| Maternus | Meine Flügel wachsen... und ich habe keine Ahnung, wieso hier jeder daran teilhaben soll und darf. Eine alte Schuld vielleicht für ebenso alte Freunde? Oder doch nur Masochismus? Egal. Meine Flügel wachsen und heute sehr schmerzhaft. Noch 8 - 10 Sitzungen, aber dann werden sie fertig sein. Über die Schulter, über den Steiß, die hinteren Oberschenkel. Engelsflügel. Ich habe so lange gezaudert. Die letzten 20 Jahre nur geplappert, was ich tun möchte. Nun denne, in den letzten 2 Wochen habe ich mehr erreicht als in den letzten 10 Jahren...und das ist doch gut. Wozu ich mir diese Schwingen tätowieren lasse? Weil ich es mir a) verdient habe, als Mensch der ich das geleistet habe, was ich habe und b) um nicht zu vergessen. a)....ich bin gestorben und an der Himmelspforte steht die Waage. "Verdammt, laßt mich rein, ich habe meine Pflicht gegenüber der Menschheit mehr als erfüllt! War da, immer da, für jeden Sterbenden, für meine Freunde, nur für mich und meine Fastfamilie nicht. Hau ab und lass mich rein!" b) "Vergiß die Waage...nenn mir ad hoc hundert Menschen, die das geleistet haben in 10 Jahren, an den Leidenden und ohne Argwohn. Genau, Petrus, verpiß Dich!" Gut, ich bin kein Misantroph, nur etwas argwöhnisch. Die Menschen um mich zergehen in Selbstmitleid und Elend und haben meist noch gar nichts davon gesehen. Persönliche Schicksale ausgenommen. Man bedenke nur, daß kleinere Psychosen und Phobien heute mehr zum guten Umgangston, als zu wirklichen Krisen gehören. Ich kann heute, auch als 'Gote' nur auf diejenigen spucken, die sich bei jeder Gelegenheit im eigenen, selbstverfassten Elend zerfliessen lassen. Ich lebe noch und die meisten Krisensituationen, die ich gemeistert habe, waren auch persönlicher Natur. Scheiß auf Krankheit und Tod, die waren irgendwann allgegenwärtig und sind Teil unserer Welt (wenn auch nicht der Gesellschaft), aber ich weiß wie es ist jemanden zu verlieren, der einem die Zukunft versprechen könnte. Der einem Flügel hätte geben könnte. An alle Leute, die hier und heute verzweifelt sind....es kommt im Leben, wie ihr es wollt. Man sucht nicht, man findet. Kämpft! Weiter, immer weiter. Auch wenn es weh tut, wenn es schmerzt. Weitermachen! Ich habe hier heute angefangen zu schreiben und wollte mich ausheulen - aber neee... is nicht. POWER ist angesagt. Haut rein. es ist EUER Leben. Nicht kaputt machen lassen. Lebt! |
| Maternus | Da geh ich heute shoppen (ja, Männer können das auch *g*) und in der Allee um mich herum fallen die Kastanien, bombengleich, nur so zu Boden. Zack. Trifft mich eine auf dem Vollhaupt. Netter Handschmeichler, ich hebe sie auf. Faßt sich gut an, geschmeidig. Interessant...das erste Objekt des Jahres, dass ich bewußt befühle. Liegt angenehm in der Hand. Rund, weich, samtig. Und da fällt einem dann auf, wie schnell man doch das Fühlen verlernt oder die Freude an den kleinen Dingen des Lebens. Und dann schaute und hörte ich mich rum...MP3 raus aus dem Ohr und den wundervollen Nachmittag atmen. Das Rauschen des Windes in den Bäumen, der Duft mit einer Ahnung von Spätsommer und nahendem Herbst. Wundervoll. Es ist wunderbar, so etwas wahrnehmen zu dürfen. Inmitten der Hektik und dem Stress, den die Menschen um einen herum verbreiten. Alles Masochisten, die einen Samstag zum familiären Großkampftag erklären. Manchmal ist es schön, langsam zu sein. Zu beobachten und in den Himmel zu schauen. Man erschrickt fast etwas, wie lange man so was vernachlässigt hat. Das Leben ist doch eigentlich ganz schön. Mit Abstrichen natürlich. Aber eigentlich schön. |
| Maternus | Da waren sie, die ersten Tage, die mich an die schlimmsten Zeiten meines Lebens erinnern. Ähnliche Ausgangssituation: Eigentlich schön, die wundervollste Jahreszeit, alles bäumt sich noch einmal gegen das Graue auf, alles atmet noch einmal. Und doch...autsch. Des Lebens kleine Mißtritte. Nun ja, es trifft nicht mehr so hart. Einige verblassende Schemen, ein kurzes Stechen im Herzen...aber es geht, auch wenn sich das Theaterstück wiederholt hat. Ein Glas Wein, Kerzenlicht und entspannende, wenn auch uralte, Musik von Peter Gabriel (so was von untrue). Lasse den Tag mal Revue passieren... Wenn ich daran denke, morgen früh aufstehen zu müssen, dann gruselts mich. Aber früher mußte ich immer schon um 6 raus, dagegen ist 7.30 Uhr Luxus. Und was bin ich immer so früh ins Bett, war so müde. Irgendwie genieße ich es, wieder eine Nachteule zu werden, endlich mal die Entspannung gefunden zu haben, um nicht immer "der alte Sack" zu sein, der ja "morgen früh raus muss". Schön. Vorteil, wenn man Single ist - man kann seinen Rhythmus leben, obwohl ich fast vergessen habe, wie das ist. Naja, man wird nicht jünger... Heute war ein guter Tag. Meine Arbeit macht schon fast wiederwärtig Spaß und ich schätze mich glücklich, daß endlich sagen zu können. Bin etwas früher gegangen, um alte Freunde zu treffen und hatte dann noch, zu allem Überfluss, äh, ja...ein wundervolles 'Vollkörperkontakt-Erlebnis'. Interessant: Wenn man selber wieder strahlen kann, wirkt man anscheinend ansteckend. Ich habe Jahre darauf verschwendet, zu sinnieren, die Welt und mich selber schlecht zu machen. Gut, die Welt ist an sich schlecht, aber man kann sich Nischen schaffen, in die man sich zurückziehen kann und in denen man existieren kann. Manchmal hasse ich mich selber, aber im Augenblick interessiert mich die Welt als Ganzes nicht wirklich. Ich bin informiert, bleibe politisch und kulturell auf dem Laufenden, aber im Grunde interessiert es mich nicht mehr. Die Zeiten, in denen ich Anteil an Allem und Jedem genommen haben, sind irgendwie passe...Sollen die machen, was sie wollen. Solange sie mich in Ruhe lassen. Ich habe mein Plätzchen gefunden und lasse es gut sein. Lasse meine Seele baumeln und freue mich an dem, was ich habe. Klingt nach treudeutschem Heinzelmann? Vielleicht, aber man kann damit ganz gut leben. |
| Maternus | Kränk! Never! Aber trotzdem: Habe meinen Sonntag geopfert, mal wieder. Bei *Fluch der Karibik* gab es einen ähnlichen Spruch: Part of the Shop, Part of the Crew! Oder so *g*. Bei uns war Ortsteilfest, sprich Kerb. So was ähnliches wie ein kleines Volksfest. Und da marschieren wir natürlich mit, mit eigenem Wagen und Bonbonwerfen und so. Gott sei Dank mußte ich zumindest nicht das Hasenkostüm anziehen (Haaasi ist unser Wappentier hier in Darmstadt-Bessungen). Naja. Auf jeden Fall habe ich mich mal wieder bemüht, die Kleinen am Straßenrand nicht zu hart zu treffen und es war ein HÖLLENSpaß, whatever. Ungewohnt, da ich solche Veranstaltungen ansonsten meide. Aber ein süßes Erlebnis am Rande: Die letzten Meter hatte ich drei Kids an mir kleben - eins auf der Schulter und je eines an den Beinen. O M G, wahrscheinlich, weil ich der böse Bonbononkel bin, oder weil ich weiß, daß das die Kinder von einem Bekannten sind, dessen Ehe grade den Bach runter geht und die Kleinen sich grade nen Ersatzpapa suchen. Schlimm eigentlich, aber doch irgendwie knuffig. Anscheinend bin ich doch der *Papa-Ersatz-Typ*. Grusel. Aber schön. Am Ende der Prozedur durfte ich die Kleinen an die wartende Mama übergeben und fühlte mich danach irgendwie leer. Tickt meine innere Uhr? Haben Männer so was? Ja, anscheinend schon. Mist. Und als Offenbarung: Seit einigen Tagen trage ich KEIN Schwarz mehr...zumindest nicht pur. Interessant, ich komme mir vor, wie ein Verräter, aber man lernt Menschen kenn, echte Leute. Ist so. Mein Herz bleibt wohl immer an der 'Szene' hängen, aber langsam fühle ich, daß ich die letzten 23 Jahre an etwas verschenkt habe, was es nicht zu würdigen wußte. Wo sind die Denker, Dichter, Bohemians? Huhu? Ach so - Industrial, Elektro, Metall und Gasmasken sind angesagt?! Nö, nicht meine Welt. Auch nicht Emo, Hello Kitty oder Emily Strange. Sorry, werdet erwachsen oder bleibt mir gestohlen. Da fehlt mir nichts. Schwarz ist im Herzen, nicht in einer Modeboutique oder im Versandkatalog. Schade, daß das so wenige Menschen beherzigen, heutzutage. Lebt einen Traum oder eine Lebenseinstellung. Lebt Eure pupertären Träume...das ist auch noch okay. Aber stellt Euch dem Leben! Oje, da mach ich mir wieder viele *Freunde* - aber egal. Da muss man durch, wenn man Lurch werden will. |
| Maternus | Es war eigentlich ein schöner Tag. Sonne. Eine Ahnung von Sommer. Eine Scheißwahl - Deutschland vergißt zu schnell. Mein Schwager in spe ist tot. Mit dem Auto in die Leitplanke. S., Du hattest so viele Probleme. Du hast uns verletzt, enttäuscht, hattest so viele Sorgen - aber Du warst gut aufgehoben im Arm unserer Familie. Wir haben drüber geredet und alles schien ins Lot zu kommen. Alles wird immer irgendwann gut. Zu viel gehofft? Wohl kaum. Man kann alles richten, wieder gut machen. Du hättest aushalten und kämpfen sollen, so wie ich. Nichts auf der Welt ist DAS wert. Meine Eltern haben meine Schwester abgeholt. Sie ist in guten Händen. Meine Nichte weint und weint... Du wirst mir fehlen, S.. Vorgestern standest Du im Hof, hast geraucht und zu meinem Fenster gewunken. Ich Arsch bin nicht zu dir runtergekommen. Ich dachte, alles wäre endlich okay, ich dachte Du schaffst das. Es tut mir unendlich leid. Aber Du hast es getan. Den Schritt, den ich nie geschafft habe. Sei gut aufgehoben, da wo Du bist. Sei glücklich und finde Deinen Frieden. Mir werden die Worte fehlen. Was für ein entsetzlicher, grauenhafter Tag für Deutschland. In jederlei Hinsicht. |
| Maternus | okay, welt. ich gehe mal rüber, in meine alte rüstkammer. öffne eine rostige tür, breche ein uraltes schloss auf und betrete modrige stille. in gedanken zünde ich eine kerze an und schaue mich um: dunkle ecken, spinnweben. und da steht, fast vergessen, mein harnisch. voller flecken und schlecht gepflegt. liebevoll streichle ich die schulterplatten, den brustpanzer - alles war ein treuer gefährte in alten tagen. zerbeult, aber standhaft geblieben. hätte nie gedacht, daß ich ihn noch einmal brauchen würde. aber gut. es wird nicht poliert oder geölt, ich streife mir puren rost über, tröstend und schwer, fleckig und halb zerfressen. passt besser zu mir, als hochglanz und prunk. gehversuche. mann, es wiegt tonnen. meine flügel können sich darunter nicht bewegen. aber es gibt noch einmal schutz. ich wanke ein wenig umher, gewöhne mich wieder an meine rolle als ritter. irgendwann mal, in grauer vorzeit, habe ich einen eid geschworen: zu beschützen, zu pflegen und nie unrecht zu dulden. dann kam das leben, vielleicht die welt und hat mir meine rüstung und die unschuld genommen. schutzlos und lethargisch irrte ich eine weile umher, bis ich dann wieder diesen ort fand und mich besann. morgen und die folgenden tage wird so viel über mich hereinbrechen, wird mir viel abverlangt werden. nun gut, ich werde standhalten. noch einmal. ich werde da sein. für meine schwester der bruder sein, den sie braucht. trösten. ihrem lieben gefährten die traueranzeige setzen. andenken wahren. nächste woche einmal tapfer sein. standhaft sein. ...und ich habe heute damit begonnen, mit einer Sache, die keinen hier etwas angeht, ausser zwei menschen... ich werde einfach da bleiben. obwohl es so viel leichter wäre zu gehen. aber ich habe den schweren weg gewählt und der heißt nun mal: den grund halten, jeden verdammten zentimeter. glauben, an sich und andere. nicht wegrennen. kämpfen. |
| Maternus | und zurück. zurück im winter. im regen, im graupel. die ahnung von schnee in der luft. alles wie damals. reset. so viel passiert, so viel geschehen, gutes, wie schlechtes. normal. aufwachen, arbeiten, esse, trinken, schlafen. da bin ich: neues leben, selbstständig, alles gut. aber es fehlt so vieles, da sind so viele wünsche. immer noch wünschen, eine zeitmaschine zu haben...wer will das nicht? jeden abend geborgen. jeder morgen eine neue herausforderung. was wird sein, in 6 monaten? das hier muss niemand verstehen, aber es musste mal raus :) ansonsten: das neue album ist fertig, ich bin glücklich damit. nach fast zwei jahren ohne musik, endlich wieder töne, endlich wieder worte. alle werden es hassen, aber ich finde es jetzt schon großartig, immerhin. vielleicht das beste, ehrlichste, was ich je gemacht habe. jubi! seit langer zeit mal wieder in der rettung gefahren, wissen auffrischen und gleich eine knallharte erfahrung gemacht. das leben kann so schnell rum sein, auch mit unter 20. macht was draus, nicht zögern! so eine verschwendung -.- ich denke viel an alte freunde hier, muss wohl die jahreszeit sein. wie geht es euch? gut, hoffe ich. zu lange nichts gehört, zu lange nicht gesehen. war zu lange ausserhalb, weit weg vom geschehen. wir werden älter, müssen unsereren alltag leben. keine zeit für konzerte, disco (würg) oder treffen. ja, wir werden nicht jünger und in ein paar tagen hab ich geburtstag, dann ist die grenze überschritten, endgültig. jessas! was soll's, lebbe geht weiter, wie der hesse sagt. an alle, die das hier lesen: eine gute und gesunde winterzeit/adventszeit. und special an zwei gewisse leute hier: schön, dass ihr gesund und munter in deutschland zurück seid. es war gut, was ihr im ausland gemacht habt, aber besser, dass ihr wieder heil da seid! bis in baldiger bälde |