| Mahsheed | Manchmal muss ich durch diese Eingangstür, da liegt er und schläft. Er kommt wohl am Abend und schläft bis zum Morgen. Wenn man vorbei geht, zuckt er erschreckt. Er trinkt keinen Alkohol, wie man vermuten könnte. Er wirkt auf mich, als wenn er sich wie ein Abfallbündel fühlen würde. Er ist noch gar nicht alt, zählt sicher nicht mal vierzig Jahre. Und es gibt eine Anzahl von ihnen, eine große. Er ist obdachlos und geniert sich sehr, das zu sein. Ich habe ihn beobachtet, wenn er in diesen Eingangsbereich gehen möchte, tut er so, als wolle er jemanden besuchen und wartet, Name für Name mit dem Finger lesend, vor den ganzen Knöpfen ... Es gibt Menschen, die haben keinen Fetzen mehr Eigentum als er, und diese schaffen es, in einer Wohnung zu leben. Sich vielleicht aufzurappeln und nach einer - wenigstens kleinen - Arbeit zu suchen. Ich glaube, es gibt Menschen, die [I]können [/I] das nicht. Die sind unfähig, die Behörden aufzusuchen, die wissen gar nicht, wo sie sich hinwenden müssten. Die haben keine Energie und sehr viel Scham, jemanden danach zu fragen. Es gibt Menschen, die können nicht ohne Hilfe solche Formulare ausfüllen. Vielleicht sind ihnen sämtliche benötigten Unterlagen abhanden gekommen,und sie schaffens es aus eigenem Antrieb nicht, sich erst diese zu besorgen und dann die anderen Anträge auszufüllen. Was passiert mit den ehemaligen Schülern aus Schulen für Lernbehinderte, wenn deren Angehörige nicht da oder greifbar sind. Sie haben nicht das Prädikat "geistigbehindert", dann könnten sie ja wenigstens noch in Behintertenwerkstätten unterkommen, für sie wäre gesorgt. Was passiert mit diesen "letzten" Kindern? Und es ist eine Tatsäche , dass es Menschen gibt, die psychisch hervorgerufen unter einer Antriebsschwäche leiden, die sämtliche Fristen verstreichen lassen, weil sie sich wie angebunden, wie gefesselt fühlen. Für sie gibt es kein Attest, niemand wird Gnade für sie finden. Dabei sind sie einfach nicht [I]fähig[/I] ohne Hilfe zu leben. Wen kümmern diese "letzten" Kinder? Sind sie dazu geboren, um auf diese Weise ihr Dasein zu fristen? Von einer Ecke in die andere gestaucht? Voreilig verurteilt als arbeitsscheu oder faul, notgedrungen zum Stehlen oder Betrügen gezwungen. Wie muss ein Leben sein, wenn man so weit runter gesunken ist, total isoliert und immer nur ein Schattendasein führend ... |
| Menedemos | Du sprichst da ein großes, bislang kaum ausformuliertes Problem an und bringst es mit die "Letzten Kinder" genau auf den Punkt. Ich weiß dem auch weiter nichts hinzuzufügen. Man kann ihnen ja keinerlei Vorwurf machen, niemand bleibt gerne und absichtlich ein Kind. Sie sind vielleicht die ärmsten Schweine, weil sie keine Chance haben und trotzdem (fast) jeder sagt: "Die könnten doch, wenn sie nur wollten." Doch sie können eben nicht... |
| SchwarzePest | [QUOTE][i]Original geschrieben von Mahsheed [/i] [B] Dabei sind sie einfach nicht [I]fähig[/I] ohne Hilfe zu leben. Wen kümmern diese "letzten" Kinder? [/B][/QUOTE] Einer muß den Anfang machen... Es gibt nichts Gutes ausser man tut es. |
| Mahsheed | Ich tue, was ich kann. |
| Mahsheed | Und ich weiß nicht, was dein Beitrag soll ... Vielleicht soll er aussagen, dass man nicht kritisieren oder dass man traurige Tatsachen nicht darstellen darf, wenn man selbst nichts ändert. Da sind einige Denkfehler drin: 1. Man darf äußern was man will. 2. Auch, wenn man nicht die Kraft hat, etwas daran zu ändern. 3. Sogar, wenn man nicht mal versucht hat, was daran zu ändern. 4. Weißt du gar nicht, ob ich schon etwas getan habe oder tue. |
| LaChatte | Und gerade mit der heutigen Sozial-Kürzungs-Manie ist leider zu befürchten, dass es immer mehr von diesen Leuten geben wird... Sehr traurig, dass es das im reichen Westeuropa geben muss.:( |
| AsheCorven | Jemand sagte mir Vor Jahren: "Du kannst die Welt nicht retten!" und heute weis ich was er meinte ... |
| Michaela | Grüß Dich Mahsheed, wie ein solches Leben sein muss ? Ich denke das könnten nur sie selbst beantworten und vermutlich wären die Beschreibungen zwar in den Einzelheiten sehr verschieden, im "großen Darüber" aber erschreckend gleich. Du selbst beschreibst es ja bereits, Scham, gefesselt sein, wohl auch sehr einsam, sehr hart am Limit des Überlebens. Eigentlich kämpfen sie härter als wir alle, die wir uns im Winter an eine Heizung kuscheln und unsere Tasse heissen Tee genießen können. Und doch sind sie "durchgefallen" aus welchen Gründen auch immer aus dem sozialen Netz herausgefallen. Viele von ihnen ertragen es nur mit Alkohol und, ehrlich gesagt, irgendwie kann ich das verstehen. Was mich persönlich traurig stimmt ist das System, welches zwar einerseits unbestreitbar Sicherheit bietet, andereseits aber, einen Einstieg zurück in die Normalität sehr schwierig macht. Bist Du erstmal auf der Strasse, kannst Du Dir zwar täglich Deine paar Euro vom Sozialamt holen, aber einen Platz im Obdachlosenheim (bzw. betreutes Wohnen oder Notunterkunft) zu bekommen und somit eine Meldeadresse die zwingend notwendig ist um Arbeit zu finden, sei es auch eine "niedere Tätigkeit", gleicht einem Sechser im Lotto. Dabei sind es allzu oft nicht einmal die Menschen mit niederem Bildungsgrad die auf der Strasse landen, sondern sehr oft "Scheidungsopfer" oder Menschen die einfach durch eine Krise den Boden verloren haben. Darunter sind ehemalige Ärzte, Architekten, studierte Menschen die einst einen hohen sozialen Standard hatten. Nach nur drei Jahren Strasse, exzessivem Alkoholkonsum und ständigem Kampf mit bedingten Krankheiten (z.B. Lungenentzündung / chronisches Bronchitis / sehr häufig bei Obdachlosen) erkennt man diese Leute nicht mehr wieder. Auch erschreckend, versteckte Obdachlosigkeit. Sehr häufig, mir bekannt aus dem Rotlichtmilieu. Frauen wohnen in den Bordellen, tingeln von Club zu Club und sind auf die "Gnade" des Chefs angewiesen, dass dieser sie nicht im Winter um vier Uhr früh des Hauses verweist da sich ein Kunde beschwert hat. Dies habe ich auch mit ansehen müssen ... Menschen die bei Freunden leben und nur hoffen können ... Es sind viele, sehr viele und ich glaube fast alle sind sehr traurige Menschen. Damit beginnt es wohl, dieses nach und nach nicht mehr können. Und natürlich auch aus den von Dir angeführten Gründen ... Der Freude vergessene Kinder ... Aber, wie alles zwei Seiten hat, so auch dies. Es gibt ja durchaus ambitionierte Menschen die sich, oft ehrenamtlich, sehr engagieren. Es gibt soziale Dienste, psychologische Notdienste,die Tafeln, Suppenküchen, Ärztewagen und sogar Tierärzte die die Hunde der Obdachlosen betreuen. Leider steht eine geringere Zahl an Helfern, einer stetig wachsenden Zahl der Bedürftigen gegenüber. Aber wie Ashe sagt, Du kannst die Welt nicht ändern. Nun ja ... vielleicht ein klein wenig, aber nicht alles ... Grüße Michaela |
| Mahsheed | [B]Nach nur drei Jahren Strasse, exzessivem Alkoholkonsum und ständigem Kampf mit bedingten Krankheiten (z.B. Lungenentzündung / chronisches Bronchitis / sehr häufig bei Obdachlosen) erkennt man diese Leute nicht mehr wieder.[/B] Du könntest sogar verstehen, wenn man in dieser Situation zu Alkohl greift, sagtest du. Ja, denke ich mir, was soll man anderes tun, wenn einem kalt ist. So kalt, dass man schwer einschlafen kann, wenn man nicht gerade das Glück hat, eine Unterkunft gefunden zu haben. Alkohol ist bekannt dafür, die Schmerztoleranz zu erhöhen, vielleicht erlischt Alkohol sogar den Schmerz völlig. Und dazu kommt, dass sie sich mit diesem Alkohol vielleicht trösten, denn im Moment, wo man ihn trinkt, leidet man sicher weniger stark unter dem Gefühl, der absolute Versager zu sein. Als der man sich fühlt, jeden Tag bestätigt durch beinahe alle Menschen, die man trifft. Ganz schlimm ist es dann, wenn man sich völlig aufgegeben hat; wenn man nicht mehr versucht, sich in den Friedhofs-, Bahnhofs- und anderen Toiletten zu waschen, um unauffällig zu bleiben, oder wenn das Geld nun auch nicht mehr dazu reicht, neue Kleidung zu kaufen ... Denn wo sollte man die Wechselsachen auch hintun, einen Kleiderschrank besitzt man sicherlich nicht; und trägt man sie dann nicht ständig bei sich, werden sie in Obdachlosenunterkünften wahrscheinlich vom Gleichbetroffenen gestohlen. Das ist ein weiteres Phänomen. Das Stehlen, das Betrügen um zu überleben. Der Kampf ums Überleben ist so hart geworden; und weil er sich nicht hauptsächlich über das Geld bestreiten lässt, das hinten und vorne nicht reicht, greifen manche zu anderen Mitteln. Mitmenschen werden berechnet, das Auge lernt geschult, die Gutmütigen rauszusuchen, denn diese können besser einiger freiwilligen oder weniger freiwilligen Spenden entledigt werden. Nach einiger Zeit zählt auch nicht mehr, ob der Betrogene reicher als man selbst war. Selbst die, die mit dem gleichen Schicksal bestraft sind, berauben einander der letzten Habseligkeiten. Die Welt wird zu einem Ort, an dem es kein Vertrauen mehr gibt. Paranoia wird der beste Freund. Und nach drei Jahren in diesem Wahnsinn, ist das Ego an seine letzten Grenzen geraten, das muss unweigerlich Spuren hinterlassen. Vielleicht ist man sogar irreparabel geschädigt. Ich stelle mir die Erfahrungen dieser Menschen als ein Anblick des Grauens vor. Sie haben etwas schlimmerem als dem Tod in die Augen geschaut. Drei Jahre lang gedemütigt ... Ich denke an das, was du über versteckte Obdachlosigkeit schriebst, an die Schicksale derer, die auf die Gunst anderer angewiesen sind, um im Winter nicht auf die Straße geschickt zu werden. Das Schlimme ist, dass die Menschen, von denen diese Gunst abhängig ist, von dieser Abhängigkeit wissen. Und sicherlich gerade im Rotlichtmillieu wird es sich dabei um keine Menschen handeln, die die Größe hätten, dies nicht auszunutzen. Was wird mancher Mensch schon geschluckt haben müssen. (Widerwärtige Zweideutigkeit), und wie kaputt muss man sich machen, damit man das noch weiter aushalten kann. Ich denke, dass einige dabei ihr Selbst bewusst zerstören, sodass keiner mehr an sie heran kommt, keiner wird mehr den Zugang zu ihrem Selbst haben werden, denn wäre dieser zugänglich, würde dieses Selbst unmöglich machen, zu überleben. Um des Lebens Willen verzichten sie auf sich, auf ihr Selbst. Und so sind sie denn nach drei Jahren in dieser Hölle ein ganz neuer Mensch. Eine Art untergangsgewisses Tier, dass halb ängstlich, halb zur Verteidigung ausholend, in den Schatten der Häuserwände verborgen, seinen Überlebenskampf fristet. Das Schlimme ist, dass viele Menschen (in Deutschland), denen es nicht so ergeht, nicht erahnen, dass sie durch unglückliche Umstände auch in so eine Situation geraten können. Oder dass es einige befürchten und gerade deshalb dieses Leid als existierend am liebsten verleugnen, gar nicht ansprechen wollen. Und was noch mehr Menschen nicht erahnen ist, dass sie sich, in diese Situation geraten, genauso verhalten müssten. Ich muss daran denken, dass einige Bahnhöfe mit klassischer Musik beschallt wurden, weil man sich tatsächlich damit versprach, Obdachlose zu vertreiben. Das mag man sich auf der Zunge zergehen lassen ... Was mache ich hier? Klage ich an? Nein, nicht die Menschen. Ihr Verhalten ist doch "normal". Sie haben Angst, und manchmal gewiss nicht mal zu Unrecht, denn um ihren Besitz müssen sie ab und an sicher berechtigt fürchten, ließen sie sich auf einem Obdachlosen ein. Tausend Gerüche - nein Gestänke - vertreiben sie. Ich beobachte nur und ich wünschte mir, dass wenigstens keine Verachtung für diese letzten Kinder da wäre. Respekt vor einer Lebensform, die sich nur auf diese Weise behaupten kann. Und die Einsicht darin, dass diese Armut etwas ist, was dieser Staat zulässt, wenn nicht sogar, hervorgerufen hat. Ich denke auch, dass es leichter ist, in Indien zu hungern als hier. Dort ist es nämlich normal, dass es Arme gibt. Das Selbst braucht sich also nicht verleugnen. Und die größte Not, die man erleidet, ist meiner Meinung nach nicht die körperliche, sondern die seelische. |
| Mahsheed | Wenn ich das hier lese, wird mir bewusst, dass unser Staatssystem, unser Gesellschaftssystem bei einem grundlegendem Wandel, einer totalen Änderung einer ähnlichen Kritik verfallen könnte, wie sie heute über die Nazis betrieben wird. Wir kommen sicherlich auch nicht rosig davon, und vielleicht werden die Kinder der künftigen Generationen fragen: Warum haben die Menschen das damals einfach so mitgemacht? [url]http://www.lichter-der-grossstadt.de/html-Dokumente/Aktuelles/Bahnhof-Olaf.htm[/url] |
| Michaela | Grüß Dich Mahsheed, ja die liebe Verdrängungspolitik die betrieben wird, oder auch einfach, "Kopf in den Sand". Die soziale Schere klafft weiter auseinander, der Wind wird allgemein rauher und es wird zur Gretchenfrage wieviel Sozialität sich Deutschland, Europa und ein jeder einzelne noch leisten kann. Es geht uns nicht mehr gut genug um großzügig zu sein ... Denn was Du da beschreibst Mahsheed ist längst nicht auf die Obdachlosen begrenzt, es beginnt in alle Bereiche unseres Seins überzugreifen, dieses, "auf sich selbst verzichten müssen um zu überleben, oder auch, zu funktionieren". Und funktionieren muss man zwingend, in dieser, unserer Ordnung, sonst landet man nämlich genau da, wo der jetzt sitzt, den man so geflissentlich übersehen will. Elend ist nicht mehr "in", es wird als belästigend empfunden in der eigenen Bestrebung seine Welt "heil" zu halten. Schließlich knüppelt man hart für die paar Kröten die es einem ermöglichen dem Konsumrausch zu fröhnen, da will man keine "Penner" in seiner Glitzerwelt, die für ein paar Stunden Entspannung verspricht. ---->Schnitt<--- Ich nehm den jetzt mal ... "Auf sich selbst verzichten" Nun ja, tun das nicht sowieso die Meisten ? Nun gut, viele versuchen sich, so sie die Chance haben, irgendwann einmal wiederzufinden. Irren durch ihre leeren Innenwelten und finden nur Überlebensmechanismen die sie quälen. Eine ganze Generation auf der Suche nach sich selbst. Wenn man die Grudzüge dieses Überlebenskampfes einmal von äusseren Umständen abtrennt, so findet sich dieses Verhalten quer durch alle Gesellschaftschichten. Vielleicht eine Antwort auf die Frage warum viele auf die Schwächsten so herabsehen und versuchen sie aus ihrem Gesichtsfeld zu entfernen. Im Grunde, in ihrem tiefsten Innern, wissen sie, dass es ihnen seelisch nicht besser ergeht und auch sie dort landen könnten. Natürlich will man das nicht sehen, kämpft mit Klauen und Zähnen und hält sich vielleicht noch für stärker, da man eben noch nicht soweit gesunken ist, obwohl man doch den Grund ebenso hätte. Denn, wieviele sind traurig und unzufrieden mit ihrem Leben ? Wieviele empfinden den Alltag als Druck und Belastung ? Dadurch entsteht doch erst die "Jeder ist sich selbst der Nächste"- Mentalität. Sind diese Ignoranten böse ? Ich denke sie sind in ihren Grudzügen so wenig böse, wie es die Obdachlosen sind, oder die Junkies, die sich bestehlen, belügen und verraten um zu überleben. Böses tun (was der Bewertung unterliegt) und böse sein, im tiefsten Innern, sind zwei paar Schuhe. Jeder versucht zu leben, zu überleben, den Ast auf dem er /sie sitzt zu erhalten und ich finde das verständlich. Elend zu sehen, es ertragen zu können es zu erfassen und dann vielleicht noch zu helfen, ist nicht einfach. Nicht umsonst wurden Begriffe wie "Burnout-Syndrom" geprägt ... --------->schnitt<-------- Was ich nun sah in meinem Leben war sehr viel Dekadenz und das schamlose Ausnutzen und Taktieren mit den Schwächen der "Unterlegenen". Auch ich selbst wurde ein guter Taktiker im Zuge dieses Lebens, denn meiner Empfindung nach hatte ich zu diesem Zeitpunkt keine Wahl. Und es stimmt, ich konnte es mir nicht leisten zu Fühlen oder mich zu hinterfragen, dass wäre zum damaligen Zeitpunkt einem Todesurteil gleichgekommen. Denn niemand ausser mir hätte sich dort wo ich lebte verletzlich gemacht und hätte ich es getan, ich wäre auch verletzt worden, bzw. ich hätte mir auch ein Schild umhängen können, "Benutze mich für was Du willst". Das wurde ohnehin ständig versucht. Nein, "Größe" oder "Herz" wie es im Milieu genannt wird, hatte keiner von diesen Leuten die die Schwäche und die Abhängingkeiten der Frauen ausnutzten. Aber auch diese augenscheinlichen Täter, sind in ihrer Art Opfer. Denn dort hinzukommen, so zu werden, auch dies verlangt einer Geschichte und die gibt es so gut wie immer. Und so schließt sich ein Kreis, einer den es wohl immer schon gab und immer geben wird. Manche nennen das Selektion ... so bitter das klingt, so wahr ist es. Ich denke nicht das es in Indien einfacher ist zu Hungern, Hunger ist Hunger und auch dort ist es ein Kampf. Vielleicht ein anderer, aber auch diese Menschen können sich kein Leben in Selbstbestimmung und Stolz erlauben. Es liegt nicht an unserer Gesellschaft, es liegt in der Natur des Menschen und genau darum wird es sich nie ändern. Es wird sie wohl immer geben, die, die es nicht schaffen, aus welchen Gründen auch immer. --->Und da man es nicht ändern kann, nicht im großen Stil, bleibt in dieser Hilflosigkeit oft nur das Wegsehen. Denn sieht man es ständig an, nun, vielleicht wird man selbst derartig desillusioniert und traurig, dass man ebenfalls dort landet und damit ist nun wirklich niemandem geholfen. Achtung vor diesen Menschen ? Nun, um Achtung vor den Schwächsten zu haben, muss man erst einmal das Leben und die Menschen generell achten und auch sich selbst als Mensch Achtung entgegenbringen. Wieviele kennst Du die das können ? Gruß Michaela |
| Mahsheed | [i]Original geschrieben von Michaela [/i] "Ich nehm den jetzt mal ... "Auf sich selbst verzichten" Nun ja, tun das nicht sowieso die Meisten ? Nun gut, viele versuchen sich, so sie die Chance haben, irgendwann einmal wiederzufinden. Irren durch ihre leeren Innenwelten und finden nur Überlebensmechanismen die sie quälen. Eine ganze Generation auf der Suche nach sich selbst. Wenn man die Grudzüge dieses Überlebenskampfes einmal von äusseren Umständen abtrennt, so findet sich dieses Verhalten quer durch alle Gesellschaftschichten. " Das ist richtig, die Gesellschaft macht (viele) krank. Irgendwer hier im Baord brachte es mal auf den Punkt, indem er sagte, was hier läuft, sei Psychoterror. Dass die Psychotherapie so auflebt, wie nie innerhalb der letzten Jahre, könnte ganau damit zu tun haben. Irgendwo machen das alle, dennoch wird es ein Unterschied für das Selbst sein, drei Jahre in der "Normalität" zu leben, und drei Jahre permanent stigmatisiert, ausgegrenzt zu werden, täglich Äußerungen, Blicke und Antworten auf jede Geste zu empfangen, die erkennbar machen, als Abschaum, als lebensunwert, als störender Dreck empfunden zu werden. "Vielleicht eine Antwort auf die Frage warum viele auf die Schwächsten so herabsehen und versuchen sie aus ihrem Gesichtsfeld zu entfernen. Im Grunde, in ihrem tiefsten Innern, wissen sie, dass es ihnen seelisch nicht besser ergeht und auch sie dort landen könnten. Natürlich will man das nicht sehen, kämpft mit Klauen und Zähnen und hält sich vielleicht noch für stärker, da man eben noch nicht soweit gesunken ist, obwohl man doch den Grund ebenso hätte. Denn, wieviele sind traurig und unzufrieden mit ihrem Leben ? Wieviele empfinden den Alltag als Druck und Belastung ? Dadurch entsteht doch erst die "Jeder ist sich selbst der Nächste"- Mentalität." Das bestimmt. Mir fällt noch ein, dass ein weiterer Grund darin liegen könnte, dass man selbst mit dem "Überleben" zu kämpfen hat und seine wenigen psychischen Kraftreserven nicht an Fremde, wen auch immer, verteilen kann ... "Sind diese Ignoranten böse ? Ich denke sie sind in ihren Grudzügen so wenig böse, wie es die Obdachlosen sind, oder die Junkies, die sich bestehlen, belügen und verraten um zu überleben. Böses tun (was der Bewertung unterliegt) und böse sein, im tiefsten Innern, sind zwei paar Schuhe. Jeder versucht zu leben, zu überleben, den Ast auf dem er /sie sitzt zu erhalten und ich finde das verständlich. Elend zu sehen, es ertragen zu können es zu erfassen und dann vielleicht noch zu helfen, ist nicht einfach. Nicht umsonst wurden Begriffe wie "Burnout-Syndrom" geprägt ..." Böse sein ... Nein, böse ist, wer sich perfide Mechanismen einfallen lässt, um diese Ärmsten zu schikanieren. Den Bahnhof mit klassischer Musik zu beschallen an sich ist noch nicht böse, aber die Intention dahinter, damit diese Leute vertreiben zu wollen, finde ich böse, schon allein die Unterstellung, diese Armen müssen auf klassische Musik allergisch reagieren, weil diese nur den Feinen ein Wohl im Ohr ist. Das Verhalten von den Menschen, die Reaktionen auf diese Armut kann ich nicht als böse verurteilen. Es ist "normal", wie wir sind, wir werden so geprägt. Wir lernen es nicht anders. Uns erscheint, das, was wir sehen, als richtig. So sieht eben die Realität aus, wir können daran nichts ändern ... Und gehen weiter. Und Leute, die verwahrloste Menschen mit Verachtung strafen, sind deshalb nicht automatisch böse, vielleicht fehlt ihnen die Einsicht in Ursache und Wirkung, schlechte Erfahrungen etc. "Manche nennen das Selektion ... so bitter das klingt, so wahr ist es." Wenn es die Möglichkeit für ein System gäbe, das sich über das Prinzip von Selektion, wie sie für das Tierreich üblich ist, erheben könnte, wäre genau ein heller Punkt am Horizont ... "Ich denke nicht das es in Indien einfacher ist zu Hungern, Hunger ist Hunger und auch dort ist es ein Kampf. Vielleicht ein anderer, aber auch diese Menschen können sich kein Leben in Selbstbestimmung und Stolz erlauben." Das war nicht gemeint. Für das Selbst, von dem wir sprachen, ist es einfacher, in Indien zu hungern. Denn dort ist Armut nichts, was mit Abschaum gleichgesetzt wird. Armut ist normal. Das heißt, man erlebt nicht diese Art der Demütigung und die Art der Isolation wie es nur hier möglich ist, sie zu erleben. Körperlich gesehen ist Hunger und Armut gleich Hunger und Armut. "Es liegt nicht an unserer Gesellschaft, es liegt in der Natur des Menschen und genau darum wird es sich nie ändern. Es wird sie wohl immer geben, die, die es nicht schaffen, aus welchen Gründen auch immer. " Ich weiß es nicht ... Ist das wirklich schon des Weisen letzter Stein? In der Geschichte der Menschheit war es schon anders ... Wenn auch leider nur für kurze Augenblicke. Einen "Schwachen" gibt es immer, je nach dem auch, wie man "Schwäche" definiert. Aber der Umgang damit, der ist von Zeit zu Zeit ein anderer. "Denn sieht man es ständig an, nun, vielleicht wird man selbst derartig desillusioniert und traurig, dass man ebenfalls dort landet und damit ist nun wirklich niemandem geholfen." Nun, das denke ich nicht. In der Psychoanalyse bedeutet ein Wegsehen eine Art Abwehrmechanismus, der das Ich daran hindert, zu reifen oder anders ausgedrückt, den Tatsachen ins Auge zu sehen, sich nichts vorzumachen und daraufhin anderes Handeln, einen anderen Umgang mit der Situation anzustreben. "Achtung vor diesen Menschen ? Nun, um Achtung vor den Schwächsten zu haben, muss man erst einmal das Leben und die Menschen generell achten und auch sich selbst als Mensch Achtung entgegenbringen. Wieviele kennst Du die das können ?" Eine große Anzahl. Ich bin nicht nur von Misantrophen umgeben. Ich habe sehr viele "gute" Menschen um mich. Und ich glaube auch, dass in vielen Menschen Gutes steckt. |
| SchwarzePest | [QUOTE][i]Original geschrieben von Mahsheed [/i] [B]Und ich weiß nicht, was dein Beitrag soll ... Vielleicht soll er aussagen, dass man nicht kritisieren oder dass man traurige Tatsachen nicht darstellen darf, wenn man selbst nichts ändert. B][/QUOTE] Es ist zu einem Volkssport geworden, zu kritisieren, traurige Tatsachen darzustellen und selbst nicht zu ändern und anschließend die Frage zu stellen, warum der/die/das sowas zu läst. Aus diesem Grund stehen Taten bei mir höher im Kurs als lange Reden. |
| Mahsheed | Nun denn, schwarze Pest; ich reagiere auch noch neben meinen Worten, handele danach. Dürfen wir jetzt in Ruhe weiter reden? |
| Latona | [QUOTE][i]Original geschrieben von SchwarzePest [/i] [B]Es ist zu einem Volkssport geworden, zu kritisieren, traurige Tatsachen darzustellen und selbst nicht zu ändern und anschließend die Frage zu stellen, warum der/die/das sowas zu läst. Aus diesem Grund stehen Taten bei mir höher im Kurs als lange Reden. [/B][/QUOTE] das ist auch irgendwo ein fehler, denn auch reden hilft etwas, denn es wird an den leuten gerüttelt, die werden aufgeweckt, weil viele das problem nicht kennen oder erkennen (wollen)...soll man da wirklich nur scheigend sein und dasitzen, wieso nicht mal reden und an den menschen rütteln, sie auch wach rütteln...ohne reden gäbe es vieles nichts, damit ist negatives, wie auch positives gemeint... es hilft sowohl reden, als auch taten, denn beides ist wichtig so, das mal dazu komischerweise denken viele, dass das soziale netz einen auffängt, das wird einen in der schule beigebracht, aber wenn ich mir das anschaue, wieviele menschen in den abgründen leben, dann frage ich mich, wo das soziale netz aufgespannt ist?? über denen, die es am wenigsten nötig haben, die eh alles haben, im luxus leben und angst haben, der staat könne ihnen das geld wegnehmen.. irgendwie muss ich auch sagen, dass mich gewisse stellen in dem topich an "planet der affen" erinnern... die menschheit geht zugrunde und irgendwann werden die menschen den roten knopf drücken... |
| Michaela | Grüß Dich Mahsheed, dann bist Du in einer glücklicheren Lage als ich selbst. Es mag daran liegen das sich meine sozialen Kontakte mittlerweile auf familiäre Bindungen (hier wird, was das angeht, massivste Verdrängundpolitik betrieben) oder sehr wenige Freunde (die allerdings die menschlichen Attribute aufweisen um eben hinzusehen) beschränken. Aber das sind, wie gesagt, sehr Wenige ... Zu einer anderen Zeit, als es meinem Mann und mir noch sehr viel schlechter ging und wir selbst sehr kämpfen mussten, da, muss ich gestehen, haben wir es nicht sehen wollen, da wir unsere Kräfte alleinig für den eigenen Kampf brauchten. Und Heute, nun ja, Du verfolgst meinen Thread in den Nebelpfaden glaube ich und, nun ja, ich habe es gesehen, vieles davon, ich war selbst dort ... Heraus kommt man nur, wenn man selbst es will, heißt, Hilfe annehmen will und noch die Kraft dazu hat. Wenn nicht, dann bleibt, so schlimm das ist, nichts als "Elendsverwaltung" und das vor allem und zunehmend, auf private Initiativen hin. Abitionierte Menschen, die den Sinn ihres Lebens nicht selten im Helfen erkennen. Meiner Hochachtung gewiss ... jedoch ich selbst, ich bin derzeitig erst einmal froh den Kopf aus der Schlinge gezogen zu haben und ambitioniert in eine andere Richtung. Daran arbeite ich derzeit noch ... Was nu7n Deinen Verdrängungsmechanismus angeht, ja, mag sein. Aber versuche einmal ein Volk per Kampagne "Zwangszutherapieren", da stösst Du an Deine Grenzen, selbst eine Regierung würde das. Ich bin einmal Deinem Link gefolgt und habe den doch sehr langen Text in Ruhe gelesen. Ich muss sagen, ich verstehe beide Seiten. Denn was nicht vergessen werden sollte, an diesen Orten lassen sich Kleingewerbe nieder. Meint, ein Händler der geliefert ist, verliert er auch nur einige Kunden dadurch, dass vielleicht ein Obdachloser vor seiner Ladentür bettelt und die potentielle Kundschaft einen Bogen macht. Diese Leute kämpfen auch mit dem Finazzamt, dem Würgegriff der Gewerbesteuer, Pacht und Kosten, kämpfen um ihre Existenz und da können sie sich das nicht leisten. Menschlichkeit kann sich manch einer auch schlicht nicht erlauben, nicht im Kapitalismus, nicht in diesem System. Und Sozialismus oder Kommunismus ? Auch nicht praktikabel ... im Feldversuch gescheitert. Alternativen ??? Ich wüsste keine ... Alles hat zwei Seiten ... Michaela |