| Blind Faith | Leni Riefenstahl verstarb angeblich letzte Nacht im Alter von 101 Jahren in ihrem Haus am Starnberger See in Folge eines Herzversagens. Riefenstahl hat als erste deutsche Regisseurin Filmgeschichte geschrieben. Ihr 100. Geburtstag, am 22. August vorigen Jahres, war ein Medienereignis. Riefenstahl ist eine in jeder Beziehung außergewöhnliche Frau gewesen. Über Jahrzehnte wurde sie wegen ihrer Filme während der Nazizeit als Propagandistin der Nazi-Ideologie gesehen. Die Dokumentationen zum Reichsparteitag und zu den Olympischen Spielen in Deutschland 1936 gehören nach wie vor zu ihren umstrittensten Werken. |
| decay73 | ...möge sie jetzt ihre verdiente Ruhe finden... ~decay~ |
| White_Fang | Im Leben eines Menschen ist seine Zeit nur ein Augenblick ..... sein Körper ist eine Beute der Würmer..... |
| Menedemos | Leni Rieffenstahl ist tot, die alte Kratzbürste ;) , - aber die Diskussion über ihre Rolle in der NS-Zeit wird wohl niemals enden. Vielleicht bringen sie heute abend ja einen Film von ihr, ich würde z.B. gerne das "Blaue Licht" einmal sehen. |
| Menedemos | In der Kunsthalle gibt es übrigens auch einen Rieffenstahl-Thread: [url]http://www.nachtwelten.de/vB/showthread.php?s=&threadid=7294[/url] @ Melly Dsa Buch habe ich mal vor sehr langer Zeit gelesen, rein aus Zufall, weil mir die Bilder so gut gefallen haben, damals kannte ich die Rieffenstahl noch gar nicht :rolleyes: Ich kann mich nur an einen Singsang erinnern, die die Nuba-Kinder - nach Rieffenstahls eigener Aussage - ständig auf den Lippen hatten: "Leni buna Nuba Nuba buna Leni Leni buna Nuba Nuba... u.s.w." (Übersetzt): "Leni hat die Nuba gern, Nuba haben Leni gern..." :rolleyes: (Ist natürlich zum Teil als Propaganda von ihr zu begreifen, ist )klar. |
| Hirogen | [COLOR=red]Anmerkung der Administration: Ab diesem (spätestens dem nächsten) Beitrag sind alle Postings von Hirogen, Masheed, Menedemos als OFF TOPIC zu betrachten und können von denjenigen Lesern, die sich ausschließlich für den Tod von Leni Rieffenstahl interessieren, ohne Verlust übersprungen werden.[/COLOR] das geht mir genauso an meinen propperen hinterbacken vorbei wie wenn auf der strasse ein sandkorn knirscht... mfG Hirohito - unwissend, desinteressiert und pietätslos |
| Menedemos | Sehr konstruktiv, Hiro, sehr konstruktiv... |
| Heimdall | ah.. das erklärt warum eben mehrere dokumentationen über sie auf verschiedenen sender kamen. |
| Luzifer | Die Handlungen in ihren Berg- und Eisfilmen sind zumeist schlicht und vernachlässigungswert , aber die Filmbilder selbst.... Kennt Ihr "SOS-Eisberg", die Schlußszene ist atemberaubend: Hunderte von Eskimo-Kajaks brechen zur Rettung vom Eisberg im Gegenlicht auf, sie paddeln zwischen Millionen von Sonnenflecken im Nordmeer dahin und als Hintergrund läuft Jazz, der für einige Takte in "Im Frühtau zu Berge übergeht". Oder die Kletterszenen in "Die weiße Hölle von Piz-Palü", sie war ja ungemein ehrgeizig, hat sich nie doubeln lassen und sich selbst zur perfekten Skifahrerin und Bergsteigerin ausgebildet. Mit ungefähr achtzig Jahren hat sie noch das Tauchen erlernt und sich vor dem Tauchlehrer auf zehn Jahre jünger ausgegeben, damit er sie überhaupt annahm. Bei den Olympiafilmen hat sie so viele neue Filmtechniken und auch Tricks eingeführt, daß Generationen von Dokumentarfilmern davon zehren konnten; die Ästhetik der Körper und der Sportszenen finde ich atemberaubend. |
| Camouflage | Servus, ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich schon angenommen habe, dass sie schon länger nicht mehr unter uns Kindern weilt. Aber nun ist sie wirklich und amtlich nicht mehr im Leben. Arme Leni. Es hat aber auch keiner ein gutes Haar an ihr gelassen und nach dem Krieg gab es auch keine Angebote mehr. Diese böse Mißgunst. Wie schimpft man das gerne in NPD Kreisen? Siegerjustiz. Genau, die Anstalten haben das auch mit ihr gemacht. Naja, die Leni hat der Adolf eben zu seiner Hoffilmerin ernannt. Genauso wie den Albert Speer zu seinem Germania-Architekten. Die beiden haben sich eben damals blenden lassen und haben den Ruhm genossen. Arschkriechen mussten sie ja dann auch nicht mehr. Hat halt nichts gebracht. Aber künstlerisch betrachtet, hat es die Leni als Frau weit gebracht. Die hatte Ehrgeiz, die hatte Mumm in den Knochen und die war nicht dumm. Die Frauenbewegung schluckt nun ein wenig, denn diese Figur kann man ja nicht benennen, wenn es um Emanzipation gegenüber eines Patriacharts geht. Ich tue es aber und kann nichts gegen die Leni sagen. Die lächelt doch immer so treu und nach Argentinien ist sie auch nicht ausgewandert, als die Coca Cola in Deutschland einmarschierte. Also Buam, Deutschland verliert eine Kriegskünstlerin. Danach kam ja nichts mehr, wie die Leni. Leni maches gut. Das nächste Mal läßt du den Adolf gleich links liegen, schiffst dich nach Amerika ein und drehst in Hollywood deine Streifen. Dann kannst du Kerlen mal zeigen, was Sache ist. Ach und der Marlene darfst du mal eine von mir schmieren, der dummen Büchse. In diesem Sinne |
| Luzifer | @Camouflage jaja, besonders der Gruß an Marlene... ; ) |
| Mahsheed | Leni Rieffenstahl hat ihr Alter gehabt, 101 Jährchen, wer will da klagen (nur der, der schon gern vorher gestorben wäre) Leni war eine Künstlerin, das kann man nicht abstreiten. Ich finde auch eine gute Künstlerin. Was sie inszenierte, wirkte, wie sie es wirken lassen wollte. Es verwundert jedoch nicht, dass ein Nachwort nicht ohne den Verweis auf die Bedenklichkeit ihres Schaffens auskommt. Für mich steht fest, dass sie eine Mitläuferin war. Die Eigenschaft des Mitläufertums gibt es zu jeder Zeit, nicht nur während der Naziära. Und ich hasse es , dieses Mitläufertun, dieses passive Aktivwerden, dieses sich Verstecken hinter den ganz Großen, denen man im Zweifelsfall dann die Verantwortung für das eigene Handeln noch zuschreiben kann ... (Profitiert hat sie aber dennoch sehr gut, mal hinter Hitlers Schultern versteckt mal neben seinen glänzend) |
| Rafael | ich war wirklich geschockt. Sie ist ein Vorbild für mich wegen der folgenden Sache: mit 80ig Jahren noch Tiefseetauchen lernen, um seinen Traum, nämlich Unterwasserfotografien zu machen, zu verwirklichen... das ist bewundernswert. Ich wünschte, ich kann so etwas auch verwirklichen. Fuck die Umstände, ich tue, was ich will. Ich kenne leider kaum ihre Biografie, ausser dem Allgemeinwissen. Wünsche ihr alles Gute, wo auch immer sie nun ist. |
| Great White Death | [IMG]http://www.greatwhitedeath.com/foto/tot/kerze2.jpg[/IMG] |
| LaChatte | Ich geh mal zurück zum Thema.... darf ich? Ich finde die Riefenstahl auf alle Fälle eine sehr beeindruckende Person - ehrgeizig und künstlerisch begabt. Offenbar hat sie schon als Kind gesagt "ich will berühmt werden!" Und das hat sie ja nun auch geschafft... Andererseits war sie auch völlig skrupellos - ihr war klar, was in Naziland abging, viele der Helfer in ihren Filmen waren Zwangsarbeiter, deren Schicksal ihr dann auch völlig egal war... Sie weckt in mir zwiespältige Gefühle, die zwischen Bewunderung und Ekel schwanken... Und die Frage, die ihr Leben aufruft: Was hat Ästhetik mit Moral zu tun? ist wohl eine, die nie endgültig beantwortet werden kann. Riefenstahl hat ihre Antwort gefunden, und diese Antwort wirklich konsequent gelebt... |
| Nachtelbin | [QUOTE][i]Original geschrieben von LaChatte [/i] [B] Sie weckt in mir zwiespältige Gefühle, die zwischen Bewunderung und Ekel schwanken... [/B][/QUOTE] Dem schliesse ich mich an, es ist wohl sehr passend ausgedrückt. Zudem ist sie für mich eine Person, von der ich absolut nicht weiss, wie ich sie einschätzen soll. D.h, ich weiss nicht, ob und was von ihr geglaubt wird. ehrlich und wahr gemeint ist, was sie bezüglich ihrer Vergangenheit sagt. Ich habe gestern zufällig eine Kurz-Doku gesehen (ich wusste auch nicht, dass sie überhaupt noch lebte), die Ausschnitte aus zwei Interviews zeigte. In einem erzählte sie aus ihrem Leben..sie wirkte sehr berechnend und profilierend auf mich - was ja in interwievs meist zweck des selben ist, die Selbstdarstellung. Trotzdem kam es bei ihr so deutlich rüber, dass es sie sehr unsymphatisch wirken liess.. ..sie gab an, den Triumph des Willens zu Zeiten gedreht zu haben, in denen sie Hitlers Entwicklung noch nicht einschätzen konnte - dabei verwundert mich allerdings, dass sie dann ihren Film genau in das von den NS gewollte Licht rücken konnte, die Propaganda so unterstützen konnte durch ihre Bilder. Die unkenntniss der Intention der NS schliesst für mich aus, dass sie diesen Film mit dieser Wirkung drehen konnte... Sie hat sich in einem anschliessenden Interwievausschnitt extrem gegen die Nazi-Schublade verteidigt, war sehr aufgebracht, hat immer wieder betont, dass sie keine Schuld an dem ganzen hatte, im Prinzip wirkte es so, als wolle sie mit Hitler und "seinem Deutschland" überhaupt nichts zu tun haben. Was ja nicht der Fall war, sie hat aktiv an der Propagande mitgewirkt, und anscheinend Hitler auch bestärkt, da sie ihm einen Lobesbrief ob seiner Machtgewinnung geschrieben hatte. Sie ist für mich eine sehr Widersprüchliche Person..was zum Teil auch an obigen Widersprüchen liegen mag (sie könnte ja eigentlich auch durch das Alter entstanden sein, durch verwaschene Erinnerungen, ich weiss es nicht) aber zum anderen auch daran, dass ich sie für rücksichtslos halte, da sie um ihre Ziele zu erreichen über Leichen ging. Andererseits hat sie durchaus etwas erreicht, nicht wenig, hat ihre Ziele durchgesetzt, trotzdem wirkt auf mich alles so hart und emotionslos, was sie so von sich gab. |
| Rücksitzpunk | @thread-thema: ich denke, das lachatte und die nachtelbin ganz gut meine meinung zu leni riefenstahl beschrieben haben. grosse künstlerin mit fragwürdiger moral. @thread-verlauf: bestimmte sachen ändern sich halt nicht. das kann jetzt jede/r gerne interpretieren, wie sie oder er will. |
| Luzifer | Leni war "Löwe" von Sternzeichen, die sind in ihrer Sicht immer "die Größten" und üben ungern Selbstkritik. Das dürfte ihr umso schwerer gefallen sein, als ihr in den 30ger Jahren ja internationaler Ruhm zuteil wurde, so hat sie einen hochdotierten Filmpreis für "Olympia" aus Frankreich erhalten. Letztlich ist sie konsequent ihren Weg gegangen. Bedenklich fände ich es , wenn sie erst unter den Nazis zu Ansehen gekommen wäre, aber sie war schon vorher eine Ausnahmeregisseurin, -tänzerin, -sportlerin und ist aufgrund ihrer Fähigkeiten gebeten worden, diese Filme zu machen. |
| Camouflage | N'Abend Kinder. Ich stimme der Nachtelbin stark zu. Wenn man Interviews mit Lenilein gesehen hat, diese blonden Haare, dieses ewige Lächeln, diese großen Verdienste (einer alten Zeit), man kann die Frau doch einfach nicht nicht mögen? Na klar kann man das. Ist ja im Alltag nicht anders. Es ist bedauerlich, dass sie Verbissenheit, Machtbedürfnisse und das Rampenlicht mit allen Mitteln, die man sich damals wohl als Hitlerliebchen erschleichen konnte, benutzt hat. Es ging ihr um die Kunst, ihre Kunst. Hitler wollte dies, Goebbels jenes. Natürlich hat sie bis heute vieles verdrängt, was man ihr anlastete. Ist ja auch nicht schön, wenn man mal die Nummer Eins war und dann kommt nichts mehr. In Erinnerungen schwelgen, nur die guten Seiten und Sachen erwähnen und jede Form von Kritik abtun, sind halt eben die Markenzeichen von Ich-bezogenen Menschen und Träumern. Machen wir ja schließlich alle mal gerne, oder? Die Leni hat es eben übertrieben. Da muss man eben auch nach dem Tod sagen dürfen, dass sie sich da ein Ding geleistet hat, was in meinen Augen die Kunst ihrer Filme nicht ausbeult. Auch in der Kunst ist das Geschöpf unantastbar und frei jedweder Unterdrückung. Leni hat das nicht interessiert. Einfach davon lernen und kritisch bleiben. So, ich gehe jetzt ins Bett. Salut |