| Any Body | [quote]Phoenix-online.de: 3. Teil: Glückspillen Der Absatz an Psychopharmaka boomt. Aber längst nehmen nicht nur Kranke diese Medikamente. Zielgruppe sind auch Menschen mit Stimmungsschwankungen - im Prinzip also jeder. Die Autoren haben sich auf dem Markt umgesehen und nach Wirkungen und Nebenwirkungen der "Glückspillen" gefragt. Die "Happy Pills" basieren auf neuen Erkenntnissen der Neurologie und verführen dazu, schlechte Laune und Stimmungstiefs auf biochemische Stoffwechselprozesse im Gehirn zu reduzieren. Dagegen kann etwas getan werden! Lifestyle Medikamente versprechen das Leben ein bisschen freundlicher und bunter zu machen. Die Nebenwirkungen werden dabei oft außer Acht gelassen.[/quote] Soeben durch Zufall im Fernsehen gesehen... [quote]...Lifestylemedikamente, zu ihnen gehören neben Potenzanregern auch Pillen gegen Depressionen... auf die insbesondere die Aktienhändler an den Börsen der Weltmärkte ihr Auge geworfen haben und den Anlegern entsprechende Gewinne für die kommenden Jahre prognostizieren....[/quote] Hat jemand zufällig diesen Bericht auch gesehen? Falls ja, wie denkt ihr darüber, sind zukünftig Medikamente notwendig, um die eigene Lebensqualität entsprechend kurzfristig zu verändern? Falls dieses Thema für nachtwelten ungeeignet scheint, darf es gern wieder gelöscht werden.... Grüße Any B. |
| ange gardien | Ich habe den Bericht leider nicht gesehen. Ist aber ein weiteres Indiz dafür wie krank unsere Gesellschaft inzwischen schon ist. |
| rainraven | Das wäre etwas, was ich dringend gebrauchen könnte. Aber ich werde sicher keine Medikamente freiwillig nehmen. Und ich bin auch froh, daß ich keine Psychopharmaka (mehr) nehme. Der Gedanke, daß ich schon freiwilig und als Freizeitkick sowas bräuchte, um glücklich zu sein, macht mir Angst. Ich finde es nicht gut, daß der Mensch sich so auf eine von außen steuerbare, leere Hülle reduziert und sich keine Gedanken macht, was er seinem Körper antut. Im Lied "In the year 2525" von Zager und Evans gibt es eine Zeile, die trifft es gut: In the year 3535 Ain't gonna need to tell the truth, tell no lies. Everything you think, do and say, is in the pill you took today. und das soll unsere Zukunfts ein? Alles ist künstlich, auch schon Gefühle? Doch ich las mal wo, daß es in den USA schon an der Tagesordnung ist, den Upper Prozac zu nehmen, den gibt es vermutlich dort im Supermarkt.:( T.R. |
| Kemikaru | Tja, und die einzige Institution die dagegen vorgeht ist Scientology. :rolleyes: Die Welt ist nur voll von Verrückten... |
| more | Das erschreckende daran ist doch, dass es den Menschen zu anstrengend ist auf seinen Körper zu hören und zu lassen, oder zu tun was ihm gut tut. Lieber alles automatisch steuern lassen. Auch unangenehme Gefühle wie Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit müssen einfach sein um das Gleichgewicht der Seele stabil zu halten. Irgenwann sind wir alle nur noch von gefühllosen Klonen umgeben. |
| TwilightSun | das erinnert mich gerade an schöne neue welt...gegen jede gefühlsregung ein bisschen soma und alles ist gut... ich würde nur im allerschlimmsten fall -also wenn ich beispielsweise so starke depressionen hätte, dass ich nicht mehr aufstehen kann/will- zu psychopharmaka greifen, und wahrscheinlich selbst dann nur mit bedenken... einfach so meinen körper mit so einem kram zu belasten, nur um ja niemals schlecht drauf zu sein, nein danke. Ich bin so wie ich bin und meine negativen phasen gehören genauso zu mir wie die zeiten, in denen es mir gut geht. Und eigentlich bin ich ganz froh, dass es so ist, es macht mich als mensch aus, und dagegen will ich nichts tun. Selbst wenn ich mir macnhmal wünsche, dass die depressionen weniger bzw. wniger stark wären, ch würde da nicht mit irgendeinem mitteln nachhelfen wollen. Twi |
| Haevion | Wo kann man die beziehen? ;) |
| roddy | Was ist denn jetzt der Unterschied zwischen diesen "Lifestyle-Medikamenten" und illegalen Drogen? So oder so halt ichs für bedenklich. Ich möchte nicht alles was ich bin aufgeben durch Medikamente und das wäre denke ich die ziemlich direkte Folge, wenn man sich erstmal an die Einnahme gewöhnt. Irgendwie kommen mir da zwei "Zukunftsvisionen" in den Kopf: Entweder die Menschheit wird kontrolliert, weil sie eh nicht mehr mitkriegt, was sie tut (--> Matrix, es muss ja nicht immer ein Roboter sein) oder die Menschheit geht unter, weil jeder im Drogenrausch nichts mehr auf die Reihe bekommt. Auf jeden Fall nichts, was mich anspricht, ich denk schon zweimal drüber nach ehe ich n Schmerzmittel nehm... |
| Mahsheed | Sehr konsequent ... Und wenn der Körper irgendwann nicht mehr kann oder das Geld nicht mehr reicht, fehlt noch die Pille für den schnellen Tod mit Aloe-Vera-Geschmack. |
| Black Reaper | Traurig, dass in dieser Gesellschaft jegliche negativen Gefühle schon so vehement unterdrückt werden, dass nicht mal mehr ansatzweise die Normalität dieser Gefühle (und die Notwenidgkeit für ein gesundes Gleichgewicht akzeptiert wird. Wenn Gefühle schon so unterdrückt werden müssen, ihre Existenz schon fast geleugnet wird, dann bin ich froh, sie zu fühlen... nur um zu wissen, dass ich noch in mehrere Richtungen zu fühlen fähig bin... Und hier entsteht ein Paradoxon... man ist froh, traurig zu sein... |
| Loup de nuit | Salut Odessa, Deinen Ausführungen habe ich nichts mehr hinzuzufügen, möchte aber klar machen, dass ich sehr ähnlich empfinde. Gruß, Loup |
| Darket | Wobei ich dazu auch sagen muss, dass der Einsatz dieser Medikamente selbst bei kranken Personen in einer Form geschieht, die ich nicht immer gutheißen kann. Gerade bei chronischen Depressionen wird den Patienten oft eine Pillenschachtel in die Hand gedrückt und damit hat es sich dann auch. Ein ehemals guter Kumpel von mir ist manisch depressiv und seiner Tagesstimmung kann man, wenn man ihn etwas länger kennt, anmerken welche Pillen er heute geschluckt hat. Und dieser Mensch ist das perfekte Beispiel dafür, dass die Pillen allein niemanden heilen können. Der ist inzwischen so abhängig von den Dingern, dass er ohne kaum noch klar kommt, dennoch weigert er sich seit Jahren eine richtige Therapie zu machen. Seine pillen kriegt er trotzdem und das kann es eigentlich auch nicht sein. |
| hagzissa13 | jaja...Prosac läßt grüßen... Psychopharmaka sind ein Segen für Menschen, die sie wirklich brauchen: Antidepressiva schwerpunktmäßig bei Depressionen/Zwangsstörungen (SSRI's), Neuroleptika schwerpunktmäßig bei Psychosen. Fingen wir jetzt an, darüber zu diskutieren, ob diese Medis auch als "Lifestyle-Medis" unter dem Vorlk verteilt werden sollen, müßten wir über die Gründe diskutieren,warum "normale" Menschen, wie Du und ich, Bedarf daran haben sollten. Der Bedarf kommt meistens aus dem Gedanken heraus, mehr leisten zu wollen/müssen, als wir es tun, ergo: Eine Nebenwirkung der Leistungsgesellschaft. Die Frage, die sich also für mich stellt ist nicht, ob solche Pillen jedem zugänglich gemacht werden sollen, sondern, warum der scheinbare Bedarf so hoch ist. das Problem sind nicht die Pillen, sondern deren Einsatzgebiet. Hagzissa - per aspera ad astra - |
| hagzissa13 | @ Odessa: Aber ganau da liegt für mich der Knackpunkt: Da alle Grundbedürfnisse der Bedürfnispyramide befriedigt sind, krachseln die Leute auf der Spitze rum und da steht: Selbstverwirklichung. Viele definieren sich über die Leistung, die sie bringen, im privaten wie im beruflichen Umfeld. In meinem Studium habe ich viel Mitstudenten erlebt, die ihre Leistung durch Pillen wie Prosac oder sogar Speed, etc. versuchten zu steigern. Hagzissa - per aspera ad astra - |
| Loup de nuit | Im Rahmen unserer geistig ziemlich "flachen" Konsumgesellschaft versucht jeder, der etwas zu verkaufen hat, die Leute zu solchem Verhalten zu veranlassen. In den wenigsten Fällen greifen häusliche und schulische Erziehung entsprechend früh ein um die Kids zu selbstverantwortlichen Erwachsenen zu erziehen, die in der Lage sind sich nicht ausschließlich über Äußerlichkeiten zu definieren. Diese hecheln hinter der Werbung und den Erwachsenen, die ihnen ihr Fehlverhalten vorleben, hinterher und kommen damit logischerweise nicht klar. Die Erfüllung findet sich für jeden an anderer Stelle, doch glaube ich nicht, dass Konsum jemals ein Weg zu ihr ist. Hierin liegt meines Erachtens ein wesentliches Problem, das bisher noch nicht angesprochen wurde. Gruß, Loup |
| Darket | Ilo, Du hast recht, es ist längst nicht alles heilbar, aber die Diagnose "unheilbar" wird meiner Meinung nach viel zu unvorsichtig gestellt. Es ist leichter jemanden mit Pillen ruhig zu stelle als ihn zu einer ernsthaften Behandlung zu überreden und diese dann auch noch durchzuziehen. Man sieht es schon bei der Behandlung von Kindern. Es gibt Schätzungen, die besagen, dass über 50% der Diagnosen von ADS (Hyperaktivität) bei Kindern falsch sind und dass man es nur mit einem etwas aufgeweckteren Kind zu tun hat. Aber anstatt sich dann etwas mehr oder anders mit diesem Kind zu beschäftigen stellt man es mit Psychopharmaka erstmal ruhig. Ich weiß nicht wie es in anderen Fällen läuft, ich denke die Zahlen werden anders sein, aber im Grunde sieht es wahrscheinlich ähnlich aus. |
| Loup de nuit | Gibt es eigentlich irgendwo Untersuchungen über das mengenmäßige Auftreten von ADS vor zehn oder zwanzig Jahren im Vergleich mit der heutigen Zeit? Wäre doch mal interessant nachzuvollziehen ob und inwieweit es sich hierbei um eine Modediagnose handelt bzw. inwieweit die diagnostizierte ADS von der veränderten Umwelt (z.B. aufwachsen vor der Glotze) abhängig ist. Bitte um Korrekturen von Leuten die mehr davon verstehen als ich. Nur so kann man lernen. Diese Frage ist keine böswillige Provokation, sondern begründet sich in mangelndem Wissen. |
| Darket | Ich habe nur mal ne Reportage bei XXP darüber gesehen, da war von einer Studie die Rede, bei der ADS-diagnostizierte Kinder nocheinmal unabhängig von Eltern und Umfeld untersucht wurden, dabei kam heraus, dass die untersuchten Kinder zu etwa 40-50% fehldiagnostiziert wurden. Ich habe keine Ahnung wie glaubwürdig das ist, aber wenn die Zahlen nur ansatzweise stimmen finde ich es schockierend. |
| Loup de nuit | Hmmm, meine Frage entstand daraus, dass ich Kids kenne bei denen das ebenfalls diagnostiziert wurde und sobald die mal den "Auslauf" bekamen, den wir damals hatten waren das echt nette normale Kinder. Nur leider will das niemand wahr haben, sobald solch eine Diagnose steht wird das gesamte Umfeld blind. Wie gesagt: ich bin kaum mit so etwas konfrontiert und kann nur auf seltene Beobachtungen blicken... |
| rainraven | Ich war ein weitgehend glücklicher Mensch, bis meine Lebenssituation, die mobende Chefin, die Arbeit, die ich nicht mochte, die äußeren Umstände, Krankheiten,mein Körper, der Frust über die Willkür und die nicht zu ändernden beschissenen Zustände der Wirtschaft und Politik oder die Pille oder was auch immer einen depressiven Menschen aus mir gemacht haben. Ich habe Hobbies und Freunde und kann mich über vieles freuen, aber ich habe sehr extreme Stimmungsschwankungen und manchmal geht es mir auch anhaltend dreckig, obwohl ich mich selbt in dieser Zeit, wenn ich abgelenkt bin, nicht ganz so schlimm geht, aber weg ist die depressive Stimmung dann trotzdem nicht. Deswegen wandte ich mich an einen Psychiater und Psychatherapeuten und mußte für ein paar Monate auch u.a. Psychopharmaka zu mir nehmen. Ich weiß jetzt nicht, inwiefern die mir geholfen haben, eine glücklichere Stimmung zu bekommen, da ich zu der Zeit auch von der Arbeit befreit war und die Psychotherapie begann und ich insgesamter gelöster war, aber ich war froh, als ich sie wieder absetzen konnte, denn es behagt mir gar nicht, das Gefühl zu haben, die Vorgänge in meinem Körper seien von außen durch Zugabe von Medikamenten, Hormonen oder psychoaktiven Substanzen etc. gesteuert ("die" Pille muß ich halt akzeptieren, es gibt nichts Besseres für mich derzeit.) Eigentlich stehe ich auch dazu, die Höhen und Tiefen meines Lebens voll ausleben zu können und zu dürfen. Natürlich wünscht man sich mehr Höhen, aber dann käme es mir unwirklich und verlogen vor, wenn alles nur schön wäre. Ich weiß, es gab mal so eine Zeit, da war wirklich fast alles wie aus einem Bilderbuch in meinem Leben, und das hat mir voll Angst gemacht, weil ich immer irgendwo das dicke Ende vermutete. Man lernt die guten Seiten erst zu schätzen, wenn man auch die schlechten kennt. Schlimm finde ich es nur, daß das Negative, das Sich-schlecht-Fühlen nicht in der Gesellschaft akzeptiert wird. Wenn man fragt "Wie gehts?" erwartet man eigentlich gar keine (wahre)Antwort wie "Schlecht!" oder "Meine Frau hat mich verlassen, mein Hund ist gestorben, meine Firma hat mich rausgeschmissen und der Keller steht unter Wasser". Und man darf öffentlich und in der Arbeit nicht zeigen, daß es einem mies geht, weil das unhöflich ist und den Gegenüber "belästigt" oder nervt. Weil jeder erwartet, daß man selbst und das System funktioniert. Seinen Geräten mutet man auch keinen "schlechten Tag" zu, man ärgert sich auch, wenn das Auto mal nicht wie gewohnt anspringt. So hat auch der Arbeitnehmer und Mensch in der Gesellschaft jederzeit zu funktionieren. Egal, ob selbstbestimmt oder mit chemischer Hilfe. Das belastet mich sehr, denn ich kann meine Gefühle schlecht verbergen. Ich breche auch schon oft in der Öffentlichkeit in Tränen aus oder habe Wutanfälle und mache mich damit lächerlich oder falle peinlich auf. Es ist bedauerlich, daß man das nicht einem menschlichen Wesen zugesteht und dafür kein Verständnis hat. Denn "schwache" Elemente wie ich fallen damit aus der Reihe und somit aus dem Konkurrenzkampf und können sich nicht behaupten und es anscheinend nicht weit bringen heutzutage.:( :( T.R. |
| Loup de nuit | Danke Odessa - ich werde geduldig warten... @Rainraven Du stehst nicht alleine da. Dies sei Dir und mir ein Trost. Gruß, Loup |
| Any Body | ... was mich an diesem bericht insgesamt etwas erschütterte, war die tatsache, wie direkt prognostiziert wurde, wo die gesellschaft in den nächsten jahren stehen wird, und dass diejenigen, die an der börse tätig sind, diese umstände mit ins kalkül ziehen um den wert einer aktie zu bemessen... ... die schwächen derjenigen, die mit dem leistungsdruck, und sei es nur die sicherung der existenzgrundlage betreffend, fertig werden müssen, wird an den börsen der welt als faktor für einen gewinnanstieg eines unternehmens gewertet... welches sich möglicherweise einmal zur aufgabe machte, menschen zu helfen, denen es schlecht geht... |
| roddy | [QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i] [B]Fingen wir jetzt an, darüber zu diskutieren, ob diese Medis auch als "Lifestyle-Medis" unter dem Vorlk verteilt werden sollen, müßten wir über die Gründe diskutieren,warum "normale" Menschen, wie Du und ich, Bedarf daran haben sollten. Der Bedarf kommt meistens aus dem Gedanken heraus, mehr leisten zu wollen/müssen, als wir es tun, ergo: Eine Nebenwirkung der Leistungsgesellschaft.[/B][/QUOTE] Halte ich für eine interessante Frage. Mir käme nur spontan erstmal eine andere Erklärung in den Sinn: Die meisten Menschen wollen dass es ihnen SCHNELL gut geht und sehen nicht, dass es ihnen am Ende eines Leidensweg vielleicht noch besser gehen könnte. Hat das etwas mit der Leistungsgesellschaft zu tun? Oder eher mit der Erziehung (die natürlich von der Leistungsgesellschaft beeinflusst ist)? *einfachmalzurdiskussionstell* |
| Loup de nuit | Hallo Ihr Lieben, erstmal Dank für Eure Mühen. Immerhin scheint es ja Ansätze zum Zweifeln zu geben und ich versuche immer darauf zu hoffen, dass Menschen denen Zweifel kommen weiter recherchieren. So etwas geht natürlich am besten von diesbezüglich geschulten Zweiflern. Für andere wäre der Rechercheaufwand vermutlich unermesslich und dann kommen oft genug schlecht aufgearbeitete Hetzreportagen heraus, die wiederum die "Normal"-Bevölkerung für solch brisante Themen noch mehr abstumpfen lassen. Haaaaaaaa, ich hasse diese Teufelskreise. :mad: :mad: So, habe noch viel zu schaffen heute. Verbeug Loup |