sind wir gefangen, jeder in seiner eigenen Hölle? Keiner von uns beiden tut einen Schritt, und doch scheint die Distanz zwischen uns immer und immer größer zu werden. Meine Hilflosigkeit schreit mich an, wieder und wieder 'Tu doch was, du mußt etwas tun' - doch ich weiß nicht was. Jedes Wort falsch, jeder Blick zuviel, jede Berührung zuwenig. Vielleicht existiere ich einfach nicht genug, um die Muskeln zu animieren oder um unter all den Banalitäten und Hirngespinsten in meinem Kopf die Tür zu Dir zu finden und zu öffnen. Vielleicht hast Du sie aber auch vernagelt und zugemauert und dreifach gesichert, keiner kommt hier rein, keiner kommt wieder raus. Ich bin wie gelähmt, lächle mein hilfloses und verzweifeltes Lächeln, das mehr eine Grimasse ist, weil dies das Einzige zu sein scheint, womit ich all dem Ausdruck verleihen kann, was in mir schreit. Ich habe keine Kraft, um irgendetwas nach außen zu schreien, nur innerlich hallt es von den Wänden meiner Seele wider. Geh nicht. Bleib bei mir. Worte verhallen, viel zu oft, ungehört. Was bleibt? [COLOR=crimson]"I don't exist when you don't see me I don't exist when you're not here What the eye don't see won't break the heart You can make believe when we're apart But when you leave I disappear When you don't see me..." (The Sisters of Mercy, When you don't see me) [/COLOR] |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]... Sleep sleep tonight and may your dreams be realized if the thundercloud passes rain so let it rain rain down on me... (U2, MLK) [/COLOR] Ich stehe draußen, das Gesicht dem Regen zugewandt, schließe die Augen und fühle nichts anderes als die Hunderte von kleinen nassen Tropfen, die auf meine Haut niederfallen. So, wie ich es schon vor Jahren, vor Jahrzehnten schon getan habe, mit geöffnetem Mund im Versuch begriffen, die Regentropfen auf der Zunge zu schmecken, schon lange bevor mich das Leben betrogen hat und mich viel älter hat werden lassen als es jemals gedacht war. Regen glättet Falten, wäscht die Jahre weg, wäscht die graue Farbe die sie immer und immer wieder versucht haben auf mein Äußeres aufzutragen mit fort, läuft in Linien die Fensterscheibe hinunter und an den Fingern meiner Hand, tropft mir ins Haar und zerplatzt auf den Stahlkappen meiner Stiefel. Es war nie so gedacht, nie so geplant. Wollte ich jemals dort stehen wo ich heute stehe? Ich weiß es nicht. Kassandra steht wieder neben mir. Ich sehe ihr nicht in die Augen - ich kann es nicht. Nicht heute. An diesen Tagen hängen so viele Erinnerungen, so viele Menschen, so viele gute Energien. Ich will sie nicht verlieren, sie gehören zu den wenigen Lichtern, den kleinen Flammen, die in den weiten dunklen Räumen meines Selbst noch erhalten geblieben sind. Flackernd. Schwankend. Meine Omi, wie sie mit mir das Mundstück an der Harmonika anbringt. Mama, wie sie mir das Notenblatt hält. Opi, wie er seinen berühmten "60-Sekunden-kein-Problem" Kopfstand im Flur macht. Papa mit dem Glöckchen in der Hand. Oma, wie sie sich über die Geschenke unter dem Baum freut. Türen am Adventskalender. Jahre in einem Buch, das niemals so dick werden sollte. Das Leben hat mich betrogen. Wo sind sie hin, die Träume die ich einmal hatte? Vielleicht habe ich niemals wirklich geträumt. Vielleicht habe ich nie die Kraft besessen, die nötig ist, um für seine Träume zu kämpfen. ich bin müde. Es war ein viel zu kurzes, viel zu langes, viel zu verschwendetes Jahr. Asche im Wind. Träume in die Nacht geflüstert und im Morgengrauen verglüht. So let it be... |
| Nnordy | Wenn die Stille einkehrt... ... wird immer alles nur noch schlimmer. Das Jahr beginnt mit dem Gefühl, innerlich schon längst tot zu sein. Wieder einmal. Wieder einmal fühle ich mich selbst nicht mehr, rotiere ich um mich selbst herum weil ich mir selbst nicht ins Gesicht sehen kann. Momente des puren Lebens? Sind schon lange grau gewordene Vergangenheit. Vielleicht... ja, vielleicht bin ich ein ganz klein bißchen neidisch auf all die jüngeren Mitmenschen, für die sich das Leben noch ein paar solcher Augenblicke aufgespart hat. Meine scheinen endgültig vorbei zu sein, abgezählt und aufgebraucht. Ich möchte irgendwelche sinnlosen oder verbotenen Dinge tun, bloß in der Hoffnung, dann wenigstens wieder die Ahnung eines einzigen Herzschlages zu hören. Ein einziges, vereinzeltes... [COLOR=crimson]POCH... [/COLOR] Was gäbe ich nicht dafür? Sich lebendig fühlen. Ich weiß nicht einmal mehr, wie das geht. Wie der Arbeiter am Fließband, in grauer Kluft mit grauem Gesicht, der tagein tagaus die selbe Arbeit verrichtet, und dann einmal kurz aufschaut, ganz kurz nur, und für diesen kurzen Lidschlag sind seine Augen wieder blau und wie ein Lichtstrahl kündet ein Blick davon, daß auch in dieser menschlichen Hülle ein großer Friedhof voller Träume liegt... Und dann ist es vorbei, als wäre es nie geschehen. Alle Bewegung wird im Vakuum annulliert, die Luftröhre abgestellt und das Atmen eingestellt. Momente mit dem leisen Anklang von Wärme schockgefrostet. Und schließlich ändert es ja doch nichts daran. Denn ich bin nicht tot - ich sterbe. Wie wir alle, jeden Tag ein bißchen mehr. Und meine Angst davor war mehr als nur gerechtfertigt. Erst die Hölle im Kopf. Jetzt die Hölle im Herzen. Kein Platz mehr für ein letztes... [COLOR=crimson]... POCH... [/COLOR] |
| Nnordy | [COLOR=skyblue]... Silent groaning on the floor Slight clicking out the light Gentle squeaking of the door I am off in the night Away away Nothing's left to say I am far away Kicking empty cans Just around the corner Maybe you look on me As a lonesome mourner While I'm drifting off Along distant shores Think I'm nothing but this tin Because I don't feel anymore Was it meant for me When you soared from that pole Can you see what I can't see A resting place for my soul Away away Nothing's left to say I am far away... (Deine Lakaien, "Away") [/COLOR] Das neue Jahr ist gerade ein paar Tage alt, da kam gestern der Anruf meiner Freundin, daß die Mutter ihres Freundes gestorben ist. Er ist 37, die Mutter war Anfang 60... So etwas macht Angst. Es sind die Schritte hinter mir, in der Dunkelheit, die näher und näher kommen, unheilvoll, dräuend, lauter und lauter werdend... Und die Gewißheit, nicht entkommen zu können, ohnmächtig zu sein gegen das Unvermeidbare, wenn die Luft schwerer wird, die Kehle zugeschnürt, der Schmerz hinter der nächsten Ecke steht, bereit zum Sprung. Es nützt nicht das Geringste, 'vorbereitet' zu sein. Ja, ich wußte es damals, daß meine Omi sterben würde, auch, wenn ich es mir nicht eingestehen wollte, und doch hat es nicht das geringste bißchen geholfen, als sie dann ein paar Tage später starb, Bis auf die Tatsache, daß es mir gut getan hat, daß ich mich von ihr 'verabschieden' konnte, denn das habe ich, am Tag vorher, als ich 5h im Krankenhaus an ihrem Bett saß und mit ihr redete, obwohl sie medizinisch gesehen im Koma lag, doch ich konnte einmal sehen, daß sie versuchte, ihre Augen zu öffnen, und ganz kurz schien es hellblau unter dem Lid hervor... Denn ihre Augen strahlten immer, strahlten so viel Wärme und Liebe aus, daß mir jetzt, während ich schreibe, wieder die Tränen an den Wangen herunterlaufen, obwohl es doch schon bald 8 Jahre her ist. Sie fehlt mir, sie fehlt uns. Opi war seitdem nie mehr der Alte. Wie auch, nach über 52 Ehejahren? Es wird mir ein wohl auf ewig verschlossenes Rätsel bleiben, wie Omi sich so viel Wärme bewahren konnte - trotz ihres schweren Lebens, trotz ihrer körperlichen Einschränkung durch die Kleinwüchsigkeit, trotz ihrer Krankengeschichte. Nie war sie verbittert, selbst dann nicht, als sie auf einem Auge erblindete, 3 Monate vor ihrem Tod. Ich wünschte, ich hätte diese Eigenschaft auch, auch mir könnte die Verbitterung nichts anhaben, doch ich weiß, daß ich es nicht habe. In den Momenten, in denen die Taubheit einmal von mir abläßt, bin ich zornig, enttäuscht, voller Schmerz. Alles ist falsch gelaufen. Alles läuft falsch. Ich stehe mitten im Nichts und bin mir völlig sicher, daß ich hier gar nicht stehen dürfte. Hier wollte ich niemals hin. Um mich herum nur leere Ödnis. Kein Baum, kein Strauch, nur tote Erde. Nicht Tag, nicht Nacht, nicht einmal richtiges Zwielicht. Ich wünsche mich weg von hier, obgleich ich weiß, daß ich laufen müßte, um fortzukommen, doch alle Richtungen scheinen gleich schlecht zu sein. Woher soll ich wissen, wohin ich gehen soll? Warum muß eigentlich immer ich diejenige sein, die die Entscheidungen trifft? Ich habe früh angefangen, für die Emanzipation zu kämpfen, und ich bin heute noch überzeugt, daß es richtig war. Doch es hat mich der Möglichkeit beraubt, einmal passiv sein zu dürfen, einmal mich nicht selbst weiterschleppen zu müssen, sondern getragen zu werden, einmal nicht entscheiden zu müssen im Vertrauen darauf, daß jemand weiß, wie meine Prinzipien aussehen, welche ethisch-moralischen Grundsätze ich vertrete, und für mich mitentscheidet. Ja, das ist faul. Doch ich bin so müde, ich möchte einmal schlafen dürfen ohne stets sprungbereit zu sein, einmal schlafen dürfen im Vertrauen darauf, daß, auch wenn ich nicht wach bin, nichts geschehen wird, was ich nicht will. Einmal völlig aufgehoben sein. Einmal nicht anfechtbar sein. Einmal schlafen im Wissen, daß alles gut ist - und bleiben wird. Ist es denn so verwerflich, so unmöglich, ein Verrat an mir selbst? Ich bin so müde, wieder einmal. Mein Körper schmerzt, vor allem die Schultern, aber auch der Kopf, da ist wieder dieser eiserne Ring, der sich immer enger zusammenzieht. Ich stecke fest im Sumpf, unfähig, mich zu bewegen, oder vielleicht will ich mich ja einfach nur nicht mehr abstrampeln, wenn ich weiß, daß es ohnehin keinen Sinn hat. Nicht mehr ins Leere treten. Nicht mehr gegen Windmühlen kämpfen. Nicht mehr Projektionsfläche sein. Vielleicht - einfach nicht mehr sein. Nicht mehr als ein Blatt im Wind, als ein Tropfen der zur Erde fällt, als ein gehauchter Kuß auf warme Lippen, als ein letztes 'Lebewohl' zwischen zweien, die sich nicht wiedersehen werden. Eine leichte Brise, die am Ende des Regenbogens, nach der längsten Nacht zur Ruhe kommt. Will nichts mehr, begehre nichts mehr. Leere. Stille. Und die Angst gleitet davon... |
| Nnordy | [COLOR=orangered]Sleepless in...[/COLOR] Ich kann nicht mehr schlafen. Gestern Nacht knappe 4 h, heute Nacht nicht einmal 3. Wälze mich herum, mache mir Sorgen um meine Diva, die seit gestern nicht mehr frißt, sehe meine eigene Zukunft in den reißenden Fluten eines Wasserfalls verschwinden - und kann mich doch nicht aufraffen. Seit gestern hat mich die 'Arbeitswelt' wieder und langsam wird mir hier alles egal. Heute Abend werde ich mir wohl ein bißchen Heiterkeits-Chemie einwerfen - vielleicht kann ich ja dann schlafen. Obwohl es wieder nur Symptomatik ist, bestimmt. Denn die Alltagsfurcht hat sich abermals durch die Hintertür eingeschlichen - die Rechnungen wachsen mir über den Kopf, die Uni sitzt mir im Nacken (4 Hausarbeiten in 6 Wochen, aber kein Problem für Super-Nnordy, die vor allem ganz allein selbst daran schuld ist daß es überhaupt soweit kommen konnte...), dank wachsender Abgaben werde ich wohl nächsten Monat mindestens 50 Euro weniger Gehalt bekommen (was bedeutet, daß die neu abgeschlossene MultiPlus-Versicherung - Rechtsschutz, Haftpflicht, Hausrat - doppelt teuer zu Buche schlägt) und über andere Zukunftsplanungen wollen wir gar nicht erst reden. Zu Hause sitzt das schwarze Fellknäuel im Häuschen und will nicht mehr fressen, und ich bekomme hier die Krise. Zu Hause liegt der Mann, den ich liebe, und ich hantiere hier mit ungeschickten Wörtern und vertrackten Sätzen voller Technik die uninteressanter nicht sein könnten, weil sie nichts, aber auch gar nichts vom Leben abbilden, nicht atmen, nicht gefühlt werden. Sprache tot. In verschlungensten Gehirnwindungen kriechen meine müden, sich im Kreise drehenden Gedanken durch die dunklen Gänge, gefangen in der immer gleichen Spirale, verdammt, sich immerzu selbst wiederzukäuen, ohne Anfang, ohne Ende. Meine Augen brennen. Müde. Müde und schlaflos. Eine brilliante Kombination. Ich habe Angst vor heute Abend, wenn ich nach Hause komme und das Fellbündel immer noch nichts gefressen hat. Vielleicht nehme ich mir auch einfach eine Decke und lege mich rüber zu den kleinen Punkrockern, in der Hoffnung, daß es irgendwas bewirkt, ebenso wie der Gesang am Abend oder die leisen Worte am Morgen. Und in der Hoffnung, daß es auch bei mir etwas bewirkt. Vielleicht, daß ich endlich aufwache aus einem Dornröschenschlaf, den ich mir ohnehin nie leisten konnte. Menschen wie ich werden nicht wachgeküßt. Menschen wie ich können nur schlafen - oder wach sein. Aber niemals geweckt werden. Möglicherweise finde ich irgendwo in den Tiefen meines Ichs noch die notwendige Energie, um nicht endgültig dem Schlaf zu verfallen - wissen kann ich es nicht. Werde es nie. Und eigentlich ist es auch gleichgültig. Das Leben passiert nicht im Traum. |
| Nnordy | [COLOR=indigo]Eigentlich... müde. Eigentlich... Angst. Eigentlich... resigniert.[/COLOR] Meine häufige Verwendung des Wörtchens 'eigentlich' beginnt, mich zu faszinieren. Drei Silben. Ich könnte auch 'prinzipiell' benutzen (das tue ich auch manchmal), oder auch 'an und für sich', oder auch - völlig antiquiert - 'wesenhaft', das sagt zumindest der Thesaurus. Aber nein, ich benutze gern 'eigentlich' - um auszusagen, was wohl 'normengerecht' wäre. Und um meine Differenz dazu auszudrücken, ich bin, war und werde wohl auch nie normengerecht sein. Ich muß es auch nicht. Ja, eigentlich - da ist es wieder - weiß ich, daß ich gut so bin, wie ich bin. Ich bin kein schlechter Mensch, bestimmt nicht. Ja, ich habe Fehler, Macken, Ecken und Kanten, bin manchmal ungerecht oder finde den richtigen Ton nicht. Es fällt mir schwer, mich zu entschuldigen, wenn ich Mist gebaut habe (auch das kommt vor), es fällt mir schwer, mich gegenüber anderen Menschen zu öffnen oder auf sie zuzugehen. Ich weiß das alles, ich kenne mich. Und doch entdecke ich Dinge an mir, die ich nicht kenne, und von denen ich mich nur abwenden kann, weil sie mir nicht gefallen, und weil ich nicht weiß, wie ich sie wieder loswerde. Sowas wird immer schwerer, je älter man wird. Warum geht es mir schlecht? Eigentlich - jaja... Eigentlich gibt es keinen Grund dafür. Wie sagte es eine Freundin vor ein paar Monaten so treffend: "Dir scheint die Sonne aus dem Allerwertesten"? Sicher - auf der Oberfläche ist das vollkommen korrekt. Doch ich bestehe nicht nur aus Oberfläche, und mein Leben besteht auch aus mehr als dem, was es nach außen scheint. Aber manchmal habe ich das Gefühl, daß die Leute nicht wollen, daß es so ist, daß man immerzu und immer nur den Schein wahren soll - doch das bin nunmal nicht ich. Ja, ich kann funktionieren, aber ab und an möchte ich doch einfach mal atmen, leben, ohne Maske. Und ohne dann Angst haben zu müssen, daß gleich der nächste Schlag in die Magengrube erfolgt. Es gibt viel zu viele 'eigentlich's' in meinem Leben. Viel zu viel, was müßte, und, wenn es nicht ist, wieder mal meine Schuld ist. Weil es immer an mir liegt. Auf der Suche nach der Schuld bin ich nichtmal mehr in der Lage, zu artikulieren, was der Grund, der Ursprung ist. Weil ich vielleicht auch gar nicht bis auf den Grund sehen will, aus der irrationalen Angst heraus, was sich in den tiefen Gewässern verbergen könnte, oder auch schlicht vor der Spiegelung meines eigenen Antlitzes. Und 'ich weiß es nicht' taugt nicht gut als Antwort. Und es ist eine Lüge. Ein Teil von mir weiß es sicher, und gesteht es sich nur nicht ein. Ich schließe diesen Teil aus, ich verbarrikadiere mich gegen ihn, schiebe Schloß und Riegel und schwere Möbel davor, weil draußen bleiben muß, was ich 'eigentlich' nicht haben will. Lieber der Angst ins Gesicht schauen als dem, was mich, voll durchanalysiert und dennoch fremd, dort draußen anknurrt. Bequeme Eigentlichkeit. Scher dich nicht um die Risse, die meine Oberfläche überziehen, es gibt noch genug Kitt, der sie zusammenhält. Eigentlich. |
| Odessa | Liebe Freundin... soll ich Dir aufschreiben, was ich Dir gestern versicherte? All die Gründe WESHALB Du meine Freundin bist? Weshalb ich Dich liebe, und er auch? Du wirst ohne Maske geliebt. Mit all den Macken und Fehlern, die wir alle haben weil wir Menschen sind, und keine perfekt funktionierenden seelenlosen Roboter. Du bist ein toller warmherziger Mensch. Du kannst Wärme ausstrahlen. Du kannst zuhören. Du kannst aber auch erzählen und dann höre zumindest ich Dir immer gerne zu, und ich bin mir sicher da bin ich nicht die Einzige. Du kannst so viel geben. Du kannst auch viel Blödsinn machen und es genießen wie ein Kind. Du bist das alles und noch viel mehr. Du darfst nur eines bitte bitte nicht - Dich aufgeben. Resignieren. Dich in die Rolle flüchten, von der Du mir gestern erzähltest. Das ist Deiner nicht würdig. Das Leben ist zu kostbar für solche selbstgewählten, in alte Muster verfallende "Rollen-Spiele". Die nur müde machen. Die das Leben grau und duster machen wie einen sonnenlosen öden Herbsttag, der nach Abend und Tod aussieht aber nicht nach Zuversicht, Liebe, Leben und Babyglucksen. Wenn da ein drittes Wesen bald ist, das Dich braucht - und zwar immer braucht, jeden Tag, und Dich gesund und einsatzfähig und mit viel Kraft braucht - dann darfst Du nicht aufhören, DU zu sein. Weiterhin an Dich zu glauben und dafür aber auch zu kämpfen. Was heißen wird, daß sich Dinge ändern müssen. Daß Du an Deine Gesundheit denken mußt und dafür was tun mußt. Daß Du Dich nicht flüchtest oder versteckst - Du bist es WERT, Du bist WERTVOLL. Ich schreibe es in groß, weil ich fürchte daß Du es sonst wieder vergessen oder überhören könntest oder nicht glauben willst :-). Wie oft hast Du mir zugeredet, stundenlang, als ich in meinen Selbsthass-Attacken und Selbstzweifeln gefangen war. Und wie gut taten mir Deine "Tritte in den Bobbes" immer, weil sie mich wachrüttelten. Dafür danke ich Dir immer wieder, so wie ich Michaela immer wieder danke für die gleichen Tritte;-). Du brauchst keine Maske. Niemand braucht eine. Fühl Dich liebevollst getreten und umarmt. Du weißt, daß ich immer da bin für Dich, für Euch. Nicht nur "oberflächlich jaja sagend", wie es leider so viele Menschen heute tun und worunter wir doch alle am meisten leiden (sh. "Projektionsfläche" und "es ist einfacher", man braucht nicht soviel Zeit fürs Gegenüber), sondern mir Gedanken und Sorgen machend - wie man sie sich macht wenn man jemand liebt. Und daß er Dich liebt, das sehe sogar ich blinder Maulwurf. Daß Du ihn und das Leben liebst, fühle ich mit jedem Wort von Dir. Resigniere nicht. Lebe das Leben und die Liebe. Weil es das WERT ist. Weil Du es wert bist. In Liebe, "Fräulein Rottenmeier" ;) |
| Nnordy | [SIZE=1]Liebe Freundin, wie immer bringst Du mich dazu, zu lächeln, auch wenn mir eher 'zum Heulen' ist... Vielleicht weiß ich es, und will es bloß nicht wahrhaben. Oder vielleicht denke ich auch, daß es für 'Menschen wie mich' bestimmte Sachen nicht geben darf - oder kann. Eigentlich...[/SIZE] [COLOR=royalblue]Moonlight Shadow...[/COLOR] Die schmale fahle Mondsichel heute Morgen, wie sie da zwischen den Bäumen hing, gemahnte mich spontan an die wunderbaren Bilder von Caspar David Friedrich. Trotz scharfer Klarheit irgendwie surreal blinzelte das Auge der Nacht zu mir herüber, während der Nebel sich sanft um meine Knöchel legte und ich mir einen bequemen Sessel und einen warmen Kakao in den Garten wünschte, um die blaue Stunde genießen zu können ohne Arbeit und Sorgen und Müdigkeit im Nacken sitzen zu haben... Nun färbt sich hinter mir der Horizont zartrot, und bald wird das goldgelbe Auge des Tages über den Rand der Welt steigen und vielleicht erreichen auch mich ein paar warme Strahlen, um den Eisklotz wieder einmal etwas zum Schmelzen zu bringen, selbst wenn ich nicht daran glaube. Die Hoffnung stirbt zuletzt... Annoying. Möglicherweise rufe ich nur deswegen so laut nach Resignation, um mich selbst zu betrügen, weil ich so ein verdammter Hoffnungsmensch bin. Immerzu hoffe ich, meist selbst dann, wenn jeder vernünftige Mensch dieselbige schon längst begraben hätte. Leider funktioniert der Selbstbetrug und das Getrickse auch bei mir lediglich eine bestimmte Zeitspanne. Romantik - ich war mal sehr romantisch, auch heute noch gibt es bestimmte Dinge, die mich tief berühren, mich schmelzen lassen wie Butter in der Sonne. Doch vieles davon ist mir über die Jahre abhanden gekommen, weil es durch anderes, durch 'rationale', vordergründige Dinge, verdrängt worden ist. Es ist schade, und in manchen Augenblicken schmerzt der Verlust. Aber ich lerne, damit zu leben. Es macht das Leben ärmer, es macht mich ein bißchen kleiner, leiser, zerschmettert ein paar Träume mehr. Ich habe mal geglaubt, daß das Wort 'Märtyrerin' für mich der unpassendste Ausdruck überhaupt sei. Doch das stimmt nicht ganz. Manche Dinge, die ich verloren habe, habe ich geopfert, im vollen Bewußtsein, daß der Einzige, der darunter zu leiden hätte, ich sei. Zum Wohle anderer. Es ist ok. Früher dachte ich einmal, wenn nur ich dabei draufgehe, aber dafür andere besser weiterleben können, wäre das in Ordnung. Und ertappe mich dabei, wie sich mir an manchen Tagen wieder ähnliche Gedanken aufdrängen. Bin ich krank, bloß weil es mir stellenweise völlig egal ist, ob ich lebe oder sterbe? Gehöre ich in die Psychiatrie, wenn es mir in manchen Momenten lieber wäre, ich sei tot, weil ich den Eindruck gewinne, daß ich mein Leben schon längst zu Ende gelebt habe? Es ist undankbar, selbstsüchtig und unfair. Aber ich will so nicht weiterleben. Es kostet zu viel Kraft, viel zu viel. Vorbei die Zeit, als ein einfacher Sonnenstrahl oder ein kurzes Bad im Mondlicht mir wieder Energie geben konnte - die kurze Freudenflamme, die sich entzündet, ist schneller wieder verloschen als ich sie überhaupt wahrnehmen kann. Grau in grau in grau. Gemalte Morgen wie der heutige berühren mich zumindest kurz mit ihrer ergreifenden Schönheit - doch sie tasten nur an die oberste Schicht meines Panzers, erwärmen sie kurz, so daß ein kleines Fünkchen bis zum Kern dringt und dort in der Leere verschwindet. Vielleicht ist die Schwärze dann für einen kurzen Moment nicht mehr ganz so schwarz, und mehr wie die Ahnung eines Schattens, den das Mondlicht an die Wand gemalt hat. |
| Nnordy | [COLOR=teal]And all was silent... [/COLOR] Es ist still geworden, in mir und um mich herum. Es fühlt sich ein bißchen so an als laufe ich in einer riesigen Seifenblase, die um mich und durch mich wabert, mein Herz in Watte gepackt, der Körper isoliert. Ent-seelt. Als sei meine Seele endlich frei geworden und habe 'den Rest' von mir einfach zurückgelassen, schnaufend, funktionierend, leer. Angesichts der ohrenbetäubenden Stille komme ich nicht umhin mich zu fragen, ob da die Schreie nicht besser waren - wer schreit lebt, noch. Doch eigentlich ist es zu verlockend, und zu wohlbekannt - das Aufgeben, das sich Hinabsenken in das weiche und einladende Bad der Apathie, das Abstellen der spiralförmigen Gedanken und verzweifelten Schreie, das Abbinden der blutenden Träume und Wünsche. Und auch wenn ich mich dafür hasse, merke ich, wie ich wieder zurücksinke, mich fallen lasse, mit einem leisen Lächeln auf den Lippen, denn auch wenn ich nicht aufgefangen werde, selbst dann, wenn mein Kopf mit einem häßlichen Geräusch mit dem Boden der Schlucht kollidiert - es ist nicht wichtig. Und es ist nicht schlimm. Denn mein Körpergefühl ist ebenfalls schon längst abhanden gekommen - ich fühle mich nicht mehr. Es gibt so viel, was ich bedaure, so viel, was falsch gelaufen ist, so viel, was ich hatte ändern wollen, früher einmal. Doch auch wenn ich es noch sehen kann, so kann ich es doch nicht mehr greifen, zu weit entfernt hat es sich von mir, ich von ihm. Es entschwindet, und der Nebel legt sich wie eine Decke darüber, läßt es verschwimmen und immer undeutlicher und transparenter werden, und schließlich ist da nichts mehr, vielleicht noch ein Schatten, oder die Ahnung nach der Wärme aus meinem Kopf. Wie ein Blatt, das von seinem Ast mit einem leisen Seufzen nach unten gleitet, getragen vom Nordwind hinuntersinkt auf die Erde, bis es den Ast nicht mehr sehen kann, aufgenommen wird vom warmem Grund und dort langsam und leise ins Vergessen hinüberdämmert, bis sich der erste Schnee darüber legt und ihm sacht die Augen schließt. Ich lege mir die wenigen Schneeflocken, die dieser Winter preisgibt, über die Augen, bin dankbar für die Kühle, die die Tränen wegschließt - und falle. |
| Nnordy | [COLOR=skyblue]Always misunderstood...[/COLOR] Noch eines der Dinge, an die ich mich gewöhnt haben sollte - das man mich mißversteht. Ich bin wohl einfach nicht in der Lage, mit meinen Worten das auszudrücken, was ich zum Ausdruck bringen will, oder vielleicht formuliere ich einfach nur falsch. Oder vielleicht so schwammig, daß man dort hinein alles interpretieren kann, was man nur möchte. Mir Dinge unterstellen kann, die ich nie gemeint habe. Früher hätte mich das geärgert. Heute macht es mich nur noch traurig. Warum ist das Bild nach außen so wichtig? Warum soll nach außen glatte Fläche sein, wenn in mir ein Trümmerfeld ist? Warum kann man mir im selben Atemzug Hysterie und mangelndes Interesse vorwerfen? Weil es so ist? Oder weil man es so haben möchte? Vielleicht stelle ich die Fragen falsch. Vielleicht sollte ich vielmehr fragen, womit ich verdient habe, daß man mich mit solcherlei Dingen konfrontiert. Wie ich nach außen wirken muß, daß man mir Sachen unterstellt, an die ich nicht im Traum gedacht hätte und von denen ich mir nicht im entferntesten vorstellen konnte, daß man sie in meine eigenen, armseligen kleinen Worte hineinphantasieren könnte. Und schließlich regt sich dort in mir doch auch ein kleines bißchen Ärger. Warum soll ich mir immer die Schuldmütze aufsetzen? Man kann mir sicherlich vieles vorwerfen. Doch eines nicht: Daß meine 'Versäumnisse' auf böse Absicht zurückzuführen sind. Ich möchte niemanden verletzen. Ich möchte nicht ignorant sein. Ich möchte da sein. Doch ich kann mich nicht zerteilen. Und ich kann nur so viel leisten, bevor auch ich zusammenbreche. Meine Reserven sind nicht endlos, waren es nie, werden es nie sein. Ich bin nur ein Mensch. Mit einem riesigen Haufen an Angst, den ich nur mühsam hinter verschlossenen Türen zurückhalte. Wie oft habe ich mich schon mental geohrfeigt, wenn ich unsensibel war - doch ich habe auch meinen Stolz. Auge um Auge, Zahn um Zahn? Das war nie mein Credo, wird es nie sein. Aber es gibt Schlachten, aus denen weiche ich nicht zurück. Nicht mehr. Will mich nicht ein ums andere Mal selbst verlieren, weil und wenn ich es tue. Der Preis ist zu hoch. All die Jahre bringt es mir nicht zurück, aber ich kann etwas ändern. Ich muß etwas ändern. Um weiter stark bleiben zu können, weiter da sein zu können. Um weiterzumachen, und sei es nur, so lange noch eine Stimme nach mir ruft, eine Hand mir entgegengestreckt wird. Ich will nicht allein gehen. Nur das Mißverstandenwerden, ein ums andere Mal - das wird immer weh tun. |
| Nnordy | Mel-ancholie. Mel-odramatik. Mel-isande. Ist das mein Name? Depressiv. Traurig. Exaggerated. Ist es das, was hier steht? Nicht vorwärts. Nicht rückwärts. Nirgendwohin. Wo bin ich? Mein Leben verwirrt mich. Meine Gefühle und Einstellungen tun es noch mehr. Als müßte ich mich selbst neu kennenlernen. Ich weiß nicht, ob ich vor bestimmten Momenten Angst haben oder mich darauf freuen sollte. Ich weiß nicht, wie ich reagieren soll, wenn ich mit Dingen konfrontiert werde, die mir nicht im Traum als real, greifbar erschienen. Ich weiß schlußendlich nicht mehr, wer ich bin, wo ich bin, was ich war und was ich sein werde. Oder will? Wird es auch einmal in meinem Leben eine Situation geben, in der ich weiß, was ich will, und mich dafür werde entscheiden können? Dürfen? Warum fühle ich mich ständig fremdbestimmt, wenn ich es doch in der Hand habe, etwas zu ändern? Verdammt, das ist doch nicht die "Matrix" - das ist die Realität. Aber - um es mit Watzlawick zu sagen: 'Wie wirklich ist die Wirklichkeit?' Bin ich Opfer, Täter, unbeteiligter Beobachter? Was macht mich zu mir? Ich kenne diese Phasen, in denen meine ganze Welt nur noch ein einziges großes Fragezeichen zu sein scheint. Habe sie schon so oft erlebt, mich sooft daran gebrochen. Wahrscheinlich habe ich zu lange in selbstzufriedener Gewißheit gelebt. Oder ich habe eine Midlife-Crisis, 15 Jahre zu früh. Schlußendlich verengt sich ohnehin immer alles auf die Frage nach dem Warum. Oder den Sinn des Lebens. Auch wenn mir alles absolut banal erscheint - was interessiert mich die Metaphysik wenn ich durch erdgebundenen Sumpf wate? Der Sinn des Lebens wenn sich die Gedanken ohnehin nur noch im Kreis drehen? Ich beginne damit, mich zu verkriechen, mir Winkel zu suchen in denen ich unsichtbar werden kann, und nur in jenen Momenten, wenn ich mich wohl und sicher fühle - wenn, dann dank Freund Alkohol - wechsele ich hinüber ins andere Extrem und werde zu 'my charming self', lachend, strahlend, verständnisvoll, bemüht, zuhörend und erzählend, gebend und nicht nehmend. Dann bin ich nicht mehr dieses schwarze Loch, in dem alles versickert, was man mir entgegenbringt, so daß man sich fragen muß, ob die Worte, die Gesten, die Gefühle überhaupt bei mir angekommen sind, oder ob diese mich gar nicht erst erreicht haben. Gläserner Sarkophag, Glasscheibe, plattgedrückte Nase - das alles wird mir egal. Falsch - es wird 'my darkest self' egal. Man vergebe mir die Melodramatik, mir fehlen die geeigneten Worte, um zu charakterisieren, wie sich anfühlt, was nicht in Worte zu fassen ist. Ich bin nicht schizophren. Aber weil ich die Harmonie nicht finde, muß ich die Disharmonie ausleben. Zwei Extreme. Und ich weiß, welches ich lieber mag - doch das ist im normalen Alltag unerreichbar. - Da ist er wieder, Weiter Himmel. Sky. Es gibt einen Grund, warum ich dieses vermaledeite Spiel nach Monaten wieder ausgegraben habe, warum ich mich auf die PC-Version freue. Märchen mit Happy-End sind etwas Wunderbares. Wie viel lieber würde ich mich mit 1000 Dämonen herumschlagen als noch einen Tag länger mit diesem - MEINEM! - Leben... Melisande. Weiß der Teufel wo dieser Name herrührt. Nenn mich Melisande. Gib mir nur für einen einzigen winzigen Moment das Gefühl, daß ich jemand anders hätte sein können. Für einen Moment die Illusion von Harmonie. Nur für einen Moment... |
| Nnordy | Keine Kompromisse mehr. Nicht jetzt, nicht später. Sehenden Auges gegen die Wand? Irgendwo ist noch Hoffnung. Irgendwo gibt es sie noch - ich habe sie nur noch nicht gefunden. Irgendwo brennt mein Feuer noch - ich sehe es nur nicht mehr. Ich kann es wiederfinden, ich bin mir ganz sicher. Es kann nicht weit sein. Es war doch erst gestern, als ich 20 war. Als ich rebellierte, gegen die äußeren Umstände, gegen Menschen, die meinten, mir etwas aufoktroyieren zu können, bloß weil sie in einer undurchsichtigen Hierarchie 'über mir' angesiedelt waren. Kein Mensch ist mehr wert als der andere. Egal, was 1000 Hierarchien sagen. Und keiner ist weniger wert. Egal, was 1000 Verbohrte sagen. Sehenden Auges gegen die Wand? Mag sein. Mein Schädel ist härter als jede Wand. Meinen Willen haben sie damals nicht gebrochen, sie haben ihn gestern nicht gebrochen, und sie werden ihn auch jetzt nicht brechen. Sie, ob mit oder ohne Gesicht, ob mit oder ohne Wärme im Herzen. Alle wollen besser wissen als ich selbst, was gut und richtig für mich ist. Seid verdammt. Lieber 100 Mal sehenden Auges gegen die Wand, als auch nur einmal per Blinde Kuh in weich- und weißgespültes Normalgestade. Möge mein Himmel von 1000 roten Sternen bevölkert werden, alles, damit das aufhört. Rot. Weiß. Schwarz. Blau. Grün - 1000 Farben. 1000 Farben Grau. Irgendwo muß das Loch in der Mauer sein, irgendwo muß der Weg weitergehen. I'll crawl my way through another bleary day. Es ist doch so einfach - ein Schritt, und noch ein Schritt. Immer dem Herzschlag nach. Er muß irgendwo zwischen all dem Donnergrollen von Lähmung und ungesagten Worten sein, ein leises Pochen, das ich früher so gut kannte. Where are you now? |
| Nnordy | [COLOR=royalblue]"Was bist denn Du so gut drauf?" [/COLOR] Ehrliches Verblüffen in der Stimme. Ich bin nicht gut drauf. Ich lache, weil ich eigentlich heulen möchte. Ich moduliere meine Stimme in munteren Tonlagen, weil ich eigentlich schreien möchte. Ich bediene mich aus einem weiten Feld an sarkastischen Variationen, weil ich in einem bodenlosen Loch zu versinken drohe. Und doch... Ich lache, ich strahle, weil ich nichts anderes kann. Weil ich mir jahrelang abtrainiert habe, andere Emotionen als diese zu zeigen, bis ich schließlich verlernt habe, sie rauszulassen. Innere Trümmerlandschaft und ein Lächeln nach außen, das niemals vermuten lassen würde, wie trostlos es in mir an manchen Orten aussieht. Ich kann nur lächeln, obgleich ab und an traurig, so ist es doch ein Lächeln. Erst wenn keiner mehr hinsieht, wird das Lächeln zu einer bitteren Grimasse, und dann rollen Tränen, manchmal. Und die inneren Schreie, die hallen noch an den Wänden wider, die ich um meine so leicht erschütterbaren Seelenzustände errichtet habe, werden wieder und wieder zurückgeworfen, als immer weiter nachklingendes Echo. Nein, ich bin alles andere als 'gut drauf'. Zerrissen und im ständigen Kampf mit mir selbst und meinen Unzulänglichkeiten, mit den Erwartungen die ich immer weiter und weiter herunterschraube damit die Enttäuschung nicht mehr ganz so weh tut, wenn ich wieder mal was nicht geschafft habe, oder wenn ich wieder mal auf etwas hoffte und es nicht in Erfüllung ging. Träume, zerplatzt mit lautem Knall. Aber ich, ich darf nicht laut sein, ich kann es nicht mehr, es sei denn, laut lachend, den Kasper machend, alle wirklichen Gefühle hinter einer dicken Schicht aus Make-Up verborgen, begraben, erstickt. Ich kann nichts anderes. Aufgesetzte Heiterkeit funktioniert wunderbar. Ich spiele die Rolle so schlecht, doch offenbar gut genug für den Alltag, daß ich damit durchkomme. Eigentlich müßte ich mir selbst gratulieren, daß die jahrelange Konditionierung dergestalt erfolgreich ist. Mein Schneckenhaus mit dem aufgemalten Clownsgesicht - möge es niemand sehen, wenn ich dort drinnen stumm an die Wand starre, meine Tränen in den Ausguß kippe und meine Schreie das Klo hinunterspüle. Mögen die Augen der Welt ein weiteres Mal gnädig darüber hinwegblicken, wie klein ich mich derzeit fühle. |
| Nnordy | [COLOR=teal]"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..." (Hermann Hesse, 'Stufen')[/COLOR] Zurück von einer Reise in die Vergangenheit... Kein Song hat mich gestern Abend mehr berührt als "Away", jenes unendlich melancholische Lied von der "Winter Fish Testosterone", die eigentlich nicht unbedingt mein Favorit ist, wenn es um die Lakaien geht. Dennoch - in der ergreifenden Umsetzung mit Orchester und wunderbar schwermütigen Streichern rezitierte ich stumm parallel die Textzeilen... [COLOR=royalblue]... Can you see what I can't see A resting place for my soul Away away Nothing left to say I'm far away Kicking empty cans just around the corner Maybe you look on me as a lonesome mourner While I'm drifting of along distant shores think I'm nothing but this tin 'cause I don't feel anymore... [/COLOR] Und plötzlich kullerten drei, vier dicke runde Tropfen meine Wangen hinunter, weil mir schier das Herz brechen wollte weil ich mich so wiederfand in diesen Zeilen, weil sie mich direkt im Innersten erschütterten, und weil es doch noch nicht wirklich 11 Jahre her sein kann daß ich in meiner winzigen Bude in Flörsheim auf dem Boden saß und mir bei einer heißen Tasse Tee das neue Album wieder und wieder anhörte... Kann es wirklich 14 Jahre her sein, daß ich diese wunderbaren Musiker das 1. Mal live gesehen habe, in Durmersheim, wo sie als letzte Band bereits zwei Songs des noch nicht erschienen Albums "Forest Enter Exit" spielten, und mir damals schon "Forest" im Kopf hängen blieb, und die Nacht verzaubert wurde von der unglaublichen Atmosphäre, die dort von der Bühne ausgehend das ganze Gelände einnahm und mich, mit einem stillen Lächeln auf dem Gesicht, zurückließ? Ist es noch länger her, daß ich in meinem Zimmer bei meinen Eltern saß und völlig fassungslos in die Tiefen eines Albums namens "Dark Star" eintauchte, jede Note, jede Silbe in mich aufsog und das erste Mal in meinem damals jungen Leben das Gefühl hatte, nach Hause gekommen zu sein? Verzaubert, wieder und wieder. It's a kind of magic. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Ist das der Grund, warum ich so viele alte Alben lieber mag als neuere Sachen? Denn ja: Seit der White Lies haben sich die Lakaien in eine Richtung entwickelt, die nicht mehr ganz meinen Geschmack trifft. Es ist nach wie vor verdammt gute Musik, aber vielleicht ist es zu lange her seit dem Anfang, jenem Anfang der für mich den ersten Schritt in eine neue Welt bedeutete, und gleichzeitig den ersten Schritt in einen Traum, der lange Zeit Heimat war... Und genau das ist es auch, was mich immer bestimmt hat - die Anfänge und ihre ganz eigenen, ihnen inne wohnenden Zauber. So begann es mit uns, pure Magie. Ein Blick über 20 Leute hinweg in einem Zimmer, das ich nicht kannte, zu einem Menschen, den ich noch nicht kannte, und was in diesem Moment passierte, ist auch heute noch unbeschreiblich. Was dergestalt beginnt, ist für die Ewigkeit. Verzaubert. Immer wieder. Immer noch. Daran ändern weder Melancholie noch Traurigkeit etwas, denn es gibt diesen Platz in meiner Seele, an den die Leere niemals vordringen wird. Und vielleicht ist dies alles, was ich weiß... |
| Nnordy | ... All die Jahre... Zu viele Worte. ... Und nun, müde gelaufen von einer viel zu langen Strecke: Keine Worte mehr übrig. Verstummen. Auf unbestimmte Zeit. |
| Nnordy | Ich kehre zurück an diesen Ort... Retrospektive Worte sind hier passend, finde ich heute. **************************************** Manchmal möchte ich ein Buch schreiben. Und weil ich keine Handlung weiß, würde es ein Buch aus lauter Anfängen sein. Aus lauter Anfängen und lauter Enden - und die Geschichte dazwischen, das wäre Aufgabe des Lesers. Sozusagen ein Anfangs-Ende-Gedanken-Buch. Ja, manchmal würde ich gern ein Buch schreiben. Manchmal möchte ich gern auf einer großen Bühne stehen und singen, in einem großen stillen Saal, oder in einer großen stillen Kathedrale. Ich möchte mich klein fühlen können und durch meine Stimme dennoch merken, wie auch kleine Dinge Großes hervorbringen können, sie aufsteigen und durch den Raum tanzen lassen wie die erste Schneeflocke im Winter aus ihrer Wolke zur Erde tanzt, die Töne durch die Luft schweben lassen wie 1000 zarte Schmetterlingsflügelschläge an einem Frühlingsmorgen. Ja, manchmal möchte ich gern singen, eine kleine Frau in einem großen weiten Raum. Manchmal möchte ich gern eine Erzählerin sein, eine, der die Leute zuhören, eine, die Kindern auf Tonträgern Märchen und Geschichten erzählt, die sie freuen oder traurig machen, sie zum Lachen oder zum Einschlafen bringen. Möchte mit der Wärme meiner Stimme Andere berühren und zum Innehalten bewegen, zum Nachdenken, denn heutzutage kommt es viel zu selten vor, daß man sein Gehirn benutzt. Ich möchte das Beste in den Menschen hervorbringen können. Ja, manchmal möchte ich gern eine Erzählerin sein. Und manchmal - manchmal möchte ich einfach nur wieder voller Gefühl sein. So voller Gefühl, daß ein einziger Ton eines Liedes ausreicht, um ein Kopfkino bei mir auszulösen, daß eine einzige Stelle in einem Buch genug ist, um mir eine Träne zu entlocken, daß ein einziger Blick in Deine Augen mir den Himmel offenbart. [COLOR=blue]Die Zeit der Steine Die Zeit der Pflanzen dann kam die Zeit der Tiere dann kam die Zeit der Menschen nun kommt die Zeit der Steine Wer die Steine reden hört weiß es werden nur Steine bleiben Wer die Menschen reden hört weiß es werden nur Steine bleiben (Erich Fried) [/COLOR] Es ist die Zeit der Steine. Steine fühlen nicht. |
| Waldemar | Poch... poch...hier ist dein herz mit jedem herzschlag pumpe ich kohorten verderbter gedanken in deine venen...mit jedem öffnen der klappen begehren sie einlass in die rechte herzkammer..wo sie toben und tanzen und sich paaren mit deinem blut..bis es ganz schwarz geworden ist. .und vertrocknet und deine aorta nur noch kalte asche entsendet.. mit jedem herzschlag..78 mal.. minute um minute schlage ich die pauke.. leg dich in die ruder sklave..hier bestimme ich den takt... die küste ist nur noch erinnerung.. mit jedem tag der vergeht läßt du sie weiter zurück.. wer kann schon mit bestimmtheit sagen ob es sie noch gibt.. nur noch trübes wasser...tief unter schwarzen himmel unterm schwarzen meer..warte ich auf solche wie dich.. |
| Noir1_Kirika | Poch poch... da ist es wieder...dieses Gefühl... die Angst.... die Angst, dass das Leben a mir vorbeizieht udn ich mir eingestehen muss, dass alles, was ich wollte unantastbar geblieben ist. Manchmal schnürt mir die Angst den Verstand ab... ich will denken, kann es aber nicht... ich frage mich "schaff ich es?" Ich weiß, ich will es. Jeder Gedanke an meine Träume lässt den Herzsschlag schneller werden.... es pocht udn pocht... ja, ich will es. ja, ich will meine Träume verfolgen, ich will sie nicht vorbeiziehen lassen..will sie leben... sind es nicht die Träume, die das Leben ein wneig lebenswert machen? ich meine nicht solche, die unerreichbar udn relitätsfern sind... Herzenswünsche, Zukunftsvisionen..... doch mir kommen soviele Zweifel... Kann ich alles auf einmal haben? Muss ich mich denn nicht entscheiden...entscheiden für eine Sache, die mir im Leben wichtiger ist? Familie- Karriere - Selbstbestimmun- Gesellschaftsrahmen- ...? Es gibt so viele Regeln, so viele Maßstäbe, soviele Dinge, die mir wichtig sind. Und ich merke, ich muss mich entscheiden... ich kann nicht alles bekommen... was tun? Soll ich für die Liebe meinen Traum opfern? Glück gegen Glück eintauschen? Dnen beide Wege werden mich glücklich machen... udn doch....mein Herz will beide.... poch...poch... |
| Nnordy | Endlich... Endlich... Kann ich es wieder hören, kann ich mich wieder hören, noch begraben unter all dem Schmerz, doch endlich sind da auch wieder andere Gefühle. Ich lebe wieder, intensiv, exzessiv, von Extrem zu Extrem taumelnd. Doch es ist in Ordnung, denn das bin endlich wieder ich, die da lebt, die da taumelt, die sich da an einem Eichhörnchen, zwei Amseln, dem Sternlachen freuen kann. Ich kann mich rettungslos in 'Hurt' fallen lassen, ich kann mit 'Winter' lächelnd eine Pirouette drehen, und wenn die ganze Straße zusieht, ich kann sogar in meiner Alltagssprache endlich so poetisch sein wie ich es sonst nur in meiner Schreibe bin. Ich gehe den Weg, zurück zu mir, und es ist keine Phase, sondern das bin endlich wieder ich, mein Ich, das mich ruft, das sich mit mir versöhnen will, nach viel zu langer Zeit. Ich werde mich wieder finden. Und werde alle Bilder mit blauer Farbe übermalen und meinen Handabdruck hineindrücken, damit sie wenigstens einmal ansatzweise mit der Wirklichkeit kongruieren. Ich werde wieder offen, für alles, was Welt ist, für alles, was man an mich heranträgt. Ich werde dadurch noch angreifbarer, doch das ist es wert. Diese lauwarme Alltagssuppe ist schon lange schal geworden. Verdammt - ich bin jung, ich bin intelligent, ich bin hübsch, ich bin ein wunderbarer Mensch und die Welt steht mir offen. Es ist noch alles drin. Ich muß es nur wollen. Und ich will es wieder. Endlich ist er wieder da, der Funke des Lebens. Ich freue mich auf den neuen Tag. Carpe diem. |
| Nnordy | Niemand hat behauptet daß es einfach sei. Das ist es nie. "Du kannst den leichten Weg wählen - oder den steinigen, schweren." Und ich dummes Ding wähle irgendwie immer den schwierigen - alles andere wäre ja keine Herausforderung. Egal. Es hat noch die Kraft, mich kurzzeitig zu lähmen. Doch es nimmt mir nicht mehr den Willen. Und was früher zu wochen- oder monatelangen Gelähmtheits- oder gar todesähnlichen Zuständen führte, kratzt nun gerade noch an meiner Oberfläche. Denn ich bin stark, so stark wie ich es lange nicht mehr war. Noch bin ich zu angreifbar für äußere Nadeln, doch auch daran arbeite ich. Denn in gleichem Maße, wie ich mich selber lieben lerne, wird auch das besser werden. Es wird nie ganz weg sein - dafür bin ich selbst zu perfektionistisch. Und irgendwas hat man an sich selbst auch immer auszusetzen. Dennoch - ich bin wunderschön. Und doch keine Narzißtin. Im Gegenteil - ich kann heilen. Das konnte ich schon immer. Mit meiner Stimme, aber auch mit meinen Gedanken, die ich anderen mitgebe, wenn ich merke, daß sie es brauchen. Jetzt am Wochenende sagte mir ein lieber Mensch "Du sprichst mir aus der Seele" - denn ich kann auch ein Spiegel sein. Ich sehe Dich an, und sage Dir, was Du sehen willst - und dann sage ich Dir, was Du sehen mußt. Und ich sage Dir, wie Du beides miteinander verbinden kannst. Es gibt genug Menschen, bei denen ich dies nicht kann. Und lange Zeit konnte ich es nicht mehr bewußt, sondern hatte nur ab und an einfach Glück. Doch endlich habe ich begriffen, was auch meine Bestimmung ist, und das hat nichts, aber auch gar nichts mit esoterischem Schwachsinn zu tun. I've been there. Es ist ein bißchen wie mit Gedichten von Hermann Hesse - jeder Mensch, der dazu bereit ist, findet sich darin wieder. Weil sie so viel allgemein Menschliches thematisieren, in so treffenden Worten und Bildern, daß wir meinen, sie entsprängen unserem eigenen Seelengrund. Es gibt so etwas wie eine ganz eigene Seelenschönheit, die jeder Mensch besitzt. Und ich beginne wieder, sie zu sehen. Weil ich sie in mir selbst gefunden habe. Und das ist mit Sicherheit das wundervollste Geschenk, das ich lange Zeit bekommen habe. |
| x-xcva | [QUOTE][i]Original geschrieben von Nnordy:[/i] Doch endlich habe ich begriffen, was auch meine Bestimmung ist, und das hat nichts, aber auch gar nichts mit esoterischem Schwachsinn zu tun. [/QUOTE] Liebe Frau Nnordy, ich als altgedientes, aber unrühmlich aus der Glaubensgemeinschaft der Skeptiker ausgewiesenes Schlachtschiff, möchte dazu ein paar [I]warme Worte[/I] verlieren. Der moderne Skeptizismus, ist im Grunde auch nichts weiter als ein Dogma. Und so, wie Witze gemacht werden, über Religion, Blondinen, Waschbärgruftis und Ballermanntypen, so trifft es auch die Spiris/Esos. Wirklich boshaft gemeint sind solche Frotzeleien in aller Regel nicht, sie spielen nur mit einem Klischee. Jedoch, ein solches entsteht nur in der Überspitzung der Wahrheit. Was ich damit sagen will, ist schlicht und ergreifend, dass, wenn es Dir wirklich gut tut, es absolut legitim ist. Es gibt viel Humbug auf dem Spirimarkt, aber den gibt es auch in der angeblich ach so bodenständigen Politik. Wichtig dürfe es einfach sein, immer mal wieder inne zu halten, in Dich hinein zu hören, und wenn dann, tief aus Dir, mit vollster Überzeugung die Rückmeldung kommt, dass Deine Sicht der Welt, esoterisch oder nicht, Dir gut tut und Dich glücklich und zufrieden macht, dann ist es in Ordnung. Eine der Fallen die der Spirimarkt stellt, ist seine Terminologie. Sehr schnell wird das typische 'Licht & Liebe'-Vokabular übernommen und trennt einen dann von der Umwelt, die, da sie überrascht ist, auf derartiges entweder mit Amüsement oder etwas konsterniert zu reagieren pflegt. Vielleicht daher das Empfinden, dass etwas als, als 'Schwachsinn' abgestempelt empfunden wird, was nicht unbedingt so sein muss. ;) Gruß an Dich... |
| Maternus | Dies für Dich, Nnordy/Melisande: Melisande schwimmt im Himmelsmeer Durchbricht den Regenbogen Zieht alle Träume hinterher Die sich im Schlaf so fest verwoben Wär so gerne Wasser, Feuer Sie wär so gerne Luft und Wind Bei allem was ihr lieb und teuer: Sie wär so gerne noch mal Kind Strahlend taucht sie aus dem Nebel Der ihr altes Sein verschlang Wie ein Phönix aus der Asche Das Herz befreit und ohne bang’ Lachend zieht sie ihre Kreise Blickt herab auf’s Erdenrund Ihre Flügel knistern leise Sind gelöst vom Höllengrund Was breiten sich die schönen Schwingen Mit Lust hinein in’s Sternenzelt Was mag ihr wohl die Zukunft bringen? Es wird nichts sein von dieser Welt Lang noch seh ich ihre Bahnen Seh sie sich frei im Himmel dreh’n Hoch über irdischen Orkanen Und wünscht ich könnte mit ihr geh’n |
| Nnordy | Ich habe es gestern schon geschrieben, gesagt, aber hier nochmal, damit Du siehst und weißt, daß ich Dich nicht übersehe, vergesse, was immer: Das ist eines der schönsten Dinge, die Du mir je geschenkt hast. Danke. ***************************************** Heute Morgen - Leere. Kopf schwurbelig. Selbst der Espresso hilft nicht. Egal. Ich habe heute Morgen einen Wunsch an die ach so anonymen Weiten des Internets: Es ist lieb, wenn sich Leute sorgen. (Hier sind explizit nicht alle gemeint - es gibt Ausnahmen, wirklich wunderbare Menschen. Die sind hier nicht gemeint!) Es ist NICHT ok, wenn man sich dann aber - ob aus Sorge oder anderen Gründen, die ich nicht näher erläutern möchte - in anderer Leute Leben hineinhängt oder gar Partei ergreift ohne die Menschen zu kennen. Manchmal, und heute ist so ein Morgen der Manchmal's, wünsche ich mir, daß sich all jene, die es nichts angeht, einfach mal heraushalten mögen. Wer Hilfe braucht, fragt danach. Zumindest das habe ich gelernt. Und wer nicht fragt, der will sie nicht. Laßt es endlich gut sein. Mehr verlangen wir nicht. Es wird wieder eine Zeit der Worte geben - jetzt ist sie aber nicht. Keine Fragen mehr. Keine Beschuldigungen mehr. Tabula rasa. Wohin auch immer - wenn mein Kopf entschwurbelt ist, werde ich es sicher wissen. Mit beiden Beinen auf dem Boden und dem Herz im Himmel. |
| Maternus | Eine Woche geht gerade zu Ende. Den Verlauf dieser letzten sieben Tage haben einige von Euch aus der Ferne mitbekommen und ich bin sehr dankbar, genauso wie Nnordy, über die oft angebotene Hilfe. Und jetzt sind wir dankbar über etwas Ruhe. Sich neu finden, neue Wege beschreiten und wieder leben und lieben lernen. Wir werden also viel zu tun haben, in nächster Zeit. Und wir haben viel gelernt über die Macht der Worte, egal ob geschrieben oder gesagt. Nnordy, meine Allerliebste: Schreib weiter Deine Pfade. Heile Dich mit Deinen Worten und Gedanken. All das, was Du mir vielleicht so nicht sagen kannst: Ich werde es hier nachlesen und ich werde da sein. |
| Nnordy | Ein letzter Herzschlag, hier, in einem alten Kapitel meines Lebens. Und die Gelegenheit, all denjenigen, die hier mitgelesen, geschrieben und gedacht haben, einmal DANKE zu sagen. Doch Bücher werden geschlossen, wenn man die letzte Seite gelesen hat. Dies ist der Epilog. Vielleicht werde ich hier irgendwann wieder ein neues Buch aufschlagen, ein neues Kapitel eröffnen. Vielleicht werden es 'Atemzüge' sein. Irgendwann, nicht heute, wohl auch nicht morgen. Aber es gibt immer ein weiteres morgen... Habt Dank. Leise Sommerregengrüße, Nnordy |
| Jester | Auf Wunsch der Threaderstellerin geschlossen. |