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  Forum: Nebelpfade
    Thema: Ein Gang durch Grünwald bei München
CurzonIch steige aus der Tram aus.
Kein Mensch zu sehen.
Kein Bürgersteig zu sehen.
Ich gehe auf der Straße.
Links ein hoher Zaun, rechts eine Mauer.
Ein Mercedes steht herum.
Ich biege ab.
Kein Mensch zu sehen.
Ein fettes Auto rast mit 80 an mir vorbei (im Wohngebiet)
Rechts ein kitschiges Haus, allein der EIngangsbereich dreht einem den Magen um.
Im Garten ein weißes Pavillonzelt.
Ein häßlicher Hund bellt.
Ein fetter Mann hockt auf einem Gartenstuhl und glotzt blöd.
Nächstes Haus, ein Bungalow, extrem häßlich.
Ein dickes Auto steht davor.
Links hohe Zäune, dahinter riesige Bonzenfestungen in riesigen Gartensperrgebieten.
Ein Ferrari rast mit 100 an mir vorbei.
Kein Mensch zu sehen.
Ich biege ab.
Zwei fette Autos rasen mit 90 an mir vorbei.
Eine einsame Inline-Skaterin.
Ein unglaublich häßliches Haus, pseudo-Italien-Stil.
Alles gepflastert, 4 Garagen.
Bewegungsmelder glotzen mich an.
Kindergeschrei in einem Garten, blauer Schimmer eines Pools durch eine Zaunlücke.
Ich bin am Ziel.
Hundegebell empfängt mich.
Ich muß da rein.
Den Hund füttern.
Und die Nagetiere.
Ich gehe rein, der Hund erwartet mich.
Ich kann ihn abhalten, mich anzuspringen.
Er ist artig, und kriegt sein Futter, ebenso die Nagetiere.
Das Haus gehört der sechsköpfigen Familie der Tante meiner Freundin.
4 Kinder:
Jedes Kind ein eigenes Zimmer.
Jedes Kind ein eigener Fernseher.
Jedes Kind eine eigene Spielkonsole.
Jedes Kind einen eigenen Computer.
Ein Bad mit riesiger Marmor-Badewanne.
Zwei Terassen.
Unzählige Haustiere: Hund, 2 Meerschweinchen, Kaninchen, 6 Vögel, Aquarium, alles zu versorgen.
Riesiger Garten.
Ich haue nach der Raubtierfütterung wieder ab.
Bin froh, wieder in der Tram zu sitzen und dieses scheiß Bonzenviertel zu verlassen.
Ich hasse es.
Früher war es mir egal, aber jetzt hasse ich es.
Mir wird absolut unwohl, wenn ich nur protzige Häuser sehe.
Diese Monumentalfestungen in denen sich die Wohlhabenden verkriechen und die zu ihren eigenen Gefängnissen werden.
Ich würde lieber in einer Sozialwohnung leben, als mich in so nem Bonzentresor lebendig begraben zu lasse.

Und meine Abneigung gegen Hunde wächst mit jedem Tag weiter. Dabei können die armen Viecher nix dafür, daß sie domestiziert, überzüchtet, gefangen, verzogen, verweichlicht und gequält werden...
syliaSalve Curzon,

ich kann in etwa nachfühlen, was du empfindest.
Als ich das erste Mal in Grünwald war war ich tief beeindruckt! Die Villen und Bungalow´s fand ich toll, fast jeder riesige Garten hat seinen Pool...nur die Zäune, Mauern und Hecken fand ich damals, als Kind schon schrecklich...wo ich doch so gerne mit der Nachbarin über den niedrigen Zaun geredet habe und sie mir oft Süßes gab. Oder wenn wir zu den Nachbarskindern einfach rüberstiegen.
Mittlerweile finde ich einfach nur noch ätzend, wie man gerade dort seinen Reichtum zeigen muß, um ihn dann mit Hohen Grenzen pseudo-versteckt.

Sylia
...nicht weit weg von dir...
AsmodyrianIch war zwar noch nie in Grünewald, kanns mir aber lebhaft vorstellen. Soll doch jeder mit seinem ehrlich verdienten Geld (?!) mACHEN WAS ER WILL; AUCH WENNS SINNVOLLERE Möglichkeiten gibt als jedem Kind nen PC und ne PSX zu beschaffen (hab mir sogar den PC selbst kaufen müssen).
FallenSisko@curzon

Wie sollte das Viertel denn aussehen? Was wäre dein Idealbild von Wohnen und guter Nachbarschaft?
CurzonEin Ort, wo Leben auf den Straßen herrscht.
Wo man den Nachbarn sehen kann, wenn man aus der Tür tritt und sich mit ihm mal so über den Zaun unterhalten kann.
Wo sich nicht jeder in seiner Festung verkriecht.
Wo nicht jedes Haus Alarmanlagen hat.
Wo nicht jeder fette Mercedes mit 80 durch die Straßen brettert, die im Übrigen keine Bürgersteige haben.
Ein Ort, wo die Kinder auch mal miteinander draußen spielen, anstatt nur in den jeweiligen Gärten in ihren Pools und komplett-Privatspielplätzen.
Kurz: Ein Ort, der mehr Gemeinschaftsgefühl ausstrahlt...aber das tun die meisten Orte.
Sheileena...ein schöner Traum
dark crystalWar auch mal mein Traum, in Grünwald zu wohnen, hab die Häuser,Villen,Autos etc. bewundert - bis ich Bewohner dieses Planeten kennengelernt habe...

Ist vielleicht zu verallgemeinert (drum sind auch alle Goths Satanisten,gell
;) ), aber ich habe Menschen von dort zu den verschiedensten Zeiten meines Lebens und unter den unterschiedlichsten Bedingungen kennengelernt und sie haben doch eine gewisse Ähnlichkeit irgendwo.
Eventuell rührt es ja gerade daher,daß sie hinter hohen Mauern und alarmanlagengesicherten Zäunen leben "müssen" (?) und daher glauben,sie sind aufgrund ihres woher auch immer stammenden Geldes/Status... etwas Besonderes.
Leider glauben einige davon auch,sie hätten deshalb das Recht,andere (die nicht so sind wie sie) zu verletzen und zu demütigen.

Geld ist halt doch nicht alles und verdirbt vielleicht doch den Charakter.
LaDiAbLeNa,mal ein zwei wochen in so ne Villa zu ziehen wäre doch gar nicht mal so schlecht,aber dort leben will ich auch nicht.Die könnten doch ihr Geld für sinnvollere Zwecke ausgeben.Na klar,die wollen ihren Kindern halt alles bieten können und mal zu sagen :nein,das geld haben wir nicht;geht halt nicht.Wie hoch sind denn die zäune dort?wirklich so hoch,dass man nicht mehr drüber schaun kann?Das würde mich dann auch aufregen,aber wenn die meinen,sie müssten was verstecken......Mit solchen Leuten möchte ich nicht unbedingt was zu tun haben,also können die sich doch verstecken wie sie wollen,kann mir egal sein.
mir würde ja ein kleines Häuschen mit meiner Familie zum Leben reichen,und zum glücklich sein braucht man kein Geld!!!
Queeniejetzt mal von den grünwaldprolls abgesehn... was habt ihr gegen hohe zäune????
wenn ich ein kleines häuschchen (muss ja keine villa sein, wenn doch... ich hätt net wirklich was dagegen ;-) hätte, würde ich ne riiiesige hecke drumrummachen, damit niemand reingucken kann, in MEIN heim, MEINE privatsphäre, da will ich meine ruhe haben, meinen frieden, ungestört sein, nackig im mondschein tanzen oder mitm arsch wackeln, was weiss ich, aber dass mir jeder reinglotzt und dann wohl auch noch über mein zu hohes gras im garten motzt, das kann ich mir sparn.
CagliostroJa, ein Phänomen das speziell für München zutrifft.

Aber mei, was soll's, die Leute, die
furchtbar viel Geld für Tand ausgeben,
verdienen's nicht anders.
Ausserdem sind das Arbeitsplätze in
der Kitschindustrie!
hunderrte Terrakotta-Bambis in der Einfahrt...
teuer und hässlich..
Stylisch. Man demonstriert, man sei besser
"wie die da", denen nur Gartenzwerge einfallen.
Man muss das alles etwas ironisch betrachten,
auch wenn die Grundstücksbesitzer diese
Gabe nicht haben, was die Sache aber erst
lustig macht.
Solfarknur ein satz:
mein cousin hat bei uschi glas auch nur linseneintopf gekriegt.
okay, zwei:
laßt sie doch ihre häuser bauen wie sie wollen.
wen interessiert das.
mußt ja nicht da hinziehen.
jetzt waren es doch n paar mehr...:p
JohnSteedJetzt bin ich nicht gerade der grösste Rapper-Fan auf Gottes Erdboden, aber es scheint eine Parodie auf eh eigentlich alles in München zu geben, die scheint als Form nur den Rap zuzulassen. Ergo gibt es auch was über Grünwald.
Grenzgenial!
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Ich komm aus Grünwald, du Muschi!

22.07.2007

Herausgeber: netzeitung.de
Geld macht glücklich (Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Geld macht glücklich
Foto: PR
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Vielleicht haben Sido und Bushido die größeren Autos, aber die Münchner Rapper Stehkrägen haben mindestens eine genauso große Klappe. Wohlstands-Reime sind die Antwort auf Hartz-IV-HipHop.
«Deine Armut kotzt mich an», rappt die Perlenketten-Tussi Lacrosse, «Für dich ist Polo nur ein Auto, für mich ist es Sport», fügt der blonde Beau namens Yachtmeister hinzu. Es wurde aber verdammt noch mal auch Zeit! Ausgerechnet München hat nun eine angemessene Antwort auf Berlins Asphalt-Aggressivität gefunden. Aggro Grünwald statt Aggro Berlin. Und anstelle der Kreissäge gibt es ein verschnörkeltes Wappen.

Aber nochmal ganz von vorn: Die Stehkrägen von Aggro Grünwald, das sind fünf Männer und eine Frau, die zwar auch auf Bling Bling, schnelle Autos und schöne Menschen stehen, Aggro steht jedoch für Aktien, Geld, Grundbesitz und Opulenz. Hier kommt keiner aus dem Ghetto, sondern alle aus Münchens Nobelviertel Grünwald. Musik machen, um reich zu werden? Nee, reich sind sie ja schon. Angeblich.
Mitten aus dem Herzen der Dekadenz
«Hey, kleiner Mann, hast du keinen Vater, keine Mutter, die was kann?», heißt es auf der Debütsingle «Eure Armut kotzt uns an», und das kommt «mitten aus dem Herzen der Dekadenz». Mit ihren aufgestellten Hemdkragen und weißen Hosen sehen sie so aus wie einem exklusiven Tennisclub der Achtziger entsprungen.

Dazu passend liefert die eindeutig durchgestylte Website den Crew-Mitgliedern MC Erbgraf, Yachtmeister, Bling Bling, Goldmann X und Sängerin Lacrosse die ebenso perfekten Lebensläufe: Zahlen mit Papis Kreditkarte, Elite-Unis, Kaviar, Lacrosse und am Wochenende Posen in Münchens Schickeria-Disko P1.

Ernst nehmen kann man das allerdings nicht, denn die Stehkrägen erfüllen einfach ein Paar Klischees zu viel. Sie seien nicht Fake, behaupten die Rapper Yachtmeister und Goldmann X im Interview mit der «taz». Sie hätten einfach die Nase voll vom Ghetto-Rap, heißt es auf ihrer Website: «Genug mit Ghetto- und Hartz-IV-Problem-Rap, jetzt kommt der exklusive Einblick in die wunderbare Welt der Reichen und Schönen aus dem Münchner Süden.» Schaut man genauer hin, entdeckt man im Video jedoch ein Magazin mit dem Titel «Teuer und Geschmacklos» und eine schwarze Kreditkarte, die von der «Reich und Doof»-Bank ausgestellt wurde.
Seitenhieb, Gesellschaftskritik, Inszenierung
Was steckt also hinter Aggro Grünwald? Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, ist der Zuständige für die Labelseite ein gewisser Philipp Walulis, und der ist Moderator und Spaßmacher beim Münchner Radiosender M94,5. Und auf dessen Homepage prangt... natürlich ein Stehkrägen-Banner.

Also ist alles nur ein Witz, ein Seitenhieb gegen die Berliner Aggro-Rapper? Oder eine Parodie auf das Leben der Reichen und Schönen? Auf jeden Fall war dieses Anti-Aggro schon lange überfällig. Und dann wird aus dem Spiel mit dem schönen Schein eben die perfekte Selbstinszenierung. Die fünf Münchner rappen im Video weiter um den großen weißen Mercedes und ziehen sich absurd große Mengen eines weißen Pulvers in die Nase. Immer schön aggro bleiben! (nz)

Das Debütalbum «Aus gutem Haus», mit Songs wie «Geld macht glücklich» oder «Kaviar für Somalia», soll im Oktober erscheinen.
rainravenNaja, ich möchte vielleicht nicht in Grünwald leben, aber ein Häuschen mit Pool und eine Freivoliere für meine Vögel wäre auch mein (nicht realisierbarer) Traum. Umso bedauerlicher ist es, erst recht für Menschen wie mich, die es hassen, ein Gegenüber und keine freie Sicht zu haben, daß man sich leider dann hinter solchen dicken Mauern verschanzen MUSS, um das zu sichern, was einem lieb und teuer ist, weil es sonst immer Andere gibt, die es einem kaputtmachen und rauben wollen. :( Wenn das nicht so wäre, wären auch keine anmaßenden und abweisend wirkenden Zäune und Mauern da. Und warum soll man sich nicht etwas Schönes leisten, wo man sich wohlfühlt, wenn man es kann?

Wenn ich das Geld dazu hätte, hätte ich auch gerne genug Platz und Einrichtungen, die mir gut tun wie ein schönes Bad, einen Fitneßraum oder einen Pool (der Inbegriff von "Wohlfühlen" und "Luxus" für mich schlechthin), und vor allem genug Platz für meine Tiere. Kinder und übertriebene Elektronik käme mir nicht ins Haus, da ich keinen Bedarf dafür hätte, aber mein Freund träumt z.B. seinerseits von einem Oldtimer als Zweitwagen (dessen Sinn ich wiederum nicht sehe, für die ein Auto immer einen praktischen Nutzen haben muß).
Allerdings würde alles eh daran scheitern, daß ich ein Haus auf Stelzen oder am besten einen Hochbunker mit Penthouse :D bräuchte, da ich mich im Erdgeschoß nicht sicher fühle...

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