| assasin | Ich schreibe dir, weil ich endlich abschließen will.Will abschließen mit all dem Schmerz, den Schuldgedanken. Will abschließen mit alle dem, was mich innerlich zerstört. Ich war damals noch zu jung um die Auswirkungen deiner Krankheit zu begreifen. Irgendwann wurde aber auch mir bewusst was es heißt wirklich krank zu sein. Du zogst wieder zu uns nach hause.Wohl weil du die Schmerzen und die Angst nicht länger allein ertragen konntest.Gern hätte ich dir geholfen, doch vermochte weder ich noch jemand anderes dich aus deinem Loch herauszuholen. Als du schließlich in die Klinik gingst wurde mir plötzlich bewusst dass du nie wieder zurückkehren würdest. Du würdest nie wieder abends an meinem Bett sitzen und mich fragen was ich von all den seltsamen Dingen in der Welt halte, du würdest nie wieder einfach nur dasitzen und mich anschauen. Solche Momente gaben mir soviel Kraft.Manchmal wirktest du auf mich wie ein gefallener Engel. Hin- und hergerissen zwischen Stolz und Aufgabe. Oh ja, du warst so stolz! Nie wieder sah ich jemanden mit solch einem Maß an Selbstbeherrschung. Wolltest nie zeigen was du wirklich fühltest.Hast kaum einen an dich rangelassen. Aber ich kannte dich. Ich wusste von all deinen Ängsten, dafür brauchte ich nicht die Hilfe von Worten.Du wolltest so stark sein, wolltest kämpfen. Kämpfen gegen deinen eigenen Körper. Das ich all deine stärke nie wieder erleben sollte, brach mir das Herz aber noch mehr litt meine Seele.Mich befielen immer öfter seltsame, egoistische Gedanken.ICH wollte dich nicht verlieren!ICH hatte Angst! ICH wollte nicht leiden! Diese Erkenntnis meines eigenen grenzenlosen Egoismus fraß mich auf, versetzte mich en einen dunklen Ort, den nur ich kannte. Warum? Warum konnte ich nicht vorbehaltlos an DEINE Ängst denken? An DEINE Gefühle? Ich sah dich ins Auto einsteigen und wegfahren. Nichts besonderes. Keine Tränen, keine großen Verabschiedungen.Ich wusste ja ich würde dich besuchen fahren. Vor der Kliniktür stand ich bestimmt 4 Stunden. Ich bin nie hineingegangen. Ich fürchtete als jemand anderes herauszukommen, fürchtete meine Reaktionen aber mehr als alles fürchtete ich DICH.Ich mir dich vorstellen. Du, der so stark war, lagst in deinem Bett mit all den Kathetern und Schläuchen und warst so kämpferisch.Ich hätte das nicht ausgehalten. 3 Wochen später hattest du all das hinter dir gelassen. Heute möchte ich mich entschuldigen, so wie ich es schon in den unendlich vielen, verzweifelten Gebeten getan habe.Möchte mich dafür entschuldigen, dass ich so schwach war.Zu schwach um dir ein letztes Mal entgegenzutreten. Es gab nie ein Wort des Abschieds. Nie konnte ich dir all das sagen, das ich dir noch so gerne gesagt hätte.Du fühltest dich bestimmt alleingelassen von mir, dachtest wohl mir wäre das alles nicht so wichtig, genau wie alle anderen. Aber alle haben sich geirrt!Mir lag alles daran, dir Lebewohl zu sagen, der Schmerz hatte nur eine Grenze erreicht zu deren Überschreiten mir der Mut fehlte.Feige und schwach war ich, jedoch lässt sich heute nichts mehr ändern. Und weißt du was das Schlimmst ist?Ich weiß nicht, ob ich es heute anders machen könnte....Es gibt heute immer noch Momente, da denke ich du bist im Raum. Wenn ich dann in einsamen Stunden meinen Tränen freien Lauf lasse bekomme ich einen wohligen Schauer auf dem Rücken und ich weiß, dass du immer da sein wirst um mich zu beschützen. Du hast deinen Frieden gefunden, ich hoffe ich komme meinem hierdurch ein kleines Stückchen näher. Verzeih mir, denn ICH kann es nicht. In Liebe, deine Schwester |