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  Forum: DIES und DAS
    Thema: Mittelalter und die Hexenkunst
BlutHundHallo ihr da draussen


Da ich durch meine Äusserung in einem anderen Threand eine Diskusion ausgelöst habe die fast dazu geführt hat das der in ganz andere Richtung geht, habe ich mich entschlossen einen neuen zu eröffnen.


Das Thema ist Mittelalter und mein Interesse in dieser Epoche gilt den Hexen und dem Okultismus dieser Zeit.
Ich würde sagen das in dieser Zeit die Themen ihren "Boom" erlebten oder besser gesagt die ersten offiziellen aufzeichnungen aus dieser Zeit stammen.
Was mich besonders interessiert ist das Wissen und die Praktiken der Menschen die Hexe oder Hexer genannt worden sind und ob sie wirklich nur über das Wissen im Bereich Kräuter, Heilkunde und Astrologie besassen oder auch "zauber" praktizierten, gab es einen Pakt mit dem Teufel oder ist es nur ein schauermärchen den die Kirche verbreitet hat.
Wie kamen die Menschen zu der Behauptung das sie jemanden auf nem besen fliegen gesehen haben jedes gerücht hat doch seinen Ursprung ?

Warum hat der Papst die Templer so hoch gestellt nur weil sie der Kirche treu waren? Weil sie die Pilger beschützt haben?
Das waren andere Orden auch!
Oder sind die Templer auf was gestossen was der Kirche gefährlich werden kann und haben sie damit erpresst?

Das sind wenige Themen von einigen die mit dieser Zeitepoche zutun haben.

und jetzt seid ihr dran?
Gr. Gaulichter"Wie kamen die Menschen zu der Behauptung das sie jemanden auf nem besen fliegen gesehen haben jedes gerücht hat doch seinen Ursprung ?"

vielleicht weil es ihnen subjektiv schlecht ging und sie ihre aggressionen in irgend einer form loswerden mussten. die behauptung, jemand sei eine hexe kompensierte das leid und schützte zudem davor, selbst als hexe gebrandmarkt zu werden.

gg.grüße
angelpygar[QUOTE][i]Original geschrieben von BlutHund [/i]
[B]...
Wie kamen die Menschen zu der Behauptung das sie jemanden auf nem besen fliegen gesehen haben jedes gerücht hat doch seinen Ursprung ?
... [/B][/QUOTE]

hat vielleicht auch was mit Folter zu tun?!? Wenn der Schmerz groß genug ist, kann man alles sehen. Und es war ja vielleicht auch 'n gutes Mittel um an den Besitz des ungeliebten Nachbarn zu kommen. (Ist wie bei den Amis, die machen jetzt auch ganz viele Taliban, um ans Öl zu kommen)

Ich weiß nicht, ob du schon was vom [URL=http://gepc189.uni-trier.de/cgi-bin/RMnetIndex.tcl?hea=qf&for=qfhxmusiel]Musiel-Register[/URL] gehört hast? Das ist ein Verzeichnis von hingerichteten und besagten Personen aus dem Trierer Land (1586-1594) (Trierer Hexenprozesse. Quellen und Darstellung) Übrigens sind da alle besagten Personen mit einem Kreuz vor dem Namen später hingerichtet worden. Das ist 'ne ganz Menge. für den eigentlich kurzen Zeitraum von 8 Jahren. Ein Wunder eigentlich, dass das überhaupt jemand überlebt hat.
The ArcherIch fürchte, ich muss dich enttäuschen. Lassen wir auf der Folter abgepresste Geständnisse einmal beiseite, so ging das, was man für Hexerei hielt, vor allem auf heidnisch-keltische Riten aus vorchristlicher Zeit zurück.

Bei den Templern liegst du völlig falsch, sie waren Krieger-Mönche, die schlicht und einfach zu mächtig wurden und vom französischen König der Ketzerei bezichtig und ausgelöscht wurden (ein paar erkaufte und erfolterte Geständnisse belegten die Anklage), während eine erpressbare Kirche tatenlos zusah.

Der Begriff „Hexe“ (mittelhochdeutsch „Hecse“, althochdeutsch „Hagzissa“) bedeutet so viel wie „Hecken- oder Zaunreiter“. Gemeint ist mit dem Zaun der symbolische Übergang zwischen dem Diesseits und der Geisterwelt, eine „Hecse“ war also jemand, der zwischen beiden Welten verkehrte, z.B. ein hellsichtiger Mensch, ein Druide oder eine heidnische Priesterin. In frühen Darstellungen wurden die Zäune auch als gegabelte Äste dargestellt, später wurde daraus der Hexenbesen.

Ach ja: Stechapfel, Tollkirschen und Fliegenpilze wuchsen damals schon.
BlackDragon[QUOTE]Wie kamen die Menschen zu der Behauptung das sie jemanden auf nem besen fliegen gesehen haben jedes gerücht hat doch seinen Ursprung ?[/QUOTE]
Ist lang her, dass ich mich damit beschäftigt habe, aber wenn ich mich recht erinnere, kam das ungefähr so:
Es gab ein heidnisches Ritual, bei dem der Ausführende auf einem Pferd im Kreis ritt und wenn kein Pferd vorhanden war, wurden welche aus Holz gebastelt (in etwa wie die, die es teilweise heute noch als Kinderspielzeug gibt), die dann der Einfachheit halber durch Besen ersetzt wurden.
- so einfach ist das.

Was die Hexenverbrennung angeht, sollte man sich vor Augen halten, dass es so etwas wie Okkultismus, wie wir ihn heute verstehen, in diesen Kreisen schlichtweg nicht gab. Die Betroffenen in den Gemeinden waren fast durchweg streng christlich und des Lesens nicht mächtig. Ritualmagie konnte sich hier einfach nicht etablieren, obschon diese Art der Hexerei sicherlich die theoretische Grundlage für die spätere Verfolgung bildete. Auf Rituale zurückgehende Hexerei wurde schon im germanischen Altertum geächtet, allerdings bei weitem nicht so hart, wie später unter der Inquisition.

Unter Hexerei verstand man im Allgemeinen das Eingehen eines Paktes mit dem Teufel oder das Anbeten von fremden Göttern und Götzen, aber auch dem Volksglauben entstammende Geschichten über Tierverwandlungen und Flüge durch die Luft.
Das "Handbuch" der Hexenverfolgung war der Ende des 15. Jahrhunderts erschienene "Malleus Maleficarum" - der Hexenhammer.
Zur Hochzeit der Inquisition im 16. und 17. Jahrhundert, war Hexerei zwar nur bei Vorhandensein eines Schadens mit Verbrennung zu bestrafen, aber daran hielt sich zu diesem Zeitpunkt niemand mehr - die Angst war zu groß und schon das bloße Erkranken eines Schweines im Stall reichte meist aus um einen Hexenprozeß ins Rollen zu bringen. Die üblichen Strafen waren neben der Verbrennung das Vierteilen, das Ertränken, das Begraben bei lebendigem Leibe, das Rädern (wobei die Knochen zerstoßen wurden) und das Hängen.

Zurück zum Thema:
Die Blütezeit des Okkultismus war nicht das Mittelalter - hier gab es nur vereinzelte abtrünnige religiöse Sekten - sondern die Zeit der Aufklärung, die Zeit Louis XVI. und das 19. Jahrhundert. In den verschiedensten Varianten tauchten Ritualmagie und Geistergeschichten auf. Ob als Schauermärchen zum Abend, als Gegenbewegung zu den aufklärerischen Naturwissenschaften oder als eigene Wissenschaften mit allem, was dazugehört.
In der 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erlebte dann der Okkultismus eine weitere Blüte (Aleister Crowley, Israel Ragardie)

Das allgegenwärtige fast schon Standartwerk des Okkultismus dürfte wohl die Clavicula Salomonis sein, auf welche sich sogar Goethe im ersten Teil von Faust bezieht...
Dunkle GräfinEs handelte sich hier um ein Fruchtbarkeitsritual bei dem die Hexen nur auf den Besen ritten (kamen keine Pferde vor). Heute nutzt man immer noch diese Besen für Reinigungsrituale etc.

Leute die dann halt keine Ahnung hatten und das sahen dachten gleich, dass Hexen damit auch fliegen können.
An sich waren es es einfach nur Menschen, die sich mit Kräutern und den Heilkräften der Natur auskannten aber alles was damals abseits der Norm war, war den Menschen unheimlich und wurde sofort verfolgt. Da könnte man glatt Paralellen zu heute ziehen...
The ArcherFruchtbarkeitsrituale gab es im noch viel wörtlicheren Sinne.

Im 8. Jh. setzte sich unter Karl dem Großen das Christentum weitestgehend durch, wobei insbesondere die Sachsen heftigen Widerstand leisteten (Stichwort Sachsenkriege) und die „Missionierung“ recht blutig von statten ging. Christliche Feiertage wurden auf keltische Feiertage gelegt, Kirchen an früheren Kultplätzen errichtet, und die alten Götter wurden buchstäblich verteufelt. Der Glaube an Schadenszauber ist wohl so alt wie die Menschheit selbst, trotzdem wurde der Glaube an Hexen (also Personen, die Schadenszauber betrieben) verboten und deren Verfolgung/Lynchjustiz noch im 8. Jahrhundert unter Todesstrafe gestellt!

Trotz des Einzug haltenden Christentums gab es eine Reihe von Menschen, die im Verborgenen zu den alten Göttern beteten und das Wissen ihrer Vorväter bewahrten.
Dabei ging es nicht nur um medizinisches Wissen, sondern vor allem um ein tiefes Verständnis des Menschen für die Natur. Frauen hatten in dieser Naturreligion wegen ihrer Fruchtbarkeit eine verhältnismäßig starke Position inne und Sexualität wurde als etwas völlig natürliches angesehen. Hinzu kam der Glaube an eine geisterhafte Anderswelt, und den Druiden und Priesterinnen war das Wissen um halluzinogene Drogen (Pilze, Stechapfel, Tollkirschen) durchaus bekannt. Klar, dass dieses Wissen und diese Werte in einem krassen Gegensatz zum mittelalterlichen Gesellschaftsbild standen. So wurde zwar das Wissen der „Kräuterfrauen“ (ob heidnischen oder christllichen Glaubens) einerseits geschätzt (zumal sie im Einzelfall auch Abtreibungen vornahmen), aber viel mit ihnen zu tun haben wollte man nicht.
Nichts desto trotz gab es im Verlauf des Früh- und Hochmittelalters relativ wenig Reibereien, die Kirche hatte andere Sorgen, wie etwa die Vergrößerung ihrer weltlichen Macht und die Auslegung von Glaubensfragen. So wurden Fürsten zu Bischöfen, und kleine Dorfpriester scherten sich wenig um ihr Keuschheitsgelübte (da stand nur was von nicht-heiraten, von nicht-poppen hatte keiner was gesagt).

Wer derweil dem alten Glauben nachhing und „erwischt“ wurde, wurde zwar meist fest genommen, aber als weitaus schlimmeres Verbrechen galt im MA die Ketzerei. Obwohl die Kirche die „Hexerei“ zwar als Problem sah, veränderte sich das Bild von den „Hexen“ erst im 13. Jh. maßgeblich durch Thomas von Aquin, einem einflussreichen Kirchenmann. Laut Aquin schlossen die Hexen einen Pakt mit dem Teufel, in dem sie sexuell mit dem Satan verkehrten.

Nun stelle man sich einmal folgende Situation vor: ein christlicher Bauer beobachtet im März des Jahres 1350, wie sich zwei junge Frauen aus seinem Dorf in der Dämmerung davonschleichen. Er folgt ihnen zu einer abgelegenen Waldlichtung, auf der eine Gruppe von Menschen um ein Feuer herumtanzt und Götter anruft, deren Namen er noch nie gehört hat. Vielleicht trägt einer von ihnen eine Kopfbedeckung aus Fellen und Hörnern – an wen, wenn nicht Satan höchstselbst soll unser Bauer da denken? Er beobachtet, wie die Menschen ein Fruchtbarkeitsfest feiern, und dies im allzu wörtlichen Sinne. Dass die Wollust eine Todsünde ist und der Teufel die Menschen verführt, hat unser Bauer noch am letzten Sonntag in der Kirche gehört. Von Ostara, der frühjährlichen Tages- und Nachtgleiche, versteht unser Bauer wenig, dafür ist sein Weltbild zu begrenzt, er kennt nur das Christentum. Er erkennt die blinde Alte aus dem Nachbardorf, über die immer schon einige Seltsamkeiten gemunkelt wurden. All diese fremden, unheimlichen und ganz und gar unchristlichen Riten – wie soll er all das deuten? Noch dazu diese Heimlichtuerei, mitten in der Nacht. Kann dies denn etwas anderes sein als der Teufel persönlich, der mit seinen Gefolgsleuten den Hexensabbat begeht? Der Dorfpriester, dem sich unser Bauer anvertraut, sieht das genau so...

Der religiöse Übereifer zweier Dominikanermönche im 15. Jh. witterte in der Hexerei eine satanistische Sekte. Schlimmer noch als Schadenszauber oder ähnliches war in den Augen der Inquisitoren der Abfall vom katholischen Glauben. Die Seele könne nur durch das Reinigende Feuer erlöst werden – das Böse muss bekanntlich brennen (achtet mal auf moderne Filme, wie oft stirbt der Bösewicht in den Flammen?). Kritiker dieser Theorie wurden kurzerhand als Häretiker mit verbrannt. Legitimiert wurde die Hexenverfolgung mit einer päpstlichen Bulle, und die neu erfundene Kunst des Buchdrucks verbreitete den „Malleus Maleficarum“ rasend schnell.
BlackDragon[QUOTE]Es handelte sich hier um ein Fruchtbarkeitsritual bei dem die Hexen nur auf den Besen ritten (kamen keine Pferde vor). [/QUOTE]
Hab grad nochmal nachgeschaut, scheine das wohl irgendwie verwechselt zu haben:
[QUOTE]Das tragende Element des Fluges ist das Reittier. Natürlich konnten die sibirischen Schamanen z.B. kein lebendes Pferd in ihr Ritual einbauen (hätte durch seine Unruhe gestört). Sie verwendeten deshalb hierzu ein symbolisches Pferd - ein Stab mit einem Pferdekopf, als Zeichen des Attributes (ja richtig erraten, ein Steckenpferd!)[/QUOTE]
Ob das jetzt irgendwie miteinander in Verbindung steht, sollte man aber auch mal überprüfen...
HumboldtHab mich früher viel mit Geschichte beschäftigt, vor allem mit Scharfrichtern, dadurch aber auch am Rande mit Hexenprozessen - habe dazu noch drei vielleicht ganz interessante Texte auf meiner HP gefunden - vor allem über die Beweggründe für Hexenprozesse.

[url]http://www.bauerkai.de/WEB/Genealogie/Ahnendokumente/Dok00034.pdf[/url]
[url]http://www.bauerkai.de/WEB/Genealogie/Ahnendokumente/Dok00035.pdf[/url]
[url]http://www.bauerkai.de/WEB/Genealogie/Ahnendokumente/Dok00036.pdf[/url]

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