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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Für Papa
RankshaIch habe einen brief an meinen Vater verfasst. In dieser Minute liest er ihn wohl. Seit der Trennung meiner Eltern ist er seelisch schwer zu erreichen, obwohl er immer mein seelenverwandter gewesen ist. Er hat eben eine neue Freundin und neue Töchter... Ich habe ihm diesen Brief verfasst und zukommen lassen...

Ich vermisse dich so sehr. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dich denke. Wie es früher war, wie es dir jetzt wohl geht. Ich melde mich selten bei dir, aber ich habe dich niemals vergessen. Keine Sekunde.
Ich vermisse meinen Platz in deinem Leben, in deinem Herzen ist er noch, aber ich kann ihn nicht immer finden, ich versuche es so sehr, aber mir fehlt so oft der Zugang zu dir.
Ich bin viel mehr als berufliche Fakten, viel mehr als ein beabsichtigtes Studium, viel mehr als eine arbeitslose junge Frau. Du weißt das doch, du hast es immer gewusst.
Ich weiß nie, was ich dir am Telefon erzählen soll, ich nehme stets das, wovon ich meine, es wäre das Wichtigste, das was dich interessiert. Für mehr ist nie Zeit und ich will dir deine kurze freie Zeit nie stehlen.
Aber von meinen Gedanken und von meinem Herzen habe ich dir schon sehr lange nichts mehr erzählt.
Wie es in deinem aussieht, das weiß ich ebenso wenig. Du redest nicht mit mir. Du hörst mir zu, aber du gibst nichts mehr von dir preis.
Als wir damals allein waren, wie oft haben wir uns in den Arm genommen und einfach geredet. Du hast mir sehr oft gesagt, dass du mich lieb hast und ich war glücklich darüber.
Jetzt sagst du es auch, aber jetzt bin ich schon sehr lange nicht mehr die erste, die du in den Arm nimmst.

Ich habe keine Freunde, ich sehe in meiner Beziehung keine Zukunft und ich habe Angst, dass ich mich niemals finden werde. Wieviele Ideen hatte ich in der letzten Zeit für mein Leben, es waren unzählige und alle vollkommen verschieden.
Ich weiß nicht, wer ich bin, ich habe keinen Anker, an den ich mich klammern kann.
Das warst immer du.

Mal vergieße ich Tränen für dich, mal brennt mein Herz vor Wut und ein andernmal ist es mir einfach nur egal. Dann fühle ich überhaupt nichts...


Aber die meiste Zeit tut es einfach nur weh.

Seit wir aus unserer Wohnung gezogen sind, haben wir uns kaum gesehen.
Mein Vater, das war immer mein persönliches Vorbild. Nicht nur mein Erzeuger, nein, mein Ideal, einfach weil ich deine Seele geerbt habe. Das verbindet doch. Ich sehe doch, wenn es dir nicht gut geht.
Wie oft habe ich es dir gesagt... Du hast doch auch einen Freiheitsdrang, einen Wunsch zur eigenen Verwirklichung. Als Saskia und ich kamen, haben wir dir das genommen, das weiß ich ja. Aber ich hatte mir so gewünscht, dass du es nun einfach tust. Einfach das tust, was du möchtest, wonach du brennst.
Oder sollte ich dich so schlecht kennen, dass ich meine, du tust es noch immer nicht?
Jedes Mal, wenn ich dich sehe, dann siehst du bloß unglücklich aus. Überarbeitet und traurig. Kann ich mich so sehr irren?
Ich kenne dich doch schon mein ganzes Leben lang und ich bin dir viel zu ähnlich, dachte ich, um so sehr falsch zu liegen.
Wie gern hätte ich dich einmal einen Abend hier.
Wir könnten wahrscheinlich die ganze Nacht reden und selbst diese Zeit würde nicht ausreichen. Ich habe doch immer einen Schlafplatz für dich und ich wünsche mir so, dass du ihn benutzt.

Ich habe einfach Angst, mein Leben so zu gestalten wie ich es will, weil es zu sehr aus der sicheren Schiene läuft. Ich habe Angst, etwas zu riskieren, um mein Glück zu finden. Aber gleichzeitig habe ich den Drang danach, genau das zu tun. Unwissentlich arbeite ich bestimmt auch darauf hin, ich sabotiere mich ständig selbst.
Ich werde mich schon irgendwann finden, aber ich hätte so gern, dass du teil daran hast.
Ich frage mich sehr oft, ob ich einfach zu viel erwarte. Vom Leben, von Beziehungen, von Freundschaften und von meinen Eltern.
Denn nichts davon haut hin. Sicherlich habe ich viel Kontakt zu Mama. Wir sehen uns öfter oder telefonieren.
Aber die Einheit ist verloren gegangen. Seit ihr getrennt seid, bin ich nicht in der Lage, Freundschaften aufrecht zu erhalten, noch das Durchhaltevermögen zu haben, auf eine Beziehung zu warten, in der ich aufgehen könnte. Ich nehme das was kommt und halte es ganz fest, damit mir nicht auch nur der geringste Funken abhanden kommen kann, denn dann wäre ich allein und davor habe ich solche Angst.
Dabei bin ich genau das und merke es nur sehr selten, weil ich den Gedanken nich gern zulasse. Aber ab und zu holt es mich doch ein.
Ich habe mir immer eine gute Freundin gewüscht, aber ich habe keine. Ich wünsche mir eine Beziehung, die geistig ausgeglichen und trotzdem fordernd ist und in der mein Partner mir gegenüber loyal ist. Stattdessen halte ich nun seit 3 Jahren eine Beziehung aufrecht, in der mein Partner einfach nur lieb zu mir ist und immer für mich da. Das war´s dann aber auch schon. Uns verbindet sonst nichts. Es gibt keine Leidenschaft, kein wirkliches Interesse und wir haben nicht die selben Träume. Dabei ist das doch so wichtig, oder?
Und das alles nur, weil ich Angst davor habe, allein zu sein und niemanden mehr zu haben.
Meine damaligen Freunde sind allesamt weg, selbst wenn ich einige davon manchmal sehe, interessiert es niemanden, warum ich 2 Jahre lang weg war, was ich in dieser Zeit gemacht habe, oder wie es mir geht, von einem neu aufgebauten Kontakt ganz zu schweigen.
Ich habe mir gedacht, dass es dich vielleicht doch interessiert, wie es in mir aussieht und dass du vielleicht doch mal zu mir kommen magst, für eine Nacht mit ein paar Fläschchen Wein.
Einfach, weil du mir so fehlst.
Ich habe dich so lieb, immer lieb gehabt. Ich freue mich so, wenn ich dich wenigstens hören kann, ich will dir einfach keine Last sein, in deinem neuen Leben, mit deiner neuen Familie, die du nun schon so lange hast. Aber erst jetzt fange ich an, darüber hinweg zu kommen. Bitte sag mir, dass über gar nichts hinweg kommen muss, sag mir bitte, dass ich dir immernoch so wichtig bin wie damals und bitte meine es auch so.




Ich wünsche mir so sehr, dass er sich diesen Brief zu Herzen nimmt.
Latonaich hoffe für dich, dass dein daddy sich den brief zu herzen nimmt und darauf reagiert. im positiven, so wie du es wünschst.

ich weiß garnicht so genau, in welchem verhältnis ihr zueinander steht? ihr habt noch kontakt? eine freundin von mir hat dasselbe problem, vielmehr will ihr vater nichts von ihr wissen. ich habe ihr gesagt, sie solle ihn einfach anrufen und einladen zu ihrer hochzeit. kaum sagte sie hallo, hat er aufgelegt. anscheinend war es der falsche rat, zumindest aber weiß wie nun, dass ihr vater es nicht wert ist, eine träne zu vergießen. ich hoffe, dass es bei dir nicht so ist und dein dad etwas einfühlsamer ist. ich wünsche dir viel glück!
RankshaMein Vater hat sich die Worte tatsächlich sehr zu herzen genommen. Er war neulich sehr lange bei mir und wir haben miteinander geredet. Wir werden uns nun öfter sehen, ich bin endlich dabei, Kontakt zu Menschen aufzubauen und fühle mich um eine große Last befreit.
SeenaIch freue mich sehr für dich, weil ich dir deine Worte gut nachempfinden kann...

mit meinem Vater ist es ähnlich schwierig, er ist psychich auch nicht sehr labil und es fällt ihm
schwer, Beziehungen aufzubauen, bzw. aufrecht zu erhalten.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für deine Zukunft mit ihm.

Lg Seena

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