| Astatos | Ein einzelner Regentropfen streift mein Gesicht... noch einer.. und so schnell sie auch gekommen waren, hörte es auch schon wieder auf... In Gedanken verloren, sitze ich an dem ort, den ich zwei Jahre gemieden habe... zwei Jahre, seit alles in die Brüche ging.. zwei Jahre, in denen ich einen neuen Weg gesucht, wahrscheinlich auch gefunden habe.. In der Ferne einsame Laute... Geräusche in der Dunkelheit... Das Rauschen des Waldes.. das knarren der Baumstämme im sanften Wind... toter Wald, totes Holz... das Leben fast gänzlich ausgehaucht.. Ich sitze auf meinem Hügel... blicke über die Felder.. am Himmel an den Wolken das Schimmern der Errungenschaften der Menschen.. Inmitten des sonst bis zum Horizont bedeckten Himmels ein kleiner Riss in den Wolken... Ich beobachte die Sterne in diesem winzigen Loch zwischen den Wolken am Firmament.. Emotionen... Gedanken.. sie wollen einfach nicht weichen.. wollen nicht fortgehen, plagen meinen Geist, meinen Verstand.. Ich denke immer wieder darüber nach, was sie mir erzählte.. dieser Traum, den sie eines Nachts hatte.. Ich fragte mich die ganze Zeit, ob ihr Unterbewusstsein in all den Monaten gespürt hatte, was ich fühle... was ich begehre? Und warum es niemals dazu kommen würde?.. Was sie nicht verstehen wollte, wurde ihr schlagartig bewusst... was ich versuchte, ihr monatelang zu sagen, verstand sie in dieser einen Nacht.. Und wohl wahr, sie wusste ebenso wie ich, dass er ihr die Wahrheit sagte... und sie wusste auch, dass es an ihm lag... dass ich niemals einfach in etwas hineindrängen würde, was besteht... und sie wusste auch, dass selbst wenn er nicht mehr wäre, es niemals dazu kommen würde... dass es niemals dazu kommen würde, was sie von mir in ihrem Traum verlangte... und was ich ihr dort verwehrte.. Es gibt scheinbar Dinge, die stärker sind als jegliches Begehren.. Ich sitze auf diesem kleinen Hügel, starre in die Landschaft hinaus.. ich verharre an jenem Ort.. Gefühle übermannen ich.. ich spüre, dass ich niemals das erlangen werde, nachdem ich mich sehne, das Hoffen und Bangen vergebens ist.. Was nicht sein kann, wird niemals sein, einzig dieser Traum... dieser Traum bleibt.. Ein Luftzug umstreift mich.. und noch ein weiter... er wird stärker... der Wind gewinnt langsam an Kraft.. ein leichtes Glimmen erscheint am Horizont.. der neue Tag nähert sich... Fragen über Fragen... Was wäre wenn? Und was hält mich zurück? Vielleicht mein Selbsthass.. Es erscheint so verdammt klar aber auch so verdammt schwer.. loslassen muss ich.. ich kann mich nicht ständig an etwas festhalten, was mir den Halt verweigert.. Und dann wieder auf der anderen Seite.. sie sagte immer, ich sollte niemals meine Hoffnungen aufgeben.. und das, wo es doch nicht nur an mir liegt, dass diese immer weiter schwinden... Auf neues konzentrieren... neue Wege beschreiten.. und altes zu Grabe tragen... ja das muss ich.. auch wenn ich gleichzeitig weiß, dass es Zeit wird meine Hoffnung ihr gegenüber aufgeben zu müssen... Wie diese kleinen Pflänzchen um mich herum benötigt auch die Hoffnung mehr als nur das Licht... sie muss genährt werden, mit Wärme versorgt werden, um nicht einzugehen... Aufgeben will ich sie nicht, doch kann es nicht ewig so weitergehen... Dämmerung... langsam kehren die Farben wieder in diese Welt zurück.. Ich gehe wieder zurück in den Wald, auf dem Weg ins wohlvertraute Heim... Vögel zwitschern am Waldrand.. Nur das Knarren der alten, toten Bäume im Wind, es will einfach nicht weichen.. Es wird Zeit zu gehen.. einen Weg zu gehen, egal wie dieser aussehen mag... nur fort von hier.. Fort aus meinen Träumen... zurück in die Wirklichkeit.. |
| sonic.sacrifice | [SIZE=1]Lieber Astatos, ich weiß nicht ob es mir gestattet ist, hier etwas zu schreiben, allein schon, weil ich wir uns gar nicht kennen. Aber ich las diesen Pfad, diese Worte und ich sah, wie sie mir aus der Seele sprachen. Vor langer Zeit, habe ich einem Menschen verboten mich zu lieben, ich verwehrte jegliche Chancen und wies alle Hoffnungen von mir. Auch verweigerte ich mir selbst, diesen Menschen zu lieben, ignorierte meine Sehnsüchte und Gefühle, so brennend und zehrend sie damals auch waren. Ich habe mich gezwungen, Abschied von etwas zu nehmen, was viel zu kurz in meinem Leben präsent war, und doch war es lange genug da gewesen um seine Spuren zu hinterlassen in mir. Zu viele kleine Dinge, die mir immer wieder sagen, was ich falsch machte, die mich daran erinnern, was war, wo meine Schuld liegt, wo mein Fehler ist und dass ich mir dessen bewusst war, was ich tat. Ich dachte, ich hätte alles zu Grabe getragen, sodass ich mich befreien kann. Aber die Hoffnung ist viel zäher als man denken mag. Wie ein Zeck zieht sie sich zusammen, fährt ihren Kreislauf so weit runter, dass sie vom Minimum überleben kann über ganz lange Zeit, spart sich alle Kraft auf, bis die passende Gelegenheit da ist, um sich fest zu saugen. Wie dieser Zeck auf sein Opfer fällt und sich an seiner Lebendigkeit ernährt, wird diese Hoffnung wachsen und leben können, bei der passenden Gelegenheit. Man sagt nicht umsonst, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Ich habe es vor kurzer Zeit noch mal erleben dürfen, diesen Prozess, den ich beschrieb. Ich weiß nicht, ob es das ist, was du hören möchtest … Nur wer Träume zulässt, lernt in der Wirklichkeit zu bestehen...[/SIZE] |
| Astatos | Leise klingen die Klänge an mein Ohr, erinnern an alte Pfade.. Pfade die sich wohl für immer verschlossen haben und wohl auch bleiben sollten.. Ich spüre, wie Stunde für Stunde, Tag für Tag etwas entweicht, etwas, an das ich mich so sehnlichst geklammert habe... Ein Hauch von... ich weiß es nicht, was es genau ist, Hoffnung? Nein, nicht wirklich... Sehnsucht? Unzutreffend.. Angst? Vielleicht.. wahrscheinlich aber auch nicht.. Egal wie man es nun genau nennen mag, was einmal war, wird nie mehr sein.. unsere Wege haben sich getrennt.. wahrscheinlich für immer.. ich glaube nicht an das Schicksal, welches uns noch einmal zusammenführen wird.. Ich denke zurück an jenen Tag, als alles seinen Anfang nahm.. Als aus dem Unglück jenes Tages ein neuer Anfang hervorging. Es war ein warmer Sommertag, damals in Berlin... Ein Morgen wie die vorigen auch... nun nicht ganz, ich wusste nicht, dass dieser Tag ein solches Ende nehmen sollte.. Dass an diesem Tag alles zu Bruch gehen sollte, was sich in den Jahren zuvor mühsam aufgebaut hat... Diesmal wird es kein solches Ende nehmen wie damals.. es ist anders.. nicht gewaltsam.. sondern still.. lautos.. stumm. Erinnerungen werden allmählich verblassen, Vergangenheit wird vergehen, Zukunft kommen - nur um ebenfalls schlussendlich zu verblassen.. Ein Blick aus dem Fenster... in der Ferne die Lichter der Stadt.. zwischen den beiden großen Tannen... An diesen Blick werde ich mich erst gewöhnen müssen.. Keine Zwei Monate sehe ich diesen Anblick jeden Abend, wenn ich aus dem Fenster schaue.. Es wird Zeit sie gehen zu lassen.. Zeit, Träume, die niemals gelebt werden können, ruhen zu lassen... Vielleicht ist es Schicksal, wie es gekommen ist.. doch es gibt immer einen Weg, egal wie dieser aussehen mag.. |
| Astatos | Es ist warm im Raum, viel zu warm... der Schweiß steht mir auf der Stirn, die Luft ist stickig... Schlechte Vorraussetzungen für eine ruhige Nacht... Knapp ein Jahr ist es nun her als es begann.. und aus anfänglicher Hoffnung, welche später in Trauer überging, wurde Verwirrung.. Was nun die Wahrheit ist? Ich weiß es nicht, ich frage nicht mehr danach. Das Fragen aufgegeben, ja das habe ich.. Sinnlosigkeit umgreift mich von Tag zu Tag, dringt immer tiefer vor, nur um auch den letzten Funken Hoffnung, sie nicht zu verlieren, endgültig auszulöschen. Können sich zwei Menschen in so kurzer Zeit so sehr verfremden? Was war es was mich an diesem Abend vor knapp zwei Wochen so sehr verwirrte und mir seitdem kaum mehr aus dem Kopf ging.. Man könnte meinen, Sie hätte sich in zwei Persönlichkeiten gespalten.. Vielleicht ist sie das? Vielleicht war es auch nur ein Traum, als sie freudestrahlend auf mich zukam... es will einfach nicht zusammen passen, nicht von mir verstanden werden. Denn dieser kleine Moment hat eine längst vergangene Hoffnung wiedererweckt, sie nicht zu verlieren... Doch eines wurde mir an diesem Abend ebenfalls klar.. ich habe das Schicksal herausgefordert und musste dafür bezahlen.. Ich habe sie ziehen lassen, wohlwissend, dass nichts auf dieser Welt das geschehene rückgängig machen würde. Ob sie es begriffen hat, ich weiß es nicht... ich glaubte daran, bis ich sie an diesen Abend traf... es ergab keinen Sinn. Hat Sie es nicht verstanden oder nicht verstehen wollen... Es passte überhaupt nicht in das Bild des ganzen vergangenen halben Jahres.. Eines ist jedenfalls klar, was einmal geschehen ist wird so nie mehr geschehen, und das wusste sie ebenso gut wie ich.. Es ergibt keinen Sinn, einfach keinen Sinn.. Ich sollte fragen, doch will ich nicht mehr fragen - einfach nur ein Ende finden, ja das sollte es. Dieser Abend.. er geht mir nicht mehr aus dem Kopf.. manchmal kommt der Gedanke auf, es wäre besser gewesen, wäre ich nicht dort hingefahren... Muss das alles einen Sinn ergeben.. ich glaube langsam nicht mehr.. Das Schweigen hat wieder begonnen.. und obwohl mich genau das noch mehr zermartert, wünschte ich doch einerseits, es könnte endlos fortwähren.. |
| Astatos | Neue, nein alte Erinnerungen.. Viel Zeit ist vergangen, seit wir uns das erste mal begegneten.. Unscheinbar, undurchdringlich, einzigartig.. so in etwa könnte man dich beschreiben. Verträumt, voller Hoffnung und gleichzeitig voller Hoffnungslosigkeit, auch so könnte man dich beschreiben. Voller Leben und gleichzeitig innerlich bereits ausgebrannt.. auch das würde dein Wesen in irgendwie beschreiben.. Und doch trifft keines allein zu, sie alle waren ein Teil von dir. Vom ersten Moment an konntest du in meine Welt sehen, in meine Seele.. es dauerte nur Sekunden, in denen du meine wahren Schwächen, aber auch wahren Stärken erkanntest. Du gabst mir den halt, versuchtest mir die Hoffnung zu geben, mich nicht genauso aufzugeben wie du dich selbst. Stets uf der Suche nach der wahren Erfüllung im Leben blieb dir nichts als Enttäuschung.. Enttäuschung und Schmerz.. Und Sehnsucht.. und sie war es auch die dich auf deinen Wegen vorantrieb, dein Wesen lenkte.. Die Nächte waren kalt.. bitterkalt. und dennoch überstanden wir Nacht um Nacht umgeben vom Chaos, von Begierde, von Neid, Missgunst und Intoleranz. Reinpassen wolltest und konntest und wolltest du nicht wirklich in diesen buntschwarzen Haufen, du zogst es lieber vor, dein eigenes Ding durchzuziehen... Du kamst und gingst, wie es dir passte, warst manchmal wie vom Erdboden verschluckt, um plötzlich wieder auf der Bildfläche zu erscheinen... Erinnerungen.. an Dinge die getan und gesagt wurden.. an Dinge die Vergangenheit sind.. an Worte die nie mehr aus deinem Mund erklingen werden.. Es war 2 Uhr nachts an einem relativ mildem Winterabend, als ich endlich davon erfuhr... endlich erfuhr, warum du seit einiger Zeit wie vom Erdboden verschluckt warst... Folgtest deiner Sehnsucht, Hoffnung suchend.. welche dir das Diesseits nicht geben konnte. Ich las deine letzten Worte, die du dieser Welt hinterließest, Worte die mich an frühere Zeiten erinnerten... Du suchtest nach der Erlösung.. und fandest sie im Abgrund der Tiefe.. In Erinnerung an einen guten Freund.. in Gedenken an Hope.. |
| Astatos | Eine weitere Nacht ist vergangen.. Meine Gedanken kreisen immer noch. Positive wie negative Erinnerungen an die letzten Jahre. Wie alles begann.. völlig unscheinbar, damals geboren im Chaos, heute zerstört im Chaos.. Unscheinbar, so fing alles an. Ahnen konnte keiner, was einmal daraus erwachsen würde, dass mich das Chaos, welches mich damals umgab, heute durch dich wieder einholen würde. Berlin, sonnige heiße Tage.. Es war eine Fahrt ins ungewisse, an dem all meine damaligen Hoffnungen innerhalb eines Augenblick zerstört wurden.. und im gleichen Augenblick tratst du in Erscheinung. Anfangen konntest du nicht wirklich etwas mit dem was ich sagte.. es dauerte seine Zeit, Zeit um wieder Vertrauen schöpfen zu können, Zeit an die Zukunft zu denken. Allmählich ging irgendwann alles wieder seine Bahnen, wir lernten uns besser kennen, wurden Freunde, vertrauten uns immer mehr an.. und irgendwann entstand mehr daraus.. Ohne zu wissen, dass es früher oder später ein beiderseitiges böses Erwachen geben würde. Ich zog meine Mauern hoch und du konntest sie nicht überblicken.. ich wiederum verzog mich immer weiter, immer tiefer in ein Konstrukt, das du nicht verstehen konntest. Und deine Welt? Ja auch diese näherte sich immer mehr dem Abgrund. Goldener Käfig.. so beschriebst du deine Welt, dein Leben. Er war da, konnte und wollte nicht einsehen, dass es vorbei war, doch er war nicht allein.. Und Andeutungen meinerseits erzielten nicht das was sie sollten, selbst als für andere so eindeutig war, warst du immer nur mit dir selbst beschäftigt.. Dann kam die Nacht der Nächte, die alles verändern sollte... wie es genau anfing kann ich nicht mehr sagen.. du erzähltest von einem deiner Träume.. anfangs widerwillig, doch kaum hattest du angefangen, so war es doch klar.. klar was die Zukunft zu vollbringen vermag. sofern wir sie richtig nutzen würden... Ich gestand dir was ich für dich fühlte, was ich begehrte.. Traum und Wirklichkeit begannen zu verschmelzen. Doch es gab da noch jemand.. und damit begann das Ende des Traumes. Der goldene Käfig hielt dich zurück.. und ich ließ ihn gewähren. In dem Wissen, dort nichts verloren zu haben. Es war nicht meine Welt, sie würde es nie sein können... Nun blieb nur noch eins für mich zu tun... dich aufzufangen.. aufzufangen vor dem drohenden Fall in die Tiefe deiner Selbst. Dich vor dem zu retten, was du selbst geschaffen hattest.. Der Fall kam, tiefer als erwartet, riss die Wirklichkeit ein, doch Träume ebenso.. Dunkle Wälder, umgeben von mächtigen alten Baumriesen.. es ist Nacht.. Wo wir uns befinden weiß ich nicht. Doch es ist nicht in dieser Welt.. Irgendwie ist alles anders.. die Luft riecht anders, das Licht des Mondes fällt anders.. unwirklich... Das einzige was Wirklichkeit schien, warst du.. Ich versuchte dich einzuholen, auf dem Weg in das nichts. folgte dir eine halbe Ewigkeit, verlor dich immer wieder aus den Augen.. Die Welt, zwischenzeitlich in ein Meer aus Farben getaucht, wurde nun allmählich eintönig, grau.. tot... Das Zentrum des Waldes.. nur ein Bild, das sich eingebrannt hat.. nur ein Schrei, der ständig nachhallt.. Ich erwachte... der Traum hatte sich im Nichts aufgelöst.. und wurde durch einen wahren Alptraum ersetzt - Die Wirklichkeit |
| Astatos | Leise dringt die Musik an mein Ohr... erzählt mir von der Gegenwart, von der Zukunft.. und von der Vergangenheit.. Das Schweigen ist ungebrochen.. Zustand ewiger Dämmerung.. Und drohend die Zeit, die mir davonläuft... Wenige Tage, dann geht es wieder zurück, Kilometer um Kilometer schieben sich zwischen mich und meine Welt. Ich werde daheim sein, und doch irgendwie fremd.. Ich gehöre dort einfach nicht mehr hin. Auch wenn Kindheitserinnerungen daran verbunden sind... nichts ist geblieben. Das Haus eine einzige Ruine, der Lehm bröckelt aus den Wänden, Schimmel an den inzwischen undicht gewordenen Fenstern... Herumliegende Schindeln.. heruntergerissene Lampen.. Selbst die Reste der historischen Stadtmauer die durch den eigenen Garten verlaufen sind nun vollends in sich zusammengestürzt.. die Holzbank auf der ich mit meinem Bruder damals gespielt habe.. nichts als verrottendes Holz... Erinnerungen. Die alte Schaukel.. Stahlgerippe inmitten des sich ausbreitenden Urwaldes.. Überall junge, ein- und zweijährige Bäume... Leise knarren die Bäume im Wind. Gewachsen sind sie, es hat mir förmlich die Sprache verschlagen. Nur der alte Eichenbaum.. mehrere hundert Jahre alt, sieht immer noch so aus wie früher. Mein Blick fällt Richtung des Berges am Ortsrand... Immer noch genauso wie ich ihn in Erinnerungen habe.. Mitsamt seinen Narben.. Ich sehe noch heute den Wald brennen.. höre noch die Sirenen. Erinnere mich noch an die Monate danach, als ich dort oben war.. und das ganze Ausmaß des Brandes sehen konnte... nichts als verbrannte Erde.. Gesperrte Wege... der Berg war in Bewegung.. regelmäßig gab das Gestein am Hang nach.. leises Knarren der verbrannten Baumstämme.. Ich bin am Gipfel, einige Jahre zuvor. Der Blick aus dem alten Wachturm über das Tal.. der Wald... grün wie er einst war. Erinnerungen.. Kinder rennen den Hang hinab.. ein Junge wirft seiner Schwester Kletten in die Haare... das Geschrei zuhause war groß, da nur noch die Schere half.. Der Tag an dem ich mir am Einfahrtstor mit einem Messer tief in den Finger schnitt.. überall Blut.. und doch kein Schmerz. Das Tor ist heute noch da. Nur die Halterungen sind schon seit Jahren aus der Hauswand herausgebrochen... das Holz Wind und Wetter ausgesetzt... Die nacht als es brannte.. brannte im Haus.. viel geblieben ist nicht an Erinnerungen, war ich doch frisch operiert und den ersten tag zu hause. Vier Jahre menschlicher Existenz, von der bis auf Bildfetzen nichts blieb.. Wieder Jahre später. Der Tag als ich erfuhr, dass es gen Osten geht, dass eine neue Zeit beginnen wird. Und doch sollte es noch anderthalb Jahre dauern, bis der Umzugs-Laster vor der Tür steht... Leise klingen Klänge in meinem Ohr, zeigen mir Bilder, zeigen mir wer ich bin.. Die neue Heimat.. der 26. April, der meine Zukunft maßgeblich beeinflussen wird. Meine Mutter stand vorm Fernseher... ich kam nach Hause.. nichtsahnend.. diesen Blick werde ich nie vergessen.. und auch nicht was sie als erstes zu mir sagte.. Es sollte nicht viel Zeit vergehen, da würde ich selbst Teil der Gemeinschaft werden, Teil derer, die weitermachten... Flashback zurück in die Vergangenheit. Der Tag, an dem ich so ein kurzes Stück davor war.. davor war, mein gesamtes Leben und das anderer zu zerstören.. Was mich davon abhielt weiß ich nicht.. Vielleicht Hoffnung.. Vielleicht auch Angst.. Angst vor der Wahrheit, vor der Wirklichkeit.. Es ist mittlerweile 5 Uhr morgens.. Zeit der Gegenwart. Zeit die schneller verstreicht als mir lieb ist.. Wenige Tage noch, dann geht es zurück in die Vergangenheit.. und gleichzeitig in die Zukunft. Denn nichts was jemals war oder ist, wird noch einmal so geschehen, die Uhren lassen sich nicht zurückdrehen. Die Mauer des Schweigens lässt sich wohl niemals mehr komplett einreißen.. dafür ist zu viel passiert.. Und doch, erinnere ich mich auch an die schönen Seiten. Damals in Berlin. An die Minuten in der U-Bahn die mir wie Stunden vorkamen, an die schwülheißen Nächte.. an den Lärm der Straßen, an den Baum, unter dem wir lagen.. An unsere erste Begegnung, und das obwohl wiri, wie wir später gegenseitig erfuhren, schon vorher immer ein Auge aufeinander warfen. An jeden einzelnen Morgen, an dem du verlassen vor dem provisorischem Schulgebäude standest und gewartet hast.. An jeden Morgen an dem ich auf der Bank saß.. Und wir uns gegenseitig zu beobachten und trotzdem knapp ein Jahr nicht ein einziges Wort miteinander wechselten.. Bis eben an jenen Morgen in Berlin.. Und es sollten nochmal Jahre vergehen, bis wir endlich über das redeten, was unsere Welt bedeutete.. Träumereien, Wünsche, Hoffnungen... Und die Tatsache, dass Träume nicht immer zur Wirklichkeit werden können.. Dass aus bedingungsloser Hingabe eine Mauer des Schweigens erwachsen kann... Nun sitze ich hier... Tage vergingen, Wochen, Monate, in denen jeder Tag trostloser war als der zuvor.. Nur langsam scheint es an der Zeit, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen.. Möge der neue Tag bessere Zeiten verkünden... |
| Astatos | Langsam erscheint es alles wieder einen Sinn zu geben... Wenn ich an die letzte Nachricht zurückdenke, an Aussagen von Freunden und Bekannten.. wenn ich einmal mehr nachschaue, ob sie sonst noch irgendwo im Netz auftaucht.. Ich bin wahrlich kein Feind dieser Aktivitäten, zocke ich doch selbst immer wieder mal gern irgendwelche Games inklusive durchzechten Nächten. Und doch hätte ich früher nie gedacht, dass sie einen Menschen so sehr verändern, ja zerstören können. „Studium läuft nicht so gut, Familie macht Stress“... das war das letzte was ich von ihr hörte.. gleichwohl im Zusammenhang mit ihrer neusten Freizeitbeschäftigung: WoW.. Nein ich verteufle es nicht, habe ich doch selbst jahrelang diverse Onlinegames gespielt, schlachten geschlagen, mal gesiegt, mal verloren.. und doch scheint es einen großen Unterschied zu geben.. zwischen ihr und mir.. dabei hielt ich gerade sie für besonnen genug, ihr reales Leben nicht zu vernachlässigen.. Und es ergibt doch immer mehr Sinn. Und nicht nur mir ist es aufgefallen... Warum es so plötzlich bergab ging, warum es so plötzlich nichts mehr gab, über das man reden konnte.. warum sie sich immer weiter zurückzog.. anfangs dachte ich, es läge an mir, an dem was in den Monaten zuvor geschehen war... doch mittlerweile ergibt sich ein ganz anderes Bild.. setze ich das Puzzle zusammen, erscheint alles völlig anders als gedacht. Der abend, an dem ich kurzzeitig dachte, alles könnte sich zum guten wenden... doch eigentlich hätte es mir schon zu diesem Zeitpunkt klar sein müssen... geblieben ist nichts mehr von der alten Zeit, von den vergangenen Jahren.. Nur Erinnerungen.. So fremd.. ich muss immer wieder an diesen abend denken.. als wäre nichts gewesen. Doch der Schein trügt.. nichts mehr ist wie es einmal war. Und nur eines ist dabei wirklich klar: Das was uns einst verband, ist für immer verloren.. „Meine warmen Gedanken wie Eiswasser zerschmelzen Das Sonnenlicht verliert ihre mütterliche Stärke Und ich bleibe zurück und nehme alles hin Ein kurzes unbewusstes Zucken aus den Mundwinkeln Lässt meine trockenen Lippen aufreißen Und ich schmecke das Blut und den Geist des Lebens Sehnsüchtig tröste ich mich in den Schlaf“ |