German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 
  Forum: Nebelpfade
    Thema: Ein Garten, ein Tag, ein Traum
Scheol[U][B]Ein Garten, ein Tag, ein Traum[/B][/U]

[I][SIZE=1]
Ich würde alles dafür geben, mein Herz, mein Glück, mein Sehnen,
um nur einmal zu erleben, wie sich dieser Moment, völlig entsiegelt,
in deinen Augen spiegelt.[/SIZE][/I]

1.

Es ist nicht lange her, da hatte ich einen Traum. In dem Traum war ein großer Garten. Das verblichene Gras, die alten, knorrigen Bäume, die Dornenbüsche, all das war ein unwirklicher Ort. Am hinteren Ende stand ein großer Baum, er unterschied sich von den anderen in der Üppigkeit seiner Krone. Sie war hochgewachsen, verzweigt und kahl. Alles an diesem Ort schien zu atmen, zu leben. In der Mitte befand sich ein kleines Mädchen. Sie saß unter dem Baum, der ihr wie ein Schutz im Rücken stand und kniete in einem blauen Sommerkleid auf dem Boden. Wie alt sie war kann ich nicht genau sagen. Vermutlich um die 7 Jahre. In der Hand hielt sie umsorgend einen Schmetterling, der sie stumm und ruhig anblickte. Wie gerne hätte ich ein Wort von ihr gehört, ein einziges Wort das an mich gerichtet war. Doch sie sprach nicht. Regungslos saß sie da und schaute den Schmetterling an, als wäre es ihr einziger Schatz auf Erden. Ich ging ein paar Schritte auf sie zu und spürte, wie die Bäume um mich herum unter lautem Aufbrausen des Windes zu leben begannen. Als würden sie mich nicht dulden, ganz so, als würden sie mir mit dem Tode drohen wenn ich mich noch einen Schritt weiter in diesen Garten wagte. Ein Ort, an dem niemand sein sollte, einzig dieses Mädchen durfte sich dem großen Baum nähern. Warum?
Die Zeit schien nicht anwesend zu sein, ich hatte kein Selbstgefühl, nur ein Gefühl für den Ort an dem ich mich befand. So stand ich da, ich sah sie. Ich konnte sie sehen, sie fühlen. Doch so sehr ich mich nach ihr sehnte war es mir nicht gestattet mit ihr zu sprechen. Also entschied ich mich zu beobachten, dem ewigen Schweigen zuzuhören. Und plötzlich begann sie, als sie verträumt auf ihre Hände sah, eine Melodie zu summen. Eine tieftraurige Melodie was einem Wiegenlied glich und jeden Moment zu zerbrechen drohte. Und auf einmal begann ich zu verstehen was sie tat. Sie erzählte dem Schmetterling ein Märchen. Das Märchen von dem einsamen Kinde dass das Träumen erfand. Sie sang es ihm vor, voller Wehmut hauchte sie eine Frage.

[I]„Hat man dich auch aufgegeben, mein Herz?“[/I]

2.

Jedesmal wenn ich aufwache erinnere ich mich nur bruchstückhaft an die Bilder, die mir wie Kinofilme vor meine Augen gesetzt werden. Es sind unwirkliche Orte, Menschen, Klänge und Gerüche die mir gezeigt werden. Und immer, wenn ich mich daran erinnere, wird mir bewusst dass jeder Traum ein eigenes Gefühl besitzt. Fast wie ein Markenzeichen. Sie beschäftigen mich die meiste Zeit des Tages und irgendwie dringt die Hoffnung durch, mich wieder dorthin verziehen zu können. In diese Szenarien die gleichsam warm wie blutig sind. Ja, ich werde erstochen, erschossen, erfahre größte Schmerzen unter grauenvollen Bildern. Doch sie haben den Klang einer Heimat. Ich will zurück.
Es ist mir unmöglich ein Traumtagebuch zu schreiben. Jedesmal wenn ich einen rational erfassen will entgleitet mir der Kern des Traumes und er verliert sich und löst sich auf. Ich möchte gleiten, darin verloren sein. Ich möchte Koma. Du weißt was ich dir sagen will, du hast doch früher mit mir geträumt. Jahre des unwirklichen Daseins. In dieser Zeit war selbst der Wachzustand ein Traum. Warm, blutig, grausam. Eine Heimat für Träumer. Wie viele Märchen haben wir uns erzählt, und wie viele Erinnerungen getauscht. Du ich, du ich, du ich.

3.

Sie faltet ihre Hände behutsam zusammen. Das Lied verstummt und sie begibt sich auf den Weg nach Hause. In ihrem Zimmer angekommen setzt sie den Schmetterling auf ein Glas und sich danach an ihr Fenster. Sie beobachtet die Wolken und den dahinter liegenden Mond. Neben ihrem Fensterbrett stand eine Sanduhr. Das leise priseln des Sandes gab ihr Hoffnung. Als sie verträumt in die Wolken sah, setzte sich der Schmetterling auf ihre linke Schulter und machte es sich bequem. Sie begann zu summen und plötzlich fing sie an zu erzählen:

[I]„…und so kam es, dass ihre Blätter schneeweiß wurden. Auf dem Feld lag überall das Weiß. Weiße Büsche, weiße Fußspuren, weißer Regen. Aber sie stand in einem Kreis aus verbranntem Schnee. Unentdeckt von den Menschen obwohl sie so schön war, dass sie starke Männer zum Weinen bringen konnte, wenn sie bei ihrem Anblick verzweifelten. Einmal kam ein junger Herr vorbei. Als einziger konnte er die Rose sehen und seine Jägersleute fragten ihn spöttisch, warum sie rasten müssen in der Kälte. Er war wie gebannt und konnte sich nicht rühren. Dennoch riss er sich fort. Als er auf seinem Anwesen das Licht löschte um zu schlafen hörte er seltsame Stimmen. Sie riefen seinen Namen und drohten ihm mit grausamen Dingen wenn er nicht zurück käme. Er hörte die Rose rufen ‚Komm zurück‘ und die Stimmen wurden immer böser. Sie sangen zornige Lieder über den Tod und darüber, dass er nicht davon kommen kann. In derselben Nacht kam er noch einmal an diesem Ort zurück und ging zu ihr hin. Er brach zusammen und sagte bevor er einschlief: ‚Du bist es, nach dir habe ich gesucht. Auch wenn du mein Ende bist möchte ich dich gesehen haben. Du bist sie, die eine Rose die sogar im Winter blüht‘. Der Schnee deckte ihn zu und der Rose wurde klar dass sie auf ewig alleine bleiben musste. Das ist der Fluch der Winterrose, gute Nacht mein Herz.“[/I]

Sie setzte den Schmetterling in das Glas, schloss den Deckel um ihn schützend zu halten und legte sich schlafen.

4.

In sich genommen ist alles eine Abfolge von Ereignissen die unweigerlich eine Realität zu bilden versuchen. Ist Realität nicht einfach nur eine Lüge des menschlichen Gehirns? Der verzweifelte Versuch Ordnung in ein Chaos zu bringen, was dem menschlichen Verstand zu groß zum Erfassen ist? Das Reduzieren auf eine Oberfläche auf der man selbst mit Ketten an den Füßen ausrutscht?
Wenn man die Realität leugnet, müsste sie doch eigentlich manipulativ werden. Wir erfassen doch nur was wir glauben, und was wir glauben wird zur erfassten Wahrheit. Wenn ich also zum Beispiel aufhöre an dich zu glauben müsstest du dich doch endlich auflösen?!

5.

Als sie am nächsten Tag aufstand schaute sie in das Glas. Der Schmetterling war tot. Als sie ihn so liegen sah hatte sie weder ein Gefühl, noch einen Gedanken. Sie öffnete sein Grab, küsste ihn und legte ihn zu sich auf den Schoß. So sehr sie versuchte zu weinen, als könnte eine Träne ihn zurück ins Leben rufen, es gelang nicht. Sie summte wieder eine Melodie und erzählte weiter:

[I]„…nachdem er völlig vom Schnee bedeckt war lies die Rose einige Blätter fallen. Sie verfärbten sich in ein dunkles, gewöhnliches Rot. Der Kreis in dem sie stand, der als einziges grünes Gras und Wärme bot, schloss sich langsam dem übrigen Grund an und deckte sich mit dem immer noch fallendem Schnee zu. Nun begann sie zu frieren, aber sie verstarb nicht. Sie wartete auf den Regen. Ihr ganzes Leben wartete sie auf den Tag an dem es zu regnen beginnt. Der Herr des Gartens fing an mit seinen Ästen zu peitschen. Ganz so, als spürte er Verlust, als versuchte er den Schnee von ihr fernzuhalten. Doch gab er schließlich auf und erstarrte. Und nun mein Herz, kennst du das Ende. Ich warte auf dich, dort in dem Garten.“[/I]

6.

Du bist, warst und wirst ewig eine Lüge sein. Was war wahr, was nicht? Ich will es nicht wissen. Heimsuchung, das könnte man so beschreiben wenn man wollte. Warum um alles in der Welt glaubst du mich rufen zu dürfen? Bist du abgespalten? Bist du nun eigenständig? Hast du ein Bewusstsein entwickelt und Freude am Sadismus gefunden? Deine Seele ist fort, aber du bist geblieben. Als seelenlose Hülle einer vergangenen Zeit. Ich hasse dich. Ja, ich glaube ich hasse dich wirklich. Was willst du noch? Was hast du hier zu suchen? Lass es los, zieh fort. Jede Nacht glaubst du mich besuchen zu müssen. Wie damals, genauso wie damals. Vernichte was übrig ist, entreiße was noch mir gehört. Nur meinen Verstand, den wirst du nicht bekommen. Ich werde meinen Krieg führen. Wenn es sein muss bis zum bitteren Ende. Ich verleugne!
Scheol7.

Wieder im Garten angekommen legt sie ihren Schmetterling unter den großen Baum. Dort, wo sie ihn einst gedankenverloren fand. Nur diesmal war es anders, diesmal war sie nicht allein. Ihre Mutter ist ihr gefolgt und rief nach ihr. „Dass du mir nie wieder hier her kommst, hast du verstanden! Dieser Ort ist zu gefährlich, was, wenn du hier erschlagen wirst?“. Sie schaute ihre Mutter an und fragte: „Du kennst diesen Ort?“.
Ihre Mutter zog sie unter heftigen Anschuldigungen am Arm um sie nach Hause zu bringen. Sie schaute ein letztes Mal den Herrn der Bäume an, winkte, lächelte und verschwand. Diesmal traute ich mich näher in diesen Garten hinein. Die Bäume umher drohten mir mit ihren Ästen den Hals zu brechen, aber ich konnte nicht anders. Als ich an dem großen Baum angekommen war wurde mir schwer um’s Herz. Ich legte meine Hand auf ihn und dachte: „Fühlst du dich einsam? Ja, ich glaube du hast etwas verloren“. Und für einen kurzen Augenblick fühlte ich seine Gedanken.

[I]„Es ist deine Schuld“.[/I]

8.

„Bitte lass das“, diesen Satz habe ich jetzt noch im Ohr. Ich habe nicht wirklich vor damit Spiele zu treiben. Es war ein Hauch von Faszination und Neugier. Nur frage ich mich warum ich jetzt immer noch so intensiv darüber nachdenke. Im Internet findet man so einiges, aber nichts was einen dazu verführen könnte. Schade. Wäre gesucht worden hätte ich mich vermutlich sogar wirklich dafür vorgeschlagen.
„Du weißt nicht was alles passieren kann. Und die Folgen kannst du doch gar nicht abschätzen“. Ja, natürlich nicht. Um’s abschätzen geht es doch gar nicht. Es geht einzig und alleine um das Vergessen. Aber es wird noch Jahre dauern bis jemand endlich den Stein der Weisen gefunden hat. Bis dahin werde ich warten, und dann wird es weichen. Und wenn ich es dazu zwingen muss. Nur ist die Frage, wie ich spalten kann. Eine einzige Sache möchte ich behalten. Sie ist meins, und ich gebe es nicht her. Nur wenn man mir das verspricht bin ich bereit den Rest wegzuwerfen. Aber auch nur dann.

9.

„Was ist denn da draußen, Schatz“, fragte ihr Vater als er ihr eine gute Nacht wünschen wollte. „Niemand mehr“, gab sie als Antwort, „aber ich würde dir gerne etwas erzählen“.
Die Jahre vergingen. Sie ist immer noch ein und die Selbe, selbst nach all dieser Zeit. Und auch heute noch erzählt sie Märchen. Von dem einsamen Mädchen dass das Träumen erfand. Und das eine, welches das Kind mit dem Schmetterling vereint. Eine Hoffnung, die klein und zerbrechlich ist. Und sie wartet…

10.

Eines Tages werde ich in den Traum zurück finden. Ich werde sehen wie sie mit dem Schmetterling unter dem Baum sitzt. Wie sie ihm Märchen erzählt und ihm Lieder singt. Aber dieses Mal wird es anders werden. Sie wird mich sehen, sie wird aufblicken und die 4 erlösenden Worte sagen die mich endlich befreien werden:

[I]„Ja, wir hassen dich!“[/I]
Scheol11.

[I]„Weißt du noch, Vater, welche Geschichte ich dir damals erzählte?“[/I], war ihr letzter Satz den er hören sollte. Sie denkt heute noch darüber nach wie es sich anfühlt wenn ein Vater stirbt. Es ist ein Gefühl, welches sie nicht beschrieben kann. Leere, aber dennoch wärme. Ein Gefühl, als wenn der Tod nur eine Illusion ist. Manchmal setzt sie sich an ihr Fenster und redet mit ihm. Sie erzählt von ihrer Kindheit, von ihren Träumen die sie einmal hatte und von all den schönen Dingen die sie damals umgaben. Von ihrer Einsamkeit und davon, wie es sich anfühlt ein Wesen gefunden zu haben mit dem man diese teilen kann. Sie denkt dabei wie es ist, wenn dieses Wesen fort geht und eine Lücke in der Leere hinterlässt. An kleine Falter und Wunschväter.

12.

Dein eindringen in mein Intimstes ist eine Frechheit. Nicht einmal jetzt kannst du mich ruhen lassen. Ist es dir eine Freude? Mit Sanftmut schaust du mich an um im nächsten Moment einen Krieg zu beschwören. Du vernebelst die Sinne, lässt mich Dinge sagen die ich nie zu träumen wagte aber nun träume. Du entzweist mich. Der Mensch der ich in meinem Schlaf bin, bin ich nicht! Ich würde so etwas nicht tun! Nicht wieder…

13.

Immer bevor sie sich schlafen legt dreht sie die Sanduhr um sie fließen zu hören. Das Fallen der Körner gibt ihr das Gefühl von Gleiten. Das Gefühl welches sie hat, wenn sie an sich denkt. Sie gleitet, ohne daran etwas ändern zu können. Noch einmal schaut sie auf die Felder und löscht dann das Licht.

[I]„Auf der Erde liegt ein Grab in dem es keine Ängste gibt. Auf der Brust liegt mir ein Dolch, mein Herz bringt ihn zum Lieben. Im Himmel sitzt ein Wesen, was noch heute von mir träumt. In der Hand ein Glas, auch du wirst wieder bei mir sein…“[/I]

14.

So sehr ich dies bekämpfe, ich bin machtlos. Nun gut, jedes Drehbuch hat seine Vorgabe. Kannst du, welche jetzt ein Bewusstsein und eine eigene Handlung besitzt, nicht einfach ein Ende schreiben? Lass die Geschichten Enden, lass sie gehen. Halte sie nicht fest. Lass mich los. Warum zeigst du mir immer wieder was im Kopf verloren ist? Ich will nicht wissen wie es sich anfühlt, das kenne ich schon. Gewähre mir doch nur eine Nacht in der ich gehasst werde und löse es dann auf. Im Himmel wie auf Erden. In Träumen wie im Wachen. Nur die Zärtlichkeit ist anders. Sie gibt es nur in Zwängen. Zwing mich nicht…nicht mehr…
Scheol15.

Der Tag begann nicht ungewöhnlich. Sie erwachte, erfasste und verlor sich. Ein Gefühl für sich selbst zu finden ist schwer wenn man sich nur als Illusion wahrnimmt. Eine Hoffnung aus Märchen und Sagen. Aber ihre Neugier ist ungebrochen. Sie will leben. Erfahren was es heißt gebraucht zu werden, gelebt zu werden.

[I]„Gestern liebte ich, heute sehne ich und morgen liebe ich wieder. Wer mich sucht wird mich finden, aber meinen Schatz werde ich hüten.“[/I]

„Was sagst du?“, fragte ihre Mutter. „Ach nichts, ich bin dann etwas spazieren“. Einen kleinen Feldweg entlang beobachtet sie das Gras. Es sieht so aus, als wäre es müde. Immer wieder versucht es sich zu legen beim Brausen des Windes, aber immer wieder steht es auf. Weiter hinten befindet sich eine geteerte Straße und sie entschließt sich, diese entlang zu gehen. Nach ein paar Metern findet sie eine Bank welche unter einem Baum steht. Sie erinnert sich, sie vergleicht, sie verweilt. [I]„Es wird langsam kalt, der Winter ist nicht mehr fern. Erinner dich“.[/I] Die langsam untergehende Sonne flüstert ihr zu, dass dieser Ort einmal sehr entscheidend sein wird. Hier wird sie entdeckt, hier wird sie gewollt und auch gelebt werden.

16.

Wieder eine Nacht in der du mich heimsuchtest. So langsam fühle ich mich machtlos. Mit harschen Worten lässt du dich nicht vertreiben. Wie eine fromme Sukkubus die bei ihrer Zucht bleibt. Ich zittere bei Worten, ich friere bei Gedanken. Ich kühle mich aus in der Hoffnung dich einzufrieren. Flacher Atem, glasige Augen, schwere Brust. Wie ein Parasit steckst du festgebissen in meinem Kopf. Flashback, Sukkubus, Parasit, Poltergeist, ich verbanne dich. Und doch, und doch wirst du wiederkehren. Noch in der heutigen Nacht. Ich, ver – ich verfluche dich. Idee. Nur eine Idee.


17.

[I]„Vater, seit du fort bist fällt es mir schwerer mich zu sortieren. Aber du hörst mich noch, habe ich recht? Ich bin ein Gedanke, eine Idee, ein Fluch oder Segen sagtest du einmal über Sternensucher. Wenn ich dir sage, dass ich einen gefunden habe, würdest du mir dann glauben? Bin ich immer noch ein Gedanke, oder bin ich schon ein Wunsch? Sieh, da oben, dort zähle ich meine Schläge. Sieh, hier unten, hier wärme ich den Frost. Sieh in mich, hier bin ich eins. Und doch weine ich für zwei.“[/I]

18.

In mir regt sich eine Angst. Der Schmerz im Herzen ist nicht länger ein Gedanke. Er macht sich auch physisch immer mehr bemerkbar. Ein einzelner Punkt darin. Er gleicht einem Krampf, einer verhärteten Sehne die jeden Moment zu reißen droht. Ich spüre es jede Sekunde in der ich wach bin. Es ist am stärksten wenn ich ausatme. Aber selbst mit angehaltener Luft ist es ein Stechen, ein ziehen und reißen. Jetzt weiß ich, dass der Stich im Herzen nicht nur eine Metapher ist. Er ist da. Und im Traum, nun, das ist eine andere Geschichte…
Scheol19.

Dialoge in ihrem Innern. Das ist ihre Welt. Sie führt sie unentwegt, in der Hoffnung, man könnte sie hören. Jetzt rastet sie schon eine Weile auf dieser Bank. In ihrem Innern weiß sie, dass sie hier gefunden wird. Von der Ferne sieht sie ein Pärchen entlang schlendern. Sie schließt ihre Lider, haucht ihnen zu und spricht:[I] „Ich schenke euch einen Teil von mir. Ihr sollt ihn beschützen. Beschützt mich und euch wird der Atem immer leicht sein“.[/I] Sie holt aus ihrer Tasche ein weißes Rosenblatt heraus, gibt es dem Mädchen in die Hand und setzt sich wieder. Das Pärchen ist verzaubert von diesem Ort, betrachtet ihn, melancholiert und begibt sich heimwärts. Nun ist es ebenfalls Zeit wieder nach Hause zu gehen um Kraft zu sammeln. Sie steht auf und betrachtet die Weite.

[I]„Diese Sehnsucht. Noch habe ich dich nicht gefunden, aber schon bald werde ich dich halten“.[/I]

20.

Ich bin am Ende meiner Kräfte. Ich sollte lernen diesen Zustand zu implementieren. Akzeptieren werde ich es nie. Aber wenn ich es geschickt in meinen Tagesablauf einplane, kann ich Zeit für die Torturen bereithalten. Vielleicht kann ich dann mal wieder schlafen ohne dass Du mich folterst. Einen Weg, eine Tür und Messer. Ich schneide dich heraus. Stück für Stück. Mit meinen Gedanken die ich lehren werde dich zu meiden. Bald bist du nur noch ein verblasstes Bild das in einer Kiste auf die Entsorgung wartet. Gehe in Flammen auf. Die Asche werde ich in ein Kästchen packen. Und der Ort an dem ich es vergrabe wird nicht einmal durch Zufall wieder aufzufinden sein. Ich werde es ebenfalls vergessen. Dich und dein gesamtes Kunstwerk welches nun meine Stirn als Gemälde ziert. Ein unruhiges Meer in dem jedes Schiff untergeht. So tief und brausend. Ein Ozean der Zeit.

21.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
[I]„Warte! Warte doch!“[/I], ruft sie einem Jungen hinterher.[I] „Du bist doch, moment, kennen wir uns nicht? Ja, ich kenne dich!“[/I] [COLOR=crimson]„Verschwinde!“[/COLOR] [I]„Nein! Ich kenne dich. Ich habe hier ein…“[/I] [COLOR=crimson] „Hau ab habe ich gesagt! Hast du nicht vor jemand Anderen zu belästigen?“[/COLOR] [I]„Nein, ich habe nur dich.“[/I]
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Als sie aus ihrem Fenster sieht erkennt sie sofort das nun die Zeit gekommen ist. Sie geht vor die Tür und findet den Menschen, auf den sie gewartet hatte. Der Junge sieht sie mit schnellen Schritten auf sich zu rennen und fragt sich ob die Eile ihm gilt. Bei ihm angekommen öffnet sie seine Hand. Er sieht sie nur an ohne ein Wort zu sagen und findet eine Knospe auf seinen Fingern wieder. „Sie ist für mich? Dann soll es so sein. Ich akzeptiere.“

„Vater, nun habe ich die Tür gefunden. Ich bin nicht länger ein Wunsch, jetzt bin ich ein Gedanke.“, denkt sie sich und lächelt.

Sie folgt dem Jungen in das Haus, in dem sich nur ein Raum befindet. Er setzt sich, reibt sich die Augen und beginnt das Zeichnen. Mit der Knospe zwischen seinen Fingern skizziert er ein Gesicht in die Luft und malt es aus. Die Knospe öffnet sich ein Stück und das Mädchen beginnt zu flüstern:

[COLOR=green][I]
„Der Baum lässt nun die Blätter los und sie verspielen sich im Wind.
Dorthin wo der Weisen Gunst und die Narrenkinder sind.

Während Du in meine Augen siehst, vergrabe mich in Dir.
Halte diese Knospe fest, auch wenn Du Dich fallen lässt, der Teufel lacht in ihr.

Höre nur die Blätter fallen und er wird dich liebend rühren.
Von nun an bist Du mein, mein Herz, dem Träume sanft die Luft abschnüren.“[/I][/COLOR]
Scheol22.

Kennst du das? Den kurzen Augenblick in dem die Realität verschwimmt und man sich in einer fiktiven Situation befindet? Ich kenne es gut. In diesen kurzen Momenten reden wir über Alltägliches, necken uns, spielen beleidigt und lachen. Es ist ein Automatismus. Ich kann nichts dafür, es passiert einfach. Und nach einem Augenblick werde ich wieder wach. Wenn die Realität wieder Einzug hält werde ich bedrückt von einer tiefen Schwere. Nicht dass ich das vermisse. Nein. Ich will das nicht haben. Wie kann es sein, dass sich eine erfundene Person dermaßen in den Kopf verankert? Und das man sie scheinbar nicht mehr los wird? Wie auch immer du das ausgelöst hast, ich hasse dich dafür. Denn kontrollieren kann ich es nicht. Spalt.

23.

Sie beendet ihre Sätze und die Farbe fließt von der Luft. „Werde zu dem was ich gezeichnet habe“, sagt er ihr beschwörend. In diesem Moment öffnet sich die Knospe ganz und er legt sie unter sein Kopfkissen. „Dies ist deine letzte Chance. Wenn du dir nicht wirklich sicher bist, lauf weg und zwar sofort. Ich bin gerade dabei mich in dich zu verlieben und damit niemanden geschadet wird warne ich dich vor. Du solltest gehen, falls du mich nicht wirklich willst“. Sie sieht ihn an, schweigt und macht es sich bequem. „Nun, dann…“, er holt Luft, schließt seine Arme um das Mädchen und phantasiert. Und nachdem sie eingeschlafen ist holt er die Knospe hervor und malt ihr Blumen ins Gesicht. „Du bist geblieben. Bitte lass das hier kein Spiel sein. Denn ich spiele nicht mit den Dingen, die ich male. Ich…“

24.

…vernichte dich.

25.

Nun hat sie gefunden wonach sie suchte und ihren Soll erbracht. Sie wendet sich Richtung Tür und geht ein paar Schritte. Noch einmal betrachtet sie den Jungen wie er mit seinem Gemälde in den Armen schläft.

[I] „Es ist Zeit. Ab hier musst du selbst in den Garten finden. Ich wünsche dir viel Glück. Stirb wohl.“[/I]

26.

Wieder einer dieser seltsamen Träume. Ich stand in einer großen Halle in dem sich 1-2 Menschen befanden. Alles was ich wusste war, dass ich dankbar war hier leben zu dürfen. Ich begab mich eine Wendeltreppe hoch um zu dem Platz zu gelangen, den ich innerhalb des Traumes als Lieblingsplatz definierte. Es war eine Empore. Aus weißen Marmor und vom Stil her erinnerte es an das alte Griechenland. In der Mitte standen Säulen die einen Ring aus Marmor trugen und wenn man sich in diesen Kreis begab konnte man in die Ferne schauen. Selten habe ich einen schöneren Sonnenuntergang erfunden. Links neben mir befand sich ein Gewässer das leicht über den Rand dieses kleinen Platzes trat. Ich erinnere mich wie mir mein Handy, ein Messer und ein Riegel in das Wasser rutschten. Beim Versuch diese Gegenstände zurück zu holen fiel mir auf das sich nicht weit entfernt ein Schiff befand auf dem Militär stand. Ich ignorierte dies um weiterhin meinen Sonnenuntergang sehen zu können. Plötzlich flogen etliche hautfarbene Luftballons über mich hinweg und kurz danach kam noch ein zweiter Schwung. Ich musste an Hochzeit denken und direkt danach tauchte über mir ein riesiges, aus Luftballons gebautes Schiff auf. Es hüpfte auf dem Dach über mir nach vorne und irgendwie freute ich mich, gab dem Schiff einen Schubs und verhalf es zum Fliegen. Danach versagte die Gravitation. Alles um mich herum, das Gras, der Boden, das Haus, Traktoren, Menschen und mein Platz stiegen gen Himmel auf. Mir war klar das nun alles sterben würde und ich war noch nie so ruhig. Einen Satz habe ich noch im Gedächtnis, den ich dachte. „Nun wird alles sterben, aber es ist gut so, selbst wenn ich dadurch die Menschen verliere die mir lieb und teuer sind“. Und nachdem ich diesen Satz gedacht habe standst du vor mir in der Luft und winktest zum Abschied. Wir stiegen höher und höher eine riesige Welle Meerwasser trat hinter mir auf. Sie schlug mit voller Wucht auf mich ein, aber ich blieb trocken. Auf einmal wurde mir klar das ich in dem ganzen Szenario nur ein Hologramm war. Das war ich doch, oder? Nur ein Hologramm. Noch nicht einmal ertrinken durfte ich. Ach, warum erzähle ich dir das. Es geht dich nichts, aber auch gar nichts an. Verschwinde!
Scheol27.

Es wird einen Tag geben, an dem Du das hier vergessen haben wirst. Ich kann es in Deinen Augen lesen. Immer wenn Du sie schließt kann ich sehen was sich in Deinem Kopf abspielt. Ich höre die Sätze die Du denkst, rieche was Du fühlst. Wie nasse Farbe werde ich aus Deiner Vorstellung fließen. Wie gerne würde ich Dir zeigen können was Du mir bedeutest. Vielleicht könntest Du mich dann verstehen. Worte werde ich suchen um Dir verständlich zu machen. Ich werde schreiben und diese Gemälde an jede Wand hängen. Alles will ich versuchen, dass Du verstehst was mir mein Herz entgegen schreit, jedes Mal wenn ich dich ansehe. Meine größte Angst, mein unendlicher Albtraum ist, dass Du mir nicht glaubst.

28.

Es wird langsam still. In meinen Träumen tauchst Du nur noch selten auf. Sie sind zwar immer noch blutig und voller Gewalt. Aber Du stehst nicht mehr in irgendeiner Ecke und siehst zu. Habe ich etwa meinen Frieden gefunden?

29.

„Aber was redest du denn da?“, fragt sie ihn. „Ich glaube dir, du brauchst dich nicht zu fürchten. Ich habe nicht vor dich zu belügen. Mir geht es doch genau so.“
„Ich glaube dir nicht“ ist alles was ihm in aller Ehrlichkeit dazu einfällt. „Ich kann die Zukunft spüren. An dir werde ich vergehen.“

30.

Es ist alles so grau in diesem Zimmer. Diesen kleinen Raum der schon seit über 7 Jahre meine ganze Welt darstellt. Diese Wände haben mehr gesehen als meine Augen. Das Fenster ist wie immer nur rudimentär vorhanden. Es hätte eine Funktion, wenn da nicht der Rolladen wäre. Somit ist es ein kleiner Kosmos. Eine kleine Insel mit eigenem Leben. Manchmal, wenn ich auf diesem Bett liege spreche ich mit diesem Raum. Ich frage ihn was er denkt, wie er fühlt und ob er mir was zu sagen hat. Eine Antwort ist er mir bis heute schuldig. Aber ich spüre wie mein inneres Chaos die Wände färbt. Er wird zu mir. Eine Symbiose. Ich, der Raum. Der Raum, mein Leben. Wenige Schritte des Glücks und des Leids. Ein Kompendium meiner Wahrheit. Und einer Lüge.
Scheol31.

„In meinem Hirn winden sich Gedanken, umschlingen meine Liebe, heben sie hoch und klagen sie an. In mir brennt eine Wut, nein, eine Angst. Alleine der Gedanke dass sie mir abhanden kommt ist Grund genug. Ich…verbrenne„.
Als er ihr beim Schlafen zu sieht, versucht er sich an die Blumen zu erinnern mit denen er sie einst schmückte. Mit einem Brennen in den zugekniffenen Augen versucht er Schärfe in den Fokus zu bringen. „Wie friedlich sie ist. Wird sie immer so bleiben? Wird sie immer so ein Leuchten sein? Ich glaube, sie lügt.“
Ein tiefer Schmerz steigt empor und zwingt ihn zu erzittern. Er bebt am ganzen Körper. „Ein böser Traum inmitten von Blüten. Ich lebe einen Zorn und er gilt mir.“
Langsam öffnet sie die Augen, sieht ihn an und lächelt. Das Feuer erkaltet und er sinkt. „Oh Gott, bitte, schlaf wieder ein. Schlaf bitte wieder ein und dann erwache nochmal. Lächle noch einmal so wie du es gerade getan hast. Gib mir dieses Gefühl wieder. Bitte, lächle für mich. Ich will mich auflösen und von dir angeatmet werden.“, flüstert er unverständlich. Er schließt die Augen und schläft ein. Sie schaut ihn müde an. Ein Lächeln soll er noch erhalten in dieser Nacht. Ein kleines, zynisches Lächeln welches er nicht mehr sehen soll. „Schlaf gut, mein Herz“.

32.

Nun ist es soweit. Ein kurzer Moment löste alles wieder aus, was in ewiger Zeit begraben wurde. Ich wollte es nicht, ich mied Dich und alles was Du darstellst. Habe allen und jeden verboten deinen Namen zu nennen. Doch jetzt haben sie endgültig eine Grenze überschritten. Der Gedanke einer Konfrontation mit Dir und die dazugehörige Heilung mag zwar bei dem ein oder anderen Ding funktionieren. Doch hier ist es in höchstem Maße kontraproduktiv. Ob sie wohl wissen wie es sich anfühlt wenn einem schlagartig kalt wird? Ob sie wissen, dass sich das unaufhörliche Zittern, das unkontrollierbare Ausschlagen der Beine und Arme beim Versuch die 3. Zigarette zu Rauchen wie ein Verwesen von Innen nach Außen anfühlt? Wer hat zu Dir geflüstert? Wie kamst Du auf die Idee Dich bei mir zu melden? Es verbrennt mich bei lebendigem Leib. Ich sterbe daran. All die leisen und lauten Erinnerungen. Alle auf einmal. Alle von Dir. Einzig dieser Raum kennt die Wahrheit. Er spürt es. Er leidet. Mir ist kalt.

33.

„Wenn er wüsste wie weit ich bereit bin zu gehen. Wenn er wüsste was noch auf ihn wartet.“, denkt sie sich und lacht in sich hinein. „Aber er weiß das alles, und er fürchtet es. Ich werde ihm zeigen wie es sich anfühlt wenn die größte Angst real wird. Betrug, Lug und meinen ganzen Hass. Er ist nur eine Station. Ein Experiment. Du hast mich erdacht?! Ertrag mich!“.
Scheol34.

Sollte ich irgendwann zurück in dieses Haus finden werde ich mich dort zur Ruhe setzen. Dort, in dieser kleinen Schneekugel in der es immer schneit. Indem nur ein einzelnes Licht brennt. Oben rechts, in dem Raum in dem ich mich fand. Ich werde mich an den Kamin setzen und in das Feuer schauen. Und mich fragen, warum es so still geworden ist. Und weshalb es dennoch nie aufhört zu schneien. Und ich werde aus dem Fenster schauen. Sehen, wie 3 Menschen im Schnee stehen, lachen und freudig in den Himmel winken. Zusammen. Dann werde ich die Gardinen zuziehen und mich wieder in den Sessel setzen um mich zu erinnern. Und während ich die Augen schließe werde ich Zeugnis ablegen. Die Lüge, die man mir gab, wird zu meiner Wahrheit führen. Denn das Versprechen, das ich gab, habe ich nicht vergessen. Seltsam. So gedankenlos wie ich diesen Satz sagte, so zerschmetternd ist er heute. Niemals hätte ich damit gerechnet wie Recht ich damit haben würde. Ich winke für drei. Ich winke…

35.

Der nächste Morgen ist anders. Irgendetwas hat sich verändert. Man kann einen bitteren Geruch wahrnehmen. „Ich rieche was du denkst“, sagt er ihr. „Wie meinst du das? Alles in Ordnung?“. „Ich rieche was du denkst. Und es macht mir Angst“. Von hier an kann er nicht mehr leugnen dem Wahnsinn zu verfallen. Ihr Gesicht ist nun nicht mehr das Abbild der Erlösung, sondern auch das Abbild der Bürde. Er trägt sie mit immer schwerer werdender Last durch den Tag. Und wenn es Abend wird, legt sie sich zu ihm und schweigt. Dieses Schweigen mochte er schon immer. Auch wenn er sonst immer etwas zu erzählen hatte genoss er es. Denn wenn es ruhig wurde, konnte er es fühlen. Die Gewissheit zu Hause zu sein. In einem Garten aus Kindheitsträumen. Immer wenn er sie betrachtet, wird ihr Gesicht zu diesem Garten. Und je mehr er sich darin verirrt, desto näher fühlt er sich ihr. „Was mag an diesem Ort zu finden sein?! Soviele Hügel. Gräber der Erinnerungen und Träume. Hier möchte auch ich etwas vergraben. Es ist das wertvollste das ich besitze. Es ist für dich. Und dort wird es bleiben. Ein Leben lang.“

36.

Verlorene Schatullen. Manchmal finde ich sie. Oft suche ich danach. Und wenn sie dann geöffnet werden habe ich Angst was ich finden werde. Und wenn ich sie wieder schließe, Trauer dafür nicht gefunden zu haben wovor ich mich gefürchtet habe. Und dieses Spiel führe ich fort. Immer und immer wieder. Manchmal gibt es aber auch Pausen. Sie sind mir sehr lieb geworden. Das Klicken des Verschlusses ist immer ein kleiner Albtraum. Das erneute Klicken immer wie eine Beerdigung. Und sehe ich hinein, finde ich eine Spieluhr. Und sie singt mir Lieder. Und greife ich hinein, finde ich einen Spiegel. Nur sehe ich mich nicht. Ich sehe von Wolken über Träumen, von Tränen über Gesichter alles, nur mich, mich finde ich nicht. Und dann schließe ich sie wieder und trage sie eine Weile durch den Raum. Und dann lege ich sie zurück und vergesse was passierte. Meistens, wenn ich mich umdrehe, bleibe ich kurz stehen und schaue aus dem Fenster. Und ich sehe einzelne Sterne tanzen und frage mich wie lange noch. Und wann ich das nächste Mal in eine meiner Schubladen ein Kästchen finden werde. Werde ich wieder einen Spiegel finden? Was wird er mir zeigen? Schlaf. Ein ewiger Schlaf. Wie schön…
Scheol37.

Es vergehen ein paar Wochen. In dieser Zeit passiert nichts Aufregendes. Es ist immer das Gleiche. Er schläft und wartet. Sie betritt das Zimmer und leg sich zu ihm. Nach den obligatorischen Programmen schläft sie ein. Er weckt sie um 0.00h um sie nach Hause zu bringen. Er legt sich schlafen und wartet bis sie erneut das Zimmer betritt. Sie legt sich zu ihm und sieht sich die obligatorischen Sendungen an bevor sie einschläft. Er weckt sie um 0.00h um sie nach Hause zu bringen. Wieder legt er sich schlafen und wartet auf sie. Sie betritt das Zimmer und legt sich zu ihm. Ein paar obligatorische Sendungen und sie schläft ein. Er weckt sie um 0.00h und bringt sie nach Hause. Erneut legt er sich schlafen um auf sie zu warten. Wieder betritt sie das Zimmer, legt sich zu ihm und schaut sich wie gewohnt die gemeinsamen Sendungen an, um danach einzuschlafen. Er weckt sie um 0.00h und bringt sie nach Hause. Danach legt er sich schlafen um auf sie zu warten. Sie betritt das Zimmer, legt sich zu ihm, schaut die Sendungen, schläft ein, wird geweckt, geht nach Hause, betritt das Zimmer, legt sich zu ihm, schaut die Sendungen, schläft ein, wird geweckt, geht nach Hause, betritt das Zimmer, legt sich zu ihm, sieht sich die Sendungen an, schläft ein, er weckt sie, bringt sie nach Hause, legt sich schlafen um auf sie zu warten, sie betritt das Zimmer, legt sich zu ihm, sieht mit ihm zusammen die Sendungen, schläft ein, er weckt sie, bringt sie nach Hause. Erneut legt er sich schlafen und wartet bis sie wieder das Zimmer betritt. Sie öffnet die Tür und sieht ihn unter der Decke liegen die er sich über den Kopf zog. Sie bleibt an der Tür stehen…

38.

Es ist immer die gleiche Angst. Es ist die Angst vor der Angst. Ich stehe auf, gehe in die Küche und schalte die Kaffeemaschine an. Mittlerweile ist es 17Uhr und draußen ist es schon etwas dunkel. Während der Kaffee durchläuft schaue ich verstohlen durch das langgezogene Küchenfenster. Der Rolladen ist ein Stück runtergelassen, also muss ich ein wenig in die Knie gehen um auf die Straße sehen zu können. Hier beginnt der erste Schub. Das Adrenalin pumpt sich durch meine Adern und mir wird kalt. Ich beuge mich etwas. Der zweite Schub setzt sogleich ein. Die panische Angst davor etwas zu sehen macht mich fertig. Die Beine zittern. Erst nach ein paar Sekunden fokussiert sich das verschwommene Bild in meinen Augen. Während dieses Vorgangs erhalte ich den letzten und entscheidenden Angstschub. Das Gesicht friert ein, der Atem stockt, die Augen werden müde und ich bekomme Gänsehaut weil mir plötzlich am ganzen Körper kalt wird. Beim Blick auf die Straße gab es bisher immer den erlösenden Moment zu finden. Nichts. Langsam normalisiert sich mein Puls. Das Gesicht macht sich langsam wieder mit der Mimik vertraut und meine Beine heben mich fast von selbst in eine aufrechte Position. Ich nehme meinen Kaffee von der Maschine. Fülle die Tasse mit Milch auf und lasse sie beim Versuch genügend Zucker hinterher zu schütten schließlich überlaufen. Ein genervtes „Scheiße“ rauscht durch den Raum. Nachdem ich den Bereich gereinigt habe, bewege ich mich Richtung Grab. Während hinter mir die Tür zufällt entspannen sich auch meine Muskeln. Ich setze mich an den PC, reibe mir dir Augen, trinke einen Schluck und zünde mir eine Zigarette an. Hinter zusammengekniffenen Augen schaue ich auf den Bildschirm und suche…nichts.
Scheol39.

[I]„Es wird einen Tag geben, an dem Du das hier vergessen haben wirst. Ich kann es in Deinen Augen lesen. Immer wenn Du sie schließt kann ich sehen was sich in Deinem Kopf abspielt. Ich höre die Sätze die Du denkst, rieche was Du fühlst. Wie nasse Farbe werde ich aus Deiner Vorstellung fließen.“[/I]

Er sieht ein Stück aus der Deckung hervor. Ihr Blick verrät ihm alles, sie braucht nicht zu sprechen. „Oh nein, nein, bitte, bitte nicht“. Sie schaut ihn einfach nur an. „Ich habe dir etwas zu sagen“. Die folgenden Sätze bedeuten das Ende einer Sehnsucht. Er setzt sich gekrümmt auf das Bett, reibt sich die Augen und steigt in seine Hausschuhe. Während er tief durchatmet bewegt er sich langsam auf sie zu. Beim Versuch das innere Zittern nicht nach außen dringen zu lassen, nimmt er sie an den Arm und führt sie nach draußen. „Danke, dass du ehrlich warst. Viel Glück“. Er gibt ihr einen letzten Kuss. „Leb wohl“.


Nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hat, setzt er sich auf’s Bett und greift unter die Bettdecke. Darunter findet er die Knospe, die er einst als Zeichen eines Versprechens bekam. „Du hast mich angelogen. Du sagtest, ich solle nun in den Garten finden. Ich habe den Weg gesucht, darum gerungen, doch gefunden habe ich ihn nicht“. Die Knospe welkt nun gänzlich. Auf einmal bemerkt er dass er nicht alleine ist.

„Ich sagte auch –stirb wohl- zu dir“, haucht Sie ihm in’s Ohr. „Du hast mich mit ihr alleine gelassen. Sagtest, sie sei für mich. Und jetzt…“, „Geh, der Weg ist nun offen“. Er betrachtet sich im Spiegel und erkennt dass dahinter ein zweiter Raum zu sein scheint. „Gehe, du wirst nicht finden was du suchst, aber was du findest wird dein Verderben. Das hast du doch gesucht in all der Zeit. Erkenne was dein ist. Gehe“.

40.

Ein ewiger Schlaf. Ein ewiger Moment aus Nichts. Die Reise in das Dunkel, in den Abgrund, in den Tod. Ich hörte Wasser fließen, roch Salz. Ein verstummter Klang umhüllte mein Erbe, meine Existenz und die, die ich nicht erlaubte. Fern von jedem Licht ist der einzige Weg vorwärts. Man kann nicht stolpern, man berührt nichts. Man gleitet und schreitet und verliert sich und bleibt erhalten. Diese Nacht ist rührend. Sie ist Frieden. Wenn man an nichts mehr glaubt, wenn das letzte Wort verhallt ist, findet man ein Glimmen. Es wird etwas heller. Die Halle in der man steht wird sichtbar, es offenbart sich eine Treppe. Kleine Schatten umspielen die Beine und kichern. Ein kleines Willkommen. Man entdeckt am Ende der Treppe einen Saal. Erhellt von gedämpftem Licht. Geht man an den Säulen vorbei kommt man an eine Schale. Sie ist gefüllt mit süßem Wasser. Wie gut erinnere ich mich, wie ich davon trank. Und an den einen Schatten, der mir immer folgte. An das leise Hauchen und Anschmiegen.

Hier fand ich etwas. Ich habe es noch bei mir. Ein kleiner Splitter aus rotem Glas. Ich schnitt mir eine Wunde. Beim Verlassen des Raumes war die Dunkelheit gewichen. Ich erkannte das grün schimmernde Gemäuer, den modernden Geruch. Kurz vor dem Ausgang sah ich ein Bild. Es glich einer Warnung. Man sah eine Schneekugel und einen Schrei. [I]„Vielleicht werde ich eines Tages so eine Kugel kaufen und dann werde ich sie mir schenken“[/I], dachte ich mir. Hätte ich doch nie dieses Bild gesehen.
Scheol[B][U][COLOR=red]Kapitel II[/COLOR][/U][/B]



41.

Nach all meinen Gedanken und nach aller Suche einen geeigneten Rahmen für die Bilder zu finden, die mir mein Verstand zu zeichnen vermochte, muß ich leider erneut feststellen, daß nichts ist und nichts sein wird. Die Trivialität des Lebens entbehrt jeglicher Hoffnung. Und auch das ist leider in all seiner Trivialität nur dann richtig, wenn wir das Glück und die Hoffnung im Außen suchen. Wie willst Du mir, der genauso suchend und verzweifelt ist zeigen, was es bedeutet ein Herz zu pflegen, wenn Du Dein eigenes so schindest, wie ich das meine?

Lass uns von dem Karussell absteigen. Einhörner waren noch nie zum Fliehen geeignet. Sie erheben sich und senken, sie erheben Dich und lassen Dich fallen, sie gleiten vorwärts und berauschen Dich im Galopp Deiner Träume. Vorbei an fröhlichen und lachenden Menschen, vorbei an Ständen voller Süßigkeiten und Zuckerwolken, immer vorbei, immer im Kreis. Bist du nicht müde? Ich bin müde. Beenden wir den Taumel und wünschen uns hier ein Lebewohl.

Zweisam ist einsam Balsam. Aber einsam ist einsam und zweisam einsam ist grausam. Ich bin müde, wirklich müde.

42.

Ich begriff damals nicht ganz was es hieß, sich aus Scherben und einem See aus Blut zu erheben. Das Licht anzuschalten und im Spiegel zu betrachten. Die entstellte Fratze als eigenes Gesicht zu erkennen, die zerschnittenen Hände fortan als Hände zu gebrauchen. Splitter verursachen beim Entfernen zwar Schmerzen, aber irgendwann gewöhnt man sich an das Ziehen, das Reißen, das Bluten. Wenn man glaubt alle Splitter entfernt zu haben, sucht man weiter und kann nicht glauben, dass keine mehr vorhanden sein sollen. Man bewegt sich Richtung Außenwelt. Man sieht den Winter und färbt ihn ein. Die Welt, welche einem entgegen strahlt, verursacht ein schmerzliches Brennen in den Augen. Man öffnet den Mund, krächzt ein zerbrechlichen Ton und atmet die frische Luft. Jeder Schritt aus der Schneekugel heraus ist eine Art Neugeburt. Sie ist begleitet von Kälte, Schutzbedürftigkeit und Angst. Man weiß nicht was einen erwartet. Man weiß nichts. Als die Wände einstürzten, das Wasser in die außenliegende Welt drang, es aufhörte zu Schneien und das Glas in tausend Scherben brach wusste ich nicht, wohin ich rufen sollte. Ich fühlte mich so unglaublich hässlich wegen der Wunden, so unglaublich wertlos wegen der Gebrechlichkeit. Und ich gebe zu dass es so war. Aber was ich erst nicht fühlte war die Wärme, mit der mich die unvertraute Welt empfing. Mit jedem Schritt den ich machte erkannte ich, auch in dieser Welt kann man Träumen. Man träumt trauriger, oft nur in der Nacht, aber man träumt. Und bei all dem Vertrauten gibt es etwas, dass man nie vorher erahnt hätte. Etwas, welches man nur innerhalb der Schneekugel vermutet hätte. Licht.
Scheol43.

Er betritt den Spiegel und findet sich in einem Raum ohne Licht wieder. Es ist kalt und bedrohlich. Hier ist nichts außer einem Gefühl. Es kriecht langsam die Seele nach oben und scheint Überhand zu gewinnen. Wie das Erwachen einer tauben Hand. Plötzlich bricht er zusammen und schreit vor Schmerzen. Hier ist nichts, außer das Gefühl. Plötzlich beginnen Farben und Formen vor seinen Augen zu spielen. Sie lachen ihn aus und verspotten ihn. „Sie hat es getan und du wusstest es. Erlebe nun deinen eigenen Albtraum. Wir werden ihn dich leben lassen!“, sie lachen immer lauter und fliegen mit rasender Geschwindigkeit auf seinen Kopf zu. „Wir werden es dir zeigen. All deine Enttäuschung die du dir selbst erschaffen hast. Sieh in dein Gesicht!“, ein lauter Schrei ertönt von überall her. Plötzlich verschwindet die Dunkelheit. Gekrümmt und mit geschlossenen Augen zittert er um sein Leben. Als das Getöse verstummte versuchte er einen Blick. „Ich bin hier, der Baum, die Blüten. Ich bin hier.“, er erkennt die Umgebung als das Ziel, welches er ohne Unterlass suchte.

44.

Immer wenn man glaubt endlos verloren zu sein erscheint ein neuer Pfad. Die Frage ist, ob man ihn bereit ist zu gehen. Ja, ich habe vielleicht gefunden. Aber ich vertraue nur sehr schwer. Momentan ist es, im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, deutlich kälter. Entschwindet es wieder? Ich kann mich nur schwer davon überzeugen das etwas Gutes daraus erwächst. Zu viele Zweifel an der Aufrichtigkeit, zu viele Ängste. Aber ich will es versuchen. Ein neuer Pfad, wohin er führt weiß ich nicht. Aber vielleicht bringt er eine neue Schneekugel mit sich. Und vielleicht lerne ich zum ersten Mal das Gefühl kennen, darin nicht zu ersticken. Ich bin der Riegel der die Tür verschlossen hält. Doch will ich ihn brechen. Die Frage ist nur, ob mein neues Herz um Einlass bittet. Vielleicht ist es ein verräterisches Herz. Vielleicht ist es das nicht. Vielleicht ist es ein Wunschtraum. Vielleicht der Schock zum Erwachen. Vielleicht ist nichts wert. Und Gewissheit erlangt man nur wenn man den Weg geht der sich vor einem Offenbart. Einen Schritt, nur einen Schritt.
Scheol45.

Er betritt den Garten und ist verwundert. Hier herrscht reges Treiben. Kein einsames Mädchen, keine lebensbedrohliche Atmosphäre. Er schreitet Richtung Mitte an verschiedenen Wesen vorbei. Ein Wesen erscheint ihm Merkwürdig. Es sieht aus wie ein alter, dürrer, großer Mann mit einem grünen Stoffmantel und dem dazu passenden Hut. Die Wesen irren nicht planlos im Garten umher. Bevor sie den Garten verlassen sieht es so aus, als wäre der seltsame Mann mit dem Grünen Mantel die letzte Anlaufstelle. Er beobachtet die Szenerie eine Weile und stellt fest; jedes Wesen bekommt von dem seltsamen Herren einen Gegenstand. Es hat immer andere Formen, ist immer speziell. „Es ist Zeit nach vorne zu gehen und zu erkunden was mich hier erwartet“, denkt er sich und geht auf den hochgewachsenen Baum, welcher sich in der Mitte befindet, zu. Als er ein Stück gegangen ist hört er auf einmal eine Stimme. [COLOR=green]„Hey, Du, komm mal hier rüber zu mir“[/COLOR], „Seltsam, es ist, als hätte ich gesprochen.“, [COLOR=green]„Hey, komm jetzt rüber!“.[/COLOR] Er dreht sich um und sieht einen alten Spiegel stehen, der sich seltsam zu verhalten scheint obwohl er nichts macht als ruhig auf seinem Platz zu stehen. Er nähert sich ihm vorsichtig als er auf einmal eine weitere Stimme von Oben hört. Es ist die Stimme einer Frau. [COLOR=crimson]„Na, hast du nun auch hier her gefunden? Jetzt bist du sicher ganz gespannt was du von hier mitnehmen kannst, richtig?“[/COLOR], „Nein, ich bin nicht darauf gespannt was es hier zu holen gibt. Ich bin auf alles gespannt. Wer bist du?“. [COLOR=crimson]„Ich bin irgendwer, aber du bist Du. Was hat dich hier her geführt?“[/COLOR], „Ich glaube das bespreche ich lieber mit dem Baum da drüben“, antwortet er abweisend und bedenkt dabei, wie dumm sich das alles anhören muss. [COLOR=crimson]„Nun gut, aber du musst erstmal mit mir sprechen bevor du dort hin darfst.“[/COLOR], „Nun, was willst du hören?“, stößt er genervt hervor. [COLOR=crimson]„Ich will wissen warum du hier bist.“[/COLOR], „Nun, ich bekam eine Knospe, habe damit ein bisschen gezeichnet und dann ist sie verwelkt. Mir hat das Mädchen, welches mir die Knospe gab zum Auftrag gemacht, hier her zu gehen. Ich ging, wurde verspottet, komme hier an und bekomme seltsame Fragen gestellt. Das wäre alles.“. Sie schaut ihn verwundert an und grinst. [COLOR=crimson]„Sprich lieber mit ihm hier, ich muss nochmal woanders hin.“[/COLOR], sagt sie und verschwindet. [COLOR=green]„So, jetzt musst du mir zuhören, wenn nicht, darfst du nicht zu dem Baum. Ich würde sagen, du hast gegen mich verloren."[/COLOR] , sagt der Spiegel mit nicht gerade wenig amüsiertem Unterton. „Und was willst du von mir?“, sagt er zum Spiegel. [COLOR=green]„Ich will das du mich ansiehst.“[/COLOR] , er geht auf den Spiegel zu und sieht sich in’s Gesicht. [COLOR=green]„Hi. Das bist Du.“[/COLOR] , „Du machst dich über mich lustig, kann das sein?!“, [COLOR=green]„Ein bisschen. Ich will dir ein paar Fragen stellen, die du mir ehrlich zu beantworten hast. Das dürfte für dich kein Problem werden, richtig?“[/COLOR] , „Ich weiß nicht ob ich auf diese Spiele Lust habe, aber…welche Alternative bleibt mir?“, [COLOR=green]„Keine.“[/COLOR] , antwortet der Spiegel. „Gut, deine erste Frage.“, kommt mit einer gewissen Arroganz heraus. [COLOR=green]„Kannst du mich putzen?“[/COLOR] , fragt der Spiegel mit einem dämlichen Grinsen, welches er nur selten in seinem Leben zu sehen bekam. Nämlich immer dann, wenn er sich über andere Lustig machte. Nicht dass dies selten vor käme, nur schaut er dabei selten in einen Spiegel hinein. Er macht sich lieber im Stillen über sich lustig. Sich, die anderen.

„Das ist doch jetzt nicht dein Ernst?!“, fragt er den Spiegel. „Du kommst auf die Liste der dümmsten Dinge die mir jemals vor die Füße geworfen wurden.“, der Spiegel grinst selbstbewusst indem er nur eine Seite des Mundes nach oben zieht. „Ich soll dich putzen, richtig? Gut, ich will hier weg. Wir sollten das schnell hinter uns bringen, wo ist ein Schwamm oder ein Tuch?“, der Spiegel schaut ihn nun etwas mitleidig mit zynischem Anstrich an. „Das gibt es nicht.“, er schaut sich hilflos um doch findet weder ein Tuch, noch einen Schwamm. Also geht er auf den Spiegel zu, haucht ihn an und beginnt mit seinem Ärmel das Glas zu polieren. [COLOR=green]„Na ja, nicht klug aber auch nicht dumm.“[/COLOR] , seufzt der Spiegel während er sich mit einer Hand den Kopf stützt. [COLOR=green]„Ich sehe, wir haben noch viel vor uns…“[/COLOR]
Scheol46.

Ich frage mich ständig warum ich heute noch so seltsam träume. Jedenfalls hat es spontane Tränen nach dem Aufwachen zufolge.

Den ganzen Traum über bist Du präsent. Ob ich beim Einkaufen bin oder bei Deiner Familie am Tisch esse. Ob ich auf dem Schiff mit der riesigen Karneval-Gesellschaft auf dem Boden liege oder an dessen Rändern entlang gehe und auf das Meer sehe. Auch als ich durch die seltsame Stadt ging. Ich sah Dich niemals wirklich an. Den ganzen Traum lang vermied ich es Dir ins Gesicht zu sehen. Beim Einkaufen mied ich es mit Dir zu reden. Das ging noch ganz gut.
Auf dem Schiff saßen alle zusammen auf einer Empore. Eine große Menge Menschen die für den Karneval verkleidet waren liefen umher und schienen sich kräftig zu amüsieren. Nur wir saßen dort unverkleidet und sprachen nicht miteinander. Plötzlich lag ich mit den Armen längs an meinen Körper gedrückt auf dem Bauch. „Das muss er sein. Ich glaube das ist es, was sie ‚weißer Schmerz' nennen. Ein Schmerz der so laut ist, dass er alles übertönt. Der so weiß ist, dass er alles wegblendet“. Plötzlich sitzt Du neben mir. Die anderen gehen und fragen mich ob es in Ordnung sei, dass Du so dicht bei mir sitzt. „Wenn du hier sitzen willst ist das ok. Wenn nicht geh‘ ruhig. Mir ist es egal, es ist deine Entscheidung“, sagte ich zu Dir als ich mich abwand und in die andere Richtung schaute. Es tat alles nur weh. Ich lief am Schiff entlang und es tönte eine kleine Klavier-Melodie durch die Gänge.
[I]„The good ones hurt more than the bad ones do“.[/I]

Doch das grausamste war der Spaziergang durch die Stadt. Wieder in einer Gruppe unterwegs hatte ich einen kleinen Jungen an der Hand. Es lies sich nicht vermeiden Dich anzusehen. Du hattest eine mit Fell gefütterte Jacke an unter der Du ein kleines Mädchen versteckt gehalten hast. Sie saß auf deinen Schultern und hat sich deine Jacke über den Kopf gezogen um sich darunter vor allen anderen Menschen zu verstecken. Ich ging mit dem Jungen in eine Seitenstraße und sagte „Du musst jetzt auf meine Schulter und dich unter meiner Jacke verstecken bevor sie dich sehen. Die Menschen werden dich verraten und dann wird dich die Polizei mitnehmen“. Wir gingen in den Hinterhof und es liefen Menschen an uns vorbei, selbst die Polizei beobachtete uns. Wir stellten uns in einen Schatten und der Junge kletterte auf meine Schulter und zog sich meine Jacke über den Kopf. Ich hatte Angst das man uns beobachtete. Ich sagte nur: „Mach dich so klein wie du kannst, drück dich so fest an mich wie es dir möglich ist. Man darf dich nicht sehen“. Und auf einmal sagte er zu mir als wir wieder in Richtung Straße gingen: „Ich werde so nahe bei dir sein das mich niemand sieht. Immer werde ich bei dir sein, ein Leben lang“:

„Das ist gut. Versteck dich bevor sie dich finden. Du musst dich verstecken. [SIZE=1]Versteck dich, sie finden dich sonst. [I]Bitte. Du musst dich verstecken…“[/I][/SIZE]

Mir ist heute einmal mehr bewusst geworden, wie sehr ich mich verachte. - Und wie sehr ich Dich hasse.
Scheol47.


[COLOR=royalblue][I]So sehe ich in die Grube und suche
nach dem Wirbel. Fühlen kann ich nur die
Stimmen jener, die flüsternd im rauschzerfressenen
Tal nach meinen Händen greifen.
Im Sog finde ich einen Traum. Halt dich an mir fest!

Im Spektrum verblichener Farben zeichnet der
Oberst einen Pfeil. Die Sehne spannt und droht zu reißen,
doch bevor die Gewissheit ein Wort erfassen kann
löst sich der Schrei. Anstelle tritt das Pfeifen
der Entschlossenheit. Verbissen sucht die
Spitze nach Widerstand. Pastellfarbene Gesichter
zerfließen an den Gedanken der Unschuld. Hier
findet man nichts. Nichts was es wert wäre
geatmet zu werden. Halt dich an mir fest!

Zersplitternde Knochen singen ein zorniges Lied.
Ihr Protest soll nicht gewertet werden.
Ein Meer aus Erinnerungen und Möglichkeiten,
die einmal welche werden wollen, fließen ungehindert
in den Staub. Die Zukunft liegt dar, beweist ihre
Ungültigkeit. Hier alleine zu sein ist schmerzend.
Halt dich an mir fest!

In deinen Irrgängen fand ich manches Wort.
Manchen Gedanken und manche Tür.
Ungezwungen lag mein Name im Gästezimmer.
So hebe ich ihn auf und trage ihn durch den
Salon. Eine Treppe finde ich nicht.
An den Vorhängen sind gläserne Perlen
eingewebt. Ich werde meinen Namen darin
verflechten. Halt dich an mir fest!

Ich stelle mich auf die Klippe meiner
Rippen. Mehr als springen kann ich nicht.
Wenn in der Nacht der Wind die Perlen
zum Singen bringt wirst du vielleicht
meinen Namen finden der dir den Weg
weist. Dann weißt du wo ich bin.
Halt dich daran fest!

Und bring ihn mir zurück...bitte.[/I][/COLOR]

„Ist es das was du mir zu sagen hast, Spiegel? Ist das alles? Kryptische Worte? Daraus kann ich nichts lernen. Ich bin gelangweilt.“
[COLOR=green]„Gelangweilt? Wie hässlich muss dein Herz sein?! Aber du wirst es noch verstehen. Du wirst es verstehen müssen. Sonst sitzt du hier ewig fest.“[/COLOR]
„Gut, dann werde ich mich zu dir gesellen“. Er setzt sich neben den Spiegel und schließt die Augen. „Ich bin müde und werde mich schlafen legen. Ich bin gelangweilt und leer. Daran werden deine Worte auch nichts ändern. Gute Nacht“.
Scheol48.

Toll, es fängt wieder an. Diese Träume die mich seit über 2 Jahre begleiten. Früher träumte ich öfter davon, heute seit langem erneut. Atombomben. Ich befand mich mit meinen Eltern auf dem Weg zum Auto im irgendwo hinzufahren. Sie waren eingestiegen und auf einmal wurde es hell. Ein riesiger Atompilz stieg in etwa 5Km Entfernung in die Luft. Die äußere Druckwelle war in dem Traum sichtbar und so sah ich den Tod auf mich zu donnern. In völliger Panik öffnete ich einen Kanaldeckel, sprang hinein und schloss den Deckel wieder. Er war wacklig und drohte in die Grube zu fallen, so musste ich ihn mit meinen Händen nach oben stämmen und stabilisieren. Und auf einmal geschah es. Die Druckwelle krachte über mich hinweg, ich hörte Schreie, hatte Angst das der Platz keinen Schutz bietet und begann zu zittern und weinen. Der Asphalt über mir löste sich Stückweise auf und es entstanden Löcher so dass ich die gesamte Gewalt über mir sehen konnte. Menschen standen umweht und starr auf ihren zwei Beinen und lösten sich in Asche auf. Klumpen und Staub verbrannter, menschlicher Asche wehte umher und auch in mein Versteck. Sie benetzten meine Haut und zitterte. Und plötzlich war Stille. Meine Gedanken waren kristall-klar. Ich wusste das ich zwar lebte, aber nicht wie lange noch, denn ich war definitiv verstrahlt. Ich legte den Kanaldeckel zur Seite der mittlerweile frei schwebte da der Asphalt zu großen Brocken aufgelöst wurde. Als ich meine Umgebung beobachtete wurde mir klar, hier ist alles zerstört worden. Verbrannte Skelette lagen gekrümmt auf dem Boden und überall regnete Asche. Asche, welche vorher mal die Haut, die Organe und das Blut der Menschen war, welche in der Druckwelle in Sekunden verbrannten. Ich stolperte umher und suchte meine Familie, wusste aber, dass sie im Auto keine Chance hatten. So ging ich eine große Straße entlang und fand ein Auto, welches noch nicht zerstört wurde. Dort traf ich einen Mann, der ungefähr in meinem Alter war. Er war völlig verstört und fragte mich, ob wir versuchen wollen Überlebende zu finden. Ich willigte ein und wir setzen uns ins Auto. Es sprang an. Auf dem Weg in eine Andere Stadt redeten wir über unsere Erfahrungen. Wir trafen irgendwann auf ein Zeltlager, welches sich gebildet hatte. Dort gingen wir umher und suchten Leute die wir kannten. Wir fanden niemanden. Und plötzlich wurde es wieder hell. Der Mann, mit dem ich unterwegs war schrie nur: „Die ist weiter weg, wird uns aber treffen. Wir können mit dem Auto schnell genug fliehen“. So sprangen wir in den Wagen und fuhren so schnell wir konnten weg. Hinter uns wurde wieder alles zerstört und die Menschen verbrannten und schrien und verstummten.
An einem Kloster angekommen, das in einem Fels verbaut wurde klopften wir an der Tür. Wir bekamen einlass und stellten uns zu den Bänken die angeordnet waren wie in einer Kirche. Man drückte mir ein Baby in die Hand, und man fragte mich, ob ich künftig für sie sorgen wolle. Das Waisenmädchen schaute mir tiefer in die Augen als mir lieb war und begann fröhlich zu lachen. Ich willigte ein und sagte, dass sie von nun an meine Tochter sein solle. Und dann wurde mir mitgeteilt, dass sie aber noch eine Zwillingsschwester habe und ich doch bitte beide aufnehmen solle. Nach kurzem Hadern, da ich Angst hatte gleich für zwei Menschen Verantwortung zu übernehmen, sagte ich dennoch zu. Da stand ich nun, mit zwei Töchtern und einem Bekannten, der mit mir flüchtete. Plötzlich gab es einen Schnitt. Scheinbar, weil ich dort einige Zeit verbrachte, in dem Kloster. Um Essen für meine zwei Kinder zu kaufen fuhr ich in die Stadt, und mein Bekannter fragte mich, ob es nicht besser sei Deutschland zu verlassen. Ich willigte wieder ein und sagte, dass wir noch die Kinder holen und dann an den Flughafen fahren.
Ich betrat das Kloster und die zwei Mädchen waren schon ungefähr 5 Jahre alt. Sie kamen auf mich zugerannt und drückten mich. „Wir fahren hier weg, wollt ihr mitkommen?“, die Mädchen lachten und hüpften vor Freude. Wir stiegen ins Auto und fuhren Richtung Flughafen. Und dann geschah es, die 3. Bombe schlug in der Region ein. Wie besessen fuhr ich Richtung Österreich und wir bekamen nicht mehr viel von der Zerstörung mit. Nur die Mädchen weinten schrecklich laut.
In Österreich angekommen bezogen wir eine kleine Wohnung und lebten erst einmal. Viel weiß ich davon nicht mehr, nur das jetzt auch Österreich angegriffen wurde. Ich sprang mit meinen Töchtern wieder in einen Kanaldeckel weil nirgendwo wirklicher Schutz war. Die Bombe krachte direkt in unserer Nähe runter. So ein helles Blenden und der Gestank von verbranntem Fleisch. Es war schrecklich. Die Mädchen schrien und schrie zurück: „Krabbelt durch den Gang, umso weiter wir kommen um so eher leben wir weiter“. Was ich nicht verstanden habe waren die SS Leute die mich verfolgten. Als ich in den Kanal sprang standen 2 SS-ähnliche Männer über mir mit einem Haken in der Hand. Einer schlug damit nach mir um meine Kleidung zu treffen. Er schaffte es in meinem Schritt, traf aber zum Glück nur den Stoff der Hose. Unter schock spürte ich, wie er mich mit dem Haken zu sich zog. Ich trat nach dem Stock und schaffte es, dass er sich löste. Die Männer verfolgten uns und mir war klar, sie wollen uns töten. Ich kroch meinen Mädchen hinterher und über uns begann es zu dröhnen. Auch diese Stadt wurde vernichtet. Wir lebten.
An einem Ausgang angekommen, nahm ich die zwei Kinder hoch und sagte ihnen, dass unser Bekannter vermutlich tot sei. Als nächstes wollten wir in die Schweiz. Wir schafften es in ein Flugzeug, saßen darin und hofften das die Maschine startet bevor eine neue Bombe eintrifft. Dann riss der Traum ab.


Diese Träume haben nichts mit aktueller Katastrophen zu tun. Seit Jahren quäle ich mich damit. Ich habe selten in so einer Intensität einen Traum erlebt. Diese Sorte habe ich schon zig mal gehabt. Und nur sie sind derart plastisch. Ich rieche, spüre und zitter. Ich schmecke den Geruch von verbrannten Menschen auf der Zunge. In früheren Träumen griffen die USA Deutschland an, später waren es die Russen. Diesmal wurde es gar nicht erwähnt. Was ich daraus lesen kann ist, das die Zerstörung ganzer Welten nicht aus meinem Innern kommt, sondern von außen. Warum ich diese Bilder immer und immer wieder sehen muss, weiß ich nicht. Ich habe diese Träume satt. Sie sind das schlimmste, was mein Kopf mir bisher angetan hat. Ich will das nicht mehr. 2 Jahre, fast wöchentlich, manchmal fast täglich.
Ich kann das nicht mehr…
ScheolA.

Es hat sich nicht viel geändert. Wie viele Jahre, wie viele Träume. Jetzt kenne ich das Gefühl, wenn ein neuer Traum, unschuldig und rein ein Lächeln schenkt. Wenn er unvoreingenommen mit seiner unendlichen Ruhe Frieden spendet. Ein neuer Traum sieht ungetrübt und voller Begeisterung in die tiefsten Ecken der Seele, und wenn er dann lacht und quietscht, empfindet man eine Art Vergebung. Auch ich hatte diesen Traum, und nicht nur ich. Ich erinnere mich an den schmalen Pfad. Man konnte die Lichter sehen, soviele Geschichten bleiben verborgen und liegen hinter Stein. Aber sie atmen und man fühlt sich einen Moment darin aufgehoben. Flüstert sich zu und sitzt in der schützenden Dunkelheit. Ein Finger zeigte in den Himmel und malte Wünsche, ein Stern verglühte und stürzte hinab. Als wäre es ein Versprechen.

Silber ziert meine Hand. Es war unnötig davon auszugehen, heute anders zu verbleiben. Dieser Tag hat noch einen Zwilling, und er lässt nicht mehr lange auf sich warten. Ein unendlicher Strom aus Gedanken prasselt auf mich ein und nimmt jede Klarheit mit sich. Ich kann nicht klar denken, ich wünschte ich würde ein paar rührende Worte finden, die beschreiben was gerade in mir vor sich geht. Aber wenn Gedanken zu laut sind um sie zu verstehen, fühlt man sich trotzdem leer. Verzweifelt suche ich einen Faden, nur einen Gedanken mit dem ich anfangen kann zu orden. Es funktioniert nicht.

Heute wäre wohl ein poetischer Eintrag voller genialer Bilder und voller Selbstmitleid fällig. Es wäre gerade angemessen. Ein kurzer Moment in dem die Zeit still steht, zurückdreht, vergeht. Nicht ich habe mich einbetoniert. Seit nunmehr sechs Jahren kratze ich an den Wänden um einen Weg nach draußen zu finden. Nicht das ich nicht wollte. Hier und da bin ich fasziniert. Aber euphorisch werde ich nicht mehr. Und ich vermisse es. Ich vermisse es wirklich. Mein Kopf ist leer. Nichts wird heute Nacht noch geschrieben werden können und so drehe ich mich erneut im Kreis. Nur unkommentiert kann ich diesen Tag nicht anfangen lassen. Ich denke immer noch an das, was ich mir niemals vergeben kann. Stärker denn je. Und nachdem ich heute Abend einen genialen Film gesehen habe, möchte ich versuchen so originalgetreu wie möglich den letzten Satz zu zitieren, welcher in all seiner Dramatik meine Seele versinken ließ.

„Wo sollte ich nach ihr suchen?“

Der Tod ist endgültig, nicht wahr? Und er lässt nicht mit sich verhandeln. Nun, ich werde heute Maßnahmen ergreifen müssen um jegliche Kollision zu vermeiden. Denn auch du bist an jenem Tag gestorben. Es ist dasselbe. Nichts ist anders daran. Irgendwann finde ich in den Garten, auch wenn ich mich nicht nähern darf, so will ich wenigstens einmal gewunken haben[URL=http://www.youtube.com/watch?v=tYJlvoRLbi8].[/URL]
Ich hoffe nur, das es mir gelingt. Einen Zusammenstoß würde ich nicht ohne Weiteres verkraften. Gerade heute brauche ich einen kühlen Kopf. Komm mir nicht zu nahe!

„Du hast mir doch einmal Gedichte geschrieben, warum heute nicht mehr? – Ich weiß nicht, mir fällt nichts mehr ein.“

Mir fällt nichts mehr ein…

German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 

German Gothic Board

Startseite Chat Grüße SchwarzKultur