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    Thema: ...and a shot for the pain
DarketHeute sind es drei Wochen. Drei selten beschissene Wochen, seitdem ich in diesem nicht weniger beschissenen Raum saß und mir die Augen aus dem Kopf geheult habe. Drei Wochen, die ich mit Arbeiten und mich richtig beschissen Fühlen verbracht habe. Drei Wochen, in denen sich rein garnichts verändert hat. Fast nichts.
Als ich heute Vormittag aufwachte und mich angesichts eines aller Voraussicht nach weiteren beschissenen tages mies gefühlt habe, und dachte ich müsste dringend D. anrufen, um unser eigentlich schon für letzten dienstag geplantes Besäufnis nachzuholen und im Vollrausch zu dem Schluss zu gelangen, dass es keine Rolle spielt wie dahingehend wer tickt und das Leben so oder so zum Kotzen ist. Darüber, dass Du und ich völlig unterschiedliche Vorstellungen vom Leben haben und uns in unserem jeweiligen Unglück trotzdem so nah.
Ich weiß noch wie wir uns als langsam der Pubertät entwachsende Teenager, wir müssen beide 17 oder 18 gewesen sein, auf dem Dach eines zu einer Sozialbausiedlung hier um die Ecke gehörenden Geräteschuppens, den wir nur als "den Lüftungsschacht" bezeichnet haben, betrunken und über die Liebe oder das, was wir damals dafür hielten unterhalten haben. Ich erinnere mich noch genau wie Du mir mit einiger Verzweiflung in der Stimme erklärt hast ich hätte ja wenigstens eine Chance eine Freundin zu finden. Ich hielt diese Aussage damals für eine etwas selbstmitleidige Selbsteinschätzung, heute, Jahre später weiß ich, dass es anders gemeint war, dass Du damals kurz davor standest mir etwas zu sagen, das ich letztlich erst Jahre später erfuhr.
rückblickend muss ich gestehen, dass ich offenbar einigermaßen blind durch die Welt gelaufen bin, macht aber nichts. Das hat mich Dir gefühlsmäßig, nach Jahren des gmeinsamen Verbringens von Freizeit ohne tiefere Bedeutung wieder näher gebracht, ohne dass ich weiß weshalb.
Als Du mich letzte Woche nach den Details meiner beschissenen Gesamtemotionallage gefragt hast, und ich Dir selbige in für mich typisch kurzen und detailarmen Worten geschildert habe, hast Du mir nur auf die Schulter geklopft und meine Ausführungen mit dem Wort "Bitch" kommentiert. Auch wenn das nicht unbedingt meine Meinung ist, ich musste grinsen. Keine Ahnung ob das an meinem, im letzten Jahr ziemlich deutlich gemachten Standpunkt von Loyalität lag oder von innen kam, was ich eher glaube, es spielt aber auch keine rolle, das war das, was ich in dem Moment hören wollte und Du wusstest es. Kein Kommentar zu Motivation, zum Verhalten oder Moral, Du hast Deinen Standpunkt zu ihr klar gemacht, einfach nur, weil sie mir so unendlich weh getan hat. völlig egal, dass ih Euch vorher gemocht habt, zusammen liebevolle Witze über mich reißen konntet und unter anderen Umständen eventuell sogar Freunde geworden wärt. Schwarz und weiß, keine fiesen Grautöne, die einen schwankend machen, keine Erklärungsversuche, nur die uneingeschränkte Solidarität, die in dem Moment problemfrei ist, in dem man ihretwegen keine Bomben wirft.
Als Du dann noch sagtest ich würde, bei der von mir gewohnten Kadenz was das angeht sicherlich nicht lang allein bleiben, fühlte ich mich, gleichwohl wir beide wussten, dass das keine Rolle spielt, an den Abend auf dem Lüftungsschacht erinnert, nur dass ich diesmal verstanden habe. Ich weiß, dass es Dir nicht anders geht, nur dass Du es insgesamt noch viel schwerer hast. als Du mir davon erzähltest, habe ich, anders als Du, die richtigen Worte verpasst. dabei wäre es recht einfach gewesen.
Und während ich so auf meinem Bett sitze und mich nicht entscheiden kann diesen neuen, miesen Tag gegen 12 Uhr Mittag zu beginnen, klingelt das Telefon und Du bist dran, klingst wie immer und entschuldigst Dich dafür, dass besagtes Besäufnis auf die geschlechtsunabhängigen Übel der Welt am Dienstag ausgefallen sei, Dir ginge es gerade nicht so gut. Betrinken wäre im Moment auch keine gute Idee.
Betrinken keine gute Idee? Von dir? Meine erste Frage, naheliegend für meine Begriffe, ist ob Du krank bist. Nein, nicht krank und das was ich jetzt höre, entlockt mir das übliche "Ach Du Scheiße!" wenn ich am Telefon etwas über die Maßen fürchterliches höre. Was soll man auch sagen, wenn man auf diese Weise erfährt, dass sich jemand aufgehängt hat, den man, wenn auch nur wirklich sehr flüchtig kannte?
Was soll man noch sagen, wenn man das panische Gefühl hochsteigen fühlt, dass die Einschläge immer näher kommen? Was kann man sagen, wenn man von berufs wegen ohnehin jeden Tag zumindest mit der theoretischen Möglichkeit dieses Themas konfrontiert ist, während man krampfhaft versucht sich selbst auf Kurs zu halten und versucht nach außen zu demosntrieren wie stabil man doch ist? Die emotionale Stabilität ist mein Job. ich werde dafür bezahlt mehrere Stunden am Tag meine eigen Psyche auszuschalten und Menschen, denen es so viel beschissener geht als es mir je gehen wird ein Stückchen ihrer eigenen last abzunehmen, nein, genau genommen werde ich nichtmal bezahlt, aber es ist mein Job und ich mache ihn. Weshalb es klappt verstehe ich selbst nicht, aber es klappt und es klappt auch heute. Vielleicht fühlt man sich im Unrecht, weil die eigenen Probleme so nichtig wirken gegen die anderer Menschen. Jahrelang habe ich gepredigt, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, dass es ihm mies geht, ganz egal wie viel Glück er vielleicht vergleichsweise mit anderen hat. Das aber selbst zu leben ist etwas anderes und irgendwie geht es mir plötzlich besser. Nicht gut, nein, wenn es mir jetzt gut ginge, wüsste ich dass ich wahrscheinlich der nächste bin, der mit der Schlinge um den Hals versucht den Stuhl unter sich weg zu treten.
Das werde ich nicht tun und du wirst es auch nicht, auch wenn wir ganz offensichtlich diejenigen sind, die versagen und auf der Stelle treten, während die Welt um uns herum erwachsen wird. Das war nicht immer so und vielleicht wird es auch nicht so bleiben, vielleicht. Egal, wir beide haben etwas, das alle anderen nicht haben, wir werden auch noch über all das lachen können, wenn es uns wieder und wieder passiert, wir werden vielleicht nicht härter, aber wir lassen uns nicht in den Abgrund schubsen und wir werden uns auch nicht mitziehen lassen. Du nicht und ich auch nicht. Und es ist gut zu wissen, dass sie nicht nur mich nicht kriegen werden...
DarketEs ist wie damals...damals als ich anfing zu begreifen. Zu begreifen, dass ich nicht unbedingt der bin, der das Steuer in der Hand hält. Kontrollverlust ist etwas furchtbares, ich habe nie verstanden wie jemand immerzu die totale Kontrolle braucht, aber ich fange wieder an es zu begreifen. Es gibt kaum schlimmeres als völlig machtlos mit Ansehen zu müssen, wie das eigene Leben, wenn auch nur zeitweilig auf Grund der Entscheidungen anderer, an denen man nicht mehr beteiligt ist, den Bach runter geht und man selbst wirklich garnichts dagegen tun kann.
Damals habe ich noch versucht diese Entscheidungen zu beeinflussen, es hat nichts gebracht und es war gut so. Umso erstaunlicher, dass der Mensch, der mir das damals auf die harte Tour beigebracht hat, selbiges heute offenbar differenzierter sieht. Ich habe mir meine Überraschung nicht anmerken lassen als Du mir auseinandersetztest, dass Du Dich heute fragst ob alle Deine Entscheidungen damals so richtig gewesen wären, aus meiner waren sie es absolut, Du hast uns beide vor einer Katastrophe bewahrt, es wäre nie im Leben gut gegangen. Du bist eine von zwei Personen, die ich in meinem Leben wirklich bedingungslos geliebt habe, Du warst die erste und ich bin heute so unendlich glücklich darüber, dass ich immer mit einem Lächeln an Dich denken kann. Heute weiß ich wie verdammt richtig Deine Entscheidung war, Du has mich vor dem bewahrt, was ich gerade erleben muss. Du warst damals schon erwachsen genug Dich nicht von übermäßig romantischen Stimmungen leiten zu lassen, sondern das ganze realistisch zu betrachten. Eventuell sollte ich auch weiterhin darauf zu bauen, dass Du in der Lage bist die richtigen entscheidungen zu treffen. Vielleicht sollte ich Dich anrufen, nachdem Du mir vor vier Wochen wie aus dem Nichts wieder geschrieben hast und mir zum Geburtstag gratuliert hast, was mich unglaublich gefreut hat. Ich will es auch, aber gleichzeitig weiß ich auch, dass es Dich verletzen würde, wenn ich ausgerechnet jetzt wieder piep mache und belügen will ich Dich nicht. Du hast es definitiv nicht verdient immer nur mein seelentröster zu sein, wenn es mir mies geht. Und so sehr ich mich gerade danach sehne Deine Augen zu sehen, dein Lächeln wenn Du mich in einer Menschenmenge ausmachst, Deine Nähe zu spüren die zugleich so wenig und doch so viel bedeutet, ich schrecke davor zurück, habe Angst davor, dass es läuft wie immer, weil es genau darauf wieder hinauslaufen wird. Eventuell sollte ich aufhören "I was wrong" zu hören, der Song erinnert mich zu sehr an damals und verleitet mich mit sicherheit dazu irgend etwas dummes zu tun, andererseits habe ich seit damals ohnehin ständig dummes getan, auf einmal mehr oder weniger kommt es wahrscheinlich nicht mehr an. Ich weiß, dass ich Dich anrufen werde, eventuell nicht heute und eventuell auch nicht morgen, aber ich werde Dich wahrscheinlich ziemlich bald wiedersehen. Ich müsste Dich wahrscheinlich nichteinmal anrufen, wir treffen uns unter Garantie bald wieder, so wa es immer, und wenn wir uns treffen wird es auch sein wie immer. Ich bin das leichte erotische Kribbeln nie ganz los geworden, wenn ich an Dich gedacht habe und wahrscheinlich werde ich das auch nicht mehr. Ich weiß, dass ich ein verdammter Egoist bin und mir immer nur einfällt, wie unglaublich gern ich Dich habe, wenn es mir schlecht geht. Ich habe mal versucht Dir zu erklären, dass Du mir immer irgendwie Angst gemacht hast, dass Du eine Gefahr für jede meiner Beziehungen seit dem gewesen wärst, es einmal sogar ganz konkret warst und ich rückblickend blödsinniger Weise glaubte stark bleiben zu müssen. Ich glaube Du hast nicht verstanden was ich meinte, Du hast auch nie begriffen wie sehr ich Dich geliebt habe. Ich glaube auch, dass du nicht begriffen hast, dass mich die Eifersucht jedesmal regelrecht aufgefressen hat. Außer beim letzten mal, als ich jemanden gefunden zu haben glaubte, der zwar nicht in puncto der grenzenlosen Faszination, die ich dir gegenüber immer empfunden habe, aber sonst in allen Belangen Deine legitim Nachfolge hätte antreten zu können. Ich glaube Dir hat das ein kleines bißchen weh getan, Du hast einen hauch von dem gespürt, was ich immer empfand, wenn wir uns trafen. Und auch wenn es egoistisch ist, ich habe mich gut dabei gefühlt, dass nicht mehr ich es war, der still vor sich hin litt.
Ich habe nie ganz und gar aufgehört Dich zu lieben und ich weiß, dass wir uns wiedersehen werden und dass es sein wird wie immer.

[I]Nothing has changed, nothing is the same[/I]
DarketEs gibt Dinge, die ich wirklich hasse. Kleine, alltägliche Dinge, die Hoffnung die Welt im Alleingang zu verändern habe ich vor Jahren beerdigt, ich nage in kleinem Maßstab weiter, aber sehen wir den Tatsachen ins Auge, niemand hier, keiner von denen, die diese Zeilen lesen werden, wird als jemand in die Geschichtsbücher eingehen, der aus dieser welt, diesem Kontinent oder auch nur diesem Land einen besseren Ort gemacht hat. Erkenntnis tut weh, oder? Wir, die wir uns alle zu höherem berufen fühlen, uns für klüger halten als den Rest der Menschheit (rest der Menschheit wird dabei gern mit einer Prozentzahl zwischen 80 und 99% definiert) und die wir uns für achso schöngeistig, kreativ und intellektuell halten, keinen von uns wird die Geschichte bewahren. wir werden sterben und der "Rest der Menschheit"(eher 99 als 80%) wird niemals erfahren, dass wir gelebt, geliebt und gelitten haben. Na, was ist das für ein Gefühl ihr Möchtegern-Globalrevoluzzer, Weltschmerzpoeten und pseudo-intellektuelle Party-People auf einer Überdosis Egozentrik? Da bleibt einem sogar die vielzitierte und nie gelebte Melancholik im Halse stecken, oder? Machen Utopien noch Spaß, wenn man ganz genau weiß, dass man selbst nie etwas zur Umsetzung beitragen wird? Dass, selbst wenn der unwahrscheinliche Fall der Verwirklichung eintritt, man selbst nichts, aber auch garnichts dazu beigetragen hat und sich allenfalls danach noch selbstmitleidig auf die Schulter klopfen und sagen kann, man habe es ja immmer gesagt?
Seht es endlich ein, euer aller Geschrei wird ungehört, Euer tatsächliches oder angemaßtes Genie verkannt und Eure Märtyrergelüste unbefriedigt bleiben.

Wobei Geschrei meist ungehört bleibt, es jedenfalls bleiben sollte. Es sind die kleinen Dinge, die mir selbst begnen und welche ich teilweise wirklich hasse. "Die kleinen Dinge" so lautete vor nunmehr über drei Jahren der Titel von etwas, was ich hier verfasst habe, ich glaube es existiert nicht mehr, ich habe nicht nachgeschaut, aber wenn ich mich recht entsinne ist mein post-pubertäres, verliebtes Geschreibsel von damals meiner persönlichen großen Säuberung zum Opfer gefallen, schade eigentlich, denn so klein waren diese Dinge nicht, sie haben mein Leben danach nachhaltig beeinflusst, nict unbedingt nur positiv, aber sie sind bis heute ein Teil von mir, wie der ein oder andere, der mich ein wenig kennt eventuell gemerkt haben wird. "Die kleinen Dinge" waren eigentlich schon zum Abschlus gekommen, ich hatte zeitweise und in besseren Tagen mit ihnen abgeschlossen, sie waren traurige Geschichten von unerwiderter Liebe und von einem Sommer voller sinnenleerter Romantik, Sex und enttäuschten Hoffnungen. Manchmal, wenn ich mich für kurze Zeit wirklich glücklich fühle, bezeichne ich diesen Sommer im Geiste als die beste Zeit meines Lebens, meinen "Summer of 69". Glück verführt zu Selbstbetrug.
Und Geschichte wiederholt sich doch, ich habe es immer geleugnet und wie um mir selbst mein Unrecht zu bewiesen kriecht die Geschichte gerade wieder aus ihren Löchern und ich bin machtlos dagegen, befeuere es sogar selbst noch, um Fehler zu wiederholen und doch alles anders zu machen.
Eigentlich ist das Leben zu kurz, um sich zu wiederholen, aber nun gut, es muss wohl sein, auf ein Neues!

Donnerstag Vormittag, eine Zeit, zu der der Großteil der bundesdeutschen Bevölkerung, allen Unkenrufen zu Trotz einer geregelten Arbeit nachgeht. Ich ebenfalls, allerdings habe ich das Glück einen Job zu haben, bei dem man auch mal rauskommt. Und somit bin ich damit beschäftigt für eben diese Arbeit einige Besorgungen in einer recht belebten Fußgängerzone in Berlin, die gerade ihren Todesstoß durch eines dieser furchtbaren, überdimensionierten Einkauszentren bekommen hat, es aber noch nicht gemerkt hat, zu machen.
Fußgängerzonen sind seltsame Orte, sie sehen überall in Deutschland gleich aus, sie sterben sogar überall in deutschland auf die gleiche weise: Plattgewalzt von großen, nichtssagenden Konsumtempeln, die widerum auch alle gleich aussehen. Und was auch überall gleich ist: In ihnen tummeln sich reihenweise Spinner, die genau genommen alle nur eines wollen: Mein und anderer Leute Geld.
Am donnerstag war es ein junger, dynamisch wirkender und leicht alternativ wirkender Tierschützer, der sich offensichtlich befleißigt fühlte mich in grandioser Ignoranz meiner persönlichen Vorstellungen von Höflichkeit und angemessenem Benehmen wildfremden Personen gegenüber, ansprechen zu müssen. Man sollte meinen als Großstädter sei man das gewohnt und ja, ich wude in dieser Fußgängerzone auch schon von Scientologen, Telefonanbietervertretern, Umweltschützern und irgendwelchen pseudo-liberalen Bibelhippies (O-Ton einer etwa 50-jährigen dame: "Hey, ich hab hier was voll Cooles!") und sich selbst übermäßig wichtig nehmenden politischen Zwergparteien mit angeknackstem Selbstwertgefühl angesprochen und ich ärgere mich jedes mal wieder darüber. Am meisten immernoch über die religiösen Spinner, von selbigen fühle ich mich durch plumpe Missionierungsversuche in meinem Grundrecht auf religionsfreiheit verletzt und ich zögere gemeinhin auch nicht das deutlich zum Ausdruck zu bringen.
Besagter Tierschützer schien mich im selben Moment gesehen zu haben, in dem ich ihn sah, ich pflege trotz Kopfhörern in den Ohren auf genau soetwas in genau so einer Gegend gefasst zu sein. Der Kerl sieht mich, grinst debil und zeigt mit beiden Händen auf mich. In genau solchen Situationen bin ich dankbar um meine dunkle Sonnenbrille (welche ich dann ausgerechnet am Freitag verloren habe...), man wirkt so herrlich unnahbar nach außen. Aber um ihm noch eine Chance zu geben, schüttle ich im Laufen deutlich sichtbar meinen Kopf, Zeichen dafür nicht interessiert zu sein. Man könnte ja meinen, dass derartiges genügen müsste, aber weit gefehlt. mein Gegenüber grinst noch blöder und gibt mir als Reaktion auf mein Kopfschütteln ein demonstratives Kopfnicken zurück. Ich erwäge kurze Zeit diesem Zeitgenossen einen Vortrag darüber zu halten, dass ich Tiere nicht schütze, sondern esse, oder darüber, dass jemand wie ich, gekleideten in Mantel und Stiefel aus Echtleder, sicherlich der falsche Ansprechpartner ist. Ich überlege es mir allerdings kurzfristig anders und laufe mit gleicher Geschwindigkeit (ich pflege insbesondere in Gegenden, in denen viel los ist, recht schnell zu laufen) einfach schnurgerade weiter. Sollte Freund Tierschützer seine gegwnwärtige Position halten, würde ich ihn unweigerlich über den haufen rennen. In meinen Kopfhörern hämmert "You could be the one"

[I] All God's children give good phone
I called Jesus, he's not home
So I'm so pleased to talk to you
Trees and walks I love them too
Threatened species, they adore me
Flower children never bore me
[/I]

Während das wahrscheinlich ziemlich sinnfreie Geblubber dieses Wohlstandshippies im Hämmern des Drumcomputers aus meinen Kopfhörern untergeht und er letztendlich zur Seite springen muss, stelle ich fest, dass kleine Dinge wirklich ärgerlich sein können. So ärgerlich, dass ich tatsächlich hier darüber schreibe, dass irgend ein Vollidiot nichts besseres zu tun hat, als mich auf offener Straße dumm anzuquatschen.
Scheiße nochmal, bin ich auch so ein Vollidiot, der sich über alles aufregt und öffentlich in Frage stellt? Normaler Weise denke ich solche Leute hatten zu lange keinen guten Sex mehr...bei mir ist der zwar subjektiv zu, objektiv aber noch nicht so furchtbar lang her, wieso also rege ich mich so auf? Und viel wichtiger: Wieso habe ich keinen Sex?

[I]Yeah, yeah, yeah, yeah, you could be the one, just get undressed[/I]
DarketGlück im Spiel, Pech in der Liebe heißt es. Ersetze "Spiel" durch "Job" und fühle Dich willkommen in meinem Leben. Es ist frustrierend, wieso klappt nicht mal wenigstens zeitweise beides? Scheiße, ich gehe mittlerweile schon gern zur Arbeit, da bekomme ich Wertschätzung, höre jeden Tag, dass ich einen verdammt guten Job mache und treffe Menschen, die mich mögen und respektieren...naja....meistens jedenfalls, aber das hat der Job als Pädagoge ja an sich. An und für sich habe ich derzeit sogar zwei Jobs, in denen es mir so geht. Meinen inzwischen schon altbewährten Nebenjob, in dem mir mein Chef mittlerweile ganz nebenbei sogar angekündigt hat, dass es im nächsten Jahr über den Nebenjobcharakter hinaus eine gute Chance auf einen Festvertrag gibt und in dem ich, als auf dem papier unqualifizierte Kraft zeitweise den Job von zwei vollen Sozialarbeiterstellen gemacht habe (es gibt Leute, die das Ausbeutung nennen, ich nenne es ganz egoistisch mich unentbehrlich machen).
Und seit September stecke ich mitten in meinem letzten Praktikum. Knappe sechs Monate Heimgruppe mit sechs Kids zwischen 15 und 17...der geneigte Leser mag allein bei dem Gedanken die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, für mich ist es im Moment genau das, was ich gesucht habe. Ich stelle zum ersten mal wirklich fest wofür ich diesen Blödsinn mache und Zeug gelernt habe, das ich zeitweise für völlig bscheuert gehalten habe.
Ich habe eindeutig einen Beruf, in dem ich mich voll ausleben kann, in dem ich jede Emotion auf eine professionelle, analytische Ebene ziehen und versuchen kann sie zu verstehen...gelingt mir erstaunlich gut, im Privatleben ist das irgendwie schwieriger, auch wenn ich genau das seit Jahren tue.
Und dann dachte ich tatsächlich jemanden gefunden zu haben, der mich versteht und den ich verstehe. Jemanden, der so tickt wie ich, genauso emotional gehemmt und genauso unglücklich damit. Jemanden, vor dem ich mich nicht rechtfertigen muss, jemanden, bei dem aus meiner Perspektive alles stimmte...tja meine allein reicht nicht aus, so ähnlich wir uns eventuell auch sind. Sogar jetzt verhälst du dich noch so, wie ich es umgekehrt auch tun würde, das ist irgendwie erschreckend. Interessant fand ich Dich, weil Du klasse aussiehst und schon am ersten Abend über meine Witze gelacht hast (was ich beeindruckend finde, sich an meinen Humor zu gewöhnen dauert bisweilen). Verliebt habe ich mich, weil Du mir zugehört hast und absolut loyal warst. Aber geliebt habe ich Dich, weil ich mich selbst in Dir entdeckt habe und ein gewisses Maß an Selbstverliebheit hatte ich schon immer. Eventuell keine gute Basis, denn meine Menschenkenntnis kennt Grenzen, eventuell habe ich zu sehr mich selbst gesehen und geglaubt wir würden nicht nur ähnlich denken, sondern eben auch fühlen.
Du hast mich mehr als einmal belogen, mehr als nur dieses entscheidende eine mal, da bin ich sehr sicher. Ich glaube auch, dass Du mich ganz zum Schluss noch belogen oder mir zumindest das ein oder andere verschwiegen hast. Und weißt Du was? Das nehme ich Dir nichtmal übel, ich hätte es auch getan an Deiner Stelle.
Irgendwas nehme ich Dir aber übel, keine Ahnung was genau, vielleicht das volle Bewusstsein, dass Du diese Zeilen hier liest und sie Dir aller Wahrscheinlichkeit nach am Arsch vorbei gehen. Eventuell auch die Tatsache, dass wir uns früher oder später wieder über den Weg laufen werden und ich spätestens dabei feststellen werde, dass ich das bin wovor ich immer Angst hatte: auch nur so ein Depp, der blöd genug war sich in Dich zu verlieben und dabei auf die Fresse geflogen ist und mit dem man am besten auf Basis des gegenseitigen Ignorierens umgehen kann.
Ja, ich bin tief verletzt und gekränkt. Und sollte dabei inzwischen so etwas wie Verbitterung herausklingen, dann ist das der bislang gewonnene, leider noch viel zu geringe Abstand und die Enttäuschung darüber, dass Du mir bis zum Schluss und darüber hinaus etwas vor gemacht hast...wie gesagt, ich hätte es wohl auch getan, aber das allein macht es nicht besser.
Ich wünsche mir nichts mehr, als dass es endlich aufhört weh zu tun, aber da bleibt wohl nur warten.

[I]Nine while nine and I'm waiting...[/I]
DarketEs ist Samstagabend und ich hänge vor meinem Rechner und sehe nebenbei fern, irgendwie scheiße, oder? Aber selbst wenn ich motivierter wäre heute irgendetwas zu unternehmen, mein Körper sagt nein und mein Dienstplan für morgen findet diese Idee, gekoppelt mit der Tatsache, dass diese Nacht ohnehin eine Stunde fehlt, auch nicht so prickelnd. Also sitze ich zu Hause und freue mich darauf nächste Woche zwei mal raus zu kommen und etwas schönes zu unternehmen, auch wenn ich damit rechne, dass mir mindestens eines der beiden Konzerte nächste Woche versaut wird. Fuck of, der Tunnelblick wirds richten und wenn Pink turns blue am Freitag "Walking on both sides" spielen, werde ich die Augen schließen, mitsingen und mir immer wieder sagen, dass sie mich mal kreuzweise kann! Eventuell glaube ich es dann auch.

[I]Damn the madness of my pride
the price I paid was much too high
My dreams became reality[/I]

Irgendwie habe ich das Ziel aus den Augen verloren. Ich warte, ich warte seitWochen, ich warte auf irgendwas, das mir ein Stück Normalität und ein Stück Wohlbefinden zurück gibt, aber ich habe keine Ahnung auf was. Jaja, "Nine while nine and I'm waiting", selbst das hat sie mitgenommen, scheiß doch auf Romantik! Wo hat sie mich denn hingeführt, als ich mich dann dochmal auf dieses Gefühl eingelassen habe? Genau hierhin und ich wünschte ich wäre ganz furchtbar weit weg! Wäre nie hier gewesen und auch nie an dem Punkt, der mich hierher geführt hat. Ich habe das große Bedürfnis die Uhr zurückzudrehen, irgendwann auf ich glaube Februar diesen Jahres. Und wäre ich genau da angekommen, zu fast genau dieser Uhrzeit, würde ich N. anrufen und sagen es ginge mir nicht gut und ich könne nicht kommen. Mir wäre dieser ganze Scheißdreck erspart geblieben, um eine erfahrung ärmer, aber zumindest nicht unglücklich. Ja, es gibt Leute, die man rückblickend besser nie kennengelernt hätte und ich wünschte in diesem Fall es wäre so.
Nein, das ist kein leeres Gerede, es ist wirklich so. Eines schönen Tages, wenn ich wieder ehrlich und aus voller Überzeugung lachen können werde, werde ich zurückschauen und feststellen, dass nichts geblieben ist, rein garnichts, dass es alles egal war, keine Bedeutung mehr hat, auch keine hatte. Dass ich zu lange Zeit alles was ich habe auf etwas konzentriert habe, dass es nicht wert war. Und deshalb, nur und ausschließlich deshalb wird diese Narbe noch ab und an schmerzen. Alles andere werde ich mir mit einer erquicklichen Mischung aus emotionaler Selbstunterdrückung und ab und an ein paar Gläsern Wodka zu viel aus der Seele brennen bis eines schönen tages nichts mehr übrig ist...eines schönen Tages.

Und vielleicht ist dieser Tag auch der, an dem ich bereit bin nochmal so zu fühlen...oder es ist umgekehrt: Ich fühle wieder so und kann deshalb wieder lachen, das wäre die übliche Variante.
Nein, ich bin nicht traumatisiert, nein, ich habe auch keine Angst vor Neuem, im Gegenteil, ich will es, lieber heute als morgen. Ich weiß was ich will und viel wichtiger, ich weiß was ich nicht will! Ich habe ein klares Bild vor Augen, jede Nacht kehrt es wieder, und gewährt mir einen Blick auf eine Mischung aus Geborgenheit, Erotik, Faszination und einem ganz kleinen bißchen Romantik. Diese Mischung ist mein Leben, wie ich es mir erträume. Der Traum würde mir reichen, käme nicht jeden Morgen, zusammen mit dem dumpfen Schädel und der Übelkeit, die mich seit Jahren schon plagen, das hässliche Gefühl hinzu ich würde mich jeden Tag selbst betrügen, mir etwas vormachen. Es ist nicht die Flucht in Traumwelten, die praktiziere ich seit über 15 Jahren. Es begann als ich 7 Jahre alt war. Ich hatte mich in der ersten Klasse, und das ist wahrscheinlich der einzige Punkt, in dem man mich frühreif nennen konnte, in eine Klassenkameradin verliebt. Meine Erinnerungen sind sehr verschwommen, ich weiß nur, dass ich ihr glattes, dunkles Haar unglaublich anziehend fand, eine Vorliebe, die sich bis heute gehalten hat.
Die Träumereien waren das, was mich über die Jahre wirklich durchgehend begleitete. Ich lag Abends wach in meinem Bett und träumte mir die Welt in eine Form, in der ich wichtig war. Schlafend träume ich eigentlich nie bewusst, seit den normalen nächtlichen albträumen meiner Kindheit, also im Grunde seit fast 20 Jahren, habe ich mich allenfalls ein dutzend mal nach dem Aufwachen noch erinnert und je älter ich wurde, desto mehr nahm es ab. Heute tauchen auf dem Weg zur Arbeit bisweilen noch Bruchstücke auf, weniger Bilder als Gefühle, nichts vollständiges mehr, nichts aus dem ich mir noch einen Inhalt konstruieren könnte. Die bewusste Träumerei vor dem Einschlafen ist vielleicht eine Art Ersatz dafür. Ich habe oft genug mit einem Anflug von Neid die Tagebücher meiner Mutter gesehen, die inzwischen ganze Regalwände füllen und deren Inhalt fast ausschließlich aus ihren nächtlichen Träumen besteht.
Einen bwussten Traum, an ich mich heute noch erinnere hatte ich vor zehn Jahren. Der verfolgt mich bis heute, mal positiv, mal negativ. Er war unglaublich einprägsam, obwohl er auch nur aus meiner präpubertären Grundstimmung damals resultiert haben dürfte. Seis drum, bis heute beschleicht mich manchmal das Gefühl dieser Traum hat sich in meine Persönlichkeit eingebrannt und ich werde das Gefühl, das ich beim Aufwachen hatte nie wieder ganz los.
Meine Träumereien vor dem Einschlafen haben sich naturgemäß mit meiner Entwicklung ein Stück weit verändert, aber diesmal sind sie grundlegend anders. Sie sind unkonkreter, haben den Bezug zur Realität verloren und das beängstigende ist, ich fühle mich wohl in dieser idealisierten Zuckerwattewelt, in der sowohl ich als auch die anderen auftauchenden Personen nichts mehr mit denen der Realität zu tun haben. In ihr weiß ich immer was ich sagen soll, komme mir nicht blöd vor und habe die selbstbewusste Abgeklärtheit, die ich an mir vermisse seit ich denken kann.
Ich höre auf ich zu sein, die Welt hört auf sie selbst zu sein, wandelt sich wieder in einen Klumpen Lehm, aus dem ich die lästige Schöpfung nach meinem Willen neu schaffe, inklusive mir selbst. Schizophren? Sicherlich. Selbstzerstörerisch? Vielleicht auch das, aber wenigstens nur auf Raten. Denn was habe ich noch, wenn ich aufhöre zu träumen?


[I]And the shadows smile
Lips dark and wild
And the shadows smile
Kiss your memory goodbye
And the shadows smile
Lips dark and wild
And kiss the sky[/I]
Darket27. 12. 2007
Ich sitze hier und warte darauf, dass der Mitarbeiter irgendeines Versandunternehmens vorbeikommt und den alten kaputten Monitor einsackt und den Garantieersatz liefert, während ich eigentlich wichtigeres zu erledigen habe. Guter Zeitpunkt für einen Rückblick auf ein völlig verkorkstes Jahr 2007, welches in meiner irgendwann zu schreibenden Autobiographie garantiert kein eigenes Kapitel bekommt.

"Mit jedem Tag auf dieser Welt wächst die Zahl jener, die mich am Arsch lecken können." Schöner Spruch, wobei ich persönlich "Tag" durch "Jahr" ersetzen würde, garso menschenfeindlich bin ich nicht. Gab es 2006 schon so manchen, 2007 war voll dieser Figuren. Figuren, die meine Zeit, meine Hoffnungen, Gefühle und mein Vertrauen mit Füßen treten wollten oder getreten haben. Figuren, die glaub(t)en sich in mein Leben einmischen zu dürfen. Figuren, die glaubten mehr zu sein als nur Figuren. Geht doch sterben und zwar alle. Glaubt ihr ich habe die Formulierung "Figuren" umsonst gewählt? Mehr seid ihr nicht für mich. Der ein oder andere war es sicherlich mal, aber verdient hatte es keiner von Euch!
Ich habe 2007 meine Zeit vertrödelt, zum Großteil mit den falschen Personen. Ambivalent, kalt, nervtötend, dumm, naiv, iloyal. Keinen Bock, nie wieder! Verpisst Euch aus meinem Leben, endgültig und kommt nie wieder! Alles gelogen! Geht meinetwegen sterben, ich werde nicht weinen, nicht mehr, nie mehr Euretwegen!
Es gibt Gründe dafür, dass einen manche Menschen seit vielen jahren begleiten und es gibt verdammt gute Gründe dafür, dass einige das nicht tun. Ich bin ein recht sozialverträglicher Mensch. Keiner dieser sich selbst und die Welt hassenden Vollidioten, die nie kapiert haben was es heißt zu leben, kein notorischer Egomane, ich habe keinen Helferkomplex und ich bin auch kein Vollidiot. Eigentlich jemand, mit dem man gut auskommen kann. Eigentlich, denn offenbar habe ich ein mysteriöses Talent dafür in all meiner Offenheit an die größten Arschlöcher zu geraten. Und wenn ich in diesem selten beschissenen Jahr, von dem ich vor 361 Tagen noch annahm es könne nur besser werden als das zuvor vergangene, irgendetwas nützliches für mein eigenes leben gelernt habe, dann das niemandem zu vertrauen, den ich nicht gut genug kenne. Vertrauensvorschüsse bringen nichts, man macht sich zu angreifbar. Sowas wird gnadenlos ausgenutzt. Nein, nie wieder. Oder ich gewöhne mir wenigstens endlich mal ab ein hübsches Gesicht mit ansprechendem Körperbau (man könnte auch formulieren: hübsches paar Titten und knackiger Hintern) als eine Art Basis für Vertrauen zu betrachten. Ja, ich bin auch nur ein Mann. Aber schluss damit, ich widme hier schon wieder Menschen meine Worte, die allenfalls mein Schweigen verdient hätten. Das wars dann aber auch: Kein Wort mehr, nirgendwo...und ja, ich weß, dass Du das liest, verarschen kann ich mich selbst und im gegensatz zu Dir habe ich mir die Zeit genommen Dich kennen zu lernen. Fall meinetwegen tot um!

Ja, 2007 hat gezeigt, dass ich mich nur auf diejenigen verlassen kann, die sich bewährt haben. Alle anderen sind Arschlöcher oder zumindest in der Lage zum Arschloch zu werden.
Aber um nicht garso verbittert zu klingen, denn das bin ich nur zum Teil, ich mag an Idealismus eingebüßt haben, aber ganz werde ich ihn nicht verlieren, an dieser Stelle mein Dank dafür da gewesen zu sein oder es zumindest versucht zu haben als meine kuschlige kleine Welt von einem Tag auf den anderen den Abgang machte. Mein Dank auch an die, die das hier niemals lesen werden und trotz ihrer beschränkten Möglichkeiten meine Trauer gespürt haben. Es gibt gute Menschen, man muss sie nur suchen.

[i]here comes the train
through all the rights
and all the wrongs
here comes the train
and I’m coming home
I’m on the train
to hear the last song
here comes the train
I’m coming home[/i]

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