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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Ein verlassener Friedhof am anderen Ende der Welt...
JulyaSchon alleine der Weg zum Friedhof war ruhig und malerisch. Nach dem starken Regen kam langsam die Sonne wieder durch die üppigen Blätter und verwandelte die grüne Umgebung in ein feuchtes Tropenparadies.
Nach ein paar Gehminuten sah man in einiger Entfernung auf der linken Seite an einem Hang liegend die Gräber auftauchen. Rechts führte eine Treppe zum Chinesischen Monument, welches wir uns als erstes anschauten. Es liegt so erhaben, daß man von dort einen wunderbaren Blick über Sandakan und die Bucht hat. Es wurde erst 2004 erbaut und gedenkt der vielen Chinesen, die hier ihr Leben ließen.
Von dort gingen wir zu einem Punkt, von dem man eine [URL=http://img163.imageshack.us/img163/6165/friedhof1.jpg]Übersicht[/URL] über den japanischen Friedhof hat. Wir waren uns einig, daß wir so etwas noch niemals zuvor gesehen hatten. Ich kann in dem Fall nur für mich sprechen, aber es hat einen wahnsinnig intensiven Eindruck auf mich gemacht, die vielen Gräber dort zu sehen. Das Außergewöhnliche daran war, daß die Gräber aus einem [URL=http://img529.imageshack.us/img529/4553/friedhof3.jpg]Sammelsurium[/URL] aus Farben und Materialien bestanden. Viele waren aus einer Art Kacheln, die meisten im Halbrund gebaut, in weiß, mint, rosa oder blau. Auf einem kleinen Teil, der weit hinten und fast schon überwuchert war, lagen viele Kindergräber und sie waren nicht so gebaut, daß man sie vom Weg aus erreichen konnte, sondern so rum, daß sie mit der Vorderseite zur Bucht zeigten…
Es war heiß, es war verdammt schwül, aber ich [b]musste[/b] einfach zum Hauptteil des Friedhofs runter. F. blieb oben und so stieg ich allein die Stufen hinab.
Mich erfasste ein Gefühl von Erfurcht, aber auch große Neugierde, denn ich war in meinem Leben noch nicht an einem solchen Ort gewesen. Die Stadt Sandakan ist wuselig, laut und voll und hier oben, gar nicht weit von der Stadt entfernt, gibt es diesen Ort der Stille. Keine Menschenseele war hier, obwohl… wer weiß das schon. Zumindest war kein lebender Mensch um mich herum.
Die Gräber waren alle unterschiedlich, aber hatten eines gemein: Es hatte sich viele Jahre niemand mehr um sie gekümmert. Sie waren zerfallen, teilweise schon stark beschädigt und die [URL=http://img841.imageshack.us/img841/6306/friedhof2.jpg]Natur[/URL] eroberte sich den Platz, den vor vielen Jahren einmal Trauernde als Zufluchtsort gewählt hatten, zurück.
Ich ging eine kleine verwucherte Treppe hinauf und der Schreck fuhr mir tief in die Knochen. Unter dem kleinen rot-weißen Dach lag einer der zahllosen streunenden Hunde, die sich sonst eher in Siedlungsnähe aufhalten. Der Kleine hatte sich vor mir so sehr erschreckt, wie ich vor ihm und flitzte sofort leise jaulend davon. Ich atmete einmal tief durch, bevor ich wieder zurück ging. Der Weg den Berg weiter hinauf war einfach zu sehr zerstört, dabei hätte ich zu gern gesehen, was sich in den Säcken befand, die auf ein paar Gräbern weiter oben standen.
Ich sah, wie ein dicker Regentropfen von einer Blume auf die darunter wachsenden Pflanzen fiel und diese sich binnen einer Sekunde zusammenzogen. Ich setzte mich kurz hin und strich mit dem Finger über die kleinen Blätter und war erstaunt, [i]wie[/i] schnell sich diese Pflanze bewegen kann…
Eigentlich wollte ich einmal den Friedhof durchqueren und eine andere Treppe wieder hochsteigen, aber es war alles einfach zu verwildert und ich konnte keinen Weg finden.
Es herrschte auf dem ganzen Friedhof eine unwirkliche Stille. Dadurch fühlte es sich fast so an, als würden meine Ohren die wenigen Laute nahezu aufsaugen. Hier und da schreckten immer mal wieder ein paar Vögel aus dem hohen Gras und flogen aufgeregt davon, ansonsten hörte man absolut nichts.
Ich ging den Weg zurück, den ich gekommen war… durch Matsch, Sand, vergangene Palmenblätter und Pfützen.
Neben unglaublichen Eindrücken habe ich von meinem Weg durch den japanischen Friedhof auch ein paar unangenehme Dinge mitgenommen. Und zwar jede Menge Kletten. Diese Biester hängen so sehr in den Klamotten, daß es ewig gebraucht hat, sie wieder abzupuzzlen. Und zwar jede einzeln, anders ging es nicht...







Ich habe vor ein paar Wochen eine Reise durch Südostasien gemacht. Wir haben lediglich den Hin- und Rückflug gebucht und haben uns vor Ort einfach treiben lassen...
Es ging von Singapur in den malaysischen Teil von Borneo, von dort zurück aufs malaysische Festland nach Kuala Lumpur, dann Richtung Thailand nach Krabi, dann auf eine kleine Insel in der Andamanensee und von Bangkok wieder zurück nach Deutschland.
Die ganze Reise war eine wahnsinnig tolle Erfahrung, aber der Tag in Sandakan, als wir den Friedhof entdeckten, war ein ganz besonderes Erlebnis....
[Manias Child]Danke Julya für deine ausführliche Beschreibung des chinesischen Friedhofs. Ich liebe historische friedhöfe .
Vor einem halben Jahr war ich in Wien auf den Zentralfriedhof. Es ist der wahnsinn. Es gibt ein fantastisches gothisches Viertel mit Kathedralen ähnlichen Mausoleen. Ein anderer Teil ist jüdisch, islamisch und natürlich überwiegend christlich mit wunderschönen Engeln, verschleierten Frauen, Musen ..... Manchmal findet man ein Plätzchen das schon völlig zugewuchert ist und die Grabsteine umgefallen sind. Jedoch an den prominenten Grabstätten ist viel los, denn alle wollen zu beethoven und co.
Sehr zu empfehlen sind alte französische Friedhöfe, da die franzosen keine Gräber beseitigen sondern alles so lassen wie es ist. Ich hoffe dass ich irgendwann mal den Pere lachaise besichtigen kann.

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