| Gamaliel | I. Langsam verwandelte sich das Weiß. Zuerst war es nur ein kleiner schwarzer Punkt auf dem weißen Ozean. Sogleich bildete sich eine leicht geschwungene Linie aus - eine Linie, welche eine leichte Handbewegung verlangte, eine entspannte und doch entschiedene Führung. Der Geruch frischer Ölfarben umgab die Leinwand wie eine Aura. Die tanzenden Schatten von Eichenblättern verwandelnden die Linie in ein bewegtes Spiel. Sie war gelungen, die erste Line. Ich legte den Pinsel zurück. II. Die Kniebundhose. Endlich hatte ich sie gefunden. Aber wo waren die Strümpfe? Manmanman. Einen Dreispitz bestellt, aber die Strümpfe verloren. Wo kann ich nur die Strümpfe verloren haben? Nachbestellen ist ärgerlich. Nochmal POrto, nochmal Wartezeit. Wo bekommt man denn überhaupt lange weiße Strümpfe her? Im normalen Kaufhaus? Warum muss ich immer alles verlegen? Nochmal den Schrank durchwühlen. Hemden anheben, hinter Hosen nachschauen, kurzum: Sich über sich, die Welt und die fehlenden Strümpfe zur Kniebundhose ärgern. Und mich darüber ärgern, dass ich mich ärgere. |
| Lady Ash | III Das Beet hinten im Garten, die Tomaten wachsen und lassen die Pflanzen brechen unter ihrem Gewicht. Ohne Sonne können sie nicht reifen. Ich denke an die Hoffnung mit der ich dieses Beet anlegte, doch wie den Tomaten die Sonne, so fehlt es meiner Hoffnung an Nahrung. Es regnet schon wieder. |
| Gamaliel | IV. Stille. Irgendwo krächzt ein Vogel. Duft einer kühlen Sommernacht. Dann kurz ein Murmeln Vorbeigehender. Es ist eine wohltuende Stille. Eine Stille, wie sie nur in kühl-warmen Sommernächten heraufzieht. Der Vogel erhebt sich. Ein Schatten huscht vor dem Mond vorbei. Und plötzlich ist es auch draußen ruhig. Die Stille des Raumes und die Stille der Nacht finden sich. Kein Murmeln, keine Vorbeigehende, kein Vogel. Ich mag den Sommer. V. Hinten im Garten mit Beeten und brechenden Pflanzen wird Hoffnung reifen. ______ |
| Lady Ash | VI. Im Garten wird die erste Tomate langsam rot. Am Computer dauert ein Gespräch die ganze Nacht. Und Vögel verkünden dann den Beginn eines neuen Tages. Ich liebe diese kleinen Stunden des frühen Morgens wenn alles möglich und machbar erscheint. Hoffnung? Wir brauchen Sonne, die die Angst besiegt. |
| Gamaliel | VII. Lange ist es her, dass ich hier geschrieben habe. Und lange wird es dauern bis ich wieder schreibe. Es ruft, es lockt, es will, es fordert. Mitten um mich tobt es und ich stehe in einem Meer von Ruhe und liebe es mit jedem Tag, mit jedem Lichtstrahl und jedem Tropfen, der vom Himmel fällt, mehr. |