| Mighty Nighty | Sicherlich habe ich gewusst, das es nicht einfach werden würde. Doch das sich die Dinge als derart komplex herauskristallisieren würden, das war mir nicht bewusst. Und doch ist es manchmal heilsam, wenn man vor dem Scherbenhaufen der zerplatzen Träume sitzt und beim Anblick der spitzen kleinen Splitter nochmal reflektiert, warum da etwas in mir zerbrochen ist. Sicherlich ist es schmerzhaft wenn sich die kleinen und feinen Splitter beim zusammenfegen in das Fleisch der eigenen Hand bohren und feine Wunden hinterlassen die kaum bluten, aber vor sich hin eitern bis die Splitter herauswachsen. Es ist meine Schuld, dass da etwas in mir zerbrochen ist. Du kannst da nichts dafür, da Du nicht mal ahntest das Du in mir etwas kaputt machen könntest. Wie auch? Es soll sicherlich kein Vorwurf sein (auch wenn es vielleicht so klingen mag). Du bist so mit Dir selbst beschäftigt, mit Deiner Therapie und dem Ziel wieder vollkommen Gesund zu werden und ein Leben ohne Panikattacken zu führen. Und das ist auch gut so. Denn Du kannst es schaffen. Alleine. Ohne fremde Hilfe. Meine Versuche Dir zu helfen, waren stümperhaft. Von einem Menschen der selbst problembeladen ist, mit einer Krankheit zu kämpfen hat. Von all dem weisst Du nichts. Ich wollte es Dir nicht erzählen bevor Du wieder aus der Klinik draussen bist. Eine Rücksichtsmassnahme die mich aufrisst, da ich Dir etwas verschwiegen habe was Teil meines Lebens ist und mich wohl immer begleiten wird. Ich wollte kein falsches Mitleid. Du solltest auf Deinen eigenen Weg schauen und Gesund werden, da Du die Option hast ein glückliches Leben ohne Ängste zu führen. Mir wurde das schon vor längerer Zeit genommen. Schleichend. Und ich bin langsam zu müde dafür, immer wieder Therapien zu beginnen, erst kleine Erfolge zu erzielen um dann den grossen Showdown des Rückschlags zu erleben. Immer wieder aufs neue. Seit Jahren. Manchmal habe ich das Gefühl das der Tot ein schreckliches, langsames und unbarmherziges Spiel mit mir treibt und dabei notiert wo meine Grenzen sind. Und trotz dieser momentanen Müdigkeit käme es nicht für mich in Frage einfach aufzugeben, mich kampflos dem Schicksal zu ergeben. Dazu hänge ich zu sehr an meinem verf****en Leben. Mit allen Acherbahnfahrten, die mir das Schicksal dabei zu bieten hat. Und ein Grund um jede Minute zu kämpfen, bist Du. Ohne das es Dir bewusst ist. Warum? Weil ich Dich liebe. Mit Deinen Ecken und Kanten. Ich schätze sie. Und das wird mir gerade von Stunde zu Stunde mehr bewusst. Das sage ich nicht nur lapidar vor mich hin. Du faszinierst mich mit Deiner Art und Deinen dunklen Abgründen. Und das ist auch der Grund, warum etwas in mir zerbrochen ist. Das Bewusstsein, Dir nicht helfen zu können. Sondern nur danebenstehen und warten. Jeden Tag warten und hoffen das Du Therapieerfolge erzielst. Du bist nun seit zwei Tagen in der Klinik. Und es schmerzt noch kein Lebenszeichen von Dir gehört zu haben, obwohl ich weiss das Du den Kontakt zu anderen Menschen aufrecht erhälst. Ja, wir waren in den letzten Wochen sehr eng miteinander verbunden. Haben fast täglich Stunden lang miteinander telefoniert, hab Deine Ängste und Sorgen geteilt. Du hast mich aus dem Schlaf geklingelt wenn Du mich brauchtest (ein Privileg das ich bei Gott nur sehr wenigen Menschen einräume). Und nun sitze ich hier, schaue alle paar Minuten aufs Handy und hoffe das eine SMS von Dir gekommen ist. Und dieses Gefühl macht mich wahnsinnig. Ich bin unausgeglichen, gereizt, bockig und voller Sorge ob es Dir gut geht. Und das ist ein Wesenszug an mir, den ich in dieser Form noch gar nicht gekannt habe. Und irgendwie macht es mir Angst. Und irgendwie ist das alles so surreal. Wie kannich um etwas Angst haben, das noch gar nicht entstanden und noch gar nicht wachsen konnte? Wird es jemals wachsen? Ich bin mir nur bewusst das ich Dich Liebe. Die nächsten sechs Wochen werden wohl für mich ein Horrortripp werden. Die Zeit verstreicht wie Ahornsirup. Dinge, die mich normalerweise ablenken und Freude bereiten, haben momentan einen schalen Beigeschmack, da ich mit meinen Gedanken ständig bei Dir bin. Aber ich kann jetzt nichts anderes tun und warten.... |
| Mighty Nighty | Die Zeit scheint wie Lichtpunkte bei einer nächtlichen Bahnfahrt an mir vorbei zu fliegen. Und doch siehen sich manche Tage wie Ahornsirup dahin. Zäh, langsam und doch unaufhaltsam. Das alte Jahr ist vergangen und das neue liegt noch in den Windeln. Trotzdem hat sich vieles verändert. Wenn man sich ein bischen zurücklehnt und die Gedanken um das vergangene Jahr kreisen lässt dann scheint vieles in weite ferne gerückt was einem wichtig war. Sicherlich gibt es Dinge die Narben auf der Seele hinterlassen und einem im Gedächtnis hängen bleiben. Auf der anderen Seite macht die Zeit Dinge unwesentlich, die einem wichtig erschienen und die man sich in Erinnerung behalten wollte. Oder verdrängt man diese Dinge weil man sie nicht verarbeiten konnte und mit ihnen klar kam? Was ist wesentlich und was hatte nur den Anschein wichtig zu sein, um dann im Alltagstrott unterzugehen? Werden Begriffe wie Liebe, Emotionen und Freundschaft in unserer heutigen Welt nicht Tag für Tag missbraucht in dem sie als Floskeln genutzt werden? Das sind nur einige der kleinen scharfen Splitter vom letzten Jahr, die erst jetzt herauswachsen. Und es werden mehr. Nicht täglich, aber beständig mehr. Und dieser Prozess ist wichtig, wenn auch manchmal schmerzlich. |
| thanatos4life | Darf ich fragen wie deine Geschichte ausgegangen ist? Mir kommt deine Situation gerade so ver*** bekannt vor. |