| kleine Eule | Das Leben geht weiter. Natürlich tut es das. Auf Regen folgt Sonne. Sagt man so. Und man packt seinen Regenschirm und denkt: Hoffentlich wird ich nicht allzu naß. Von wegen Sonne. Dann noch mehr Regen. Und noch mehr. Und noch mehr. Eine wahre Flut. Und der Schirm weicht durch und es regnet durch. Erst wenig, dann mehr. Am Ende ist man klitschnaß. Scheiß Schirm. Scheiß Regen. Aber was bleibt wenn man sich jetzt selbst bedauert? Nichts. Also geht man und zieht sich um und macht sich wieder auf den Weg. Wieder mal. Ein anderer Weg der aber aussieht wie der vorherige. Und Erschöpfung schleicht sich heimlich an und die Resignation lauert schon hinter der Ecke. Wartet darauf dass man ihr Opfer wird. Aber man weiss dass sie dort lauert, denn man kennt sie. Ist ihr bereits beim letzten Mal nur knapp entkommen. Man kennt die Tricks und versucht also alles. Wenn man Glück hat funktioniert es und die Resignation ärgert sich. Und was eine echte Resignation ist, die gibt nicht so schnell auf. Also heißt es auf der Hut sein. Sie schleicht hinter Dir her....und flüstert.....ich kann nicht mehr.....ich will nicht mehr......ich schaffe es nicht mehr.........der Weg ist zu steil ..der Weg ist zu schwer..... Ich setze mir dann immer die Kopfhörer auf, mit meiner Musik. Lasse sie mein Blut durchströmen....bis in die hinterste Ecke meines Hirns und meines Herzens........und ich höre die Resignation nicht mehr. Egal wie laut sie schreit. Höre nur meine Musik und halte mich daran fest. Wie an einem Rettungsring der mich oben hält in einer Flut. Schon wieder. Der Weg ist ein anderer aber fast der Selbe. Genau so steinig genau so schwer. Erschöpfung. Wenn es eine Stelle gibt die halbwegs schön ist verweile ich. Suche mir eine Bank und genieße die Aussicht. Packe meinen Tee aus und verschnaufe einen Moment. Manchmal leistet mir jemand Gesellschaft. Wie eine Insel ist das dann in der großen Flut. Wie eine Oase in der Wüste. Diese Momente muss man genießen, auskosten. Denn sie dauern nicht lange, aber sie machen den Weg machmal etwas einfacher. Und machmal machen sie ihn etwas sehr viel einfacher. Denn manchmal geht jemand ein Stück mit. Erträgt mein Gejammer über die Erschöpfung und die aufgerissenen Füße wegen der spitzen Steine über die ich laufen muss. Ja und machmal, ganz selten, hat man das Glück, dass ein Engel kommt und einen auf die Arme nimmt und trägt.......und man kuschelt sich an und genießt es, nicht die Starke sein zu müssen, wenn es auch nur kurz ist. Aber davon zehrt man, auch wenn man wieder selbst laufen muss. Denn ewig kann niemand einen tragen. Im Endeffekt geht man den Weg doch allein. Oder vielleicht doch nicht? So lass uns diesen Weg zusammen gehen mein Engel....und jeden Weg danach.......und wenn einer Dir einmal zu schwer und zu lang wird trage ich Dich wie Du jetzt mich trägst.......denn ich bin so manchen Weg gegangen und stärker als man denken mag..... |
| kleine Eule | Und wieder werden Kisten gepackt...........viele alte Erinenrungen kommen dabei zum Vorschein...........gute und natürlich auch schlechte..... Die schlechten Erinnerungen. Man hat sie mitgenommen. Es gibt auch gute Erinnerungen die jetzt schlechte sind. Man hat auch sie mitgenommen. Aber wird es nicht Zeit abzuschließen? Es zu beenden? Sich zu trennen von diesen Erinnerungen? Denn sie trennen mich von meinem Leben. Von der Freude. Trennen mich vom Vertrauen. Ich habe sie verarbeitet, die Geschehnisse. Aber diese Gegenstände.......... Und man nimmt einen blauen Müllsack und packt die Gegenstände hinein. Inklusive der Erinnerungen. Wie in eine Kiste die man im keller ins Regal stellen kann und die man dann nicht mehr sehen muss. Aber irgendwann mistet man auch den Keller aus um Platz zu schaffen für neue Kisten. Mit anderen Gegenständen die wichtig sind. Und die alten schmeisst man weg. Und man denkt sich dass es längst überfällig war und fragt sich warum man das nicht eher getan hat. Und man fühlt sich frei. Besser. Irgendwie erlöst. Noch ein Stein der weg ist. Der letzte Stein der einen runtergedrückt hat. Er ist fort. Für immer. |
| kleine Eule | Die neue Wohnung. Die neue Wohnung ist hell. Hell und freundlich. Großzügige Räume obwohl es nur 4 qm mehr sind. Dort wohne ich noch nicht. Es sind noch Dinge zu erledigen. Wenn ich dann dort war und wieder hier her komme möchte ich gar nicht mehr dort weg gehen. Wenn ich dort bin und wieder gehen muss spüre ich die Erschöpfung ganz gravierend. Dann spüre ich sie. Spüre eine Art Verzweiflung. Resignation. Aber nicht weil es mir dort nicht gefällt, sondern weil ich wieder gehen muss. Und ich wünschte mir es wäre schon alles vorbei. |
| kleine Eule | Und wieder ein neuer Tag. Ich mache kleine Schritte, aber ich mache sie. Um irgendwann aus diesem Zustand heraus zu kommen. Abzuschließen mit allem. So viele liebe Menschen die für mich da sind. Aber das was in meiner Seele ist können sie nicht beeinflussen. Dort muss ich selbst aufräumen. Sie können mir helfen Kisten zu packen, auszusortieren, Dinge in Müllsäcke zu packen. Aber den Müll in meiner Seele muss ich selbst entsorgen. Längst überfällig ist es, dort einmal aufzuräumen. Dinge, Ereignisse, Menschen, Orte dort hinauszuschmeissen. Sich endlich zu lösen. Längst lange überfällig. Halte meine Hand, mein Engel, denn dieser Gang wird ein schwerer. Zu erkennen, dass auch Freundschaft nichts mehr bringt, nicht mehr möglich ist und den Menschen ganz und total aus seinem Leben zu verbannen. Alle Erinnerungen zu entsorgen. Einfach alles. Manche Dinge sollen einfach nicht sein. Und manche Dinge wären besser niemals gewesen. Und manche Dinge.............ja.............manche Dinge, die sind............sind einfach zu schön und wahr zu sein. Sind zu viel Glück als dass man es fassen könnte. Manche Dinge streicheln deine Seele und umfangen sie wie eine warme kuschelige Wolldecke. Du bist sehr geduldig mit mir mein Engel, und ich danke Dir dafür. Ich verspreche Dir jetzt stark zu sein und diesen Weg bis zu Ende zu gehn. Die Tür zu schließen und den Schlüssel zu entsorgen. Damit wir frei sein können. Wir zwei, zusammen. Für die Ewigkeit. |
| kleine Eule | Nun sind es noch zwei Wochen knapp die ich ausharren muss. Für mich ist es nicht nur ein Umzug, es ist der Abschluss einer ganzen Ära, eines Lebensabschnittes...soviel hängt daran. Kleinigkeiten die sonst bedeutungslose Altagsprobleme sind werden in diesem Zustand des Schwebens von noch nicht dort aber auch nicht hier zu großen unüberwindlichen Hindernissen. Ich versuche mich abszulenken und mich in dieser Zeit selbst zu verwöhnen, mit Kleinigkeiten, Extras die man sich nicht immer gönnt. Nur um diese Zeit gut zu überstehn. Und es klappt bis jetzt wirklich gut. Großes Ziel ist ein neues Tattoo. Daran denke ich wenn mich die Situation zu sehr runterzieht. Neuer Lebensabschnitt, neues Tattoo. Erst das Motiv.......dann der Termin.......man zählt die Tage.......dann der Termin.......der Schmerz und das Bild....und es ist viel zu schnell vorbei, auch wenn es Stunden dauert. Man fühlt sich so unbesiegbar danach. Es ist tatsächlich eine Sucht. Ich fröhne meiner Sucht. Ein leises Lächeln schlich sich über mein Gesicht als ich diesen Satz schrieb. Es heisst immer "vom Leben gezeichnet". Mich zeichnet das Leben auf eine andere Weise. Stück für Stück, so wie das Leben meine Seele zeichnet, wird mein Körper von den Bildern gezeichnet. Ich bin stolz auf jedes einzelne Bild. Bin stolz auf jeden Weg den ich gegangen bin, auf jeden Stein und auf jede Narbe bisher. Denn ohne sie würde ein Teil des Gesamtbildes fehlen. Somit beisse ich die Zähne zusammen und freue mich auf mein neues Bild. Welche Ironie. |
| kleine Eule | Endlich bin ich angekommen. Und es ist als hätte ich hier hingehört. Als hätte diese Wohnung auf mich gewartet. Das Wohnzimmer habe ich zum Teil in einem Caramel-Orange gestrichen und es macht mit den braun-weißen Möbeln und dem Rot des Teppichs eine wundervolle warme Atmosphäre..... Die Welt kann sehr grausam sein und unendlich traurig. Hier, in meiner Wohnung, bewahre ich meine schönen Seiten. Mein Rückzugsort um Kraft zu tanken. Hier mache ich es mir schön warm. Hier ist der Ort wo sich meine Freunde treffen, wo wir zusammen sitzen bis spät in die Nacht bei einer Kanne Tee. Zusammen lachen und verrückte Pläne schmieden. Vielleicht trägt man die Wärme auch in sich. Denn so ist es wo auch immer ich hingehe. Man trägt die Liebe und die Wärme im Herzen. Und nur wenn sie dort ist kann man sie auch geben, ausstrahlen. Wenn man mit sich selbst im reinen ist........wenn man autentisch ist und man selbst dann kann nichts passieren. Es gibt Ruhe........und Wärme in der Seele. In diesem Sinne - carpe noctem.......... Die Eule |