| Ars Moriendi | Es vergegenwärtigt sich mir in der letzten Zeit auf eine besonders beklemmende Art und Weise: Menschen, Freunde kommen und gehen. Ich war nie eng mit ihr befreundet, aber schon Wochen vor ihrer Abreise muss ich Tränen vergießen. Nach London, drei Jahre - eine Ewigkeit. Erst jetzt erahne ich den Wert dieses Menschen, erst jetzt, wo er bald für lange Zeit meinen Augen fern bleiben wird. Es ist so oft so, immer nur dann, wenn jemand fehlt, wenn ein Stuhl leer bleibt, wenn ein Ohr weniger einem zuhört, fällt auf, was man davon hatte. Ein Gedanke - bleib doch... geh doch nicht! Unausgesprochen. Der Anblick trauriger Augen häuft sich, je näher das schwarze Loch in der Zukunft heranrückt. Denn das ist es ja für dich: Ein schwarzes Loch. Angst vor dem Neuen, Wehmut nach dem Vertrauten, das du so liebgewonnen hast. Ich habe Angst um dich, ich will dich nicht loslassen. Du hast alles hier und trotzdem musst du gehen, die Entscheidung liegt nicht bei dir. Wenn doch, bliebest du hier und es liefe einfach alles so weiter, wie bisher. Das sind seltene Momente, sehr selten: Man sehnt sich nach der Normalität, nach dem gewohnten Gang, im weitesten Sinne nach dem Alltagstrott. Aber es rührt sich nichts, die Realität bleibt eisern und nur von Engeln kommt Trost. Wir schlagen gegen Stahlbeton, tun uns doch nur weh, ohne etwas zu erreichen. Irgendwann kommst du wieder, das wissen wir, aber in drei Jahren kann so viel passieren und wir können nur hoffen, dass wir uns bis dahin nicht ganz fremd geworden sind. Noch sind es Wochen, wenige Wochen, irgendwann zählt man in Tagen und dann ein tauber Schlag. Aber wir werden uns wiedersehen, meine Liebe, wir werden uns wiedersehen... doch für dich ist es vielleicht schon wieder ein Neuanfang. |