German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 
  Forum: DIES und DAS
    Thema: Eine Frage der Mentalität
MahsheedHeute wurde mir erzählt, dass es in Japan Sitte sei, im Verlaufe eines Abends seinen Gast an die zehn Mal Speisen anzubieten. Es wird erwartet, dass der Gast sich als ehrwürdiger Gast erweist; das tut er dann, wenn er jedesmal die Speisen ablehnt. Tut er dies nicht, riskiert er die Verärgerung des Gastgebers. Japaner verstehen, dass das Gesagte nicht dem Inhalt des Gesagten entspricht und schätzen es ob ihrer indirekten Art der Höflichkeit.

Ist das "typisch japanisch"? Oder ist das auch in Deutschland gang und gäbe?
roddyZu diesem Beispiel (10x pro Abend Essen anbieten) würde ich behaupten, dass es japanisch ist und in Deutschland nicht vorkommt.

Irgendwie glaub ich aber, dass sich auch in Deutschland Fälle finden, dass es der Höflichkeit entspricht etwas zu sagen, was aber bloß nicht wörtlich genommen werden darf. Mir fällt grad nur kein Beispiel ein.
LaChatteIch les gerade "Shogun" von James Clavell... und da werden solche Sitten beschrieben, die in Japan streng ritualisiert sind.

hierzulande dürfen wir bestimmt etwas spontaner sein, ohne gleich unhöflich zu wirken.
absolut_deathHier könnte ich das Buch "Darum nerven Japaner" empfehlen. Sehr interessant was für seltsame Gebräuche und Angewohnheiten Japaner besitzen.

Etwas sagen der Höflichkeit wegen und es garnicht so meinen ist auch in Deutschland verbreitet. Da braucht man nur an das "Wie geht es dir?" zu denken.
Aber das ganze ist lange nicht so üblich wie das in Japan der Fall ist.
MahsheedAuf diese Weise sind Missverständnisse geradezu vorbestimmt.
(Und vielleicht auch Misstrauen oder Ärger) Sicherlich innerhalb verschiedener Kulturen und innerhalb einer Kultur wohl auch.

Es soll sogar nicht selten vorkommen, dass Rassismus aus allein solchen Unterschieden wurzelt ...

Ich persönlich finde es gar nicht besonders höflich, dem anderen etwas anzubieten und dieses Anbieten nicht so zu meinen, vielleicht sogar noch im Anschluss daran über diese Person schimpfend zu reden. Allein dieses Verzichten müssen des Gastes, obwohl dem wohl die angebotene Speise das Wasser im Mund zusammen laufen lässt ...

"Wie geht es dir?"

Finde ich eine wunderschöne Frage ... Besonders gefällt mir der Gedanke an eine Situation, wo diese Frage ernst gestellt ist und wo das Gegenüber der Intention dieser Frage nicht misstraut, sondern ehrlich darauf antworten kann ...
Hirogenin deutschland gibts auch so spezielle verhaltensweisen, die für ausländer irreführend sein könnten zb das deutsche "jaa, jaaa..." oder "allllleees klaaaar..." , das für "leck mich am arsch o. ä. ..." steht...

im grunde sind die deutschen aber viel direkter (ausser deutsche mädels, die sind oft auch indirekt&blumig und die buben sind dann die dummen, weil sie eher direkt sind...), als andere kulturen zb fragt ein deutscher: "wo ist das klo/die toilette?" und andere nationalitäten würden vielleicht eher nach dem badezimmer/ einer frischmachmöglichkeit fragen...

asiaten essen mit stäbchen, deutsche spielen mikado...auch habe ich gehört, dass asiaten weniger schamgefühl haben, wenn sie mal ihre winde wehen lassen müssen...

ist nicht auch das händeschütteln zur begrüssung irgendwo besonders verpöhnt?


mfG


Hirohito
roddy[QUOTE][i]Original geschrieben von Mahsheed [/i]
[B]"Wie geht es dir?"

Finde ich eine wunderschöne Frage ... Besonders gefällt mir der Gedanke an eine Situation, wo diese Frage ernst gestellt ist und wo das Gegenüber der Intention dieser Frage nicht misstraut, sondern ehrlich darauf antworten kann ... [/B][/QUOTE]

Finde ich auch. Allerdings antworte ich auf die Frage nur ernsthaft, wenn ich das Gefühl habe, dass sie auch ernsthaft gestellt wurde. Und das ist meistens nur bei Menschen, die ich kenne der Fall.
absolut_death[QUOTE][i]Original geschrieben von Mahsheed [/i]
[B]"Wie geht es dir?"

Finde ich eine wunderschöne Frage ... Besonders gefällt mir der Gedanke an eine Situation, wo diese Frage ernst gestellt ist und wo das Gegenüber der Intention dieser Frage nicht misstraut, sondern ehrlich darauf antworten kann ... [/B][/QUOTE]Wenn ich jemanden animieren möchte, mir zu sagen wie es ihm wirklich geht, verwende ich diese Frage nie. Dann stelle ich sie anders, einfach nur um zu vermeiden, uninteressiert zu erscheinen.

Ich würde, wenn mir ein Japaner nur der Höflichkeit wegen etwas zu Essen anbieten sollte, trotzdem Ja sagen. Zumindest so lange ich tatsächlich Hunger habe.
decay73Die Frage "Wie geht es dir?" finde ich problematisch.
Zum einen kann sie bedeuten, daß jemand, wenn er sie so einfach fragt, nicht wirklich wissen will, wie es tatsächlich aussieht, sondern es aus reiner Höflichkeit fragt.

Zum anderen kann es bedeuten, daß derjeniger selbst danach gefragt werden will.

In beiden Fällen kann es passieren, daß der Fragende dann ausführlichst seine eigenen Probleme schildert und auf die eventuelle Antwort des Gefragten gar nicht eingeht.

Von daher interessiert mich die Frage nicht sonderlich. Wenn es jemand wirklich wissen will, fragt er anders...
roddy[QUOTE][i]Original geschrieben von decay73 [/i]
[B]Von daher interessiert mich die Frage nicht sonderlich. Wenn es jemand wirklich wissen will, fragt er anders... [/B][/QUOTE]

Ich denke das ist auch eine Frage des Tonfalls. Gerade in meinem Freundeskreis ist die Frage immer noch "in Mode", aber sicherlich nicht als Floskel gemeint und wird auch ernst beantwortet.
MahsheedViele Moslems stellen die Frage "Und wie geht´s?"

Sie wird genutzt, um ein Gespräch einzuleiten, oder innerhalb des Gesprächs neue Gesprächsanreize zu schaffen, um den anderen zu motivieren, warm zu werden, zu reden ... Und dabei kann sich das Gegenüber aussuchen, worüber es reden mag ... Es muss sich nicht mal um den Gemütszustand handeln ... Er soll die Gelegenheit haben, selbst das Thema auszusuchen, darf, als Zeichen der Gastfreundschaft, den Vortritt haben.

Die Frage deutete ich schon als Kurzversion dieses Gedankens:

"Na, hast du einen Gedanken, den du erzählen magst? Ich würde mich mich über ein anteilnehmendes, freundliches Gespräch freuen, wenn du magst, ich mache mit."
Creobotraich hatte da auch ne lustige geschichte gehört:

ein bekannter musste in japan nach dem weg fragen.
er meinte es sei der grösste fehler gewesen. die, die den weg nicht wussten, hätten ihn einfach in irgendeine richtung geschickt, weils sie wohl nicht zugeben wollten. andere haben leute um sich geschart, und dann haben 10 leute über den besten weg diskutiert und einer hat ihn dann schliesslich gefahren, um auch ganz sicher zu gehen, dass er ankommt.

so oder so, höflichkeit kann man auch sehr ernst nehmen :)

vG
creo
Mahsheed[QUOTE][i]Original geschrieben von decay73 [/i]
Die Frage "Wie geht es dir?" finde ich problematisch.
Zum einen kann sie bedeuten, daß jemand, wenn er sie so einfach fragt, nicht wirklich wissen will, wie es tatsächlich aussieht, sondern es aus reiner Höflichkeit fragt.[/quote]

Das empfinde ich dann als falsch verstandene Höflichkeit, weil ich es unhöflich empfinde, jemanden was zu fragen und dann die Konsequenz infolge einer Antwort nicht ertragen zu wollen oder können. Das ist doch dann nicht höflich, sondern feige; denn derjenige hat scheinbar Angst, uninteressiert zu erscheinen oder seine wirklichen Gefühle, die er eben für eine Person hat oder gerade nicht hat, zu verbergen. Aber selbst Feigheit oder Angst sind ja nur menschlich, begegnen den meisten ... nur eines sollte sich der Frager vergegenwärtigen; dass er es nicht dem anderen verübeln kann, wenn er die Regeln einer Frage ernst nimmt. Und einer Frage folgt nunmal eine Antwort.

Ich finde es richtig schade, dass viele diese Frage (z. B. aus Selbstschutzgründen) problematisch finden. Ich glaube, der Zeitpunkt, wo das Misstrauen einsetzt, macht aus einem Kind einen Erwachsenen. Kinder sind in dieser Beziehung ehrlicher, die interpretieren und stellen Aussagen ohne irgendwelche Hintergrundgedanken.

[quote]
Zum anderen kann es bedeuten, daß derjeniger selbst danach gefragt werden will.
[/quote]

Auch wieder menschlich ... Dass es einem Menschen nicht gut geht, und er quasi automatisch nach einer Möglichkeit sucht, jemanden zu finden, der ihn versteht, ihm zuhört und wieder aufbaut und er daraufhin vielleicht nicht mal gezielt, mit der Wie-gehts-Frage auf eine Möglichkeit hofft, auch reden zu können.

Klar, auch hier wäre es sämtlichen Misstrauen der Welt weniger zuträglich, er würde direkt fragen: "Mich bewegt etwas sehr stark. Darf ich es dir erzählen?" Hm ... aber sicher hat der wiederum Angst davor, einen solchen Satz zu sagen, weil dieser heftig offen ist. Und im Falle einer Ablehnung zu (s)einer Demütigung führen kann, die ihm wiederum in seinem eh schon doofen Zustand nicht gut tun würde. Außerdem hätte er vielleicht Angst, dass der Satz wie ein Betteln aufgefasst würde. Viele Menschen haben ohnehin riesige Probleme damit, um etwas zu bitten, sich zu bedanken oder erst recht sich und anderen Fehler einzugestehen.

[quote]In beiden Fällen kann es passieren, daß der Fragende dann ausführlichst seine eigenen Probleme schildert und auf die eventuelle Antwort des Gefragten gar nicht eingeht.[/quote]

Wäre besonders fatal, wenn der Gefragte selbst ein starkes Bedürfnis hätte über etwas, was ihn sehr bewegt, sprechen zu wollen und sich somit total abgewürgt und erst recht nicht ernst genommen fühlt.

Gibt aber auch Fälle, wo das vielleicht gar nicht so schlimm ist, das dringendere Redebedürfnis siegt, ohne dass es dem Gefragten Leid tut, diesmal eher Anteil an den Gedanken des Fragenden zu nehmen.

In Fällen, wo es ihn sehr kränkt, müsste er ehrlicherweise ja darauf aufmerksam machen, dass er sich übergangen fühlt. Und sowas zu äußern, fällt vielen gar nicht einfach, zumal, wenn er Schwierigkeiten hat, "nein" zu sagen.

(Mir fällt in diesem Zusammenhang Nein-Sagen-Können auf, wie nachhaltig sich die Erziehung von Kindern bis in deren Erwachsensein auswirkt ... Z. B. einmal in der Kindheit dazu gezwungen, keine Widerworte zu geben, bringt im Erwachsenenalter so oft die Schwierigkeit mit sich, das Wichtigste zu leisten, was dem Selbstschutz dient, das "nein" sagen ... )

[quote]Von daher interessiert mich die Frage nicht sonderlich. Wenn es jemand wirklich wissen will, fragt er anders... [/QUOTE]

Dann hätte wie bei dem Eingangsbeispiel jemand, der die Bedürfnisse oder Gedanken des Gefragten gar nicht kennt, schon fast bei diesem verspielt, auch wenn er die Frage komplett ehrlich meint?
Trinity GothDas mit dem aus Höflichkeit in die falsche Richtung schicken ist einem Bekannten in Ägypten passiert. Ist also keine rein japanische Sitte.
Zur Ehrenrettung der Japaner muss man aber sagen, das sie recht tolerant gegen Ausländer sind, was unbeabsichtigte Fehler angeht.

Das Satz 'Wie geht's?' ist auch in Deutschland eher eine Begrüßung als das Nachhorchen wie es es dem Gegenüber wirklich geht. Gibt es in andern Spachen und Kulturkreisen auch. Du kannst natürlich auch ein medizinisches Fachgespräch so eröffnen ;)

Gruss
Trin
MahsheedJa krass, total überwältigende Höflichkeitserfahrungen habe ich speziell mit Chinesen gemacht ... Sie waren derartig daran interessiert, zu helfen, wie es unter Deutschen nicht gerade üblich ist, wenn, dann überhaupt unter Freunden.

Ganz ohne gutes Gewissen habe ich die Hilfe leider auch nicht in Anspruch nehmen können, weil ich mir nicht sicher war, ob die Sprachen unserer beiden Mentalitäten jetzt komplett etwas anderes ausdrücken. Vielleicht ist man ja nun in den Augen des Helfenden schon ein Volltrottel, weil man die Hilfe angenommen hat oder unverschämt ... Trotzdem hat mir dieses Selbstverständnis total imponiert, ich fand das richtig gut.
psychochicken[QUOTE][i]Original geschrieben von roddy [/i]
[B]Irgendwie glaub ich aber, dass sich auch in Deutschland Fälle finden, dass es der Höflichkeit entspricht etwas zu sagen, was aber bloß nicht wörtlich genommen werden darf. Mir fällt grad nur kein Beispiel ein. [/B][/QUOTE]

es gibt einen haufen solcher sachen - mir fällt jetzt auch nicht allzu viel ein, aber denkt z.B. mal an "das kann ich nicht annehmen", das dürfte in 90% der fälle leeres geschwätz sein.
oder dass man seine hilfe anbietet wenn klar ist, dass das angebot nicht anegnommen wird.

mir persönlich geht das richtig auf den geist. sich ein bisschen zu zieren mag ja normal sein. aber wenn ich zwei stunden lang nach einem schönen geschenk gesucht habe und den beschenkten dann noch eine halbe stunde lang überreden muss, das auch anzunhemen... schließlich würde ich mir die mühe nicht machen, wenn ich es nicht wollte!
bin am überlegen ob ich nächstes mal einfach sage "okay, dann nehm ich's halt wieder mit, wenn's dich glücklich macht"
also, ich finde dieses geschwafel erst recht unhöflich!
Scheoldas ist mir hier aber auch schon passiert und ich war genauso erstaunt.

bei meinen letzten umzug kamen auf einmal alle Nachbarskinder (alle in meinem alter gewesen und weiblich *lach*) und haben einräumen geholfen während sich die Eltern mit meinen Eltern unterhalten haben...das war richtig krass....

zu dem Beispiel mit dem Essen...sorry, aber warum fragt er wenn er erwartet das der andere "nein" sagt?

aber davon versteh ich wahrscheinlich nicht, denn nicht umsonst spricht man von einer Mentalität...

gruß
scheol
neptuniadas gegenstück zu "wie geht's" ist bei den amis: "how are you?". man sollte nie versuchen, die frage zu beantworten, das verursacht nur große verwirrung. die korrekte antwort lautet: "thanks, fine, and how are you?" - selbst wenn man grade tot umfällt ...

und japaner sind wirklich absolut mißverständlich. laden sie (auf einem besuch in deutschland) dich zu sich nach hause (in japan) nachdrücklich ein, so vermeide es, diese einladung anzunehmen, falls du tatsächlich mal in japan bist ... dann bekommen sie fast die tür nicht auf ...
(absolut, das buch "darum nerven die japaner" ist wirklich klasse, grade lese ich es ;-)
und die geschichter mit der wegbeschreibung ist meiner freundin in tokyo auch passiert. mittlerweile setzt sie sich einfach ins taxi und hofft, der fahrer kennt den weg ...

und am witzigesten war es in hongkong, weil du da auf grundsätzlich jede frage die gleiche antwort hörst: "yesyes"
"is this the ferry to kowloon?"-"yesyes" ...
"may i kill your wife?"-"yesyes" ...

oh, aber deutsche gepflogenheiten sind auch seltsam. so hat es sich inzwischen überall eingebürgert, daß man selbst flüchtige bekannte mit "meine lieben" anspricht ... inflationäres gebrabbel ...
Manleyich habe im vergangenen jahr in großbritannien die erfahrung gemacht, daß zwischen einigermaßen zivilisierten menschen ein gespräch mit der gegenseitigen frage "how are you" beginnt, was im privaten bereich mit einer mehr oder weniger ausführlichen schilderung des ist-zustandes beanwortet wird, während man im arbeitsleben einfach antwortet "not too bad, thank you". egal wie auch immer, diese frage erleichtert den einstieg in ein gespräch enorm.

in deutschland ist mir so etwas allerdings bisher selten untergekommen, man vermischt halt berufliches nicht mit solchen fragen. wenn das jemand anders erlebt - bitte belehrt mich eines besseren... hier wird die frage "wie geht es dir" meist nur im privaten bereich gestellt, und nur wirkliche freunde sind an einer ehrlichen antwort interessiert. diejenigen, die auf eine schilderung des jeweiligen zustandes etwas wie "ach ja, nett" antworten, zähle ich nicht zu meinen wirklichen freunden, allenfalls zu bekannten. meine freunde erzählen dann nämlich auch im gegenzug auch, wie es ihnen geht...

noch mal zu ritualisiertem verhalten - in großbritannien ist es gang und gebe, jemanden zu einer besprechung auf tee einzuladen, und das abzulehnen, wird als unhöflich empfunden. sollte euch also jemals ein brite auf tee einladen...
blodregnetnaja, wenn du mich fragst kann man das auch ein bisschen mit dem europäischen gang und gäbe vergleichen. ich habe 2 jahre mit einem freund in ner wg gewohnt, naja sagen wirs so, der kühlschrank war nicht gerade immer randvoll aber trotzdem wenn wir gäste hatte haben wir etwas angeboten. eben das was wir hatten.

ich glaube das ist bei anderen nicht anders...

mfg
Any BodyAndere Kulturen - andere Sitten... ob jemand oder insbesondere Asiaten oder Chinesen es ehrlich mit einem meinen, hängt meiner Erfahrung nach von den Interessen und Neigungen der einzelnen Personen ab. ...
littlelunaticIch kenne mich leider mit asiatischen Bräuchen gar nicht aus, aber ich finde so etwas auch nicht schlimm. Wenn man sich für eine Kultur interessiert, sollte man sich eben auch mit ihren Eigenheiten vertraut machen, das erwarten wir als Deutsche bzw. Eurpäer ja auch.
Und ich denke, wenn man höflich ist und nette Dinge sagt und auch so meint, kommt man überall mehr oder weniger zurecht. Die Leute merken ja auch, wenn man sich zumindest bemüht.
Meine Oma bietet einem auch zehnmal am Abend was zu essen an... bei ihr ist es aber eher unhöflich, es abzulehnen, trotzdem erlaube ich mir das als fast platzende Enkeltochter manchmal - aber sie weiß, dass ich sie lieb hab und das nicht böse meine.

Diese Forderung nach nur ehrlich gemeintem "Wie geht es dir?" ist zwar grundsätzlich vielleicht gerechtfertigt, andererseits finde ich es auch gut solche "Rückzugsmöglichkeiten" wie diese Floskeln zu haben. Ich möchte manchmal ja nichtmal meinen engsten Vertrauten erzählen, was mich bewegt, warum sollte ich dann einem Bekannten, der mich nach meinem Befinden fragt, mein gesamtes Innenleben offenlegen? Außerdem habe ich auch schon oft "Wie geht's dir?" gefragt, ohne ein ernsthaftes Interesse am wahren Zustand des Gegenübers. Das ist dann eher so eine Form von "Ich hab dich wahrgenommen, erzähl mir was, wenn du möchtest, du musst aber nicht" Und wenn es Freunden nicht gut geht, merkt man das ja meistens und kann sich dann nach Näherem erkundigen...
Entscheidend ist wohl auch der Tonfall. Wenn ich ein belangloses "Wie gehts dir?" höre, antworte ich mit einem belanglosen "Gut, danke, und dir?" Ich denke, die meisten Leute benutzen diese Floskeln unbewusst.
FichuUm mal Klischees in Sachen Geschlecht (M) und Bundesland (SH) zu bestätigen, bei guten Freunden o. ä. komme ich weitgehend mit minimalistischen Grunzlauten aus, was so Sachen wie Begrüßung oder Anbieten/Annehmen anbelangt. Solche vergleichsweise "elaborierten" ;) Begrüßungen wie "Wie gehts?" tendiere ich wörtlich zu verstehen, was nicht immer paßt.

Sowas wie der körperliche Abstand, den man zum Gegenüber hält, oder gegenseitiges Anfassen sind übrigens anscheinend auch kulturgeprägt (ich finde, viele Araber "tatschen" einen dauernd an, was etwas komisch wirkt, wenn mans nicht gewöhnt ist).

Ich glaube, häufig übersetzt man auch Floskeln wörtlich oder vergreift sich allgemein im Ton, wenn man eine fremde Sprache spricht, was dann oft deplaziert wirkt. Ich sag nur: Französisch -- wir schreiben einen Brief :rolleyes:.

Ich hab übrigens die Theorie, daß viel böses Blut zwischen US-Amerikanern und Europäern auf solche interkulturellen Mißverständnisse zurückgeht, grade weil die Kulturen sich so ähnlich sind. Was für Europäer normal ist, wirkt auf Amis überheblich (steif, unpersönlich?), und was für die normal ist, wirkt auf Europäer oberflächlich oder affig (z. B. die Höflichkeitskonventionen). Mir ist z. B. nicht ganz klar, wie ernst dieses Patriotismus- oder Religionsgeschwafel bei öffentlichen Auftritten normalerweise gemeint ist.

Und Baumbart bezeichnete die Hobbits als "hastig". ;)
Demon17Ob solche Sitten, wie die beschriebene japanische mentalitätsbedingt sind, weiß ich nicht. Es gibt in fast allen Ländern andere Sitten, die nicht unbedingt eine Frage der Mentalität sind. In England bekommt man den ganzen Abend z.B. nur ein Glas angeboten und muss sich dann daran festhalten, also sooo unterschiedlich sind englische und deutsche Mentalität ja nicht, diese (Trink-)Sitten differieren jedoch extrem.:D

never surrender

demon17
MarcieAlso, man muss in Japan mit Sicherheit nicht zehn Mal das angebotene Essen ablehnen. Wenn man eingeladen ist (was in Privatwohnungen eher selten vorkommt) und etwas zu Essen zubereitet wurde, dann kann man es selbstverständlich auch essen. Würde man es partout ablehnen, wäre es eher sehr unhöflich. Richtig ist zum Beispiel dass man bei Geschenken etwa drei Mal ablehnen sollte, dann aber das Geschenk natürlich annehmen soll. Das gilt aber alles eher für distanziertere Bekanntschaften und nicht, wenn man jemanden schon besser kennt.

German Gothic Board
 
Boardansicht: Klick HIER und betrachte das Thema mit allen Funktionen direkt im Board.

 

German Gothic Board

Startseite Chat Grüße SchwarzKultur