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  Forum: DIES und DAS
    Thema: Entwürdignung
AlvorecaEben habe ich mit einer "normalen" Freundin über Friedhöfe geredet. Es gibt hier doch bestimmt einige, die nachts ab und zu mal auf Friedhöfen sind oder? Oder auch am Tag egal wann! sie meinte, dass es ja eigentlich ziemlich entwürdigend für die Toten ist und das man das nicht machen sollte! ICh konnte es jetzt nicht so voll und ganz nachvollziehen. Was ist eure Meinung dazu? Ist es Entwürdigung der Toten?
AmayaKlingt jetzt vielleicht etwas rational und kalt, aber was stört es einen, der schon tot ist ? Er merkt eh nichts davon ;) . Mal abgesehen davon gibt´s da ja eigentlich auch nichts zu merken, oder ? Ich meine, was tust du denn da außer rumlaufen ? Solange du da keinen ausbuddelst, Gräber beschädigst, Bierflaschen und ähnlichen Müll rumwirfst oder sonstwie randalierst, ist da doch nichts Falsches dran.
Ich geh nicht nachts auf Friedhöfe, aber alle Jahre wieder mal tagsüber, zum nachdenken einfach nur so über einen Friedhof spazieren. Damit tue ich doch keinem weh. Aber es ist halt eine sehr spezielle, friedliche, ja sogar inspirierende Stimmung dort und man kann da echt gut über Gott und die Welt nachdenken.
ChimonasIch schliesse mich Amaya an, was die Ruhe der Toten angeht. Die Einzigen, welche dadurch gestoert werden koennten, sind die noch Lebenden.


Gruss
Chimonas
AlvorecaJA ich war bisher auch eher ab und zu mal da- tagsüber! Aber sie meinte wohl dass es eine Ruhestätte ist und da niemand sonst was verloren hat. Ich finde auch, dass es niemanden entwürdigt und wie schon gesagt sind die Tote ja eben tot. Wenn man was kaputt macht ist es natürlich was anderes. Das meinte ich jetzt aber nicht.
AmayaFriedhöre sind eine öffentliche Einrichtung, also darf da jeder rein. Ganz offiziell und ohne schlechtes Gewissen. Von daher scheint es nichts Entwürdigendes zu haben. Es laufen da ja auch die ganzen Totengräber, Priester und Angehörige, die die Gräber ihrer Verstorbenen pflegen, rum. Also gleiches Recht für alle ;) .

Aber wenn deine Freundin sagt, es wäre entwürdigend, kann sie es denn auch begründen ? Ich denke nicht. Da bekommst du dann als Antwort wahrscheinlich "Weil es halt so ist" zu hören, oder ?
AlvorecaSie findet es eben entwürdigend weil die Toten da ja ruhen sollen und alles ja es ist wirklich so, dass es am ende schon diese Argumente "Weil es eben so ist" gibt!! Ich hätte von ihr eine derartige Reaktion auch garnicht gedacht weil ich eben nie darüber nachgedacht hatte. Aber auch jetzt nachdem ich es getan habe finde ich es eigentlich nicht so schlimm!
AmayaSie können nicht wirklich ruhen, weil sie tot sind. Sie können gar nichts mehr: Nicht fühlen, nicht riechen, nicht hören und auch nicht ruhen. Nix. Nada. Niente.
Es liegt da zwar ein toter Körper drin, aber da liegt die Betonung auf "tot". Man könnte ja auch meinen, es wäre für ein Schwein oder eine Kuh erniedriegend, wenn wir sie irgenwann als Steak essen. Aber die Kuh selbst merkt davon doch überhaupt nichts mehr.
Moriturushmm da hast du wohl recht, aber ich glaube das dies wohl nicht alle machen werden weil das doch die meisten menschen das als "merkwürdig" oder fremd empfinden ich glaube ja das die sogenannten "lebenen" einfach sich immer vorstellen das wir andere sachen machen als nur die Stimmung zu genissen die an solchen orten herscht.
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von SchlafenderMond [/i]
[B]Ich kann es nachvollziehen, wenn es Menschen, der Stille und einer gewissen Mystik wegen auf den Friedhof zieht.
Würden das jedoch alle machen, die sich danach sehnen, wäre der Friedhof überfüllt von Lebenden und nicht von Toten. [/B][/QUOTE]Das wäre für mich nur ein deutliches Zeichen dafür, daß es zu wenig andere Parks und Gärten und Wälder gibt, in denen die Menschen ihre Sehnsucht nach Ruhe und Meditation stillen können. Es ist ja gerade so "in", alles zuzubauen und zuzubetonieren. :(
SiriusDie Toten müssen sich mit ihrem Ausruhen sowieso immer mehr beeilen, da die meisten Friedhöfe hoffnungslos überbelegt sind und die Zeitintervalle zwischen den Neubesetzungen der Gräber immer kürzer werden - ich glaube es waren 30 Jahre, aber diese Zahl muß wohl schon in vielen Städten mächtig nach unten korrigiert werden. Ich bin nicht unbedingt jemand, der auf Friedhöfen herumwandert, aber ich stimme zu, das jeder Mensch jederzeit sich an diesen Orten aufhalten darf, aus welchen Gründen auch immer.
Es gibt ja z.B. auch Soldatenfriedhöfe, wo täglich tausende Touristen herumspazieren, da beschwert sich auch niemand über die Störung der Totenruhe.

So lange man mit der entsprechenden Pietät dort herumwandert
und sich nicht, wie ein Vandale aufführt, sehe ich kein Problem in Friedhofsbesuchen. Und wie schon sehr richtig gesagt wurde, dürfte es den Toten ohnehin relativ gleichgültig sein.
HaevionDie Toten sind tot.
Das ist ein ganz normaler Prozess :)
Von daher kannst Du nichts stören...
Irrationaler Unfug. :)
atrumAve.

Ich finde nichts dabei Friedhöfe zu besuchen, solange man dies mit dem gegebenen Respekt tut sehe ich da kein Problem, ich zumindest tue es gerne. Wer weiß schon ob die Toten wirklich so für Ruhe sind, vielleicht freuen sie sich über Besuch, des öfteren haben ich und meine Freundin an enem Grab halt gemacht und haben über die Menschen, die dort begraben wurden, nachgedacht. Wer sie waren, wie sie gelebt hatten?
Sicher, würden jetzt plötzlich Massen von Menschen auf die Friedhöfe stürmen, wäre es mit der Ruhe und Besinnlichkeit vorbei, dies ist aber zum Glück nicht der Fall, ich denke auch nicht in der Zukunft. Den meisten Menschen sind Friedhöfe irgendwie Suspekt oder sie wollen nicht an ihre Vergänglichkeit erinnert werden.

Gruß, atrum.
CjósadísAm Tag auf Friedhöfe zu gehen stört mich nicht,nur in der Nacht würde ich nicht gehen,da bei uns regelrecht aufgepasst wird,dass niemand hinein kommt.Ich glaube,es ist auch wegen Grabschändungen so,da diease in letzter Zeit wieder zunehmen.
Rising SunWenn ich nachts über den Friedhof laufe, hab ich nicht das Gefühl, da irgendjemanden zu "stören".

Wurden mal vom Friedhofswärter angeschissen deswegen, dass Kollegen und ich nachts da rumlaufen und stören (waren aber sehr leise eigentlich), aber genau der gleiche Friedhof steht direkt neben nem Platz, wo immer die Jahreskirmes ist, und bis weit nachts krach ist, und ebenso zum Kirmesende Feuerwerk der Friedhof total voll ist.

da beschwert sich ja auch keiner :rolleyes:

naja, und wie auch gesagt wurde, die Toten sind tot, und damit merken die eh nichts mehr.
CjósadísWenns dich bei uns erwischen hast die Polizei am Hals...
rainravenWarum man bei Nacht die Toten mehr stört als bei Tag, verstehe ich nicht ganz..Weil sie dan schlafen wollen?
Friedhöfe sind doch nur von Rechts wegen nachts geschlossen oder deren Betreten verboten (wenn überhaupt, es gibt auch ein paar alte bei uns, die als Parks dienen, und die sind nicht nachts zu), weil man sich absichern will, daß da jemandem was passiert, von wegen überfallen werden oder daß Penner da wohnen oder jemand wirklich meint, er muß da verbotene schwarze Messen zelebrieren, aber ich glaube, das ist eher die Ausnahme.

Ich persönlich denke, es wäre im Sinne der Toten, daß Lebende sich auf dem Friedhof aufhalten können und sich optisch und akustisch z.B. an Pflanzen, Grabstätten und der Ruhe erfreuen und erholen oder jemandem gedenken oder einfach nur nachdenken können. Ich weiß nicht, ob das dann Unterschiede macht, ob es Tag oder Nacht ist. Bei uns gibt es Friedhöfe, da picknicken die Leute und spielen die Kinder Ball, und sie sind teilweise Wälder oder Parks für Spaziergänger, und das ist alels ganz legal, da haben Friedhöfe auch die Funktion von Grünflächen und Erholungsgebieten- wen man es natürlich nicht übertreibt. Also Barbecueparties mit Ghettoblaster und kiloweise leeren Bierflaschen gehören nicht so auf Friedhöfe.


Deswegen fand ich es auch ein wenig albern, als wir mit der Klasse 1992 in Paris waren und ich mit einer Freundin natürlich das Grab von Jim Morrison besuchte, um dort ein Foto zu machen und zu gedenken, und wir uns von besoffenen, dort auf den Nachbargräbern herumliegenden, radiohörenden, Bierflaschen und Kippen von sich werfenden, "Fans" anpöbeln lassen mußten, daß das doch keine Sehenswürdigkeit sei und wir gefälligst Respekt zeigen und den Eiffelturm und nicht ein Grab fotografieren sollten. Zu schade, daß ich besser Französsich verstehe als spreche, denn sonst hätte ich ihnen mal die Meinung gesagt, ob sie es denn pietätvoller finden, besoffen auf fremden Gräbern rumzulungern und besoffen und bekifft ihr "Heiligtum zu bewachen"...


Ich habe kein Problem mit Friedhöfen, obwohl ich mich auch bevorzugt tagsüber dort aufhalte und eigentlich nicht oft dorthin gehe, außer, ich will jemanden da besuchen, mein Weg führt nun mal da durch, oder die schönen Grabsteine ansehen.

T.R.
Lichtwichtseit gegrüsst

verzeiht wenn ich lächle bei dem thema ...aber die stadt nürnberg schreibt ihre friedhöfe als sehenswürdigkeiten auf ihre HP und empfielt sie somit touristen als anlaufpunkt ... nun meine persönliche meinung ist : lieber sitzt auf meinem grabstein ein Goth und und wird eins mit der kraft dieses ortes als das 20 knipsende japaner meine ruhe stören :p



*passt auf euch auf*


.......................!
Crow GirlSo lange man Gräber nicht beschmutzt, Leichen ausgräbt oder Grabsteine beschädigt, sehe ich nicht ein, wieso man die Toten mit dem Besuch auf dem Friedhof beleidigt.

Die sind bestimmt froh, mal endlich etwas Gesellschaft zu bekommen.
ChimonasHmm, na ja...Ich weiss ja nicht, ob die soo froh sind, ausgerechnet mich als Gesellschaft zu bekommen.....andererseits muss ich aber auch sagen, es hat sich noch keiner von ihnen ernsthaft bei mir beschwert.



Gruss
Chimonas
Bluewoelfin1Hallo
ich bin neu hier und möchte trotzdem Antworten.
Ich glaube nicht das es entwürdigent ist sondern für den Lebvenden ein Ort um trotzdem mit dem Lieben in einklank kommen zu können wenn sie es wollen.Ich glaube auch nicht das es so schlimm ist denn es ist für sich selber auch gut wenn man weiss wo der jenige ist den man auf den Friedhof läßt.
Lieben Gruss
Bluewoelfin
NighttimebirdIch finde es definitiv nicht entwürdigend, für wen auch immer, auf Friedhöfe zu gehen.
Friedhöfe sind oft wunderschöne, friedliche Orte und ich bin sehr gern dort, wenn es mir schlecht geht und ich nachdenken möchte. Eben weil mich dort niemand stört und jeder dort mit sich, seinen Gedanken und Emotionen beschäftigt ist.
Ich habe jahrelang unseren jüdischen Friedhof mitgepflegt, sowie das Grab meines Großvaters und habe nie erlebt, dass dies jemandem schlecht aufgestossen wäre. Trotz der schwarzen Klamotten.
Im Gegenteil, auch unser Friedhof wird von vielen Menschen zum spazierengehen und Ruhe finden genutzt.

Aber mal ernsthaft, ich finde die Erklärung Deiner Freundin etwas unbefriedigend.:(

Liebe Grüße, Nighttimebird
Chimonas@ Nighttimebird

Hast Du auf den Grabsteinen auch die Steinchen gesehen, die dort liegen? Wenn ja, kannst Du mir sagen, was sie bedeuten?



Gruss
Chimonas
demelzaich finde auch nicht dass es die totenruhe stört, wenn besucher sich dort ruhig verhalten und still ihren gedanken auf einer der dort stehenden ruhebänke nachhängen.

viel "störender" für die ruhe des toten wäre da schon eher

1) personal von grabpflege-firmen, die sich bei ihrer arbeit laut grölend gegenseitig über die gräber hinweg anplärren oder dort ihr bierchen während einer arbeitspause zischen

2) oder wenn dort irgendwelche besucher ein sauf- und freßgelage veranstalten und müll in die gegend werfen
ThornIch persönlich finde es nicht entwürdigend, wenn Menschen zum Nachdenken, oder Philosophieren auf den Friedhof gehen. Der Friedhof war schon immer ein magischer Ort für mich, an dem ich mich wohl fühlte, ok bei mir mischt eine gewisse Todessehnsucht da mit, aber das ist an dieser Stelle egal.
Entwürdigend finde ich es eher, dass einige Leute meinen ihre Hunde mit auf den Friedhof nehmen zu können, die dann da überall hinmachen. Man da krieg ich jedesmal nen Anfall.
Ausserdem finde ich es entwürdigend, dass man Gräber nicht länger als 30 Jahre im "Besitz" der Familie haben kann, ich weiß nicht, ich kann mich mit dieser Vorstellung nciht anfreunden, dass dann die Gräber platt gemacht werden, die Grabsteine abgeschliffen werden, und wieder verwendet werden.
Und ebenso negativ ist meine Meinung zu den überhöhten Grabpreisen, dass ist wirklich lächerlich, selbst damit übertreiben die Leute. SCHEIß KAPITALISTENPACK!
LarmedesuicideIch bin ab und zu auf unserem Friedhof, eigentlich nur weil ich das Grab von meiner Oma gieße oder so. In fremden Dörfern etc sehe ich mir auch gerne die Friedhöde an, weil es dort schön ruhig ist und die Atmosphäre etwas beruhigendes hat. Entwürdigendes Verhalten wär höchstens, wenn man dort Verstecken oder sowas spielen würde, oder Tänze auf Gräbern aufführt, was ich für meinen Teil sicher nicht tue.

edit: Ja, ich und tippen *g*
Black MoniIch denke auch nicht, dass es entwürdigend ist, solange man gewisse, schon genannte Regeln, einhhält. Warum auch? Ein Friedhof ist ein Ort, an dem man auch mit den Verstorbenen "kommunizieren" kann.
Mache allerdings oft die Erfahrung das "Otto Normalverbraucher" nicht wissen, wie man sich an einem solchen Ort verhält. Erlebe oft solche Leute, die bei der Grabpflege lautstarke Unterhaltungen führen. Oder im Vorbeigehen so laut, dass ich es hören kann, sagen: Oh guck, so ein kleines Grab, ist bestimmt ein Kind. Ist das nicht furchtbar. Ich bin kein gewalttätiger Mensch, aber denen könte ich wirklich nur in die F***** hauen.

@Thorn
Du hast recht mit dem was du sagst. Aber, normale Gräber kann oft nachkaufen, d.h. die Zeit verlängern. Kindergräber haben nur eine Zeit von 15 -20 Jahren und man selten verlängern.

Grüße
Black Moni
prof.ahSind Friedhöfe nicht auch dazu da um dort einfach mal spazieren zu gehen oder so?!Ich mnein, das machen doch viele oder irre ich da jetzt...und solange du nicht necrophil bist, werden die Toten ja auch nicht entwürdigt...
rosenkindentwürdigend finde ich:

- Leute, die Blumen von fremden Gräbern klauen, um die eigenen damit zu schmücken
- Kiddies, die Grabseine besprayen
- Leute, die dort Leichen ausbuddeln, ohne zum Friedhofpersonal zu gehören
- Saufgelage
- Fotografie von Menschen und Grabsteinen, nur, um sich in Szene zu setzen
- Zankereien auf dem Friedhof
- Sex und ähnliches dort


nicht entwürdigend finde ich:

- über den Friedhof zu wandern und seinen Gedanken nachzuhängen
- irgenwo zu sitzen und etwas zu lesen
- nachts ein Meer von Lichtern zu sehen
- ruhige, tiefsinnige Gesräche zu führen
- Fotografien von Grabsteinen zu machen, weil man dir Architektur bewundert

ich denke, die meisten Menschen argumentieren so, weil der grfutige Friedhofsgang ihnen selbst zu fremd ist. Und fremd = schlecht. Ein angemessens Benehmen auf einem Friedhof setze ich gleich mit einem ruhige und nicht störendem Verhalten und dem Entgegenbringen von Resekt. Ich sehe au Friedhöfen oft Menschen, die sich wesentlich unangebrachter verhalten als ich, sobald sie das Grab des geliebten Menschen verlassen, da wird dann angefangen laut zu reden oder zu schäkern oder ähnliches, als ob 1 Meter weiter nicht auch ein Mensch unter der Erde liegen würde, dem irgendwem viel bedeutet hat.

Und besonders schlimm finde ich diesen "Blumenklau"... ach wie haben keine Blumen, holen wir uns die vom Nachbargrab, das ist genauso ne Unverschämtheit wie Grabsteine vollzukritzeln, nur: darüber redet keiner...
PeKaes gibt auch sowas wie eine friedhofskultur . die friedhofskultur ist überhaupt nicht irgendeiner jugendkultur untergeordnet auch nicht den gothics (selbst wenn die das schonmal gar nicht wahr haben wollen) sondern gehört zum allgemeinen kulturbesitz. es gibt ganze bücher die sich mit friehöfen und den innschriften von grabsteinen auseinander setzen. man täte den alten steinmetzen unrecht wenn man ihre hinterlassenen skulpturen nicht mehr würdigt. kein wunder, dass es kulturinteressierte leute auf den friedhof zieht, in den meisten städten geht der rest altertümlicher kultur doch verschutt. kein geld ist zum restaurieren da. mit billigen mitteln der heutigen zeit wird beton über bröckelnden stuck geklatscht. viele schöne steinmetzarbeiten auf den friedhöfen sind auch schon schneller rationalisierung zum opfer gefallen. nach dem motto das alter hat das ding schon, jetzt kommt mal ein neuer grabstein drauf. was zählt in dieser zeit noch der blick für das künstlerische detail? aber menschen hungern nach inspiration, hungern nach den hinterlassenschaften ihrer ahnen, ihrer alten kultur. man möchte meinen, sich mit eigenen augen auf friedhöfen vergewissern zu müssen, dass es all so viel schöngeist mal gab und nicht bloß ein traum oder eine vision aus einer schönen mär war.
leider sehen die meisten neuen grabsteine überhaupt nicht mehr liebevoll gearbeitet aus. daher kommt es dann auch das viele neuen friedhöfe von ihrer wirkung verloren haben oder gar keine mehr besitzen. immerhin sind friedhöfe im stile von parkanlagen gestaltet, inseln im lauten pausenlosen alltagsleben. ich kann es doch niemanden verdenken, der es genießt, über einen friedhof zu gehen, weil er diese ruhe und die ausstrahlung der bäume genießt. nur sehr geizige tote, die dann vielleicht zum glück nicht mehr leben, würden sich daran stören. zum glück muss kein friedhofsspaziergänger rechenschaft darüber halten, ob er an jedem einzelnen grabstein bitter mit dem weinen beginnt.

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