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  Forum: DIES und DAS
    Thema: Psychiatrische Berufe
firebladeDa es hier einige Leute gibt, die in einer Psychiatrischen Anstalt arbeiten, ich aber noch keinen passenden Thread gefunden habe, wollte ich mal Nachfragen, was für Berufe man in einer Psy ausüben kann. Welche Möglichkeiten gibt es dort mal hineinzuschauen, um einmal einen Eindruck von diesen Berufszweigen zu bekommen (Ferienjob, Praktikum etc.?)?
Welche Möglichkeiten der Ausbildung gibt es?
Kann mir wer Bücher über dieses Thema empfehlen?
Wie seit ihr auf die Idee gekommen, in diesen Berufen zu arbeiten?

Genug gefragt, schonmal danke für eure antworten!
SchattenwesenIch habe in Schulzeiten ein Praktikum in einer psychiatrischen Klinik gemacht, auf einer Station für Menschen mit schwersten Behinderungen und Psychosen. Allerdings war bei mir damals die Vorraussetzung für das Praktikum, dass ich volljährig bin (ich durfte dann zwar mit 17 schon das Praktikum machen, aber nur, weil mein eigener Bruder schwer geistig behindert ist und ich somit einige Erfahrung hatte).
Berufsgruppen sind auf jeden Fall: Ärzte (Psychiater, Neurologen...), Psychologen, Sozialpädagogen, Pädagogen, Heilpädagogen, Physio-, Ergo- , (Gestalt?) und Sprachtherapeuten, Pfleger, Krankenschwestern/ pfleger...
Einen guten Einblick bekommst du dort sicher, wenn du deinen Zivi bzw. ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) machst. Praktika sind auch eine gute Idee!
Bücher weiß ich jetzt so spontan keine, aber schau doch mal bei amazon.de nach, such' einfach nach "Psychiatrie", und du wirst bestimmt fündig!
Auf fie Idee mit behinderten Menschen zu arbeiten, bin ich gekommen, indem ich einfach damit groß wurde und einen ziemlich guten (natürlichen ) Draht zu diesen Menschen habe. Ich liebe ihre Authentizität!
Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen...

~Schatti~
OdessaKann mich Schattenwesen nur anschließen :-)

Wir haben bei uns natürlich Psychologen und Psychiater, viele der Psychiater bei uns sind auch Ärzte für Neurologie, dann jede Menge Sozialpädagogen, Therapeuten (Ergo, Moto, Kunst, Musik, seit neuestem auch welche die sich auf "Eso"/Wellness spezialisierten), Pfleger, Krankenschwestern...

Bücher - es gibt sehr viele Journale ("Psychiatrie heute"), die immer gute und aktuelle Bücher vorstellen, aber die Gebiete sind sehr "umfassend".... Du kannst Dich auf eine Forensik "spezialisieren" wollen, oder auf Kinder- und Jugendpsychiatrie, auf spezielle Borderline-Stationen (werden offener geführt meistens).... das handhabt auch jede Psychiatrie anders.

Die, in der ich arbeite, gilt als "Modellversuch"...wegen der fast schon "hotelähnlichen" Struktur und der Spezialisierung einiger unserer Ärzte auf bestimmten Gebieten (Borderline, Geronto-Psychiatrie, Demenzpatienten) und es macht mir sehr viel Spass, dort zu arbeiten..auch wenn es sehr anstrengend ist. Man darf nie unterschätzen, dass die Patienten dort in keinster Weise mit irgendwelchen "Maßstäben" zu messen sind... innerhalb weniger Minuten kann ein Mensch, der grad noch mit Dir friedlich geredet hat, plötzlich eine "andere Person" sein, kann Dich angreifen, Dich sogar zu schlagen versuchen (oder es auch tun), kann Dich bespucken, beleidigen, bedrohen.... oder kann sich, wenn Du ihm sagst dass es heute keinen Apfelkuchen als Nachtisch gibt, versuchen, aufgrund dieser Aussage im Badezimmer aufzuhängen. Alles schon gehabt, und damit muss man dann klarkommen.

Man braucht sehr viel Sensibilität, darf absolut nicht zynisch werden oder "genervt", muss viel Rücksicht nehmen können - und trotzdem stark und "tough" sein.

Viel Glück! :-)
Lieben Gruß,
ilo
SchattenwesenOdessa...

welchen Job machst du genau?
firebladeeine frage zu deinem prakikum, schattenwesen, hattest du dort auch mal näheren kontakt zu den leuten die dort arbeiten? weil wir hatten letztes jahr inner schule auch ein praktikum, und da hab ich von einigen gehört, das sie dort nur kopieren, kaffe kochen etc. machen durften, vom eigentlichem beruf aber nichts mitbekommen haben.

weiß einer von euch beiden, wie so die arbeitslage aussieht? Also ob momentan (bzw, ausbildung etc mit eingerechnet in 3-4 jahren) auch leute für sowas gebraucht werden? auch wenn ich da vielleicht lieber mal an der uni nachfragen sollte, aber vielleicht wisst ihr das auch...

odessa, diese ganze unterkategorien die du bei therapeuten gennant hast, das sind alles spezialisierungen? und was ist eso?

und vielen dank für diese Informationen, ihr habt mir damit schon enorm weitergeholfen.
Schattenwesenfireblade:

Damals im Praktikum durfte ich so ziemlich alles machen- sogar in Therapien einsehen. Also nix mit Kaffeekochen!

Wie's auf dem Arbeitsmarkt aussieht, kann ich dir nicht sagen- aber da gehst du am besten tatsächlich mal zur Uni oder zum Arbeitsamt, die helfen dir da sicher weiter.

"Eso" = Esoterik! ;)
Und die von Odessa genannten Unterkategorien sind eigene Therapieformen, für die man eine je unterschiedliche Ausblildung macht... Oder was war die Frage?
OdessaSchattenwesen - danke fürs Beantworten.. ich hatte diesen thread total aus den Augen verloren :)

Und ich bin in der PSY eigentlich nur als Arztsekretärin, bin für den stationären Bereich und die Ambulanz des Hauses zuständig. Mache also all den Verwaltungs- und Bürokrempel.

Nachdem aber nach einigen Wochen Arbeit dort nicht mehr zu "verheimlichen" war, dass ich - selbst Borderlinerin - durchaus auch gewisse "emotionale" Zugänge finde zu Patienten (oder die zu mir), die den Therapeuten/Psychologen oft tage- oder wochenlang nicht möglich sind, hat man nichts dagegen, dass ich mich um solche "Fälle" dann auch etwas "menschlich"/pflegerisch kümmere. Natürlich völlig "intern" und nicht planstellentechnisch erlaubt. Aber wenn z. B. ein Patient, der seit Tagen mit niemand spricht und nur die Wand anschaut, auf dem Boden sitzend, dann zu mir sofort herkommt und in meine Arme läuft, ist das ja was Gutes für den Patienten und geht von ihm selbst aus:-)

Selbiges passiert oft bei Depris (wobei wir jede Menge "Schwarzvolk" haben in der "Sparte", sag ich mal so salopp)...da ich selber schwarz rumlaufe und man mir also meine "Zugehörigkeit" ansieht, bin ich dann ein Ansprechpartner für solche Patienten, die einem weissgekleidetem "Normalo"-Arzt nicht sofort diesen "Vertrauens-Bonus" geben und etwas privates erzählen oder "was rauslassen". Wenn ich also private Kontakte herstellen kann oder gewisse "nonverbale" Verständigungen stattfinden, dann nutzen das einige meiner Pflege-/ArztKollegen durchaus. Und mir macht es Freude, ein bisschen "mehr" helfen zu können:)
SchattenwesenIch war auch mal 3 Monate lang Patientin in einer psychosomatischen Klinik und hätte mich ziemlich über jmd wie dich gefreut. Kann sehr gut verstehen, dass die Leute sich einer Schwarzen besser öffnen als 'nem Arzt.
Ist der Job dür dich nicht dennoch superanstrengend, zumal du ja auch eigene Probleme hast (... Borderline ...) und durch deinen Hauptjob eigentlich genug zu tun hast? Wie oft kommt's denn vor, dass jmd deine Hilfe aufsucht?
SchattenwesenDu arbeitest in einer "richtigen" Psychiatrie, oder? Also keine psychosomatische Klinik?

Klingt heftig, was du schreibst... Ich wusste gar nicht, dass man bei Borderline auch Visionen hat- klingt schon fast nach Psychose! Ich hatte auch mal eine Fast- Borderline- Diagnose, sprich: Die Fachleute waren sich nicht sicher... Zum Glück stellte sich dann heraus, dass ich nicht davon betroffen bin. Weißt du, ob man, wenn man einmal diese Diagnose hat, die Krankheit überhaupt nochmal so richtig 'loswerden' kann?

Wie erklärst du dir, dass du so eine vertrauensvolle Ausstrahlung auf die Patienten hast? Wenn sogar ein autistisches Mädchen deine Nähe sucht... und eigentlich wollen Autis von selbst keinen Körperkontakt, das sehe ich an meiner Schule jeden Tag...
mathisschwester...und die heilerziehungspfleger werden mal wieder vergessen :confused:
wie gemein.....

also, wie gesagt, ich habe ebenfalls in der kjp gearbeitet - falls nach den ausführungen von odessa und schatti noch fragen offen sein sollten ....

mathis
SchattenwesenMathis, sorry auch von mir!!! Hatte das mit den Heilpädagogen abgedeckt zu haben geglaubt!

~

Odessa, danke für deine ausführlichen Antworten! Eine Frage dazu habe ich noch: In wiefern ist Borderline Oberbegriff für eine Vielzahl von P- störungen?

LG,

Schatti
SchattenwesenAlso, wenn ich das so lese, dann drängt sich mir der Gedanke auf: "DAS BIN ICH!" *mmh*

Danke für deine Mühen, Ilo!

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