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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Wieder der Alte
NahtodAlso ich weiß nicht, ob es eher in die Nebelpfade passt oder eher ins Tonwerk. Aber die Admins können den Beitrag ja ggf. verschieben. Also ich fang mal an:

Als ich in die Jugend kam Anfang der 90er, hörte ich am liebsten Hip Hop (Public Enemy, 3rd Bass, House Of Pain,...) und Techno (welcher damals noch Underground war, und worauf ich mächtig stolz war seinerzeit). Ich musste mir oft dumme Kommentare anhören von Kerlen, die etwas älter waren als ich und hauptsächlich Metal hörten. Auch in meiner Klasse stieß ich bei einigen auf Ignoranz und Ablehnung aufgrund meines Musikgeschmacks und Stylings. Sie machten sich gerne über meine gewollte jedoch etwas ungeschickte Coolness lustig. Denn obwohl ich die Feelings/Atmosphären der Musik tief in mich aufsaugte, konnte ich es nach außen nicht in dem Maße so selbstbewußt vertreten, wie ich es gerne wollte. Denn ich war eher ein introvertierter Mensch. Die meisten Leute der damaligen Techno-Szene schienen außerdem nicht das zu verkörpern, was ich mit der Musik verband. Da ich so im Laufe der Zeit immer einsamer wurde, gab ich schließlich meine größte Leidenschaft (Techno) auf und passte mich an die Punks, Metaler und sonstwie gearteten Alternativen des damaligen Jugndhauses bei uns in der Stadt an. Es war zwar Verrat an dem, was ich selbst richtig gut fand, aber dafür war ich nicht mehr allein. Naja, und nun knapp 20 Jahre später, fange ich wieder an, verstärkt mich mit der alten Techno-Underground-Mucke auseinanderzusetzen, um an die alten Zustände wieder ranzukommen. Diesmal schwöre ich mir jedoch, werde ich es selbstbewußter vertreten und auf die Ablehnung/Ignoranz durch andere scheißen. Ich selbst glaube, daß ich als Techno-Hörer nicht in die Techno-Szene passe, sondern eher zu den Punks. Denn mein Lifestyle, den ich mit dem alten Underground-Techno verbinde, ist eher ein Schrottplatz- und Fabrikruinen-Szenario. Ich persönlich empfinde, daß meine favourisierte Form von Techno noch darker ist, als sämtliche Ausformungen von Gothic, denn ich verbinde damit das düsterste und geheimnisvollste Zeitalter meines Lebens. Zur Erklärung: Ich las zu jener Zeit viel Stephen King und andere Horrorautoren, verkroch mich gerne unter der Bettdecke um meinen grünen Leuchtwürfel zu betrachten und mochte auch die morbide Atmosphäre der immer mehr zerfallenden DDR. Und Techno war die Musik, die da am besten zu passte. So, nun genug berichtet. Jetzt meine Frage: Würdet ihr selbst auf Freunde und sonstige soziale Kontakte scheißen, zugunsten eines Lebensgefühls, mit welchem ihr kaum Zuspruch bei anderen findet? (Was wahrscheinlich daran liegt, daß man so zwar ne geheimnisvolle, undurchdringliche Welt wahrnimmt, aber dafür auch potthässlich aussieht, lol)

Hier mal 2 Klangbeispiele meines Lieblings-Technos:

[url]http://www.youtube.com/watch?v=f-u07FPdm1A[/url]

[url]http://www.youtube.com/watch?v=IQTJz-4hS6k[/url]
NahtodNunja, schwierig für dieses Thema ein passendes Forum zu finden, da es einerseits eine Begebenheit erzählt, aber andererseits auch ne Frage beinhaltet, die zur Diskussion anregen soll bzw. die es mir leichter machen soll, ne Entscheidung zu fällen.
RaIn LaBLuHallo Nahtod,

ich wüsste jetzt nicht, was dagegen spricht, die Musik zu hören, die Du liebst, auch wenn Du mit den anderen Anhängern dieser Musik nichts anfangen kannst (weil die vielleicht ein anderes Verständnis und Empfinden haben, was die Musik angeht) und Dir ansponsten Leute zu suchen, mit denen Du gut zurechtkommst, auch wenn ihr gerade mal nicht die gleiche Musik hört.
Funktioniert sogar in Beziehungen, solange zumindest eine kleine Schnittmenge an Musik da ist, die beide Parteien ertragen können, ohne aus den Ohren zu bluten.

Wobei ich da vieleicht etwas blauäugig oder "anders" bin: ich kann es mittlerweile nicht mehr ertragen, wenn den ganzen Tag Musik dudelt - egal welche. Für mich ist Musik lebenswichtig, wie Medizin - und dementsprechend dosiert konsumiere ich sie auch.
(Noch lieber würde ich sie, wie Du, selbermachen, aber leider bin ich unmusikalisch, wie ein Stück Totholz - mein Metier ist eher das Zeichnen)

Sind, die Leute, zu denen Du Dich persönlich eher hingezogen fühlst, denn wirklich so intolerant, dass sie es nicht ertragen, wenn du Deinen eigenen Kopf hast?

Verzeih mir, die Hörbeispiele habe ich mir jetzt nicht zu Gemüte geführt - bei dem Wetter ist mir Techno ganz entschiden zu anstrengend, vielleicht ein andermal.
NahtodLeute, keine Panik! Mittlerweile seh ich es eh ein bissl anders: Ein durch Musik beeinflusstes Emotionsleben und Gedankenleben ist auf Dauer extrem belastend. Gerade in der Übergangsphase, wenn die Mucke ne Weile aus ist und man von qualvollen Emotionen und ner Gedankentretmühle geplagt is. Die Sache mit gemäßigtem Konsum kenn ich auch - ne halbe Stunde bis ne Stunde am Tag war auch mal vor nicht allzulanger Zeit meine Dosis. Aber ich war dumm, denn ich wollte wieder tiefer in die Materie einsteigen und zahle nun auch schon die ganze Zeit den Preis dafür. Zumal ich eigentlich auch ganz froh darüber bin, daß der damalige Techno und auch Hip Hop nicht mehr mein Ding sind. Techno, den ich heute am ehesten bevorzuge, is eigentlich Goa/Psy. Und Hip Hop den ich heute bevorzuge is auch eher das psychedelische und trippige Zeugs a'la DJ Spooky und Co. Der Musikgeschmack meiner jüngeren Schwester hatte mich irgendwann auch angesteckt. Davor hat "Early 90s Rave" und "Early 90s Hip Hop" halt einfach gepasst, aber heute passt es halt nicht mehr.

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